LandMEDchen

Andrea Morawe

LandMEDchen - der Podcast rund um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Dr. Andrea Morawe spricht im Podcast mit Menschen aus der Medizin, mit MFAs, Ärzt:innen, Pfleger:innen und allen, die mit den Patientinnen und Patienten arbeiten. Außerdem erklärt sie auch in ihren Episoden, wie das Leben als Landarzt ist, worauf man bei einer eigenen Praxis so achten soll und motiviert, sich als Ärztin oder Arzt auf dem Land niederzulassen. Jeden Donnerstag gibt es eine neue Folge!

  1. Ernährungsberatung oder -therapie? Das große Feld der Ernährung! | Dr. Andrea Morawe erklärt

    VOR 1 TAG

    Ernährungsberatung oder -therapie? Das große Feld der Ernährung! | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Letztens saß in der Sprechstunde von Dr. Andrea Morawe eine Patientin, der die Krankenkasse eine Ernährungsberatung empfohlen hat. Doch genau an diesem Punkt beginnt die große Verwirrung im deutschen Gesundheitssystem, zu unterscheiden ist nämlich zwischen Ernährungsberatung und Ernährungstherapie. Laut WHO gehören Ernährung und Übergewicht zu den häufigsten Risikofaktoren für chronische Erkrankungen. 74% der Todesfälle hängen mit nicht-übertragbaren Krankheiten zusammen, viele davon stehen in direktem Zusammenhang mit Ernährung, Bewegung, Alkoholkonsum und Rauchen. 47% der Frauen und 60% der Männer in Deutschland sind übergewichtig – ein Viertel der Deutschen gilt als adipös. Doch warum investieren wir auch auf Seiten der Politik so wenig Geld in präventive Maßnahmen? Ernährung ist schließlich kein Randthema, wie die Zahlen zeigen. Trotzdem liegen die Ausgaben für Prävention bei nur 5% der Ausgaben im Gesundheitssystem. Andrea erklärt die verschiedenen Player im System: Ökotropholog:innen haben ein Studium absolviert und arbeiten dann oft in der Ernährungsberatung, in der Forschung oder in der Entwicklung von Präventionsprogrammen. Diätassistent:innen haben eine staatlich anerkannte Ausbildung und sind oft klinisch tätig in Arztpraxen, Rehabilitationseinrichtungen oder Kliniken. Sie beschäftigen sich klassischerweise mit der Erstellung von Ernährungsplänen. Ernährungswissenschaftler:innen haben ein Studium absolviert und beschäftigen sich mit wissenschaftlichen Fragestellungen, z.B. wie Ernährung Krankheiten beeinflusst und Auswirkungen auf den Stoffwechsel hat. Sie arbeiten oft an Universitäten oder in Forschungsprojekten, sowie in der Lebensmittelindustrie. Lebensmittelchemiker:innen setzen sich mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln auseinander.  Sie arbeiten in Laboren oder in der Qualitätskontrolle in der Lebensmittelindustrie. Lebensmitteltechnolog:innen beschäftigen sich mit Verpackung und Haltbarkeit. Sie sind in der Lebensmittelindustrie tätig. Dann gibt es noch Sportwissenschaftler, die sich mit Trainingsphysiologie, Sporternährung oder mit der Erstellung von Trainingsplänen beschäftigen. Ärzt:innen beschäftigen sich hauptsächlich mit der Diagnostik. Aber nicht jeder Arzt ist Ernährungsexperte! Denn Ernährungsmedizin ist im Studium deutlich unterrepräsentiert. Deswegen können Ärzt:innen die Zusatzbezeichnung Ernährungsmedizin erlangen. Andrea hat diese gerade auch gemacht und erzählt von ihrer Fortbildung. Dabei lernt man über klassische ernährungsmedizinische Krankheitsbilder wie Adipositas, aber auch über die gezielte Ernährung von chronisch Kranken, enterale und parenterale Ernährung,  sowie über Prävention. Die Ernährungsberatung gehört zum Feld der Präventionsmedizin. Wenn ein Arzt Risikofaktoren beim Patienten sieht, dann kann er diese verschreiben. Die Krankenkassen übernehmen zum großen Teil die Kosten, die Beratung ist oft in Präventionsprogrammen angesiedelt. Ernährungstherapie richtet sich an Patient:innen, bei denen schon eine Diagnose gestellt wurde, wie Adipositas, Zöliakie oder Mangelernährung. Diese wird über eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung initiiert. Diese ist eine Kann-Leistung der Krankenkasse, diese übernehmen somit unterschiedlich viel der Behandlung. Wichtig: Diese Notwendigkeitsbescheinigung belastet das Heilmittelbudget der Hausarztpraxis nicht. Zum Schluss erklärt Andrea noch den Fall der Patientin, der die Ernährungsberatung empfohlen wurde – eigentlich hätte diese jedoch eine Ernährungstherapie gebraucht! Die Abnehmspritze wird bisher von den Krankenkassen nicht übernommen, da es sich hier um ein Lifestyle-Medikament handelt. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    22 Min.
  2. Depression und der Umgang damit in der Hausarztpraxis | Dr. Andrea Morawe erklärt

