Börsen-Zeitung | Nachhaltiges Investieren

Börsen-Zeitung

Der Sustainable-Finance-Podcast der Börsen-Zeitung Wer definiert, was nachhaltig ist? Wo beginnt Greenwashing? Und wie müssen sich Investoren, Finanziers, Unternehmen und Dienstleister positionieren, um zukunftsfähig aufgestellt zu sein? Diese Fragen beleuchtet „Nachhaltiges Investieren“, der Podcast der Börsen-Zeitung rund um Sustainable Finance, ESG-Investments, Nachhaltigkeitstransformation & Co. Wir sprechen mit Expertinnen und Experten, die etwas zu sagen haben. Unsere Gäste sind Professionals aus Fondsgesellschaften, Banken und Unternehmen, andere bringen ihre Perspektive als Wissenschaftler, Regulierer oder Dienstleister ein. In jeder Episode nehmen wir im Interview ein aktuelles Thema oder eine besondere Herausforderung in den Blick und sprechen über professionelle und persönliche Einschätzungen. Zum Abschluss liefert unser Newsblock einen Überblick über die wichtigsten Meldungen aus der Sustainable-Finance-Community. Nachhaltiges Investieren erscheint jeden zweiten Donnerstag, Redaktion: Sabine Reifenberger. Feedback und Fragen sind willkommen: podcast[at]boersen-zeitung[dot]de Sie interessieren sich für ein Sponsoring des Podcasts oder für die weiteren ESG-Produkte der Börsen-Zeitung? Dann tretet gern in den Austausch mit unserem Sales-Team. Eva Kammler: E.Kammler[at]boersen-zeitung[dot]de

  1. Jul 23

    Unternehmen suchen den Business Case für Nachhaltigkeit

    Seit 2022 geben Unternehmen und Finanzmarktakteure für den Sustainability Transformation Monitor Auskunft zur Transformation der Wirtschaft. Mit mehr als 820 befragten Organisationen aus Realwirtschaft und Finanzwirtschaft zählt der Monitor zu den umfassendsten Erhebungen. Bei der jüngsten Auflage gab es eine Neuerung – und die hatte es in sich: „Wir hatten eine neue Frage hinzugefügt zum Business Case“, berichtet Jakob Christof Kunzlmann, Senior Expert im Bereich Nachhaltige Soziale Marktwirtschaft bei der Bertelsmann Stiftung, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Das Ergebnis sei für die Nachhaltigkeits-Community nicht besonders positiv ausgefallen, berichtet Kunzlmann, der den Monitor verantwortet hat. 83% der befragten Unternehmen sehen demnach keinen Business Case für Nachhaltigkeit. Zwar erkennen 43% der Unternehmen einen finanziellen Mehrwert darin, dass ihr Unternehmen in nachhaltige Transformation investiert. Doch dieser Mehrwert liegt noch unter den damit verbundenen Kosten. Teile der Community haben es Kunzlmann zufolge sehr positiv aufgenommen, dass der Report den Finger in diese Wunde lege. „Es ist nicht alles ein Win-Win-Wonderland. Es gibt Zielkonflikte.“ Allerdings gab es auch Kritik. Manche hielten die Fragestellung für „unterkomplex“, sagt Kunzlmann. Tatsächlich sei es nicht leicht, den Business Case von Nachhaltigkeit sofort finanziell nachzuweisen, räumt er ein. Das anfängliche Investment könne man zwar messen, etwa den Aufwand für den Aufbau von Know-how oder für ein Reporting-System. Langfristige positive Effekte hingegen seien schwieriger zu ermitteln. „Das kann ich noch nicht nach einem halben Jahr, wenn ich das erste Mal ein Reporting-System aufgebaut habe, klar sagen.“ Derzeit bremsen seiner Ansicht nach auch unsichere Rahmenbedingungen die Investitionen in Nachhaltigkeit. Er sieht „einen ziemlichen Zickzackkurs in der Politik zur Nachhaltigkeitstransformation“. Unternehmen fehle es an Planungssicherheit. Intern setzt das manche ESG-Stäbe unter Druck. „Wir wissen, dass Budgets auch teilweise eher rückläufig sind“, sagt Kunzlmann. Allerdings sieht er einen Nachholeffekt in bestimmten Bereichen der Wirtschaft: „Die Großunternehmen haben schon in den letzten Jahren viel gemacht. Jetzt zieht der Mittelstand so ein bisschen nach.“ Auch auf Bankenseite ist seiner Einschätzung nach viel passiert – nicht zuletzt, weil die Institute aufsichtsrechtlich angehalten sind, ESG-Daten in ihr Risikomanagement zu integrieren. In Finanzierungsgesprächen spielt Nachhaltigkeit allerdings eine abnehmende Rolle, darin sind sich Unternehmen und Banken einig. Während Sustainability-linked-Produkte vor allem von Großkonzernen genutzt würden, dominierten im Mittelstand klassische Förderprodukte, beobachtet Kunzlmann. Er ist dennoch überzeugt, dass Unternehmen sich dem Thema Nachhaltigkeit weiter widmen werden – und Banken ohnehin: „Transformation benötigt Kapital, und Banken verleihen Kapital. Das ist für die schon mal ein Business Case.“

