LandMEDchen

Andrea Morawe

LandMEDchen - der Podcast rund um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Dr. Andrea Morawe spricht im Podcast mit Menschen aus der Medizin, mit MFAs, Ärzt:innen, Pfleger:innen und allen, die mit den Patientinnen und Patienten arbeiten. Außerdem erklärt sie auch in ihren Episoden, wie das Leben als Landarzt ist, worauf man bei einer eigenen Praxis so achten soll und motiviert, sich als Ärztin oder Arzt auf dem Land niederzulassen. Jeden Donnerstag gibt es eine neue Folge!

  1. Mutterschutz für selbstständige Ärztinnen - ein gesellschaftliches Anliegen! | Andrea Morawe erklärt

    VOR 5 TAGEN

    Mutterschutz für selbstständige Ärztinnen - ein gesellschaftliches Anliegen! | Andrea Morawe erklärt

    Dieses Thema betrifft längst nicht nur Frauen, sondern die gesamte Gesellschaft. Stell dir vor: Du bist Ärztin, hast viele Jahre studiert, gehst den Schritt in die Niederlassung und wirst schwanger. Doch genau dann zeigt sich ein großes Problem im System: Während es im Angestelltenverhältnis klare Schutzregelungen gibt, fehlt dieser Schutz für selbstständige Ärztinnen nahezu vollständig. Auch auf dem Deutschen Ärztetag wird das Thema in diesem Jahr diskutiert. Mittlerweile sind rund 60 % der Absolvent:innen des Medizinstudiums weiblich. Gleichzeitig braucht das Gesundheitssystem dringend Nachwuchs im ambulanten Bereich. Politik und Gesundheitswesen wünschen sich mehr Niederlassungen, außerdem werden Nachfolger:innen für bestehende Praxen benötigt, besonders in der ländlichen Versorgung. Im Angestelltenverhältnis gibt es klare Regelungen zum Mutterschutz: Sechs Wochen vor der Geburt und acht bis zwölf Wochen danach. Die Zeit vor der Geburt ist freiwillig, die Zeit nach der Geburt verpflichtend. Für Studierende existieren Sonderregelungen, damit sie ihre Ausbildung nach der Geburt schneller fortsetzen können. Für selbstständige Ärztinnen sieht die Situation jedoch völlig anders aus. In der Novellierung des Mutterschutzes wurden sie kaum berücksichtigt. Faktisch gibt es keinen Mutterschutz für Selbstständige. Daraus entstehen erhebliche finanzielle Belastungen: Die laufenden Kosten bleiben bestehen, die Verantwortung für Praxis, Mitarbeitende und Organisation ebenfalls. Auch die Vertretungsregelung ist kompliziert. Viele Ärztinnen müssen sich zwischen „ganz oder gar nicht“ entscheiden, statt beispielsweise stundenweise weiterarbeiten zu können. Das Mutterschaftsgeld ist bei gesetzlich Versicherten meist ähnlich geregelt wie das Krankengeld und beginnt formal nach sechs Wochen. Trotzdem bleibt häufig eine Versorgungslücke bestehen. In der privaten Krankenversicherung hängen Leistungen oft von individuellen Vereinbarungen ab. Zusätzlich gibt es zwar Praxisausfallversicherungen, diese schließen Schwangerschaften jedoch häufig aus. Andrea erzählt, dass sie sich ihre eigene Schwangerschaft letztlich „angespart“ hat. Dabei darf man nicht vergessen: Gerade junge Ärztinnen, die sich neu niederlassen, tragen hohe finanzielle Belastungen. Die Abschlagszahlungen der KV kommen zeitversetzt, während Miete, Gehälter und weitere Praxiskosten trotzdem weiterlaufen. Die Folge daraus: Viele junge Ärztinnen verschieben die Niederlassung oder entscheiden sich ganz dagegen. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wie glaubwürdig eine Niederlassungsstrategie überhaupt sein kann, wenn zentrale Lebensphasen nicht ausreichend abgesichert werden. Neu ist das Thema keineswegs. Die Problematik ist seit Jahren bekannt, politische Versprechungen gab es viele – konkrete Veränderungen hingegen kaum. Sogar eine EU-Richtlinie (2010/41/EU) existiert bereits, wurde in Deutschland bislang jedoch nicht umgesetzt. Dabei betrifft dieses Thema nicht nur die Mütter selbst, sondern auch die Gesellschaft insgesamt und natürlich die ungeborenen beziehungsweise frisch geborenen Kinder. Auch über die Finanzierung wird intensiv diskutiert. Im Raum stehen unterschiedliche Modelle, etwa ein Mutterschutzfonds für Selbstständige, ein Umlagesystem oder eine steuerfinanzierte Übergangsförderung. Hochrechnungen gehen von einem Finanzierungsbedarf von rund 229 Millionen Euro aus. Andrea kann sich besonders eine Umlagelösung gut vorstellen. Ihr Appell an die Politik ist deshalb eindeutig: Wer über moderne Versorgung, Gleichstellung und Nachwuchsförderung spricht, muss auch diese Lebensrealitäten konsequent mitdenken. Zu „Mutterschutz für Alle“: https://mutterschutzfueralle.de/ Zum Bündnis: https://mutterschutz-fuer-selbststaendige.de/ Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    23 Min.
  2. Wie eine Zuckersteuer Einfluss auf unsere Gesundheit hat | Dr. Andrea Morawe erklärt

