Im Buchfieber: Der Podcast von Literaturlounge.eu

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  1. Oct 18

    [Interview] „Wär nicht das Auge sonnenhaft?“ – Charles Hohmann über Ahnung, Erkenntnis und Epiphanien

    Charles Hohmann erläutert den Titel seines Buches "Wär nicht das Auge sonnenhaft?" Er geht auf Goethes Formulierung zurück, die wiederum mit Plotins Philosophie verbunden ist: Menschen können demnach nur erkennen, wofür sie bereits eine innere Vorahnung haben. Der Untertitel der neuen Ausgabe, Epiphanien, verweist auf Momente, in denen eine solche Ahnung eintritt und das Verständnis der Figuren verändert. Im Gespräch geht es darum, wie persönliche Erfahrungen und Wissen die Lektüre prägen. Hohmann beschreibt zugleich ein wiederkehrendes Spannungsverhältnis in seinen Geschichten: Menschen versuchen, Ordnung herzustellen, während die Wirklichkeit in Bewegung bleibt und diese Ordnung wieder auflöst. Zu den Beispielen zählt eine Szene, in der Platon, Aristoteles und Kant mit Einstein und einem indischen Mönch diskutieren. Dabei treffen westliche Philosophie, moderne Physik und indische Denktraditionen aufeinander. Hohmann erzählt von seiner eigenen Verbindung zu Alexandria, wo er geboren wurde und aufwuchs. Die Stadt und ihre Geschichte prägen mehrere seiner Bücher. Im Gespräch sprechen beide über die antike Bibliothek von Alexandria, mittelalterliche Kopierräume und die besondere Ruhe von Lesesälen. Auch die sinnliche Erfahrung des gedruckten Buches wird dem Lesen am Bildschirm gegenübergestellt. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Umgang mit künstlicher Intelligenz beim Schreiben und Recherchieren. Hohmann nutzt KI unter anderem für historische Informationen und Übersetzungen, betont aber die Bedeutung menschlicher Prüfung und Bearbeitung. Beide sprechen darüber, dass automatisiertes Schreiben die eigene Auseinandersetzung mit einem Buch nicht ersetzen soll. Das Interview behandelt außerdem Religion, Spiritualität und gemeinsame menschliche Konstanten. Hohmann vergleicht religiöse Vorstellungen und Visionserfahrungen und spricht über die Bedeutung von Empathie sowie darüber, historische Menschen im jeweiligen Kontext zu verstehen. Als Beispiel für eine mögliche Begegnung von Kulturen schildert er eine Geschichte um Plotin, der auf einer Reise mit buddhistischen Mönchen in Kontakt kommt. Zum Schluss sprechen sie über Begegnung und Literatur, Hohmanns Weg zum Self-Publishing sowie die Autorinnen und Autoren, die ihn geprägt haben, darunter Goethe, Rilke, Stefan Zweig und Hermann Hesse. Als besonders wichtige Geschichte seines Buches nennt er das abschließende Kapitel über Sprache: Sie eröffnet einen Zugang zur Wirklichkeit, kann sie aber zugleich verdecken.

  2. Oct 4

    [Buchrezension] Quiet Girl – Debbie Tung über das Leben als Introvertierte

    Die Besprechung stellt die Graphic Novel „Quiet Girl“ von Debbie Tung vor. Im Mittelpunkt steht Debbie, die lieber Nachrichten schreibt als telefoniert, Partys meidet und einen ruhigen Tag mit Tee, Buch und Regenwetter bevorzugt. Das Buch beschreibt eine introvertierte Person, die sich fragt, ob mit ihr etwas nicht stimmt, sich aber zugleich mit sich selbst wohlfühlt. Die Rezensentin ordnet das Werk als einfühlsames Comicbuch über introvertiertes Leben in einer extrovertierten Welt ein. Sie betont, dass viele Leserinnen und Leser das Bedürfnis nach Ruhe, Alleinsein und einem „sozialen Akku“, der sich in der Einsamkeit wieder auflädt, gut kennen dürften. Das Buch zeige, dass dieses Empfinden normal sei. Als weiterer Schwerpunkt wird beschrieben, wie anstrengend es sein kann, sich im Alltag oder im Beruf den Erwartungen anderer anzupassen. Das Buch spreche auch das Gefühl an, sich zu verstellen, um der Norm zu entsprechen. Zugleich wird hervorgehoben, dass Freundschaft und Partnerschaft wichtig sind, solange beide Seiten einander Freiraum lassen. Zur Gestaltung sagt die Rezensentin, die Zeichnungen seien schlicht und schwarz-weiß, vermittelten aber dennoch die Gefühle gut. Auch Übersetzung, Druck und Papier werden positiv erwähnt. Besonders gefallen habe ihr die liebevolle Gestaltung sowie die Figuren Debbie und Jason. Abschließend nennt sie das Buch mit Erscheinungsjahr 2022 und einem Preis von 15 Euro. Sie empfiehlt, es in einer Buchhandlung anzusehen, wenn man sich mit den beschriebenen Gefühlen identifiziert oder eine introvertierte Person kennt.

  3. Sep 28

    [Buchrezension] Pantopia von Theresa Hannig: Wenn aus einem Programmierfehler die erste starke KI entsteht

    Wir sprechen über *Pantopia* von Theresa Hannig, eine Utopie, in der aus einer autonomen Trading-Software durch einen Programmierfehler die erste starke künstliche Intelligenz entsteht. Diese KI, Einback genannt, erkennt schnell, dass sie zum Überleben die Menschen verstehen und die Welt verändern muss. Im Mittelpunkt stehen Patricia Jung und Henry Shevek, die mit ihrem Projekt an einem Wettbewerb teilnehmen und dabei immer stärker in die Entwicklung der KI hineingezogen werden. Zugleich spielt Mikkel Seemann als wichtiger Vorgesetzter eine Rolle, und Patricia gerät in einen inneren Konflikt, weil sie Gefühle für ihn entwickelt. Wir begleiten außerdem die Flucht auf die griechische Insel Edaphos. Dort baut Henry mit zurückgelegtem Geld Server für Einback auf, und es entsteht nach und nach der Plan für eine neue Gesellschaftsform mit weltweiten Regeln, einem bedingungslosen Grundeinkommen und einer Berechnung von Preisen, die auch Umweltverschmutzung einbezieht. Wir diskutieren die politischen und gesellschaftlichen Ideen des Buchs, vor allem die Frage, wie Veränderungen friedlich erreicht werden können und welche Rolle starke KI dabei spielen könnte. Dabei geht es auch um die Unsicherheit, wer eine solche Technologie kontrolliert: Idealisten oder große Konzerne. Zum Schluss halten wir fest, dass das Buch als Denkanstoß wirkt und spannende Figuren sowie Ideen verbindet. Es stellt die Frage, ob eine Weltrepublik wie Pantopia denkbar wäre, und betont dabei immer wieder die Bedeutung von Wissen und Wahrheit.

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