Ringvorlesung des AStA TU Darmstadt

AStA TU Darmstadt

Digitale Ringvorlesung im Sommersemester 2021

Episodes

  1. Der Aufstand gegen die Islamische Republik und seine internationale Dimension

    07/03/2023

    Der Aufstand gegen die Islamische Republik und seine internationale Dimension

    In mehr als 40 Jahren, in denen im Iran Frauen mit Glasscherben und Säure terrorisiert und inhaftierte Frauen gezwungen wurden, sich selbst als „Huren“ zu denunzieren, warteten die politisch-staatlichen Repräsentanten von Hans-Dietrich Genscher bis Frank-Walter Steinmeier unbeirrt mit einem „kritischen Dialog“ nach dem anderen auf. Bereits in den vergangenen Jahren, als das Auswärtige Amt dem Regime noch zutrug, „Stabilisierungsfaktor in der Region“ (S. Gabriel) zu werden, der „Erhalt der Zahlungskanäle“ für das europäisch-iranische Business zur europäischen „Priorität“ (H. Maas) und der Widerstand gegen US-amerikanische Iran-Sanktionen als ein „Akt europäischer Souveränität“ erklärt wurden, wurde der Iran wieder und wieder von heftigen Aufständen erschüttert. Unzählige Einrichtungen der Mullahs wurden niedergebrannt, ganz genauso wie die überdimensionale Straßendekoration aus frommen Versen, Märtyrerverehrung, antiisraelischen Vernichtungsdrohungen und den Fratzen von Ali Khamenei, Ruhollah Khomeini und Qasem Soleimani. Sobald es dem Regime gelungen war, die Aufstände niederzuschlagen und den „Sieg“ über die „Verschwörung der Feinde“ ausgerufen hatte, mahnte auch das Auswärtige Amt, ohne den Schlächtern nahezutreten: „Das Recht auf friedlichen Protest muss gewahrt sein.“  Inzwischen wird auf deutschen Parteitagen der moralische Größenwahn herauskitzelt, „keine Frau im Iran, keine Frau in der Ukraine, keine Frau in Afghanistan oder in Saudi-Arabien darf daran zweifeln, dass wir an ihrer Seite stehen“ (Omid Nouripour), während die Frauen in Afghanistan, die von den Taliban aus den Universitäten geprügelt werden, genauso allein sind wie in diesen Tagen Irans Schulmädchen, die mit einer Talibanisierung der Konterrevolution konfrontiert sind.  Der Vortrag wird sich der Verfasstheit des „Islamischen Staates“ (so der Titel einer Vorlesungssammlung des Staatsgründers Ruhollah Khomeini) im Iran widmen und den Aussichten auf seinen Fall. Das Regime sprach in jüngerer Vergangenheit offen aus, dass ihre im Irak und anderswo etablierten Milizen die Verteidigung der „Islamischen Revolution“ übernehmen, sobald die „inneren Kräfte“ darin zu scheitern drohen. Der Vortrag wird folglich auch die Konstellationen in der Region in den Blick nehmen. Danyal Casar ist Autor des Blogs Cosmoproletarian Solidarity und Gastautor für Jungle World und sans phrase.

    44 min
  2. Peter Bierl: "Grüne Braune"

    04/01/2021

    Peter Bierl: "Grüne Braune"

    Vortrag im Rahmen der digitalen Tagung "Kapitalismus & Klima" am 29.08.2020 Umweltschutz ist nicht per se links, sondern hat braune Wurzeln und  Kontinuitäten. Pioniere waren die Lebensreformer und Heimatschützer im  Kaiserreich. Später bepflanzten sie die Seitenstreifen von Hitlers  Autobahnen mit heimischen Gewächsen, entwarfen Landschaftspläne zur  Germanisierung Osteuropas oder testeten die biodynamische Landwirtschaft  in Konzentrationslagern. Heute siedeln Neonazis in Randlagen als Biobauern, Autonome  Nationalisten kochen vegan und Ideologen der Neuen Rechten wollen eine  linke Deutungshoheit in der Umweltfrage brechen, um antisemitische und  rassistische Vorstellungen zu verbreiten, während die AfD den  Klimawandel leugnet. Die einen gerieren sich als Verteidiger der freien Fahrt für freie  Bürger, von Flugreisen und Fleischkonsum ohne Grenzen. Die anderen  sprechen jene die Heimat, Nation und Staat und lieben die Vielfalt der  Kulturen, die sie bewahren wollen, als handele es sich um verschiedene  Tier- und Pflanzenarten. Gemeinsam ist allen Strömungen der Rechten,  Tiefenökologen und Biozentristen, die rassistische Vorstellung, der  Planet sei überbevölkert. Der Vortrag bietet einen Überblick über aktuelle Aktivitäten und  Positionen der Rechten im Umweltbereich sowie einen historischen  Rückblick. Außerdem werden ideologische Schnittstellen behandelt, die  die Rechte nutzen kann.  Peter Bierl ist freier Journalist, Mitglied der Gewerkschaft Verdi und  lebt mit seiner Familie in der Nähe von München. Zuletzt sind von ihm  erschienen „Keine Heimat nirgendwo. Eine linke Kritik der Heimatliebe“ (2020), „Einmaleins der Kapitalismuskritik“ (2018) und „Grüne Braune: Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts“ (2014).

    41 min

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