Nur eine Frage

„Können Maschinen denken?“, „Ist Demokratie die beste Staatsform?“, „Ist Armut erblich?“. Oder: „Existiere ich wirklich?“ Das sind einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, und auf die eine klare Antwort oft schwer zu finden ist. In dem Podcast „Nur eine Frage“ stellen wir diese vermeintlich simplen „Kinderfragen“ – der bestmöglichen Expertin, dem bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden konnten. Wir haken so lange nach, bis wir eine definitive Antwort bekommen, am besten in Form eines klaren „Ja“ oder „Nein“.

  1. Is life just a coincidence, Jack Szostak?

    17 HR AGO

    Is life just a coincidence, Jack Szostak?

    Blausäure, sagt Jack Szostak, sei "ein großartiger Weg, um Leben in Gang zu bringen". Der Satz klingt wie ein Paradox, stammt aber von einem der klügsten Köpfe der Biochemie: Jack Szostak erhielt 2009 den Nobelpreis für Medizin für die Erforschung der Telomere, der Schutzkappen der Chromosomen. Seit vielen Jahren untersucht er, wie vor vier Milliarden Jahren auf der noch jungen, unbelebten Erde das Leben entstand.   Eine schwierige Aufgabe, denn von den Anfängen des Lebens auf der Erde gibt es keine erhaltenen Fossilien. Und zudem ist es schon schwierig, zu definieren, was Leben eigentlich ist. Für Szostak beginnt es dort, wo Darwinsche Evolution einsetzt: sobald ein System sich selbst vervielfältigt, dabei Fehler macht und eine Selektion beginnt. Weiteres Kriterium: Alles irdische Leben auf Erden basiert auf Zellen. Der gemeinsame Vorfahre allen heutigen Lebens – unter Forschern auch Luca genannt (Last Universal Common Ancestor) – muss eine einfache Protozelle gewesen sein, bestehend aus einer primitiven Zellmembran und wahrscheinlich sehr kleinen Stückchen genetischer Information. Jack Szostak glaubt, dass dieser Informationsträger wahrscheinlich aus RNA bestand. Der Grund: RNA-Moleküle können sich selbst kopieren. Umhüllt von einer primitiven Membran, die sich schon aus einfachen Fettsäuren in Wasser selbst bildet, entsteht ein System, das sich selbst erhält. Das ist der Moment, in dem Chemie zu Biologie wird.  Im Gespräch erzählt Szostak, dass die Entstehung des Lebens unvermeidlich und unwahrscheinlich zugleich war: eine Kette physikalisch-chemischer Prozesse, die sich logisch erklären lässt und doch im Rückblick wie ein kosmischer Zufall wirkt. Ob es auch anderswo im Universum Leben gibt? "Vielleicht ist das Leben häufig. Vielleicht sind wir allein", sagt Szostak. "Ich weiß es nicht – und ich bin sehr zufrieden damit, das zuzugeben." Und wenn wir außerirdisches Leben fänden? "Das würde das Bild völlig verändern. Das würde uns sagen: Es ist kein unglaublich seltener und schwieriger Prozess." Doch der Forscher warnt auch: Das Wissen um den Ursprung des Lebens eröffnet gefährliche Möglichkeiten. Würde man ein "Spiegelbild-Bakterium erschaffen – eine exakte, aber molekular invertierte Kopie –, wäre es immun gegen alle bekannten Viren und möglicherweise auch gegen das menschliche Immunsystem. "Das wäre potenziell schlimmer als ein Atomkrieg", sagt Szostak. Und dennoch überwiegt in seinem Denken die Neugier, nicht die Angst. Vielleicht, so hofft er, wird künstliche Intelligenz eines Tages helfen, die letzten fehlenden Glieder der Kette zu finden – oder sogar neues Leben zu simulieren. Produktion: Pool Artists Redaktion: Jens Lubbadeh Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de. Alle N1F-Folgen finden Sie unter www.zeit.de/n1f. Dort können Sie auch den N1F-Newsletter abonnieren.

