Carl & Company – Der transatlantische Podcast

Carl-Schurz-Haus Freiburg / DAI e.V.

„Carl & Company“ – das ist der transatlantische Podcast des Carl-Schurz-Hauses, Insidern auch bekannt als das Deutsch-Amerikanische Institut in Freiburg. Alle paar Wochen packen wir hier zwei Gespräche zu einem gemeinsamen Thema in eine pralle Folge: Eins mit einem amerikanischen Autor oder einer Autorin, einem Experten oder einer Expertin aus den USA oder auch einer Künstlerin oder einem Künstler von der anderen Seite des großen Teichs. Wir laden ein, mit wem wir schon immer einmal über „Pod und die Welt“ sprechen wollten, und probieren einen Rundumschlag. Das andere mit einer spannenden, schlagfertigen Person vor Ort, die dazu Stellung bezieht, eigene Eindrücke mitbringt und mit Moderator René Freudenthal thematisch den „Sack zuschnürt“, wie man so schön schnöde sagt. Transatlantisch, transzendental, tragikomisch und ab und an vielleicht auch mal tanzbar – so sollen die Gespräche von „Carl & Company“ sein.

  1. 09/17/2025

    Autor und Kunsthistoriker James Cahill: "The Violet Hour" und der schöne Schein der modernen Kunst(welt)

    In dieser Episode von Carl & Company geht es um die Verführungskraft der Oberfläche: Der britische Kunsthistoriker und Autor James Cahill führt uns mit seinem neuen Roman The Violet Hour in jene Zwischenräume der modernen Kunst, in denen das schillernde Sichtbare mehr sagt als jede tiefere Botschaft. Oberflächen, so zeigt Cahill im Gespräch mit Host René Freudenthal, sind nie bloß Fassade: Sie sind Membran, Schwelle, Verheißung – das Erste, was uns anzieht, und vielleicht auch das Letzte, was nach dem Verklingen aller Inhalte am Ende übrigbleibt. Cahills raffinierte kunsthistorische Erzählung entfaltet sich vor unseren Augen wie ein Lichtwechsel: präzise in der Analyse, doch zugleich schwebend, tastend, immer im Bewusstsein, dass Bilder ihr Geheimnis im Sichtbaren bergen. Als zweite Stimme hören wir die Künstlerin und Kuratorin Lorena Juan, die in diesem Jahr die Freiburger Biennale kuratiert hat. Hier begegnet uns die Oberfläche nicht in der Stille des Museums, sondern im öffentlichen Raum, wo Kunst exponiert und ausgestellt ist, sichtbar, verletzlich, durchdrungen vom Blick der Passant:innen. So entsteht ein transatlantisch inspiriertes Gespräch über das Schimmern der Moderne, über Oberflächen, die locken, täuschen oder einfach nur glänzen – und über die Frage, ob Tiefe ohne Oberfläche überhaupt denkbar ist. Shownotes: James Cahill: "The Violet Hour" Moderation & Redaktion: René Freudenthal Produktion & Mitarbeit: Hanna Langreder Original-Logo zum Podcast: Simon Krause Original-Musik zum Podcast: Edward Fernbach

    56 min
  2. 07/29/2024

    „The Atlantic“-Autor und Romney-Biograf McKay Coppins: Mitt, Donald und J.D.: Republikanische Schicksalsjahre