    6. MAI

    Wie eine Zuckersteuer Einfluss auf unsere Gesundheit hat | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Die Zuckersteuer wird aktuell erneut intensiv diskutiert, denn die Finanzkommission Gesundheit hat sie wieder ins Gespräch gebracht. Der Hintergrund: Durch eine solche Maßnahme könnten jährlich rund 450 Millionen Euro zusätzlich eingenommen und gleichzeitig hunderttausende Diabetes-Erkrankungen verhindert werden. Genau darüber spricht Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“. In Deutschland entstehen jedes Jahr enorme Kosten durch Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Adipositas oder frühzeitige Arthrose. Gleichzeitig wird eine Maßnahme, die nachweislich präventiv wirken könnte, politisch weiterhin kontrovers diskutiert. Andrea betont dabei klar: Es geht nicht darum, den Sonntagskuchen zu verbieten. Medizinisch lässt sich der Zusammenhang gut erklären. Vor allem zuckerhaltige Getränke führen dazu, dass Zucker sehr schnell aufgenommen wird. Dadurch entstehen starke Insulinspitzen. Langfristig kann das eine Insulinresistenz fördern und die Bildung von viszeralem Fettgewebe begünstigen. Sowohl die WHO als auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin empfehlen deshalb eine deutliche Reduktion von Zucker in Getränken und sprechen sich für verhältnispräventive Maßnahmen wie eine Zuckersteuer aus. Die wissenschaftliche Datenlage dazu ist eindeutig. Die Zahlen zeigen ebenfalls die Dimension des Problems: Rund die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland gilt als übergewichtig, etwa 20 Prozent sind adipös. Natürlich wäre eine gesündere Ernährung grundsätzlich möglich, allerdings zeigt die Verhaltensforschung deutlich, wie stark unser Umfeld das Essverhalten beeinflusst. Großbritannien wird dabei oft als Beispiel genannt: Dort sank nach Einführung der Zuckersteuer der Zuckeranteil in Softdrinks um etwa 30 Prozent. Kritiker:innen sprechen häufig von Bevormundung. Andrea sieht das anders. Für sie geht es nicht um Verbote, sondern darum, gesundheitsschädliche Strukturen zu verändern. Sie zieht den Vergleich zur Anschnallpflicht: Auch hier existieren klare Regeln zum Schutz der Bevölkerung, trotzdem bleibt die individuelle Entscheidung bestehen. Ein weiteres Argument gegen die Zuckersteuer ist die Sorge vor sozialer Ungleichheit. Andrea verweist jedoch darauf, dass gerade sozial benachteiligte Gruppen aktuell die höchste Krankheitslast tragen und deshalb besonders von einer Zuckersteuer profitieren könnten. Für Andrea liegt das Problem längst nicht mehr im fehlenden Wissen, sondern in der Umsetzung. Eltern möchten ihren Kindern nicht schaden, bewegen sich aber in einer Umgebung, in der stark zuckerhaltige Produkte jederzeit verfügbar und gezielt vermarktet werden. Zusätzlich spricht sie sich dafür aus, Obst und Gemüse steuerlich zu entlasten und die Kennzeichnung von Lebensmitteln verständlicher zu gestalten. Der Nutri-Score beispielsweise vergleicht Produkte nur innerhalb derselben Kategorie und liefert deshalb oft kein vollständiges Bild. Am Ende stellt Andrea die entscheidende Frage: Nicht, ob wir uns eine Zuckersteuer leisten können – sondern wie lange sich unser Gesundheitssystem leisten kann, weiterhin darauf zu verzichten. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    19 Min.
  3. Wirtschaftlichkeit und Abrechnung in der Hausarztpraxis | Dr. Andrea Morawe erklärt