    19. MÄRZ

    Depression und der Umgang damit in der Hausarztpraxis | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Unipolare Depression ist eine der häufigsten und gleichzeitig am meisten unterschätzte Erkrankungen in der hausärztlichen Praxis. Dr. Andrea Morawe erzählt davon in dieser neuen Folge von „LandMEDchen“ evidenzbasiert. Die 12-Monatsprävalenz liegt bei 8-10% und die Lebenszeitprävalenz bei 15-20%. Das heißt: Jede fünfte Person wird in seinem Leben statistisch gesehen an einer Depression erkranken – Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Das Rezidivrisiko liegt nach einer erstmaligen Episode bei 50% und steigert sich auf 70% nach einer zweiten Episode. Die Depression tarnt sich meist über somatische Beschwerden: Chronische Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsdefizite und unspezifische Bauchschmerzen. Depression ist keine Serotonin-Mangelerkrankung, wie man sie früher betrachtet hat. Chronischer Stress ist ein zentraler Trigger. Eine biologische Vulnerabilität trifft auf eine psychosoziale Belastung. Es gibt bei der Diagnose Haupt- und Zusatzkriterien. Aus der Kombination der Kriterien kann der Schweregrad der Depression abgeleitet werden. Andrea nutzt sehr gerne den PHQ-9-Fragebogen zur Selbsteinschätzung der Patient:innen. Frauen wird häufiger eine Depression zugeschrieben. Männer reden seltener über emotionale Belastungen, Frauen hingegen schon. Schlafstörung, Appetitveränderungen, Schuldgefühle, Ängste, tiefe Traurigkeit – das sind Symptome, die bei Frauen öfter auftreten. Bei Männern sind die Symptome deutlich different, sie zeigen Reizbarkeit, Aggressivität, Alkohol- und Substanzmissbrauch und eine gewisse Impulsivität. Das klassische Bild der niedergeschlagenen Persönlichkeit sieht man weniger. Die Suizidrate bei Männern ist erheblich höher als bei Frauen in Deutschland. Das liegt u.a. daran, dass die unipolare Depression bei Männern häufig nicht erkannt oder fehltinterpretiert werden. Risikogruppen für eine Depression sind postportale Frauen, einsame und ältere Personen, Arbeitslose, Patient:innen mit kardiovaskulärer Erkrankung, hoher Leistungsdruck und pflegende Angehörige. Es gibt zudem eine bidirektionale Verknüpfung von Depressionen und somatischen Erkrankungen. Andrea macht deswegen immer eine weiterführende Diagnostik, um Differentialdiagnosen in Betracht zu ziehen. In Bezug auf die Therapie orientiert sich Andrea an der nationalen Versorgungsleitlinie und unterscheidet dabei zwischen leichter, mittelgradiger und schwerer depressiven Episode. Bei der leichten Diagnose setzt sie auf die Aktivierungsphase: Bewegungstherapie, Gespräche, Schlafhygiene und Me-Time. Bei der mittelgradigen Episode setzt sie auf Psychotherapie und Antidepressiva. Viele Kolleg:innen ziehen hier gerne schon Psychiater hinzu. Bei einer schweren Episode zieht sie die stationäre Behandlung in Erwägung, hier wird es komplexer. Wichtig ist auch die Abfrage der Suizidalität. Die Suizidrate steigt nicht dadurch, dass man die Patient:innen darauf anspricht. Die Versorgungssituation sieht nicht gut aus in Deutschland, sie hat sich deutlich verschlechtert nach der Corona-Pandemie. Andrea bindet die Patient:innen zur Überbrückung in der Ergotherapie-Praxis an. Hausärzt:innen sind oft die erste Anlaufstelle. Wichtig ist: Dran denken! Bevor Andrea genderspezifische Fortbildungen absolviert hat, hätte sie viele Fälle nicht erkannt, vor allem bei Männern. Das Thema ist immer noch stark stigmatisiert, deswegen ist es umso wichtiger, dass Ärzt:innen und MFAs besonders hellhörig sind. Depression ist häufig, ernst zu nehmen und biologisch erklärbar. Sie ist keine Charakter- oder Willensschwäche. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    20 Min.
  3. HPV-Impfung ist Krebsprävention – für Mädchen und Jungs | Dr. Andrea Morawe erklärt

