Stefan und Mick besprechen die Nachrichtenwochen Unterstützen Dieser Podcast entsteht mithilfe seiner Präsentatorinnen, Produzenten und Unterstützerinnen. Wenn du gerne zuhörst, unterstütze uns finanziell: ♥️ DE55430609676040226300 oder via Paypal 00:00:00 KI und alte Männer Zum Auftakt laufen mehrere Clips: Roland Emmerich kündigt einen komplett KI-produzierten Film für 30 bis 40 Millionen statt 300 Millionen an und bezeichnet Skepsis gegenüber KI als „feindliche Haltung", ein älterer Handwerker erklärt, Frauen sollten keine 40-Kilo-Mörtelsäcke schleppen, weil sie „noch ein Kind gebären" sollten, woraufhin im Clip eine Malermeisterin aus Göttingen widerspricht. Stefan und Mick stellen fest, dass sie noch nie so viele absurde Männerauftritte im Fernsehen gesehen hätten, und Mick zweifelt, ob Emmerichs Kostenversprechen einzuhalten sei, da in Hollywood ein hoher Filmpreis längst Marketingargument an sich sei. Stefan fügt hinzu, er würde mit dieser Wette nicht zu Polymarket gehen, weil am Ende ohnehin „alle Roland Emmerich" seien. 00:03:42 Soziologie und Quatsch Stefan erzählt, er habe jahrelang vermieden, Leuten von seinem Studium zu erzählen, und Soziologie meist als „fast wie Zoologie, nur ohne Tiere" abgetan, was er inzwischen für zutreffend halte, wenn er die Abendnachrichten schaut. Er kündigt an, deshalb mitten in einen Clip einzusteigen, in dem es um den Koalitionsstreit gehe. 00:05:56 Der Sozialsystem-Streit Die Tagesthemen greifen eine Aussage von Arbeitsministerin Bärbel Bas auf, die in der Regierungsbefragung gesagt hatte: „Es wandert niemand in unsere Sozialsysteme ein." Im Beitrag wird diese Aussage als faktisch falsch eingeordnet, und als Belege für die Empörung „im Land" werden Stimmen von Focus Online, Bild und Julian Reichelt (Nius) eingespielt, der von „Mist, einer Lüge" und Zynismus spricht. Stefan argumentiert, gemeint sei offensichtlich, dass niemand wegen der Sozialsysteme einwandere, und nennt es Humbug, Reichelt, Bild und Focus als Stimme „des Landes" zu inszenieren, statt sie zu ignorieren. Mick spricht von einer „kollektiven Psychose", in der man glaube, zu wenig miteinander zu reden, und kritisiert, dass die Tagesthemen einen aus dem Kontext gerissenen Satz aufgreifen, weil sie auf Twitter den vermeintlichen blinden Fleck sähen, und so Nius erstmals als rechenschaftsfähiges Medium behandelten. Stefan ergänzt, mit dieser Logik müsse sich auch die SPD-Spitze zunehmend an Nius andienen, ähnlich wie die CDU sich der AfD annähere, während die ARD damit selbst überflüssig werde. 00:15:20 Fakten gegen Empörung Stefan stellt der Empörungsdebatte Zahlen entgegen: Die Rentenkasse profitiere von Migranten, da jeder im Schnitt rund 7000 Euro pro Jahr in die Sozialsysteme einzahle, und die migrantische Bevölkerung sei im Schnitt 9,4 Jahre jünger als die deutsche, bei Menschen mit Migrationshintergrund sogar elf Jahre. Er verweist auf den anstehenden Renteneintritt des geburtenstarken Jahrgangs 1964 mit 1,1 Millionen Menschen im Jahr 2029 und darauf, dass mehr als die Hälfte aller Neuanstellungen in Deutschland auf Ausländer entfalle. Mick ergänzt, der einzige Bevölkerungsnettozuwachs in ganz Europa stamme noch aus dieser Form von Einwanderung, und vergleicht die Debatte mit der früheren Diskussion