Schwarz hören - Petra Schwarz im Gespräch mit Prominenten über Leben und Tod

Petra Schwarz

"Schwarz hören" - Gespräche über Leben und Tod mit (mehr oder weniger) Prominenten. Warum? Der Podcast gibt Anregungen, über das eigene Leben nachzudenken und für den eigenen Abschied "vorzubauen". Vielleicht ja sogar die eigene Abschieds-/Trauerrede selbst zu schreiben und aufzunehmen. So kann man bei der eigenen Feier noch lebendig dabei sein. Wichtig: Lebendig schreiben und lebendig reden ist keine Zauberei. Siehe auch: https:/lebendig-reden.de/rede-meines-lebens/

  1. 1d ago

    Schwarz hören: Petra Schwarz im Gespräch mit Jürgen Karney über Leben und Tod

    Irgendwie scheint er immer „Auf Sendung!“ (Autobiografie im Bild und Heimat Verlag) zu sein – der 1954 in Berlin geborene gelernte Nachrichtentechniker. Als solcher war er aber nie tätig, da sich schnell herausstellte, dass er beim Fernsehen nicht in der Technik, sondern vor der Kamera brillieren wollte. Mit der TV-Show „Bong“, einer „Hitparade der Popmusik“, durch die auch die heutige „Bauer sucht Frau“-Moderatorin Inka Bause als Sängerin bekannt wurde, erlangte er in der ersten Hälfte der 80er Jahre höchste Popularität. Schon in seiner Schulzeit hatte er – wie man heute sagt – aufgelegt und war später, wie das zu DDR-Zeiten hieß, „Schallplattenunterhalter“ mit „Pappe“. Was es damit auf sich hat, wird im Podcast erklärt, zumal es wieder eine ganz persönliche Geschichte zwischen dem Gast und der Host gibt. Soviel hier schon: Jürgen Karney saß in der Einstufungskommission, die darüber entschieden hat, ob die „Schwarz hören“-Gastgeberin eine „Pappe“ als Moderatorin bekommt … Jürgen Karney hat in den 80er Jahren – so wie Petra Schwarz auch – beim Berliner Rundfunk, einer der Radio-Wellen der DDR gearbeitet und betont: „Schon lange vorher, als Kind, hatte ich ein Faible fürs Radio.“ Die „wahre Geschichte“, wie der frühere DDR-Sender nach Mauerfall durch Karneys Aktivität zum Privatsender „Berliner Rundfunk 91.4“ wurde, wo er jahrelang die Morning-Show moderierte und Programmdirektor war, erzählt er in dieser Podcast-Folge. „Ich musste lernen, zu delegieren und die Fresse zu halten, wenn Andere Recht hatten.“ Seine bisher letzte Radio-Station war „R.SA“ in Sachsen, wo er – zusammen mit Wolfgang Lippert – auch in Corona-Zeiten Radio machte. Anfang 2026 haben wir uns in Berlin-Köpenick – in einem Haus, wo regelmäßig DDR-Rocker zusammenkommen – getroffen und passend zum „Thema“ Schallplattenunterhalter“ stehen wir für das Foto an einer Schallplatten-Bar 😉. Natürlich haben wir übers Leben von Jürgen Karney gesprochen. Länger schon macht Jürgen alles, worauf er gerade Lust hat. Und da er immer aufs Wasser wollte, macht er das jetzt so oft es geht. Seit ungefähr 15 Jahren ist Karney Skipper, segelt um die Welt und bringt es anderen bei. Wie es sich für „Schwarz hören“ gehört, war aber natürlich auch der Tod Thema des Gesprächs. Karney sagt: „Ich weiß, dass er kommt und deswegen macht mich das nicht fertig.“ Und ergänzt: „Mein Bestreben ist es, die Zeit davor, so gesund und so stressfrei wie möglich zu gestalten. Und da hat man viel selber in der Hand.“ Selbstbestimmtes Sterben kann er sich vorstellen, wenn es im eigenen Leben absehbar schlimmer wird. Aber – so Karney: “Ich schiebe den Gedanken natürlich vor mir her.“ Passend zum Thema „Klassentreffen der Ostmusik“, das wir in der letzten Episode von „Schwarz hören“ mit Tobias Künzel beleuchtet haben, nun u.a. das Thema „Radio im Osten“ und also viel Spaß mit der Episode 160 von „Schwarz hören“ mit Jürgen Karney.

