5 Minus

Dr. Laura Dalhaus

5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel. Das Gesundheitssystem kollabiert und das hat Konsequenzen. Darüber spreche ich mit Menschen, um Ideen und Lösungswege zu entwickeln. Denn Politik hat leider in den letzten 20 Jahren bewiesen, dass sie es aus unterschiedlichen Gründen nicht kann. Wir starten einen Versuch. https://linktr.ee/LauraDalhaus

  1. 15 hr ago

    Was das GKV-Spargesetz mit der Orthopädie macht | Mario Werner

    Dr. Laura Dalhaus wird häufig vorgeworfen, Fachärzt:innen zu hart zu kritisieren. Genau deshalb hat sie sich für diese Folge Unterstützung aus der Orthopädie geholt: Mario Werner. Die Aufnahme findet an einem Tag statt, an dem gleich zwei gesundheitspolitische Entscheidungen für Diskussionen sorgen – die Abschaffung der telefonischen AU und die Ankündigung einer Termingarantie für Fachärzt:innen durch den Bundeskanzler. Für Mario steht fest: Das GKV-Spargesetz wird die ambulante Versorgung massiv belasten. Schon heute sei es für viele Praxen kaum noch möglich, wirtschaftlich zu arbeiten. Dabei beschäftigt der ambulante Sektor mehr Menschen als die Pharmaindustrie – ein Umstand, der in der politischen Debatte aus seiner Sicht viel zu wenig Beachtung findet. In der Orthopädie beträgt die Grundpauschale rund 25 Euro. Dafür sollen eine qualifizierte Beratung, Untersuchung und Behandlung innerhalb eines Unternehmens mit Mitarbeitenden erbracht werden. Unter diesen Bedingungen lässt sich wirtschaftlich nur ein sehr begrenztes Zeitfenster pro Patient:in darstellen. Mehrere Beschwerden in einer Sprechstunde zu behandeln, scheitert häufig schon an den Vorgaben des WANZ-Prinzips. Mario sieht darin vor allem ein Informationsproblem. Vielen Entscheidungsträgern sei nicht bewusst, unter welchen Rahmenbedingungen ambulante Medizin tatsächlich stattfindet. Laura beobachtet außerdem, dass die konservative Orthopädie immer weiter an Bedeutung verliert. Gemeinsam nehmen die beiden dafür die Versorgung einer Handgelenksfraktur als Beispiel. Für ein Röntgenbild erhalten Orthopäd:innen lediglich etwa 12 Euro – unabhängig davon, dass vor einer Operation, danach und während der Heilungsphase mehrfach geröntgt werden muss. Zusätzliche extrabudgetäre Vergütungen über den Hausarztvermittlungsfall fallen mit dem GKV-Spargesetz ebenfalls weg. Auch notwendige Investitionen lassen sich kaum finanzieren. Ein hochwertiges Ultraschallgerät kostet rund 40.000 Euro und kann über die Vergütung der gesetzlichen Krankenversicherung praktisch nicht refinanziert werden. Für Laura und Mario ist das Ausdruck einer strukturellen Unterfinanzierung. Gleichzeitig fordert die Politik immer mehr Ambulantisierung. Aus ihrer Sicht passt das schlicht nicht zusammen und ist das Ergebnis jahrelanger gesundheitspolitischer Fehlentscheidungen. Mario hat sich bewusst für seinen Beruf entschieden und zusätzlich die Fortbildung Chirotherapie absolviert. Vergütet wird diese Leistung jedoch lediglich mit fünf bis sechs Euro – deutlich zu wenig, um den Aufwand der Weiterbildung oder die notwendige Behandlungszeit abzubilden. Vor allem fehlt ihm die Möglichkeit, Patient:innen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie eigentlich benötigen. Laura macht deutlich, welche Folgen dieser Zeitdruck hat. Sie befürchtet, dass sich gesundheitliche Versorgung künftig immer stärker am Geldbeutel orientiert. Für sie bestätigt sich damit erneut: Armut macht krank – und Krankheit macht arm. Mit gesetzlich versicherten Patient:innen lassen sich häufig gerade einmal die laufenden Kosten einer Praxis decken. Das Einkommen der Praxisinhaber:innen wird vielfach erst durch Privatpatient:innen erwirtschaftet. Gleichzeitig tragen Selbstständige sämtliche wirtschaftlichen Risiken – von Krankheit bis zum Praxisausfall – selbst. Für beide ist klar: Eine stabile Gesundheitsversorgung ist eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren eines Landes. Ein weiterer Dauerbrenner ist die Bürokratie. Sie bindet inzwischen so viele Ressourcen, dass in Lauras Praxis regelmäßig eine ärztliche Kraft einen kompletten Tag ausschließlich für Formulare, Anträge und Dokumentation einplant. Laura ist überzeugt, dass die Stimmung in der Ärzteschaft deutlich besser wäre, wenn die Politik medizinische Expertise ernster nehmen würde. Schließlich investieren viele Ärzt:innen rund zwölf Jahre in ihre Aus- und Weiterbildung, bevor sie als Fachärzt:innen tätig sein können. Auch Mario sieht Herausforderungen außerhalb der Politik. Viele Patient:innen unterschätzen, wie eng der Handlungsspielraum von Ärzt:innen inzwischen durch gesetzliche und wirtschaftliche Vorgaben geworden ist. Besonders kritisch bewertet Laura die angekündigte Termingarantie. Für sie gehört die Gestaltung des Terminkalenders zur unternehmerischen Freiheit und damit zur ärztlichen Selbstständigkeit. Gleichzeitig entsteht bei ihr der Eindruck, dass die Interessen großer Lobbys – etwa der Lebensmittelindustrie oder der Pharmaindustrie – politisch deutlich stärker berücksichtigt werden als die derjenigen, die täglich die medizinische Versorgung sicherstellen. Mehr über Mario: https://ortho-prevent.de   https://www.linkedin.com/in/mario-werner-9b8a66135/   https://www.instagram.com/orthoprevent/ Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/

