Ring2, das Hamburg Logbuch

Erik Hauth

Erik Hauth lebt in Hamburg-Altona und manchmal auf seinem Boot. Er schreibt, segelt und singt Fußball-Chants, meist in dieser Reihenfolge. Als Blogger der ersten Stunde, Digital-Stratege und preisgekrönter Autor (u.a. Best of Blogs Award der Deutschen Welle) logbuch.substack.com

  1. Hamburg und die Hitze

    vor 4 Tagen

    Hamburg und die Hitze

    Kalenderwoche 26 · Montag, 22. Juni 2026 Erik POP — die wöchentliche Hamburg-Kolumne aus Altona Moin. Die zurückliegende Woche war eine von der schwülen Sorte. Über 30 Grad, Tropennacht, Gewitter im Anflug — Fenster auf oder zu? Hamburg hat in sieben Tagen gleichzeitig demonstriert, gefeiert und geschwitzt. Hol Dir einen heißen Tee und folge mir in die News der letzten Woche … (auch wenn ich den Sonntag total verschwitzt habe ;) Kurzer Einschub: spendier Erik ein kühles Helles - via Ko-Fi - oder abonniere hier: Wer ist hier radikal? Die Bürgerschaft und der Verfassungsschutz-Check Fangen wir mit dem an, worüber man eigentlich länger reden müsste, als es eine Kolumne hergibt. Am Mittwoch hat die Hamburger Bürgerschaft die sogenannte Regelanfrage beschlossen — künftig prüft der Verfassungsschutz Bewerberinnen und Bewerber für den öffentlichen Dienst ob sich nicht doch radikale Ideen hinter der Fassade verbergen. SPD, Grüne und CDU stimmten dafür, Linke und AfD dagegen. Am Ende: Angenommen mit 85 zu 25 Stimmen. Ein Zusatzantrag schärft nach: Das Landesamt für Verfassungsschutz soll künftig nicht nur sagen ob, sondern auch was es über jemanden weiß. Nach drei Jahren wird das Gesetz überprüft. In Kraft treten könnte es schon im August. Und das ist eben kein Detail aus dem Maschinenraum der Verwaltung. Der SPD-Innenpolitiker Sören Schumacher sagt, man müsse verhindern, dass Verfassungsfeinde staatliche Institutionen unterwandern. Die Linke — Deniz Celik — warnt, dass unter dem Vorwand des Demokratieschutzes auch Menschen eingeschüchtert würden, die sich für Antifaschismus, Klimaschutz oder Frieden engagieren. Schon einen Tag vorher, am Dienstag, gingen Menschen dagegen auf die Straße: Die Polizei zählte 260, die Veranstalter sprechen von rund 500. Für die Wichtigkeit des Themas eigentlich zu wenige. Verkehr: Hamburg fährt Rad — und die Bahn fährt nicht Am Sonntag war die Stadt für einen Tag in der Hand der Radfahrenden. Die 31. Fahrradsternfahrt — Veranstalter ADFC und Mobil ohne Auto — zog von über 60 Startpunkten zwischen Itzehoe und Lüneburg in die Innenstadt. Zehn- bis zwölftausend Menschen wurden erwartet. Das Highlight, wie jedes Jahr: einmal mit dem Rad über die Köhlbrandbrücke, der einzige Tag im Jahr, an dem das geht. Treffpunkt war am Jungfernstieg, 15 Uhr, dann der Endspurt über die Lombardsbrücke. Gefordert wurde, was hier seit Jahren gefordert wird: Tempo 30 innerorts und eine autofreie Innenstadt im Ring 1. Bundesweit gab es 13 solcher Sternfahrten, Motto: „Die Zukunft fährt Rad.” Zänk You. Sommer ist Baustellensaison - auch bei der Bahn Die Schiene macht weiter Kummer. Seit dem 14. Juni und noch bis zum 10. Juli ist der Abschnitt zwischen Lüneburg und Uelzen dicht, zweiter Teil der Sanierung auf einer der wichtigsten Bahnstrecken des Landes. Züge fahren nur stündlich, Ersatzverkehr mit Bussen. Und am Hauptbahnhof, an den Gleisen 13 und 14, wo die Züge aus Lüneburg und Hannover ankommen, drängt sich wie immer halb Norddeutschland. Wer in diesen Wochen Richtung Süden will: Geduld einpacken - und genug zu trinken, denn ob es genügend an Bord gibt ist nie sicher. Hitze: Tropennacht über der Hansestadt Das Wochenende kam mit Wucht. Der Deutsche Wetterdienst meldete über 30 Grad, am Freitag 34, dazu Gewitter mit Starkregen und Böen mit Orkanstärke - ob das die Zelte auf der altonale ausgehalten haben? DWD-Meteorologe Jens Kieser sprach von einer Tropennacht — wenn die Temperatur nachts nicht mehr unter 20 Grad fällt. Praktisch: Die Stadt hat eine Online-Karte „Kühle Orte” — Grünanlagen, Bademöglichkeiten, Trinkwasserstellen. Ich war an der fünf Grad kühleren Ostsee. Funktioniert auch. Pride Month: Queere Forschung zum Mittag Die HAW Hamburg lädt im Pride Month zu drei „Lunchtalks” — queere Forschung, zur Mittagszeit, mit oder ohne Stulle. Den Auftakt machte am 10. Juni die Erziehungswissenschaftlerin Anne Franze mit „Diversität im Kinderbuchregal”. Sie bewertet Kinderbücher mit Herzen und Blitzen — drei Herzen für gelungene Vielfalt, ein Blitz für problematische Inhalte. Die Conni-Reihe? „Leicht problematisch”: alle Hauptfiguren normschön, weiß, heterosexuell. Am 18. Juni stellte Professorin Sabine Wöhlke eine Studie zur gesundheitlichen Versorgung von trans* Kindern und Jugendlichen vor. Und am 29. Juni — also kommende Woche — geht es um Einsamkeit unter trans* und nicht-binären Studierenden. Hingehen oder online zuschalten, beides geht. Anmeldung übers Gleichstellungsbüro. Apropos queer und Fußball: Zur Männer-WM gab es im Gängeviertel ein queeres Public Viewing namens „Spielraum” — Motto „Anstößchen! Football is coming Homo”, kommentiert von einem queeren Team, mit Torwandschießen und Kinderschminken für Erwachsene. Nationalflaggen unerwünscht. So lässt sich das FIFA Turnier sogar aushalten. Die kleine, schräge Geschichte der Woche: Kaffee aus dem Lastenrad Studierende der HAW haben das „Velobrew” gebaut — ein Lastenrad, das per Solarmodul seinen eigenen Strom macht und damit eine Kaffeemaschine betreibt. Absteigen, Solarplatten ausklappen, Filterkaffee aufsetzen. Bewusst Filter statt Siebträger, weil die Ökobilanz besser ist. Eine volle Batterie reicht für rund 100 Tassen, die Bohnen kommen von einer Kooperative aus Wilhelmsburg. Kostenpunkt: rund 1000 Euro. Kultur: Die Altonale, mein Nachbarschaftsfest — und seine Zukunftsfrage Vor der Haustür: Die Altonale lief zehn Tage, vom 12. bis zum 21. Juni, Motto „Festival der kulturellen Vielfalt”. Herzstück der Platz der Republik, das meiste kostenlos oder nach dem Prinzip „Pay what you want”. Das Straßenkunst-Festival STAMP am Abschlusswochenende, die Infomeile „Buntes Altona” zwischen Bahnhof und Rathaus, das gemeinschaftliche Kulturfutter aus geretteten Lebensmitteln. Schön war’s. Aber — und das gehört dazu — die Altonale kämpft. Gestiegene Kosten, weniger Sponsoren, knappe Förderung. Dass es die Ausgabe 2026 überhaupt gab, lag an einer Spendenkampagne. Ob im nächsten Jahr noch Festival ist, weiß niemand. Für ein Fest, dessen ganze Idee „Kultur für alle, möglichst umsonst” ist, wäre das ein echter Verlust. Ich sage es als Anwohner: Lasst uns das nicht so leicht hergeben. Ausblick: die kommende Woche * Bis 10. Juli: Streckensperrung Lüneburg–Uelzen, Züge Richtung Hannover nur stündlich, Ersatzverkehr. Wer reist, plant Puffer ein. * 22. Juni bis 3. Juli: Asphaltarbeiten in der Stadt sorgen für Verkehrseinschränkungen (Quelle: hamburg.de). * Montag, 29. Juni, 13.30 Uhr: Letzter Pride-Month-Lunchtalk der HAW — Lynn Müller über Einsamkeit unter trans* und nicht-binären Studierenden, hybrid in der Alexanderstraße 1 oder online. Bleib im Schatten, trink genug, und falls Dir jemand auf einem Solar-Lastenrad einen Filterkaffee anbietet: genieß ihn. Bis nächste Woche, hakt dich fuchtig,Dein Erik Ring2 * das Hamburg Logbuch is a reader-supported publication. To receive new posts and support my work, consider becoming a free or paid subscriber. Quellen * FINK.HAMBURG: „Bürgerschaft hat für Verfassungsschutz-Check abgestimmt” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/buergerschaft-hat-fuer-verfassungsschutz-check-abgestimmt/ * FINK.HAMBURG: „Sternfahrt 2026: Hamburg demonstriert auf dem Rad” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/sternfahrt-2026-hamburg-demonstriert-auf-dem-rad/ * FINK.HAMBURG: „Hamburg, der Sommer ist da!” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/hamburg-der-sommer-ist-da/ * FINK.HAMBURG: „Pride Month: Queere Forschung an der HAW Hamburg” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/pride-month-queere-forschung-an-der-haw-hamburg/ * FINK.HAMBURG: „Kaffee aus dem Fahrrad – und das ist erst der Anfang” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/kaffee-aus-dem-fahrrad-und-das-ist-erst-der-anfang/ * FINK.HAMBURG: „Kostenlos Kultur! Die Altonale startet” (09.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/kostenlos-kultur-die-altonale-startet/ * FINK.HAMBURG: „Queeres Public Viewing der WM im Gängeviertel” (11.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/queeres-public-viewing-der-wm-in-hamburgs-gaengeviertel/ * FINK.HAMBURG: „Streckensperrung zwischen Hannover und Hamburg” (11.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/streckensperrung-zwischen-hannover-und-hamburg/ * hamburg.de — Aktuelles (u. a. Asphaltarbeiten 22.06.–03.07.2026; Positionspapier der norddeutschen Finanzministerinnen und -minister zur Erbschaftsteuer, 19.06.2026) — https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/aktuelles Get full access to Ring2 * das Hamburg Logbuch at logbuch.substack.com/subscribe