    26 min
  2. May 21

    Schwarz hören: Petra Schwarz im Gespräch mit Tobias Künzel über Leben und Tod

    „Die Prinzen“ sowie – zuvor und jetzt wieder – „Amor & Die Kids“: Das sind d i e beruflichen Stationen des studierten Sängers und Schlagzeugers, der außerdem in anderen Bands – u.a. bei „Final Stap“ mit dem Frontmann Mike Kilian – hinten sitzt und es genießt, wenn Andere vorn singen. Als Sohn eines Swing- Klarinettisten und Bandleaders, der auch Dozent an den Musikhochschulen Leipzig und Weimar in der Abteilung „Tanz- und Unterhaltungsmusik“ war, hat Tobias Künzel das Singen im weltberühmten Thomanerchor Leipzig gelernt – im stündlich durchgetakteten Internatsleben eines Chorknaben mit gerademal einer Stunde Freizeit pro Tag Aber: „Ich hatte ‚Das fliegende Klassenzimmer‘ von Erich Kästner gelesen und wollte unbedingt auch sowas.“ Nach seiner Thomaner-Zeit war Tobias bei der Armee im Singeklub „Thomas Müntzer“ und resümiert: „Die Armeezeit sind 18 gestohlene Monate, die man eigentlich nicht braucht.“ Aber schon damals hat er sich privilegiert gefühlt und sagt im Podcast: „Ich führe ein Leben, das von Privilegien gepflastert ist: Thomaner, Singeklub, Amor & Die Kids und Die Prinzen. Heute versuche ich, damit demütig umzugehen. In den 90er Jahren – mit dem Erfolg der Prinzen – hatte ich durchaus eine gewisse Arroganz …“. Tobias Künzel, 1964 in Leipzig geboren, hat – bis zum Brexit – auch 15 Jahre lang in London gelebt. Wie es dazu kam, erzählt er in dieser Podcast-Episode. Hier nur so viel: Es hatte zunächst mit einem Stipendium für eine seiner beiden Töchter zu tun … Er hat – zusammen mit anderen Komponisten und Textautoren – mehrere Musicals geschrieben, von denen drei in Großbritannien aufgeführt wurden und z.T. bereits ins Deutsche übersetzt sind. Das Musical „Copperfield“ wird im November 2027 im Theater Stralsund aufgeführt. Und zuletzt machte er in Halle Furore mit seinem 6. Musical „Tod auf dem Thron – Das Klosical“, das er zusammen mit Mark Underwood geschrieben hat. Übrigens: Die Idee zum kuriosen Titel kam Künzel tatsächlich auf der Toilette. Tobias Künzel produziert außerdem in seinem Tonstudio Nachwuchsbands und Musik für Fernsehen und Theater. Er betont: „Alles, was ich mache, macht mir großen Spaß.“ Auch die Re-Union der 1985 gegründeten Band Amor & die Kids, die am 20. Juni 2026 im Hangar 312 in Neuruppin beim „2. Klassentreffen der Ostmusik … mit Westbesuch“ auftreten wird. Dort haben wir uns Anfang Mai 2026 in einer Jurte auf dem Gelände auch zum Gespräch getroffen. Wir haben über das Leben des – so KI – „einflussreichen deutschen Popsängers, Schlagzeugers und Komponisten Tobias Künzel“ gesprochen und – wie es sich für „Schwarz hören“ gehört – über den Tod. Vor drei Jahren sind seine Eltern im Abstand von drei Wochen mit Anfang 90 gestorben. Eineinhalb Jahre später verstarb unerwartet sein 12 Jahre älterer Bruder Lutz – auch Musiker, mit dem er mehr als 10 Jahre zusammen in der Londoner Band „Ruff As Stone“ mit Sänger Austin Howard gespielt hat. „Er fehlt mir jeden Tag.“ Was seinen eigenen Tod betrifft, so hofft er, irgendwann s o müde zu sein, „ … dass ich mir nur noch wünsche, einzuschlafen.“ Und: „Wenn man abtritt, ist es eigentlich nur für alle anderen schwer.“ Selbstbestimmtes Sterben kann sich Tobias Künzel vorstellen: „Ja, hundertprozentig. Denn ich will Niemanden zur Last fallen und meinen Kindern keine schlechten Erinnerungen an mich verschaffen.“ Zu guter Letzt noch zur Frage, was es mit „Fräulein Grau“ auf sich hat, hier vorab nur so viel: Es hat mit der LP „No More Bockwurst“ von Amor & Die Kids zu tun … Viel Spaß mit diesem launigen „Schwarz hören“-Gespräch mit Tobias Künzel.