    46 min
  2. 17 HR AGO

    Ist das Leben ein Zufall, Jack Szostak? (deutsche KI-Übersetzung)

    Blausäure, sagt Jack Szostak, sei "ein großartiger Weg, um Leben in Gang zu bringen". Der Satz klingt wie ein Paradox, stammt aber von einem der klügsten Köpfe der Biochemie: Jack Szostak erhielt 2009 den Nobelpreis für Medizin für die Erforschung der Telomere, der Schutzkappen der Chromosomen. Seit vielen Jahren untersucht er, wie vor vier Milliarden Jahren auf der noch jungen, unbelebten Erde das Leben entstand.   Eine schwierige Aufgabe, denn von den Anfängen des Lebens auf der Erde gibt es keine erhaltenen Fossilien. Und zudem ist es schon schwierig, zu definieren, was Leben eigentlich ist. Für Szostak beginnt es dort, wo Darwinsche Evolution einsetzt: sobald ein System sich selbst vervielfältigt, dabei Fehler macht und eine Selektion beginnt. Weiteres Kriterium: Alles irdische Leben auf Erden basiert auf Zellen. Der gemeinsame Vorfahre allen heutigen Lebens – unter Forschern auch Luca genannt (Last Universal Common Ancestor) – muss eine einfache Protozelle gewesen sein, bestehend aus einer primitiven Zellmembran und wahrscheinlich sehr kleinen Stückchen genetischer Information. Jack Szostak glaubt, dass dieser Informationsträger wahrscheinlich aus RNA bestand. Der Grund: RNA-Moleküle können sich selbst kopieren. Umhüllt von einer primitiven Membran, die sich schon aus einfachen Fettsäuren in Wasser selbst bildet, entsteht ein System, das sich selbst erhält. Das ist der Moment, in dem Chemie zu Biologie wird.  Im Gespräch erzählt Szostak, dass die Entstehung des Lebens unvermeidlich und unwahrscheinlich zugleich war: eine Kette physikalisch-chemischer Prozesse, die sich logisch erklären lässt und doch im Rückblick wie ein kosmischer Zufall wirkt. Ob es auch anderswo im Universum Leben gibt? "Vielleicht ist das Leben häufig. Vielleicht sind wir allein", sagt Szostak. "Ich weiß es nicht – und ich bin sehr zufrieden damit, das zuzugeben." Und wenn wir außerirdisches Leben fänden? "Das würde das Bild völlig verändern. Das würde uns sagen: Es ist kein unglaublich seltener und schwieriger Prozess." Doch der Forscher warnt auch: Das Wissen um den Ursprung des Lebens eröffnet gefährliche Möglichkeiten. Würde man ein "Spiegelbild-Bakterium erschaffen – eine exakte, aber molekular invertierte Kopie –, wäre es immun gegen alle bekannten Viren und möglicherweise auch gegen das menschliche Immunsystem. "Das wäre potenziell schlimmer als ein Atomkrieg", sagt Szostak. Und dennoch überwiegt in seinem Denken die Neugier, nicht die Angst. Vielleicht, so hofft er, wird künstliche Intelligenz eines Tages helfen, die letzten fehlenden Glieder der Kette zu finden – oder sogar neues Leben zu simulieren. Produktion: ifbbw, Pool Artists Redaktion: Jens Lubbadeh Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de. Alle N1F-Folgen finden Sie unter www.zeit.de/n1f. Dort können Sie auch den N1F-Newsletter abonnieren.

    47 min
  3. 25 FEB

    Ist die Welt verrückt, Peter Zoller?

