ST. PAULI POP

Erik von St. Pauli POP

Was ist der St. Pauli POP Podcast?: “Ein launiges Tribünengespräch über den FCSP, die Mannschaft, das Viertel, Musik und Anekdoten rund um St. Pauli.” With love from Hamburg, St. Pauli. erikpop.substack.com

  1. 15. MÄRZ

    Gladbach, Olympia und die CDU

    Es gibt Spiele, da weiss man gar nicht, was man dazu sagen oder bloggen soll. https://stpaulipop.myspreadshop.de/ Irgendwie war die Niederlage so in sich abgeschlossen, und banal. Ein vollkommen zurecht verlorenes Spiel. Eines von 13 Endspielen, die Alex Blessin vor Wochen ausgerufen hatte. Und nu? Endspiel verloren. Melden wir uns vom Betrieb ab? Natürlich nicht; auch wenn das mal konsequent wäre. Hoffe, man sieht ein, dass die Endspiel-Metapher ziemlich doof war. War doch offensichtlich, dass so ein Spiel kommen würde. Nach den Siegen gegen Stuttgart und Werder, nach der Energieleistung gegen die Eintracht, hat vielleicht der Eine oder Andere © im Kader gedacht, es ginge gegen die andere Borussia, die Tabellennachbarin, mit ein wenig weniger Kampf, diesem Kämpfen an dessen Ende Krämpfe warten - und vielleicht, so war die unbewusste Hoffnung, reichts irgendwie für einen Punkt auswärts. Keine 120%, keine Punkte Ich habe das Spiel über die App meines Arbeitgebers gesehen (so konnte ich mir nachher wenigstens einreden, ein wenig getestet zu haben). Die hat den englischen DFL Originalkommentar eingebaut. Wie Eric Smith und später auch Hauke Wahl, ausgerechnet Hauke Wahl, verteidigt haben, bekam den passenden wie unschönen Namen “Lazy Defending” oder “Sloppy Defending”. Englisch passt manchmal Mic-drop-mäßig gut. Natürlich gab es eine Diskussion in unserer POPcast-Signalgruppe nach dem Spiel. Alfetta bemerkte, es sei augenfällig, dass der Blessin-Ball (in Anlehnung an sein Gegenteil, den Walter-Ball) taktisch auf die Null spielt. Wenn wir dann irgendwie das 1:0 schießen, dann kommen am Ende Ergebnisse wie gegen Hoffenheim (ideal gelaufen), Bremen (auch da fiel das 1:0 für uns) oder wenigstens gegen die Eintracht heraus (0:0). Wenn wir allerdings den ersten Treffer kassieren, hat dieses Team, dieser Trainer, dieser Kader keine Antwort parat. Und das schon die ganze verdammte Saison lang. Kassieren wir das 0:1, können wir das jeweilige Endspiel abpfeifen. Das ist hart, aber die Realität. Mir tat es weh, mitanzusehen, wie Jackson nach einem der vielen Fehlpässe dem Gladbacher Mittelfeldspieler beinahe hinterher humpelte, die Schultern nach unten hängend, ohne Spannung im Körper - ohne Zuversicht. Bei Eric Smith kenne ich das nicht anders diese Saison. Er wirkt wie ein Schatten seiner selbst, nur das - inzwischen überheblich wirkende - abkappen der Füße beim Pass erinnert an seinen großen Kampfesmut mit Überblick, die uns alle im Podcast-Team zu Fans hat werden lassen. „Wir laufen dann dem Ergebnis hinterher, öffnen Räume und hätten am Ende auch wieder drei, vier Gegentore bekommen können. Das ist frustrierend, weil es mich an den Oktober erinnert.“ - sagt Jackson Irvine. Wir haben dasselbe Spiel gesehen. „Ein Mangel an Konzentration, ein Mangel an Überzeugung… wir haben heute keinen Biss gehabt. Das war wirklich richtig schwach und wir müssen nächste Woche sehr viel besser sein.“ sagte Irvine ggü der Mopo und schloss: „Wir sahen aus wie das strauchelnde Team, das wir vor Monaten waren, das ärgert mich am meisten.