    34 min
  3. May 7

    Schwarz hören: Petra Schwarz im Gespräch mit Holger Saarmann über Leben und Tod

    „Ich habe in der Liedermacherei meine beiden kreativen Interessen zusammengeführt: Geschichten schreiben und Musik machen.“ sagt der 1971 in Hagen geborene und seit 2001 in Berlin lebende Holger Saarmann. Stilistisch ist der sich vornehmlich selbst auf der Konzertgitarre begleitende Musiker zu verorten in der Nachbarschaft von Gerhard Schöne, Angelo Branduardi und Christof Stählin, um dessen Nachlass er sich im Rahmen der Christof-Stählin-Gesellschaft, die er 2017 mitbegründet hat, intensiv kümmert. Saarmann ist studierter Musik- und Deutsch-Lehrer, hat allerdings nie wirklich als solcher an einer Regelschule gearbeitet. Pädagogisch ist er aber lange am „Klingenden Museum“ in Berlin tätig. Schaffenskrisen oder Schreibblockaden kennt er nicht und hält es da mit seinem Liedermacher-Kollegen Martin Miersch: „Ich schreib‘ was, wenn mir was einfällt.“ 😉 Nachdem Holger Saarmann im Juni 2025 zu Gast in meiner Radio-Sendung „Beste Lieder“ war, habe ich ihn nun im April 2026 in seiner Wohnung in Berlin-Prenzlauer Berg besucht. Hier bereitet er gerade intensiv seinen Auftritt bei der Veranstaltung „Zum Geburtstag von Burt Bacharach“ am 12. Mai 2026 um 20 Uhr im C*Space in Berlin-Weißensee (Langhansstraße 86) vor und gibt in dieser Podcast-Episode auch musikalische Kostproben davon. Zusammen mit Andreas Albrecht, mit dem er von 2014 bis 2024 im Berliner Zebrano-Theater die monatliche Kleinkunstreihe „Geschmacksverstärker“ gestaltete, gratuliert er mit Liedern (beispielsweise dem Bacharach-Hit „Raindrops keep falling on my head“) Geschichten und Raritäten. Wie es sich für „Schwarz hören“ gehört, haben wir bei unserem Treffen natürlich auch über den Tod gesprochen. Holger erzählt davon, wie es war, nachdem 2014 seine Mutter gestorben war und er anlässlich dessen in seinem Song „Gestern ist auch noch ein Tag“ dieses Ereignis verarbeitet hat. „Der Tod ist ein ewiges Mysterium.“ betont Holger Saarmann und kann sich durchaus vorstellen, dass danach noch etwas kommt. „Vielleicht spielen Distanzen und Zeit dann im Universum keine Rolle mehr.“ Er finde es „… inspirierend, sich vorzustellen, dass es in irgendeiner Form weitergeht. Wenn ich als Mensch wiedergeboren werde, dann möchte ich die Frauenseite kennenlernen.“ Seine eigene „Rede meines Lebens“ zu schreiben ist für ihn gut vorstellbar. Viel Spaß beim Hören der 158. Episode von „Schwarz hören“ mit Holger Saarmann.

