Die Leichtigkeit der Kunst - Kunstpodcast

Claudia Linzel

Seit 2020 vor Ort: Künstler:innen, Kurator:innen und Museumsdirektor:innen im Gespräch – Kunstgeschichte, Kunstmarkt und Gegenwart im deutschsprachigen Raum.

  1. 3d ago

    Lars Eidinger & Nicole Fritz | PRESENT PERFECT in Tübingen

    Für einen Körperabguss von Erwin Wurm hat Lars Eidinger drei Stunden auf einem Bein gestanden, mit erhobenem Arm. In der Kunsthalle Tübingen erzählt er Dr. Nicole Fritz und Claudia Linzel, warum er durchgehalten hat und was diese Zeit für ihn mit der Skulptur zu tun hat. In der Ausstellung „Lars Eidinger. PRESENT PERFECT. Im Dialog mit der Sammlung“ begegnen seine Fotografien und Videoarbeiten Werken aus der Sammlung. Im Gespräch erläutert Dr. Nicole Fritz die Auswahl der Gegenüberstellungen. Eidinger beschreibt, welche Verbindungen ihm selbst erst dadurch bewusst wurden. Richard Hamiltons Selbstporträt, Ben Willikens’ Räume und Franz Erhard Walthers „Gegenüber“ führen zu Fragen nach Selbstwahrnehmung, Raum und Begegnung. Eidinger erzählt vom Fotografieren im Alltag, von seiner Begegnung mit Yves Kleins monochromem Blau und von Rollen, die er weiter mit sich trägt. Der Ausstellungstitel verbindet Vergangenes mit der Gegenwart: Der fotografierte Moment ist vergangen. Die Begegnung mit seinem Bild findet jetzt statt. Die Themen der Folge • Die 1960er-Jahre und ihre Bedeutung für beide Gäste • Fotografie, Readymades und der eigene Blick • Selbstporträts, Spiegelung und Eidingers Lesart des Narziss-Mythos • Rollen, Fiktion und Realität • Die Zusammenarbeit von Künstler und Kuratorin • Erwin Wurm, Körpererfahrung und Zeit Die Ausstellung Lars Eidinger. PRESENT PERFECT. Im Dialog mit der Sammlung Kunsthalle Tübingen 10. Oktober 2026 bis 28. Februar 2027 Kuratorin: Dr. Nicole Fritz Die Leichtigkeit der Kunst – ein Kunstpodcast mit Claudia Linzel.

  2. Aug 28

    Kunst und Wissenschaft vs Raum und Macht

    Wer in Berlin lebt oder gelebt hat, kennt das mit Sicherheit: Man läuft durch einen Kiez, den man seit Jahren kennt, doch mit einem Mal fehlt irgendwo etwas, ein Hinterhof aus dem interessante Geräusche kamen, eine Tür, die immer offen war, ein Ort von dem man wusste, dass dort irgendjemand irgendetwas macht, auch wenn man selbst nie drin war. Stattdessen Neubau oder Baustelle. Die ursprünglichen Räume, die einst zur Stadt gehörten, werden seltener. Das betrifft Ateliers genauso wie Proberäume, Werkstätten, Labore, Orte an denen Gedanken entstehen und zur Form werden. In dieser Live-Episode, aufgezeichnet zur Langen Nacht der Wissenschaften 2026 auf dem Forschungscampus Dahlem und anmoderiert von Julie Nautré, Geschäftsführerin des Forschungscampus, sprechen drei Menschen, die täglich mit dieser Frage arbeiten, auf je sehr unterschiedliche Weise. Asta Gröting ist Bildende Künstlerin in Berlin, sie arbeitet mit Bildhauerei, Video, Performance und Zeichnung, oft großformatig, und hat ihr Atelier in den Uferhallen in Wedding. Direkt nach der Wende fuhr sie nach Ostberlin und fotografierte die zerschossenen Fassaden mit einer analogen Kamera, und viele Jahre später, 2016, kehrte sie zu diesen Wänden zurück und strich Silikon darauf, Schicht für Schicht, um es dann abzulösen und mitzunehmen. Was sie zurückbekam, waren Abdrücke von Einschusslöchern, Graffiti, Putzresten, und sie hat im Gespräch gesagt, das Trauma transportiert sich, was ich für einen der ehrlichsten und genauesten Sätze halte, die man über diese Arbeit sagen kann. Heiner Franzen ist ebenfalls Bildender Künstler, auch mit Atelier in den Uferhallen, er sammelt seit über zehn Jahren Fernsehmomente, in denen Nachrichtensprecher schweigen, also nicht die Nachrichten selbst, sondern die Sekunden dazwischen, wenn der Text aufgehört hat und der Mensch vor der Kamera einfach da ist. Seine Anchors-Serie ist in dieser Zeit gewachsen, zufälligerweise parallel zu beiden Trump-Wahlen, und er hat uns erzählt, dass er jedes Mal wenn dort politisch etwas kippt, neue Kommentare dazu bekommt. Er hat außerdem einen Hausmeister namens Jürgen gefilmt, auf seinen Gängen durch frisch geräumte Räume, Wohnungen, Keller, Hallen, Werkstätten, einen Mann im Blaumann der prüft was übrig geblieben ist. Prof. Dr. Patricia Rahemipour ist Direktorin des Instituts für Museumsforschung, angeschlossen an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und Sprecherin des Forschungscampus Dahlem, sie ist von der Ausbildung her Prähistorikerin, was bedeutet, dass sie in Zeiträumen denkt, in denen unsere aktuelle Situation noch kaum eine Fußnote ist. Sie sagt, Kunst ist etwas, was Menschsein seit Jahrhunderttausenden ausmacht, und das kann man durch Rahmenbedingungen nicht abschaffen, und gleichzeitig bringt sie eine Studie mit, die ich in dieser Form noch nicht kannte: selbst Menschen, die nie ins Museum gehen, ziehen nicht in Städte ohne Kultur, weil das für sie einfach unattraktive Städte sind. Das Gespräch fragt, wer den Raum für Kunst und Wissenschaft schafft, wer ihn sichert, und was entsteht, wenn er sich verwandelt oder zur Mangelware wird. Am Beispiel der Uferhallen und des Tacheles wird deutlich, was auf dem Spiel steht, für Künstler:innen, Institutionen und eine Stadtgesellschaft im Wandel.

About

Seit 2020 vor Ort: Künstler:innen, Kurator:innen und Museumsdirektor:innen im Gespräch – Kunstgeschichte, Kunstmarkt und Gegenwart im deutschsprachigen Raum.

You Might Also Like