    Im ZEIT-Podcast "Nur eine Frage" stellen wir einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – so lange, bis wir eine definitive Antwort bekommen. In dieser Folge fragen wir den theoretischen Physiker Peter Zoller: Ist die Welt verrückt? Teilchen, die mal Welle, mal Teilchen sind – je nachdem, ob man hinschaut. Verschränkte Objekte, die über Galaxien hinweg instantan verbunden scheinen. Zufall, der nicht auf Unwissen beruht, sondern fundamental in der Natur steckt. 100 Jahre nach ihrer Begründung erscheint die Quantenmechanik noch immer absurd. Werden wir sie jemals verstehen? Peter Zoller ist Professor für Theoretische Physik an der Universität Innsbruck und Emeritus Research Director am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 1995 lieferte er gemeinsam mit Ignacio Cirac einen Bauplan für einen Quantencomputer – das Ionenfallenmodell –, das heute zu den führenden Technologien auf diesem Gebiet gehört. Im Podcast erklärt Zoller die Grundpfeiler der Quantenmechanik: warum das berühmte Doppelspaltexperiment unser Weltbild erschüttert, was Einsteins "spukhafte Fernwirkung" wirklich bedeutet und weshalb die Experimente von Alain Aspect, John Clauser und Anton Zeilinger – ausgezeichnet mit dem Nobelpreis 2022 – Einstein am Ende widerlegten. Er erläutert, warum Schrödingers Katze im Alltag nie gleichzeitig tot und lebendig sein kann und warum der Zufall in der Natur nicht auf Unwissenheit beruht, sondern echt und fundamental ist. Zoller gibt aber auch Einblicke in die Praxis: Wie fängt man einzelne Atome in einer Falle? Warum sind Atome perfekte Qubits – ganz ohne Fabrikationsfehler? Und warum braucht es noch 10 bis 20 Jahre, bis Quantencomputer weltverändernde Anwendungen ermöglichen? Dabei zieht er Parallelen zur künstlichen Intelligenz, deren Grundideen ebenfalls Jahrzehnte brauchten, bevor die Hardware ihren Durchbruch erlaubte. "Unter der Woche sind wir Quanteningenieure", sagt Zoller. "Aber am Sonntagmorgen beim Kaffee denke ich schon nach: Was ist hier eigentlich passiert?" Seine Antwort auf die Titelfrage: "Nicht die Welt ist verrückt – wir denken zu kleinkariert. Die Natur ist viel komplexer und offener, als unser Denken es zulässt. Die Einschränkung liegt bei uns, nicht bei der Welt." Produktion: ifbbw, Pool Artists Redaktion: Jens Lubbadeh Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de.

    1h 6m
  4. 11 FEB

    Englische Originalfolge: Are young people losing trust in traditional media, Richard Edelman?

    Der PR-Chef Richard Edelman erhebt jedes Jahr das "Trust Barometer". Seine Erkenntnisse sind beunruhigend. Für die klassischen Medien hat er ein paar Tipps. Im ZEIT-Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. Morgens die Zeitung aufschlagen, abends die tagesschau im Fernsehen gucken, und am Wochenende den Spiegel oder DIE ZEIT lesen? Über Generationen waren das die Hauptquellen der Deutschen, um sich zu informieren. Diese Zeiten sind vorbei. Es hat eine dramatische Verschiebung stattgefunden: Jüngere Menschen der Gen Z nutzen kaum noch traditionelle Medien und erhalten ihre Informationen vorwiegend oder fast ausschließlich über soziale Medien wie TikTok oder Instagram.  Warum ist das so? Verlieren junge Menschen das Vertrauen in traditionelle Medien? Diese Frage stellen wir in der neuen Ausgabe von Nur eine Frage dem PR-Experten Richard Edelman.  Edelman ist CEO der Kommunikationsberatung Edelman PR. Seit 25 Jahren veröffentlicht er jedes Jahr das Trust Barometer – eine jährliche weltweite Umfrage, in der er das Vertrauen der Menschen in zentrale Institutionen wie Regierung, Unternehmen, Medien und NGOs untersucht. Im N1F-Gespräch erklärt Edelman, dass junge Menschen Institutionen und damit auch den Medien zunehmend misstrauen. Er beschreibt eine Generation, die Nachrichten eher über Peers und Social-Media-Communitys validiert, als auf etablierte Marken und Experten zu vertrauen – eine Entwicklung, die sich seit der Pandemie stark beschleunigt hat. Laut Edelman können fast zwei Drittel der jungen Menschen zudem nicht mehr sicher unterscheiden, ob eine Nachricht von einer seriösen Quelle stammt oder Desinformation ist. Ein Befund, der weitreichende Folgen für Journalismus, Politik und Wirtschaft hat. Mit Blick auf Deutschland verbindet Edelman den Vertrauensrückgang in die Institutionen eng mit wirtschaftlicher Stagnation und Abstiegsängsten. "Nur wenige glauben noch, dass sie mal einen festen Job, ein höheres Einkommen als ihre Eltern oder gar ein eigenes Haus besitzen werden." Die ökonomischen Sorgen – von Jobangst über KI bis hin zu steigenden Lebenshaltungskosten – nähren den Groll unter den Menschen und das Gefühl, vom System benachteiligt zu sein. Eine Entwicklung, die zunehmend besorgniserregend ist und vor allem bei jungen Menschen ausgeprägter wird: Über die Hälfte der jungen Erwachsenen hält inzwischen gewaltsame Aktionen für legitime Mittel der Veränderung. Edelman fordert eine glaubwürdige Zukunftserzählung: "Die Menschen möchten die Chance auf eine Verbesserung ihrer Lage sehen, wenn sie hart arbeiten." Was bedeutet das für die klassischen Medien? "Sie konkurrieren um Aufmerksamkeit, gegen Unterhaltungsangebote wie YouTube, TikTok. Sie sollten das Beste von diesen neuen Medien übernehmen, ohne ihre Kernkompetenzen zu vernachlässigen." Edelman plädiert für mehr Tempo, mehr Authentizität und mehr Persönlichkeit: Journalismus müsse dahin, wo die jungen Zielgruppen sind – mit einer klaren, wiedererkennbaren Stimme, ohne die Sorgfalt bei der Faktenprüfung zu vernachlässigen. Vertrauen entstehe heute "von unten nach oben", betont Edelman. Durch häufigen Kontakt und echte Interaktion. Klassische Medien sollten weniger auf Klickjagd gehen und stattdessen Orientierung liefern: "Sie sollten den Menschen behilflich sein, mit der Geschwindigkeit des Lebens klarzukommen." Und vor allem: Die Menschen beruhigen und ihnen die "Hoffnung für die Zukunft wiedergeben".   Produktion: Pool Artists, Claudius Dobs Animation: Axel Rudolph Redaktion: Jens Lubbadeh Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de. Mehr hören? Dann testen Sie unser Podcast-Abo mit Zugriff auf alle Dokupodcasts und unser Podcast-Archiv. Jetzt 4 Wochen kostenlos testen. Und falls Sie uns nicht nur hören, sondern auch lesen möchten, testen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos DIE ZEIT. Hier geht's zum Angebot.