    Unternehmen suchen den Business Case für Nachhaltigkeit
  2. Jun 25

    Zwischen „Wissenschafts-Elfenbeinturm“ und Bayer-Beirat

    Wissenschaft und Praxis müssen sich im Alltag begegnen, davon ist Christian Klein, seit 2013 Professor für Nachhaltige Finanzwirtschaft an der Universität Kassel, überzeugt. „Es ist genau das, was ich so liebe: aus unserem Wissenschafts-Elfenbeinturm hervorzutreten und ins wirkliche Leben reinzuschnuppern“, sagt er im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Seit sechs Jahren ist der Wissenschaftler Teil des Sustainability Council bei Bayer. Der Beginn war jedoch holprig: Ein Bayer-Mitarbeiter habe ihn nach einem Vortrag auf einer Tagung angesprochen und ihm von den Council-Plänen berichtet. „Ich habe den ausgelacht“, erinnert sich Klein. „Ich habe gesagt, das ist eine nette Idee, aber es wird euch kein Mensch glauben. Da denken alle sofort an Monsanto und an Greenwashing.“ Weitere Gespräche seien ähnlich verlaufen, auch ein Call mit dem damaligen CEO. „Ich habe genau das Gleiche gesagt – dass das nicht funktionieren wird.“ Kurz darauf kam der Ruf in den Beirat. „Ich war wirklich überrascht. Ich hatte nicht verstanden, dass das quasi Bewerbungsgespräche waren“, sagt Klein. Er ist sich sicher: „Die haben mich genommen, weil sie wussten, das ist ein Typ, der unbequeme Fragen stellen wird.“ Sein Lehrstuhl für Nachhaltige Finanzwirtschaft war der erste mit diesem Schwerpunkt in Deutschland. Für seine eigene Forschungsarbeit hat er die Devise „Jetzt erst recht“ ausgerufen. „Deswegen haben wir da feste Systeme, dass wir eben nicht abhängig sind von irgendwelchen Moden, sondern wirklich objektiv das beforschen dürfen, was wir für wichtig halten.“ Er ist überzeugt, dass die Nachhaltigkeitsrisiken im Moment wieder steigen. „All das, was wir jetzt ausbremsen, werden wir eines Tages nachholen müssen.“

