Die Autorin macht auf Social Media Videos über Nazi-Verbrechen. Im Podcast mit Ronen Steinke spricht sie über zeitgemäße Erinnerungskultur. Ob Hitler-Grüße, eingeritzte Hakenkreuze oder Sticker von rechten Parteien: Rechtsextreme Übergriffe auf Gedenkstätten nehmen zu. Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora listet mehr als 120 Fälle seit 2023 auf, viele davon treffen die Gedenkstätte Buchenwald. Nicht selten von Schülerinnen und Schüler. Dabei soll der Besuch einer KZ-Gedenkstätte junge Menschen eigentlich über die Verbrechen der Nationalsozialisten aufklären und sie für das Schicksal der europäischen Jüdinnen und Juden sensibilisieren. Das soll die Demokratie stärken, in Bayern ist der Besuch einer KZ-Gedenkstätte für alle Schülerinnen und Schüler Pflicht. Susanne Siegert engagiert sich in den sozialen Medien dafür, dass die Gräueltaten des Nationalsozialismus weiterhin präsent bleiben. Auf Instagram und Tiktok postet sie Videos über Nazi-Verbrechen, unter dem Namen „Keine Erinnerungskultur. Der Name ist nicht zufällig gewählt, sagt Siegert im Gespräch mit SZ-Redakteur Ronen Steinke: „Man kann sich nur an etwas erinnern, was man persönlich erlebt hat.“ Es brauche stattdessen neue Bezeichnungen, ein neues Verständnis für den Umgang mit der deutschen Vergangenheit. „Vielleicht ist es gut neue Begriffe zu verwenden, um so eine Zäsur zu markieren, wenn es keine Überlebenden mehr gibt.“ Siegert glaubt nicht, dass der Besuch einer Gedenkstätte automatisch dazu führe, dass die Schülerinnen und Schüler diese als gestärkte Demokraten verlassen. Es gehe darum, Ihnen zu vermitteln, dass es wichtig ist, über das Thema zu sprechen. Aber auch, dass Kontinuitäten rechtsextremer Gewalt weiterhin bestehen. „Ich glaube, dass es gerade bei jugendlichen, jüngeren Menschen darauf ankommt, dass man ihnen so ein bisschen, die Angst vor dem Thema nimmt.“ Ein moralischer Zeigefinger dagegen, sagt Susanne Siegert, könne zu einer „Abwehrhaltung zur Beschäftigung mit dem Thema“ mit sich bringen. Deshalb ist es Siegert so wichtig, eine andere Sprache für ihre Videos in den sozialen Medien zu finden. Statt zu verschleiern gehe es um „eine Klarheit über das, was passiert ist.“ Darüber, wie Menschen auf Ihre Videos im Internet reagieren und was Susanne Siegert unter „Gedenktheater“ versteht, geht es in der neuen Folge des Podcasts. Jeden zweiten Freitag erscheint eine neue Folge von „Ist das gerecht?“. Alle Folgen jetzt mit SZ Plus hören auf SZ.de oder auf Spotify. Moderation, Redaktion: Ronen Steinke Redaktionelle Betreuung und Produktion: Justin Patchett Bildrechte Cover: Ina Lebedjew/Bearbeitung SZ Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter podcast@sz.de – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.