“ Ja, das kam auch bei mir so an. Wenig Energie, kein gutes Timing in Zweikämpfen und Pässen - vor allem da wo es eng wird, im letzten Drittel. So kann man kein 0:1 aufholen. Wenn der Mut fehlt, das zu tun, was Gladbach bei uns abgeschaut hat: mutiges und energisches Forechecking (ja, so nenne ich das immer noch :). Alfetta verortet uns nach Gladbach einen Tabellenplatz zu hoch; diesen Relegationsplatz zu verteidigen, ist die Losung der nächsten Spiele. Denn auch Konkurrent Wolfsburg parkt unter Hecking gerne Busse vor seinem Strafraum. Spannend zu sehen, wenn die Taktik aufgeht, wer dann im wirklichen Endspiel am Millerntor als erstes sein Kämpferherz entdeckt. Aber bis dahin gibts ja noch sieben Endspiele - und der hsv erlebt auch noch einen Frühling ;) “Nolympia” - St. Pauli und die Olympiabewerbung Hamburgs Als ich die vergangene Woche zu meinem Hamburg Newsletter recherchierte, fiel mir natürlich das Thema “Olympia Hamburg” vor die Füße. Wie äußert sich da der Verein eigentlich zu?, habe ich mich gefragt; aber nicht viel Erhellendes gefunden. Oke ist dafür (muss er wohl auch aus stadtpolitischen Gründen, immerhin wollen wir unser Stadion ausbauen und die Kollaustraße, da brauchen wir das Wohlwollen der Mächtigen), der Verein selbst hat keine Meinung - zumindest keine öffentliche, keine abgestimmte. In einem Laden, in dem jeder Pups vorher genehmigt werden muss, heißt das vielleicht, dass die Nolympia-Fraktion groß ist? Obige Umfrage ist zwar marktforscherisch nicht sauber, aber für unsere Follower im Fediverse schon eingermaßen eindeutig. Und ich vermute, so sehen das viele im FCSP und im Viertel: 92% von immerhin knappp 50 Teilnehmenden sind gegen Olympia in Hamburg. Und das bin ich auch. Meine Gründe sind vielfältig, aber im Kern reduziert es sich auf die Frage: Traue ich diesem Senat eine ehrliche schwarze Null zu? Meine Antwort dazu in a nutshell: Nein, denn … * Wer schon bei der ersten Vorstellung des Finanzplans schummelt und bspw. Milliarden für die Sicherheit rausrechnet … * Wer die Parole von den “nachhaltigen Spielen in Paris 2024” nachplappert, wider besseren Wissens … * Wer sich schon bei der Elbphilharmonie um den Faktor 11! verschätzt hat … dem vertraue ich nicht. (Und da habe ich die traditionell guten Filzdecken zwischen Immobilienwirtschaft und SPD noch gar nicht aufgedröselt oder das Gezerre um das neue HSV Stadion, das Olympia (also wir alle) dem Vorstadtklub schenken sollen) * Details zu Paris 2024 findet ihr in der aktuellen Ausgabe des Ring2 Hamburg Logbuchs Was war sonst noch? * Manchmal treffen Tapeten des Stadtnachbarn ja voll ins Schwarze, so wie einst der Doppelhalter beim 1. Derby am Millerntor: “Nach dem Spiel auf einen Galao in der Schanze?” - fand ich gut. Eine Neuauflage des beliebten Chants “McDonalds, St. Pauli und die CDU” gabs zuletzt am Volkspark zu bestaunen: “St. Pauli - Fritz Kola und die CDU” - ist auch lustig. * Unsere U23 liegt nach dem 0:5 zuhause gegen Schöningen abgeschlagen und mit nun fünf Punkten auf einen Relegationsplatz am Kellerboden. Trotz Nemeth und Hara im Spiel schafft diese Mannschaft es nicht, eine zu sein. Wenn die U23 absteigt ist das strategisch eine Katastrophe. Für die schon schlecht funktionierende Jugendarbeit ist ein komplettes Abreissen zur Profimannschaft (mehr als 3 Ligen Unterschied) fatal. * 20% Rabatt auf alles außer … Ich habe es endlich geschafft, meinen tollen Abonnent:innen ihre St. POP Tassen einzupacken. Willst du auch stilvoll deinen Spieltagskaffe trinken? Dann abonniere uns - oder kaufe dir direkt deinen Lieblingsmerch in unserem Shop: https://stpaulipop.myspreadshop.de/ Get full access to St. Pauli POP at erikpop.substack.com/subscribe

