Blattgold. Der Schweizer Buchpodcast

Blattgold. Der Schweizer Buchpodcast

Willkommen zu 'Blattgold', dem Schweizer Buchpodcast der Universität Zürich. Einmal monatlich gibt es hier aktuelle Literaturkritik, Interviews mit Autorinnen und Autoren oder thematische Sendungen rund ums Thema Literatur. Moderation: Salomé Meier

  1. Blattgold #50: Daniel Mezger – Bevor ich alt werde

    11/05/2025

    Blattgold #50: Daniel Mezger – Bevor ich alt werde

    In dieser Folge von Blattgold spreche ich mit Daniel Mezger über seinen neuen Roman "Bevor ich alt werde" (atlantis, 2025) – ein ebenso zarter wie kluger Text über Musik und Jugend, über eine latent lauernde Krankheit und über die Frage, wie wir leben wollen, angesichts der eigenen Endlichkeit. Was beginnt wie ein nostalgischer Indie Coming-of-Age-Roman, wird bald zum vielschichtigen Psychogramm einer Frau, Charlotte, deren Leben von einer Erbkrankheit namens Morbus Jackson untergründig beherrscht wird. Dieser Erbkrankheit ist die Großmutter zum Opfer gefallen, die Mutter zeigt Symptome, bevor sie bei einem Autounfall stirbt, möglicherweise war es ein Suizid. Charlotte spricht nur widerwillig über die Krankheit. In ihrem Leben geht es eher um ihre (schwindende) Karriere als Indie-Musikerin, Partys, Tourneen, Liebesgeschichten. Hinter Charlottes Coolness wird jedoch zunehmend ihre Angst sichtbar: vor dem Altwerden, vor der möglicherweise ererbten Krankheit, die ihr die Zukunft verstellt – Beziehungen, Kinder, Lebenspläne. Diese Folge ist eine Kooperation mit dem Literaturkritikmagazin VOLLTEXT, das seit diesem Monat auch dezidiert Schweizer Literatur abdeckt – mit klugen Rezensionen von Literaturwissenschaftler:innen, einem monatlichen Literaturkalender, sowie literarischen Beiträgen und Leseproben von Autor:innen wie Ilma Rakusa, Martin R. Dean und Nora Gomringer. Mehr unter www.volltext.net. Moderation und Schnitt: Salomé Meier Musik: Feist – I feel it all Bild: © Ayse Yavas

    48 min
  2. Blattgold #47: Regina Dürig – Frauen und Steine

    05/06/2025

    Blattgold #47: Regina Dürig – Frauen und Steine

    „Frauen und Steine“ (Droschl, März 2025) – Schon der Titel von Regina Dürigs neuem Erzählband bringt Bilder ins Rollen: Da denkt man an Stolpersteine, die im Weg liegen, an Trittsteine, die uns weiterbringen und dann den berühmten „Stein des Anstosses“. Aber was genau es mit diesen Steinen auf sich hat, das erschliesst sich erst beim Lesen – und so viel kann ich verraten: Es ist selten das, was man erwartet. In Dürigs Erzählungen wird das Motiv des Steins ganz unterschiedlich und auf oft überraschende Weise durchgespielt: Da ist zum Beispiel die Geschichte der vergessenen Archäologin Alice Kober, die versucht den Stein von Rosetta zu entschlüsseln oder die einer Hobby-Bildhauerin, die plötzlich merkt, dass „all ihre Hohlräume sich in den letzten Jahren mit Unsicherheit angefüllt hatten, dass hauptsächlich Geröll in ihr drin war und Schutt.“ Mal poetisch, mal politisch, mal ganz sinnlich – Dürigs Texte lassen keinen Steinbild auf dem anderen. Ich habe mit der Autorin im Aargauer Literaturhaus über ihren Band gesprochen und dabei trotz der zum Teil auch ziemlich schweren Themen sehr viel gelacht. Ein Gespräch über Sprachlust, über feministische Perspektiven und über die Kraft von Bildern. Drei Lesungen sind in dieser Folge zu hören: „Fragmente“: 8:41 – 14:18 „Um den heissen Brei“: 24:55 – 38:45 „Katalog der Frauen“: 42:57 – 44:39 Diese Folge ist eine leicht gekürzte Aufnahme von Lesung und Gespräch. Eine Kooperation mit dem Aargauer Literaturhaus. Schnitt: Okan Yilmaz Musik: Lana del Rey - West Coast Soundtrack zum Buch: Butterland – "Steine"

