Spiegelbild - Politische Bildung aus Wiesbaden

Spiegelbild Wiesbaden

Spiegelbild leistet historisch-politische Bildungsarbeit in der Migrationsgesellschaft und wurde 2007 als Jugend- und Bildungsinitiative des Aktiven Museums Spiegelgasse für deutsch-jüdische Geschichte in Wiesbaden gegründet. Über diesen Podcast werden Veranstaltungsmitschnitte, Interviews und eigene Formate zu Themen wie Antisemitismus und Rassismus hochgeladen.

  1. Jul 16

    Folge 3: Von Wiesbaden nach Barcelona - Die Lebensgeschichten von Paul Schmiedel und Günther Berkhahn

    In der dritten Folge begeben sich Jana Müller und Thure Alting auf Spurensuche in Wiesbaden. Im Mittelpunkt stehen Paul Schmiedel und Günther Berkhahn, zwei Wiesbadener, deren Lebenswege von politischer Verfolgung, Exil und dem Kampf gegen den Faschismus geprägt waren. Von Wiesbaden aus führen ihre Geschichten nach Marseille, Paris und Barcelona, in die Milizen und Institutionen der Spanischen Republik, aber auch in französische Internierungslager und später zurück nach Deutschland. Schmiedel kämpfte in Spanien auf Seiten der POUM, Berkhahn arbeitete als Zeichner, Topograf und Beobachtungsoffizier für die Republik. Beide Biografien zeigen, wie unterschiedlich der Einsatz für das republikanische Spanien aussehen konnte.Die Folge erzählt von antifaschistischer Solidarität und politischer Hoffnung, aber auch von Armut im Exil, innerlinken Konflikten, stalinistischer Verfolgung, Niederlage und erneuter Verfolgung nach 1939. Zugleich fragt sie nach dem schwierigen Nachleben dieser Erfahrungen im Postnazismus. Was bedeutete Anerkennung für Menschen, die gegen den Faschismus gekämpft hatten, nach 1945 aber um Entschädigung, Erinnerung und gesellschaftliche Würdigung ringen mussten?Für diese Folge wurden unter anderem folgende Quellen und Darstellungen genutzt:Online-Darstellung zu Günther BerkhahnAxel Ulrich: „Günther Berkhahn“, in: Für Demokratie. Gegen Diktatur. Wiesbaden 1933–1945.https://fuer-demokratie-33-45-wiesbaden.de/personen/guenther-berkhahn/lang.htmlLetzter Abruf: 8. Juli 2026.LiteraturLothar Bembenek / Axel Ulrich: Widerstand und Verfolgung in Wiesbaden 1933–1945. Eine Dokumentation. Gießen: Anabas-Verlag.Archivquellen und Nachweise zu Paul SchmiedelArolsen Archives: Nachweis Paul Schmiedels als Häftling des KZ Ravensbrück, Haftnummer 2729, Eintrag im Nummernbuch des Männerlagers, Original beim IPN Warschau.https://collections.arolsen-archives.org/de/document/3767130Letzter Abruf: 8. Juli 2026.Gedenkstätte Ravensbrück, Archiv: SlgBu 43/940-65, Abschrift einer Nachkriegsaussage Paul Schmiedels aus Zwickau über Erschießungen durch die SS im Außenlager Drögen.Gedenkstätte Sachsenhausen, Archiv: Hinweise auf die Einlieferung Paul Schmiedels in das KZ Sachsenhausen, vermutlich im September 1941, Haftnummer 39529, sowie auf seine Überstellung in das Außenlager Drögen im Oktober 1941.https://www.sachsenhausen-sbg.de/sammlung-forschung/archiv/Letzter Abruf: 8. Juli 2026.Bundesarchiv: B 162/469, Akte u. a. mit der Aussage von Paul Gotthard Schmiedel aus Wiesbaden vom 16. Februar 1968 zu Ravensbrück, Sachsenhausen, Drögen und seiner vorherigen Internierung in Frankreich, insbesondere im Camp du Vernet.https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/83837b27-de40-455e-ac59-65c9ea83ad57/Letzter Abruf: 8. Juli 2026.Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden:HHStAW, Abt. 467, Nr. 6422, Entschädigungsakte Paul Schmiedel.HHStAW, Abt. 409/3, Nr. 13531, Gefangenenpersonalakte Paul Schmiedel.HHStAW, Abt. 518, Nr. 42772, Institut für Zeitgeschichte München: Zeitgeschichtliche Sammlung, ZS 1967.https://www.ifz-muenchen.de/archiv/zs/zs-1967.pdfLetzter Abruf: 8. Juli 2026.

    Folge 3: Von Wiesbaden nach Barcelona - Die Lebensgeschichten von Paul Schmiedel und Günther Berkhahn
  2. Jul 15

    Folge 2: Thomas von der Osten-Sacken über die Rezeptionsgeschichte des Spanischen Bürgerkriegs