    16 Min.
  2. Hamburg tanzt auch bei Schauerwetter

    14. Juni

    Hamburg tanzt auch bei Schauerwetter

    “Was für ein wundervolles Herbstwochenende”, lese ich in meinem Social Media Stream und muss lachen. Ja, es ist Juni und der Westwind schiebt einen Schauer nach dem anderen über die schönste Stadt. Chapters 0:20 Ein nasser Hamburger Sommer 1:57 Altonale im Schauerwetter 3:44 Die neue Kühlbrandbrücke 5:12 Amsterdam-Zug wieder weg 6:07 Altonale zwischen Fest und Krise 7:56 Kampnagel und Bobo 8:56 Tanztriennale startet 9:56 Wilhelmsburg und Zverev 10:40 Ausblick auf die Woche Die Kieler hatten vor einpaar Jahren fast aufgegeben und wollten ihre “Kieler Woche” in den Juli verlegen; wegen des Norddeutschen Wetters im Juni. Ob das auch mal in Altona diskutiert wurde, weiß ich nicht. Was ich weiß: im Juni ist der Hamburger Sommer vorbei (der ist nämlich regelmäßig im Mai, sodass man kurz naiv denkt, “wow, wenn das so weitergeht ,,,”). Übrigens: es gibt meine Ebooks ähnlich wie bei der altonale als “Pay what you can”-Modell - also auch völlig kostenlos. Außerdem kannst du mir bei Ko-Fi einen Galao in der Schanze oder ein Sagres im Ribatejo ausgeben, wenn Dir der Letter gefällt! Dankeschön. Hier kommt Dein Logbuch für die KW 24 · Es ist Sonntag, der 14. Juni 2026 in der schönsten Stadt: Moin,wettertechnisch ein wundervolles Herbstwochenende - Juni in Hamburg, das heißt: altonale und Regengüsse, stundenweise kleine, schwüle Zwischenhochs und Gewitter bei böigem oder wahlweise stürmischem Westwind (Zeltstangenungeeignet). Das hat Tradition, genauso wie das stoische Ignorieren: man träumt sich einfach zu cooler Musik und portugiesischen Bratwürstchen weg und feiert den wohl buntesten Stadtteil der Stadt: Altona. Wollte eben Bratwurstrauch schreiben und habe Bratwurststrauch gelesen - und nu hab ich Hunger und das Bild eines Wurstbaums im Kopf. Man stolpert bei mir um die Ecke über frisch verlegte Festivalkabel und freut sich auf die altonale. Ein knapper Monat, in dem Altona zur Bühne wird, während der Hafen sich eine neue Brücke ausmalt, die teurer ist als so mancher Stadtteil als Ganzes. Die Brücke, die wie sie selbst aussehen soll Mittwoch im Rathaus kam es zur großen Geste: Der Siegerentwurf für die neue Köhlbrandbrücke wurde vorgestellt. Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard, Oberbaudirektor Franz-Josef Höing und HPA-Chef Jens Meier präsentierten eine Nachfolgerin, die höher, länger, größer wird — und trotzdem aussehen soll wie die alte. Rund 73 Meter Durchfahrtshöhe, gut zwanzig mehr als bisher, damit auch die ganz großen Pötte durch den Köhlbrand kommen. Knapp fünf Kilometer lang, weil die Rampen für die neue Höhe ausladender werden müssen. Ingenieurin Maren Wolff nannte den Entwurf eine „Hommage an die alte Brücke”. Heißt: Wir bauen das Wahrzeichen noch mal, nur in groß. Preisschild derzeit 5,3 Milliarden Euro, die Hälfte der Nettobaukosten übernimmt der Bund. Die alte Dame aus den Siebzigern muss noch rund vierzehn Jahre durchhalten; abgerissen wird erst, wenn die neue steht. Die ersten Autos sollen Ende der 2030er drüberrollen — früher als die ursprünglich genannten 2042. In Hamburg ist das Turbo - wäre Olaf Scholz noch Bürgermeister, er würde vom “Hamburg-Tempo” schwärmen. Kurzes Vergnügen: der Zug nach Amsterdam ist schon wieder weg Manche Dinge in dieser Stadt halten vierzehn Jahre, andere keine drei Monate. Der niederländische Anbieter Govolta hat die Direktverbindung Hamburg–Amsterdam wieder eingestellt — gestartet im März, Ende Mai war Schluss. Neuausrichtung, heißt es: Die Züge fahren künftig Amsterdam–Paris und Amsterdam–Berlin. Wer von hier in die Grachtenstadt will, nimmt wieder den ICE mit Umstieg in Osnabrück oder Duisburg, fünfeinhalb bis sechs Stunden. Immerhin: Die Strecke Hamburg–Berlin wird ab 1. Juli auf sechs Fahrten pro Woche ausgeweitet, im Winter sogar sieben. Ein kleiner Umweg als Trost verpackt. Altona feiert sich selbst — und kämpft ums Überleben Seit Freitag ist meine Ecke wieder Festivalgebiet: Die altonale, das Festival der kulturellen Vielfalt, läuft bis zum 21. Juni. Musik, Film, Theater, Kunst, Tanz, Literatur und Straßenkunst, das meiste kostenlos oder nach dem schönsten aller Prinzipien — „pay what you want”. Herzkammer ist der Platz der Republik, ein paar Schritte vom Bahnhof Altona. Heute, ab 18 Uhr, wird auf der Christianswiese beim Kulturfutter gekocht — aus geretteten Lebensmitteln, von Ehrenamtlichen und Profis, an langen Tischen, für alle. Nächstes Wochenende kommt mit STAMP (19. bis 21. Juni) das internationale Festival der Straßenkünste, dazu Flohmarkt und Kunstmarkt am 20. und 21. Und doch liegt ein Schatten über dem Festival: Der altonale fehlt Geld. Gestiegene Kosten, weniger Sponsoren, aus Sicht der Veranstaltenden zu wenig Förderung. Dass es 2026 überhaupt läuft, ist einer Spendenkampagne zu verdanken. Ob es nächstes Jahr eine altonale gibt, ist offen. Man tanzt also auf der Wiese vor der Christianskirche und weiß nicht, ob man nächsten Sommer wieder da ist. Warum kein Geld für Kultur da ist, aber für Olympiabewerbungen? - Stille im Senat. Ein Schwamm namens Bobo Bei Kampnagel lief von Donnerstag bis Samstag das Live Art Festival unter dem Motto „Hitze.Heat” — ein begehbarer Parcours über das ganze Gelände, fünf internationale Positionen zwischen Klimakrise, Macht und Performance. Der schrillste Beitrag: Das Kollektiv God’s Entertainment baute mit „it’s getting hot in bikini bottom” eine begehbare, surreale Unterwasserwelt. In acht Episoden rund um „SpongeBobo Šwammgods” trifft Popkultur auf Ökokollaps — auf einem Foto sitzt jemand im Fischkostüm in einer blau beleuchteten Badewanne, und ehrlich: schöner kann man die Klimakatastrophe kaum durchdeklinieren. Camp als Ernstfall, Glitzer mit Haltung. Nebenbei war es das letzte Festival vor der geplanten Kampnagel-Sanierung ab September. Hamburgs erste Tanztriennale Heute ist Übergangstag im Kulturkalender. Während die 9. Triennale der Photographie ausklingt, eröffnet am 14. Juni, erstmals die Tanztriennale Hamburg — eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes, künstlerische Leitung Gwen Hsin-Yi Chang und Monica Gillette, Leitmotiv „Brave Moves. Courageous Joy”. Auftakt ist eine City-Parade durch Barmbek-Nord, vom Museum der Arbeit bis zur Abschlussperformance im Stadtpark. Tanzschulen, Initiativen, Hiphop Academy, Lola-Rogge-Schule — und ausdrücklich auch alle, die einfach mittanzen wollen. Bis zum 21. Juni Aufführungen, Audiowalks und offene Tanzklassen über die ganze Stadt verteilt. Von der Insel und vom Rest der Woche Auf den Elbinseln lief das 48h Wilhelmsburg, 17. Ausgabe, von Freitag bis heute: 196 Bands und Acts an 60 Orten, dort, wo Menschen wohnen, essen, arbeiten. In diesem Jahr mit Nachhaltigkeitsfokus — Anreise am liebsten per Rad oder zu Fuß. Dezentral, leise und gut organisiert. Sportlich gab’s Grund zur Freude für alle, die den Jungen aus Hamburg noch vom Rothenbaum kennen: Alexander Zverev hat nach elf Jahren endlich seinen ersten Grand-Slam-Titel geholt. Ring2 * das Hamburg Logbuch is a reader-supported publication. To receive new posts and support my work, consider becoming a free or paid subscriber. Ausblick: die kommende Woche (14.–21. Juni) * Sonntag, 14. Juni: Eröffnung der Tanztriennale mit City-Parade durch Barmbek-Nord (Museum der Arbeit → Stadtpark). Und ab diesem Tag ist die Bahnstrecke Hamburg–Berlin nach Sperrung wieder frei — gute Nachrichten für alle Pendlerinnen Richtung Hauptstadt. * Die ganze Woche: altonale in Altona und Tanztriennale stadtweit laufen parallel weiter. Doppelte Kulturdosis, vieles davon kostenlos oder gegen Spende. * Freitag bis Sonntag, 19.–21. Juni: STAMP, das Straßenkunst-Festival der altonale, verwandelt Altona in eine Bühne. Dazu Flohmarkt und Kunstmarkt am 20./21. rund um den Platz der Republik. * Sonntag, 21. Juni: Hamburger Fahrradsternfahrt — Großdemo für bessere Radwege. Auf der grünen Route ist wieder eine Fahrt über die Köhlbrandbrücke geplant, die man im Alltag ja nicht beradeln darf. Einmal noch oben drüber, bevor sie zum Auslaufmodell wird. * Am Horizont: Ab 22. Juni starten in Ottensen die Bauarbeiten an der „Westschleife” im Projekt freiRaum. Zum 30. Juni legt die Stadt die erste Schätzbilanz zum Klimaschutzgesetz vor — die erste Härteprüfung nach dem erfolgreichen Zukunftsentscheid. Und ab 1. Juli fährt Govolta öfter nach Berlin. Halt dich fuchtig und geh raus, trotz Schauerwetter, es lohnt sich!—Dein Erik Quellen * Kostenlos Kultur! Die Altonale startet — FINK.HAMBURG, 9.6.2026 * So soll die neue Köhlbrandbrücke aussehen — FINK.HAMBURG, 12.6.2026 * Govolta: Direktzug Hamburg–Amsterdam eingestellt — FINK.HAMBURG, 9.6.2026 * Kampnagel startet Live Art Festival — FINK.HAMBURG, 10.6.2026 * Erste Tanztriennale in Hamburg — FINK.HAMBURG, 12.6.2026 * Bahnstrecke Hamburg–Berlin ab 14. Juni wieder frei — FINK.HAMBURG * Save-the-Date: 48h Wilhelmsburg vom 12. bis 14. Juni 2026 — stadtkultur-hh.de * Großevents und Veranstaltungen in Hamburg 2026 — heuteinhamburg.de * Termin der altonale 2026 — altonale.de * Volksentscheid „Hamburger Zukunftsentscheid” — hamburg.de * CSD Hamburg / Hamburg Pride 2026 — hamburg-pride.de * Veranstaltungen im Juni 2026 in Hamburg — hamburg.de * Wetter Hamburg Juni 2026 — climate-data.org Get full access to Ring2 * das Hamburg Logbuch at logbuch.substack.com/subscribe

