ST. PAULI POP

Erik von St. Pauli POP

Was ist der St. Pauli POP Podcast?: “Ein launiges Tribünengespräch über den FCSP, die Mannschaft, das Viertel, Musik und Anekdoten rund um St. Pauli.” With love from Hamburg, St. Pauli. erikpop.substack.com

  1. FC St. Pauli im Abstiegskampf: Rette sich wer kann ...

    26. APR.

    FC St. Pauli im Abstiegskampf: Rette sich wer kann ...

    Jaja, die Hoffnung, und die Liebe. Beides geht zuletzt und im Falle des FC St. Pauli wird wohl auch beides bleiben - oder wiederkommen. Denn die Hoffnung schwindet, bei uns im Podcastteam, dass der FC St. Pauli den Klassenkampf gewinnen und die Relegation gewinnen könnte. Warum?, weil die Mannschaft, weil der ganze Verein den Kampf einfach nicht annehmen will. Chapters 1:02 Der kleine Zwischenruf von der Ostsee 2:38 St. Pauli im Abstiegskampf 7:54 Die Probleme im Team 10:15 Teambuilding ohne Trainer 13:11 Der Verein und seine Prinzipien 15:27 Die Hoffnung bleibt 16:31 Ein Aufruf zum Handeln Vieles erinnert an vergangene Abstiege, die Unfähigkeit, Tore zu schießen oder ein überlegen geführtes Spiel mit einem Sieg abzuschließen, wie einst gegen die Stuttgarter Kickers. Aber auch in der dahin nieselnde Abstieg 2011, als Stani das Team und den Verein für die eigene Karriere im Stich lies, kann man Muster erkennen, die sich dieses Jahr wiederholen. Ein paar Gründe, warum ich skeptisch bin, was die so genannte Crunchtime der Saison angeht: 1. Das ist kein Team, sondern eine Gruppe Profis … Jackson Irvine und Hauke Wahl hatten sich nach dem verdienten Heimsieg der Heidenheimer Abstiegsverweigerer einiges zu sagen und das gestenreich; leider kann ich kein Lippenlesen - und doch ahne ich, worum es ging. “Unzusammenhängend” hätte man gespielt, sagte Irvine der Mopo in der Mixed Zone. Was sich wie “jeder für sich” liest, ist wohl auch so gemeint. Eine Gruppe von Einzel-Ich-AGs, die am Ende einer aufreibenden Saison mindestens unterbewußt schon an den Abflug denken? Jackson Irvine ist zwar in der Lage, seine Nebenleute besser zu machen, selbst wenn er selbst keine herausragende Leistung bringt - aber das ganze Team zusammenhalten, das kann er nicht allein. Vielleicht ging es darum im Gespräch mit Hauke Wahl, der in den letzten Spielen auch untypisch patzt. Über einen Elfmeter hätte er sich bspw. nicht beschweren können. 2. Zu weit weg, zu spät, zu oft zu wenig Schüsse, die im gegnerischen Block hängen bleiben, Pässe ins Nirgendwo. Startende Außen ohne Zuspiel. Keine Lösung gegen schnelle Spieler, keine Schnelligkeit bei eigenen Aktionen. All das ist St. Paulis Alltag seit dem guten Beginn der Saison. Es gibt keinen Fortschritt im Team, keine Abläufe, die gelernt (trainiert!) aussehen - oder so seltene, dass sie gleich im Gedächtnis bleiben, wie das singuläre Steilschicken von Hotondji durch Sinani. Blessin kann es nicht 3. Kein Teambuilder; Blessin mag ja einiges können, Teambuilding kann er nicht Die Farce um Dapo Afolayan kann man anders bewerten als ich, meinetwegen, allerdings zeigte sich dort schon, dass Alex Blessin niemand ist, der kritisches Verhalten von Spielern im Team klärt. Er hat Dapos vermeintliches Fehlverhalten an die Öffentlichkeit gezerrt, er hat diesen Spieler aus einer externen Haltung kritisiert, ohne dass Maßnahmen zur teaminternen Regelung sichtbar wurden. Das