gfs.echo

mit Lukas Golder und Jenny Roberts

gfs.echo ist der Politik-Podcast von gfs.bern. In 25–35 Minuten sprechen Lukas Golder und Jenny Roberts aus seinem Team mit Gästen aus Verwaltung, Verbänden, Parteien und NGOs. Locker im Ton, präzise in der Sache: Fakten einordnen, Annahmen testen, Konsequenzen für die Praxis benennen. Jede Folge liefert Zahlen aus aktuellen Studien, eine klare Einordnung und einen Blick nach vorn. Zweiwöchentlich – als Video und Audio.

  1. Folge 1 ·  Video

    Wohnungsbau in der Stadt: Hohe Bodenpreise treiben die Baukosten neuer Wohnungen

    Beim Thema serielles Bauen und Bodenanteil ist für Adrian Wyss, Head Division Buildings bei Implenia, klar: Genossenschaften bauen nicht günstiger, sie haben günstigeres Land. In der Stadt macht der Bodenanteil rund 50 Prozent der Gesamtkosten aus. Serielles Bauen in Holz-Systembauweise ist nach rund tausend Einheiten gleich teuer wie konventionelles Bauen, günstigen Wohnraum schafft es aber nicht. Entscheidend ist für Adrian nicht die Höhe der Baukosten, sondern der Bodenpreis. Wer in der Schweiz eine Wohnung sucht, erlebt einen anderen Markt als jemand, der schon lange in seiner Wohnung lebt. Corina Schena von gfs.bern belegt den Gegensatz mit Zahlen: Laut der Nationalen Wohnstudie sind rund 70 Prozent der Bevölkerung mit ihrer Wohnsituation sehr zufrieden. Im Sorgenbarometer 2025 nennen 24 Prozent der Befragten steigende Wohnkosten als eines der fünf grössten Probleme. Einen Grund sieht Adrian darin, dass Leute, die nach dem Auszug der Kinder günstig auf zu viel Fläche wohnen, nicht umziehen, wenn eine kleinere Wohnung teurer wäre. Diese Fehlallokation trifft Familien, die in der Stadt suchen. Beim Thema serielles Bauen und Bodenanteil hält Adrian fest: Bauen kostet überall in der Schweiz ähnlich viel, Standardisierung bringt gewisse Kostenvorteile. An der Zürcher Zypressenstrasse baut Implenia Büros zu 55 Wohnungen um, die Baubewilligung kam nach viereinhalb Monaten. Weiter geht es um missbräuchliche Einsprachen und den Wunsch nach Planbarkeit. In der Verantwortung sieht Adrian auch die Landverkäufer, etwa Erbengemeinschaften: Sie könnten Land für vielleicht 20 Prozent weniger an Projekte mit mehr preisgünstigem Wohnraum verkaufen. Im Podcast erwähnte Studien: UBS Sorgenbarometer Transkript zur Episode 00:00:00 Offsprecher gfs.echo, der Podcast von gfs.bern mit Lukas Golder und Corina Schena. 00:00:11 Lukas Willkommen bei gfs.echo. Die Staffel zu Mieten, Wohnen, Mietpreisen, die zunehmend beschäftigen. Und bei uns zu Gast ist vom Marktführer Schweiz, Implenia, der Head Division Buildings, Adrian Wyss, herzlich willkommen bei uns. 00:00:28 Adrian Danke vielmals. 00:00:29 Lukas Ein Projekt, von dem wir haben lesen können, ist die Zypressenstrasse in Zürich. 55 Wohnungen sind entstanden, vorher ist es Büroraum gewesen. Wenn du dir das so ein bisschen anschaust, was ist der Hebel, um wirklich Wohnungen zu machen? Sind es eher Verfahren oder sind es die eigenen Planungs- und Bauweisen? 00:00:48 Adrian Ich glaube, Umnutzung von Büro zu Wohnen ist ein Ansatz, der hilft, das Wohnraumangebot zu schaffen, der hilft, Wohnungen an zentralen Lagen zu schaffen, wie das Beispiel, das du erwähnt hast, die Zypressenstrasse in Zürich. Es ist noch nicht gebaut, aber es ist in Realisierung. Es ist ein Projekt, das ein Büro gewesen ist, und mit schlauen, intelligenten Konzepten kann man weiterbauen, kann man verdichten an diesem Standort, kann aufstocken, kann die Bürofläche umnutzen in Wohnen, kann den Bestand erhalten, kann eine gute CO2-Bilanz erreichen und hat schlussendlich auch ein modernes Wohnangebot, das ein kleiner Baustein ist, der das Angebot erweitert an einem guten, attraktiven Standort in der Stadt Zürich. 