    14 Min.
  3. Quo vadis Altonale?

    7. Juni

    Quo vadis Altonale?

    Moin Moin Hamburg, Es ist Juni, die Festivalsaison naht. Das bedeutet, der Vorsommer aus dem Mai wird abgelöst durch Schauertiefs und Gewitterfronten. Regen, Blitz und dazwischen schwül. So wird das Wetter zur altonale; fast immer. Die Nachbarn rumpeln schon seit Tagen im Keller herum, um den Flohmarkt zu bestücken. Ein halbes Viertel steht halbsechs auf, nur um dieselben Menschen beim Aufbau zu treffen, die man am Wochenende normalerweise nicht vor 11 auf der Straße sieht. Die andere Hälfte kommt ebendann vorbeigeschlendert, man klönt, feilscht ein bisschen oder passt für eine Stunde auf den Stand und die Kasse der Nachbarn auf. Ich liebe und fürchte die Altonale gleichermaßen: Altona ist noch voller als sonst, aber eben auch noch künstlerischer, noch internationaler, als sonst schon. Die Freunde aus Portugal an der Bahrenfelder Straße organisieren ein Festival im Festival, die Sambagruppen trommeln sich durch den Stadtteil als wäre das hier nicht der kühle Norden. Künstler präsentieren ihre Werke, die Moschee hat Süßes für alle. Es regnet und trotzdem haben alle Spaß. Auf der altonale feiern wir uns selbst, ein wenig punkig, alles wirkt ein bisschen zusammengestöpselt, kein Hochglanzmarketing, dafür viel Herz. Wie und was das kostet, habe ich mich nie gefragt — erst jetzt, wo diese Woche die Nachricht der drohenden Insolvenz die Runde machte … 🎪 altonale 2026: Sorgen, Crowdfunding & Programm-Highlights Die wichtigste Nachricht vorweg: Die altonale findet statt! Vom **12. bis 21. Juni 2026** verwandelt sich der Westen Hamburgs wieder in ein riesiges Kulturareal. Allerdings steht das Festival unter erheblichem finanziellem Druck. Das *Hamburger Tagesjournal* berichtete von “Sorgen um die altonale”. Wegen eines massiven Budgetlochs läuft seit März eine Crowdfunding-Kampagne, um die nötigen 90.000 Euro zur langfristigen Sicherung des Festivals zusammenzubekommen. Da diese Summe noch nicht erreicht ist, wurde die Kampagne jetzt **bis Ende Juni verlängert**. Der Eintritt bleibt zwar nach dem “Pay what you want”-Prinzip frei, aber Spenden vor Ort sind in diesem Jahr überlebenswichtig. Das Programm-Motto & Die Highlights: “Vor aller Augen” Das diesjährige Motto lautet **”Vor aller Augen”** und setzt sich künstlerisch mit Demokratie, gesellschaftlichem Zusammenhalt und Sichtbarkeit auseinander. | Datum | Event / Programmpunkt | Ort / Details | | **Fr, 12.06.** (Eröffnung) | **FINNA & Friends** (Konzert) *Danach:* DJ Schmeisser | **Platz der Republik** (Festivalzentrum) Start um 19:30 Uhr, freier Eintritt. | | **Sa, 13.06. & So, 14.06.** | **Infomeile „Buntes Altona“** | Vom Altonaer Bahnhof bis zum Rathaus. Präsentation der Hamburger Kultur- & Freizeitlandschaft. | | **Wochenende 13./14.06.** | **Parkour für eine bessere Welt** | **Christianswiese**. Interaktives Angebot der *jungen altonale* für Kinder & Jugendliche zum Thema gerechte Zukunft. | | **Täglich (12.–21.06.)** | **Kulturfutter** | **Christianswiese**. “Rette, schnibbel und koche mit uns” – kreative Aktion gegen Lebensmittelverschwendung. | | **Fr, 19.06. bis So, 21.06.** | **STAMP Festival** | Ganz Altona wird zur Open-Air-Bühne für internationale Straßenkünste, zeitgenössischen Zirkus und bildstarke Walkacts. | | **Sa, 20.06. & So, 21.06.** | **altonale Flohmarkt & Kunstmarkt** | Flohmarkt rund um den Platz der Republik; Kunstmarkt auf der Wiese vor der Christianskirche. | **Quellen-Check:** *altonale.de* (Offizielles Programm), *Stadtkultur Hamburg* (Meldung vom 02.06. zur Crowdfunding-Verlängerung) & *Szene Hamburg*. Nolympia und die Woche danach: Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) betonte umgehend nachdem der Pulverdampf des Nein verflogen war, dass der rot-grüne Senat dadurch nicht beschädigt sei und man die Stadtentwicklung nun eben ohne die Spiele vorantreiben werde. In der Bürgerschaft entbrennt derweil eine hitzige Debatte über direkte Demokratie und die Frage, warum das Thema vor allem in den wohlhabenderen Stadtteilen zog, während der Rest der Stadt abwinkte. **Quellen-Check:** *Hamburger Tagesjournal* (Leitartikel und Analyse vom 01.–04. Juni) & *Abendblatt*. Und was macht der HSV? Das fiel diese Woche gar nicht weiter auf, denn es zählte auf dem HHer Boulevard nur … Trainer-Beben auf dem Kiez: Blessin muss gehen, Rapp übernimmt Drei Wochen nach dem bitteren Abstieg aus der Bundesliga und einer kleinen Ewigkeit an Rumeierei hat der FC St. Pauli die Reißleine gezogen. Am Donnerstag (04. Juni) wurde Cheftrainer Alexander Blessin offiziell freigestellt. Sportchef Andreas Bornemann dankte ihm zwar für die Arbeit, doch intern hieß es schnell: “Es passt nicht mehr”. Long story short: Nur einen Tag später, am Freitag, wurde **Marcel Rapp** (ehemals Holstein Kiel) als neuer Coach präsentiert. Er brennt darauf, das Projekt “Wiederaufstieg” sofort anzugehen. Aufstieg kann Rapp, absteigen dummerweise auch ;) **Quellen-Check:** *MillernTon* (Lagebericht vom 04./05. Juni), St. Pauli POP, *SAT.1 Regional* / *dpa*. Ohren zuhalten: Tornado-Alarm am Hamburger Flughafen Nein, kein meteorologischer Wirbelsturm zieht über Fuhlsbüttel (auch wenn im Westen Deutschlands gerade einer wütete), sondern die Bundeswehr. Vom **08. bis 12. Juni** stationiert die Luftwaffe im Rahmen der Übung „Dispersed Operations 2026 – Panther Shield“ sechs Tornado-Kampfflugzeuge am Hamburg Airport.Hintergrund: Es wird trainiert, wie zivile Flughäfen im Ernstfall militärisch für Starts und Landungen genutzt werden können. Geflogen wird werktags zwischen 09:00 und 18:00 Uhr. Anwohner müssen sich auf eine ordentliche Geräuschkulisse einstellen. Der zivile Flugverkehr soll aber normal weiterlaufen. **Quellen-Check:** *Hamburger Tagesjournal* & *Offizielle Mitteilung Hamburg Airport*.Kurioses aus dem Polizeireport (Abwegig, aber wahr)Kopfhörer-Großeinsatz: Ein Mann setzte in seiner Wohnung die Kopfhörer so laut auf, dass er das Piepen seines Rauchmelders nicht hörte – die Nachbarn alarmierten die Feuerwehr, die am Ende die Tür aufbrach, während er seelenruhig Musik hörte. * **Quellen-Check:** *MOPO.de* (Blaulicht-Ticker der Woche) PS - ich habe eine tolle Leserin, G. - eine Schulfreundin meiner Schwiegermutter. Sie hat mir auf meinen letzten Letter geantwortet, dass sie sehr traurig ist, dass Olympia nicht die Chance bekam, Hamburg anzuzünden. Das bringt vielleicht die Gefühlslage der meisten von uns gut auf den Punkt: die einen finden es schade, dass mit Nein gestimmt wurde, die anderen, dass sie mit Nein stimmen mussten … Vielleicht sehen wir uns ja zum Ausgleich auf der altonale, die passt als organisch gewachsenes Festival sowieso viel besser zu uns … Haltet euch fuchtig, euer Erik Thanks for reading Ring2 * das Hamburg Logbuch! This post is public so feel free to share it. Get full access to Ring2 * das Hamburg Logbuch at logbuch.substack.com/subscribe

