KULTFILME

The St. George Herald

Monty Arnold & Torben Sterner unternehmen einen hilfreichen Streifzug durch die Filmgeschichte, zunächst am Beispiel der Kultfilme – von „Metropolis“ (1927) bis „Pulp Fiction“ (1994). In der laufenden zweiten Staffel halten sie pro Folge einen Kultfilm-Azubi und einem Geheimtipp parat.

  1. Wall Street / Wie man Erfolg hat, ohne sich besonders anzustrengen

    VOR 4 TAGEN

    Wall Street / Wie man Erfolg hat, ohne sich besonders anzustrengen

    Haie im Wolkenkratzer A) Wall Street Amerikanisches Gesellschaftsdrama von 1987  Im New York der 80er erarbeitet sich der aus einfachen Verhältnissen stammende Yuppie und Börsenmakler Bud Fox (Charlie Sheen) ohne das Wissen seines Chefs das Vertrauen von Gordon Gekko (Michael Douglas). Der enigmatische Finanzhai mag den gelehrigen jungen Burschen und überzeugt ihn davon, auch Insidergeschäfte und andere krumme Touren nicht abzulehnen. Fox‘ Familien- und Beziehungsleben verzahnt sich immer mehr mit dem Imperium seines Förderers. Das wird sich als gefährlich erweisen.  In den 80er und 90er Jahren hatte Oliver Stone bei kommerziellen reißerischen Dramen und Thrillern, die dem Publikum das vage Gefühl einer Haltung vermittelten, die Nase in Hollywood so weit vorn wie Gordon Gecko die seine an der Wall Street. Die Filme des Regisseurs haben die Zeit unterschiedlich gut überstanden. Während etwa die Freude über seine Aufarbeitung der Kennedy-Ermordung inzwischen von diversen Faktenchecks vermiest wurde, bietet „Wall Street“ heute eine treffliche Zusammenfassung des ersten Jahrzehnts im entfesselten Neoliberalismus. Keine wertende übrigens. Selbstverständlich gab es inzwischen auch eine Fortsetzung.    B) Wie man Erfolg hat, ohne sich besonders anzustrengen / How To Succeed In Business Without Really Trying Broadway-Musical-Verfilmung von 1968 J. Pierpont Finch folgt dem verlockenden Taschenbuch-Ratgeber „Wie man Erfolg hat, ohne sich besonders anzustrengen“ und steigt tatsächlich binnen Tagen vom Fensterputzer zum Aufsichtsratsvorsitzenden einer großen Firma auf, von der wir nie erfahren, womit sie sich eigentlich beschäftigt. Finch helfen seine Chuzpe, der Zufall und die Zuneigung der Sekretärin Rosemary, die er jedoch beinahe ignoriert. Am liebsten lässt er die Torheit seiner Konkurrenten für sich arbeiten, doch zur Not bringt er sie trickreich zu Fall. Frank Loessers Bühnenmusical, das dem Film zugrundeliegt, basiert auf einem Roman von Sheperd Mead und erhielt 1962 den Pulitzerpreis. Es ist ein Segen, dass die Broadway-Besetzung sich ungewöhnlicherweise in der Verfilmung erhalten hat. Somit kommen wir auch in den Genuss der Allround-Performance von Robert Morse, dem verblüffendsten Musical-Filmhelden seit James Cagney in „Yankee Doodle Dandy“. Die Choreographie stammt von Bob Fosse.Nächste Woche: Eine Leiche zum Dessert und Blutsverwandte