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  2. 28 Jul

    Evidence-Based-Medicine statt Pharma-Interessen | Günther Egidi

    Jeder aus der Medizin-Bubble kennt ihn als kritischen Kommentator und überzeugten Verfechter der Evidence-Based-Medicine: Günther Egidi. In dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ spricht Dr. Laura Dalhaus mit dem ehemaligen Hausarzt, der 25 Jahre in der hausärztlichen Versorgung tätig war und an 20 bis 30 Leitlinien mitgearbeitet hat – und das teilweise bis heute, obwohl er bereits im Ruhestand ist. Günther ist überzeugt: Im Gesundheitssystem ist grundsätzlich genug Geld vorhanden. Das eigentliche Problem sieht er in einer gleichzeitigen Über-, Unter- und Fehlversorgung. An vielen Stellen werde Medizin erbracht, die keinen echten Mehrwert bietet und wertvolle Ressourcen bindet. Deshalb bewertet er einzelne Maßnahmen des GKV-Spargesetzes durchaus positiv. Dazu gehören beispielsweise das Aus des Hautkrebsscreenings sowie der Wegfall der zusätzlichen Vergütung für Terminservicestellen. Kritisch sieht er dagegen steigende Zuzahlungen für Patient:innen und die hohen Gewinne der Pharma-Industrie. Laura und Günther diskutieren über die Preisgestaltung von Medikamenten sowie den Umgang Deutschlands mit der Pharma-Branche. Laura schildert dazu den deutlichen Preisanstieg von Jardiance nach der Anerkennung eines Zusatznutzens. Auch beim Thema Prävention vertreten beide differenzierte Positionen. Günther spricht bewusst lieber von Gesundheitsuntersuchungen als von Check-up-Untersuchungen. Der Begriff „Check-up“ vermittle den Eindruck, der menschliche Körper funktioniere wie ein Auto beim TÜV. Gerade in diesem Bereich erkennt er erhebliche Überversorgung. Besonders bei älteren Menschen sieht er einen deutlich größeren präventiven Effekt darin, Einsamkeit zu verhindern. Gleichzeitig entstehen immer mehr Angebote außerhalb der klassischen Versorgung – etwa Bluttests, Stuhluntersuchungen oder Urinuntersuchungen. Die Ergebnisse landen am Ende jedoch wieder in den Hausarztpraxen, wo sie eingeordnet werden müssen. Laura bezeichnet diese Entwicklung als unethische Medizin. In diesem Zusammenhang erklärt Günther das Konzept der „Number needed to treat“: Wie viele Menschen müssen behandelt werden, damit eine einzige Person tatsächlich profitiert? Ergänzend spricht er über die „Time needed to treat“, also den zeitlichen Aufwand, der notwendig ist, um einen Behandlungserfolg zu erzielen. Für Günther gehört eine umfassende Aufklärung über Vor- und Nachteile medizinischer Maßnahmen zu den Kernaufgaben des Arztberufs. Wer Patient:innen diese Informationen vorenthält, begeht aus seiner Sicht einen Kunstfehler. Ebenso wichtig ist für Laura die „Number needed to harm“. Sie beschreibt, bei wie vielen behandelten Patient:innen relevante Nebenwirkungen oder Schäden auftreten. Gerade bei älteren Menschen steigen Nutzen und Risiko häufig parallel an. Medizinische Entscheidungen bewegen sich deshalb selten in einem Schwarz-Weiß-Schema – vielmehr müssen Risiken und Nutzen immer individuell gegeneinander abgewogen werden. Die beiden sprechen außerdem über ökonomische Interessen im Gesundheitssystem. Für Volkskrankheiten wie Diabetes besteht ein großer wirtschaftlicher Markt, weil Betroffene häufig lebenslang Medikamente benötigen. Andere Erkrankungen, beispielsweise psychische Erkrankungen, sind wirtschaftlich deutlich weniger attraktiv – obwohl sie auf der Morbiditäts-Mortalitätsliste mittlerweile Herz-Kreislauf-Erkrankungen überholt haben. Laura und Günther teilen die Überzeugung: Armut macht krank und Krankheit macht arm. Mit Blick auf das GKV-Spargesetz erwartet Laura außerdem, dass sich immer mehr Ärzt:innen gezwungen sehen werden, Privatsprechstunden und Selbstzahlerleistungen auszubauen. Das Nebeneinander von Über-, Unter- und Fehlversorgung zeigt sich für Günther besonders deutlich: Während Herzkatheter in vielen Bereichen übermäßig eingesetzt werden, herrscht beispielsweise in der Rheumatologie eine erhebliche Unterversorgung. Doch wie lässt sich das Gesundheitssystem sinnvoll steuern? Eine Staatsmedizin nach britischem Vorbild hält Laura nicht für die Lösung. Stattdessen plädiert Günther für ein demokratisch kontrolliertes und transparentes System, in dem Priorisierung – ausdrücklich nicht Rationierung – offen diskutiert und nachvollziehbar entschieden wird. Ergänzend fordert er eine kleinräumige Bedarfsplanung. Seine Überlegungen reichen sogar bis in die ärztliche Ausbildung. Derzeit können sich Medizinstudierende frei für alle Fachrichtungen entscheiden, ohne dass systematisch berücksichtigt wird, in welchen Bereichen künftig tatsächlich wie viele Spezialist:innen benötigt werden. Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/