    14 Min.
  4. Hamburg geht baden

    31. Mai

    Hamburg geht baden

    Meine Großmutter kam aus Blankenese, wie die ganze Familie meiner Mutter. Sie erzählte uns als Butscher dieselben Horrorgeschichten, die man sich in den Fischerdörfern an der Elbe seit Jahrhunderten erzählt: Geschichten vom Leichtsinn, von der brutalen Kraft, wenn die Elbe ihre vorgespielte Harmlosigkeit ablegt und sich ihre Opfer holt. Nur bei Stauwasser, der guten Stunde zwischen den Tiden, dürfe man in der Elbe bei Blankenese baden gehen, mahnte sie. Und auch dann nie allein. Wer einmal (wie mein Onkel) vom Sog unter den Ponton gezogen wird, verliert sofort die Orientierung in der braunen Brühe. Die Panik sorgt für den Rest. Mein Onkel hatte Glück, irgendein blind in den Fluss gestocherter Arm packte ihn kurz vorm Ertrinken. So erzogen habe ich einen Heidenrespekt vor der Elbe. Allerdings haben den nicht alle. Es seien meist Hamburger Touristen und Zugezogene, die die tödliche Kraft der Elbe unzerschätzten und einfach untergingen, sagte meine Omi — und hat auch heute noch damit Recht. Es gibt keine offizielle „Zehn-Jahres-Statistik“ für die Elbe allein, weil die Ertrinkungsstatistik der DLRG zwar für Hamburg geführt wird, aber die Gewässerarten (Fluss, Kanal, See) in den Jahresberichten schwanken und nicht immer nahtlos über ein Jahrzehnt addiert sind. Die Zahl der Ertrinkenden hängt dabei stark vom Wetter ab. In einem langen, heißen Sommer wie 2018 gab es in Hamburg 16 Badetote. 2022 waren es 10, im Jahr darauf (2023) sprang die Zahl auf 21 hoch. Die Elbe ist dabei konstant das gefährlichste Gewässer der Hansestadt. Warum es die Elbe trifft: Die Elbe ist bei Hochwasser, aber auch bei ablaufender Tide eine Naturgewalt. Die Strömung kann bei Hochwasser bis zu sieben Kilometer pro Stunde erreichen. Dazu kommen die steilen Kanten der Fahrrinne, die tückisch nah am Ufer liegen. Wer da den Boden unter den Füßen verliert, hat gegen den Strom oft keine Chance. Wer verunglückt: Es sind häufig Männer, die sich überschätzen, die die Strömung verkennen oder unter Alkoholeinfluss ins Wasser springen. Aber es trifft auch Kinder, Jugendliche und ältere Menschen, die einfach nur den falschen Moment erwischt haben. Es bleibt das, was man am Wasser hier lernt: Die Elbe verzeiht keine Fehler. Man schaut raus, sieht den Strom, und weiß, dass unter der glatten undurchsichtigen Oberfläche eine Kraft arbeitet, die sich um uns Menschen nicht schert. Geht also lieber in Freibädern baden. Das drüben in Finkenwerder ist toll — und man kann sogar auf die Elbe und Övelgönne gegenüber schauen. Moin Moin Hamburg, wir haben den letzten Sonntag im Mai 2026. Hier kommen die weiteren News aus der schönsten Stadt. Die Plakate hängen mittlerweile schief, die Argumente sind ausgetauscht, die Fronten verhärtet. Heute noch schnell das Kreuzchen – Olympia oder nicht. Hamburg hält den Atem an.Aber während wir uns den Kopf über die Ringe zerbrechen, dreht sich die Stadt unbeirrt weiter. Und sie ist diese Woche kein sanfter Ort gewesen.Die Blaulicht-Ticker haben keine Pause gemacht. In Lurup musste die Mordkommission ran, ein 41-Jähriger kam dort in der Nacht zum Mittwoch gewaltsam zu Tode. Und in der Sternschanze gab es am vergangenen Samstag einen Angriff auf zwei Männer, die Polizei prüft ein antisemitisches Motiv – eine dieser Nachrichten, die einem im Vorbeigehen kurz die Kehle zuschnürt, während man eigentlich nur zum Schanzenbäcker wollte.In Altona-Nord liegt eine 30-jährige Radfahrerin nach einem Zusammenstoß mit einem Lkw lebensgefährlich verletzt im Krankenhaus. Ein Unfall in Hoheluft, ein Raubüberfall in Ottensen, die Stadt zeigt ihr raues Gesicht. Manchmal vergisst man bei all den großen Debatten um Olympiastadien, dass die Stadt jeden Tag eigenen Geschichten schreibt – oft genug leider wenig glitzernde.Ein bisschen menschlicher war es in Barmbek. Da gab es am Donnerstag den „Tag der Leichten Sprache“ am Bert-Kaempfert-Platz. Eine bunte Aktion für mehr Inklusion und Verständlichkeit. Ein kleiner Kontrast zu den großen, oft unverständlichen Worthülsen aus dem Rathaus. Manchmal ist das Einfache eben doch das Beste. Geht der Senat wieder baden?Heute, am Sonntag, sind die Wahllokale von 8 bis 18 Uhr offen. Die Spannung ist fast greifbar. Die einen hoffen auf den großen Wurf für die Stadtentwicklung, die anderen auf Vernunft und Realismus. Ich werde nach dem Schreiben dieses Letters runter an die Elbe gehen und auf den schönen, gefährlichen Fluss blicken, der Generationen untereinander und uns mit der Welt verbindet. Und hoffe, die Hamburger nehmen sich die Warnungen meiner Omi zu Herzen.Wir hören uns nächste Woche, Dein Erik. Get full access to Ring2 * das Hamburg Logbuch at logbuch.substack.com/subscribe