    22 Min.
  2. Kein Dreier mit Zwayer

    10. MÄRZ

    Kein Dreier mit Zwayer

    Chapters 0:37 Moin, moin, Sankt Pauli 1:26 Sponsoren und Unterstützung 3:31 Amateurtrainer und Insiderwissen 4:50 Sportmoderatoren und alte Bekannte 6:06 Sponsoren und Werbepartner 7:45 Themenwechsel: Gewicht und Tupperware 11:39 Begegnungen in der Fanszene 12:58 Grüße an alte Bekannte 17:37 Konzertbesuch und Empfehlungen 21:26 Spielanalyse: St. Pauli gegen Eintracht 26:46 Emotionen vor und während dem Spiel 32:02 Verletzungen und Ausblick 36:21 Kaderplanung für die Zukunft 43:23 Schiedsrichter und Spielentscheidungen 48:03 Der Einfluss von Spielern 55:20 Abschied von Felix Zweier 1:03:43 Ausblick auf kommende Spiele 1:07:40 Umzug des Clubs Kier 1:31:51 Abschluss und Ausblick auf das nächste Spiel In Willis Küche ist es warm, die Ratsherren-Pilsner sind kühl, und draußen senkt sich das Hamburger Grau über den Kiez. Ein Dienstagabend, wie er im Buche steht – oder besser: wie er in die Aufnahme eines Mikrofons fließt, das zwischen zwei Männern steht, die mehr über den FC St. Pauli vergessen haben, als andere je wissen werden. Das Schweigen der Adler und der Zitteraal Es war einer dieser Nachmittage am Millerntor, an denen das Drumherum fast schwerer wog als das Spiel selbst. Bevor der Ball überhaupt rollte, gab es diese Schweigeminute – ein Moment der Stille, den selbst die Frankfurter Anhänger respektvoll mitgetragen haben. Manchmal zeigt sich die Größe eines Vereins eben nicht in der Tabelle, sondern in der Fähigkeit, gemeinsam innezuhalten. Doch sobald der Pfiff ertönte, war es vorbei mit der Besinnlichkeit. St. Pauli stand den Frankfurtern so früh auf den Füßen, dass deren Torhüter – von uns liebevoll als „Zitteraal“ getauft – bereits ab der dritten Minute anfing, auf Zeit zu spielen. Ein Slapstick-Moment par excellence, der uns in der Kurve nur ein müdes Lächeln entlockte. Dass Frankfurt mit einem Kaderwert anreist, der in ganz anderen Galaxien schwebt, hat man auf dem Platz nicht gesehen. Unsere Defensive, allen voran Hauke Wahl, hat die “großen Namen” der Eintracht so konsequent aus dem Spiel genommen, dass sie kaum Luft zum Atmen fanden. Schiedsrichter-Egos und die „Letzte Patrone“ Und dann war da natürlich Felix Zweier. Man kann über ihn sagen, was man will – und wir sagen viel –, aber wenn ein Schiedsrichter das Gefühl hat, sein Ego über das Spiel stülpen zu müssen, dann wird es anstrengend. Ein “Strukturspießer”, dem der FC St. Pauli naturgemäß ein Dorn im Auge sein muss. Es ist diese Mischung aus Ordnungsliebe und einem Hang zur Selbstdarstellung, die uns am Ende zwar einen Punkt, aber auch viel Nerven gekostet hat. Währenddessen brennt in der restlichen Liga der Baum. Wolfsburg feuert die „letzte Patrone“ ab und holt einen Trainer, der gerade erst mit Bochum abgestiegen ist. Bei uns hingegen herrscht das, was man in Hamburg „Stoik“ oder einfach nur „Ruhe“ nennt. Während andere Vereine in Panik verfallen, lehnen wir uns zurück – nicht aus Arroganz, sondern weil wir eine Idee haben. Von Traum-Nägeln und Club-Kultur Aber St. Pauli wäre nicht St. Pauli, wenn es nur um den Ball ginge. In Willis Küche schweift der Blick schnell ab – von der Kaderplanung hin zu den Dream Nails, einer Punkband aus Utah, die heute im Molotow spielt. Es ist diese untrennbare Verbindung zwischen Sport und Clubkultur, die diesen Verein ausmacht. Wir reden über das Clubsterben, über alte Bekannte aus der Fanszene, die uns in der Kurve ihre Sticker schenken, und über die Tatsache, dass manche Menschen unseren Podcast tatsächlich zum Einschlafen nutzen – was wir als das ultimative Kompliment verbuchen. Jetzt geht es nach Gladbach. Ein Freitagsspiel, ein schönes Stadion, ein harter Brocken. Erik wäre gerne dabei, schafft es aber zeitlich nicht – also müssen die anderen die „Boys in Brown“ nach vorne singen. Bringt Punkte mit, gerne in der Mehrzahl. Und lasst es krachen. Munter bleiben. Und vergesst nicht: Wer uns auf Substack unterstützt, kriegt das Jahresabo zum halben Preis. Ein Schnapper, fast so gut wie ein Last-Minute-Tor gegen die Eintracht. Get full access to St. Pauli POP at erikpop.substack.com/subscribe