    Evidence-Based-Medicine statt Pharma-Interessen | Günther Egidi
  3. 21 Jul

    Orthopädietechnik - ein Handwerk, das unter dem GKV-Spargesetz leiden muss | Diana Zollfrank

    Welche Auswirkungen hat das GKV-Spargesetz auf Ärzt:innen, die Physiotherapie und die Pflege? Darüber wird derzeit viel gesprochen. Eine Berufsgruppe gerät dabei jedoch kaum in den Fokus: die Orthopädie-Technik. Dabei ist sie für schwer betroffene Patient:innen, Schwerkranke sowie Kinder und Jugendliche unverzichtbar. Ohne die Versorgung mit passenden Hilfsmitteln sind Teilhabe, Lebensqualität und häufig auch der Erfolg einer Therapie kaum möglich. Trotzdem verfügt dieser Bereich über nur wenig politische Lobby. Deshalb spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Diana Zollfrank, Orthopädietechnik-Meisterin. Diana gibt einen Einblick in ihren Arbeitsalltag und erklärt, welche Hilfsmittel in der Orthopädie-Technik gefertigt und angepasst werden. Dazu gehören unter anderem Bandagen, Kompressionsstrümpfe, Orthesen, Prothesen, orthopädische Schuhe und viele weitere individuelle Versorgungen. Eigentlich verfolgt auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken das Ziel, Pflegebedürftigkeit möglichst lange zu verhindern. Für Laura sind deshalb gerade Heil- und Hilfsmittel ein entscheidender Baustein, damit Menschen möglichst lange selbstständig in ihrer Häuslichkeit leben können. Umso weniger nachvollziehbar ist für sie, dass das GKV-Spargesetz ausgerechnet in diesem Bereich einen Pauschalabzug von drei Prozent vorsieht. In ihrer hausärztlichen Praxis überweist Laura Patient:innen deshalb bewusst in ein Sanitätshaus. Dort erhalten sie eine fachkundige Beratung und kommen anschließend mit einem Verordnungsvorschlag zurück. Aus ihrer Sicht sollten Entscheidungen über Hilfsmittel von denjenigen getroffen werden, die täglich damit arbeiten. Eine Hausärztin muss schließlich nicht beurteilen, welcher Sitzwinkel für einen Rollstuhl individuell der richtige ist. Wie komplex das System inzwischen geworden ist, schildert Diana anhand ihrer täglichen Arbeit. Sie verwaltet rund 700 Verträge mit 95 Krankenkassen in insgesamt 39 Produktgruppen. Alle zwei Jahre stehen neue Vertragsverhandlungen an. Gleichzeitig reicht bereits ein kleiner Formfehler aus, damit eine Versorgung unter Umständen gar nicht vergütet wird. Hinzu kommt ein kaum nachvollziehbares Steuersystem: Für Hilfsmittel gelten je nach Produkt sieben oder 19 Prozent Mehrwertsteuer – teilweise sogar innerhalb derselben Produktgruppe. Auch die Orthopädie-Technik leidet unter einem erheblichen Fachkräftemangel. Statistisch kommen auf 100 offene Stellen lediglich 18 qualifizierte Bewerber:innen. Für Laura ist deshalb klar, dass der Beruf deutlich mehr Aufmerksamkeit braucht und die Ausbildung stärker beworben werden sollte. Laura sieht durchaus, dass viele Hilfsmittel individuell angepasst werden müssen. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Krankheitsbilder, bei denen standardisierte Lösungen möglich wären. Ihr Vorschlag: Für bestimmte Diagnosen sollte direkt eine definierte Gruppe an Hilfsmitteln verordnet werden können. Das würde viele Genehmigungsprozesse vereinfachen und die Antragsflut deutlich reduzieren. Die Folgen der aktuellen Vertragsstrukturen wirken teilweise absurd. So wird ein Rollstuhl manchmal von einem Sanitätshaus geliefert, das über 100 Kilometer entfernt liegt, oder eine Matratze landet lediglich an der Bordsteinkante einer älteren Person – nur weil zwischen der Krankenkasse und dem örtlichen Sanitätshaus kein Vertrag besteht. Auch die langen Bearbeitungszeiten der Krankenkassen stellen ein großes Problem dar. Auf einen Rollstuhl warten Betroffene teilweise sechs bis acht Wochen. Gerade bei Kindern kann das dazu führen, dass das Hilfsmittel bei der Genehmigung bereits nicht mehr optimal passt, weil sie in dieser Zeit gewachsen sind. Zusätzlich werden nahezu 50 Prozent aller Anträge vom Medizinischen Dienst (MD) überprüft, was die Versorgung häufig weiter verzögert. Für Diana ist Orthopädie-Technik weit mehr als ein Beruf – sie versteht ihr Handwerk als Hilfe für Menschen, die auf individuelle Hilfsmittel angewiesen sind. Genau deshalb richtet Laura zum Schluss einen klaren Appell an die Politik: Wer Pflege vermeiden, Selbstständigkeit erhalten und Teilhabe ermöglichen möchte, darf die Orthopädie-Technik nicht weiter ausbremsen. Jetzt braucht nicht nur die Versorgung Unterstützung – sondern auch das Handwerk, das sie überhaupt erst möglich macht. Zur Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/alarmstufe-rot-individuelle-hilfsmittelversorgung-sichern-3-pauschalabschlag-streichen Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/