    10 Min.
  5. Pfingsten in HH — Nix wie an die See

    24. Mai

    Pfingsten in HH — Nix wie an die See

    Hafengeburtstag, Harley Days oder Schlagermove (von Kreuzfahrtparaden mal ganz ab): wer kann flieht aus Hamburg zu touristischen Großevents oder bei angesagten 30 Grad im Schatten. Ich erinnere mich noch an das Motto der “lebenswerten Stadt”, das sich in den letzten 25 Jahren zum Mantra der “besuchenswerten Stadt” gewandelt hat. Nur allergische Gegenreaktionen wie in Paris oder Barcelona bleiben in Hamburg bisher aus. Ich saß am Donnerstag mit Freunden in der Schanze draußen, wir feierten den Geburtstag eines Freundes. Es waren auch mehrere Einzelhändler aus St. Pauli anwesend, und bei leckerem Ratsherrn Pils von nebenan kam das Gespräch schnell darauf, dass auf der Schanze nur noch auf finanzstarke Filialisten geschielt wird, die es auch in Paderborn oder Neumünster gibt. Die Schanze stirbt einen leisen Tod, auch weil der Politik die Menschen (auch Unternehmer:innen unter ihnen) schietegal sind. Und dass nicht erst seit G20. Das Gespräch mäanderte zu Orten wie dem Tempelhofer Feld oder der Wiese vor dem Müngersdorfer Stadion. Orte, die für Gäste und Anwohner gleichfalls entworfen und genutzt sind. Ich schreibe euch diesen Letter übrigens von der Ostsee. Bin auch geflohen aus der schönsten Stadt. Es ist Pfingsten. Die Stadt atmet kurz durch zwischen den Tourihighlights, auch wenn auf den Autobahnen rundherum alles steht. Hier sind deine Nachrichten zum Pfingstwochenende 2026: * Pfingststau-Chaos: Wer am Freitag aus der Stadt wollte, hatte schlechte Karten. Durch hohes Verkehrsaufkommen, Baustellen und Unfälle bildeten sich kilometerlange Staus. Besonders hart traf es die A7 vor dem Elbtunnel (12 km Stau) und die A1 vor der Norderelbbrücke (13 km). Die A23 in Richtung Nordsee ist zwischen dem Dreieck Hamburg-Nordwest und Pinneberg-Süd wegen Bauarbeiten voll gesperrt – das wird laut Autobahn GmbH noch bis Pfingstmontagabend (20 Uhr) anhalten. Wer denkt sich sowas aus? (In die Stadt gings locker ;) (Quelle: dpa via borkenerzeitung.de) * Nordseewoche gestartet: Auf dem Wasser ist Hochbetrieb. Die 91. Nordseewoche hat am Wochenende begonnen. Die Segel-Crews sind nach Helgoland unterwegs, nachdem die Eröffnung am Freitag in der Segler-Vereinigung Cuxhaven gefeiert wurde. Ziel ist nach Pfingsten dann Strande, mein 2. Heimathafen: (nordseewoche.org) * Grundgesetz-Feier & Elbphilharmonie: Am Samstag, den 23. Mai, feierte das Grundgesetz seinen 77. Geburtstag. Bundesweit gibt es Aktionen. In Hamburg besuchte Elke Büdenbender ein Konzert zum Ehrentag in der Elbphilharmonie („Misa criolla – sing mit!“). (Quelle: bundespraesident.de) * Stadtfest St. Georg: Wer in der Stadt geblieben ist, findet heute die „Lange Reihe“ in St. Georg als Festmeile vor. Das Stadtteilfest ist wie immer: bunt, beliebt und belebt. (Quelle: MOPO) * Olympia-Referendum: Die Debatte läuft auf Hochtouren. Noch bis zum 31. Mai können die Hamburgerinnen ihre Stimme zur Olympia-Bewerbung abgeben. Die Argumente zwischen den Pro-Seiten (Mobilität, Barrierefreiheit) und den Contra-Seiten (kein Olympia für Ausbau nötig, Kosten/Nutzen) werden derzeit medial sehr intensiv geführt. (Quelle: Abendblatt) * Hamburg ist nicht … Lima Wovon der Nachwuchs der HHer Fußballklubs nur träumen kann, erlebte ein Qualifikant beim Tennis am Rothenbaum. Sport 1 meldet: “Der 22-Jährige mit deutschen Wurzeln bezwang am Samstag im Endspiel den an Nummer sechs gesetzten US-Amerikaner Tommy Paul 7:6 (8:6), 4:6, 6:3 und feierte in seinem ersten ATP-Final-Triumph” * Und was macht der HSV? Der lässt Königsdörffer ziehen und seine lautesten Kritiker nörgeln jetzt, weil der 22-jährige Mainz05 für den etablierteren Bundesligisten hält (und vermutlich auf Abstiegskampf von Minute 1 nächste Saison keine Lust verspürt) * Du magst meinen Letter? Dann leite ihn bitte an Freunde weiter; und oder soendier mir n Anlegebier: https://ko-fi.com/ring2 Ring2 * das Hamburg Logbuch is a reader-supported publication. To receive new posts and support my work, consider becoming a free or paid subscriber. Get full access to Ring2 * das Hamburg Logbuch at logbuch.substack.com/subscribe

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  6. 17. Mai

    Abpfiff

    Abpfiff: Da ist sie wieder. Diese absolute Leere, die bleibt, wenn das Flutlicht ausgeht und der Regen die Tränen vom Gesicht wäscht. St. Pauli steigt ab. Es tut weh, jedes Mal aufs Neue, obwohl man es kommen sah. Das Endspiel gegen Wolfsburg war kein Klassekampf, es war nur das bittere Erwachen auf dem harten Boden der Realität. Wir sind eben doch in der zweiten Liga zu Hause, nu, da gehören wir vielleicht auch hin, ganz ohne die Eventfans und die Millionen-Arroganz. Der Schmerz sitzt tief am Millerntor, laut MOPO herrscht absolute Leere in den Gesichtern. Schiete, das passt zur Woche. In der Altstadt stand tagelang ein sündhaft teurer McLaren 720S Spider im strömenden Regen. Das elektrohydraulische Dach halb offen, die Ledersitze volgelaufen wie eine alte Jolle. Hunderttausend Euro Schaden, schätzt die MOPO hämisch, während die sozialen Medien spotten. Und das Beste: Unter dem Scheibenwischer klemmte ein Knöllchen. Wer die Woche versucht hat, mit der S-Bahn von Harburg zum Hauptbahnhof zu kommen, weiß, was echtes Elend bedeutet: Schienenersatzverkehr, Streckensperrungen, Chaos auf den Gleisen. Das Hamburger Abendblatt schrieb treffend von „Zuständen wie in Indien“. Der NDR zeigte Bilder von überfüllten Bahnsteigen, auf denen es teilweise sogar gefährlich eng wurde. Die Menschen drängten sich aneinander; man steht Schulter an Schulter, schaut stumm ins Grau und erträgt es. Ich bekam diese Woche Post vom Bürgermeister. Peter Tschentscher persönlich wirbt per Brief in Hunderttausenden Haushalten für ein „Ja“ beim Olympia-Referendum Ende des Monats. Die Werbetrommel rotiert heiß, das Hamburger Tagesjournal seziert die tiefen Gräben, die quer durch die Generationen und Stadtteile gehen. „Mutig oder ängstlich?“ fragen sie vor der Abstimmung am 31. Mai. Vielleicht ist es einfach nur vernünftig, das Geld lieber in funktionierende S-Bahnen zu stecken als in fünf Ringe aus Gold. Der Hamburger Schiedsrichter Patrick Ittrich hat am Samstag seine Pfeife an den Nagel gehängt. Das letzte Bundesliga-Spiel abgepfiffen, Schluss, Aus. Ein guter Kerdl, der laut Abendblatt zum Abschied klare Worte für die Herausforderungen auf dem Platz fand. Man merkt, wie die alten Gesichter gehen. Auf dem Platz, in der Stadt, überall. Nächste Woche wird nicht besser. Die Gleise zwischen Hauptbahnhof und Harburg bleiben dicht, das Bahnchaos geht in die nächste Runde. Und die Diskussionen um die Ringe werden schärfer, je näher das Monatsende rückt. Wir werden weiter streiten, am Küchentisch, in der Kneipe, beim Bäcker. Die Elbe fließt weiter, ungeachtet der Tränen am Millerntor und des Wassers im Luxusauto. Ein Frachter zieht raus Richtung Nordsee, die Tide läuft ab. Manchmal muss man einfach loslassen können. Und was macht der HSV? Endlich wieder die Nummer 1 der Stadt. Nach Jahren der Stadtteildominanz ist die alte Hackordnung in der Stadt wieder hergestellt. Die Männer vom Volkspark strotzen vor Kraft. Klassenerhalt- check. Europa kann kommen 😉. Get full access to Ring2 * das Hamburg Logbuch at logbuch.substack.com/subscribe