    Das Gespräch mit Thomas von der Osten-Sacken widmet sich dem Spanischen Bürgerkrieg als frühem Medien- und Weltanschauungskrieg. Internationale Journalisten, Schriftsteller und Intellektuelle verfolgten die Kämpfe in Spanien mit großer Aufmerksamkeit, berichteten nahezu in Echtzeit und prägten damit die Wahrnehmung des Konflikts weit über Europa hinaus.Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Bilder, Reportagen, Literatur und politische Propaganda den Krieg deuteten und zuspitzten. Spanien wurde zur Projektionsfläche sehr unterschiedlicher Hoffnungen und Ängste. Für viele stand die Spanische Republik für die Verteidigung von Demokratie, Freiheit und sozialer Emanzipation gegen Faschismus, Militärputsch und autoritäre Gewalt. Gerade deshalb wurde der Krieg früh zu einem europäischen und internationalen Schlüsselereignis.Das Gespräch fragt auch nach den Nachwirkungen dieser Erzählungen. Welche Bilder vom Spanischen Bürgerkrieg prägen unsere Erinnerung bis heute? Zur Person:Thomas von der Osten‑Sacken ist Journalist und Publizist sowie Mitbegründer und Geschäftsführer der Hilfsorganisation Wadi e. V., die seit den frühen 1990er‑Jahren Menschenrechts‑ und Frauenrechtsarbeit im Nahen Osten leistet. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge zu Antisemitismus, Islamismus, Nahostpolitik und linker Geschichte u. a. in Jungle World, Die Zeit und Welt.Weiterführende Veröffentlichungen von Thomas von der Osten‑Sacken:Amerika. Der „War on Terror“ und der Aufstand der Alten Welt, hrsg. mit Thomas Uwer und Andrea Woeldike (ça ira Verlag, 2003) Verratene Freiheit. Der Aufstand im Iran und die Antwort des Westens, hrsg. mit Oliver M. Piecha & Alex Feuerherdt (Verbrecher Verlag, 2010) Beiträge in Sammelbänden wie Iran – Israel – Deutschland (2017): u. a. „Teheran und die Flüchtlinge…“Diverse Essays aus den Jahren 2022–2023 zu Themen wie „Die Bundesrepublik und 20 Jahre War on Terror“ oder Flüchtlingshilfe im sans phrase MagazinModeriert von Thure Alting von Spiegelbild e. V.

    Folge 2: Thomas von der Osten-Sacken über die Rezeptionsgeschichte des Spanischen Bürgerkriegs
  3. Jul 14

    Folge 1: Alex Carstiuc über den Spanischen Bürgerkrieg als Blaupause des Zweiten Weltkriegs

    Das Gespräch mit Alex Carstiuc zeichnet die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Zweiten Republik nach, rekonstruiert den Militärputsch vom Juli 1936 und folgt dem Verlauf eines Krieges, dessen Bedeutung weit über Spanien hinausreichte. Der Spanische Bürgerkrieg wurde zum Schauplatz internationaler Solidarität, aber auch zum Vorzeichen des kommenden europäischen Krieges. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Verrat der westlichen Demokratien. Die Politik der sogenannten Nichteinmischung schwächte die Republik massiv, während Deutschland und Italien Franco militärisch unterstützten. Die Geschichte hätte ein anderes Ende nehmen können, wenn die demokratischen Staaten Europas die spanische Republik nicht isoliert hätten. Zugleich richtet das Gespräch den Blick auf die Ambivalenzen und Tragödien der republikanischen Seite, auf ihren Kampf gegen den Faschismus, aber auch auf stalinistischen Terror, innerlinke Repression und die Verfolgung oppositioneller Linker. Nach 1939 setzte sich die Tragik vieler Spanienkämpfer fort. Exil, Internierung, Verfolgung und in vielen Fällen die erneute Konfrontation mit Faschismus und Krieg.Alexander Carstiuc, Sozialpädagoge und Historiker, arbeitet in der Bildungsarbeit und als Übersetzer zu den Themen Nationalsozialismus und Shoa. Er ist Herausgeber der Memoiren Léon Poliakovs. Zuletzt übersetzte er (mit Jonas Empen und Janina Reichmann): Annette Wieviorka: 1945. Als die Amerikaner die Lager entdeckten. Tiamat 2021.

    Folge 1: Alex Carstiuc über den Spanischen Bürgerkrieg als Blaupause des Zweiten Weltkriegs
  4. 05/28/2024

    Vortrag: Decolonizing Auschwitz? Woran postkoloniale Ansätze in der Holocaustforschung scheitern

    Mitschnitt vom 8.2.22: In den vergangenen Jahren sind diverse wissenschaftliche Arbeiten erschienen, die die Holocaustforschung mit kolonialgeschichtlichen und postkolonialen Ansätzen verknüpfen. Sie argumentieren, dass die Wissenschaft sich bisher zu wenig mit der Frage beschäftigt habe, inwiefern die Geschichte des Kolonialismus auch für die Historiographie und Erinnerungskultur von Nationalsozialismus und Shoa von Bedeutung ist. Eine zentrale Herangehensweise dieser Ansätze ist die, dass die These einer "Singularität" des Holocaust problematisiert und vereinzelt abgelehnt wird. Vielmehr wird von historischen und ideologischen Kontinuitäten zwischen Kolonialismus und Nationalsozialismus verschiedener Art ausgegangen, deren Nichtbeachtung einem wissenschaftlichen Eurozentrismus gleichkomme. Die Fragen, die in diesen Ansätzen aufgeworfen werden, sind nicht zuletzt gesellschaftspolitisch relevant - und zu einem großen Teil sind es auch die, die den so genannten "Historikerstreit 2.0" der vergangenen Monate bestimmten. Ihre Argumentation soll im Vortrag vorgestellt werden. Dabei soll auch aufgezeigt werden, welche Probleme mit einem solch (post-)kolonialgeschichtlichen Zugriff einhergehen und warum die Spezifik des Antisemitismus in diesen Ansätzen oftmals verkannt wird. Steffen Klävers hat in seiner Dissertation "Decolonizing Auschwitz?: Komparativ-postkoloniale Ansätze in der Holocaustforschung" (Berlin: de Gruyter 2019) eine Kritik an den gegenwärtigen Versuchen postkolonialer Deutung des Holocausts formuliert.

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