    Orthopädietechnik - ein Handwerk, das unter dem GKV-Spargesetz leiden muss | Diana Zollfrank
  4. 19 Jul

    Die ePA und wie wir durch das GeDIG zum gläsernen Patienten werden | Laura Dalhaus

    Gerne – etwas zugespitzter, aber weiterhin sachlich und im Stil von Laura: Habt ihr schon vom GeDIG gehört – dem Gesetz für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen? Der Name klingt nach Fortschritt. Für Dr. Laura Dalhaus steckt dahinter allerdings ein Digitalgesetz mit erheblichem Konfliktpotenzial. Das Bundesgesundheitsministerium bewirbt das Gesetz aus dem Jahr 2024 als wichtigen Schritt in Richtung Digitalisierung und europäischen Gesundheitsdatenraum. Doch je tiefer Laura in den Gesetzestext eintaucht, desto mehr stellt sich für sie die Frage: Geht es hier noch um Digitalisierung – oder längst um Kontrolle? Nach den Plänen sollen Krankenkassen künftig Patientendaten anonymisieren und weiterverarbeiten dürfen. Mit entsprechender Einwilligung könnten sie zusätzlich Informationen wie Ernährungsgewohnheiten, Raucherstatus oder Körpergewicht erfassen und auswerten. Dabei macht Laura eines ganz deutlich: Sie ist überzeugte Befürworterin der elektronischen Patientenakte (ePA), der Digitalisierung und einer starken Prävention. Was sie jedoch entschieden ablehnt, ist eine Entwicklung, bei der Krankenkassen zunehmend in die Rolle der Behandler schlüpfen. Auch der Berufsverband Deutscher Psycholog:innen warnt vor den geplanten Regelungen. Künftig könnten Betriebsärzt:innen ohne ausdrückliche Zustimmung umfassenden Zugriff auf Inhalte der ePA erhalten – darunter psychiatrische Befunde, Persönlichkeitsdiagnostik und Entlassbriefe. Für Laura ist das ein direkter Angriff auf das Arztgeheimnis. Und sie betont: Diese Kritik kommt nicht von einzelnen Stimmen, sondern wird von vielen Ärzt:innen geteilt. Besonders kritisch sieht sie außerdem, dass Krankenkassen auf Basis der ePA eigenständig Leistungsempfehlungen an Versicherte aussprechen dürfen – ohne Rücksprache mit der behandelnden Praxis. Gleichzeitig sollen sie stärker mitentscheiden können, welche medizinischen Maßnahmen als notwendig gelten. Für Laura ist damit eine rote Linie überschritten. Digitalisierung darf die Versorgung verbessern – aber nicht dazu führen, dass Krankenkassen Schritt für Schritt ärztliche Entscheidungen übernehmen. Die zentrale Frage lautet für sie deshalb: Wer behandelt künftig eigentlich die Patient:innen – die Ärzt:innen oder die Krankenkassen? Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/

    Die ePA und wie wir durch das GeDIG zum gläsernen Patienten werden | Laura Dalhaus
  5. 14 Jul

    Schmerztherapie: Die nächste Leistungsgruppe vor dem Aus (Stefan Hegemann)