    Nur wenige prägende Persönlichkeiten der amerikanischen Politik haben mehr gesehen – und oft auch: weniger dazu gesagt – als Mitt Romney. Als ausgesprochener Dissident in Donald Trumps Partei hat er in den letzten Jahren im US-Senat Schlagzeilen gemacht, weil er allein sich gegen die „MAGA“-Fraktion positioniert hat – gegen Politiker:innen, von denen er glaubt, dass sie die Partei, die er 2012 noch als Präsidentschaftskandidat angeführt hat, vergiften. Romney war der erste Senator in der US-Geschichte, der für die Amtsenthebung eines Präsidenten seiner eigenen Partei stimmte. Als die Anhänger:innen dieses Präsidenten das US-Kapitol stürmten, hielt Romney eine donnernde Rede im Senat, in der er seine republikanischen Kolleg:innen beschuldigte, diesen Aufstand geschürt zu haben. Trotz solcher Momente des Mutes hat Romney nur sehr wenig darüber erzählt, was er in seinen drei Jahrzehnten in der Politik hinter den Kulissen gesehen hat – in den Hinterzimmern der Republikaner und bei Fraktionsmittagsessen, bei seinen intimen Treffen mit Donald Trump und seiner Familie, bei seinen Begegnungen mit John McCain, George W. Bush, Barack Obama, Joe Biden, Mitch McConnell, Joe Manchin und Kyrsten Sinema. Erst dem Journalisten McKay Coppins („The Atlantic“) bot Romney Einblicke in seine privatesten Gedanken: Seine Biografie „Romney: A Reckoning“ basiert auf dutzenden Interviews mit dem mormonischen Multimillionär aus Utah, der sich ganz anders zeigt, als wir ihn in seiner Kampagne gegen Barack Obama vor 12 Jahren kennenlernten – das bisher letzte Mal, das ein konservativer US-Präsidentschaftskandidat nicht Donald Trump hieß. Coppins erzählt uns, wie Romney heute über seine Karriere und die Radikalisierungsgeschichte seiner Partei im 21. Jahrhundert denkt – und worüber sich Romney mit Präsident Biden auf dem Golfkurs austauscht, der ihm ein später persönlicher Freund geworden ist. Danach sortieren wir mit Arthur Landwehr, von 1999 bis 2006 und 2018 bis 2022 Hörfunk-Auslandskorrespondent für die ARD aus Washington, D.C. und Autor des Sachbuch-Bestsellers „Die zerrissenen Staaten von Amerika“ die aktuelle Aufstellung der „GOP“ – „MAGA“-Märtyrer Donald Trump und sein Vize-Kandidat J.D. Vance. Shownotes: McKay Coppins - "Romney: A Reckoning" Arthur Landwehr - "Die zerrissenen Staaten von Amerika" Moderation & Redaktion: René Freudenthal Produktion & Mitarbeit: Hanna Langreder Original-Logo zum Podcast: Simon Krause Original-Musik zum Podcast: Edward Fernbach

    59 min
  3. 02/19/2024

    Außenpolitik-Journalistin und Autorin Emily Tamkin („Bad Jews“): Gaza und unsere Gesprächskultur

    Vom Gazastreifen aus drangen am 07. Oktober 2023 Terroristen der militant-islamistischen Hamas nach Israel ein und brachten mehr als 1.300 Menschen um, vorwiegend Zivilist:innen. Es war die bislang blutigste Terrorattacke auf israelischem Boden und das schlimmste Blutbad an Jüdinnen und Juden seit dem Holocaust. Noch am gleichen Tag begann Israel mit Luftangriffen auf den Gazastreifen. Wieder einmal ist der Landstrich zum Ausgangspunkt für einen Krieg geworden. Der zugrundeliegende Konflikt und seine Ursachen reichen jedoch weit über Gaza hinaus – und Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende zurück. In einem Dauerzustand der uns umgebenden Polykrise – von Corona über Ukraine bis Inflation und Klimakrise – scheint dieser erneute Nahostkonflikt der Tropfen zu sein, der in der deutschen Gesellschaft das Fass zum Überlaufen bringt. Seit Monaten tobt der Deutungskampf um diese entsetzlichen Entwicklungen auch bei uns in der Öffentlichkeit. Eine breite Debatte um einen neuen oder vielleicht auch nur plötzlich sehr viel sichtbareren Antisemitismus beschäftigt das Land, von dem in den 1940er Jahren der Holocaust ausging und Europas jüdische Bevölkerung beinahe auslöschte. Emily Tamkin ist eine der profiliertesten jungen jüdischen Stimmen in der US-Medienlandschaft und hat auch schon zwei Bücher zum Thema vorgelegt – „The Influence of Soros“ und zuletzt „Bad Jews“. Sie schreibt für die „Washington Post“, „Slate“ und „Foreign Affairs“. Mit ihr sprechen wir über den Blick von Amerikas jüdischer Community auf den Nahostkonflikt. Danach unterhalten wir uns mit Julia Wolrab, seit 2020 wissenschaftliche Leiterin des Dokumentationszentrums Nationalsozialismus Freiburg, über die Sicht einer Historikerin der NS-Zeit auf den Resonanzraum des Gazakriegs in Deutschland – und wie die aktuellen Demokratieproteste gegen Rechtsextremismus ins Bild passen. Ein Disclaimer: Zwischen den beiden Gesprächen sind einige Wochen vergangen – die Themen, über die wir uns unterhalten, bleiben aber dennoch über das Tagesgeschehen hinaus relevant. Shownotes: "Bad Jews" - Emily Tamkin Moderation & Redaktion: René Freudenthal Produktion & Mitarbeit: Hanna Langreder Original-Logo zum Podcast: Simon Krause Original-Musik zum Podcast: Edward Fernbach

    1h 7m
  4. 09/11/2023

    „Vox“-Senior Culture Writer & Critic Alissa Wilkinson: „Barbie“ und die Bibel – ein Sündenfall in Rosarot?