ist ein Muster, das Zombie-Coaches auszeichnet; immer sind andere Schuld, tun nicht das, was das Trainerteam verlangt. Zuletzt sprach Blessin davon, dass er der Mannschaft alles vorher briefte, sie - so verstehe ich das - zu doof waren, seinen Matchplan umzusetzen. Dass sich das mit dem Begriff “Jolly” - eigene Jollies, die kurzen, nicht die langen; die gegnerischen Jollies locken usw. - sogar ganz lustig anhört, überschminkt den Resonanzverlust, den wir zwischen Trainer und Mannschaft vorgeführt bekommen. Teambuilding geht nicht in der Krise Eine beinahe nebensächliche Episode unterstreicht meinen Eindruck, dass wir in diesen Klassenkampf ohne funktionierendes Team gehen: Der Teamabend ohne Coach. Hauke Wahl erzählt im Hamburger Abendblatt, dass … es Teambuilding nicht permanent gibt, sondern nur als Ausnahme in der Krise - so löpt das aber nicht: “In meiner ersten Saison 2023/24 haben wir es mit Hinnerk (Podcast Gast Hinnerk Smolka) regelmäßig gemacht. In der Crunchtime der Saison haben wir es geschafft, dass er das Gespräch gar nicht mehr moderieren musste. ...Es ist wichtig, dass eine Mannschaft Dinge auch unter sich klärt, ohne dass noch zehn weitere Menschen dabei sind”. Oke, Bornemann und der ganze Verein schwimmt auf der “Wir machen das anders”-Welle Wir sind der etwas andere Verein, der sich den angeblichen Gesetzmäßigkeiten des Profifußballs nicht unterwerfen will. Das finde ich ja gut, aber nur solange, wie dieser Anspruch nicht zum Stockholm Syndrom mutiert, zur leeren Hülse, die die Realität ausblendet und überfällige Handlungen nicht in Gang bringt. Der Millernton schreibt von einem “sportlichen Offenbarungseid” - und hat imho recht; nur die Konsequenz daraus, die bleibt aus. Normalerweise initiiert der Offenbarunsgeid den geordneten Versuch, in letzter Minute noch das Ruder unter der Leitung eines Insolvenzverwalters herum zu reißen - mit denselben Mitarbeitern - nur nicht mit dem bisherigen Management. Analog bedeutet das: für die verbleibenden drei plus zwei (da war sie wieder die Hoffnung) einen neuen Impuls setzen; Blessin entlassen (oder nach Wolfsburg verkaufen?) und eine:n Retter:in oder Perspektivtrainer:in für die 2. Liga benennen. Fakt ist - das sagen Spieler und Trainer selbst: jeder macht sein Ding, keiner spielt als Team und auf den Trainer hören sie schon lange nicht mehr - hallo?, wieviel Grund braucht ihr noch? … und dann ist da ja noch der VfL Wolfsburg Nach kicker-Informationen gräbt unser Endgegner dieser Saison - nachdem es bereits im Winter Gerüchte um Blessin gab - an Hauke Wahl herum. Es ist bezeichnend für den Zustand dieses Teams, dass ich mir das tatsächlich vorstellen kann. Rette sich, wer kann. Was ich voriges Jahr als kommunikativen Dirty Talk von hinter uns wahrgenommen hätte, passt leider diese Saison ins Schauerbild. Und nu? Ich werde St. Paulianer bleiben, auch wenn ich hier analysiere, schimpfe und mich wundere; wir werden absteigen oder vielleicht auch nicht. Trotz, mit Rotz und Ruhe werde ich am Sonntag mitbringen ans Millerntor, wenn wir in der zugigen Ecke doch noch ein Unentschieden feiern können, als wäre es ein Sieg - nur um das Leiden ein wenig zu verlängern … denn: an unserem, an eurem Support hat es sicher nicht gelegen. Get full access to St. Pauli POP at erikpop.substack.com/subscribe