    47 Min.
  2. Kevin - Allein zuhaus / Feivel, der Mauswanderer

    25.12.2025

    Kevin - Allein zuhaus / Feivel, der Mauswanderer

    Oje du Fröhliche!Was ist eigentlich ein Weihnachtsfilm? Darf man sowas selber entscheiden, oder machen das Väterchen Mainstream und Santa Algorithmus? Logisch, dass Monty und Torben in dieser Frage ganz unterschiedlicher Meinung sind - und nicht nur in dieser ...A) Kevin - Allein zu Haus / Home Alone US-Familienkomödie von 1990  Die Chicagoer Familie McAllister will zu Weihnachten mit angereister Verwandtschaft einen Trip nach Paris machen. Am Abend zuvor hat der achtjährige Kevin einen Streit mit seinem großen Bruder Buzz und übernachtet schmollend auf dem Dachboden. Am nächsten Morgen verlassen fast alle das Haus in heller Aufregung, weil sie verschlafen haben. Erst während des Fluges bemerkt Mutter Kate, dass Kevin gar nicht mitgekommen ist. Da das heimische Telefon gestört und die Nachbarschaft ebenfalls über die Feiertage ausgeflogen ist, macht sie sich verzweifelt auf den Heimweg, der Rest der Familie bleibt in Paris. Wüsste Kate, dass zwei Einbrecher den verwaisten Straßenzug für einen großen Beutezug ausbaldowert haben, wäre sie noch weitaus besorgter. Zu unrecht, denn Kevin weiß sich der Gangster zu erwehren.  Produzent John Hughes, dessen „Breakfast Club“ wir vor kurzem hier besprachen, und sein Regisseur Chris Columbus schufen einen Weihnachtsklassiker, der die unvermeidlichen Fortsetzungen nach sich zog und bis heute seine Fans hat. Noch nicht zehnjährig, war Hauptdarsteller Macaulay Culkin ein Weltstar. Als er die 14 erreichte, war er weg vom Fenster, und seine Kinderstar-Millionen hatten zum Auseinanderbrechen der Ehe seiner Eltern geführt.   B) Feivel, der Mauswanderer / An American Tail US-Zeichentrickmusical von 1986  Zum Weihnachtsfest 1885 wird ein weißrussisches Schtetl im Rahmen eines zaristischen Pogroms niedergebrannt. Auch die Mäuse des Ortes sind nun heimatlos. Familie Mauskewitz wandert in die Vereinigten Staaten aus, doch bei einem Unwetter während der Überfahrt wird der kleine Feivel von seiner Familie getrennt und erreicht nur mit Mühe das Festland. Auf der Suche nach seinen Angehörigen muss er erkennen, dass Vater ihm nicht die Wahrheit gesagt hat: es gibt durchaus Katzen in Amerika.  Der erste Film des ausgestiegenen Disney-Animationsdriektors Don Bluth, die finstere Parabel „Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH“, war ein Achtungserfolg. Sein zweiter, die Geschichte von Feivels Weg nach Amerika, eroberte die Herzen des Publikums, erlebte drei Fortsetzungen und eine Serie. Was die simple, an „Oliver Twist“ angelehnte Geschichte bis heute zu einem Juwel macht, sind u.a. die Schönheit des Artworks, die atmosphärische Dichte und der sinfonische Song-Score von James Horner, der gut zehn Jahre später mit „Titanic“ zum Star seiner Zunft aufstieg.

    56 Min.
  3. The Man From Earth - und noch mehr Cabin Fever

    18.12.2025

    The Man From Earth - und noch mehr Cabin Fever

    Die Hütte brennt A) The Man from Earth Amerikanischer Independent-Film von 2007 Eine Gruppe von Akademikern überrascht den jungen Universitätsprofessor John Oldman bei der Auflösung seiner Wohnung – eines Hauses in den Bergen – und beim etwas übereilten Aufbruch mit dem Pick-Up-Truck, den er gerade mit seiner Habe belädt. Sie wundern sich über den abrupten Fortgang ihres Freundes und wollen ein wenig Abschied feiern. John lässt sich darauf ein und kehrt noch einmal mit ihnen in die weitgehend leere Wohnung zurück. Auf ihr Nachfragen gesteht er ihnen, dass er nie länger als 10 Jahre an einem Ort bleibe, und die seien nun um. Sie entlocken ihm den Grund: er sei ein 14.000 Jahre alter Mensch der seit der Altsteinzeit viele Leben gelebt und immer wieder neu begonnen habe. Mit dem Insistieren auf dieser Erklärung ruft er in der gelehrten Runde unterschiedliche Reaktionen hervor, und es kommt zu einer ebenso persönlichen wie philosophischen Debatte … Der Film ist die posthume Realisation eines Originalrehbuchs des Science-Fiction-Autors Jerome Bixby, eine 200.000-Dollar-Indie-Produktion, die nur auf DVD herauskam. Die Gesichter des Ensembles sind uns aus Episodenrollen in diversen US-Serien vertraut. In einem amerikanischen Chatforum wurde dieses theaterhafte Kammerspiel so beliebt, dass sich Regisseur Richard Schenkman bei der Community bedankte und darum warb, die DVD zu erwerben und den Film weiterzuempfehlen.   B) Die Falle Deutsches Fernsehspiel nach einem Theaterstück von Robert Thomas von 1982  Grübelnd sitzt Daniel in einer Ferienhütte in den Bergen: mitten in den Flitterwochen hat er sich mit Elisabeth dermaßen zerstritten, dass sie fortlief und seither verschwunden ist, vielleicht auch verunglückt. Der Kommissar aus Chamonix versichert ihm, nach ihr zu suchen. Da klopft ein Pfarrer an und berichtet, Elisabeth sei wieder da und wolle sich aussöhnen. Er hat die Dame als Überraschung gleich mitgebracht. Daniel schwört, die Frau noch nie gesehen zu haben. Doch sie will nicht gehen. Und sie weiß einfach zu gut über alle Einzelheiten der kurzen Ehe bescheid, um sie dem Kommissar gegenüber als Betrügerin bloßzustellen. Ein Nervenkrieg nimmt seinen Lauf ...  Das Stück von Robert Thomas wurde – so geht die Legende – erst vom Verlag abgelehnt, woraufhin er das Skript verärgert im Vorzimmer liegen ließ. Dort wurde es nachträglich entdeckt - und ein Erfolg. Alfred Hitchcock kaufte die Filmrechte, es kam leider nicht mehr dazu. Während „8 Frauen“, ein eher tutiges Werk des Autors, später Furore machte, ist „Die Falle“ gründlich vergessen und wird auf Krimi-Dinner-Abenden verheizt. Für Oswald Döpkes ZDF-Verfilmung mit den einstigen TV-Lieblingen Wolf Roth, Judy Winter und Hans Caninenberg können wir nur dankbar sein. Rolf Kühns Soundtrack verströmt edles Ennio-Morricone-Feeling.   In der nächsten Woche: Kevin - Allein zu Haus und Feivel, der Mauswanderer