    Eine schrill pinke Puppenhaus-Komödie als aberwitziges Milliardengeschäft und Popkultur-Dampfwalze: In Regisseurin Greta Gerwigs gleichnamigem, Rekorde aller Art brechenden Kinofilm spaziert die berühmteste Spielzeugpuppe der Welt, Barbie – die schon ein Girlboss war, als dieser Begriff noch nicht erdacht war – hinaus aus den Kinderzimmern und deren imaginärem Barbieland und hinein in eine echte Welt, in der ihr seit Jahrzehnten von feministischen Fangirls der rosarote Teppich ausgerollt wird. Oder irrt sich Barbie (Margot Robbie) da etwa – und Spielzeughersteller Mattels gertenschlanke Plastik-Ikone steht heute gar nicht mehr für die Befreiung der modernen Frau? Mit ordentlich Selbstironie und knallbunten Sets wurde Barbie zum populärsten Film des Jahres, zum Marketing-Phänomen, zu einem der selten gewordenen Kinofilme, die man einfach gesehen haben muss, um mitreden zu können. Aber was hat Barbie denn bloß mit der biblischen Sündenfallgeschichte, mit Adam und Evas Vertreibung aus dem Paradies zu tun? Alissa Wilkinson, Senior Culture Writer & Critic bei „Vox“, Dozentin am King‘s College in New York City und Sachbuchautorin („How to Survive the Apocalypse: Zombies, Cylons, Faith, and Politics at the End of the World“) erklärt uns die erstaunlichen Querverweise von Gerwigs ultimativem Kassenschlager auf eine der einflussreichsten Urerzählungen der Zivilisation überhaupt. Es geht aber natürlich ebenso um Feminismus, amerikanischen Turbokapitalismus – und ein ganz kleines bisschen auch um Ken. Danach unterhalten wir uns mit unserer Sprachkursleiterin für Erwachsene Ashley Matthäus, die ihren Master in Visual Anthropology gemacht hat, unseren Filmemacher-Club „Schurz Shorts“ leitet und einen „Next Cohen Brothers’ Award“ gewann, über ihre Sicht auf Barbie als cinephile Amerikanerin. Shownotes: "In the beginning, there was Barbie" von Alissa Wilkinson. Moderation & Redaktion: René Freudenthal Produktion & Mitarbeit: Hanna Langreder Original-Logo zum Podcast: Simon Krause Original-Musik zum Podcast: Edward Fernbach

    50 min
  5. 05/15/2023

    „New Yorker“-Starjournalistin und Bestsellerautorin Rachel Aviv: Geschichten aus dem gestörten Innenleben

    Wir erkunden diesmal, wie die Geschichten, die wir uns über psychische Erkrankungen selbst erzählen, ihren Verlauf in unserem Leben – und in unserem Wesenskern – prägen können: Die „New Yorker“-Starjournalistin Rachel Aviv schreibt in „Strangers to Ourselves: Unsettled Minds and the Stories That Make Us“ über Menschen, die an die Grenzen psychiatrischer Erklärungen für ihre von der neurotypischen ‚Normalität‘ abweichenden Identität gestoßen sind. Sie folgt einer als Heiligen gefeierten Inderin, die in Heilungstempeln in Kerala religiöse Erfüllung sucht; einer wegen Kindstötung inhaftierten afroamerikanischen Mutter, die um die Vergebung ihrer Familie ringt, nachdem sie sich von einer Psychose erholt hat; einem Mann inmitten der „Midlife Crisis“, der sein Leben der Rache an seinen Psychoanalytikern widmet; und einer jungen Frau aus wohlhabenden Verhältnissen, die nach einem Jahrzehnt, in dem sie sich völlig über ihre Diagnose definiert hat, beschließt, ihre Medikamente abzusetzen – weil sie ohne Pillen nicht mehr weiß, wer sie eigentlich ist. Durchdrungen von ihrem tiefen Sinn für Empathie wird Avivs Erkundung des Innenlebens durch ihren eigenen Bericht darüber bereichert, wie sie im Alter von gerade einmal sechs Jahren mit einer Magersuchtsdiagnose ins Krankenhaus kam und eine Mitpatientin traf, die ihr zur Doppelgängerin wird – bis sich ihre Lebenswege und Selbstfindungen wieder trennen, auf radikale Weise. Danach unterhalten wir uns mit Dr. Ismene Ditrich, Funktionsoberärztin und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie an der Freiburger Universitätsklinik und Co-Host des Podcasts „Jung und Freudlos“, über ihre praktische Arbeit als Medizinerin sowie Vermittlerin von psychiatrischen Themen und wie sie damit umgeht, dass vieles in ihrem Feld immer in Bewegung bleibt. Shownotes: "Strangers to Ourselves - Unsettled Minds and the Stories that Make Us" - Rachel Aviv Moderation & Redaktion: René Freudenthal Produktion & Mitarbeit: Hanna Langreder Original-Logo zum Podcast: Simon Krause Original-Musik zum Podcast: Edward Fernbach