    18 Min.
  2. 19. APR.

    FC St. Pauli: "Wer 1:0 führt..."

    Was macht man am besten, um eine uninspirierte und vorhersagbare (gefühlte) Niederlage des FC St. Pauli zu verarbeiten? Man geht am Sonnabend zum Fußball, sich andere Hamburger Klubs beim Abstiegskampf anschauen. Einige von euch waren beim SV Werder und kamen mit zwiespältigen Gefühlen zurück. Willi und ich schauten beim Altonaer FC von 1893 vorbei - und sahen nicht nur einen Heimsieg, sondern Abstiegskampf, wie er sein sollte, mit Herz und Kraft bis zur letzten Minute - auch die Musik und das Bier im Stadion waren so sehr viel besser, dass wir uns aufgeladen fühlen, wie es einst auch der FC St. Pauli konnte, bevor er Alex Blessins Brausefußball zum Opfer gefallen ist. ;) Chapters 0:40 Willkommen bei St. Pauli Pop 6:56 Über die 1-0-Falle 9:09 Trainer und Taktikfragen 13:10 Altona 93 im Fokus 18:06 Live aus Altona 21:42 Ein Punkt für St. Pauli 24:54 Das Spiel gegen Köln 31:37 VAR-Diskussion 36:50 Nostalgie am Stadion 1:03:15 Olympiabewerbung Hamburgs 1:05:27 Schlussfolgerungen und Ausblick St. Pauli POP ist ein Hörer:innen finanziertes Angebot. Unterstütze uns mit einem Podcast Bier oder einem Galao in der Schanze - abonniere St. POP https://ko-fi.com/stpop Wer 1:0 führt - ein Muster: Der FC St. Pauli punktet in 80% der Fälle, in denen er 1:0 in Führung geht - das ist die gute Nachricht. Allerdings gewinnt er nur, wenn er noch ein Tor nachlegt. Und auch dann beginnt im Schnitt ab Minute 64 das Zittern. „Natürlich kann man darüber reden, dass wir nach dem Führungstreffer nicht mehr die Ballzirkulation hatten und nicht mehr in die Räume gekommen sind, um den Ball zu halten und für Entlastung zu sorgen. Trotzdem glaube ich, dass der Matchplan über 90 Minuten gut war“ - Hauke Wahl mit Stockholm Syndrom Neuerdings stellen die Boys in Brown das Vorwärtsverteidigen beim 1:0 Null ein, und reden es sich auch noch schön. Dabei zeigen die Spiele gegen Freiburg, Union und nun gegen Köln eindrucksvoll: die Boys können es nicht, ein 1:0 verteidigen. Die 60-Minuten-Marke: Das kritische Fenster ist die Zeit zwischen der 60. und 75. Minute. Hier fallen die meisten Gegentore nach eigener Führung. Wenn Blessin (Trainer) hier nicht durch Wechsel stabilisiert, wird es wackelig. Heimsiege nur nach 2:0 Führung: Gegen Augsburg, Heidenheim, Stuttgart, Werder Bremen und Wolfsburg hieß es am Ende jeweils 2:1. Das Muster: St. Pauli erzielt oft kurz vor der Pause das 1:0 (Saisonschnitt: 44. Minute). Die emotionale Wucht des Stadions trägt sie oft zum 2:0, bevor in der Schlussphase das „große Zittern“ beginnt. Die Anfälligkeit: Trotz der Heimsiege kassiert St. Pauli fast immer ein Gegentor (Schnitt: 64. Minute). Ein „Zu Null“ nach 1:0-Führung ist am Millerntor seltener als ein Fischbrötchen ohne Zwiebeln. Ich steige mit euch klaglos ab, wenn ihr das Herz auf dem Platz lasst und nicht in der Hose! Fazit: St. Pauli kann es nicht; ein 1:0 über die Zeit bringen. Mal hat der Gegner was dagegen, meist aber befällt die Boys in Brown eine merkwürdige Schieterbüxigkeit, die Füße und Köpfe lähmt. Allerdings darf man auf dem Kiez den Trainer nicht infrage stellen, der bekommt vorsorglich einen Persilschein ausgestellt. Nach dem 1:1 vom Freitag bangt ganz Hamburg um den Verbleib in Liga eins. Altona 93 wehrt sich noch … Wie Abstiegskampf erfolgreich betrieben werden kann, zeigt Altona 93 ein paar Kilometer weiter westlich. Gegen den Tabellennachbarn im Keller, den SV Lohne, zeigten die Spieler des ehemaligen FCSP Urgesteins André “Truller” Trulsen eine starke kämpferische Leistung und kamen nach zwei Rückständen zurück, um ganz zum Schluss das 3:2 zu feiern. So geht Abstiegskampf; da können sich die beiden Erstligisten eine Scheibe abschneiden. So spielt ganz Hamburg um den Abstieg mit, nur alle irgendwie anders. FC St. Pauli Fans gegen das IOC Im Gegensatz zur Vereinsführung, die politisch eingezwängt in stadtpolitische Notwendigkeiten vage herumlaviert, legen sich die meisten FC St. Pauli Fanclubs fest. Sie stimmen gegen Olympia in Hamburg. Wir Fanclubs des FC St. Pauli wollen unsere Freiräume erhalten, unsere Läden sollen noch lange bestehen bleiben. Wir wollen uns weiterhin im und rund ums Stadion ausleben, durchdrehen und unser Team anfeuern können. Bezahlbare Wohnungen und der Erhalt von sozialen Einrichtungen im Viertel wie in der gesamten Stadt sind uns wichtig. Keinen Fußbreit dem korrupten und rein profitgierigen IOC! Und wir lassen uns nicht blenden … Diese und andere Hamburg Meldungen findest Du in meinem 2. Projekt: Ring2, dem Hamburg Logbuch. Get full access to St. Pauli POP at erikpop.substack.com/subscribe