    Eine medizinische Disziplin gerät zunehmend unter Druck: die Schmerztherapie. Obwohl sie für viele Patient:innen unverzichtbar ist, spielt sie in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen oft nur eine untergeordnete Rolle. Dabei lebt gute Schmerzmedizin von ausreichend Zeit, einer gründlichen Anamnese und einer individuellen Betreuung. In dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ spricht Dr. Laura Dalhaus mit Dr. Stefan Hegemann, der als Schmerztherapeut an einem Krankenhaus in Düren tätig ist. Stefan hat dort ein Team aus drei Schmerztherapeuten aufgebaut und verfolgt einen klaren Ansatz: Schmerztherapie funktioniert nur, wenn man sich intensiv mit den Menschen und ihrer Krankheitsgeschichte beschäftigt. Mit der Krankenhausreform verschwindet jedoch die stationäre Schmerztherapie als eigenständige Leistungsgruppe. Für Laura ist das ein großer Verlust. Aus ihrer eigenen Erfahrung weiß sie, dass viele Patient:innen durch eine spezialisierte Schmerztherapie ihre hohen Opioid-Dosen deutlich reduzieren konnten und dadurch an Lebensqualität gewonnen haben. Da Stefan zusätzlich als Suchtmediziner arbeitet, sprechen die beiden auch über Cannabis und die damit verbundenen bürokratischen Hürden. Er erläutert, dass chronische Schmerzen häufig mit psychischen Belastungen einhergehen. Gleichzeitig führen F-Diagnosen in vielen Fällen dazu, dass bestimmte Therapien – etwa Cannabis – erschwert oder ausgeschlossen werden. Auch der Medizinische Dienst (MD) ist Thema der Folge. Beide berichten, dass sie regelmäßig Widersprüche gegen Entscheidungen einlegen und sich bei Aufsichtsbehörden beschweren müssen, weil sie viele Bewertungen des MD als wenig praxisnah empfinden. Stefan beschreibt außerdem die Vorgaben der Qualitätssicherungsvereinbarung Schmerztherapie. Danach müssen pro Quartal 192 Stunden Sprechstunde angeboten werden. Gleichzeitig gelten Prüfzeiten, sodass Ärzt:innen bereits ab einer Abrechnung von mehr als 156 Stunden in eine Plausibilitätsprüfung geraten. Zusätzlich ist die Versorgung faktisch auf etwa 300 Patient:innen pro Quartal begrenzt – ein Widerspruch, der den Praxisalltag erheblich erschwert. Wie so oft landet die Diskussion schließlich beim Thema Finanzierung. Stefan erklärt, welche zentrale Rolle Überweisungsscheine für seine Abrechnung spielen. Gleichzeitig beobachtet er, dass im Gesundheitswesen zunehmend über Rationalisierung und Rationierung gesprochen wird. Trotz hoher Ausgaben bleibt der medizinische Output hinter den Erwartungen zurück – und immer mehr Health Care Professionals spüren die Folgen dieser Entwicklung auch gesundheitlich. Der wirtschaftliche Druck betrifft längst nicht mehr nur niedergelassene Ärzt:innen. Laura greift in diesem Zusammenhang erneut das Thema Regresse auf und macht deutlich, dass auch Krankenhäuser immer stärker unter finanziellen Zwängen stehen. Ein weiterer Schwerpunkt sind die unterschiedlichen Schmerzmedikamente und ihre jeweiligen Indikationen. Gerade in der Schmerzmedizin sind Off-Label-Verordnungen fester Bestandteil der Versorgung. Für die behandelnden Ärzt:innen bedeutet das jedoch häufig ein erhebliches Haftungsrisiko. Laura wundert sich darüber, dass innerhalb der Ärzteschaft teilweise noch immer die Sorge besteht, es gebe nicht genügend Arbeit für alle. Aus ihrer Sicht zeigt die Realität etwas anderes: Nicht die Nachfrage fehlt, sondern eine angemessene Vergütung der medizinischen Leistungen. Deshalb entscheiden sich immer mehr Ärzt:innen dafür, einen größeren Anteil ihrer Tätigkeit über IGeL-Leistungen beziehungsweise Selbstzahler-Leistungen abzubilden. Laura sieht darin durchaus Chancen, denn manche Innovationen gelangen erst über diesen Weg später in die Regelversorgung. Gleichzeitig beobachtet sie, dass viele Menschen zunehmend bereit sind, selbst in ihre Gesundheit zu investieren. Zum Abschluss plädiert Stefan dafür, den kollegialen Austausch stärker zu pflegen und belastbare Netzwerke aufzubauen. Für ihn gehören gegenseitige Wertschätzung, Zusammenarbeit und die Bereitschaft, sich Unterstützung zu holen, zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine gute medizinische Versorgung. Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/

    Schmerztherapie: Die nächste Leistungsgruppe vor dem Aus (Stefan Hegemann)
  6. 7 Jul