00:01:34 Lukas Corina Schena, du hast ein bisschen die Studienlage von uns, Wohnstudien, aber auch die anderen Studien angeschaut. Was ist dir am meisten aufgefallen? 00:01:43 Corina Was mir wirklich geblieben ist, ist so ein spannender Gegensatz, den wir beobachten können. Einerseits bei der nationalen Wohnstudie sehen wir, dass eine sehr, sehr hohe Zufriedenheit da ist mit der eigenen Wohnsituation. Rund 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung sagt, dass sie sehr zufrieden ist. Es gibt einen Wert von 8, 9 oder 10 auf einer 10er-Skala, das ist … sehr gut, aber wir sehen natürlich auch im Sorgenbarometer, dass die Sorge rund um die steigenden Wohnkosten immer grösser wird. Wir sehen es: Im Jahr 2025 nennen 24 Prozent der Befragten steigende Wohnkosten als eines der grössten fünf Probleme. Und das ist natürlich etwas, das beschäftigt. Wohnen ist etwas, womit alle tagtäglich wirklich konfrontiert sind, und dadurch gibt es so ein bisschen den Gegensatz, den wir beobachten. Wir sehen aber auch in der nationalen Wohnstudie, dass ein grosser Unterschied ist, wenn man Leute über den eigenen Standard oder den aktuellen Standard und die aktuelle Wohnsituation befragt, und mit den Leuten redet, die etwas suchen. Also Leute, die einen neuen Standort suchen, eine neue Wohnung suchen, die sagen, okay, der Preis ist sehr entscheidend, hingegen sagen diejenigen, die die bestehende Wohnsituation beurteilen, für sie ist zum Beispiel die Anbindung an den ÖV oder auch die Nähe zur Grünfläche, zur Natur sehr wichtig. Und dadurch zeigt sich mir so ein bisschen die Frage: Haben wir da eine Zweiteilung beim Wohnproblem? Also haben wir einerseits Leute, die sehr zufrieden sind und die Zufriedenheit mit der aktuellen Wohnsituation haben, und Leute, die auf der Suche sind, die vor einem Problem stehen. Ich weiss nicht, wie du das, Adrian, wahrnimmst in deinem Alltag, in deinem beruflichen Alltag, wie ist das bei dir? 00:03:38 Adrian Beruflich oder auch in meiner persönlichen Situation. Ich glaube, das ist eine richtige Beobachtung, dass die Haushalte, die Personen, die schon lange in einer Wohnung, in einem Haus sind, natürlich auch nicht mit den gleichen Problemen konfrontiert sind wie die, die heute ihre … städtische Umgebung, Agglomeration, eine Wohnung suchen, wo man einfach kein Angebot hat und das Angebot, das besteht, dann sehr teuer ist. Und das ist sicher ein Problemfeld, das man dort hat: Angebot und Nachfrage, die nicht im Gleichgewicht sind, aber natürlich nicht alle gleich betrifft. Ich glaube, das kann man unterstreichen. Ich möchte vielleicht noch, was kann man sagen? Ich meine, es geht auch darum, wie viel Fläche eine Person, ein Haushalt belegt. Es kommt dann dazu, wer mal eine Wohnung hat, sei es auch in der Stadt Zürich und in einer genossenschaftlichen Umgebung eine günstige Wohnung allenfalls hat. Und dann in viel zu vielen Quadratmetern wohnt, weil die Familie die Kinder ausgezogen sind und so. Und natürlich ist er sehr zufrieden, weil er an dem Standort dann immer noch die Fläche hat und immer noch eine günstige Miete hat, das verstehe ich. Wenn er jetzt aus dieser Wohnung raus muss und dann eine kleinere Wohnung nimmt und die ist sogar teurer als das, was er heute hat, bleibt