    1 Std. 8 Min.
  3. 3. APR. ·  BONUS

    Einfach mal Dazke sagen

    Ich blogge seit mehr als 20 Jahren, mindestens ein Dutzend davon über den FC St. Pauli. Dieses Blog (und seit nu auch schon 10 Jahren der Podcast) hat viele Spieler und Funktionäre kommen und wieder gehen sehen - mit einigen blieben ein par Anekdoten und ein freundschaftlicher Kontakt. Eine zeitlang habe ich davon geträumt, vom Bloggen leben zu können (hatte dabei aber andere Themen im Sinn als den FCSP; dummerweise ist es ja immer noch irgendwie verpönt, mit seiner Leidenschaft Geld zu verdienen; übrigens ein Grund, warum ich dem Millernton alles erdenklich Gute wünsche bei diesem Unternehmen!). Dieser Post soll all den tollen Menschen gewidmet sein, die diesen Blog durch ihr Abonnement, ihr Sponsoring oder ihre Bierspende unterstützen. https://ko-fi.com/P5P0U2HU1/tiers Diese Publikation wird von ihren Lesern unterstützt. Werde kostenloser oder zahlender Abonnent, um keine Beiträge zu verpassen und meine Arbeit zu unterstützen. https://ko-fi.com/P5P0U2HU1/tiers Das Wort „Feedback“ stammt aus dem Englischen und setzt sich aus den zwei Wurzeln „feed“ (nähren, füttern, zuführen) und „back“ (zurück) zusammen. Ursprünglich aus der Kybernetik stammend, bedeutet es wörtlich „Rückkopplung“ oder „Rückmeldung“ und bezeichnet die Rückübermittlung von Informationen an einen Sender. (wikipedia) Ich erinnere mich an unseren ersten “echten” Sponsoren, eine Craftbier Brauerei aus Lüneburg, die durch die Empfehlung eines Hörers auf uns aufmerksam wurde. Das war doppelt toll - und das Bier schmeckte auch sehr lecker. Allerdings sind solche “Deals” die echte Ausnahme; der Löwenanteil der zur Kostendeckung für Mikros, Server und ja auch Podcast-Biere gibt es von vielen Einzelnen - von euch. Björn, Elisabeth, Superpauli, Andreas, Alex, Sven, Carsten, Ralf, Christian, Nadine, B30, Ecki, Uda - ihr seid toll! Ihr kommt aus Hamburg, aus dem schönen Glückstadt, aus Köln und noch weiter weg; wir haben sogar Spender aus der Schweiz, den USA und UK. DAZKE vielmals. Gema-Zuschuss: Wir haben ein paar Mal exklusive Episoden mit Musik aufgenommen, die es heute “nur” noch bei Mixcloud zu hören gibt. Hach, war das toll, Musik in einem POPcast zu haben. https://ko-fi.com/P5P0U2HU1/tiers Biersponsoring, GEMA-Zuschuss oder einfach Soligrüße senden … Abmahn-Soli:Als Blogger steht man immer mit einem Bein in der Abmahnfalle; das ist einfach so - manchmal hast du gar nichts falsch gemacht und entscheidest dich dennoch dafür, eine Strafe zu zahlen. Das nervt und ist teuer. - ABER: bei diesen Gelegenheiten wird die eigene Community schnell sichtbar. Ihr habt meine Abmahngebühren zu einem Großteil mit Solis aufgefangen - das hat mein Herz besonders erwärmt. Server-Soli: seit einiger Zeit hoste ich mit St. Pauli Social eine Mastodon Instanz für unseren Kiez und Freunde des FCSP (melde dich gerne an, ist kostenlos). Auch hier senden mir Mitglieder auf der Plattform einen Soli, sodass knapp 30% der Serverkosten abgedeckt sind. Aktuell gibts auf das Jahresabo 50% Rabatt - und eine limitierte ST. POP Kaffemuck obendrauf. So sieht sie neu aus … hübsch, oder? Wer es lieber einmalig mag, der supporte mich und uns gerne via Ko-Fi. PS so wichtig aktuelle Sponsorinnen sind, so wichtig sind mir auch alle, die ihr Abo aus welchen Gründen auch immer wieder beendet haben - ihr seit natürlich auch toll! Get full access to St. Pauli POP at erikpop.substack.com/subscribe

    26 Min.
  4. Ach Igor!

    25. MÄRZ

    Ach Igor!