    34 min
  5. 11 FEB

    KI-Übersetzung: Verlieren junge Menschen das Vertrauen in traditionelle Medien, Richard Edelman?

    Der PR-Chef Richard Edelman erhebt jedes Jahr das "Trust Barometer". Seine Erkenntnisse sind beunruhigend. Für die klassischen Medien hat er ein paar Tipps. Im ZEIT-Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. Morgens die Zeitung aufschlagen, abends die tagesschau im Fernsehen gucken, und am Wochenende den Spiegel oder DIE ZEIT lesen? Über Generationen waren das die Hauptquellen der Deutschen, um sich zu informieren. Vorbei. Es hat eine dramatische Verschiebung stattgefunden: Jüngere Menschen der Gen Z nutzen kaum noch traditionelle Medien und erhalten ihre Informationen vorwiegend oder fast ausschließlich über soziale Medien wie TikTok oder Instagram.  Warum ist das so? Verlieren junge Menschen das Vertrauen in traditionelle Medien? Diese Frage stellen wir in der neuen Ausgabe von Nur eine Frage dem PR-Experten Richard Edelman.  Edelman ist CEO der Kommunikationsberatung Edelman PR. Seit 25 Jahren veröffentlicht er jedes Jahr das Trust Barometer – eine jährliche weltweite Umfrage, in der er das Vertrauen der Menschen in zentrale Institutionen wie Regierung, Unternehmen, Medien und NGOs untersucht. Im N1F-Gespräch erklärt Edelman, dass junge Menschen Institutionen und damit auch den Medien zunehmend misstrauen. Er beschreibt eine Generation, die Nachrichten eher über Peers und Social-Media-Communitys validiert, als auf etablierte Marken und Experten zu vertrauen – eine Entwicklung, die sich seit der Pandemie stark beschleunigt hat. Laut Edelman können fast zwei Drittel der jungen Menschen zudem nicht mehr sicher unterscheiden, ob eine Nachricht von einer seriösen Quelle stammt oder Desinformation ist. Ein Befund, der weitreichende Folgen für Journalismus, Politik und Wirtschaft hat. Mit Blick auf Deutschland verbindet Edelman den Vertrauensrückgang in die Institutionen eng mit wirtschaftlicher Stagnation und Abstiegsängsten. "Nur wenige glauben noch, dass sie mal einen festen Job, ein höheres Einkommen als ihre Eltern oder gar ein eigenes Haus besitzen werden." Die ökonomischen Sorgen – von Jobangst über KI bis hin zu steigenden Lebenshaltungskosten – nähren den Groll unter den Menschen und das Gefühl, vom System benachteiligt zu sein. Eine Entwicklung, die zunehmend besorgniserregend ist und vor allem bei jungen Menschen ausgeprägter wird: Über die Hälfte der jungen Erwachsenen hält inzwischen gewaltsame Aktionen für legitime Mittel der Veränderung. Edelman fordert eine glaubwürdige Zukunftserzählung: "Die Menschen möchten die Chance auf eine Verbesserung ihrer Lage sehen, wenn sie hart arbeiten." Was bedeutet das für die klassischen Medien? "Sie konkurrieren um Aufmerksamkeit, gegen Unterhaltungsangebote wie YouTube, TikTok. Sie sollten das Beste von diesen neuen Medien übernehmen, ohne ihre Kernkompetenzen zu vernachlässigen." Edelman plädiert für mehr Tempo, mehr Authentizität und mehr Persönlichkeit: Journalismus müsse dahin, wo die jungen Zielgruppen sind – mit einer klaren, wiedererkennbaren Stimme, ohne die Sorgfalt bei der Faktenprüfung zu vernachlässigen. Vertrauen entstehe heute "von unten nach oben", betont Edelman. Durch häufigen Kontakt und echte Interaktion. Klassische Medien sollten weniger auf Klickjagd gehen und stattdessen Orientierung liefern: "Sie sollten den Menschen behilflich sein, mit der Geschwindigkeit des Lebens klarzukommen." Und vor allem: Die Menschen beruhigen und ihnen die "Hoffnung für die Zukunft wiedergeben". Produktion: Pool Artists, Claudius Dobs Animation: Axel Rudolph Redaktion: Jens Lubbadeh Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de. Mehr hören? Dann testen Sie unser Podcast-Abo mit Zugriff auf alle Dokupodcasts und unser Podcast-Archiv. Jetzt 4 Wochen kostenlos testen. Und falls Sie uns nicht nur hören, sondern auch lesen möchten, testen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos DIE ZEIT. Hier geht's zum Angebot.