    22 min
  4. Apr 21

    Schwarz hören: Petra Schwarz im Gespräch mit Sven van Thom über Leben und Tod

    „Ins Gras“ heißt sein 5. Album und gleich kam die Assoziation: beißen? Was dann für mich der Anlass war, den – wie WIKIPEDIA schreibt – „… Gitarrenpop-Musiker, Unterhaltungskünstler und Musikproduzent“ in meinen Podcast „Schwarz hören – Gespräch über Leben und Tod“ zu holen; zumal er gerade mit großen Chancen für den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ nominiert ist … „Jeder beißt einmal ins Gras.“ singt Sven van Thom im Titelsong und ergänzt – gleich zu Beginn unseres Gesprächs – „Auch Trump.“ Womit wir bei einem der beiden großen Themen von „Schwarz hören“ sind: dem Tod. Ganz persönlich hatte der – 1977 in Bernau bei Berlin geborene und heute in Hessen lebende – Sven van Thom bisher nur mit dem Tod seiner Großeltern Berührung. Weiß aber: „Nach dem Tod kommt nichts. Und das ist auch gut so, denn nur wegen der Endlichkeit kann man bestimmte Dinge ja so genießen.“ Was die Musik betrifft, ging es – wie er sagt – „so halbwegs voran“, als Sven van Thom (damals noch: Sven Rathke) mit 15 die Gitarre in die Hand nahm, der heute – für seine Musikproduktionen und auf Bühnen – so ziemlich alle Instrumente selbst spielt. Bekannt wurde er seit 1998 als Sänger und Gitarrist von Sofaplanet und Beatplanet – nicht zuletzt, weil „Die Ärzte“ sie als „Support“ buchten, wie Sven in der Sendung „Beste Lieder“ am Freitag, 24. April 2026 um 14 Uhr auf ALEX Berlin und radio.rockradio.de (Wiederholung am 27. April 2026 um 12 Uhr auf radio.rockradio.de) erzählen wird. Aus dem Radio (radioeins vom Rundfunk Berlin-Brandenburg) kennt man ihn im Duo mit Martin „Gotti“ Gottschild und den regelmäßigen sogenannten Actionlesungen “Tiere streicheln Menschen“, wofür Sven eigens Lieder kreierte und was die Beiden seit Jahren auch live auf Bühnen performen. Dafür verpackt er aktuelles Politik-Geschehen in lustige Lieder. „Das fällt mir aber in den letzten Jahren zunehmend schwerer.“ betont er. Denn: „Das, was ich mache, soll nicht krass nach politischem Kabarett klingen.“ Aber: „Wenn irgendwo eine Pointe rumliegt, bemühe ich mich schon, sie aufzuheben.“ Seit 2017 schreibt und produziert Sven vermehrt Popmusik für Kinder; u.a. veröffentlicht auf “Unter meinem Bett“, einer Albumserie mit selbst geschriebenen Kinderliedern von deutschsprachigen Liedermachern und Bands. Ich habe Sven van Thom im Frühjahr 2026 in Berlin-Mitte getroffen und wir haben über sein Leben und – wie es sich für diesen Podcast gehört – über den Tod gesprochen. Auch über selbstbestimmtes Sterben. Er differenziert und fragt: „Was ist mit Menschen mit Behinderungen, die nicht selbstbestimmt leben können? Da schwingt doch irgendwie immer die Frage mit: Bist du es wert, zu leben?“ Das ist nicht die Herangehensweise der Gastgeberin, aber ein interessanter Diskussionspunkt … „Es klatscht gleich“ wird das neue Bühnen-Programm, das für 2027 geplant ist, heißen. Zuvor aber ist er mit derzeit Aktuellem unterwegs: beispielsweise am 18. September im Frannz-Klub in Berlin. Viel Spaß mit der 157. Episode von „Schwarz hören“ mit Sven van Thom.