    Mir konnte eigentlich nix passieren, denn ich war mit guten Freunden und meiner Tochter verabredet, diesen Spieltag am Millerntor gemeinsam zu erleben. Der St. Pauli Podcast, die Themen: * 0:37 Willkommen beim St. Pauli Pop Podcast * 14:24 Halbzeit und taktische Fragen * 17:52 Verletzungen und Genesungswünsche * 39:08 Coming-out im Fußball * 40:24 Abschied in die Länderspielpause Und dann wollte ich mal den Tim spielen und hab Mistral.ai gefragt, ob es auch taktische Analyse kann; ( tl;dr: lest lieber den Millernton ;) - 1 Gedanke dazu: die Spielberichte der KI sind nicht schlecht. Eine Qualität, die für den billigen Clickbaiter mit 24 im Titel und den Boulevard sogar ausreichen würde, imho. Lest und sendet gerne Feedback - hier bleibts persönlich und ansonsten KI-frei Der Abend, an dem das Millerntor den Atem anhielt Hamburg-Altona, 22. März 2026 – 17:30 Uhr Es gibt Abende am Millerntor, die fühlen sich an wie ein Lied von Tom Waits: voller Hoffnung, voller Schmerz, und am Ende bleibt die Frage, warum man überhaupt noch hofft. So ein Abend war das hier. Der FC St. Pauli empfing den SC Freiburg, und es sollte ein Spiel werden, das alles hatte: einen ehemaligen Kiezkicker, der gegen seinen Jugendklub traf, eine Mannschaft, die sich selbst verlor, und eine zweite Halbzeit, die wie ein schlechter Traum endete. **Vorspiel: Zwei Teams, zwei Welten** St. Pauli kam mit einer Serie von sechs ungeschlagenen Heimspielen ins Millerntor. Sechs Spiele, in denen die Fans wieder zu glauben begannen, dass der Klassenerhalt vielleicht doch noch möglich sei. Doch die Tabelle lügt nicht: 24 Punkte nach 26 Spielen, Platz 16. Die Luft wurde dünner. Trainer Alexander Blessin musste auf wichtige Defensivkräfte verzichten – Karol Mets, Manolis Saliakas, James Sands. Die Abwehr war löchrig wie ein alter Pullover, und Freiburg wusste das. Die Breisgauer kamen mit einem 5:1-Sieg gegen Genk in der Europa League im Gepäck, aber auch mit einer Auswärtsbilanz, die schrecklicher nicht hätte sein können: nur 9 von 34 möglichen Punkten in der Fremde, vier Auswärtsspiele in Folge ohne Tor. Julian Schuster, der Freiburg-Trainer, setzte auf Kontinuität – dieselbe Startelf wie gegen Genk. Ein Risiko, aber auch ein Statement: Wir spielen unser Spiel, egal wo. --- **1. Halbzeit: St. Pauli träumt, Freiburg schläft** Die ersten Minuten gehörten Freiburg. Jan-Niklas Beste feuerte in der dritten Minute eine Warnung ab, doch dann übernahm St. Pauli das Kommando. Mathias Rasmussen und Joel Chima Fujita testeten Noah Atubolu, der Freiburger Torhüter, musste sich warm anziehen. Und dann, in der 24. Minute, der Moment, der das Millerntor zum Beben brachte: Eine Ecke von links, Tomoya Andō köpft den Ball auf Danel Sinani, der im zweiten Versuch über die Linie drückt. 1:0. Jubel. Erlösung. Die Fans sangen, als gäbe es kein Morgen. Freiburg wirkte einfallslos, fand kaum Wege durch das Zentrum. Die beste Chance vor der Pause hatte Yuito Suzuki, doch Nikola Vasilj hielt stark. St. Pauli ging mit einer verdienten Führung in die Kabine. Die Fans träumten von drei Punkten, die den Klassenerhalt ein Stück näher rücken würden. **2. Halbzeit: Der Ex-Kiezkicker kehrt zurück – und das Millerntor erstarrt** Julian Schuster reagierte. Zur Pause brachte er Philipp Lienhart und Cyriaque Irié – und plötzlich war Freiburg ein anderes Team. Die Gäste übernahmen die Kontrolle, drängten St. Pauli zurück, erhöhten die Schlagzahl. Igor Matanović, der ehemalige St.