    Politik arbeitet an der Versorgung vorbei | Laura zum aktuellen Stand

    Nutzt die Politik die Sommerpause, um besonders umstrittene Gesetze möglichst geräuschlos zu verabschieden? Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in der aktuellen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“. Im Mittelpunkt steht erneut das GKV-Stabilisierungsgesetz (GKV-Spargesetz), das weiterhin für erhebliche Diskussionen sorgt. Besonders angespannt ist die Lage in der Pflegeversicherung, deren Finanzierung zunehmend unter Druck gerät. Ursachen sind der demografische Wandel, sinkende Geburtenzahlen, eine rückläufige Netto-Einwanderung und die steigende Lebenserwartung. Dabei liegen längst Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit auf dem Tisch, um Prävention zu stärken – etwa durch gesundes Schulessen oder eine Zuckersteuer. Aus Sicht von Laura fehlt jedoch der politische Wille, diese Maßnahmen konsequent umzusetzen. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Bremen hat reagiert und den Deutschen Ethikrat eingeschaltet. Diskutiert wird die Frage, ob die aktuelle Ausgabenpolitik der Bundesregierung noch mit einer bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung vereinbar ist. Gleichzeitig wird geprüft, ob die Finanzierung der Krankenversicherungsbeiträge von Bürgergeldempfänger:innen durch die gesetzlich Versicherten verfassungsrechtlich Bestand haben kann. Ein weiteres großes Thema ist die Situation der Krankenhäuser. Laura kritisiert, dass das Krankenhaussterben zunehmend den Marktmechanismen überlassen wird – mit möglichen Folgen für die Versorgungssicherheit, insbesondere bei kommunalen Krankenhäusern. Auch Sanitätshäuser geraten wirtschaftlich immer stärker unter Druck. Nach den heftigen Debatten um die Honorare der Psychotherapeut:innen hält das Bundesministerium für Gesundheit trotz massiver Proteste an seiner Linie fest und sieht keinen Anlass für Beanstandungen. Für Laura ist das vor allem mit Blick auf die Versorgung von Kindern und Jugendlichen problematisch. Fehlende Investitionen in diesem Bereich hätten nicht nur gesundheitliche, sondern auch langfristige volkswirtschaftliche Folgen. Auch bei der Prävention sieht sie verpasste Chancen. Während über höhere Abgaben auf Tabak und Alkohol diskutiert wird, lehnt Bundesfinanzminister Klingbeil entsprechende Schritte für Bier und Wein ab. Gleichzeitig fordert Bundeskanzler Friedrich Merz mehr Akzeptanz für die geplanten Reformen. Laura würde ihn gerne einen Tag in ihrer Hausarztpraxis begleiten lassen, um die Realität der Versorgung kennenzulernen. Die Sparpläne von Nina Warken hinterlassen bereits Spuren: Immer mehr Niedergelassene denken darüber nach, ihre Praxis aufzugeben. Für Laura entsteht der Eindruck, dass der ambulanten Versorgung in der politischen Diskussion zu wenig Bedeutung beigemessen wird. Dabei war die demografische Entwicklung seit Jahren vorhersehbar. Statt rechtzeitig gegenzusteuern, werden die finanziellen Folgen nun zunehmend auf die Leistungserbringer übertragen. Nahezu alle Akteure im Gesundheitswesen warnen inzwischen vor den Auswirkungen der Sparmaßnahmen. Die KV Rheinland-Pfalz bezeichnete das Gesetz sogar als „Patienten-Versorgungs-Verschlechterungs-Gesetz“ – eine Formulierung, die Laura durchaus nachvollziehen kann. Gleichzeitig wirkt vieles wie Symbolpolitik: Für die Anhörung von rund 90 Verbänden standen lediglich 150 Minuten zur Verfügung. Neben dem Spargesetz sorgt auch das Digitalgesetz für Kritik. Die niedergelassene Ärzteschaft befürchtet, dass Krankenkassen künftig Informationen aus der ePa nutzen könnten, um Patient:innen direkt anzusprechen. Zusätzlich stehen Pläne im Raum, Krankenkassen stärker in das PVS-System einzubinden und Termine über Krankenkassen-Apps zu steuern. Für Laura widerspricht das dem Prinzip der ärztlichen Freiberuflichkeit. Außerdem startet sie eine neue Rubrik: „Kassen und Wahrheit“. Darin greift sie unter anderem auf, dass die Techniker Krankenkasse (TK) eine eigene Studie zur HZV in Auftrag gegeben hat, obwohl bereits wissenschaftliche Untersuchungen zur Hausarztzentrierten Versorgung vorliegen. Für Laura ist das ein unnötiger Einsatz von Beitragsgeldern. Parallel denken inzwischen immer mehr Niedergelassene über den Wechsel in eine Privatpraxis nach. Gleichzeitig sollen Apotheken künftig verstärkt Impfungen übernehmen. Laura sieht darin den Aufbau weiterer Parallelstrukturen und stellt die Frage, wer im Fall von Komplikationen die Verantwortung übernimmt. Zum Abschluss macht sie deutlich: Gerade jetzt, wo Ungerechtigkeiten entstehen, dürfen Missstände nicht unwidersprochen bleiben. Offene Debatten über Versorgung, Finanzierung und Gerechtigkeit seien nicht nur für das Gesundheitssystem wichtig, sondern auch für das Vertrauen in die Demokratie. Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/

    Politik arbeitet an der Versorgung vorbei | Laura zum aktuellen Stand
  7. 30 Jun

    Wie sieht die Versorgung der Zukunft aus? Wo kann KI wirklich unterstützen? | Dr. Andrea Morawe | Heidi Health