    31 min
  6. Zerstört das Internet die Demokratie, Ralph Hertwig?

    28 JAN

    Zerstört das Internet die Demokratie, Ralph Hertwig?

    Im neuen Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, Antworten zu bekommen. In dieser Folge geht es um eine der womöglich größten menschlichen Errungenschaften: das Internet. Anfangs wurde es bejubelt als Raum grenzenloser Meinungsfreiheit, der weltweit Demokratiebestrebungen befördern würde. Die Realität heute ist eine andere: Social-Media-Plattformen wie X und Instagram dominieren den digitalen Raum, ihre Algorithmen belohnen Aufregung, während Fake-News, Hass und Hetze nur zögerlich oder gar nicht eingedämmt werden. Hat sich die Demokratie-Maschine Internet ins Gegenteil verkehrt? Zerstört das Internet die Demokratie – das fragen wir dieses Mal bei "Nur eine Frage" den Psychologen und Entscheidungsforscher Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs Adaptive Rationalität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Er beschäftigt sich seit rund fünf Jahren mit den Auswirkungen der Digitalisierung und der sozialen Medien auf die Demokratie – eine Zeit, in der ein Großteil der Forschung hierzu erst entstanden ist. Die Forschung zum Thema ist schwierig: Zum einen lassen sich in der Realität im Vergleich zu Laborbedingungen viel schlechter belastbare Experimente durchführen. Zum anderen ließen die Betreiber der Plattformen kaum unabhängige Forschung zu ihren Effekten zu – sie halten die Algorithmen unter Verschluss, um Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen digitalen Medien und demokratischen Gesellschaften sind zudem komplex, betont Hertwig. Sich ihre Einflüsse auf demokratische Prozesse anzusehen, sei aber dennoch wichtig – gerade weil sie so verschiedenartig sind. Laut einer Metaanalyse von Hertwig und seinem Forschungsteam können digitale Medien sowohl positive als auch negative Effekte auf Demokratien haben. Positiv wirkt sich offenbar aus, dass Menschen sich Wissen aneignen, politisch teilhaben und unterschiedliche Meinungen kennenlernen können. Zugleich korreliere das Aufkommen digitaler Medien allerdings auch mit Vertrauensverlust in Institutionen, wachsender Polarisierung sowie mehr Hass und Fehlinformationen. Dennoch: Man könne die aktuellen Krisen der Demokratie nicht ausschließlich mit sozialen Medien erklären, sagt der Forscher. Hertwig hebt bestimmte Geschäftsmodelle der großen Plattformen hervor. Ihre Algorithmen, die nach der Logik der sogenannten Aufmerksamkeitsökonomie funktionieren, könnten demokratieschädliche Effekte fördern und extreme Positionen und polarisierende Inhalte favorisieren. Wenn Realitäten verzerrt, Menschen getäuscht und Filterblasen gefördert werden, um Nutzerinteraktionen zu steigern, schade das der Demokratie, sagt Hertwig. Trotz allem plädiert Hertwig für Optimismus. Maßnahmen wie digitale Bildung, Förderung kritischer Denkweisen und kluge Regulierung der Plattformen könnten negative Effekte eingrenzen. Produktion: ifbbw Redaktion: Carl Friedrichs, Jens Lubbadeh Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de.

