Morgenimpuls

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

  1. vor 5 Std.

    Frieden ist ein Weg im Heiligen Geist

    Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Dieser Satz fällt nicht in einer heilen Situation. Nein, Jesus sagt ihn in seiner Abschiedsrede. Die Jünger sind verunsichert: Jesus geht, aber was bleibt? Jesus spricht von seinem Frieden, nicht von politischer Ruhe oder äußerer Stabilität. Im biblischen Sinn meint Frieden mehr, es meint Shalom, Frieden mit Gott, mit den Menschen, mit der Schöpfung, mit mir Selbst. Ein Frieden, der nicht gemacht werden kann, sondern geschenkt wird durch seine Gegenwart. Friede bleibt aber nicht abstrakt und wenn wir heute den Tag der Vereinten Nationen begehen, ist das eines ihrer ganz großen Ziele: Frieden zu schaffen. Wir Menschen können das nicht aus uns Selbst, auch wenn wir immer daran bleiben müssen. Aber Jesus zeigt uns noch etwas anderes: Er verheißt uns den Heiligen Geist als seinen Beistand. Nicht ein Beruhigungsmittel, sondern als Mutmacher – und das können wir Menschen doch alle ganz gut gebrauchen. Ein Geist, der nicht tröstet indem er Probleme zudeckt, sondern indem er in die Wahrheit führt. Auch in der Wahrheit über Konflikte, über Angst, über das, was seinem und unserem Frieden im Weg steht. Christlicher Friede ist deshalb nicht nur ein bloßes Gefühl. Dieser Friede will Beziehung sein zum Vater durch den Sohn im Heiligen Geist. Und dieser Friede hat auch Konsequenzen. Er beginnt in unserem Inneren, dort, wo ich meine Angst nicht verdränge, sondern Christus hineinlasse. Frieden zeigt sich in unserem Miteinander. Die einfache ehrliche Frage bleibt: Was trage ich zu diesem Unfrieden in der Welt manchmal bei? Oder besser gesagt: Was trage ich zum Frieden bei? Dieser Friede reicht über meine Persönlichkeit hinaus. Er will auch gesellschaftliche Folgen haben: in unserem Konsum, im Einsatz für Gerechtigkeit, in Verantwortung für Umwelt und Mitmenschen. Christlicher Friede ist kein Zustand, den man irgendwie erreicht. Er ist ein Weg im Heiligen Geist –geschenkt, aber nicht immer bequem. Denn er verlangt Entscheidung, Hingabe und oft Mut. Jesus ruft dich und mich dazu auf, ein Friedensstifter zu sein. Schließlich sagt er: Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

  2. vor 1 Tag

    Gute Worte

    In den mehr oder eher weniger sozialen Medien kann man kaum noch unter einem Post, der interessant ist, Kommentare lesen. Die sind oft so voll mit Hass und Hetze und Bösartigkeiten, dass es einfach erschreckend ist. Es galt einmal die Regel, dass man nur das schreibt, was man auch in Gegenwart dieses Menschen persönlich sagen würde. Wenn das alle beachten würden, wäre unglaublich viel gewonnen in Kommunikation und Diskurs.Die heutige Lesung aus dem Brief an die Gemeinde in Ephesus, aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, stehen Anweisungen, die so klingen, als seien sie genau für uns und für dieses Problem heute geschrieben worden. Da heißt es: "Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt und dem, der es hört, Nutzen bringt. Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung. Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte! Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat."Meine Güte, da steht so viel an guter Anleitung und wir brauchen es nur zu nutzen. Nur gute Worte zu verwenden, die den, der es braucht stärken und Nutzen bringen wird, daran denken wir so selten. Oft ist so leicht etwas dahingesagt oder eingetippt, dass nicht gut und auch nicht nützlich ist. Am meisten sprachlos macht mich diese Mahnung, den Heiligen Geist nicht zu beleidigen, da wir dessen Siegel tragen für den Tag der Erlösung. Der Heilige Geist als Erstlingsgabe unseres Gottes in der Taufe und der Firmung, zugesagt für den Tag der Erlösung, den wir alle erwarten. Wenn uns das öfter bewusst wäre, würden wir sehr viel mehr darauf achten, was wir sagen und tun. Aber heute ist dafür ja ein guter Start.