-Pauli-Stürmer, wurde zum Albtraum seines Jugendklubs. In der 65. Minute lenkte er einen Schuss von Vincenzo Grifo ab, Vasilj konnte nicht mehr eingreifen: 1:1. Der Ausgleich. Die Stimmung kippte. Die Fans im Millerntor wurden stiller, als hätten sie plötzlich begriffen, was hier passierte. Doch es kam noch schlimmer. Nur 13 Minuten später, in der 78. Minute, traf Matanović erneut. Ein Schuss von Irié, Vasilj patzte – und Matanović staubte ab. 1:2. Der Doppelschlag. Die Fans waren fassungslos. St. Pauli, das in der zweiten Halbzeit kaum noch einen Torschuss auf den Kasten der Gäste gebracht hatte, verlor nicht nur das Spiel, sondern auch den Glauben an den Klassenerhalt. Matanović, der elf Jahre lang das Trikot des FC St. Pauli getragen hatte, weigerte sich, seine Tore zu feiern. Ein Zeichen des Respekts – doch für die Paulianer war es ein bitterer Abend. --- **Die Taktik: Warum Freiburg gewann – und St. Pauli verlor** **1. Halbzeit: St. Pauli zeigt, was möglich ist** - **Formation:** 4-2-3-1, kompakt, schnelle Umschaltmomente, Fokus auf Standardsituationen. - **Pressing:** Aggressiv im Mittelfeld, Freiburg wurde zu langen Bällen gezwungen. - **Stärken:** Standardsituationen (Tor durch Ecke), schnelle Flügelspieler (Fujita, Pyrka). **2. Halbzeit: Freiburg dreht das Spiel – St. Pauli verliert den Faden** - **Freiburgs Wechsel:** Lienhart und Irié brachten Tempo und Präzision. Die Formation wurde aggressiver (3-4-1-2), das Pressing höher. - **St. Paulis Fehler:** Keine taktischen Anpassungen, individuelle Patzer (Vasilj, Abwehr), zu späte Auswechslungen. - **Schlüsselmoment:** Matanovićs Tore entstanden durch schnelle Kombinationen und St. Paulis Unfähigkeit, die Räume zu schließen. --- **Die Helden und die Gescheiterten** **Held des Abends:** Igor Matanović. Zwei Tore, kein Jubel, aber ein Spiel, das er nie vergessen wird. Sein Doppelpack war nicht nur entscheidend, sondern auch symbolisch: Ein ehemaliger Kiezkicker, der gegen seinen Jugendklub traf – und damit Freiburgs erste Auswärtsniederlage des Jahres verhinderte. **Der Gescheiterte:** Nikola Vasilj. Der St.-Pauli-Torhüter hatte in der ersten Halbzeit stark gehalten, doch seine Patzer in der zweiten Halbzeit kosteten sein Team das Spiel. **Der Unsichtbare:** Arkadiusz Pyrka. Der schnellste Spieler auf dem Platz (34,52 km/h) hatte kaum Einfluss auf das Spiel. Ein Symbol für St. Paulis zweite Halbzeit: viel Lauferei, wenig Wirkung. --- **Nachspiel: Was bleibt?** Für Freiburg war der Sieg ein Befreiungsschlag. Nach drei Spielen ohne Sieg in der Liga kehrten sie in die Erfolgsspur zurück. Die Europapokal-Träume leben weiter. Für St. Pauli war die Niederlage ein herber Rückschlag. Statt sich aus dem Tabellenkeller zu befreien, rutschten sie weiter in die Abstiegszone. Die Heimserie von sechs Spielen ohne Niederlage war beendet – und die Frage, ob der Klassenerhalt noch zu schaffen ist, wurde drängender. Und für die Fans? Eine Geschichte, die sie ihren Enkeln erzählen werden: „Weißt du, damals, als der Ex-Kiezkicker uns zwei reinhaute – und wir trotzdem weitergesungen haben.“ --- Fazit: Fußball als Spiegel des Lebens Dieses Spiel war mehr als nur ein Bundesliga-Spieltag. Es war ein Drama, eine Tragödie, ein Triumph – alles in einem. Es zeigte, warum wir Fußball lieben: Weil er uns Geschichten schenkt, die wir nie vergessen. Weil er Helden und Gescheiterte schafft, manchmal in ein und derselben Person. Und weil er uns lehrt, dass der nächste Spieltag immer eine neue Chance bringt. Für St. Pauli geht es weiter. Für Freiburg auch. Und für Igor Matanović? Vielleicht wird er eines Tages zurückkehren – nicht als Gegner, sondern als Legende. --- **Quellen:** - [kicker: Matanovic schockt Ex-Klub: Freiburg dreht Partie gegen St. Pauli](https://www.kicker.de/st-pauli-gegen-freiburg-2026-bundesliga-5050991/analyse) - [Bundesliga.com: Igor Matanović returns to haunt former club as Freiburg come from behind at St. Pauli](https://www.bundesliga.com/en/bundesliga/news/st-pauli-sport-club-freiburg-match-report-highlights-matchday-27-36587) - [Eurosport: So lief FC St. Pauli vs. SC Freiburg: Matanovic schnürt Doppelpack](https://www.eurosport.de/fussball/bundesliga/2025-2026/fc-st.-pauli-sc-freiburg_mtc1609087/live-commentary.shtml) - [Sofascore: FC St. Pauli vs SC Freiburg live score, H2H and lineups](https://www.sofascore.com/football/match/sc-freiburg-fc-st-pauli/BabsNab) Get full access to St. Pauli POP at erikpop.substack.com/subscribe

