Smarte Geräte, Künstliche Intelligenz, Online-Kommunikation – unsere Gesellschaft wird immer digitaler. Doch kaum jemand weiß, dass dieser technische Fortschritt auch zu fortschreitender Ausbeutung führt. Und zwar im globalen Süden. Hier bereichern sich Tech-Konzerne, indem sie seltene Erden und Bodenschätze beanspruchen, und Menschen für einen mickrigen Lohn Datensets verarbeiten lassen. Über diese Art des digitalen Kolonialismus spricht Carolin Emcke im Podcasts mit Sven Hilbig, Digitalexperte und Mit-Autor eines Buches zu genau diesem Thema. >> Hilbig, geboren 1966 in Bremerhaven, hat Rechtswissenschaft in Freiburg und Berlin studiert. In Rio de Janeiro war er Rechtsberater für die brasilianische Menschenrechtsorganisation „Global Justice“. Außerdem arbeitete bei der Heinrich-Böll-Stiftung zu verschiedenen Themen an der Schnittstelle von Ökonomie und Ökologie. Inzwischen arbeitet er bei Brot für die Welt. Hier ist er verantwortlich für die Themen Handelspolitik und Digitalisierung. Sein Buch „Digitaler Kolonialismus“, das er zusammen mit Ingo Dachwitz geschrieben hat, ist für den deutschen Sachbuchpreis nominiert. Technischer Fortschritt verstärkt Ausbeutung - aber es könnte auch anders gehen. Im Podcast spricht Hilbig darüber, wie sich die jahrhundertealten Strukturen des Kolonialismus in der digitalen Welt fortsetzen. Große Tech-Konzerne, insbesondere aus den USA, treiben diese Entwicklung voran. Um ihre Marktmacht auszubauen, beuten sie Ressourcen und Arbeitskraft im globalen Süden aus. „Das ist das Grundmodell, auf dem unsere globale kapitalistische Weltordnung seit 500 Jahren beruht.“ Hilbig kritisiert das „Heilsversprechen“ der Digitalisierung als Motor für die Emanzipation. Hinter diesem Mythos stünden die Interessen der Technologiekonzerne, die Regulierung verhindern und ihre Monopolstellung stärken wollen. Letztlich fußten die gefeierte technische Errungenschaften fast immer auf einer Ausbeutung des globalen Südens. Warum, erklärt der Digitalisierungsexperte im Podcast. Und Sven Hilbig spricht auch darüber, was getan werden könnte, um den ständigen Kreislauf der Ausbeutung zu durchbrechen. Es gebe ihm besondere Hoffnung, dass sich immer mehr Menschen und Staaten gegen die kolonialen Strukturen wehren, die sie benachteiligen. „Es gibt sehr, sehr viele aktive Akteure im globalen Süden. Und wahrscheinlich wird auch die Befreiung aus dem globalen Süden kommen.“ Empfehlung von Sven Hilbig Sven Hilbig empfiehlt den oscarnominierten Essayfilm „Soundtrack to a Coup d'Etat“, der mehrere Entwicklungen nachzeichnet, die bis heute prägend für die Welt sind: Postkolonialismus, Bürgerrechtsbewegungen und Jazz. Der Film bespricht die Ermordung von Patrice Lumumba, dem ersten Premierminister des unabhängigen Kongos. Hilbig sagt, ihn habe die Musik und der Informationsgehalt beeindruckt. Und: „Der Film dauert zweieinhalb Stunden. Und trotzdem ist er kurzweilig.“ Moderation, Redaktion: Carolin Emcke Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt Produktion: Imanuel Pedersen Bildrechte Cover: Olga-Lin Bülau/Bearbeitung SZ Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de - wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.