  3. vor 2 Tagen

    Zusammen beten

    Wir sind mitten im Oktober und die Älteren unter uns kennen ihn noch als Rosenkranzmonat. Bei einem Kurs im Schwestern-Altenheim in Drolshagen hat mir eine Schwester von Erlebnissen aus den weiterhin schweren Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt. Sie ist kein sehr emotionaler Mensch, aber bei dieser Geschichte haben alle gespürt, was es ihr damals und bis heute ins hohe Alter bedeutet. Sie erzählte Folgendes: Es gab nur selten Strom und neben dem Holz- und Kohle-Herd in der Küche auch keine Heizung in der Wohnung. Abends im Dunkeln haben meine Mutter, meine Schwester und ich dann in der Küche gesessen. Meine Mutter hat die Feuerklappe am Ofen aufgemacht, damit wir ein bisschen Licht hatten, und dann die Backofentür nach unten aufgeklappt. Da haben wir dann unsere immer kalten Füße draufgelegt und zusammen den Rosenkranz gebetet. Das hat also alles warm gemacht: die Füße auf der Backofenklappe, die Küche und unser Herz und Gemüt. Zusammen zu beten, war einfach etwas stark Verbindendes in der Not und hat uns gezeigt, dass meine Mutter in allen schwierigen Situationen immer auf Gott vertraut hat. Das hat uns Kinder sehr geprägt, außerdem war es schön gemütlich und wir konnten dann aufgewärmt und mit Gottes Segen schlafen gehen. Sie hat diese Kleine, aber wohl sehr bedeutende Begebenheit mit solch leuchtenden Augen erzählt, dass wir Zuhörerinnen noch sehr genau spüren konnten, was damals diese kleinen Geschwister beeindruckt hat. Zusammen beten, schafft innere familiäre Beziehungen und manchmal erzählen Leute noch heute von Episoden, die sehr kurz und sehr eindrücklich waren, weil sie Vater oder Mutter beim Beten erlebt haben. Allein beten in der Kapelle oder beim Spazieren gehen ist auch schön, aber zusammen zu beten, hat noch einmal eine ganz andere innere Dimension des Zusammenhalts und der betenden Gemeinschaft füreinander.Vor ein paar Tagen habe ich zufällig beim Scrollen auf Facebook eine Gebetszeit vom Petersplatz in Rom gesehen. Viele Menschen waren zusammengekommen, um für Papst Leo während seines Krankenhausaufenthaltes den Rosenkranz zu beten. Ein so ruhiges, meditatives gemeinsames Gebet hilft sogar über 1.000 km hinweg zur Meditation und Stille. Und dann hat sich der Papst bedankt und gesagt, ich habe eure Gebete und eure Unterstützung gespürt.

  4. vor 3 Tagen

    Die heilige Ursula und das "Kölner Lächeln"