er einfach. Das führt dazu, dass es eine Fehlallokation gibt. Aber das ist unser System, das ist für den Mieter oder den Eigentümer natürlich eine positive Situation, aber führt dazu, dass kein Wechsel stattfindet und die Familien, die in der Stadt eine Wohnung suchen, dann entsprechend nur mit dem teuren Angebot konfrontiert sind und dass das natürlich eine Anspannung generiert, das ist nachvollziehbar für mich. 00:05:18 Lukas Aber steigende Wohnfläche pro Person, das haben wir immer noch, der Trend. Und das, was du ansprichst, ist auch, wir haben einen Riesenanreiz, dass man im günstigen Wohnraum bleibt, dass man einfach nicht wechselt und dann blockiert man vielleicht für eine junge Familie gerade eine Wohnung, die perfekt geeignet wäre. 00:05:35 Adrian Und das Problem kommt dann dazu, dass du in einem städtischen Umfeld für ein Neubauprojekt, wenn du dann auch verdichten willst, es hat keine freie Fläche zum Bauen, es hat kein Bauland. Das führt dazu, dass du immer verdichten musst. Du hast das in engen städtischen Umfeldern, wo du ja idealerweise auch Arbeitsplätze hast, und dort ist aber das Bauen kompliziert und teuer. Auf der anderen Seite, wenn du als Familie etwas suchst, dann wo hast du Land? Dann gehst du, wo hast du Möglichkeiten zum Bauen? Dann gehst du aufs Land, in die Agglomeration oder wirklich dann aufs Land raus. Und dort hast du dann wieder das Problem, ja, du kannst günstiger etwas kaufen, und dafür hast du dann wieder Verkehrsträger, die nicht entsprechend ausgebaut sind oder noch mehr belastet werden, und dann ist so wieder das Problem verlagert. Also wenn du nicht in gut erschlossenen Lagen, zentralen Lagen, Wohnraum schaffen kannst, ja, dann führt das zu Verlagerungen und dann zu Belastung von anderen Systemen. Aber schlussendlich das Individuum, das Einfamilienhaus ist immer noch ein Produkt, das sehr hoch eingeschätzt wird von den Nutzern. Ich selber wohne auch in einem Einfamilienhaus, das ist schön, aber ja, du hast dann das Pendeln vom Land in die Stadt, und das merkt man extrem, wie das belastet ist, die ganzen Verkehrssysteme, sei es öffentlicher Verkehr oder auch Privatverkehr. 00:06:54 Lukas Hast du bei dieser Kartografie noch ein bisschen bleiben, kannst du uns ein bisschen erklären, wo ist welches Problem beim Bauen auch, beim Wohnen, beim Wohnraum finden, günstige Wohnungen finden? Das ist schon sehr unterschiedlich. 00:07:08 Adrian Das ist sehr unterschiedlich. Ich weiss, wenn man das vielleicht von der Raumplanung her anschaut, ist das wirklich in einem städtischen Umfeld extrem langwierig, bis du, wenn das nicht zonenkonform ist, wenn du grössere Überbauungen machen willst, wenn du eine Überbauungsordnung, einen Überbauungsplan erstellen musst, einen Gestaltungsplan, der sehr langwierige Bewilligungsprozesse hat, bei denen du Mitwirkung hast von Anwohnern, von politischen Parteien, von Verbänden. Das ist einfach ein extrem langer Prozess. Es wäre eigentlich sinnvoll, an zentralen Lagen zu bauen. Auf der anderen Seite hast du dann Auflagen, die hoch sind, der Prozess, der extrem unsicher ist. Wie lange geht das? Und auch Geld, das du in die Hand nehmen musst. Und dann baust du lieber nach der geltenden Bauordnung und hast nicht die entsprechende Ausnützung, und wir vergeben uns eine Chance, an diesem Standort mehr zu machen. Das ist eine Situation, mit der viele Investoren, seien es Immobilienentwickler oder auch Bestandeshalter, natürlich konfrontiert sind. Und dann tun wir uns eigent

