Heute machen wir mal eine Reise in die Vergangenheit: Als das Berliner Sport- und Erholungszentrum SEZ 1981 eröffnet wurde, war es nicht nur für die DDR, sondern europaweit einzigartig. Das multifunktionale Gebäude sah aus wie ein Raumschiff, ein futuristischer Spaßtempel, der nicht nur architektonisch hervorstach, sondern schon im ersten halben Jahr mehr als zwei Millionen Besucher anlockte. Das Herzstück war eine Schwimmlandschaft mit sieben teils ineinander laufenden Becken, Wellenbad, Sprungturm, Kaskadenbecken, Außenbecken, einer Saunalandschaft und so genannten Bräunungsebenen, kurz: Solarien. Doch das SEZ war noch viel mehr: Es gab allein zehn verschiedene gastronomische Einrichtungen, eine Eis- und eine Rollschuhbahn, Fitnessstudios, eine Sporthalle, eine Bowlinganlage, Gymnastik- und Ballettsäle, Veranstaltungsräume, eine Kampfsportschule, einen Friseur, einen Kindersportgarten und vieles, vieles mehr. Es war ein Geschenk der SED, um das Volk bei Laune zu halten, hieß es damals - und das Volk war begeistert. Auch im Westteil der Stadt, dort allerdings auch ein wenig neidisch, denn so eine ungewöhnliche Anlage suchte man hier vergebens. Heute ist das SEZ schon seit vielen Jahren eine Ruine. Eingezäunt, mit blinden Fenstern und voller Graffities liegt das Gebäude völlig leblos an der Landsberger Allee im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Seit Jahren brennt der Streit darum. ob man das SEZ wiederbeleben oder doch besser abreißen soll. Seit Jahren kämpfen Initiativen für den Erhalt, will die Stadt hier lieber Wohnungen bauen. Wir wollten wissen: Wie war das damals eigentlich? Und haben uns sehr gefreut, dass wir einen der letzten Badleiter des SEZ für unseren Podcast gewinnen konnten: Jürgen Reinhardt, mittlerweile 86 Jahre alt. Mit dabei auch die Schwimmmeisterin Brigitte Kabbe, die ihm damals zur Seite stand, sowie die Sportlehrerin Monika List, die sogar 1981 bei der Eröffnung dabei war. Wir treffen uns zum Kaffeeklatsch in Jürgen Reinhardts Wohnung in Berlin-Treptow. Und spätestens als er den Rettungsring hervorholt, den ihm seine damaligen Kollegen und Kolleginnen zum 60. Geburtstag geschenkt haben, schwelgen alle wieder in Erinnerungen. Alle drei haben ihre Arbeit im SEZ über alles geliebt. Und von ihr profitiert: Wer im SEZ angestellt war, konnte eine Neubau-Wohnung aus dem so genannten SEZ-Kontingent bekommen. Jürgen schwärmt vor allem vom Kollektiv, von der Gemeinschaft im SEZ. Brigitte von der herrlichen Schwimmlandschaft, auch wenn man immer wieder aufpassen musste, dass man nicht den Überblick verliert. Wenn sich Erwachsene zu sehr für Kinder interessierten, beispielsweise. Oder jemand die Sanitäranlagen mit Kot verschmierte. Und Monika schwärmt von der Bauzeit des SEZ, die sie ebenfalls schon miterlebt hat: „Das war damals schon herrlich!“ Jürgen erzählt von der Interflug, die im Becken Rettungsversuche geübt hat. Von der Mitternachtssauna. Dem Weihnachtsschwimmen. Und der Love-Parade, die in den 1990ern auch im SEZ mal Station machte. Rund 1000 Sportlehrer:innen arbeiteten zur DDR-Zeit im SEZ, berichtet Monika. Und dass sie mal einen Surf-Kurs ausarbeiten sollte, was sie heute noch amüsiert. Und Brigitte erinnert sich an ganze Busladungen, die angefahren kamen, um das SEZ zu besuchen. Was deutlich wird: Dass der Westen in der Nachwendezeiten solche Lieblingsorte wie das SEZ nicht wertschätzen konnte, dass der Berliner Senat es am Ende zugelassen hat, dass ein solcher Publikumsmagnet erst an einen Investor geht und dann mehr oder weniger verfällt - das trifft nicht nur unsere drei Gesprächspartner bis ins Mark. Auch uns wird nochmal bewusst, wie rüde man damals (und mitunter bis heute) mit dem umgegangen ist, was die Identität vieler Menschen im Osten ausmacht. Denn auch wenn sich die drei am Ende einig sind, dass man das SEZ wohl nicht mehr wiederbeleben kann - der Schmerz über dieses Ende und das Gefühl auch der eigenen Wertlosigkeit wirkt bis heute nach.