    1h 17m
  7. 14 JAN · VIDEO

    Muss es Kriege geben, Herfried Münkler?

    Im neuen Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu bekommen. Seit Jahrhunderten träumt die Menschheit vom ewigen Frieden und führt doch stetig weiter Kriege. Warum kämpfen Menschen gegen Menschen und bringen einander um – obwohl fast alle Weltreligionen das Töten von Menschen verbieten, obwohl es die Menschenrechte gibt, obwohl die UN-Charta gebietet, den Weltfrieden zu wahren? Muss es Kriege geben? Das fragen wir bei "Nur eine Frage" dieses Mal den Politologen Herfried Münkler. Münkler hält eine Welt ohne Kriege für Wunschdenken: "Angesichts der Welt, in der wir leben, ist es nicht vorstellbar, dass es in absehbarer Zeit keine Kriege gibt." Der Grund: Es gibt keinen Hüter einer friedlichen Ordnung. "Die Geschichte der Vereinten Nationen vor dieser Aufgabe ist eine des Versagens", sagt er. Herfried Münkler ist der einflussreichste lebende deutsche Politologe und Autor von mehr als 30 Büchern. Er hat mehrere Bundeskanzler beraten, die ZEIT nannte ihn einen "Ein-Mann-Think-Tank". Seine Kritiker hingegen schimpften ihn schon einen "Extremisten der Mitte". Dennoch wurden Münklers 2002 und 2006 erschienene Werke "Die neuen Kriege" und "Wandel des Krieges" zu Bestsellern. Darin attestiert er eine Rückkehr zu "unordentlichen Kriegsformen", was sich maßgeblich in der Privatisierung und Asymmetrierung sowie Demilitarisierung der Kriege äußere. In seinem neuesten Werk "Macht im Umbruch" analysiert Münkler die Verschiebungen einer multipolaren und nicht länger regelbasierten Weltordnung des 21. Jahrhunderts und die Herausforderungen, denen sich Deutschland und Europa stellen müssen. Im Gespräch erklärt der Politologe Münkler, dass Kriege überhaupt erst mit der Sesshaftwerdung des Menschen aufkamen – erst jetzt habe es sich gelohnt, Orte mit ihren Ressourcen und Bewohnern zu verteidigen, statt Konflikten aus dem Weg zu gehen. So hätten es die Jäger- und Sammlergesellschaften davor getan, obwohl auch sie den Zustand latenter Gewalt kannten. Münkler zeichnet nach, wie sich Kriegsführung seit der Sesshaftwerdung entwickelt hat: von der frühzeitlichen Schlacht an der Tollense, über den Dreißigjährigen Krieg bis zur Zeit der Kabinettskriege und den Totalen Kriegen der Moderne. Münkler betont, dass die Auffassung von Krieg und Frieden als zwei unterschiedliche "politische Aggregatzustände" erst relativ spät aufkommt und erklärt, warum das trotz der Negativität des Krieges als zivilisatorische Errungenschaft gelten kann. Letztlich aber sei der Frieden immer auch eine Zeit zur Vorbereitung für den Ernstfall gewesen – ganz im Sinne des Philosophen Thomas Hobbes, sagt Münkler. Warum der Krieg trotz vermeintlicher zivilisatorischer Fortschritte und angesichts technologischer Errungenschaft ein ständiger und kostspieliger Begleiter der Politik bleibt, warum sich junge Männer zum Teil nach einer "Flucht aus dem Frieden" sehnen und ob künstliche Intelligenz eines Tages Kriege ohne Menschen möglich machen könnte – das und mehr erfahren Sie in der neuen Ausgabe von Nur eine Frage (N1F). Produktion: ifbbw Redaktion: Carl Friedrichs, Jens Lubbadeh Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier: https://www.zeit.de/serie/nur-eine-frage-podcast Abonnieren Sie auch unseren N1F-Newsletter: https://www.zeit.de/serie/nur-eine-frage Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de.