    1 Std. 33 Min.
  3. Frühlingsgefühle auf St. Pauli

    1. MÄRZ

    Frühlingsgefühle auf St. Pauli

    Der Temperaturunterschied in der zugigen Ecke des Millerntorstadions, unsere bevorzugte Ecke der Nord vis-a-vis zur Gegengeraden, war um den Faktor eines Hochsommertages wärmer als beim letzten Heimspiel. Während ich meinen Nebenstehern gegen den HSV zuschauen konnte, wie das Bier in den Bechern gefror, schickte der Atlantik geradezu milden Nieselregen aus Westen ins angefeuerte Rund. Zu Gast waren die Freunde aus Bremen, allerdings lehnen diese gerade mit uns und auch mit ihren Rücken an der Wand; ein Sieg war für die Bremer Pflicht. Für unsere Boys das erst einmal leichteste machbarste Heimspiel auf längere Sicht. Das “Spitzenspiel der zweiten Liga”, wie Markus scherzte, war dann auch keines. Die beiden Mannschaften schoben mit einer Menge Angst in der Büx sich gegenseitig in den ungefährlichen Dritteln den Ball hin und her - wobei der SV Werder zwischenzeitlich nur mit sich selbst spielte, bei 70% Ballbesitz. Nur logisch, dass sich die Nervosität auch auf die beiden Torhüter auswirkte. Nach der Pause köpfte Hauke Wahl eine Rückgabe zum Bremer Torwart, die allerdings immer länger wurde, sodass der junge Bremer zwar seine Fingerspitzen aber nicht seinen Körper vor den Ball bekam. Ein Slapstiktor zum 1:0; egal, Hauptsache die Führung.Seinen eigene Slapstickdance vollführte dann Vasilj, der bei dem Versuch, eine Ecke zu entschärfen, ausrutsche und den Ball vor die Füße der eigenen Abwehr bugsierte. Wahl und Co. dengelten dann ziemlich Hektisch den Ball erst aneinander, dann Vasilj aus den zupackenden Händen. Milosevic musste für die Bremer dann nur noch volley einschießen, zum 1:1. … Oh, Moment, Willi ist im Studio … ich schalte rüber in die Schanze … Krokusse, Punkte und Barfuß-Explosionen: Ein Abend mit Willi und Erik nach zwei Siegen in Folge Chapters 0:41 Frühling in Hamburg 3:37 Heimspiel gegen Werder Bremen 4:51 Spieler im Abstiegskampf 8:44 Emotionale Explosion von Fujita 10:37 Torwartleistungen im Fokus 17:11 Der Kampf um den Klassenerhalt 29:55 Teambuilding und Erwartungen 35:39 Trainerwechsel und seine Auswirkungen 40:01 Der Einfluss der Fans 56:14 Unterstützung der Kulturszene 1:02:28 Ausblick auf das Spiel gegen Frankfurt Von der Elbe weht ein Wind, der nicht mehr nach Winter schmeckt. Während draußen der Hamburger Frühling die Natur wachküsst, sitzen zwei Männer zusammen, die eigentlich über Fußball reden wollen – aber dabei viel mehr über das Lebensgefühl am Millerntor verraten. Ich sitze in der Ecke, die Luft riecht nach frisch dekantiertem Wein und der leichten Aufregung, die immer dann mitschwingt, wenn der FC St. Pauli plötzlich anfängt, die Gesetze der Logik zu biegen. Willi und Erik sind keine Analysten in