über „Totalverweigerer" beim Bürgergeld: Man rede über eine Gruppe von wenigen Tausend, während eine demografische Schieflage Millionen betreffe. In einem weiteren eingespielten Clip verteidigt Bas ihre Aussage mit dem Hinweis auf den Fachkräftemangel und darauf, dass die Unternehmen jeden bräuchten, der im Land sei und arbeiten könne; Stefan und Mick zitieren zudem eine Reportage von Sarah Tacke über übergewichtige, depressive Bürgergeldempfänger als Beispiel für die parallel laufende Stigmatisierungsdebatte. 00:21:49 Bilanz der GroKo Stefan und Mick ziehen Bilanz nach einem Jahr Friedrich Merz und kommentieren einen Heute-Journal-Bericht zur SPD-Pressekonferenz in der Reichstagskuppel. Stefan zerlegt Matthias Miersch wegen dessen Auftritt und Formulierungen wie „wir wollen einen Ausblick tun", Mick beschreibt die Verlegenheitsauftritte der SPD-Spitze. Beide bemängeln, dass die SPD trotz Umfragetief um 12 Prozent keine eigenen inhaltlichen Akzente setzt, etwa Vermögensteuer oder Verteidigung des Acht-Stunden-Tags, und stattdessen den Konflikt mit dem Koalitionspartner scheut. Im Clip wird die GroKo als von „Zoff und Zank" geprägt beschrieben, was Stefan zurückweist: Streit sei der Sinn von Politik, sonst hätte man gleich Merz, Dobrindt und Spahn wählen können. Mick verweist auf Bärbel Bas als Beispiel für eine Politikerin, die mit klarer Ansage mediale Wirkung erzielt habe. 00:29:15 Vier Erfolge, viel Spott Anhand eines ARD-Berichts zum einjährigen Bestehen des Koalitionsvertrags „Verantwortung für Deutschland" gehen Stefan und Mick die vier Erfolgsmeldungen durch, die ein CSU-Landesgruppenchef im Clip aufzählt: Migrationswende geliefert, Bürgergeld abgeschafft, neuer Wehrdienst eingeführt, Heizungsgesetz vom Kopf auf die Füße gestellt. Stefan rechnet die Bürgergeld-Einsparung auf 80 Cent pro Bürger und Jahr herunter, bezeichnet den Wehrdienst als bloße Personalrekrutierung statt Wehrpflicht und verweist beim Heizungsgesetz auf die geopolitische Abhängigkeit von Trump, dem iranischen Regime und chinesischen Erneuerbare-Anbietern. Eingespielt wird auch Katherina Reiche, die das von ihr so genannte Gebäudemodernisierungsgesetz als Investitions- und Planungssicherheit sowie Technologieoffenheit präsentiert und damit Habecks 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien rückgängig macht, sowie Friedrich Merz mit dem Bild, Deutschland sei kein Schnellboot, sondern ein großes, schweres Schiff. Mick ordnet ein, die Erwartungen an Merz seien von Beginn an im Keller gewesen, der Name „Koalition aus Verantwortung" signalisiere bereits Management statt Gestaltung, und der hin- und herschwimmende Migrationskurs (Merz' Forderung, 80 Prozent der Syrerinnen und Syrer zurückzuführen, gefolgt von der Verkündung, das Migrationsproblem sei gelöst) zeige die Widersprüche. Beide diagnostizieren, dass die Regierung sich von Bild und Nius Erwartungen aufdrängen lasse, an denen sie zwangsläufig scheitere, und ziehen einen Vergleich zum Brexit-Versprechen von 350 Millionen Pfund pro Woche für den NHS. Mick schlussfolgert, eine andere Diskursverschiebung etwa zur Vermögensteuer wäre möglich, wenn die Tagesthemen sie analog zur Bürgergeld-Debatte über Wochen bespielten. 