    23 min
  5. Apr 6

    Schwarz hören: Petra Schwarz im Gespräch mit Wolfgang Thierse über Leben und Tod

    Von der „Alterserscheinung“, sich immerfort „klugscheißernd einzumischen“ hält er nichts. Aber irgendwie mischt sich Wolfgang Thierse fast sein ganzes Leben lang ein: bis hin zum höchsten Amt des 1943 in Breslau geborenen und in Thüringen aufgewachsenen SPD-Politikers als Präsident des Deutschen Bundestages von 1998 bis 2005. Bis heute gilt Thierse als eine der – wenn nicht d i e – prägende(n) Stimme(n) Ostdeutschlands in der Bundespolitik. „Mir fiel die Rolle des ostdeutschen Mundwerks zu, als ich mich ins Parlament habe wählen lassen.“; er war so etwas, wie ein „gesamtdeutscher Ossi, dem man im Westen zuhörte.“ Von Hause aus ist er – wie die „Schwarz hören“-Gastgeberin – studierter Kulturwissenschaftler, woran er „… durchaus zwiespältige Erinnerungen“ hat. Denn: Obwohl das Individuum im Fokus stand, „… war es trotzdem ein Studium in der Enge der DDR und der marxistischen Ideologie.“ betont er. Und ergänzt: „Das System ist gescheitert. Aber: Die Biografien, die dort gelebt wurden, sind nicht alle gescheitert.“ Das Ganze will er als Umkehr der Sentenz von Theodor W. Adorno: „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen (System).“ verstanden wissen. „Ich bestehe darauf, dass es in diesem System viel Anstand, viel Intelligenz, viel Witz gegeben hat.“ Gut, wenn es Ostdeutsche geschafft haben, den „Minderwertigkeitsrucksack“ – auch immer erzeugt durch den Blick nach Westen – abzustreifen. Gering ausgeprägtes Selbstbewusstsein wird durch Autoren wie Dirk Oschmann bestärkt, sagt er. Was die „Schwarz hören“-Gastgeberin anders sieht, wie im „Schwarz hören“ mit Dirk Oschmann zu hören ist … Ich habe mich mit Wolfgang Thierse Mitte März 2026 – kurz nach der für seine Partei desaströsen (5,5%) Landtagswahl in Baden-Württemberg (und der wenig später folgenden Landtagswahl in Rheinland-Pfalz mit dem Verlust nach 35 Jahren sozialdemokratischer Ministerpräsidentschaft) – in seinem Bundestagsbüro getroffen. Natürlich haben wir im Zusammenhang mit seinem Leben über die Situation in unserem Land gesprochen. „Wir leben in Zeiten eines dramatischen Wandels mit einer Gleichzeitigkeit globaler Krisen und Kriege. Solche Zeiten von Verängstigungen sind Zeiten der Populisten.“ Die Menschen sind „veränderungserschöpft.“, womit sich Thierse auf den Soziologen Steffen Mau bezieht. Berlin ist einer der Diskussionspunkte in dieser Episode: „Ich bin nun seit 62 Jahren Berliner.“ betont Wolfgang Thierse und: „Berliner wird man schnell, ohne sich die Stadt wirklich anzueignen.“ Das sei auch das Problem, denn: „Berlin ist ein Ort des Kommens und Gehens – also: eine Stadt kollektiver Verantwortungslosigkeit.“ Dort, wo er seit Jahrzehnten wohnt, hat fast ein vollständiger Bevölkerungsaustausch stattgefunden. „Zu meiner Frau habe ich in den letzten Jahren immer gesagt: Wir verderben den Altersdurchschnitt. Wir müssen allmählich unter Arten- oder Denkmalschutz gestellt werden – als die letzten Indigenen vom Prenzlauer Berg Süd.“ Was das weitere große Thema von „Schwarz hören“ betrifft, so hat Wolfgang Thierse aktuell – nach 53 Jahren Ehe – den Tod seiner Frau Ende 2025 zu verarbeiten. Er zitiert Mascha Kaléko mit dem wichtigen Satz: „Bedenkt: den eigenen Tod, den stirbt man nur. Doch mit dem Tod der andern muss man leben.“ Auch insofern kontert er vor dem Hintergrund selbstbestimmten Sterbens heftig den Terminus „Selbstbestimmung“, v.a. wenn er in Richtung einer „… falschen Selbstbestimmungsideologie“ geht. „Regisseur des eigenen Lebens zu sein ist ein sehr plastisches Bild. Und: ein verräterisches zugleich.“ Inwiefern? Das erklärt er in dieser „Schwarz hören“-Episode. Viele Erkenntnisse also mit diesem durchaus philosophischen Gespräch in der Episode 156 von „Schwarz hören“ mit Wolfgang Thierse.

