Fortschritt – der ISÖ-Podcast. Gespräche über Soziale Nachhaltigkeit und was sonst wirklich wichtig ist

Michael Opielka

Fortschritt – der ISÖ-Podcast. Gespräche über Soziale Nachhaltigkeit und was sonst wirklich wichtig ist Der Podcast „Fortschritt“ des ISÖ - Institut für Sozialökologie, moderiert von Michael Opielka, widmet sich Gesprächen über Soziale Nachhaltigkeit und „was sonst wirklich wichtig ist“. Die erste Folge dient als Einführung in die Perspektive und die Kernthemen des Podcasts, insbesondere das Konzept des „Fortschritts“.

  1. 23. Aug.

    24 - Fortschritt - der ISÖ-Podcast - Folge 24 - Verteidigung des Universalismus

    Was bedeutet Universalismus in einer Welt, in der Nationalismus, geopolitische Machtpolitik und die Schwächung internationaler Institutionen wieder an Bedeutung gewinnen? Und woher stammt überhaupt die Vorstellung, dass wir bei moralischen und politischen Entscheidungen nicht nur das Wohl der uns Nahestehenden, sondern das Wohl aller Menschen berücksichtigen sollen? Darüber spricht Michael Opielka in Folge 24 des ISÖ-Podcast mit dem Soziologen und Sozialphilosophen Hans Joas, Ernst-Troeltsch-Honorarprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin und langjähriger Professor an der University of Chicago. Ausgangspunkt des Gesprächs ist Joas’ großes, 2025 bei Suhrkamp erschienenes Werk „Universalismus. Weltherrschaft und Menschheitsethos“. Joas unterscheidet zwei grundlegend verschiedene Formen des Universalismus. Unter moralischem Universalismus versteht er das Ethos, bei moralischen und politischen Entscheidungen grundsätzlich alle Menschen in den Blick zu nehmen – nicht nur Familie, soziale Gruppe, Volk oder Nation. Davon unterscheidet er den politischen Universalismus, also den Anspruch von Staaten und Imperien, ihre Herrschaft über immer größere Räume, im Extremfall über die ganze Welt, auszudehnen. Eine zentrale These seines Buches lautet, dass die Geschichte des moralischen Universalismus nicht unabhängig von der Geschichte imperialer Herrschaft verstanden werden kann.

    24 - Fortschritt - der ISÖ-Podcast - Folge 24 - Verteidigung des Universalismus
  2. 2. Aug.

    23 - Fortschritt - der ISÖ-Podcast - Folge 23 - Glanz und Elend von Utopien

    Was brauchen demokratische Gesellschaften, um sich weiterzuentwickeln? Sind Utopien notwendige Orientierungspunkte gesellschaftlichen Fortschritts oder führen sie in Ideologien und Verschwörungserzählungen? Darüber spricht Prof. Dr. Michael Opielka mit dem Leipziger Soziologen Prof. Dr. Georg Vobruba, einem der profiliertesten Sozialwissenschaftler im deutschsprachigen Raum. Beide verbindet eine fast vierzigjährige wissenschaftliche Zusammenarbeit, die mit ihrem gemeinsamen Buch Das garantierte Grundeinkommen (1986) begann. Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Frage nach Wesen und Geschichte der Utopie. Vobruba erinnert daran, dass Utopien keine zeitlose Erscheinung sind, sondern mit der europäischen Moderne entstehen: Erst mit dem Beginn der Neuzeit entwickelt sich die Vorstellung, dass Gesellschaften von Menschen gestaltet und verändert werden können. Ein erster Schwerpunkt gilt dem Verschwörungsdenken als einer modernen Form politischer Anti-Utopie. Vobruba zeigt, dass Verschwörungserzählungen weniger konkrete Zukunftsentwürfe entwickeln als eine radikale Kritik der Gegenwart formulieren. Ihr eigentliches Ziel sei die Sehnsucht nach einer einfachen, vollständig erklärbaren Welt, in der komplexe gesellschaftliche Prozesse auf wenige vermeintliche Drahtzieher reduziert werden können. Im zweiten Teil wenden sich Opielka und Vobruba den klassischen sozialistischen Utopien zu. Sie diskutieren die Ambivalenz zwischen emanzipatorischer Hoffnung und autoritären Versuchungen des "wissenschaftlichen Sozialismus". Zugleich würdigen sie den nachhaltigen Einfluss utopischen Denkens auf die Entwicklung des demokratischen Sozialstaates und moderner sozialer Rechte. Eine besondere Rolle spielt Ernst Blochs Prinzip Hoffnung. Vobruba fasst dessen zentrale Botschaft in einem Satz zusammen: Utopien seien notwendig, "damit man das Wünschen nicht verlernt". Neue Bedürfnisse und neue Vorstellungen gesellschaftlicher Entwicklung bilden die Voraussetzung sozialen Fortschritts. Am Beispiel des garantierten Grundeinkommens diskutieren beide schließlich eine "konkrete Utopie". Dabei plädieren sie weder für Heilsversprechen noch für revolutionäre Gesellschaftsentwürfe, sondern für realistische Reformen, die soziale Sicherheit verbessern, Armut überwinden und individuelle Freiheit erweitern können. Zum Abschluss wird das Gespräch persönlicher. Georg Vobruba spricht über seine Herkunft aus Wien, seine wissenschaftliche Laufbahn und seine Haltung zur Gegenwart. Trotz aller Krisen wirbt er für einen nüchternen Optimismus: Die heutigen Lebensverhältnisse in Mitteleuropa besitzen aus historischer Perspektive selbst eine utopische Qualität. Gerade deshalb sollten demokratische Gesellschaften ihre Errungenschaften bewahren und zugleich offen für weitere Verbesserungen bleiben. Ein philosophisches und sozialwissenschaftliches Gespräch über Fortschritt, Freiheit, Hoffnung und darüber, welche Utopien unsere Gesellschaft heute noch braucht.