    42 Min.
  5. 15. MÄRZ

    Gladbach, Olympia und die CDU

    Es gibt Spiele, da weiss man gar nicht, was man dazu sagen oder bloggen soll. https://stpaulipop.myspreadshop.de/ Irgendwie war die Niederlage so in sich abgeschlossen, und banal. Ein vollkommen zurecht verlorenes Spiel. Eines von 13 Endspielen, die Alex Blessin vor Wochen ausgerufen hatte. Und nu? Endspiel verloren. Melden wir uns vom Betrieb ab? Natürlich nicht; auch wenn das mal konsequent wäre. Hoffe, man sieht ein, dass die Endspiel-Metapher ziemlich doof war. War doch offensichtlich, dass so ein Spiel kommen würde. Nach den Siegen gegen Stuttgart und Werder, nach der Energieleistung gegen die Eintracht, hat vielleicht der Eine oder Andere © im Kader gedacht, es ginge gegen die andere Borussia, die Tabellennachbarin, mit ein wenig weniger Kampf, diesem Kämpfen an dessen Ende Krämpfe warten - und vielleicht, so war die unbewusste Hoffnung, reichts irgendwie für einen Punkt auswärts. Keine 120%, keine Punkte Ich habe das Spiel über die App meines Arbeitgebers gesehen (so konnte ich mir nachher wenigstens einreden, ein wenig getestet zu haben). Die hat den englischen DFL Originalkommentar eingebaut. Wie Eric Smith und später auch Hauke Wahl, ausgerechnet Hauke Wahl, verteidigt haben, bekam den passenden wie unschönen Namen “Lazy Defending” oder “Sloppy Defending”. Englisch passt manchmal Mic-drop-mäßig gut. Natürlich gab es eine Diskussion in unserer POPcast-Signalgruppe nach dem Spiel. Alfetta bemerkte, es sei augenfällig, dass der Blessin-Ball (in Anlehnung an sein Gegenteil, den Walter-Ball) taktisch auf die Null spielt. Wenn wir dann irgendwie das 1:0 schießen, dann kommen am Ende Ergebnisse wie gegen Hoffenheim (ideal gelaufen), Bremen (auch da fiel das 1:0 für uns) oder wenigstens gegen die Eintracht heraus (0:0). Wenn wir allerdings den ersten Treffer kassieren, hat dieses Team, dieser Trainer, dieser Kader keine Antwort parat. Und das schon die ganze verdammte Saison lang. Kassieren wir das 0:1, können wir das jeweilige Endspiel abpfeifen. Das ist hart, aber die Realität. Mir tat es weh, mitanzusehen, wie Jackson nach einem der vielen Fehlpässe dem Gladbacher Mittelfeldspieler beinahe hinterher humpelte, die Schultern nach unten hängend, ohne Spannung im Körper - ohne Zuversicht. Bei Eric Smith kenne ich das nicht anders diese Saison. Er wirkt wie ein Schatten seiner selbst, nur das - inzwischen überheblich wirkende - abkappen der Füße beim Pass erinnert an seinen großen Kampfesmut mit Überblick, die uns alle im Podcast-Team zu Fans hat werden lassen. „Wir laufen dann dem Ergebnis hinterher, öffnen Räume und hätten am Ende auch wieder drei, vier Gegentore bekommen können. Das ist frustrierend, weil es mich an den Oktober erinnert.“ - sagt Jackson Irvine. Wir haben dasselbe Spiel gesehen. „Ein Mangel an Konzentration, ein Mangel an Überzeugung… wir haben heute keinen Biss gehabt. Das war wirklich richtig schwach und wir müssen nächste Woche sehr viel besser sein.“ sagte Irvine ggü der Mopo und schloss: „Wir sahen aus wie das strauchelnde Team, das wir vor Monaten waren, das ärgert mich am meisten.