    Wohnungsbau in der Stadt: Hohe Bodenpreise treiben die Baukosten neuer Wohnungen
  2. Folge 2 ·  Video

    Steigende Wohnfläche pro Person, nachhaltiges Bauen erst seit fünf Jahren im Fokus: Szélpal sieht den Wohnungsbau im Rückstand

    Um 1900 gab es drei Lebensphasen, heute sind es laut Zukunftsinstitut sieben. Die Bestandsbauten sind dieselben geblieben. Boris Szélpal, Professor für Architektur und Planung an der Berner Fachhochschule, erklärt, warum die Wohnfläche pro Person weiter steigt und warum sich die Wohnungsknappheit in den nächsten fünf Jahren nicht stoppen lässt. Lebensphasen und Bestandsbauten passen immer schlechter zusammen: Gebäude stehen über Generationen, Lebensläufe ändern sich schneller. Zu Kind, erwachsen und alt sind Phasen wie die «Rushhour» hinzugekommen, in der man sich zugleich um Kinder und alternde Eltern kümmert. Menschen und Bauten wieder zusammenzubringen, nennt Boris «die grosse Aufgabe unserer Gesellschaft». Laut Bundesamt für Statistik hat die Wohnfläche pro Person 2025 mit 46,6 Quadratmetern einen Höchstwert erreicht. Boris erklärt das mit dem Planungsvorlauf: Bezogen wird, was vor rund zehn Jahren geplant wurde, über Genügsamkeit rede man erst seit etwa fünf Jahren. Weil die meisten Mieterinnen und Mieter nehmen müssen, was gebaut wird, fordert er im Bau- und Planungsrecht eine Obergrenze für die Wohnungsgrösse. Warum ältere Alleinstehende in grossen Wohnungen bleiben, zeigt eine Masterarbeit von Hausammann Sieber: wegen des tiefen Mietzinses und des vertrauten Netzwerks. Als Hebel nennt Boris die «Phase null», die seit 2022 zur Planungsnorm des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins gehört. Bevor ein Strich gezeichnet wird, werden mit Zeit und Honorar die Bedürfnisse geklärt. Schneller bewilligt werde nur, was vorne sorgfältig vorbereitet sei. Im Podcast erwähnte Studien: UBS Sorgenbarometer 2025 von gfs.bern Transkript zur Episode 00:00:00 Sprecher gfs.echo, der Podcast von gfs.bern mit Lukas Golder und Corina Schena. 00:00:13 Lukas Herzlich willkommen bei gfs.echo. Wir diskutieren Themen, die die Leute beschäftigen. In dieser Staffel geht es um das Thema Wohnungsmangel, steigende Mietpreise, und wir haben einen spannenden Gast zu diesem Thema heute: Professor Boris Szélpal, Professor für Architektur an der Berner Fachhochschule. Du hast, das hast du mir erklärt, als wir hier entlang gegangen sind, deine Arbeit erklärt. Wir müssen den Raum ganzheitlich denken, und du hast vor allem gesagt, du musst schon bereits im Untergrund, bei den Röhren und Tiefleitungen und Tiefbau anfangen. Müssen wir wirklich, um die Probleme beim Wohnen zu lösen, ganz bei Adam und Eva anfangen? 00:00:54 Boris Danke für die schöne Frage. Adam und Eva ist gerade ein bisschen, aber sicher weit vorne. Ich sage mal, man muss die Köpfe auch mal drehen. Aber wichtig ist schon, dass verschiedene Leute verschiedene Bedürfnisse haben, und dem ist Rechnung zu tragen. Auf jeden Fall, und in der Schweiz sowieso, wo wir so grosse Erwartungen haben, mit den Bedürfnissen verknüpft, muss man einfach schauen, dass die Leute das bearbeiten können, was sie sich wünschen, die Erwartungen, aber auch sagen können, diese Bedürfnisse gehen nicht, und auch verzichten können, darum geht es. Und vor allem beim Bauen sowieso, wo es so wichtig ist, was wir in der Zukunft aufstellen und bauen, dort muss man auf die Leute hören. 