00:45:49 Spahn und die Macht Stefan rahmt Jens Spahn als Hauptfigur einer ARD-Doku zum ersten Jahr Merz und liest dessen Rückblick auf den gescheiterten ersten Kanzlerwahlgang („mein erster Impuls war schade") als bewusst kalkulierte Positionierung gegen Merz. Mick ordnet die Berichterstattung darüber ein und beobachtet eine Parallelität, in der Journalisten wie Robin Alexander einerseits gegen die Regierung schössen, andererseits dem Merz-Projekt aus Mangel an Alternativen Erfolg wünschten. Beide diagnostizieren ein strukturelles Ende des „Kanzlerwahlautomaten": Weder Scholz noch Merz erzeugten noch Adenauer-, Kohl- oder Merkel-artigen personellen Auftrieb, SPD und CDU stünden auf der „Restrampe". Stefan benennt die staatspolitische Verantwortungs-Erzählung, Merz jede Chance einzuräumen, weil danach nur die AfD komme, als genau jenen Modus der Alternativlosigkeit, der die 27-Prozent-AfD weiter wachsen lasse. 00:51:45 Vermögen, SPD und Krisen Stefan spielt einen Heute-Journal-Clip, in dem Lars Klingbeil neben der Einkommenssteuerreform eine höhere Vermögensteuer ins Gespräch bringt und Spitzenverdiener zu mehr Solidarität aufruft; Stefan kontert mit dem Hinweis auf Frankfurter Bekannte, die täglich 100.000 Euro Rendite einstrichen, und kritisiert, dass die SPD die eigentliche Vermögensfrage gar nicht mehr aufwerfe, sondern nur höhere Arbeitseinkommen meine. Mick hält die Vermögensteuer in dieser Koalition für chancenlos und schlägt – wie schon in vorherigen Folgen angesprochen – eine zweite, von der Klingbeil-Spitze gelöste SPD aus Basis und Gewerkschaften vor, die sich als Antiposition für die Zeit nach der Koalition aufstelle. Stefan ergänzt aus eigener Quelle, in Bundestagsfraktion, Ländern und Kommunen „leiden alle unter Lars", teils mehr als unter Merz. Im Tagesthemen-Clip wird Spahn am Jahrestag des Koalitionsvertrags mit 86 Prozent zum Fraktionschef wiedergewählt; Stefan deutet Tag und Ergebnis als bewusste Inszenierung gegen Merz, an dem nun „kein Weg mehr vorbei" führe, während Mick Merz als Gefangenen seiner eigenen Fraktion mit 11 Prozent Beliebtheit beschreibt, dessen Reformherbst und Frühlingsreformen ausgeblieben seien. Die Krisenlage – ausbleibende US-Wende nach den Midterms, fortlaufender Iran-Krieg, Ukraine-Krieg, Xis möglicher Taiwan-Kalkül nach Trumps Besuch – verschärfe diesen Befund; Stefan fürchtet eher drei weitere Iran-Kriege als deren Ende. Ein weiterer Clip zeigt Spahn und SPD-Fraktionschef Miersch, die im Zeitungsinterview ihre Beziehung und gemeinsame Erfolge bei Wehrdienst, europäischer Asylpolitik und Bürgergeldreform betonen; Stefan vergleicht dies mit „Chuck-Schumer-Vibe" und verweist darauf, dass die gemeinsame europäische Asylpolitik unter einem SPD-Kanzler in der Ampel angelegt worden sei. Mick fasst zusammen, dass beide Parteien – CDU bei 24, SPD bei 12 Prozent – politisch im Kern leer seien und im gleichen Modus wie vor 20 Jahren glaubten, ihre Erfolge nur besser vermitteln zu müssen. 01:04:23 CDU und Realität Stefan und Mick ordnen einen Clip aus einer ARD-Doku ein, in dem Alexander Dobrindt die Schuldenbremse als „tiefe Verwundung" der Unionsfraktion beschreibt. Stefan kontrastiert das mit dem Umstand, dass die Koalition mit einem 500-Milliarden-Sondervermögen gestartet ist. 01:05:29 Sondervermögen vor Ort Ein Reportage-Cl