    29. APR.

    Wirtschaftlichkeit und Abrechnung in der Hausarztpraxis | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Wie funktioniert die Abrechnung und die Wirtschaftlichkeit einer Hausarztpraxis? Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“. In einer Hausarztpraxis bekommt die Ärztin oder der Arzt für jeden Patienten pro Quartal – also für drei Monate – einen festen Betrag. Sobald die Patient:innen ihre Karte einlesen lassen, entsteht ein Schein, der den Wert von 60-70 Euro hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Patient einmal kommt oder zehnmal und wie viel Zeit die Behandlung tatsächlich kostet, d.h. der Schweinwert sagt nichts über den einzelnen Patienten aus. Zusätzlich gibt es ein recht komplexes System aus Zeit- und Geldberechnung. Grundlage dafür ist der sogenannte Punktwert. Jede ärztliche Leistung hat im EBM eine bestimmte Anzahl an Punkten. Diese Punkte werden mit dem Punktwert multipliziert und ergeben so den Geldbetrag, den die Praxis dafür bekommt. Gleichzeitig ist jeder Leistung auch eine Kalkulationszeit zugeordnet. Diese legt fest, wie viel Zeit theoretisch für eine Leistung vorgesehen ist und bestimmt mit, wie hoch ihre Vergütung ist. In der Realität reicht diese Zeit jedoch oft nicht aus, weil Gespräche und Behandlungen deutlich länger dauern. Daneben gibt es die sogenannte Prüfzeit. Sie dient der Kontrolle und legt fest, wie viele Stunden Ärztinnen und Ärzte pro Quartal maximal abrechnen dürfen. Überschreiten sie diese Grenze (bei einem vollen Kassensitz pro Quartal 780 Stunden), geht die Kassenärztliche Vereinigung davon aus, dass die Leistungen nicht vollständig oder nicht korrekt erbracht worden sein könnten – und es kann zu einer Prüfung kommen. Das soll davor schützen, dass das System ausgenutzt wird. Das führt zu einem Problem: Wenn eine Praxis sehr viele Patientinnen und Patienten versorgt, was vor allem auf dem Land oft nötig ist, kommt sie schnell an diese Zeitgrenzen. Im Extremfall können Leistungen dann nicht mehr abgerechnet werden, obwohl sie erbracht wurden und vielleicht zum Teil von MFAs und VERAHs vorbereitet wurden. Zudem: Sich viel Zeit für eine Leistung zu nehmen wird nicht besser vergütet. In der privaten Krankenversicherung, also bei Abrechnung nach GoÄ sieht das anders aus. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bezahlung der Leistungen. Technische Untersuchungen, zum Beispiel Lungenfunktionstest, EKG, Blutdruck, Ultraschall, etc. sind vergleichsweise gut vergütet, zudem sind sie gut planbar. Gespräche mit Patientinnen und Patienten dagegen, obwohl sie zentral für die Behandlung sind, bringen deutlich weniger Geld und sind oft zusätzlich begrenzt. Für Präventionsgespräche kann man selbst nichts abrechnen. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit in der Hausarztpraxis sind Gespräche. Dafür gibt es sogenannte Gesprächsziffern. Das sind Abrechnungspositionen für Beratungen, also zum Beispiel, wenn Diagnosen erklärt werden oder Therapien besprochen werden. Diese Gespräche sind medizinisch sehr wichtig, werden aber im System vergleichsweise schlecht vergütet und sind zusätzlich oft budgetiert. Das heißt: Wenn eine Praxis viele ausführliche Gespräche führt, wird jedes einzelne Gespräch am Ende schlechter bezahlt. Besonders relevant wird das bei sogenannten F-Diagnosen. Das sind Diagnosen aus dem Bereich der psychischen Erkrankungen, zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen. Hier braucht es oft mehr Zeit, mehr Gespräche und eine engere Begleitung der Patient:innen. Dazu kommt das Problem der Budgetierung. Das bedeutet: Eine Praxis bekommt nur bis zu einer bestimmten Menge die volle Bezahlung für ihre Leistungen, z.B. bei den Gesprächsziffern. Wenn diese Grenze überschritten wird, sinkt die Vergütung oder fällt ganz weg. Die Ärzt:innen behandeln ihre Patient:innen meist trotzdem weiter, aber ein Teil dieser Arbeit wird dann nicht mehr richtig bezahlt. Am Ende stehen Ärztinnen und Ärzte ständig vor einem Konflikt. Sie wollen sich ausreichend Zeit für ihre Patientinnen und Patienten nehmen, müssen aber gleichzeitig darauf achten, dass die Praxis finanziell überlebt und alle Regeln eingehalten werden. Das Grundproblem ist also: Gute Medizin braucht Zeit, das System bezahlt aber vor allem Menge und nicht den tatsächlichen Aufwand. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    52 Min.
  4. Was der Referentenentwurf bedeutet - analysiert von zwei Hausärztinnen | Laura Dalhaus und Andrea Morawe

    22. APR.

    Was der Referentenentwurf bedeutet - analysiert von zwei Hausärztinnen | Laura Dalhaus und Andrea Morawe