    51 min
  3. Blattgold #46: Widerstand und Übermut. Schweizer Schriftstellerinnen der 1970er-Jahre

    03/27/2025

    Blattgold #46: Widerstand und Übermut. Schweizer Schriftstellerinnen der 1970er-Jahre

    Kaum ein anderes Buch hat die feministische Bewegung der 1970er-Jahre so geprägt wie Verena Stefans „Häutungen“ (1975). Allein in den ersten drei Jahren verkaufte sich das Buch hunderttausendfach. Das gerade einmal 120 Seiten schmale, autofiktionale Büchlein beschreibt die Befreiung einer jungen Frau aus patriarchalen Strukturen und Geschlechterrollen hin zu feministischer Selbstbestimmung. Stefans Sprache ist aufgeladen mit Widerstand und Übermut. An einer Stelle heißt es: „ich zerstöre vertraute zusammenhänge, ich stelle begriffe, mit denen nichts mehr geklärt werden kann, in frage oder sortiere sie aus.“ Die Radikalität von Stefans Text ist kein Einzelfall. Auch andere Schriftstellerinnen der 1970er-Jahre kämpften mit ihren Büchern für Sichtbarkeit und Veränderung. Genau darum ging es auch bei der Buchvernissage im Karl der Grosse, wo ich mit Valerie Meyer und Nadia Brügger über ihr Sachbuch „Widerstand und Übermut“, erschienen beim Verlag Hier + Jetzt, sprach. Wir sprachen über die Frauenbewegung der 1970er-Jahre, über misogyne Literaturkritik, über die Gründung des ersten Frauenverlags – die Edition R + F –, über Brieffreundschaften und über den unverzichtbaren Wert von Freundschaft und Solidarität zwischen schreibenden Frauen zu einer Zeit, als weibliche Stimmen in der Literatur noch weitgehend überhört wurden. Diese Folge ist eine leicht gekürzte Aufnahme von Lesung und Gespräch. Schnitt: Okan Yilmaz Musik: Uzun İnce Bir Yoldayım – Engin Foto: Anja Fonseka

    51 min
  4. Blattgold #43: Martin R. Dean – Tabak und Schokolade

    10/10/2024

    Blattgold #43: Martin R. Dean – Tabak und Schokolade

    Diese Folge von Blattgold kommt aus der Allgemeinen Lesegesellschaft in Basel. Hier, zwischen ledergebundenen Büchern der Kategorie 'Geschichte, Memoiren, Biographien', treffe ich nach der offiziellen Besucherzeit den Schriftsteller Martin R. Dean, um mit ihm über sein neues Buch «Tabak und Schokolade» (atlantis) zu sprechen. Der stark autobiographische Roman beginnt wenige Tage nach dem Tod der Mutter. Als es an die Aufteilung des Erbes geht, wird klar, dass der Erzähler nicht zur Erbengemeinschaft gehört. Weil er aus der gescheiterten, ersten Ehe der Mutter stammt, und von der Mutter, die sich später noch einmal verheiratet hatte, kein Testament aufgesetzt wurde, findet sich der Erzähler erneut als „Aussenseiter“, als „Kuckuckskind“ in der eigenen Familie. Während die Immobilien, das Geld und das materielle Hab und Gut an die Geschwister geht, bleibt ihm nicht mehr als ein Foto-Album und die Erinnerungen, die diese Schwarz-Weiss Fotos – Bild um Bild – in ihm freilegen. Ähnlich wie in W.G. Sebalds «Austerlitz» führen auch bei Martin R. Dean die im Roman abgedruckten Fotografien in eine aus unterschiedlichen Gründen lange vergessene und verdrängte Vergangenheit: Sie bezeugen die ersten vier Lebensjahre auf Trinidad, als die Mutter als Sekretärin auf einer Kaffeeplantage arbeitete, nachdem sie von ihrem gewalttätigen Ehemann geflüchtet war. Und sie bezeugen die Jahre danach, als die Mutter mit einem dunkelhäutigen Kind in die Schweiz zurückkehrt. Immer deutlicher wird im Laufe des Romans der Grund für das Schweigen in der Familie: «Ich war schuld, dass es meinen Vater gab.», resümiert der Erzähler an einer Stelle. Mit «Tabak und Schokolade» steht Martin R. Dean derzeit auf der Shortlist für den Schweizer Buchpreis. Der Preis wird am 17. November am Literaturfestival BuchBasel verliehen. Foto: Ayse Yavas Schnitt: Okan Yilmaz Musik: Natalie Cole – 'Too Young'

    42 min

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