    1h 6m
  6. 04/03/2023

    US-Generalkonsul Norman Thatcher Scharpf: Bilanz über barbarische Zeiten – 1 Jahr Angriffskrieg gegen die Ukraine

    Manchmal ist es noch immer kaum zu glauben, aber: Mehr als ein Jahr von Russlands anhaltendem Angriffskrieg gegen die Ukraine liegen hinter uns. Der Westen übt sich in auch wirtschaftlich und gesellschaftlich äußerst angespannten Zeiten in einer fragilen, dennoch bislang ganz erstaunlichen Geschlossenheit. Die Welt als solche ist nicht mehr dieselbe, die sie am 23. Februar 2022 vielleicht gerade noch gewesen war. Xi Jinping und Vladimir Putin stoßen in Moskau auf den unverbrüchlichen Bund zwischen eurasischen Top-Autokraten an; kurz zuvor spazierte US-Staatsoberhaupt Joe Biden unerschrocken im Geheul der Luftabwehrsirenen an der Seite des ukrainischen Kriegspräsidenten Selenskyj durch die freie Hauptstadt Kyiv, die doch schon längst gefallen und fest in Händen des Kreml sein sollte, wenn es denn nach dem Willen des Neo-Zaren und seines verzerrten Geschichtsverständnisses gegangen wäre. Wir ziehen auf bewährt zweifache Weise Bilanz nach einem blutigen Jahr und bemühen uns um Ausblick, soweit das geht: Norman Thatcher Scharpf, unser erster Gast, ist seit August 2021 Generalkonsul im US-Generalkonsulat Frankfurt, dem größten der Welt und damit auch für uns in Freiburg zuständig. Von August 2018 bis Dezember 2020 war er stellvertretender Leiter des Büros des US-Außenministers, leitete dessen Sekretariat und war für die Organisation der Auslandsreisen des Außenministers verantwortlich. Thatcher Scharpf war in vielen zentral- und osteuropäischen Hauptstädten als leitender Diplomat stationiert. Sein lokales, deutsches Gegenstück ist dann Melanie Arndt – sie ist seit April 2020 Professorin für Wirtschafts-, Sozial-  und Umweltgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und hat ihren Schwerpunkt auf Osteuropastudien gelegt – und somit kennt sie sich in der Ukraine selbst ebenso aus wie in Energiefragen. Moderation & Redaktion: René Freudenthal Produktion & Mitarbeit: Hanna Langreder Original-Logo zum Podcast: Simon Krause Original-Musik zum Podcast: Edward Fernbach

    57 min
  7. 12/19/2022

    Washington-Korrespondentin von "Time" und Autorin von "Pelosi", Molly Ball: Die Midterms und die mächtigste Frau der USA

    Rotes Rinnsal statt Roter Tsunami: Statt einem einzelnen Wahltag erleben die USA inzwischen Wahlwochen, während denen die Ergebnisse des eigentlichen Urnengangs akribisch ausgezählt werden und erst nach einer Weile wirklich klar ist, was das amerikanische Wahlvolk seinen Vertreter*innen zu sagen hatte. 2022 blieb den oppositionellen Republikanern der Erdrutschsieg gegen einen unbeliebten Präsidenten Biden und seine mit Themen wie Inflation und Kriminalität arg strauchelnde Partei für viele überraschend versagt. Extreme und teils auch einfach etwas alberne Kandidat*innen, handverlesen nicht selten von Ex-Präsident Trump höchstselbst, vergeigten den Erzkonservativen den geplanten Triumphmarsch zurück an die Macht – nur eine magere Mehrheit im US-Kongress war gerade noch so drin. Mit Molly Ball, National Political Correspondent des legendären Magazins Time, besprechen wir, welche Lehren beide Parteien aus den Midterm Elections ziehen sollten, wie die Ausgangsbedingungen für die nächste Präsidentschaftswahl 2024 aussehen, nachdem die große Klatsche für den Biden-Kurs ausgeblieben ist – und wie sie auf das Erbe der abtretenden Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, blickt, deren Biografin sie ist und die sie viele Male intensiv interviewt hat. Es geht um die mächtigste Frau in der Geschichte der USA, deren politisches Leben sich von FDR bis LBJ, von Carter über Obama bis Biden spannt. Danach diskutieren wir mit Niko Christen, unserem Gamingclub-Leiter, der seit 2017 für die US-Demokraten bis zur Senatsebene Wahlkämpfe mitorganisiert hat, in Freiburg jetzt Liberal Arts and Sciences studiert und im Vorstand der Grünen Jugend Freiburg genderpolitischer Sprecher ist, über Unterschiede im politischem Aktivismus auf beiden Atlantikseiten – und wie Gen Z die Apokalypse überlebt. Shownotes: "Pelosi" von Molly Ball Moderation & Redaktion: René Freudenthal Produktion & Mitarbeit: Hanna Langreder Original-Logo zum Podcast: Simon Krause Original-Musik zum Podcast: Edward Fernbach

