Mensch Mahler 261030PC schlaflos auf dem Lastenrad Mensch Mahler am 30. Oktober 2029 Angst wird von den meisten von uns negativ konnotiert. Wir wollen keine Angst haben. Während Kinder Angst meist offen kommunizieren, fällt es Erwachsene oft schwer, Angst zuzugeben. Doch genau das sei Teil des Problems, sagt Lisa Federle, Ärztin aus Tübingen. Angst gehört zum Leben, sagt sie und Angst ist sogar oft überlebenswichtig. Wichtig ist, sie nicht zu verdrängen, sondern nachzudenken: Woher kommt die Angst? Es gibt sehr unterschiedliche Ursachen. Häufig ist die Angst gar nicht unbedingt begründet und es ist auch gar nicht meine Angst. Beispiel: Die Großmutter einer Patientin saß immer mit gepacktem Koffer im Wohnzimmer, weil sie Angst vorm Krieg hatte und sich ängstigte, dass er wiederkommt. Sie wollte einfach möglichst schnell flüchten können. Die Patientin kam mit Angstzuständen, hat immer wieder Albträume gehabt. Sie hat sich auch Gold gekauft, obwohl sie sich das gar nicht leisten konnte. Und dann hat sich irgendwann gezeigt, dass sich die Angst der Großmutter, ohne dass sie das wusste, auf sie übertragen hat. Das ist ein sogenannter Generationsschmerz. Der kommt oft vor. Wie auch die Verlustangst. Da hat eine Person festgestellt, dass die Eltern auf der Flucht ein Kind verloren haben. Und eigentlich kam das erst dann raus, als derjenige sich selbst Kinder gewünscht hat. Dann ging es ihm plötzlich total schlecht, obwohl er in einer Situation lebte, in der er glücklich war. Ich kann mich der Angst stellen, indem ich mich frage: ist das eine Angst, die auch berechtigt ist oder ist das eine Angst, in die ich mich reinsteigere, die eigentlich unnötig ist. Und dann muss ich versuchen, mich auch durch Techniken und Übungen zu beruhigen, mich selbst zu spüren und zu sagen, ich sitz jetzt hier, eigentlich kann mir nichts passieren. Und das fängt mit der Atmung an. Das neue Buch der Tübinger Notärztin Lisa Federle heißt „Gut gegen Angst - Wie wir uns unseren Ängsten stellen und an ihnen wachsen“. Klar ist: wer ohne Angst lebt, ist in Lebensgefahr. Denn die Angst ist ein Überlebenswichtiges Alarmsystem: Als Schutzmechanismus - Kampf-oder-Flucht-Reaktion - aktiviert Angst in Bruchteilen von Sekunden den Körper, indem Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet werden. Das schärft die Sinne, steigert den Puls und schützt uns vor realen Gefahren. Menschen, die Ängste oder eine hohe Sensibilität spüren, nehmen körperliche Signale, Zwischentöne und Stimmungen in Gruppen oder Beziehungen oft sehr früh wahr. Das kann als Frühwarnsystem im Alltag und Beruf dienen. Tiefer einsteigen in Dr. Lisa Federles Gedanken zu Angst und wie man am besten mit ihr umgehen kann, kann man mit ihrem Buch „Gut gegen Angst - wie wir uns unseren Ängsten stellen und an ihnen wachsen“, erschienen im Fischer Verlag. 22 Euro sind gut investiert, um der Angst auf den Grund zu gehen und an ihr zu wachsen. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.