sterilen Studios; sie sind Chronisten einer Stimmung. „Moin, moin“, schallt es durch den Raum. Es ist dieser typische Hamburger Doppelschlag, der alles gleichzeitig ist: Begrüßung, Bestandsaufnahme und ein Versprechen auf die nächsten sechzig Minuten. Die Natur explodiert – und die Boys in Brown auch Willi hat Erik ein Foto geschickt. Keine taktische Aufstellung, sondern Veilchen. Oder waren es Krokusse? „So explodierende Natur, die sich nach dem Winter den Weg nach oben gekämpft hat“, beschreibt Willi es. Es ist die perfekte Metapher für diesen Verein. Lange war es frostig, doch jetzt, im März 2026, bricht alles auf einmal durch den Asphalt. Erik lacht und erzählt von seiner Radtour am Morgen. Vier Grad, da musste er sich noch eine „Pereira-Lage“ überziehen. Ein kleiner Insider, eine Anspielung auf die Schichten, die man braucht, um in Hamburg zu überleben – sportlich wie meteorologisch. Doch die Kälte ist vergessen, wenn sie auf Joel Fujita zu sprechen kommen. Der Barfuß-Moment Fujita ist das Gesicht dieses Aufschwungs. Erik bringt es auf den Punkt: „Barfuß wie Joel Fujita.“ Es geht um diese emotionale Explosion, um die Rückkehr von Schlüsselfiguren wie Eric Smith und Jackson Irvine, die dem Team ein Rückgrat geben, das im Abstiegskampf fast schon verloren schien. Es herrscht eine fast ungläubige Freude darüber, dass der Verein plötzlich entdeckt hat, dass es auch außerhalb der Stadtgrenzen Hamburgs Punkte zu holen gibt. „Das war unserem Verein ja gar nicht bewusst“, scherzt Willi mit diesem trockenen Humor, den man nur hat, wenn man schon zu viele bittere Auswärtsfahrten hinter sich hat. Zwischen Taktik und Subkultur Die beiden hangeln sich von Thema zu Thema. Es geht um Torwartleistungen, den Kampf um den Klassenerhalt und den Einfluss von Trainerwechseln. Aber ein St. Pauli Podcast wäre nichts ohne den Schwenk zur Kultur. Plötzlich landen wir im Westwerk, bei Konzerten und der Band Stone Foundation (hingehen!). Das ist das Faszinierende an diesem Gespräch: Der Ausblick auf das schwere Spiel gegen Frankfurt wird genauso leidenschaftlich diskutiert wie die Frage, welches DJ-Set man vor dem nächsten Konzert mitnehmen sollte. Es ist eine Symbiose aus Kiez-Kultur und Profisport. Der Blick nach vorn Während sie über das kommende Spiel am Freitag, den 13. gegen Gladbach sinnieren, spürt man: Die Angst vor dem Abstieg ist nicht weg, aber sie wird von einer Welle der Euphorie überlagert. Die Fans, die treue Gemeinde am Millerntor, sind bereit. Willi und Erik packen ihre Sachen. Draußen wartet der Hamburger Frühling. Die Natur kämpft sich nach oben – und die Boys in Brown tun es ihr gleich. Wer braucht schon Barfuß-Wetter, wenn man Fujita hat? 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    1 Std. 5 Min.
  4. 22. FEB. · BONUS