    Der aktuelle Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit sorgt für große Unruhe im Gesundheitswesen – und bei Dr. Laura Dalhaus sogar für hektische Flecken. Genau deshalb hat Dr. Andrea Morawe sie in ihren Podcast „LandMEDchen“ eingeladen, um die geplanten Veränderungen gemeinsam einzuordnen und kritisch zu beleuchten. Schnell wird klar: Vor allem die Hausärzt:innen stehen unter Druck. Die primärärztliche Versorgung droht weiter geschwächt zu werden – obwohl sie nicht zu den größten Kostentreibern im System gehört. Gleichzeitig bleiben zentrale Ausgabenpunkte, wie beispielsweise die Finanzierung der Versorgung von Bürgergeldempfänger:innen, weitgehend unangetastet. Einige Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit haben bei Andrea gemischte Reaktionen ausgelöst – von Skepsis bis Zustimmung. Besonders Maßnahmen wie eine Zuckersteuer bewertet sie positiv. Umso unverständlicher ist es für beide, dass solche präventiven Ansätze im aktuellen Entwurf fehlen, obwohl Prävention sogar im Koalitionsvertrag verankert ist. In diesem Zusammenhang sprechen sie auch über die allgegenwärtige Zuckerfalle, insbesondere für Kinder. Ein weiterer kritischer Punkt: Die geplante Senkung des Krankengeldes um 5 %. Gerade diejenigen, die ohnehin körperlich belastende Berufe ausüben, geraten dadurch noch schneller in existenzielle Notlagen. Für Laura und Andrea bestätigt sich hier einmal mehr die Realität hinter dem Satz: „Armut macht krank – und Krankheit macht arm.“ Gleichzeitig geraten auch Ärzt:innen selbst zunehmend unter gesundheitlichen Druck. Auch wirtschaftlich spitzt sich die Lage zu: Je mehr Patient:innen eine Hausarztpraxis versorgt, desto geringer fällt die Vergütung pro Fall aus. Mit der geplanten Grundlohnsummenregelung sehen viele Therapeut:innen ihre Existenz bedroht. Laura bringt sogar die Idee einer Sammelklage ins Spiel. Die Konsequenz könnte sein, dass Praxen künftig stärker gezwungen sind, wirtschaftlich zu entscheiden, welche Patient:innen sie behandeln. Parallel gewinnt die Privatmedizin weiter an Attraktivität. Unterschiedliche Perspektiven zeigen sich beim Thema Check-ups: Während Laura deren Nutzen grundsätzlich hinterfragt, verfolgt Andrea einen differenzierteren Ansatz. Einig sind sich beide jedoch in der Kritik an der unzureichenden Vergütung. Auffällig ist außerdem, dass die Pharmaindustrie im aktuellen Entwurf vergleichsweise wenig belastet wird. Ein weiterer Diskussionspunkt sind Reha-Berichte und der Umgang der Deutschen Rentenversicherung damit. Auch die Qualität von Arztbriefen und der schleppende Fortschritt in der Digitalisierung werden kritisch beleuchtet. Für viele Praxen bleibt als einzige Option eine weitere Effizienzsteigerung, sei es durch zusätzliches Personal oder technische Lösungen. Doch diese Investitionen müssen zunächst selbst getragen werden. Gleichzeitig entwickelt sich die GKV-Leistung zunehmend in Richtung Basisversorgung – wobei sich die Frage stellt, ob sie das nicht längst ist, wenn bereits strikt nach dem WANZ-Prinzip gearbeitet wird. Im weiteren Verlauf berichtet Laura von einer Veranstaltung in Borken zum Thema „Wer darf wie alt werden?“. Die zentrale Frage: Wie lange können wir uns Spitzenmedizin in einer älter werdenden Gesellschaft leisten? Und gehört individualisierte Medizin überhaupt noch in ein solidarisch finanziertes System? Für beide ist klar: Das ist eine der großen sozial-ethischen Herausforderungen unserer Zeit – auch wenn viele Politiker:innen diese Debatte scheuen. Ergänzend diskutieren sie das sogenannte Verursacherprinzip, das in der privaten Krankenversicherung bereits Anwendung findet, in der gesetzlichen jedoch kontrovers bleibt. Auch die Rolle des Bundes wird thematisiert: Statt struktureller Lösungen erfolgt der Beitrag zur Stabilisierung vor allem durch eine Verschiebung finanzieller Verpflichtungen. Mit dem sogenannten „David-Experiment“ veranschaulicht Laura schließlich ethische Dilemmata im Gesundheitssystem und zieht Parallelen zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen, insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit. Am Ende bleibt eine ernüchternde Erkenntnis: Der Glaube an grundlegende Systemveränderungen schwindet. Andrea zieht für sich eine klare Grenze – sie lehnt eine „3-Minuten-Medizin“ ab und setzt stattdessen auf transparente Kommunikation mit ihren Patient:innen, auch in Bezug auf Zusatzleistungen. Gemeinsam stellen sich beide die Frage, ob Programme wie DMP in ihrer jetzigen Form noch sinnvoll sind, da sie primär der Finanzierung innerhalb des Morbi-RSA dienen. Fest steht: Die aktuellen Entwicklungen werden nicht nur die Versorgung, sondern auch die Strukturen und Arbeitsplätze in den Praxen nachhaltig beeinflussen. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus

    1 Std. 2 Min.
  5. Warum Gesundheitskompetenz immer mehr verloren geht | Dr. Andrea Morawe erklärt

    15. APR.

    Warum Gesundheitskompetenz immer mehr verloren geht | Dr. Andrea Morawe erklärt

    In ihrer täglichen Arbeit sieht Dr. Andrea Morawe immer wieder, welche Folgen es hat, wenn Gesundheitskompetenz fehlt. Für sie ist klar: Das liegt nicht an einzelnen Menschen, sondern ist ein grundlegendes Problem im System. Ein Beispiel aus dem Alltag: Eine Patientin liest im Befund „Vitamin-D-Mangel“. Die entscheidende Frage sollte nicht lauten „Was ist Vitamin D?“, sondern vielmehr: „Hat das für mich eine Bedeutung? Muss ich etwas tun – und wenn ja, was ist medizinisch sinnvoll?“ Patient:innen bewegen sich als Laien durch ein hochkomplexes System. Nach einem Arztgespräch bleibt oft nur etwa die Hälfte der Informationen im Gedächtnis – ein völlig normales Phänomen. Gleichzeitig ist die Zeit knapp: Ein durchschnittlicher Termin in der Hausarztpraxis dauert rund 10 Minuten. In dieser Zeit sollen Ärzt:innen zuhören, untersuchen, diagnostizieren und eine Therapie einleiten. Dabei wird häufig mit medizinischer Fachsprache gearbeitet, die für viele schwer zugänglich ist. Hinzu kommt, dass Patient:innen oft zwischen verschiedenen Akteur:innen vermitteln müssen. Das System selbst setzt klare Schwerpunkte: Diagnostik und Behandlung werden vergütet, Aufklärung, Prävention und langfristige Gesundheitsförderung hingegen deutlich weniger. Andrea betont, dass auch Ärzt:innen hier Verantwortung tragen. Es braucht ein Umdenken in der Kommunikation. Methoden wie das Teach-back-Prinzip, bei dem Patient:innen das Gesagte noch einmal in eigenen Worten wiedergeben, können helfen, Verständnis zu sichern. Auch schriftliche Informationen können eine wichtige Unterstützung sein. Gesundheitskompetenz darf kein Zusatzangebot sein, sondern muss ein fester Bestandteil guter medizinischer Versorgung werden. Viele Patient:innen suchen zusätzlich im Internet nach Informationen. Das ist grundsätzlich nichts Negatives. Die Schwierigkeit liegt vielmehr darin, verlässliche von irreführenden Inhalten zu unterscheiden. Fehlinterpretationen können schnell zu Verunsicherung oder unnötigen Ängsten führen. Nicht die Informationssuche bei „Dr. Google“ ist das Problem – sondern die fehlende Einordnung. Die Frage bleibt: Wer ist eigentlich dafür verantwortlich, Gesundheitskompetenz zu fördern? Ein zentrales Problem ist das Fehlen einer klaren Orientierung im System. Ein stärker etabliertes Primärarztmodell könnte hier als Leitstruktur dienen und Patient:innen besser durch die Versorgung führen. Dabei beginnt Gesundheitskompetenz viel früher, nämlich im Kindesalter. Andrea sieht großes Potenzial darin, Gesundheitsthemen bereits in Kitas und Schulen stärker zu verankern. Regelmäßige Bewegung sollte selbstverständlich sein und über die üblichen zwei Sportstunden hinausgehen. Auch außerschulische Angebote könnten einen wichtigen Beitrag leisten. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Ernährung. Diese prägt die Gesundheit bereits vor der Geburt, muss danach aber aktiv begleitet werden. Andrea spricht sich für mehr praxisnahe Angebote aus, bei denen Kinder Gesundheit erleben und verstehen können. Häufig scheitert die Umsetzung jedoch an fehlenden finanziellen Ressourcen. Früher wurde viel Gesundheitswissen im familiären Umfeld weitergegeben. In Großfamilien gehörte es zum Alltag, sich gegenseitig zu unterstützen und grundlegende Dinge zu vermitteln – etwa, wie man mit Fieber umgeht. Diese Strukturen sind heute seltener geworden. Auch politische Rahmenbedingungen spielen eine Rolle. Andrea kritisiert unter anderem die Ablehnung einer Zuckersteuer sowie den Nutri-Score, den sie als wenig aussagekräftig empfindet. Gleichzeitig verfolgt die Lebensmittelindustrie vor allem wirtschaftliche Interessen – nicht primär gesundheitliche. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    22 Min.
  6. Das System kippt! Wie Hausarzt-Praxen gerade funktionieren | Dr. Andrea Morawe