    28 min
  6. Schwarz hören: Petra Schwarz im Gespräch mit Bernd Wefelmeyer über Leben und Tod

    Mar 28

    Schwarz hören: Petra Schwarz im Gespräch mit Bernd Wefelmeyer über Leben und Tod

    „Berlin, Berliner, am Berlinsten“ steht für den Komponisten, Arrangeur und Dirigenten Bernd Wefelmeyer. Es ist auch ein satirisches Theaterstück im „Stadttheater Köpenick“ (seinem Heimatbezirk) mit Musik von ihm (und Texten von Peter Ensikat) und in seiner Regie. „Ich wollte immer Musik machen. Aber als Pianist war ich nicht gut genug und als Komponist hatte ich noch keine Erfahrungen. Etwas Technisches sollte auch dabei sein und so kam mir der Tonmeister-Studiengang an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin gerade recht.“ beschreibt Wefelmeyer seine Anfänge in den 60er Jahren, in denen er außerdem ein Kompositionsstudium abgeschlossen hat. Beruflich startete er dann als Tonregisseur im Rundfunk der DDR mit Big Band-Musik und mit dem großen Rundfunk-Orchester. 1990/91 hat er dann das „Deutsche Filmorchester Babelsberg“ mitbegründet, dessen Chefdirigent er bis 1996 war. Der – heute 86Jährige – Berliner ist in der Musik-Szene (Ost-) Deutschlands „Crossover“ aktiv. Aktuell gibt es „Gundermann Classic“ am heutigen Samstag in Cottbus, am 21.Juni 2026 im Kulturpalast Dresden sowie am 26. Oktober 2026 im Gewandhaus Leipzig. Die Texte des bereits 1998 verstorbenen Baggerführers und Liedermachers Gerhard „Gundi“ Gundermann, den er erst durch den Film von Andreas Dresen kennengelernt hat, haben für Wefelmeyer eine „Brechtsche Nähe“ und eine „Musik, die raffiniert ist durch ihre Einfachheit“. Das hat den Komponisten Wefelmeyer gereizt, nachdem er bereits „Queen Classic“ gemacht und „Pink Floyd Classic“ für 2027 in Planung hat. Bernd Wefelmeyer hat mehr als 300 Theater-, Fernseh- und Filmmusiken (u.a. „Polizeiruf 110“, „Der kleine Eisbär“, „Das Adlon“, „Donna Leon“) komponiert und betont: „Wenn man Filmmusiken macht, muss man in allen Genres firm sein.“ Geprägt haben ihn seine musikalischen Anfänge am Klavier bei den „Jazz Optimisten“ mit Manfred Krug und irgendwie ist es nur zu logisch, dass er nun – siehe Podcast-Foto – als Hörer bei „Ella Radio“ gelandet ist, das die Gastgeberin von „Schwarz hören“ wochentäglich (14-18 Uhr) moderiert. Anlässlich der „Rede meines Lebens“ habe ich Bernd Wefelmeyer im März 2026 in seinem Haus in Berlin-Köpenick im Südosten Berlins besucht und wir haben über sein vielfältiges Leben gesprochen. Auch über KI, die – so sagt Wefelmeyer – „… vernünftige Sachen machen können wird. Aber: Die Idee muss vorher vom Komponisten da sein, denn die KI lernt von dem Vorhandenen.“ Und natürlich war auch der Tod, „… der die die einzige Gewissheit ist, die wir in unserem Leben haben.“ Thema unseres angeregten Gesprächs. „Die Frage ist bloß, wie er kommt.“ Auf meine darauffolgende Frage, ob er sich einen selbstbestimmten Tod vorstellen kann, antwortet Wefelmeyer ohne Umschweife: „Ja.“ und beklagt die bisher existierende „Bevormundung durch den Staat“, wenn Suizid als „Selbstmord“ verstanden wird. „Mit einem Opiat glücklich und beseelt in den Tod gehen – das ist für mich die Ideal-Vorstellung.“ Für „danach“ hat er längst vorgesorgt: Die Grabstelle auf dem Friedhof in Berlin-Köpenick, wo er lebt, ist gekauft und dort liegen auch schon seine Mutter und ein Großvater. Wie der große Schauspieler Hilmar Thate, für den er die Abschiedsmusik gestaltet hat, will er keine Trauerrede. Über die Idee einer eigenen Abschiedsrede, will er nachdenken. „Das wäre eine Möglichkeit.“ Und: Musikalisch wird es wohl ein Stück aus dem „Messias“ von Händel geben … Viel Spaß mit der Episode 155 von „Schwarz hören“ mit Bernd Wefelmeyer.

