20 Jahre Familienrösterei MOCAFE aus Osttirol, ein internationaler Investor an Bord und ein Gespräch, das tiefer geht als Kaffee. In dieser Folge spricht Co-Founder Martin Bodner offen darüber, was wirklich passiert, wenn eine Traditionsmarke mit fremdem Kapital wächst: Was bleibt geschützt, was wird aufgegeben, und ob der ursprüngliche Charakter der Marke den Wachstumsdruck übersteht. Es geht weniger um Röstprofile, mehr um die innere Haltung, sich selbst treu zu bleiben, während man größer wird. Weil die Zeit nicht gereicht hat, hat Martin uns hier noch ein paar Fragen schriftlich beantwortet: 1. Was hat euch der Deal emotional gekostet? Wo musstet ihr die Kontrolle abgeben? Ehrlich gesagt war das weniger ein Verlust als eine Umstellung. In meinem Hauptberuf bin ich Pilot, da trage ich Verantwortung und am Ende muss der Kapitän entscheiden. Aber auch dort ist es keine One-Man-Show: Es gibt einen Kollegen im Cockpit, es gibt die Flugverkehrskontrolle, es gibt ganz viele Faktoren, die eine Entscheidung beeinflussen. Jeder trägt seinen Teil dazu bei, damit die Entscheidung am Ende die richtige wird. Genau so ist es auch bei uns im Unternehmen. Im Alleingang wird nichts entschieden, insofern bin ich das eigentlich gewohnt. Mit einem Drittel des Unternehmens haben wir jetzt Peter Mrosik an Bord, jemanden, der enorm viel Erfahrung mitbringt. Wir sind vom „wir zwei entscheiden“ zum gemeinsamen Abstimmen gekommen, nicht weil wir um Erlaubnis fragen müssten, sondern weil wir dadurch ganz andere Sichtweisen bekommen. Genau das ist das Tolle daran: Wir erweitern unseren Horizont. Das ist am Ende mehr Gewinn an Perspektive als Verlust an Kontrolle. 2. Wer müsst ihr jetzt glauben zu sein, wenn jemand anderes ein Mitspracherecht hat? Nicht mehr der Macher, der alles selbst in der Hand hat, sondern jemand, der führt und Verantwortung trägt, auch nach außen. Vorher war ich der Eigentümer, der anpackte. Jetzt muss ich der sein, der eine Richtung so klar formuliert, dass ein Partner mitgehen kann, und der aushält, dass nicht jede Idee sofort meine bleibt. Weniger der, der rudert, mehr der, der Kurs hält. Das ist eine andere Rolle, und ehrlich gesagt eine, in die ich noch hineinwachse. 3. Umsatz in 24 Monaten verzehnfachen, welcher Hebel zuerst: Produkt, Vertrieb oder Marke? Die Marke zuerst und ganz klar. Das Produkt stimmt, das ist die Grundlage, ohne die geht gar nichts, aber am Produkt allein verzehnfacht man nichts. Unsere ganze These ist, über den Endverbraucher zu skalieren, Office und Retail, und dorthin kommst du nur, wenn die Marke zieht und im Kopf bleibt. „Escape the Ordinary“, die Zirkuswelt, das Staunen: das ist kein Beiwerk, das ist der Motor. Der Vertrieb ist dann der zweite Schritt, der die Nachfrage einsammelt, die die Marke erzeugt. Erst die Marke bauen, dann breit ausrollen. 4. Der konkrete Mitbewerber, an den ihr gerade wirklich Kunden verliert. Ganz ehrlich, unser stärkster Mitbewerber ist keine Firma, sondern die Gewohnheit. Der Kunde, der seit zehn Jahren dieselbe Bohne aus dem Supermarkt kauft und nie hinterfragt, ob es besser geht. Gegen den kämpfen wir jeden Tag. Und wir sind in einer Region, in der man sich kennt, da schieße ich niemanden über einen Podcast an. 5. Welche Kennzahl checkt ihr jeden einzelnen Tag? Ehrlich? Zuerst die Kilo. Wie viele Kilo pro Tag rausgehen, ist bei uns die härteste Zahl, denn sie sagt direkt, ob wir Richtung 40 Tonnen im Jahr wachsen oder stehen bleiben. Aber es gibt noch eine zweite, die man in keiner Auswertung findet: unser Spaßbarometer. Haben wir heute Freude an dem gehabt, was wir tun? Klingt kitschig, ist aber ernst gemeint. Wenn der Spaß weg ist, stimmt bei allem anderen auch bald was nicht. Die Kilos zeigen, ob es läuft. Der Spaß zeigt, ob es sich lohnt. 6. Wenn die Partnerschaft in drei Jahren scheitert, was war der Grund? Ehrlich gesagt glaube ich fest daran, dass sie nicht scheitert, und dieser Glaube ist bei uns dreien gleich stark. Natürlich kann über Jahre viel passieren, und manches liegt außerhalb dessen, was man beeinflussen kann. Aber der eine Grund, der wirklich in unserer Hand liegt, wäre, wenn wir anfangen würden, Probleme oder Schwierigkeiten am Horizont wegzuschieben, statt sie anzusprechen. Genau da ticken wir drei Gesellschafter gleich: Wir schieben nichts beiseite, wir reden früh und offen darüber. Solange wir das beibehalten, sehe ich keinen Grund, warum es scheitern sollte. Instagram This is a public episode. If you would like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit thesashkaregina.substack.com