00:01:33 Lukas Du nennst wirklich den Verzicht, das ist jetzt fast ein bisschen Gegenzeitgeist, würde ich sagen. Das ist ein Teil deiner Lösung, oder? 00:01:40 Boris Das ist ein Teil meiner Lösung und von meinem Ansatz. Man kann auch schöner sagen: Genügsamkeit. Und das ist eine Schwierigkeit in unserer Gesellschaft, in der alles immer mehr, immer weiter, immer schneller geht, genügsam zu sein und das auch selbst zu spüren, wenn man genügsam ist und wenn es dann reicht. Und wenn man in der Gruppe das diskutieren kann, was reicht und was braucht es überhaupt, dann kann man sich auch darauf einigen, dass es weniger braucht. Aber wenn man in die Diskussion nicht hineingeht miteinander, kommt man gar nicht auf diese Lösung, dann gibt es immer mehr. Dann bestellen die Leute immer mehr. 00:02:12 Lukas Corina, du hast dir die Studie ein bisschen angeschaut, und die Arbeiten natürlich von Boris. Was ist dir dabei ins Auge gestochen? 00:02:20 Corina Ein Punkt, der mir da gerade mit deiner Genügsamkeit, mit dem Begriff, sehr stark ins Auge gesprungen ist, der eigentlich dem widerspricht, ist: Das BFS hat gerade vor ein paar Wochen eine neue Zahl herausgegeben zum Flächenverbrauch pro Person, also wie viel Wohnfläche eine Person in Anspruch nimmt. Und da sind wir 2025 bei 46,6 Quadratmetern gewesen, ein neuer Höchstwert. Wie schaust du das an? Was würdest du begrüssen oder was müsste man machen, dass Menschen freiwilliger mit weniger zufrieden sind? 00:02:56 Boris Die Studie ist aktuell und überrascht nicht, weil das, was wir jetzt ja fertig haben und was bezogen wird, das ist vor zehn Jahren geplant worden. Und es ist immer zeitverzögert. Also vor zehn Jahren sind wir gar noch nicht so weit gewesen, dass wir über Genügsamkeit, Verzicht und über Nachhaltigkeit so stark geredet haben in unserer Gesellschaft, sondern es ist noch um anderes gegangen: schneller weiter, mehr bauen, schneller abreissen, die Waschmaschine noch schneller auswechseln, darum ist es gegangen. Das ist erst seit fünf Jahren, wo das kommt, wo das in die Gesellschaft hineinkommt, dass wir auf unsere Umwelt besser schauen müssen, wir müssen schauen, wie man anders bauen kann, nachhaltiger bauen kann, dass die Kreislaufwirtschaft auch in der Forschung aufgekommen ist. Und darum hinken wir ein bisschen nach, und da müssen wir auch ein bisschen tolerant sein mit uns. 00:03:42 Corina Aber würdest du in dem Fall meinen, dass es sich in eine gegensätzliche Richtung entwickeln müsste, dass wir jetzt den Peak erreichen, aber dann wieder zurückgehen von diesen 46,6 Quadratmetern? 00:03:55 Boris Ja, wenn man diese Kennzahl nehmen will, weiss ich auch nicht genau, was sie bedeutet für die Menschen, die dann auch nicht wählen können. Das ist einfach ein Schnitt auf einen ganzen Wohnraum, der zur Verfügung steht in der Schweiz. Das hat auf die einzelnen Personen einen Einfluss, in den Schichten vielleicht, aber sie können ja nicht wählen. Die meisten können nicht wählen, weil sie Mieter sind, die müssen das nehmen, was da ist, und dort hat es Quadratmeter zur Verfügung. Also müssten wir eine Grenze festlegen, und die muss politisch sein oder aus dem Baurecht, aus dem Bau- und Planungsrecht, in dem man sagt, einfach so viel darf eine Wohnung haben, Maximum, und dann wird es auch so gebaut. Aber solange es diese Grenze nicht gibt im Baurecht, wird das immer mehr, denke ich. 00:04:39 Lukas Man kommt zum Wohnungsmangel, und es gibt zu wenig Einheiten, zu wenig Wohnraum, Wohnungen in dem Sinn. Beschreib aus deiner Sicht: Was ist das Problem? Ist es eine Passungsproblematik, oder hat es zu wenig Einheiten? Wird zu wenig schnell zu wenig viel gebaut im Vergleich zum Bevölkerungswachstum? 