    12. MÄRZ

    HPV-Impfung ist Krebsprävention – für Mädchen und Jungs | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Wie funktioniert die HPV-Impfung für Mädchen und Jungs? Warum ist die Aufklärung über geschützen Geschlechtsverkehr so wichtig und wie wirkt die HPV-Impfung? Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“. HPV steht für Humanes Papillomvirus, von dem es 200 bisher identifizierte Subtypen gibt. 40 Typen dieser Virusklasse können Erkrankungen im Anogenital und Oropharyngealbereich hervorrufen. Sie sind nochmal in High-Risk und Low-Risk-Typen gegliedert. Die Viren können nicht nur Genitalwarzen, sondern auch Krebsleiden hervorrufen. Etwa 80% der sexuell aktiven Menschen durchlaufen mindestens einmal im Leben eine Infektion mit HPV. In den meisten Fällen ist das folgenlos, die High-Risk-Typen können aber dann Krebs hervorrufen. Andrea spricht über die verschiedenen Karzinomarten, die auch im Mund- und Rachenraum auftreten können. Es ist sehr wichtig, Jugendliche darüber aufzuklären, sowohl in der Schule und der Familie als auch bei den Hausärzt:innen und Gynäkolog:innen. Vorsorgeuntersuchungen helfen dabei, Frühstufen zu erkennen, die Impfung schützt allerdings schon vor der Entstehung. HPV ist kein Frauenthema, vor allem unter dem Aspekt, dass wir eine Herdenimmunität erreichen wollen. Prävention und Primärprävention sollte geschlechterunabhängig stattfinden. Dabei schützt die Impfung nicht nur vor den meisten Karzinomarten, sondern in 90% der Fälle auch vor Genitalwarzen. Die Impfung sollte bis zum 17. Lebensjahr nachgeholt bzw. komplettiert sein und gehört zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung. Viele Eltern bringen entgegen, dass ihre Kinder noch keinen Geschlechtsverkehr haben. Genau das ist der richtige Zeitpunkt, um zu impfen. Vor dem ersten Geschlechtsverkehr ist die Erfolgsquote der Impfung am höchsten. Bei Andrea steht übrigens auch ein Kondomglas in der Praxis, um den Jugendlichen etwas mitgeben zu können. Kondome sind allerdings kein 100%iger Schutz, denn die Infektion erfolgt über den Haut zu Haut-Kontakt. Sexualität ist bei Jugendlichen viel früher präsent, als es den meisten Eltern lieb ist. Mit der Impfung können wir Krebs nicht behandeln, sondern verhindern. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    14 Min.
  4. Warum wir nach dem Arztgespräch oft mehr Fragen als Antworten haben | Dr. Andrea Morawe erklärt