    Hast du schon mal die Goldene Kammer besucht? Ja, die gibt es tatsächlich in Köln in der Kirche St. Ursula, die zu den markantesten Kirchen der so kirchenreichen Stadt gehört. Ja klar, könnte man denken, sie ist schließlich der Stadtpatronin, der heiligen Ursula und ihren elf oder 1.100 oder 11.000 Gefährtinnen geweiht. Eine Vorgängerkirche ist schon aus dem 4. Jahrhundert nach Christus bewiesen. Dass hier in Köln in dieser Kammer die Wände mit tausenden Knochen und Knöchelchen mit unzähligen Reliquienbüsten verziert sind, ist für uns Heutige schon ziemlich makaber. Aber zur Bauzeit der Kirche und während der barocken Gestaltung der Kammer war es absolut üblich, auf diese Weise die für Christus gestorbenen Märtyrerinnen zu verehren. Ursula und ihre Gefährtinnen wurden bei der Rückkehr von ihrer Pilgerfahrt nach Rom vor den Toren der Stadt von den Hunnen ermordet. Mit seligen Gesichtern und zuversichtlich auf ein Leben im Himmel bauend, sahen sie dem Tod entgegen, so die Überlieferung. Dies ging als "Kölner Lächeln" in die Kirchengeschichte ein und so gibt es in der Goldenen Kammer viele dieser typischen Ursula-Büsten mit diesem seligen "Kölner Lächeln".Ich weiß nicht so genau, wie die echten Kölner ihre Ursula wirklich feiern und was sie von der ziemlich außergewöhnlichen Geschichte um ihre Verehrung wirklich halten. Aber mir selbst gefällt dieser Gedanke, dass Ursula und ihre Gefährtinnen mit einem seligen, weil tief gläubigen Lächeln in den Tod gegangen sind – weil sie unzerstörbar glaubten, dass sie dem auferstandenen Christus in die Herrlichkeit des Himmels folgen werden. Ich weiß auch nicht so genau, was dir heute ein Lächeln aufs Gesicht zaubern wird und es wird auch vielleicht nicht in die Kirchengeschichte eingehen. Vielleicht ist aber die Bewunderung der Stärke und des Glaubens der jungen Frauen kein schlechter Gedanke um in der derzeitigen Situation der Kirche – auch in Köln – trotzdem das Lächeln nicht zu verlieren.Was heißt das für uns heutige Menschen im 21. Jahrhundert? In Erfurt im Garten des Ursulinenklosters steht ein Brunnen, der vom Leipziger Künstler Markus Gläser gestaltet worden ist. Er zeigt ein Segelschiff mit den jungen Frauen und bis oben auf den Mast geklettert ist die heilige Ursula dargestellt. Sie hält Ausschau nach dem, der ihr Leben wirklich erfüllen kann. Menschen, die Ausschau danach halten, was unser Leben erfüllen könnte, brauchen wir immer. Manchmal sind es alte Heilige und manchmal Menschen in unserer Umgebung, die uns hinweisen auf das, was für uns in Zukunft notwendig sein könnte.

  5. vor 4 Tagen

    Gut behütet sein

    Am Wochenende war in einem Nachbarstädtchen ein herbstlicher Kreativmarkt. Mehr als 40 Aussteller und Ausstellerinnen haben vorgestellt, was sie als Hobby machen und ihre Produkte zum Verkauf angeboten. Wir sind früh genug gefahren, dass wir kurz nach der Eröffnung dort waren. Da gab es adventliche Dinge und Gestricktes und Gehäkeltes. Da waren Töpferwaren und Gemälde, Schmuck und Dekoartikel, die eben nicht Massenware aus China sind. Ich liebe bei solchen Ausstellungen die ruhige Anfangszeit, weil dann noch nicht so viele Leute da sind und man in Ruhe alles anschauen kann – und was mir noch viel wichtiger ist, man kann mit den Aussteller plaudern. Im Scherz habe ich bei einer Modistin, die tatsächlich hobbymäßig Hütte herstellt, gesagt, dass ich keinen Hut brauche, da ich behütet bin und habe auf meinen Schleier verwiesen. Sie hat gelacht und gesagt: Ja, der Schleier steht ihnen gut, und, dass sie auch sonst gut behütet sind, merkt man. Meine Begleiterin, eine junge Frau, die zum Kloster auf Zeit bei uns war, hat ein bisschen verdutzt geschaut und wohl den Zusammenhang nicht gleich verstanden. Also haben wir uns darüber unterhalten, was es bedeuten könnte, gut behütet zu sein, und sie verstand plötzlich und konnte mir sogar die Stelle aus dem Alten Testament nennen, wo es heißt: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Da war es dann an mir, verblüfft zu sein. Noch viel erstaunlicher wurde es, als wir an einem Stand mit einer Frau ins Gespräch gekommen sind, die für einen Verein viele schöne Dinge arbeitet und verkauft. Dieser Verein kümmert sich um Familien deren Kinder mit schweren Herzfehlern geboren sind und oft viele Jahre und viele Krankenhausaufenthalte tragen müssen. Sie hat mir gesagt, meine Tochter ist nur mit einem halben Herzen geboren und musste drei große Operationen aushalten, aber mittlerweile geht es ihr so gut, dass wir alle spüren, dass sie gut behütet ist. Da war es wieder, dieses Wort vom "gut behütet sein". Was bedeutet es für dich, gut behütet zu sein? Manchmal ist es nicht falsch, diese Frage sich selbst zu stellen und darüber nachzudenken.