    51 Min.
  4. Breakfast Club ... und andere, die drinbleiben müssen

    11.12.2025

    Breakfast Club ... und andere, die drinbleiben müssen

    A) Breakfast Club – Der Frühstücksclub US-Jugendfilm von 1985 Fünf Jugendliche – Zitat: „ein Schlaukopf, ein Muskelprotz, eine Ausgeflippte, eine Prinzessin und ein Freak“ - müssen am schulfreien Samstag acht Stunden lang in der Schulbibliothek nachsitzen und einen Aufsatz darüber schreiben, wer sie sind. Beaufsichtigt werden sie von Konrektor Vernon, der die Kids zwar nicht mag, aber gern von ihnen als harter Hund bewundert werden will. Zwar wird im Laufe des Tages gegen viele Regeln verstoßen, doch letztlich funktioniert die Maßnahme: die Jugendlichen stellen sich ihren Vorurteilen, Zwängen und Ängsten, entdecken neue Seiten an sich und erkennen, was sie miteinander verbindet. John Hughes‘ Film war mit einigen Stars des „Brat Pack“ besetzt, einer vielversprechenden Nachwuchsriege, zu der auch Tom Cruise, Matt Dillon und Nicholas Cage gerechnet wurden. Der theaterhafte Film wurde ein Überraschungserfolg und erwies sich als stilbildend für den amerikanischen Jugendfilm. Ein Teil seines Nachruhms beruht freilich darauf, dass man die Qualität dieses leicht erzählten Dramas vor allem an den nachfolgenden Teenie-Komödien und –Klamotten gemessen hat.B) Zu heiß gebadet / The Ladies Man Musikalische US-Klamotte von 1961 Herbert H. Heebert muss am Tag seines erfolgreichen Schulabschlusses erkennen, dass das Mädchen seiner Träume einen anderen hat. Er schwört sich, nie wieder etwas mit Frauen zu tun haben zu wollen. Der Ort, an dem er sich spätabends als Hausboy verpflichten lässt, entpuppt sich am nächsten Morgen als überdimensionales Puppenhaus einer früh verwitweten und kinderlos gebliebenen ältlichen Operndiva. Mrs. Helen Welenmelon fördert junge Künstlerinnen. Unversehens ist Herbert der einzige Mann in einem Haus mit 35 hinreißenden Musikerinnen, Schauspielerinnen und Tänzerinnen. Unter der Bedingung, nicht als Mann, sondern ausdrücklich als „Mädchen für alles“ angesehen werden, ist er bereit, zu bleiben. Vorerst! Als das Fernsehen kommt, um die Diva in einer Homestory zu portraitieren, will sich Herbert nützlich machen. Mit ins Bild will er natürlich auch … Der Starkomiker Jerry Lewis war tugendhaft genug, sich vor der Kamera nicht etwa mit Nieten zu umgeben, um selbst besser auszusehen – eine verbreitete Unsitte –, sondern Kollegen auszuwählen, die ihre eigenen Lacher verdienen konnten. Keiner von ihnen schaffte das häufiger als Kathleen Freeman, die bei ihm annähernd den Status der Evelyn Hamann im Loriot-Ensemble einnahm. Diesmal gesellt sich noch die leibhaftige Wagner-Diva Helen Traubel dazu. U.a. deshalb ist nicht etwa „Hallo Page“ die beste Konzeptklamotte des „total filmmaker“ Jerry Lewis, es ist „The Ladies Man“.Nächste Woche: The Man From Earth und Die Falle

    59 Min.
4,3
von 5
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Monty Arnold & Torben Sterner unternehmen einen hilfreichen Streifzug durch die Filmgeschichte, zunächst am Beispiel der Kultfilme – von „Metropolis“ (1927) bis „Pulp Fiction“ (1994). In der laufenden zweiten Staffel halten sie pro Folge einen Kultfilm-Azubi und einem Geheimtipp parat.

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