SZ-Korrespondentin Lea Sahay lebt seit mehr als zehn Jahren in China. Im Podcast „Ist das gerecht?“ berichtet sie über ihr persönliches Ende des chinesischen Traums. Um zu verstehen, was da passiert ist, musste Lea Sahay es aufschreiben. Die Korrespondentin der SZ lebt seit mehr als zehn Jahren in China. In einem Land, das sie sehr liebt – und dessen Politik unter Machthaber Xi Jinping den schlimmsten Moment ihres Lebens herbeigeführt hat. In ihrem Buch „Das Ende des Chinesischen Traums: Leben in Xi Jinpings neuem China“ erzählt Sahay von der Krankheit ihres damals acht Monate alten Sohnes – im Herbst 2022, mitten in der Corona-Pandemie. „Es war eine fürchterliche Zeit“, sagt Sahay im Gespräch mit dem SZ-Redakteur und Podcast-Host Ronen Steinke. China setzte auf eine Zero-Covid-Strategie: Ein einziger Fall, bei dem sich ein Mensch in China mit dem Virus infizierte, war einer zu viel. Viertel und ganze Städte wurden monatelang abgeriegelt, um die Zahl der Fälle so gering wie möglich zu halten. Damit hatte das Land Erfolg – bis die Omikron-Variante kam. „Das war im Prinzip, als würde man versuchen, den Wind einzufangen“, sagt Sahay. Chinas harte Corona-Politik funktionierte nicht mehr. Besonders deutlich habe sich das in Shanghai gezeigt, wo sich das Virus schnell ausbreitete und die medizinische Versorgung beinahe zusammenbrach. Infizierte, die in Quarantänezentren gesteckt wurden, und Seuchenwächter, die in Wohnungen einbrachen – das sei für Chinesen „ein unfassbarer Schock“ gewesen. Die Kommunistische Partei habe in den Augen vieler im Land Wohlstand gebracht und China zu einer Weltmacht aufsteigen lassen. Nun hielt sie trotz rasant steigender Fälle an ihrer Null-Covid-Strategie fest. Was laut Sahay vor allem daran lag, dass Xi Jinping das Gesicht der harten Corona-Politik gewesen sei. China habe zeigen wollen, dass der Rest der Welt mit der Pandemie überfordert sei, dass es das bessere politische System habe. In genau dieser Zeit erkrankte Sahays Sohn schwer. Sie ging mit ihm in eine Notaufnahme in Peking und die Ärzte verhielten sich so, wie es die Partei von ihnen verlangte: „Sie sagten: ‚Ohne einen Corona-Test können wir ihn nicht unmittelbar behandeln.‘“ Ein Corona-Test, erinnert sich Sahay, dauerte damals um die zwei Stunden. Krankenschwestern hätten Ärzte angefleht, eine Ausnahme zu machen. „Mir war eigentlich sofort klar, dass es keinen Weg gibt, diese Regel zu umgehen. Man kann sich außerhalb von China wahrscheinlich schwer vorstellen, was für ein Druck innerhalb so eines Systems herrscht“, sagt Sahay. Fälle wie diese hätten sich in China tausendfach abgespielt. Lea Sahay habe damals „ein neues China“ kennengelernt, erzählt die Korrespondentin im Podcast „Ist das gerecht?“. Ein China, wo es so viel Schwieriges, aber auch Gutes gebe. „Die Ärzte haben mit aller Kraft um das Leben meines Sohns gekämpft.“ Ihr Sohn sei trotz der langen Wartezeit in der Notaufnahme wieder gesund geworden, er lebe heute in einem „tollen Umfeld“. Wo die Menschen unheimlich freundlich zu Kindern seien und viel kreativer, als man es in Deutschland vermuten würde. Warum diese Kreativität ein Grund für den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas ist und warum das chinesische Modell trotzdem nicht zum Vorbild für die deutsche Wirtschaft taugt, erfahren Sie im Podcast. Jeden zweiten Freitag erscheint eine neue Folge von „Ist das gerecht?“. Die neue Folge ist jeweils die ersten beiden Wochen kostenlos. Alle Folgen jetzt mit SZ Plus hören auf SZ.de oder auf Spotify. Moderation: Ronen Steinke Redaktion, Text und Produktion: Justin Patchett Bildrechte Cover: Stefanie Preuin / Bearbeitung SZ Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.