  6. vor 5 Tagen

    Im Traum hörst du Gott

    Herzlich willkommen zum gemeinsamen Beten.Bei unserem Konzertabend mit dem Orchester der Franziskusschule wurden auch bearbeitete Texte aus dem Musical "Traum oder Wirklichkeit" von Helmut Schlegel gelesen. Ein Text ist vielen Gästen besonders hängen geblieben, weil er von einem Traum erzählt, den Vita Vitoria vorgelesen hat. Und ich lese einige Ausschnitte daraus vor, weil sie, glaube ich, sehr ins Nachdenken bringen. Es heißt im Text: "Ich träumte von einer Kirche, zu der Menschen aller Rassen und Nationen gehören,viele Farben und Sprachen, einfache Leute und Gebildete.Sie lebten miteinander. Sie kannten keine Eifersucht und keine Machtkämpfe.Sie sprachen über ihren Glauben und ihre Hoffnungen,sie sprachen davon, was sie trägt und wem sie vertrauen. Ich träumte von einer Kirche, da schlugen sie nicht auf die Tische,sondern sie schlugen sich an die Brust. Sie wuschen sich nicht die Köpfe,sondern die Füße. Sie probierten Salz für die Erde zu sein, wie es das Evangelium sagt.Man sah ihnen an, dass ihr Leben Geschmack hat, den Geschmack von Freiheit und Lebensfreude. Es war nicht langweilig in ihren Kirchen. Die Kinder fühlten sich wohlund die alten Menschen lebten auf.Es machte Freude, Gottesdienst zu feiern, und ein heiliger Ernst war auf ihren Gesichtern. Ich träumte von einer Kirche, die einem Schiff glich, das sich mutig dem Meer anvertraute.Sie alle waren wie eine Mannschaft, einer verließ sich auf den anderen.Sie überließen die Sorge für die Welt nicht den Experten,sie trauten ihren eigenen Gaben, sie hörten auf ihren Gott und aufeinander.Und so waren sie eine lebendige Einladung für die vielen, die suchennach Sinn und Gerechtigkeit. Ich träumte von einer Kirche, in der sie genauso gut beten konntenwie Politik machen oder zupacken. Sie legten Hand an, wo es nötig warund kein Dienst war ihnen zu gering.Sie waren Freunde der armen und kleinen Leute und keiner brauchte sich bei ihnen zu schämen. Sie setzten sich ein für gerechte Arbeitslöhne und für das Recht auf Asyl.  Ich erwachte aus meinem Traum und ich war verzweifelt,weil es nicht so ist, wie ich geträumt hatte. Ich dachte: Es ist nur ein Traum,der wieder verschwindet. Dann aber erinnerte ich mich an die alten Erzählungen der Bibel. Im Traum, sagt die Bibel, hörst du deine innerste Stimme, im Traum hörst du Gott.Ich las: "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.Kehrt um und glaubt an das Evangelium!" (Mk 1,15) Und ich wusste, dass es wahr ist, was ich geträumt hatte,dass es wahr werden wird. Ich wusste, dass ich selbst der Anfang meines Traumes sein kann."

