Beiträge zu einem Neuen Yogawillen

Heinz Grill

Das Ziel im Yoga ist ganz allgemein gesprochen eine vollkommene Freiheit. Diese Freiheit, von der die Rede ist, könnte jedoch sehr leicht missverständliche Formen annehmen und eine Art gefühlshafte Vitalität mit einem ekstatischen Lebensgefühl bedeuten, oder sie könnte eine heimliche Ich-Identität sein, die ausschließlich auf intellektuellen Wertmaßstäben und Wissensvergleichen beruht. Der Yoga sucht jedoch nicht diese äußeren Formen und Gefühle des sich Freifühlens, sondern eine Freiheit in dem sogenannten Selbst, im Yoga bezeichnet als der höchste purusha, in manas, dem Denken, in buddhi, dem Fühlen, in atman, dem Willen. Jene Freiheit, die auf dem Wege entsteht und am Ende dominieren soll, ist von einer ganz anderen Leuchtkraft als jene, die am Anfang besteht.

  1. Jahresausblick auf 2026 Teil 5

    JAN 3

    Jahresausblick auf 2026 Teil 5

    Diese nicht ganz einfache Fragestellung ist deshalb von besonderem Interesse, da es mehrere verschiedene große Bewegungen in der Anthroposophie und in anthroposophischen Kreisen gibt. Zunächst müsste die Annahme erfolgen, dass die Seele Rudolf Steiners in diesen verschiedenen Einrichtungen, die seinen Namen tragen, lebendig existiert. Wo aber lebt die Seele oder der Geist heute? Natürlich existieren innerhalb und außerhalb von Einrichtungen sehr viele Auffassungen und Interpretationen von Rudolf Steiner, denn sein Werk ist über die Zeit hinweg ein gewisses Kulturerbe geworden. Eine recht große, bunte, nicht nominierte Bewegung, die sich die Schriften von Rudolf Steiner materiell zunutze macht und daraus erweiterte methodische Ansätze formt, kann eventuell als eine sehr allgemeine Strömung ihre Bezeichnung erhalten. Sowohl sehr intellektuelle als auch überdurchschnittlich emotionale Naturelle gehen aus dieser Strömung hervor, die, wenn man sie vielleicht mit einem möglichst wertfreien Begriff bezeichnet, als die Nutzer und Benützer der von Rudolf Steiner geprägten Weltanschauung fungieren. Sie identifizieren sich meist mit dem Wort „Anthroposophie“. Ein Wahrheitsanspruch lässt sich in den Kreisen, in denen intellektuelle oder emotionale Identifikationen vorherrschen, nicht übersehen. Erfahrungen zeigen, dass der Dialog mit anderen Richtungen, beispielsweise wenn man vonseiten einer orientalischen Philosophie kommt, häufig abgewiesen wird. Gerade der materialistische Umgang im Sinne des reinen Nutzens der Gedanken und Worte von Rudolf Steiner führt für einen Außenstehenden zu dem Gefühl, dass er in seiner Position des Selbst noch nicht ausreichend würdig ist, um in den Dialog zu treten. Wirkliche Minderwertigkeitsgefühle können auftreten, wenn den intellektuellen Reden dieser Strömungen zugehört wird. So geschah es in den vergangenen Jahren nicht selten, dass Personen, die sich inniglich und tiefgründig mit den Schriften von Rudolf Steiner auseinandergesetzt hatten, aber dennoch keine richtigen Insider waren, gerade bei vielen Anthroposophen Werturteile empfingen, die ihnen glauben machen sollten, man könne Rudolf Steiner nur lesen, wenn man sich auch hierzu ausreichend ausgezeichnet habe. Eine bessere und eine schlechtere Klasse von Menschen entsteht durch dieses Weltbild.

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Das Ziel im Yoga ist ganz allgemein gesprochen eine vollkommene Freiheit. Diese Freiheit, von der die Rede ist, könnte jedoch sehr leicht missverständliche Formen annehmen und eine Art gefühlshafte Vitalität mit einem ekstatischen Lebensgefühl bedeuten, oder sie könnte eine heimliche Ich-Identität sein, die ausschließlich auf intellektuellen Wertmaßstäben und Wissensvergleichen beruht. Der Yoga sucht jedoch nicht diese äußeren Formen und Gefühle des sich Freifühlens, sondern eine Freiheit in dem sogenannten Selbst, im Yoga bezeichnet als der höchste purusha, in manas, dem Denken, in buddhi, dem Fühlen, in atman, dem Willen. Jene Freiheit, die auf dem Wege entsteht und am Ende dominieren soll, ist von einer ganz anderen Leuchtkraft als jene, die am Anfang besteht.