    8. APR.

    Das System kippt! Wie Hausarzt-Praxen gerade funktionieren | Dr. Andrea Morawe

    Was passiert eigentlich hinter den Kulissen einer Hausarztpraxis? Wie läuft die Abrechnung ab, womit verdienen Ärzt:innen ihr Geld – und wie viel Zeit bleibt wirklich für die einzelnen Patient:innen? Diesen Fragen geht Dr. Andrea Morawe in einer neuen Folge von „LandMEDchen“ nach. Ihre Einschätzung ist dabei klar: Das derzeitige System gerät zunehmend ins Wanken. Die Diskussionen darüber sind oft emotional aufgeladen – umso wichtiger ist es ihr, sowohl Ärzt:innen eine Stimme zu geben als auch Patient:innen transparent zu erklären, wie der Praxisalltag tatsächlich funktioniert. Ein zentrales Thema dabei sind die steigenden Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung. Um dem entgegenzuwirken, wurde die Finanzkommission Gesundheit ins Leben gerufen. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen unter anderem eine Steuer auf Tabak und Alkohol sowie eine Zuckersteuer. Für Andrea ist das einer der wenigen Ansätze, die sie als sinnvoll bewertet. Um das Ganze besser einordnen zu können, lohnt sich ein Blick auf das GKV-System – denn darüber generieren Ärzt:innen den Großteil ihrer Einnahmen, etwa 80 bis 95 Prozent. Sobald Patient:innen einmal pro Quartal ihre Gesundheitskarte einlesen lassen, entsteht ein sogenannter Abrechnungsschein. Hinter jeder Leistung steht ein Punktwert, der in einen Geldbetrag umgerechnet wird. Gleichzeitig ist jede Leistung mit einer festen Prüfzeit verknüpft. Die Kassenärztliche Vereinigung gibt vor, wie viele Stunden Ärzt:innen pro Tag und pro Quartal abrechnen dürfen. Wird diese Zeit überschritten, entsteht schnell der Eindruck, dass Leistungen nicht ordnungsgemäß erbracht wurden. Medizin wird also nicht nur nach Inhalt, sondern auch nach Zeit bewertet. Ein Beispiel: Bei chronisch kranken Patient:innen kann eine Chronikerziffer angesetzt werden. Diese erhöht die kalkulierte Behandlungszeit um 18 Minuten und bringt eine zusätzliche Vergütung von 16,56 Euro. In der Realität reicht diese Zeit jedoch oft nicht aus. Gerade ältere Patient:innen benötigen häufig deutlich mehr Aufmerksamkeit. Sie kommen mehrfach im Quartal, ihre Krankheitsbilder sind komplexer, und selbst einfache Abläufe wie das An- und Auskleiden können viel Zeit in Anspruch nehmen. Hinzu kommt die Abstimmung mit Angehörigen. Umso wichtiger ist ein gut eingespieltes Team. Andrea betont, wie sehr sie davon profitiert, Aufgaben delegieren zu können, um sich auf die medizinischen Entscheidungen zu konzentrieren. Viele Menschen gehen davon aus, dass Ärzt:innen jede erbrachte Leistung direkt bezahlt bekommen. Dieses Prinzip gilt im System der privaten Krankenversicherung, im GKV-System jedoch nur eingeschränkt. Die tatsächlich investierte Zeit übersteigt häufig die abrechenbare Zeit – diese Differenz bleibt unvergütet. Dabei passt Verantwortung nicht in starre Zeitfenster. Gute Medizin entsteht häufig trotz der bestehenden Rahmenbedingungen – nicht aufgrund dieser. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Budgetierung. In vielen Fachbereichen sind Leistungen gedeckelt. Werden mehr Patient:innen behandelt, als das Budget vorsieht, erfolgt keine zusätzliche Bezahlung. In der hausärztlichen Versorgung gab es zwar ab Oktober 2025 eine teilweise Entbudgetierung, doch deren Auswirkungen werden sich erst verzögert zeigen, da Abrechnungen zeitlich nachgelagert erfolgen. Auch wirtschaftlich spitzt sich die Lage zu. Aktuelle Zahlen des Zentralinstituts zeigen ein Defizit von minus 13,3 Prozent. Gleichzeitig steigen die Kosten weiter – insbesondere für Personal und Mieten. Andrea betont ausdrücklich, dass höhere Gehälter für Mitarbeitende absolut gerechtfertigt sind. Ihr Ziel bleibt es, qualitativ hochwertige Medizin anzubieten und die Versorgung im ländlichen Raum zu sichern. Ein zusätzliches Problem zeigt sich im Vergleich zur Klinik: Dort sind die Gehälter oft attraktiver. Das erschwert es, junge Ärzt:innen für die Niederlassung zu gewinnen. Die Frage stellt sich also: Wie kann Selbstständigkeit im ambulanten Bereich attraktiv bleiben? Ärzt:innen treten an, um Menschen zu helfen. Oft wird dabei auch auf den ärztlichen Eid verwiesen. Doch dieser ersetzt keine wirtschaftliche Grundlage. Die Herausforderung liegt nicht im fehlenden Engagement – sondern in einem System, das aus dem Gleichgewicht geraten ist. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    40 Min.
  7. Mythen rund um Gicht – aufgeklärt von Dr. Andrea Morawe