    23 - Fortschritt - der ISÖ-Podcast - Folge 23 - Glanz und Elend von Utopien
  3. 19. Juli

    22 - Fortschritt - der ISÖ-Podcast - Folge 22 - Kann Politik die Wirtschaft regulieren?

    Kann Politik die Wirtschaft regulieren – oder folgt die Politik nur den Regeln globaler Märkte? Über diese Grundfrage spricht Prof. Dr. Michael Opielka mit der Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Cornelia Woll, Professorin für Politische Ökonomie und ehemalige Präsidentin der Hertie School. Ausgangspunkt ist Wolls Forschung zur Regulierung globaler Märkte und ihr Buch »Corporate Crime and Punishment. The Politics of Negotiated Justice in Global Markets«. Das Gespräch arbeitet heraus, dass die Globalisierung die Wirtschaft weit stärker internationalisiert hat als die Politik. Unternehmen, Kapital und Finanzströme sind global mobil, demokratische Legitimation, Steuerpolitik und Rechtsdurchsetzung bleiben dagegen überwiegend national organisiert. Daraus entsteht ein zentrales Spannungsverhältnis moderner Demokratien. Anhand der Finanzkrise, des Dieselskandals, der Verfahren gegen Siemens und der Aufhebung des Schweizer Bankgeheimnisses erläutert Cornelia Woll, wie die USA ihre wirtschaftliche und juristische Macht extraterritorial einsetzen konnten. Nicht die Qualität amerikanischer Regulierung steht dabei im Mittelpunkt, sondern die Tatsache, dass das Zusammenwirken von politischer und ökonomischer Macht die Steuerungsmöglichkeiten in der Weltwirtschaft erheblich erweitert. Das Gespräch ordnet diese Entwicklungen zwischen Adam Smith und Friedrich Hayek einerseits sowie Karl Marx und Karl Polanyi andererseits ein. Diskutiert werden die Chancen dezentraler Märkte, die Risiken wirtschaftlicher Machtkonzentration, unterschiedliche staatliche Steuerungsmodelle in Frankreich, Deutschland und China sowie neue politische Konfliktlinien globalisierter Marktgesellschaften. Ein weiterer Schwerpunkt gilt der politischen Ökologie. Ausgehend von Bruno Latours »Parlament der Dinge« diskutieren Opielka und Woll, wie Natur, Klima und zukünftige Generationen politisch repräsentiert werden können. Rechte der Natur, die Sustainable Development Goals und neue Formen treuhänderischer Repräsentation erscheinen dabei als wichtige Bausteine einer nachhaltigen Demokratie. Zum Abschluss spricht Cornelia Woll über ihre wissenschaftliche Prägung, ihre Jahre in Chicago und Paris sowie ihre Erfahrungen als Präsidentin der Hertie School. Das Gespräch verbindet politische Ökonomie, Demokratietheorie und Nachhaltigkeitsforschung zu einer fundierten Reflexion über die Zukunft politischer Gestaltung in einer globalisierten Welt.

    22 - Fortschritt - der ISÖ-Podcast - Folge 22 - Kann Politik die Wirtschaft regulieren?

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Fortschritt – der ISÖ-Podcast. Gespräche über Soziale Nachhaltigkeit und was sonst wirklich wichtig ist Der Podcast „Fortschritt“ des ISÖ - Institut für Sozialökologie, moderiert von Michael Opielka, widmet sich Gesprächen über Soziale Nachhaltigkeit und „was sonst wirklich wichtig ist“. Die erste Folge dient als Einführung in die Perspektive und die Kernthemen des Podcasts, insbesondere das Konzept des „Fortschritts“.