    Zwischen „Wissenschafts-Elfenbeinturm“ und Bayer-Beirat
  3. May 28

    Impact-Investing vor dem Wendepunkt

    Die neue EU-Offenlegungsverordnung (SFDR 2.0) erkennt erstmals den Impact-Begriff an. Das sei „tatsächlich ein großer Durchbruch“, sagt Eric Prüßner, Geschäftsführer von Advanced Impact Research, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Er befasst sich mit der Frage, wie man den Impact bei Finanzprodukten messen und vergleichbar machen kann. Dabei dürfte der schwerste Teil der Definitionsarbeit erst noch kommen, erwartet Prüßner. Die SFDR 2.0 arbeitet mit Kategorien wie ESG Basics, Transition und Sustainable. Die bisherige Unterteilung in Artikel-8- oder Artikel-9-Fonds wird dadurch abgelöst. Der Vorschlag behandelt bislang allerdings erst einmal nur Level eins der Regulierung, legt also die Prinzipien und Grundlagen fest. „Bei Impact sind die Definitionen oder die Merkmale noch recht allgemein gehalten“, sagt Prüßner. Auf Ebene der Investmentprozesse lasse sich Vergleichbarkeit bereits recht gut herstellen. Komplex werde es bei konkreten Indikatoren. Während sich Emissionen in konkrete Zahlen fassen lassen, sind Konzepte wie Biodiversität schwieriger zu greifen. Prüßner hat Sympathien für ein Konzept, das in der Gesamtbetrachtung die Frage stellt, ob sich ein Investment im Rahmen planetarer Grenzen bewegt. Er wünscht sich, dass man Investoren in einigen Jahren die Möglichkeit an die Hand geben kann, ihr Portfolio oder auch einzelne Assets daraufhin zu analysieren. „Weil das eben die wissenschaftlich fundierten Grenzen sind, in denen man sich bewegen sollte.“

    Impact-Investing vor dem Wendepunkt
  4. Apr 30

    Wie man Kunden zu mehr Nachhaltigkeit motiviert

    Die Procredit erbringt Finanzdienstleistungen vorwiegend für Unternehmen in Ost- und Südosteuropa. Dabei geht es der Bank auch um einen transformatorischen Ansatz. „Wirtschaftliche Entwicklung und ökologische Förderung müssen sich vereinen“, sagt Christian Dagrosa, CFO der Procredit Holding, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Bestimmte Industriesektoren sind ausgeschlossen, etwa weil sie schädlich für die Umwelt sind. In erster Linie setzt Procredit aber auf Zusammenarbeit. „Es geht nicht darum, Leute von Finanzdienstleistungen auszuschließen. Es geht darum, die Transformation der lokalen Wirtschaften – ob das jetzt aus ökologischer, aus sozialer Sicht oder aus ökonomischer Sicht ist – voranzutreiben.“ Im Portfolio finden sich Mikrokunden mit einem Finanzierungsbedarf um 100.000 Euro jährlich, die größten Kunden benötigen einen zweistelligen Millionenbetrag an Finanzierung. Zwar seien die Margen im KMU-Bereich niedriger als im Consumer Lending, räumt Dagrosa ein. „Aber auch die Risikokosten sind deutlich geringer.“ Durch die oft langjährigen Kundenbeziehungen ließen sich Risiken gut einschätzen und bepreisen. Geschäftlich setzt Procredit auf Cross-Selling-Potenzial etwa im Zahlungsverkehr und der Handelsfinanzierung. Die Kundenberater bildet Procredit an einer eigenen Akademie aus. Dort stehen nicht nur Finanzthemen auf dem Lehrplan. Neben Aspekten der Banksteuerung gehe es etwa um Geschichte, Philosophie oder auch Literatur, „um nicht nur Banker hochzubringen, sondern Leute, die mit Kunden auf Augenhöhe sprechen können und die eben Weltmenschen sind“, sagt Dagrosa. Der Dialog mit den Beratern sei oft zentral, um Kunden zu nachhaltigem Handeln zu motivieren. „Themen wie erneuerbare Energien, das kann man den Kunden nicht aufbinden“, sagt Dagrosa. „Wenn der Kunde nicht will, dann will er es nicht. Aber man kann ihm eben die Vorteile aufzeigen. Man kann ihm einen Pfad geben und sagen: wir haben auch Expertise im Haus, die dann da beraten kann.“

    Wie man Kunden zu mehr Nachhaltigkeit motiviert

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