    5. MÄRZ

    Warum wir nach dem Arztgespräch oft mehr Fragen als Antworten haben | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Gerade aus dem Arztzimmer raus und schon wieder vergessen, worum es ging? Ein Thema, dem sich Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“ widmet. Das dieses Phänomen ist kein Einzelfall, kein Zeichen von mangelndem Interesse oder niedrigem IQ, sondern es gibt Studien, die das unterstreichen. Patient:innen vergessen unmittelbar nach dem Arztgespräch zwischen 40 und 80% der erhaltenen Informationen. Von dem, was behalten wird, ist ein erheblicher Anteil auch noch falsch. Besonders betroffen sind dabei Informationen über neue Diagnosen, Therapieempfehlungen, Risiken, Nebenwirkungen und komplexe Behandlungspläne. Doch warum passiert das? Zunächst wegen kognitiver Überlastung. Medizinische Gespräche sind komplex, das menschliche Kurzzeitgedächtnis kann aber nur eine begrenzte Menge an Informationen gleichzeitig verarbeiten. Zudem können Emotionen die Erinnerungen blockieren, vor allem Angst, Stress und Unsicherheit. Das Gehirn schaltet in einen Schutzmodus und priorisiert die emotionale Verarbeitung statt der sachlichen Speicherung von Informationen. Der dritte Grund ist die Fachsprache, in der Ärzt:innen gerne verharren. Diese ist super für den Austausch untereinander, allerdings nicht für das Gespräch mit den Patient:innen. Die Therapietreue leidet enorm darunter, wenn wir zu viele Fachwörter verwenden. Ein weiterer komplizierender Faktor ist der Zeitdruck, der ein großes Problem im Gesundheitssystem ist. Kurze Gespräche erhöhen die Informationsdichte, gleichzeitig sinkt die Rückfragequote. Viele Patient:innen stellen gar keine Fragen, weil sie nicht stören wollen, nicht unwissend wirken wollen oder weil ihnen der Zeitdruck zusetzt. Die Patient:innen sind also nicht schuld, es ist eine ganz normale Reaktion, dass man nicht alles behält. Hierfür benötigt man nun eine Strategie. Es ist völlig okay, nachzufragen. An Ärzt:innen empfiehlt Andrea: Wiederholungen und Zusammenfassungen steigern die Erinnerungsquote. Sie selbst nutzt in ihrer Praxis Zettel, in denen die wichtigsten Informationen zu den Diagnosen zusammengefasst sind. Zudem schult sie ihr Personal, sodass diese auch bei der Beantwortung von Fragen unterstützen können. Ein weiterer Tipp: Eine Abkürzung im eigenen Kontext muss nicht die gleiche in einer anderen Fachrichtung sein. Diese erschweren also das Verständnis. Begleitpersonen erhöhen zudem die Sicherheit. Andrea hat in letzter Zeit öfter gehört, dass Begleitpersonen aus dem Behandlungszimmer geschickt werden, was sie sehr traurig findet. Denn diese erhöhen die Therapietreue. Eine Begleitperson wird oft aus Unsicherheit mitgenommen – dann soll sie auch dabeibleiben. Zudem werden mehr Informationen behalten und es gibt weitere Rückfragen. Die Frage ist also: Warum erwarten wir überhaupt, dass Patient:innen sofort alles verstehen und behalten? Wir brauchen Übersetzung der Fachsprache, Zeit und Wiederholungen. Das hilft bei der Therapietreue und sorgt so auch für weniger Komplikationen auf lange Sicht. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319

    17 Min.
  5. Behandlungspflege und Pflegegrad: Wo sind die Unterschiede? | Andrea Morawe erklärt

    26. FEB.

    Behandlungspflege und Pflegegrad: Wo sind die Unterschiede? | Andrea Morawe erklärt

    Ein zentrales Element in der ambulanten Versorgung ist die häusliche Krankenpflege. Hier gibt es allerdings immer wieder Unsicherheiten, deswegen beantwortet Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“ die drängendsten Fragen hierzu. Häusliche Krankenpflege ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, die zum Einsatz kommt, wenn medizinische Maßnahmen im häuslichen Umfeld notwendig sind und diese nicht selbst durchgeführt werden können. Ein Ziel ist, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden oder zu verkürzen. Wichtig ist, dass diese Pflege vom Hausarzt verordnet werden muss. Hierbei gibt es auch die Behandlungspflege, die eine konkrete medizinische Tätigkeit umfasst, die von Pflegefachpersonen durchgeführt wird. Andrea erklärt, wie das Formular hierfür aussieht. Die Leistungen reichen von Verbandswechsel und Wundversorgung über Injektionen wie Heparin oder Insulin bis hin zu Medikamentengabe, Überwachung der Medikamenteneinnahme, Blutdruckkontrollen und Katheterpflege. Vor allem temporär ist die Unterstützung sinnvoll, z.B. bei Neuentdeckung der Krankheit. Für die Anwendung der Behandlungspflege benötigt man keinen Pflegegrad. Es ist ausschließlich entscheidend, dass medizinische Notwendigkeit gestellt wurde. Der Pflegegrad ist dann relevant, wenn es um eine dauerhafte Einschränkung der Alltagstätigkeiten geht, also das selbstständige Waschen, Bewegen und Mahlzeiten Zubereiten. Ein Pflegegrad ersetzt keine Behandlungspflege und eine Behandlungspflege ersetzt keinen Pflegegrad. Die Ziele davon sind völlig unterschiedlich. Trotzdem sind beide Pflegearten auf einem Musterformular. Bei der Behandlungspflege entstehen Zuzahlen, das sind 10€ je Verordnung. Die Zuzahlung ist gedeckelt und kann nicht unbegrenzt steigen, auch wenn die Behandlung länger dauern sollte. Von dieser Zuzahlung kann man aufgrund des Einkommens befreit werden, Kinder und Jugendliche sind auch befreit. Pflegeleistungen bei Pflegegrad sind nicht zuzahlungspflichtig. Zum Schluss klärt Andrea noch über die häufigsten Mythen rund um die häusliche Krankenpflege auf. Außerdem erklärt sie, dass die Ausstellung einer häuslichen Krankenpflege auch durch Kliniken im Rahmen des Entlassmanagements möglich sind. Das ist besonders wichtig bei einer Entlassung zum Wochenende. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319