    8 Min.
  7. 13. Mai

    HSV - FC St. Pauli - die Woche der Entscheidung

    Moin Hamburg, die kalte Sophie hat Hamburg im Griff: es ist kühl, windig und schauerig. Ein Wetter, das zur Gemütslage beim FC St. Pauli passt. Neben dem Völligaußerformsein peinigt ein fieser Virus den Tabellenletzten vom Millerntor. Während beim HSV die Sonne aus dem Allerwertesten scheint, umarmen die Profis in braunweiss die Schüssel. Against all odds, wie man so schön sagt - keine Chance, keine Verdauung - aber vielleicht Glück im Unglück? Dies ist eine Episode der Hamburger Blutgrätsche, dem Podcast aus Hamburg zum HSV und dem FCSP: alle Folgen - https://rss.com/podcasts/bluthh/ Tolles Saisonfinale gegen Freiburg, während der FC St. Pauli sein Drama bis zum Schluss spielt. Bierdusche am Volkspark und die Scheißerei am Millerntor - unterschiedlicher könnte die Stimmung nicht sein, wenn sich Oliver und Erik zur Bundesligafinale an den Mikros treffen. HIer ist der HSV- und St. Pauli Podcast aus der schönsten Stadt - womöglich das letzte Mal als doppelte Bundesligisten ... Supportet Oliver oder Erik und spendiert uns n Bier: https://ko-fi.com/bluthh * 0:19 Moin Moin Hamburg * 23:38 HSV und Leihspieler * 29:58 Panini-Sticker und Familienzeit * 38:28 Trainer und Spieler-Dynamik * 44:40 Saisonabschluss und Ausblick In dieser Episode der Hamburger Blutgrätsche analysieren wir die aktuelle Situation in der Deutschen Bundesliga mit einem Fokus auf den Hamburger Sportverein (HSV) und den FC St. Pauli. Wir feiern den souveränen Klassenerhalt des HSV und reflektieren die Herausforderungen, mit denen St. Pauli im Abstiegskampf konfrontiert ist. Die Diskussion reicht von den letzten Spielen und ihren entscheidenden Momenten bis hin zu den Emotionen und Perspektiven der Fans. Zudem beleuchten wir die psychologischen Aspekte des Wettbewerbs, die Teamdynamik sowie individuelle Spielerleistungen und Transferstrategien. Abschließend werfen wir einen Blick auf die kommenden Herausforderungen und die strategischen Pläne beider Klubs für die nächste Saison. Get full access to Ring2 * das Hamburg Logbuch at logbuch.substack.com/subscribe

    48 Min.
  8. Hafengeburtstag, OMR: Alles, was schiete ist, findet hier statt

    10. Mai

    Hafengeburtstag, OMR: Alles, was schiete ist, findet hier statt

    Jedes Jahr wieder schießt mir das Zitat von Rocko Schamoni ins Gemüt, das ich oben ein wenig verniederdeutscht habe: "Alles, was dumm und scheiße ist", findet auf St. Pauli statt, hat Rocky einmal anlässlich des Schlagermoves gesagt — und damit dem Gefühl aller Anwohnerinnen, ob in St. Pauli, Altona oder Ottensen, ein Zitat geschenkt, das immer passt, wenn Pinneberg, Zahnärtzte oder Fuzzis in unseren Vierteln die Sau rauslassen. Diese Woche fielen erst zehntausende Marketingfuzzis über das Schanzenviertel her, buchten Frühstückscafés komplett, sodass die ansässige Bohème ohne Galao den Tag starten musste. Das macht den freundlichsten Altautonomen zum Wütbürger. Das OMR Plastikschild um den Hals markiert in unseren Vierteln den Feind. Ich habe mir aus Spaß mal n paar Videos auf Youtube angesehen und musste mich kneifen, was für einen B******t die Leute labern. Mein Freund Alfetta rief mich an und fragte: “Die meinen das ernst, oder?”. Ich befürchte ja, antwortete ich. Wie jeder Altonaer, habe ich die Stadt fluchtartig verlassen, in Richtung Ostsee. Dort war es ziemlich leer. Waren die alle in HH?, beim Hafengeburtstag? Den verpasse ich ja auch seit Jahren. Es ist nicht nachrichtenfest zu ermitteln, wieviele der über eine Million Besucher auch aus Hamburg kommen (und ob die Zahl der Ostseetouristen schlagartig ansteigt an diesem Wochenende), aber eine erkleckliche Zahl meiner Nachbarn verdient sich die Monatsmiete an diesem Wochenende via AirBnB. Eine bessere Propaganda könnte die Nolympia Bewegung sich nicht ausdenken. Hamburg ist eben nicht für Hamburgerinnen gemacht. /// Get full access to Ring2 * das Hamburg Logbuch at logbuch.substack.com/subscribe

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Info

Erik Hauth lebt in Hamburg-Altona und manchmal auf seinem Boot. Er schreibt, segelt und singt Fußball-Chants, meist in dieser Reihenfolge. Als Blogger der ersten Stunde, Digital-Stratege und preisgekrönter Autor (u.a. Best of Blogs Award der Deutschen Welle) logbuch.substack.com