  7. vor 6 Tagen

    Wunder

    Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde ich im Unterricht gefragt: "Ist Ihnen schon mal ein echtes Wunder passiert?"Und ich habe erst einmal ganz trocken gesagt:"Nein."Die Schülerin, die gefragt hatte, war sichtlich irritiert. Wahrscheinlich hatte sie mit einer anderen Antwort gerechnet.Und ich machte es nicht besser, sondern sagte noch:"Also zumindest nicht so, wie ihr Wunder gerade beschrieben habt. Etwas völlig Unmögliches, Außergewöhnliches, womit niemand gerechnet hat. Wenn das ein Wunder sein soll, dann habe ich so etwas noch nie erlebt."Zu meiner großen Freude gingen sofort mehrere Finger hoch. Andere fragten direkt:"Aber ist es dann für Sie kein Wunder, wenn jemand einen schlimmen Autounfall überlebt?"Und genau da wurde das Gespräch spannend.Denn ich glaube schon an Wunder. Sehr sogar. Und ich glaube auch daran, dass Gott in unserem Leben wirkt. Aber ich glaube nicht an Wunder wie in Zaubershows. Nicht an spektakuläre Einzelmomente, die plötzlich alle Naturgesetze außer Kraft setzen.Wunder sind für mich etwas anderes.Wunder sehe ich dort, wo Menschen trotz Verzweiflung füreinander da sind.Wo jemand bleibt, obwohl Weggehen leichter wäre.Wo Menschen sich gegenseitig tragen, obwohl sie selbst kaum noch Kraft haben.Wunder geschehen dort, wo Verbundenheit stärker ist als Angst oder Einsamkeit.Und eigentlich sind die Wunder in der Bibel oft genau so erzählt. Nicht wie Zauberei. Da gibt es keine magischen Formeln und keine großen Tricks. Stattdessen passiert etwas anderes: Menschen werden angesehen. Berührt. Aufgerichtet. Ihnen wird wieder Hoffnung zugesprochen.Für mich ist genau das das eigentliche Wunder.Dass Menschen wieder in Beziehung treten können. Mit sich selbst. Mit anderen. Mit Gott.Trotz allem, was weh tut. Trotz Leid, Dunkelheit und Verzweiflung.Und vielleicht beginnt genau dort Gottes Wirken. Nicht immer laut und spektakulär. Aber tief und lebensverändernd.

  8. 17. Okt.

    Vielleicht bindet Gott mir die Schuhe zu

    Manchmal frage ich mich, warum wir so viele verschiedene Schuhe besitzen.Ich habe Sneakers für den Alltag. Laufschuhe, die ich viel zu selten anziehe. Wanderschuhe. Und irgendwo hinten im Schrank stehen sogar hohe Schuhe, die ich eigentlich nur für besondere Anlässe hervorhole.Jeder Schuh passt zu einem anderen Weg.Und vielleicht ist das gar nicht nur bei Schuhen so.Jeder Tag eröffnet neue Wege. Und plötzlich fragt man sich: Wie gehe ich diesen Weg?Mit großen Schritten? Vorsichtig? Selbstbewusst? Oder am liebsten gar nicht?In der Bibel gibt es einen Satz, der mich schon lange beschäftigt. Johannes der Täufer sagt über Jesus:"Ich bin nicht einmal würdig, ihm die Schuhe aufzuschnüren." Damals war das eine Aufgabe für Diener. Wer jemandem die Schuhe auszog oder aufband, machte sich klein.Lange habe ich diesen Satz einfach so hingenommen.Heute höre ich ihn anders.Denn wenn ich auf Jesus schaue, sehe ich keinen Gott, der darauf wartet, dass Menschen sich vor ihm klein machen.Ich sehe einen Gott, der selbst klein wird.Der sich bückt.Der den Staub der Straßen kennt.Der keine Angst davor hat, sich die Hände schmutzig zu machen.Und dann entsteht in meinem Kopf ein ganz anderes Bild. Vielleicht bin nicht ich diejenige, die Jesus die Schuhe aufbindet.Vielleicht kniet er vor mir.Vielleicht bindet Gott mir die Schuhe zu.Nicht, weil ich das alleine nicht könnte. Sondern weil er möchte, dass ich losgehen kann.Dass ich den Mut finde für den ersten Schritt. Für das schwierige Gespräch. Für den neuen Anfang. Für den Weg, den ich mir selbst noch gar nicht zutraue.Ich mag dieses Bild. Bevor ich loslaufe, kniet Gott sich zu mir herunter. Nicht als mächtiger Herrscher von oben herab, sondern ganz nah. Er schaut nicht zuerst darauf, wie weit ich komme. Sondern darauf, dass ich überhaupt losgehen kann.Und vielleicht ist genau das seine Größe.Dass der Mächtigste sich nicht bedienen lässt.Sondern sich bückt, mir die Schuhe bindet und sagt: "Jetzt geh. Ich gehe mit."

Info

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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