    1. APR.

    Mythen rund um Gicht – aufgeklärt von Dr. Andrea Morawe

    Spargel, Steak, Bier und nachts Schmerzen im großen Zeh? Das schieben viele auf Gicht! Doch wie passen Gicht und Ernährung überhaupt zusammen? In den Frühlingsmonaten, in denen Grill- und Spargel-Saison beginnen, sehen wir in den Hausarztpraxen viele Gicht-Anfälle. Den dahinterstehenden Mythen will sich Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“ widmen! Gicht ist eine chronische Stoffwechsel-Erkrankung. In unserer Leber findet der Purinstoffwechsel statt und in diesem Rahmen fällt Harnsäure an. Bei einer Hyperurikämie kommt es zu einer Übersättigung von Harnsäure, bei welcher der kritische Punkt von 6,8mg pro Deziliter Harnsäure überstiegen wird. Dann werden die Mononatriumurat-Kristalle schlecht löslich und fallen aus. So kommt es zu Ablagerungen in Gelenken und im Gewebe – dadurch entstehen Schmerzen. Diese entstehen meist plötzlich in der Nacht. Gicht ist chronisch progredient und unbehandelt kann es zu weiteren Gicht-Anfällen kommen, aber auch zu Nierenschädigungen, chronischer Arthritis und Gicht-Knötchen. Meist hängt Gicht auch mit metabolischen Syndromen zusammen. Andrea schaut sich die Mythen an: Mytos 1: Gicht kommt vom Fleischkonsum Fleischkonsum beeinflusst den Purinstoffwechsel, doch der metabolische Status, die renale Ausscheidung und genetische Faktoren haben einen weiteren Einfluss. Mythos 2: Spargel ist gefährlich Spargel hat weniger Purin als ihm nachgesagt wird und ist somit kein Hauptträger für akute Gicht-Anfälle. Das Problem ist nicht der Spargel, sondern das Schnitzel und das Bier dazu. Mythos 3: Nach einem Anfall hat man Gicht Ein Anfall bleibt unbehandelt selten allein und kann unbehandelt auch zu Folgeschäden führen. Mythos 4: Ernährung reicht als Therapie Ernährung ist ein wichtiger Baustein in der Therapie, doch eine medikamentöse Therapie ist die Grundlage. Mythos 5: Alkohol ist nicht relevant Alkohol reduziert die Harnsäureausscheidungen und enthält je nach Getränk zusätzliche Purine. Das Ziel der Therapie ist Treat to target – das heißt es gibt Zielwerte in der Harnsäure, die erzielt werden sollten. Diese sollte frühzeitig beginnen, die Langzeittherapie ist aber auch ein entscheidender Punkt – eine Akuttherapie alleine ist ein großer Fehler. Mehr als zwei Anfälle pro Jahr sind schon ein Grund dafür, eine Langzeittherapie zu starten. Allopurinol und Febuxostat sind die Klassiker. Fructose hat einen großen Einfluss auf die Entstehung von Gicht, denn diese wird fast vollständig in der Leber verstoffwechselt. Das Problem: Fructose ist nicht nur in Obst, sondern auch in Honig und in vielen hoch-verarbeiteten Lebensmitteln, z.B. Softdrinks. Die Ernährungsempfehlung ist zunächst: Gemüse! Außerdem hilft es, viel Wasser zu trinken, Alkohol, rotes Fleisch, Innereien und Zucker zu reduzieren. Fastenkuren können sogar zum Auslöser von Gicht-Anfällen werden! Eine Ernährungstherapie kann in diesem Fall unterstützen. Andrea’s Tipps für die Grillsaison sind: Fleischmenge reduzieren, mehr Gemüse auf den Grill, möglichst keine Kombination mit Softdrinks, möglichst kein Alkohol und ein Verdauungsspaziergang! Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    15 Min.
  8. Ernährungsberatung oder -therapie? Das große Feld der Ernährung! | Dr. Andrea Morawe erklärt

    25. MÄRZ

    Ernährungsberatung oder -therapie? Das große Feld der Ernährung! | Dr. Andrea Morawe erklärt