    FC St. Pauli - Stehplatz-Adel und andere Armleuchter

    Moin Moin, St. Pauli - hier kommt ein Rant-Reply ;) Jeder von uns hat mindestens eine “Bezugsgruppe” im Stadion, von der er weiß, wo er sie im Zweifel findet. Das geht mir auch so. Insgesamt sind es drei, wobei ich mich mit den Jungs vom Podcast derzeit meist in der zugigen Ecke zwischen Nord und Gegengeraden treffe. Auch da ist es bei attraktiven Spielen voll. Und auch da gibt es diese unangenehme Art St. Paulianer, über die “Philex 99” jüngst ein Video gemacht hat. Dieser Blog/Podcast ist ein Reply - inkl. einer persönlichen Anekdote. Das Problem heißt A*******h-Attitude Ich gehe seit über 30 Jahren zum FC St. Pauli und kann euch berichten, auch Dir Phil, das Problem mit den “Fans” mit eingebauter Vorfahrt gibts nicht nur auf der Gegengeraden (obwohl mal interessant wäre zu erfahren, ob die SUV-Verbreitung und die “Hier stehen wir schon immer”-Attitude korreliert?). Meine kleine Geschichte spielt auf der Nord. Deswegen würde ich sagen: das Problem haben wir überall dort, wo alte weiße Männer auf Stehrängen sich einfinden. Wohl der einzige Grund, warum es ähnliches nicht von der Haupt zu berichten gibt ;) Bundesligasaison 2010/2011 - Nordkurve Nach dem vorletzten Aufstieg im Frühjahr 2010 wurde es auf der alten Nord in meiner Wahrnehmung noch enger, als dieses Mal auf der neuen. Ich hatte damals gerade keine Dauerkarte und stellte mich, wie viele St. Paulianer:innen mitten in der Nacht bei jedem Wetter vor das Ticketcenter, um Karten zu ergattern. Meist Nord - die Gegengerade war damals schon eine Art closed shop. Mit der Twitter Crowd traf ich mich dann, wie eigentlich immer seit 30 Jahren, mindestens 90 Minuten vor Anpfiff in der Ecke zur Gegengeraden. Meist war um diese Zeit noch viel Platz - eng wurde es erst später. Zum ersten Heimspiel des Jahres 2011 gegen den SC Freiburg, das später wegen des stadionweiten Jolly Rouge in die Vereinsgeschichte eingehen sollte, wurde es besonders voll. Neben mir stand ein Mitte 40 Jahre alter Mann in Kutte, der gerade einem anderen erklärte, dass er hier nicht stehen könne. Da kämen noch zehn! Wie sich herausstellte, hatte der so angeschnauzte sein Ticket für 100 EUR auf einem illegalen Zweitmarkt erworben, war das erste Mal am Millerntor; weswegen er sich anschickte, kleinlaut der rüden Anweisung zu folgen. Nix da, intervenierte ich; wer zuerst kommt, steht zuerst. Besetzen gibt es am Millerntor nicht. (Zusammenkuscheln schon, aber das ist eine anderes Mindset). “Wir stehen schon seit der Regionalliga hier” “Wir stehen schon seit der Regionalliga hier”, erklärte sich der Mann nun mir gegenüber. Als ob das ein Recht begründet, andere von den Stehtarversen zu mobben. “So?”, antwortete ich ruhig, “da hab ich dich gar nicht gesehen”. Vielleicht lag es daran, dass ich (für diejenigen, die mich nicht kennen) damals noch so aussah, als wäre es keine gute Idee, meine Überzeugungen herauszufordern. (Heute wäre ich gespannt, was passierte, würde man das “Awareness Team” des FCSP beauftragen, das Problem zum Ausgang zu begleiten?). Inzwischen trafen einige seiner Freunde ein, es wurde geschubst und gemeckert, aber am Ende gab die Truppe nach und verzog sich unter Abgesang schmutziger Lieder nach unten. (Dort pöbelten sie dann die Kinder am Zaun an, dass sie nix sehen könnten - aber das ist eine andere Geschichte, unterstreicht aber vielleicht, wie asozial diese Typen sind). Es gibt kein Recht auf denselben Stehplatz. Ende der Diskussion! Es wäre schön, wenn auch der Verein dies mal klarstellen würde: es gibt kein Recht auf eine private Ecke im Stadion. Und dabei ist es unerheblich, wie lange man dort schon steht oder wieviele echte oder imaginierte Verdienste man um diesen Verein hat. Punkt! (Die organisierten Supportblöcke auf der GG, Nord und Süd würde ich hier ausnehmen - aber da sind sowieso alle 2h vorm Anpfiff da in der Regel) Wer mit seiner Gruppe an einem bestimmten Platz stehen möchte, der kommt 90 Minuten vor Anpfiff, wie wir alle. Besetzen ist wirklich wie Handtücher abends auf Liegen verteilen; es ist so erbärmlich wie unstpaulianisch. Mir sind bisher nur alte weiße Männer mit Agenturhintergrund negativ aufgefallen, was einem gewissen Muster folgt. “Das ruckelt sich schon zurecht” Auch ich war mal neu am Millerntor. Auch ich habe Platz gemacht, wenn jemand verbal oder anders mit zeigte, dass er hier stehen will/darf/muss. Aber ich habe auch - und überwiegend - andere Erfahrungen gemacht. “Das ruckelt sich schon zurecht”, sagte mir einer mal auf der alten Gegengeraden, “nach dem ersten Tor steht hier sowieso keiner mehr an dem Platz, an dem er vorher stand”. Zusammenrücken statt Besetzen, darauf können wir uns doch bitte einigen, oder muss ich erst laut werden? Get full access to St. Pauli POP at erikpop.substack.com/subscribe