“ Ja, das kam auch bei mir so an. Wenig Energie, kein gutes Timing in Zweikämpfen und Pässen - vor allem da wo es eng wird, im letzten Drittel. So kann man kein 0:1 aufholen. Wenn der Mut fehlt, das zu tun, was Gladbach bei uns abgeschaut hat: mutiges und energisches Forechecking (ja, so nenne ich das immer noch :). Alfetta verortet uns nach Gladbach einen Tabellenplatz zu hoch; diesen Relegationsplatz zu verteidigen, ist die Losung der nächsten Spiele. Denn auch Konkurrent Wolfsburg parkt unter Hecking gerne Busse vor seinem Strafraum. Spannend zu sehen, wenn die Taktik aufgeht, wer dann im wirklichen Endspiel am Millerntor als erstes sein Kämpferherz entdeckt. Aber bis dahin gibts ja noch sieben Endspiele - und der hsv erlebt auch noch einen Frühling ;) “Nolympia” - St. Pauli und die Olympiabewerbung Hamburgs Als ich die vergangene Woche zu meinem Hamburg Newsletter recherchierte, fiel mir natürlich das Thema “Olympia Hamburg” vor die Füße. Wie äußert sich da der Verein eigentlich zu?, habe ich mich gefragt; aber nicht viel Erhellendes gefunden. Oke ist dafür (muss er wohl auch aus stadtpolitischen Gründen, immerhin wollen wir unser Stadion ausbauen und die Kollaustraße, da brauchen wir das Wohlwollen der Mächtigen), der Verein selbst hat keine Meinung - zumindest keine öffentliche, keine abgestimmte. In einem Laden, in dem jeder Pups vorher genehmigt werden muss, heißt das vielleicht, dass die Nolympia-Fraktion groß ist? Obige Umfrage ist zwar marktforscherisch nicht sauber, aber für unsere Follower im Fediverse schon eingermaßen eindeutig. Und ich vermute, so sehen das viele im FCSP und im Viertel: 92% von immerhin knappp 50 Teilnehmenden sind gegen Olympia in Hamburg. Und das bin ich auch. Meine Gründe sind vielfältig, aber im Kern reduziert es sich auf die Frage: Traue ich diesem Senat eine ehrliche schwarze Null zu? Meine Antwort dazu in a nutshell: Nein, denn … * Wer schon bei der ersten Vorstellung des Finanzplans schummelt und bspw. Milliarden für die Sicherheit rausrechnet … * Wer die Parole von den “nachhaltigen Spielen in Paris 2024” nachplappert, wider besseren Wissens … * Wer sich schon bei der Elbphilharmonie um den Faktor 11! verschätzt hat … dem vertraue ich nicht. (Und da habe ich die traditionell guten Filzdecken zwischen Immobilienwirtschaft und SPD noch gar nicht aufgedröselt oder das Gezerre um das neue HSV Stadion, das Olympia (also wir alle) dem Vorstadtklub schenken sollen) * Details zu Paris 2024 findet ihr in der aktuellen Ausgabe des Ring2 Hamburg Logbuchs Was war sonst noch? * Manchmal treffen Tapeten des Stadtnachbarn ja voll ins Schwarze, so wie einst der Doppelhalter beim 1. Derby am Millerntor: “Nach dem Spiel auf einen Galao in der Schanze?” - fand ich gut. Eine Neuauflage des beliebten Chants “McDonalds, St. Pauli und die CDU” gabs zuletzt am Volkspark zu bestaunen: “St. Pauli - Fritz Kola und die CDU” - ist auch lustig. * Unsere U23 liegt nach dem 0:5 zuhause gegen Schöningen abgeschlagen und mit nun fünf Punkten auf einen Relegationsplatz am Kellerboden. Trotz Nemeth und Hara im Spiel schafft diese Mannschaft es nicht, eine zu sein. Wenn die U23 absteigt ist das strategisch eine Katastrophe. Für die schon schlecht funktionierende Jugendarbeit ist ein komplettes Abreissen zur Profimannschaft (mehr als 3 Ligen Unterschied) fatal. * 20% Rabatt auf alles außer … Ich habe es endlich geschafft, meinen tollen Abonnent:innen ihre St. POP Tassen einzupacken. Willst du auch stilvoll deinen Spieltagskaffe trinken? Dann abonniere uns - oder kaufe dir direkt deinen Lieblingsmerch in unserem Shop: https://stpaulipop.myspreadshop.de/ Get full access to St. Pauli POP at erikpop.substack.com/subscribe

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