In der heutigen Folge „Gemeinsam mit und voneinander lernen“ spreche ich mit Christine Bleks darüber, wie aus der Idee Gutes zu tun mittlerweile 12 Jahre wirksame Bildungsarbeit geworden sind. Für diejenigen, die an erster Stelle stehen sollten, aber am härtesten unter struktureller Benachteiligung in unseren Land leiden: Die Kinder. Begonnen hat alles in Duisburg Marxloh. Wo Christine zusammen mit ihrem damaligen Lebens- und Gründungspartner eine Agentur eröffnete – mitten in der Realität, dort wo die leben, denen keiner was zutraut, außer dem Versagen. Kinder von der ersten bis zur siebten oder achten Klasse bekommen Lernförderung, Hausaufgabenbetreuung und vor allem eine gute Beziehung – mit jungen Erwachsenen, die im Bundesfreiwilligendienst oder Studium als Bildungspat:innen tätig werden und dafür mietfrei in WGs im Quartier leben. Zwei vulnerable Gruppen, beide noch auf der Suche, begegnen einander. Und genau dort entsteht der Boden, auf dem Lernen überhaupt erst möglich wird. Mit Tausche Bildung für Wohnen hat Christine die Relevanz der Beziehung für die Bildung jedes einzelnen Menschen in den Vordergrund gestellt: Beim Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen, beim Teilen von Wissen und Kompetenzen, im Erleben von Begegnung,. Kein Gegeneinander, kein Gruppenzwang. Gemeinsam auf Augenhöhe, auch wenn Christine das nicht mehr hören mag, weil es so abgedroschen klingt, und sich doch so gut anfühlt, wenn es gelingt. Mittlerweile ist Tausche Bildung für Wohnen an sechs Standorten präsent, ein siebter wird gerade aufgebaut – über einen Social-Franchise-Ansatz, mit dem Christine nun auch junge Gründer:innen ausbildet. Die Zahlen, die hinter dieser Arbeit stehen, sind beeindruckend; 4.500 Kinder - 239 Bildungspat:innen - 61.000 Bildungsstunden. Der Bedarf ist es auch: Deutschland liegt laut UNICEF-Report sowohl bei den schulischen Kompetenzen als auch beim, Kindeswohl auf einem Abstiegsplatz. Auch Christine spricht Deutschland längst ab ein Bildungsland zu sein, doch der Optimismus kommt ihr nicht abhanden. Keine depressive Stimmung, weil die eigene Arbeit so gut tut wie wirksam ist und die gemeinsame Entwicklung mit anderen Menschen die beste Haltung ist, die einem widerfahren kann. Ein Gespräch über die Liebe zur Gestaltung, die Kraft, die entsteht, wenn einen etwas Wunderbares findet, nach dem man nicht gesucht hat, über falsche Bilder im Kopf und richtig tolle Menschen, und darüber, warum das Unentschiedene als Grundlage für Inspiration und Innovation so wertvoll ist.