    26 min
  7. Mar 21

    Schwarz hören: Petra Schwarz im Gespräch mit Hans-Jürgen Schatz über Leben und Tod

    „Mein planloses Leben“ – so hieße seine Autobiografie, würde er eine solche schreiben. Warum er es nicht tut und warum das Ganze genau so hieße, erzählt er in dieser Episode. „Mein Leben beruht auf den großen Überraschungen, die mir passiert sind.“ oder: In seinem Leben hat sich immer eins aus dem anderen entwickelt – übrigens wie bei der Frau, die diesen Podcast hostet. Beide sind vom Sternzeichen Waage, was bei ihm – so Hans-Jürgen Schatz – „irgendwie hinhaut“. Was beide unterscheidet: Schwarz kommt aus Thüringen, also aus dem Osten, und Schatz ist in West-Berlin geboren und aufgewachsen. Das hört er nicht gern, betont aber: „Ich bin Berliner durch und durch.“ Man kennt ihn als Max Kühn in 90 Folgen der ARD-Krimiserie „Der Fahnder“, aus mehr als 50 Folgen der ZDF-Sitcoms „Salto Postale“ und „Salto Kommunale“ oder als Wilfried Wiegand im Spielfilm-Mehrteiler „Heimat“ von Edgar Reitz. Vor allem aber ist er einer der profiliertesten „Vorleser“ hierzulande. Eine Zeit lang dachte er, dass er mal Journalist würde. Denn schon als Gymnasiast hat Schatz im RIAS Berlin gearbeitet. Und schon wieder gibt es eine Gemeinsamkeit und doch gleich mehrere Unterschiede der beiden Gesprächspartner: Beide haben Erfahrungen im Radio und können sich im Fachjargon („Schnürsenkel“) austauschen. Schatz war allerdings nur kurz und in Westberlin dabei; Schwarz macht seit 1981 Radio (und journalistisch Fernsehen) – zu DDR-Zeiten im Osten und seit Mauerfall v.a. „im Westen“. 1984/85 hat Hans-Jürgen Schatz als junger Mann seine Schauspiel-Karriere im Renaissance-Theater mehr oder weniger „gestartet“, obwohl er nie Schauspiel studiert hat. 2008 ging es in diesem außergewöhnlichen Haus mit Horst Pillau und dem Programm „Mit Briefen leben“ und später „Wir lernen Ihnen deutsch“ weiter und danach so richtig los mit seinen Lesungen – mit und ohne Musik. So auch aktuell Thomas Manns Erzählung „Wälsungenblut“ – angeregt durch Richard Wagners Oper „Die Walküre – am 29. März 2026 um 11:30 Uhr im Renaissance-Theater oder Oscar Wildes Erzählung DAS GESPENST VON CANTERVILLE – alles andere als ein Abenteuermärchen für Kinder; eine sprachlich brillante, überwältigend humorvolle, meisterhaft erzählte Geschichte, zwischen Gesellschaftssatire und Burleske am 3. April 2026 um 18 Uhr im Renaissance-Theater, in dem wir uns auch zur Aufzeichnung für diese Episode (siehe Foto) getroffen haben. Anlässlich der „Rede meines Lebens“ reden wir – wie sich das für „Schwarz hören“ gehört – übers Leben und natürlich über den Tod; speziell über seine Affinität zu Friedhören. „Für mich sind Grabsteine Geschichte zum Anfassen.“ sagt Hans-Jürgen Schatz und hat sich deshalb dafür eingesetzt, dass 12 historische Gräber in Berlin-Kreuzberg aufwändig restauriert werden konnten. Und daraus – apropos planlos – ist „Wo sie ruhen“ entstanden: eine kostenlose App nebst Website mit 77 Stunden Kurz-Porträts über denkmalgeschützte Gräber in diversen Städten Deutschlands. Hans-Jürgen Schatz ist viel ehrenamtlich in der Berliner Kulturlandschaft – u.a. für die Liebermann-Villa – unterwegs und wurde für seine Verdienste, insbesondere eben für sein soziales Engagement, mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Vielleicht ist auch deshalb ganz klar: Nach dem Tod „… kommt der Schatz in den Himmel.“ 😉 Viel Spaß mit der 154. Episode von „Schwarz hören“ mit Hans-Jürgen Schatz.