    Letztens saß in der Sprechstunde von Dr. Andrea Morawe eine Patientin, der die Krankenkasse eine Ernährungsberatung empfohlen hat. Doch genau an diesem Punkt beginnt die große Verwirrung im deutschen Gesundheitssystem, zu unterscheiden ist nämlich zwischen Ernährungsberatung und Ernährungstherapie. Laut WHO gehören Ernährung und Übergewicht zu den häufigsten Risikofaktoren für chronische Erkrankungen. 74% der Todesfälle hängen mit nicht-übertragbaren Krankheiten zusammen, viele davon stehen in direktem Zusammenhang mit Ernährung, Bewegung, Alkoholkonsum und Rauchen. 47% der Frauen und 60% der Männer in Deutschland sind übergewichtig – ein Viertel der Deutschen gilt als adipös. Doch warum investieren wir auch auf Seiten der Politik so wenig Geld in präventive Maßnahmen? Ernährung ist schließlich kein Randthema, wie die Zahlen zeigen. Trotzdem liegen die Ausgaben für Prävention bei nur 5% der Ausgaben im Gesundheitssystem. Andrea erklärt die verschiedenen Player im System: Ökotropholog:innen haben ein Studium absolviert und arbeiten dann oft in der Ernährungsberatung, in der Forschung oder in der Entwicklung von Präventionsprogrammen. Diätassistent:innen haben eine staatlich anerkannte Ausbildung und sind oft klinisch tätig in Arztpraxen, Rehabilitationseinrichtungen oder Kliniken. Sie beschäftigen sich klassischerweise mit der Erstellung von Ernährungsplänen. Ernährungswissenschaftler:innen haben ein Studium absolviert und beschäftigen sich mit wissenschaftlichen Fragestellungen, z.B. wie Ernährung Krankheiten beeinflusst und Auswirkungen auf den Stoffwechsel hat. Sie arbeiten oft an Universitäten oder in Forschungsprojekten, sowie in der Lebensmittelindustrie. Lebensmittelchemiker:innen setzen sich mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln auseinander.  Sie arbeiten in Laboren oder in der Qualitätskontrolle in der Lebensmittelindustrie. Lebensmitteltechnolog:innen beschäftigen sich mit Verpackung und Haltbarkeit. Sie sind in der Lebensmittelindustrie tätig. Dann gibt es noch Sportwissenschaftler, die sich mit Trainingsphysiologie, Sporternährung oder mit der Erstellung von Trainingsplänen beschäftigen. Ärzt:innen beschäftigen sich hauptsächlich mit der Diagnostik. Aber nicht jeder Arzt ist Ernährungsexperte! Denn Ernährungsmedizin ist im Studium deutlich unterrepräsentiert. Deswegen können Ärzt:innen die Zusatzbezeichnung Ernährungsmedizin erlangen. Andrea hat diese gerade auch gemacht und erzählt von ihrer Fortbildung. Dabei lernt man über klassische ernährungsmedizinische Krankheitsbilder wie Adipositas, aber auch über die gezielte Ernährung von chronisch Kranken, enterale und parenterale Ernährung,  sowie über Prävention. Die Ernährungsberatung gehört zum Feld der Präventionsmedizin. Wenn ein Arzt Risikofaktoren beim Patienten sieht, dann kann er diese verschreiben. Die Krankenkassen übernehmen zum großen Teil die Kosten, die Beratung ist oft in Präventionsprogrammen angesiedelt. Ernährungstherapie richtet sich an Patient:innen, bei denen schon eine Diagnose gestellt wurde, wie Adipositas, Zöliakie oder Mangelernährung. Diese wird über eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung initiiert. Diese ist eine Kann-Leistung der Krankenkasse, diese übernehmen somit unterschiedlich viel der Behandlung. Wichtig: Diese Notwendigkeitsbescheinigung belastet das Heilmittelbudget der Hausarztpraxis nicht. Zum Schluss erklärt Andrea noch den Fall der Patientin, der die Ernährungsberatung empfohlen wurde – eigentlich hätte diese jedoch eine Ernährungstherapie gebraucht! Die Abnehmspritze wird bisher von den Krankenkassen nicht übernommen, da es sich hier um ein Lifestyle-Medikament handelt. Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zum Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zum Podcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zum Podcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    22 Min.

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LandMEDchen - der Podcast rund um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Dr. Andrea Morawe spricht im Podcast mit Menschen aus der Medizin, mit MFAs, Ärzt:innen, Pfleger:innen und allen, die mit den Patientinnen und Patienten arbeiten. Außerdem erklärt sie auch in ihren Episoden, wie das Leben als Landarzt ist, worauf man bei einer eigenen Praxis so achten soll und motiviert, sich als Ärztin oder Arzt auf dem Land niederzulassen. Jeden Donnerstag gibt es eine neue Folge!

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