00:05:01 Boris Deine Frage ist vielschichtig natürlich, und die kann ich nicht so einfach beantworten, muss ich ganz ehrlich sagen. Ich sehe einfach, dass eine Wohnungsknappheit jetzt herrscht. Und knapp ist sie geworden, weil einfach die Erwartungen und Bedürfnisse von uns Menschen hier in der Schweiz ständig gestiegen sind. Ich sehe das bei meinen Studierenden auch. Jeder hat selber ein Auto, es ist gut in der Mobilität, wir wohnen vielleicht in der WG zusammen, viele haben auch selber schon eine Wohnung mit 22 bis 25. Also sind die Erwartungen und Bedürfnisse gestiegen, und wir werden uns auch nicht durch einen Verzicht, der einem gar nicht weh tut, wenn man verzichten muss, nicht verschlechtern, wenn man eine neue Wohnung nimmt. Das heisst, wir schauen immer gegen oben: Wie könnte ich mich verbessern? Es braucht ein Zimmer mehr, es braucht vielleicht noch eine Ankleide mehr, der Eingang muss ein bisschen grösser sein, und dann steigen die Erwartungen. Und das ist wie eine Bedürfnisweckung in den Menschen innen. Und darum ist dieser Mangel vielleicht auch entstanden, weil wir gar nicht so schnell bauen können, wie die Bedürfnisse stetig steigen. Und da kommen wir nicht nach, also mit der Bohrmaschine. Wir probieren es ja, wir versuchen das zu vereinfachen und schneller zu machen, aber es geht noch nicht. 00:06:11 Lukas Man macht ja relativ viel. Man spricht ja auch vor allem dort bei einer extremen Nachfrageproblematik in den grossen Städten. Man versucht dort auch mehr gesamtheitlich zu denken. Aber wenn man zum Beispiel an ältere Menschen denkt oder auch an Familien, was ist dort genau das Problem? Was fehlt dort? 00:06:32 Boris Was den Menschen fehlt, ist nicht viel, habe ich so das Gefühl, wenn ich auf die anderen Länder schaue, einfach gar nicht viel, sondern es sind die individuellen Bedürfnisse, die steigen, und mit der Individualität auch, die man hat, die Eventkultur, die kommt. Es muss immer besser sein. Jedes Wochenende müssen drei, vier Events stattfinden an verschiedenen Orten, sind auch die Bedürfnisse gestiegen, und dadurch gibt es auch Nachfragen, also Angebots- und Nachfrageengpässe, wo dort momentan ein Bedürfnis, das gar nicht mehr nachkommt. Auch mit dem Umbauen, wenn man denkt, dass man etwas umbauen will, dass wieder etwas funktioniert, zum Beispiel Gewerbe, Wohnen, auch das geht wieder länger. Die Bedürfnisse sind auch erst in den letzten paar Jahren gekommen, dass man solche Gewerberäume umbauen könnte wieder zu Wohnungen, zu Altersresidenzen oder Wohnen mit Service oder all diese Wohnformen, die es gibt. Und in der Schweiz ist das alles in den Köpfen der Leute, diese Wohnformen. Wirklich in der Praxis ist gar noch nicht viel angekommen. Und das ist auch das: Wir sind eine wahnsinnig gescheite Gesellschaft, wir sind klug aufgestellt, alle sind super gut ausgebildet, alle möchten mehr, es geht immer in der Weiterbildung, ist sehr gefragt, wir wollen uns bilden, wir wollen gut verdienen. Das schürt Erwartungen, und die Erwartungen k

    Steigende Wohnfläche pro Person, nachhaltiges Bauen erst seit fünf Jahren im Fokus: Szélpal sieht den Wohnungsbau im Rückstand

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gfs.echo ist der Politik-Podcast von gfs.bern. In 25–35 Minuten sprechen Lukas Golder und Jenny Roberts aus seinem Team mit Gästen aus Verwaltung, Verbänden, Parteien und NGOs. Locker im Ton, präzise in der Sache: Fakten einordnen, Annahmen testen, Konsequenzen für die Praxis benennen. Jede Folge liefert Zahlen aus aktuellen Studien, eine klare Einordnung und einen Blick nach vorn. Zweiwöchentlich – als Video und Audio.

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