    Werbekooperation mit Heidi Health Das Gesundheitssystem entfernt sich immer weiter vom Klassenziel. Darüber sprechen Dr. Laura Dalhaus und Dr. Andrea Morawe in dieser Folge, die auf dem BAM – dem Bundeskongress Allgemeinmedizin – aufgenommen wurde. Digitalisieren wir aktuell die richtigen Bereiche? Während digitale Lösungen eigentlich Verwaltungsaufgaben vereinfachen sollten, entsteht zunehmend der Eindruck, dass stattdessen die Arzt-Patienten-Beziehung verändert wird. Andrea berichtet, dass ihre Hausarztpraxis mit Telefon-KI und einer Online-Rezeption bereits vergleichsweise digital aufgestellt ist. Gleichzeitig beobachtet Laura, dass die klassische körperliche Untersuchung zunehmend an Bedeutung verliert. Dabei braucht gute Versorgung nicht nur digitale Prozesse, sondern vor allem Steuerung, Vorsortierung und eine sinnvolle diagnostische Einordnung. Genau dieses Verständnis scheint aus ihrer Sicht in der politischen Diskussion häufig zu fehlen. Damit geht auch klinische Erfahrung verloren. Wenn weniger untersucht wird, lernen Nachwuchsmediziner:innen wichtige Untersuchungstechniken seltener im Alltag kennen. Für Laura besteht gute Medizin nicht aus dem bloßen Abarbeiten von Checklisten. Sie stellt die grundsätzliche Frage, ob wir uns zunehmend auf Befunde konzentrieren, die zwar messbar sind, aber für die tatsächliche Gesundheit der Patient:innen oft keine relevante Bedeutung haben. Ein Beispiel dafür sieht sie im betrieblichen Gesundheitsmanagement einiger großer Unternehmen. Dort werden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, deren Ergebnis häufig lautet: „Lassen Sie das bitte beim Hausarzt abklären.“ Die eigentliche Einordnung und Beratung bleibt dann bei den Hausärzt:innen hängen. Für Laura zeigt das deutlich, dass einzelne Messwerte ohne eine umfassende Risikobewertung wenig Aussagekraft haben. Auch Andrea sieht hier eine Schwäche vieler KI-Systeme. Gesundheitliche Probleme lassen sich nicht isoliert betrachten. Menschen müssen ganzheitlich bewertet werden – mit ihrer Lebenssituation, ihrer Vorgeschichte und ihren individuellen Belastungen. Laura schildert dazu den Fall eines Patienten, der einen schweren Trauerfall erlebt hatte. Für sie bestand die hausärztliche Aufgabe nicht einfach darin, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auszustellen, sondern die Hintergründe zu verstehen und den Menschen zu begleiten. In einer rein standardisierten Checklisten-Medizin wäre dafür kaum Raum vorhanden. Beide sind sich deshalb einig: KI kann unterstützen, aber sie ersetzt keine menschliche Medizin. Entscheidend ist, digitale Werkzeuge dort einzusetzen, wo sie tatsächlich entlasten. Ein großes Thema bleibt die Bürokratie. Formulare, Anträge und Dokumentationspflichten nehmen immer mehr Zeit in Anspruch. Dabei könnten Medizinische Fachangestellte (MFA) ihre Qualifikation für deutlich sinnvollere Aufgaben einsetzen. Genau hier sehen Laura und Andrea die Stärken digitaler Lösungen. In ihrem Praxisalltag nutzen beide beispielsweise Heidi. Das System unterstützt bei der Dokumentation, beantwortet viele administrative Anfragen und spart dadurch wertvolle Zeit. Gleichzeitig kann es Gesprächsinhalte strukturieren und für Patient:innen verständlich zusammenfassen. Dadurch verbessert sich aus ihrer Sicht sogar die Arzt-Patienten-Beziehung, weil während der Sprechstunde weniger Zeit am Bildschirm verbracht werden muss. Darüber hinaus sprechen die beiden über die Auswirkungen des GKV-Spargesetzes. Insbesondere die Ambulantisierung sorgt für zusätzliche Herausforderungen, wenn Nachsorgekonzepte nicht ausreichend mitgedacht werden. Auch andere Regelungen, etwa Veränderungen bei den Pflegegraden, könnten die Versorgung verschlechtern. Ein weiteres Problem ist die fehlende Zeit für Aus-, Fort- und Weiterbildung. Wenn Medizin immer stärker ökonomischen Zwängen unterliegt, stellt sich die Frage, wie zukünftige Ärzt:innen ausreichend ausgebildet werden sollen. Gerade hier könnte ein sinnvoller Einsatz von KI Freiräume schaffen. Kritisch sehen beide außerdem, dass gesundheitspolitische Entscheidungen häufig entlang von Legislaturperioden getroffen werden. Langfristige Ziele und nachhaltige Strukturreformen geraten dabei oft in den Hintergrund. Gleichzeitig sollte das deutsche Gesundheitssystem aus ihrer Sicht nicht die Aufgabe haben, den Pharmastandort Deutschland zu sichern. Zum Abschluss machen Laura und Andrea deutlich: Weder Resignation noch blinder Aktionismus helfen weiter. Notwendig sind kluge Entscheidungen, langfristiges Denken und der Wille, das System wirklich zu verbessern. Zum Kurs für PAs und PCM: https://bryght.social/shop/790 Zur Communtiy für PAs und PCM: https://bryght.social/communities/physician-assistants-by-laura-dalhaus/memberships Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/ Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zu LandMEDchen auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zu LandMEDchen auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zu LandMEDchen bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

    Wie sieht die Versorgung der Zukunft aus? Wo kann KI wirklich unterstützen? | Dr. Andrea Morawe | Heidi Health
  8. 23 Jun

    Heilmittelerbringer: Die nächsten Verlierer der "Reform" | Christine Donner & Tobias Niklas