    14 Min.
  6. Palliativ-Versorgung geht uns alle an: SAPV, AAPV und Hospiz erklärt | Dr. Andrea Morawe

    19. FEB.

    Palliativ-Versorgung geht uns alle an: SAPV, AAPV und Hospiz erklärt | Dr. Andrea Morawe

    Ein Thema, das uns alle früher oder später betreffen wird – trotzdem sprechen wir wenig darüber: Das Sterben. Diese Folge von Dr. Andrea Morawe soll informieren, Ängste nehmen und dabei helfen, Entscheidungen besser zu verstehen. Denn am Lebensende geht es um Würde und darum, gut betreut zu werden. Palliative Versorgung beginnt in dem Moment, in dem klar wird, dass eine Erkrankung nicht mehr heilbar ist. Palliativ bedeutet dabei, Schmerzen zu lindern, Symptome zu kontrollieren, Lebensqualität zu erhalten, Angst zu nehmen und den Mensch als Ganzes zu sehen: Körperlich, psychisch, sozial und spirituell. Deswegen sollte die Palliativ-Medizin auch nicht tabuisiert werden. Wir sprechen dabei von BSC – Best Supportive Care. AAPV ist die allgemeine ambulante Palliativ-Versorgung. Dies ist die Basisversorgung für Menschen mit einer fortgeschrittenen, nicht heilbaren Erkrankung, die aber noch relativ stabil sind. Meist findet diese im häuslichen Umfeld statt durch Hausärzt:innen sowie ambulante Pflegedienste. Im Fokus steht die Schmerz- und Symptomkontrolle, sowie die Kommunikation mit den Angehörigen. Dazu gehört auch der Kontakt zur Pflegekasse oder zu ehrenamtlich Tätigen. Das Ziel ist es, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und Stabilität zu erhalten. SAPV ist die folgende Stufe, die spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung. Sie kommt ins Spiel, wenn Symptome nur noch schwer beherrschbar sind und eine 24-Stunden-Erreichbarkeit erforderlich ist. SAPV und AAPV werden durch die gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn sie ärztlich angeordnet sind. Viele Menschen wünschen sich, zuhause versterben zu können. Dabei muss allerdings Pflege rund um die Uhr gewährleistet sein, was oft Angehörige mit Unterstützung mit Pflegediensten durchführen. Für die Patient:innen ist die emotionale Belastung im häuslichen Setting niedriger, für die Angehörigen ist sie allerdings höher. Wichtig ist hierbei eine ehrliche Einschätzung. Nicht alles, was gewünscht ist, ist dauerhaft realisierbar. Das Hospiz kann eine sehr gute Alternative sein, denn Hospize sind keine Krankenhäuser, sondern Orte der Begleitung. Hier gibt es mehr Zeit für Zuwendung gegenüber Patient:innen und Angehörigen. Man hat Würde bis zuletzt. Die Kosten sind enorm. Die Hospizarbeit wird Andrea’s Meinung nach zu wenig geschätzt, denn sie muss zu großen Teilen über Spenden finanziert werden. Im Hospiz wird niemand abgelehnt. Die Arbeit ist für die Patient:innen und Angehörigen immer kostenfrei. Und am Ende geht es dann auch wieder um Bürokratie. Denn ganz am Ende wird die Todesbescheinigung ausgestellt. Diese Leistung ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, denn diese endet mit dem Tod. Die Rechnung kommt für Angehörige oft unerwartet und stellt eine emotionale Belastung dar. Wenn diese Folge dazu beitragen konnte, Gespräche über das Lebensende anzustoßen, hat sie ihren Zweck erfüllt. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/   Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen   Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu   Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319