    1h 38m
  8. 17/12/2025 · VIDEO

    Gibt es Gott, Heino Falcke?

    Im neuen Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu bekommen. In dieser Folge geht es um die Frage aller Fragen: Gibt es Gott? Wir haben sie Heino Falcke gestellt, Astrophysiker an der Radboud-Universität in Nimwegen. Falcke gilt als führender Radioastronom und erlangte weltweite Bekanntheit, als er 2019 die erste Aufnahme eines Schwarzen Lochs präsentierte. Für Falcke, der bekennender Christ ist, ist der Glaube kein Widerspruch zur Wissenschaft – sondern eine Ergänzung. Der Astrophysiker verbindet seine wissenschaftliche Arbeit mit philosophischen Fragen nach dem Universum und dem Glauben. Er schreibt darüber auch in seinem neuen Buch "Zwischen Urknall und Apokalypse – die große Geschichte unseres Planeten". Falcke erklärt, dass der Urknall, die Naturgesetze und selbst die Quantenunsicherheiten für ihn nicht den Glauben verdrängen, sondern Staunen wecken: Das Universum sei nicht vollständig erklärbar, sondern in seinem Ursprung letztlich geheimnisvoll. Die Wissenschaft könne beschreiben, wie Dinge passieren, nicht aber warum. Was die Physik offenlässt, fülle für ihn der Glaube – nicht als Lückenfüller, sondern als Ausdruck von Ehrfurcht und Demut gegenüber dem Unverfügbaren. Er spricht über die Rolle des katholischen Priesters Georges Lemaître, der die Urknalltheorie begründet hat, über die Möglichkeit von Multiversen, und über die faszinierende Tatsache, dass sich das Universum selbst so entwickelt habe, dass Bewusstsein und Persönlichkeit entstehen konnten. Dass die Welt überhaupt verständlich ist, sieht Falcke als "zweites Wunder". Falcke erzählt, dass der Glaube für ihn auf Erfahrungen und Vertrauen gründet – nicht auf Beweisen. Das Beten sei für ihn eine Konversation mit Gott und dem Universum. Am Ende sei der Glaube ein Akt des Vertrauens, sagt Falcke, aber einer, der sein Denken und Forschen beflügelt. Als das berühmte Bild des Schwarzen Lochs entstand, habe er ein Dankgebet gesprochen. Produktion: ifbbw - Institut für Bildbewegung Redaktion: Jens Lubbadeh Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de.

    1h 12m

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„Können Maschinen denken?“, „Ist Demokratie die beste Staatsform?“, „Ist Armut erblich?“. Oder: „Existiere ich wirklich?“ Das sind einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, und auf die eine klare Antwort oft schwer zu finden ist. In dem Podcast „Nur eine Frage“ stellen wir diese vermeintlich simplen „Kinderfragen“ – der bestmöglichen Expertin, dem bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden konnten. Wir haken so lange nach, bis wir eine definitive Antwort bekommen, am besten in Form eines klaren „Ja“ oder „Nein“.

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