    16 Min.
  5. 16. FEB.

    St. Pauli Vibes auf Mallorca

    Es gibt Tage, da musst du einfach raus. Wenn der Hamburger Nieselschnee sich wie eine kalte, nasse Decke über dein Bewusstsein legt und die Trümmer der letzten Niederlage (dieses verdammte Leverkusen-Spiel!) noch in deinen Knochen stecken, hilft nur die Flucht. Ein Ticket, ein Flieger, und plötzlich stehst du nicht mehr an der Feldstraße, sondern im grellen Licht der mallorquinischen Sonne. 15 Grad. Ein Hauch von Frühling, der sich anfühlt wie der erste Schluck eines eiskalten Cerveza nach einem langen Winter, mit gefrierendem Astra. Vor dem Stadion gibt's eine kleine Bar mit starkem Café und lokalem Bier für nach dem Spiel. Willkommen im Estadio Municipal Ses Forques. Willkommen in Porreres. Ich bin hierhergekommen, um den Kopf frei zu kriegen, doch der Fußball verfolgt mich wie ein süchtiger Geist. Ich stehe am Sonntag um 12 Uhr mittags am Rand dieses beschaulichen Platzes, der seit über hundert Jahren – die Unió Esportiva Porreres wurde 1923 gegründet, als man hier wahrscheinlich noch mit Lederbällen gegen die bleierne Franco-Zeit ankickte – das emotionale Zentrum dieses Dorfes ist. Die Farben? Rot und Weiß. Die Stimmung? Pur. Es riecht nach gewässertem Kunstgras, scharf gebranntem Kaffee und der verzweifelten Hoffnung, die nur die vierte Liga (Segunda Federación) bieten kann. Blick auf die Tribüne. Auf dem Papier ist es Porreres erste gegen die Reserve des FC Girona. In der Realität ist es ein Kampf gegen das Schicksal eines Absteigers. St. Pauli-Vibes unter Palmen Man sagt, man kann den Verein wechseln, aber nicht die Neurose. Und da sitze ich nun, tausende Kilometer vom Millerntor entfernt, und was sehe ich? St. Pauli-Vibes. Oder Altona 93-Vibes, für die Feinschmecker unter euch. Das Spielniveau hat diesen herrlichen, kantigen Regionalliga-Charme. Es ist ehrlich, es ist schmerzhaft, und es ist verdammt schön es anzusehen und dabei in die Sonne zu blinzeln. Porreres rennt. Sie beißen. Aber zur Halbzeit steht es 0:2. Javi Sarasa hat sie schon in der 6. Minute eiskalt erwischt, und kurz vor dem Pausenpfiff legte Carles Garrido nach. Ein Schlag in die Magengrube, den jeder Fan von Braun-Weiß im Schlaf mitsingen kann. Die Sonne brennt auf die Flutlichter – diese „Love-Lights“, wie mein Gehirn sie im Rausch der Euphorie umtauft –, und ich denke: Wie schön doch Flutlichtmasten sind. Ich werde nostalgisch. Zweite Halbzeit: die Hoffnung lebt auch hier … Dann passiert es. Die zweite Halbzeit beginnt, und dieses Team in Rot fängt an zu glauben. Es ist dieser Teamgeist, den wir am Millerntor so oft beschwören und so selten in Punkte ummünzen können. In der 64. Minute gibt es Elfmeter. De Tomás tritt an. Der Ball zappelt im Netz. 1:2. Plötzlich ist da Lärm im Ses Forques, kein Murmeln mehr, sondern ein Brüllen. Es ist die pure, unfiltrierte Lust am Widerstand. Ich sehe Parallelen, die mich noch nostalgischer machen. Diese jungen Talente, dieser strategiefreie Wahnsinn, das letzte Aufgebot, das sich weigert, einfach umzukippen. Es ist Fußball in seiner reinsten Form: Ein Dorf gegen die Übermacht vom Festland, ein Gefühl von Wir gegen die Statistiken des modernen Fußballs. Der Kater und die Erkenntnis Noch eine Ecke … und das wars. Am Ende reicht es nicht. Girona schaukelt das Ding über die Zeit. 1:2. Die Gesichter der Einheimischen sind gezeichnet von jener Mischung aus Stolz und Erschöpfung, die man nur kennt, wenn man alles gegeben hat und trotzdem mit leeren Händen dasteht. Es gibt sogar noch n Tumult mit Spielertraube zum Abpfiff. Porreres kennt die Tragik auch, so viel ist sicher. Was bleibt? Ein Sonnenbrand auf der Nase, ein leerer Becher und die Erkenntnis, dass Fußball überall gleich wehtut und gleich gut. Ob im Nieselregen von Hamburg oder unter den Pinien Mallorcas. Die UE Porreres mag auf Platz 17 der Tabelle hängen, genau wie unsere Jungs im Keller der Bundesliga darben, aber solange da noch dieser Funke ist, dieser „Mir-doch-egal-und-Spaß-dabei“-Vibe, ist nichts verloren. Nächste Woche bin ich wieder am Millerntor. Der Hamburger Regen wird mich empfangen wie ein alter, mürrischer Freund. Aber in meinem Kopf brennt noch das Licht von Ses Forques. Porreres, du schönes patiniertes Stück Fußball geschichte – ich komme wieder. Aber nur, wenn ihr weiter so kämpft, ob ihr dabei gewinnt, ist mir Sopa. Get full access to St. Pauli POP at erikpop.substack.com/subscribe