    18 Min.
  7. Ergotherapie - warum sie so wichtig ist und wie der Beruf funktioniert | Benjamin Nell

    12. FEB.

    Ergotherapie - warum sie so wichtig ist und wie der Beruf funktioniert | Benjamin Nell

    Ein Thema, das die meisten erst wahrnehmen, wenn der Alltag nicht mehr so wie gewohnt klappt: Die Ergotherapie. Darüber spricht Dr. Andrea Morawe mit Benjamin Nell, kurz Benni, der bei Soleo Anhalt als Leiter der Ergotherapie arbeitet. Die Ausbildung zum Ergotherapeuten dauert 3 Jahre, mittlerweile gibt es sogar die Möglichkeit eines Studiums. Benni fänd es gut, wenn man früher in die Berufswelt einsteigen würde und nicht zu Beginn nur schulisch lernen würde. Im zweiten Lehrjahr kann man durch Praktika in die verschiedenen Bereiche reinschnuppern. Andrea stört es, dass die schulische Ausbildung Geld kostet und wünscht sich eine Änderung von Seiten der Politik. Gerade junge Eltern können sich so eine Ausbildung kaum leisten. Eine kostenlose Ausbildung und auch eine Bezahlung während der Ausbildung könnte den Weg für mehr Nachwuchskräfte öffnen. Ergotherapeut:innen arbeiten sowohl in Psychiatrien, in Werkstätten für Menschen mit Behinderung, in Praxen, Rehazentren, im Pflegeheim oder im ambulanten Pflegedienst. Man kann sich somit auf verschiedene Bereiche spezialisieren. Dabei ist die Zusammenarbeit mit der Physiotherapie sehr eng. Wichtige Eigenschaften von guten Ergotherapeut:innen sind Offenheit und der Wunsch, sich weiterzubilden. Benni hat seine Fortbildung selbst gezahlt, um unabhängig zu bleiben. Andrea betont wieder mal, wie wichtig ein gutes Netzwerk ist. Sie arbeitet mit Benni Hand in Hand und die Praxen haben sogar schon eine Veranstaltung gemeinsam veranstaltet. Auch unterhalb der Ergotherapeut:innen ist eine gute Vernetzung sinnvoll, um Versorgung sicherzustellen. Viele haben nach der Ausbildung richtig Lust darauf, sich selbstständig zu machen. Da gibt es allerdings einige Hürden. Benni empfiehlt, in der Anstellung zu starten, um die Bürokratie kennenzulernen. Denn Dokumentation, Abrechnung und Berichte sind komplex! Das Geld erhalten Therapeut:innen erst nach der Behandlung bzw. 4 Monate später, was ein Risiko beinhaltet. Andrea vergleicht das mit den Ärzt:Innen, denn auch die erhalten ihre Zahlungen erst ein halbes Jahr nach der Behandlung von der KV. Es gibt Studien, die belegen, dass es im ländlichen Raum schneller zu einer schweren Pflegebedürftigkeit kommen kann, was nicht an mangelnder Wirksamkeit, sondern an fehlender Versorgung liegt. Menschen werden mit Krankheiten und Handicaps immer älter. Benni betont, wie wichtig deswegen auch Hausbesuche sind. Einige Therapiezentren wehren sich trotzdem gegen diese. Benni staunt oft darüber, wie fit seine Patient:innen noch sind. Er berät diese auch zum häuslichen Umfeld und wie man dieses so gesund und sicher wie möglich gestaltet. Betreutes Wohnen kann einen Zwischenschritt bieten zwischen der gewohnten Häuslichkeit und einem Pflegeheim. Die Eingewöhnung fällt den meisten am schwersten. Andrea nimmt auch gerne Hilfsmittelempfehlungen der Ergotherapeut:innen an. Schließlich kennen diese sich am besten mit den Gegebenheiten aus. Einige Leistungen in der Ergotherapie funktionieren nur über Zuzahlung. Benni und Andrea sind sich einig: Lieber früh etwas in die Gesundheit investieren als später einen teuren Pflegeheimplatz zahlen zu müssen. Die Erhaltung der Selbstständigkeit ist auf vielen Ebenen wichtig. Benni wünscht sich, dass Ergotherapie mehr in den Fokus gerückt wird. Dazu gehört auch, dass Ärzt:innen besser verstehen, was die Ergotherapie anbietet. Von den Ergotherapeut:innen selbst wünscht er sich mehr Ehrlichkeit zum Patienten. Manchmal kann man nicht helfen, was auch gar nicht schlimm ist – man muss nur offen darüber kommunizieren. Auch Bürokratieabbau würde er begrüßen, denn die viele Zeit der Dokumentation würde er lieber in die Zeit am Patienten stecken. Am Ende gibt Benni noch den Tipp: Die Qualität der Behandlung ist wichtiger als die Menge an Patient:innen, die ihr behandelt. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/   Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen   Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu   Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319