    Nicht nur Ärzt:innen schlagen wegen des GKV-Spargesetzes beziehungsweise des Beitragsstabilisierungsgesetzes Alarm. Auch die Heilmittelerbringer – von der Physiotherapie über die Ergotherapie bis zur Logopädie – sehen die Versorgung durch die geplanten Maßnahmen massiv gefährdet. Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Christine Donner, geschäftsführendem Vorstand des Bundesverbands der Ergotherapeut:innen, und Tobias Niklas, Landesvorsitzendem sowie stellvertretendem Bundesvorsitzenden des Verbands für Physiotherapie (VPT e.V.). Christine erläutert zunächst die Aufgaben der Ergotherapie. Im Mittelpunkt steht dabei, Menschen dabei zu unterstützen, möglichst selbstständig zu bleiben und ein Leben in der eigenen Häuslichkeit zu ermöglichen. Die geplanten Einschnitte bewertet sie kritisch: Aus ihrer Sicht drohen längere Wartezeiten, höhere Zuzahlungen und spürbare Verschlechterungen in der Versorgung. Besonders problematisch ist, dass Gesundheit und Einkommen eng miteinander verknüpft sind. Schon heute gibt es viele Menschen, die Schwierigkeiten haben, die Zuzahlungen für Heilmittel aufzubringen. Auch in der Physiotherapie sind die Belastungsgrenzen längst erreicht. Tobias berichtet von Behandlungszeiten von 15 bis 20 Minuten, in denen zusätzlich Dokumentation sowie Vor- und Nachbereitung stattfinden müssen. Gleichzeitig sei die wirtschaftliche Situation vieler Praxen schwieriger geworden, da die Vergütung mit den allgemeinen Kostensteigerungen nicht Schritt gehalten habe. Ein weiteres Problem sehen beide in der zunehmenden Ambulantisierung. Immer mehr Patient:innen werden früher aus dem Krankenhaus entlassen und benötigen anschließend zeitnah Heilmittel. Die dafür notwendigen Kapazitäten wurden jedoch politisch nicht mitgeplant. Tobias fordert deshalb keine Einzelmaßnahmen mehr, sondern eine grundlegende Gesundheitsreform. Auch die politischen Ziele rund um Prävention und die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit werden diskutiert. Laura weist darauf hin, dass sich diese Ziele kaum erreichen lassen, wenn gleichzeitig bei den Heilmittelerbringern gespart wird. Christine bestätigt, dass der Zusammenhang zwischen Heilmitteln und der Vermeidung von Pflegebedürftigkeit in politischen Entscheidungen häufig unterschätzt werde. Besonders kritisch blickt sie auf die aktuelle Legislaturperiode. Aus ihrer Sicht kommen Beteiligung und fachlicher Austausch deutlich zu kurz. Dabei verweist sie auf eine Zahl, die den volkswirtschaftlichen Nutzen des Gesundheitswesens verdeutlicht: Investitionen in die Versorgung der Versicherten wirken sich unmittelbar positiv auf die Gesamtwirtschaft aus. Vor diesem Hintergrund denken immer mehr Praxen darüber nach, ihr Angebot stärker auf Selbstzahlerleistungen auszurichten. Gerade in der Physiotherapie werde dieser Trend zunehmen, weil wirtschaftliches Arbeiten im regulären Kassensystem zunehmend schwieriger werde. Auch der Fachkräftemangel bleibt ein zentrales Thema. Beide sind sich einig, dass die Entwicklung seit Jahren absehbar war. Während die Ärzteschaft teilweise von Zuwanderung profitiert, fehlt es bei den Heilmittelerbringern an wirksamen Maßnahmen, um die Berufe attraktiver zu machen. Tobias verweist darauf, dass Beschäftigte im Sozialversicherungsbereich teilweise deutlich höhere Gehälter erhalten als Physiotherapeut:innen. Hinzu kommen strukturelle Probleme in der Ausbildung. Lange mussten angehende Physio- und Ergotherapeut:innen ihre Ausbildung sogar selbst finanzieren. Viele angekündigte Reformen wurden zwar diskutiert, aber nicht umgesetzt. Unklar bleibt zudem, wie der Übergang von der Schulgeldfreiheit zu einer vergüteten Ausbildung gestaltet werden soll. Laura betont, dass die Wertschätzung von Aus- und Weiterbildung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Als Beispiel nennt sie die Lymphdrainage: Obwohl Physiotherapeut:innen diese bereits in ihrer Ausbildung erlernen, dürfen sie die Leistung erst nach einer zusätzlichen und aufwendigen Weiterbildung abrechnen. Christine kritisiert außerdem den Einfluss der Kostenträger auf politische Entscheidungen. Einerseits werde auf steigende Ausgaben verwiesen, andererseits wolle man Leistungen begrenzen – obwohl eine alternde Gesellschaft zwangsläufig einen höheren Versorgungsbedarf mit sich bringt. Aus ihrer Sicht müssten die Kostenträger stärker Rechenschaft über ihre Entscheidungen ablegen. Am Ende sind sich alle drei einig: Das Gesundheitssystem braucht eine echte Strukturreform. Fachleute müssen stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, die Vergütung muss verbessert werden und die Probleme der Versorgung dürfen nicht länger ignoriert werden. 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    Heilmittelerbringer: Die nächsten Verlierer der "Reform" | Christine Donner & Tobias Niklas

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5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel. Das Gesundheitssystem kollabiert und das hat Konsequenzen. Darüber spreche ich mit Menschen, um Ideen und Lösungswege zu entwickeln. Denn Politik hat leider in den letzten 20 Jahren bewiesen, dass sie es aus unterschiedlichen Gründen nicht kann. Wir starten einen Versuch. https://linktr.ee/LauraDalhaus

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