    1h 6m
  8. 09/05/2022

    "Nomadland"-Autorin und Journalistin Jessica Bruder ("The Abortion Underground"): Amerika nach Roe v. Wade

    Sieht so der Anfang einer reaktionären Revolution aus? Am 24. Juni 2022 hat der amerikanische Supreme Court das Recht auf Abtreibung, wie es durch die ein halbes Jahrhundert lang bestehende Rechtsprechung aus dem Fall Roe v. Wade sowie aus Planned Parenthood v. Casey festlegte, außer Kraft gesetzt. In seiner Entscheidung Dobbs v. Jackson Women’s Health Organization stellte der Oberste Gerichtshof der USA mit erzkonservativer 6:3-Mehrheit fest, dass die Verfassung kein Recht auf Abtreibung enthalte. Das sprichwörtliche Women’s Right to Choose als Verfassungsgarantie ist damit Geschichte – und Abtreibung jetzt schon in zwanzig Bundesstaaten illegal oder stark eingeschränkt. „We will not go back!“ wurde auf den Protestmärschen in diesem Sommer voller Wut und Empörung gerufen – aber genau danach sieht es aus: Eine Ära der legalisierten Unterdrückung und gesellschaftlichen Regression könnte mit diesem schockierenden Urteil begonnen haben. Und das, obwohl ja derzeit die liberalen Demokraten das Weiße Haus und beide Kammern des Kongresses halten – denn die an den Supreme Court Berufenen sitzen dort auf Lebenszeit und scheinen zu allem bereit, um die Uhr zurückzudrehen. Darüber, was für praktische Konsequenzen das alles hat, sprechen wir mit Jessica Bruder, vielfach ausgezeichnete Journalistin und Sachbuchautorin, die für The Atlantic eine Titelgeschichte über The Future of Abortion in Post-Roe America geschrieben hat – und ganz nah dran war am neuen und alten Abortion Underground. Sie wurde mit der Buchvorlage für den Oscargewinnerfilm Nomadland bekannt. Danach diskutieren wir mit Pia Masurczak, Freiburger Medienpädagogin und Radiojournalistin u.a. für SWR und Deutschlandfunk Kultur, über die Lage hier in Deutschland – besonders im Lichte des Paragrafen 219a. Shownotes: "The Future of Abortion in a Post-Roe America" by Jessica Bruder in The Atlantic "Frauenkrankheiten werden weniger ernst genommen" von Pia Masurczak für Deutschlandfunk Kultur Moderation & Redaktion: René Freudenthal Produktion & Mitarbeit: Hanna Langreder Original-Logo zum Podcast: Simon Krause Original-Musik zum Podcast: Edward Fernbach

    54 min

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„Carl & Company“ – das ist der transatlantische Podcast des Carl-Schurz-Hauses, Insidern auch bekannt als das Deutsch-Amerikanische Institut in Freiburg. Alle paar Wochen packen wir hier zwei Gespräche zu einem gemeinsamen Thema in eine pralle Folge: Eins mit einem amerikanischen Autor oder einer Autorin, einem Experten oder einer Expertin aus den USA oder auch einer Künstlerin oder einem Künstler von der anderen Seite des großen Teichs. Wir laden ein, mit wem wir schon immer einmal über „Pod und die Welt“ sprechen wollten, und probieren einen Rundumschlag. Das andere mit einer spannenden, schlagfertigen Person vor Ort, die dazu Stellung bezieht, eigene Eindrücke mitbringt und mit Moderator René Freudenthal thematisch den „Sack zuschnürt“, wie man so schön schnöde sagt. Transatlantisch, transzendental, tragikomisch und ab und an vielleicht auch mal tanzbar – so sollen die Gespräche von „Carl & Company“ sein.