    51 Min.
  8. Schwindel und Psyche -  wie gehört das zusammen? | Dr. Andrea Morawe erklärt

    5. FEB.

    Schwindel und Psyche - wie gehört das zusammen? | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Schwindel gehört zu den Symptomen, die Patient:innen besonders beunruhigen. Man hat Angst vor einem Schlaganfall oder davor, dass etwas nicht im Gehirn funktioniert. Es ist auch unangenehm, denn es betrifft unser Gefühl von Kontrolle, Sicherheit und Orientierung. Dabei ist Schwindel keine Diagnose, sondern ein Leitsymptom. Ein erheblicher Anteil der Fälle hat dabei einen Zusammenhang mit psychischer Belastung. Schwindel wird unterteilt in Drehschwindel (Karrussel-Gefühl), Schwankschwindel (Boot-Gefühl), Benommenheitsschwindel (wie Watte im Kopf) und unspezifischen Schwindel. Die subjektive Schilderung des Schwindels ist oft diagnostisch hilfreicher als operative Befunde. Dazu gehört, wann der Schwindel auftritt, wie lange er anhält und was ihn verschlechtert. Unser Gleichgewichtssystem besteht aus mehreren Komponenten: Das Innenohr, die Augen, die Tiefensensibilität der Muskulatur und das Gehirn. Die Psyche hat dabei einen enormen Einfluss, denn bei Stress, Angst und innerer Anspannung verändern sich bestimmte vitale Funktionen. Dadurch können Gleichgewichtsinformationen gestört werden. Der Schwindel ist real, körperlich spürbar, aber funktionell bedingt. Psychische Faktoren sind einer der häufigsten Faktoren für chronischen Schwindel. Ein klassisches Beispiel ist der phobische Schwankschwindel, der oft in großen Menschenmengen auftritt. Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Die Patient:innen haben Schwindel, dadurch entsteht Angst, was eine körperliche Stressreaktion auslöst, die wiederum den Schwindel verstärkt. Bevor die psychische Ursache angenommen wird, sollte es eine strukturierte Basisdiagnostik geben. Ein paar Red Flags sind beispielsweise akute Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen, Doppelbilder, Gangunsicherheiten, Erbrechen oder ein plötzlich eintretender schwerer Drehschwindel. Wenn die Patient:innen verstehen, was los ist, dann reduziert das die Angst. Es ist also wichtig, dem Patienten empathisch beizustehen und ihm zu erklären, dass der Schwindel nicht gefährlich ist. Das Wichtigste ist, sich nicht zu schonen. Schonung verschlechtert den funktionellen Schwindel. Man sollte sich bewegen, den Alltag aktiv gestalten und das Gleichgewicht fördern. Auch eine kognitive Verhaltenstherapie ist sinnvoll. Eine Dauertherapie mit schwindelhemmenden Medikamenten sollte vermieden werden. Andrea ist außerdem ein großer Fan der Hypnose-Therapie, die als ergänzende Maßnahme sehr sinnvoll sein kann. Denn sie kann den Stress erheblich reduzieren, die vegetative Übererregung senken und den Angst-Schwindel-Kreislauf dadurch unterbrechen. Die Patient:innen selbst können selbst autogenes Training durchführen oder auch die progressive Muskelentspannung. Dazu helfen Lockerungsübungen für den Schulter- und Nackenbereich, sowie Gleichgewichtsübungen. Bei Physio- und Ergotherapeut:innen können schonende Übungen erlernt werden. Je weniger Aufmerksamkeit der Schwindel bekommt, desto schwächer wird er werden. Es ist besonders wichtig, den Umgang mit der Angst zu lernen. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/   Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen   Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu   Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319

    17 Min.

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