    30 min
  8. Schwarz hören: Petra Schwarz im Gespräch mit Andrea Grundmann über Leben und Tod

    Mar 8

    Schwarz hören: Petra Schwarz im Gespräch mit Andrea Grundmann über Leben und Tod

    Sie ist „waschechte“ Berlinerin, 1970 geboren und war früher Punk. Möglicherweise rührt es daher und aus ihrer Leistungssportkarriere, dass Andrea Grundmann bis heute immer wieder – am besten weit – aus ihrer Komfortzone rauskommt. Die ausgebildete Designerin „mit Leidenschaft für Ästhetik und Wertigkeit“ hat gerade ihr erstes Buch „Digitales Charisma – So überzeugst du mit Persönlichkeit und Haltung in der digitalen Welt“ (VERLAG FRANZ VAHLEN MÜNCHEN) vorgelegt. Charisma ist d e r Begriff, der uns zusammengeführt hat: Sie digital und ich – mehr oder weniger – analog. Das sind zwei Welten; aber in beiden geht es um Wirkung, um Ausstrahlung. Wie, das diskutieren die beiden Expertinnen in dieser Episode von „Schwarz hören“. Vielleicht nicht ganz zufällig am heutigen „Internationalen Frauentag“ 😉? Andrea arbeitet viel mit Unternehmern und Führungskräften 50+, die im Digitalen „unbeholfen wirken und es nicht schaffen, ihre Ausstrahlung, die sie im Analogen haben, auch im Digitalen rüberzubringen.“ Sie kommt aus dem online-Marketing; hatte eine kleine Agentur, mit der sie schon seit 1997 Webseiten für Andere produziert hat und das Neue in der online-Welt immer wieder fasziniert. Sie ist – wie sie betont – „kein digital Native, aber es ändert sich, gerade jetzt durch KI so viel.“ Und: „Gerade jetzt – im KI-Zeitalter – werden die menschlichen Fähigkeiten immer wichtiger. Die Persönlichkeit im Digitalen gewinnt an Bedeutung.“ Im Buch verbindet sie ihre praktischen Erfahrungen aus Kommunikation und Markenlogik mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen. Neben Denken und Entscheiden wird beispielsweise Irren (Biases = Denkfehler) beleuchtet. Und sie gibt – als absolute Spezialistin dafür – Praxis-Anleitungen für LinkedIn. In dieser „Schwarz hören“-Episode geht es – neben dem Leben von Andrea Grundmann – natürlich auch um den Tod. Was die digitale Welt angeht, hört man ja immer wieder, dass dort über das Leben hinaus auch so etwas wie Gefühle entwickelt, gar richtige Beziehungen aufgebaut werden können – also: Kommunikation über den Tod hinaus? „Für mich ist der Tod das Ende meines Lebens.“ sagt Andrea. „Ich denke also lieber darüber nach, was ich bis zum Tod alles noch machen möchte. Und das Wichtigste ist: Ich bin, seitdem ich 15 bin, Organspenderin.“ Das dokumentiert auch sehr wirkungsvoll auf ihrem Unterarm ein Tattoo mit dem Schriftzug “Please recycle me“. Das ist ein offizielles, internationales Zeichen, „… worüber man mit vielen Leuten ins Gespräch kommt.“ Andrea Grundmann ist für selbstbestimmtes Sterben; bestätigt durch ihre Eltern, die – jüngst vom Freitod der Kessler-Zwillinge angeregt – sie dafür sensibilisiert haben. Und überhaupt geht es in ihrer kleinen Familie sehr fortschrittlich zu: Schon ihre Oma wurde nicht auf klassische Weise bestattet, weil sie immer gesagt hat: „Auf gar keinen Fall sollt ihr mich auf dem Friedhof besuchen. Da bin ich doch nicht mehr.“ Viel Spaß mit der 153. Episode von „Schwarz hören“ mit Andrea Grundmann.

    27 min

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"Schwarz hören" - Gespräche über Leben und Tod mit (mehr oder weniger) Prominenten. Warum? Der Podcast gibt Anregungen, über das eigene Leben nachzudenken und für den eigenen Abschied "vorzubauen". Vielleicht ja sogar die eigene Abschieds-/Trauerrede selbst zu schreiben und aufzunehmen. So kann man bei der eigenen Feier noch lebendig dabei sein. Wichtig: Lebendig schreiben und lebendig reden ist keine Zauberei. Siehe auch: https:/lebendig-reden.de/rede-meines-lebens/

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