Wie sichert ein mittelständisches Unternehmen Erfahrungswissen, bevor langjährige Mitarbeiter in Rente gehen?Was unterscheidet dokumentiertes Wissen von Erfahrungswissen und warum ist genau das der blinde Fleck vieler Unternehmen? Welche Rolle spielen KI-gestützte Interviews und Lernplattformen beim Wissenstransfer im Mittelstand? 56 Prozent der Belegschaft sind über 50. Bei der ITV GmbH in Bielefeld ist das keine Statistik, sondern ein konkreter Handlungsdruck. Stefanie Bindzus, Geschäftsführerin in zweiter Generation, hat sich dieser Zahl gestellt – und angefangen, bevor es zu spät ist. Im Gespräch mit Christian Rahn beschreibt sie, warum klassisches Wissensmanagement zu kurz greift. Arbeitsanweisungen und Handbücher dokumentieren, was jemand tut. Aber nicht, warum. Nicht das Bauchgefühl bei Lieferantenverhandlungen, nicht die Abkürzungen im ERP-System, nicht die stillen Warnsignale, die nur erkennt, wer seit 20 Jahren dabei ist. Stefanie nennt es Erfahrungswissen – und genau das droht zu verschwinden. ITV geht das Problem pragmatisch an: mit geführten Interviews, KI-gestützter Aufbereitung und einer Lernplattform, die Wissen in kurze, mobile Einheiten zerlegt. Begleitet wird der Prozess von der Agentur Rinker und Rinker, die auf Wissensmanagement spezialisiert ist. Der erste große Testfall: die Übergabe der Einkaufsleitung – eine strategisch zentrale Position. Gleichzeitig verändert sich, wer künftig dieses Wissen aufnehmen soll. Durch ein Reverse Mentoring hat Stefanie ihren Blick auf jüngere Generationen geschärft. Ihre Erkenntnis: Die Einarbeitungszeit muss kürzer werden, weil die Verweildauer kürzer wird. Wer drei bis vier Jahre bleibt statt 25, braucht schneller Zugang zu dem, was funktioniert. Das Gespräch zeigt: Wissenstransfer ist kein IT-Projekt. Es ist eine Führungsaufgabe, die Unternehmenskultur, Generationenverständnis und technologische Offenheit zusammenbringt. Takeaways Erfahrungswissen ist das, was in keiner Arbeitsanweisung steht – und am meisten fehlt, wenn es weg ist56 Prozent über 50: Wer seine Altersstruktur kennt, kann handeln, bevor der Druck kommtGeführte Interviews holen mehr raus als die Aufforderung „Schreib mal auf, was du machst"KI hilft beim Strukturieren und Aufbereiten – ersetzt aber nicht die menschliche EinordnungReverse Mentoring verändert den Blick auf junge Generationen konkreter als jede StudieKürzere Verweildauer neuer Mitarbeiter erzwingt schnellere EinarbeitungDer erste Schritt ist nicht Technologie, sondern Austausch mit anderen Unternehmern Impulsgeberin Stefanie Bindzus führt als CEO die ITV GmbH – ein Familienunternehmen für Pneumatik-Lösungen, das sie seit 2009 in zweiter Generation leitet. Als Ingenieurin in einer konservativen technischen Branche und als Teilzeit-Geschäftsführerin bringt sie eine Perspektive mit, die im klassischen Mittelstand selten ist. Wer wissen will, wie man Erfahrungswissen sichert, bevor es das Unternehmen verlässt, sollte ihr zuhören. 🔗 LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/stefaniebindzus/ Host Christian Rahn bewegt sich seit über drei Jahrzehnten zwischen Marken, Märkten und Menschen. Er unterstützt Unternehmer und Führungskräfte dabei, im Marketing Klarheit zu gewinnen. Sein Fokus liegt auf Struktur, Positionierung und sinnvollem Einsatz von KI. Immer mit dem Ziel, Entscheidungen sicherer zu machen. 🔗 LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/rahn-christian-cmo 🌐 Website: https://www.rahn.digital/ ✉️ Mail: podcast@rahn.digital