    30 Min.
  6. 7. FEB.

    Klassenkampf mit dem letzten Aufgebot

    Angst und Schrecken (und verdammt viel Spaß) verbreitet der FCSP im Hamburger Nullgrad-Nieselregen: Wie das letzte Aufgebot des FC St. Pauli den VfB Stuttgart zerlegte Von unserem Korrespondenten im digitalen Exil Es war ein Tag für Grabenkämpfe. Draußen herrschten ein Grad, Nieselregen und jene spezifische Art von Hamburger Klammigkeit, die normalerweise Depressionen züchtet. Aber drinnen, im Kessel, oder besser gesagt: in den Köpfen derer, die noch übrig waren, passierte etwas Seltsames. Etwas, das man am Millerntor schon fast für einen Mythos hielt, begraben unter monatelangem Abstiegskampf-Gejammer. Es roch plötzlich nach Lust. Lust am Kampf, Lust an der Kraft. Ich war nicht dort. Ich konnte heute nicht. Vielleicht darf ich auch nie wieder hin, denn wenn ich nicht da bin, spielen sie plötzlich wie von der Tarantel gestochen. Ich saß vor dem Schirm, trötete auf Social Media und sah zu, wie sich das „letzte Aufgebot“ gegen den Champions-League-Adel aus Stuttgart erhob. Das Lazarett tanzt Pogo Man muss sich die Szenerie mal vorstellen: Da kommt der VfB, bereit, sich an den Trögen der Champions League gütlich zu tun, und trifft auf einen Kader, der eher einer Krankenstation gleicht. Ein Lazarett, das die Hälfte des Gesamtwerts umfasst. Dapo ist weg, Rocky Jones kaputt, und kurz vor Anpfiff fällt auch noch Fujita aus, der einzige, der seit Monaten konstant liefert. Jeder vernünftige Mensch, jeder Buchhalter des Fußballs hätte auf ein massakerartiges 0:3 getippt. Aber stattdessen? Statt den Bus vor dem Tor zu parken und um Gnade zu winseln, entscheiden sich diese Wahnsinnigen für „Free your mind and the rest will follow“. Wieder da: Jackson Irvine. Der Mann spielt mit Schmerzen, als wäre Schmerz nur eine Illusion, reißt fast zwölf Kilometer ab und grätscht an der Seitenlinie in meine Erinnerung an Carsten Rothenbach. Und dann war da wieder Manolis Saliakas. Es gab Gerüchte, der Mann sei schon halb in Griechenland, aber an diesem Nachmittag hatte er einfach die Schnauze voll. Er fand diese Attitude wieder: „Ich bretter das Ding mal kurz unter die Latte“. Ein Tunnel-Zuspiel von Sinani, mit dem Überblick eines Feinsinnigen, und Saliakas wuchtet das Leder oben rechts rein. 1:0. Das Millerntor brüllte nach mehr, noch mehr Klassenkampf. Basketball im Strafraum und die Wiederentdeckung der Offensive Der VfB Stuttgart wusste nicht, wie ihm geschah. Sie dachten, sie spielen gegen einen Abstiegskandidaten, aber sie spielten gegen ein Gefühl. Ein Gefühl von: „Mir doch egal.“ Und dann wurde es grotesk. Ein Stuttgarter entschied sich mitten im Strafraum für eine kurze Basketball-Einlage. Dummdi-dummdi-dumm mit der Hand. Sinani, der Mann mit dem Radar-Auge, trat an. 2:0. Ein Satz, so trocken wie ein Bond-Martini. Es war nicht nur Glück. Es war pure Statistik für die Seele: 15 Torschüsse, neun davon direkt auf den Kasten, 6,2 Kilometer mehr gelaufen als der Gegner. Sie haben nicht verwaltet, sie haben gejagt. Vorchecking, hohes Pressen – Dinge, die man eigentlich nur aus Erzählungen kannte. Die Erlösung des Alexander Blessin Und an der Seitenlinie? Alexander Blessin. Der Mann, den ich – ich gestehe es – oft genug zum Teufel gewünscht habe. Aber an diesem nasskalten Abend sah man etwas Neues. Nach dem Abpfiff eine Umarmungstraube zwischen ihm, Nemeth und dem weißhaarigen Bornemann. Der Druck fiel ab wie nasser Putz von der Wand. Heute hatte er aufgehört, nur die Null halten zu wollen. Heute ließ er sie spielen. Natürlich wurde es am Ende nochmal eng. Das obligatorische Gegentor in der 90. Minute, weil der FC St. Pauli ohne Herzrasen nicht funktionieren kann. Aber Lars Ritzka verteidigte nach vorne, kratzte den Ball fast von der Linie – ein ungültiges Traumtor nimmt auch Minuten von der Uhr; wen kümmert das schon? – körpereigener Rausch ist der schönste. Das Fazit: Wir ziehen sie alle mit runter Als der Schlusspfiff ertönte, war es keine Freude, es war Erlösung. Wir stehen zwar immer noch auf Platz 17, aber wir sind nur noch einen Punkt hinter Bremen. Und das ist die perverse Schönheit dieses Spieltags: Mit diesem Sieg ziehen wir Wolfsburg und Bremen wieder ganz tief mit rein in den Sumpf. Das war kein taktisches Meisterwerk am Reißbrett. Das war ein Sieg des Willens, der „Lust am vorne Verteidigen“. Ein Sieg für die, die schon abgeschrieben waren. Ich werde wohl doch wieder ins Stadion gehen, schiet doch auf Aberglauben. Wenn sie so weiterspielen – mit dieser „Mir doch egal und Spaß dabei“-Attitüde – dann tröte ich gerne weiter aus der Ferne. Prost. Auf den Klassenkampf. Auf zu weiterem Spaß mit Leverkusen. Get full access to St. Pauli POP at erikpop.substack.com/subscribe

    14 Min.
4,6
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