Spuren der Erinnerung

Harald Freudenthaler

In unserer Region gibt es zahlreiche Vereine, Organisationen und Initiativen, die das Gedenken und die Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit am Leben halten. Mit Gedenkfeiern, Veranstaltungen, die Errichtung und Pflege von Gedenkstätten sowie zeitgemäße Vermittlungsmethoden wird Gedenkarbeit geleistet und an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte erinnert. In „Spuren der Erinnerung“ gestalten folgende Organisationen und Vereine abwechselnd einmal im Monat eine Sendung über ihr Engagement im Freien Radio Freistadt. Bewusstseinsregion Mauthausen, Gusen, St. Georgen Gedenkdienstkomitee Gusen Gedenkstätte Mauthausen Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim Mauthausen Komitee Gallneukirchen Mauthausen Komitee Enns Papa Gruber Kreis Plattform Johann Gruber Perspektive Mauthausen Beitragsbild: Todesmarsch, Anfang April 1945 Quelle: Privatsammlung Walter Dall-Asen, Hieflau Musik zum Sendungs-Jingle: Bernd Preinfalk, Ausschnitt aus seinem Werk "devant 5"

Episodes

  1. 08/22/2025

    Forced to Work – Willing to Survive

    Heute stellen wir Ihnen in „Spuren der Erinnerung“ ein ganz besondere Ausstellung mit dem Titel „Forced To Work – willing to survive“ vor, die Zwangsarbeit in der NS-Zeit – aber auch in der Gegenwart thematisiert. Die „Bewusstseinsregion Mauthausen – Gusen – St. Georgen“ hat im Rahmen eines 3 Jährigen Projektes mit Schülerinnen und Schülern aus Italien, Polen und Österreich diese Wanderausstellung konzipiert. In der Ausstellung werden einzelne Beispiele aus der Zeit des Nationalsozialismus wie z.B. Zwangsarbeit im Stollensystem „Bergkristall“ oder in den Hermann Göring Werken in Österreich aufgegriffen. Sie zeigt die Situation in Vernichtungs- und Zwangsarbeitslagern wie z.B. in Sobibor, erzählt Biografien wie die von Bernhard Falkenberg oder Mendele Morgenstern. Sie geht aber auch ganz konkret auf das Hier und Heute ein und zeigt auf, dass es Zwangsarbeit leider noch immer gibt. Z.B. in der Landwirtschaft oder in der Elektronikindustrie. Unter dem Namen „modern slavery“ wird dieses Thema in der Ausstellung ebenso behandelt. Die Wanderausstellung besteht aus Displays auf denen die einzelnen Themen dargestellt werden. Diese Schautafeln lassen sich leicht aufbauen und transportieren. Wenn also jemand von Ihnen, liebe HörerInnen und Hörer, die Wanderausstellung „Forced To Work – willing to survive“ präsentieren möchte, dann melden Sie sich bitte im Büro der „Bewusstseinsregion Mauthausen – Gusen – St. Georgen“. Den Kontakt finden Sie auf www.bewusstseinsregion.at Zum ersten Mal wurde die Ausstellung im Oktober 2024 im Wissensturm in Linz gezeigt. Das Freie Radio Freistadt war bei der Eröffnung und Projektpräsentation dabei. Den Mitschnitt der Veranstaltung können Sie in dieser Sendung hören und zwar mit Redebeiträgen von Christian Muckenhuber von der Volkshochschule Linz, Erich Wahl, Landtagsabgeordneter und Vertreter der Bewusstseinsregion, Andrea Wahl, Geschäftsführerin der Bewusstseinsregion, sowie Rudolf Haunschmied vom Gedenkdienstkomitee Gusen. Anja Krohmer hat die Veranstaltung moderiert. Das Freie Radio Freistadt hat an der Produktion der Ausstellung mitgewirkt. Dabei hat das FRF-Team Texte und Biografien von Zwangsarbeiter:innen eingelesen und die Audios zur Ausstellung produziert, die via QR-Code aufgerufen werden können. Biografien im Online-Archiv: https://cba.media/podcast/forced-to-work-willing-to-survive

    1h 23m
  2. „Vielleicht hätte ich eine Familie. Vielleicht hat jemand um mich geweint.“

    04/26/2023

    „Vielleicht hätte ich eine Familie. Vielleicht hat jemand um mich geweint.“

    Das „fremdvölkische“ Kinderheim in Spital am Pyhrn 1943–1945. Maria Prieler-Woldan und Susanne Lammer präsentierten am 28. März 2023 im Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim die Ergebnisse langjähriger Forschungsarbeiten zur Rekonstruktion eines nationalsozialistischen Verbrechens an Zwangsarbeiterinnen und ihren Kindern. In Spital am Pyhrn (Oberösterreich) war von 1943 bis 1945 in einem aufgelassenen Gasthof ein sogenanntes „fremdvölkisches“ Kinderheim eingerichtet, betrieben von der „Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“ (NSV). Dort waren 106 Säuglinge polnischer, ukrainischer und russischer Zwangsarbeiterinnen untergebracht, die man diesen kurz nach der Entbindung weggenommen hatte, um die Arbeitskraft der Mutter maximal auszubeuten. Die Kinder wurden – entsprechend der nationalsozialistischen Ideologie – als minderwertig betrachtet und daher mangelhaft ernährt, gepflegt und geliebt. Viele starben durch vorsätzliche Vernachlässigung nach ein paar Wochen oder Monaten, 47 Todesfälle sind archivarisch belegt, als Todesursachen scheinen, neben Unterernährung, Magen- und Darminfekte, Hautausschläge und Geschwüre sowie sogenannte „Lebensschwäche“ auf. Die überlebenden Kinder wurden nach 1945 in „children’s homes“ gesammelt und als „Waisen“ in ihre vermutlichen Heimatländer repatriiert. Zumeist adoptiert, suchten sie später, oft erfolglos, nach ihren leiblichen Eltern und Spuren ihrer Herkunft. Die vorliegende Forschungsarbeit zeichnet in Erinnerungen, Dokumenten und amtlichem Schriftverkehr Entstehung und Betrieb des Heims in Spital am Pyhrn nach. Eine Datenbank zu den verstorbenen Kindern sowie Interviews mit Überlebenden runden die Arbeit ab. Zur Autorin: Maria Prieler-Woldan, Dr. phil., geb. 1958, Soziologin und historische Sozialforscherin, Linz. Zahlreiche Publikationen, u. a. „Von Kremsmünster nach Brasilien. „Das Konzil und die Frauen. Pionierinnen für Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche“ (2013), Lebensbild Bischof Richard Weberberger“ (2015), „Das Selbstverständliche tun. Die Salzburger Bäuerin Maria Etzer und ihr verbotener Einsatz für Fremde im Nationalsozialismus“ (2018) Ihr aktuelles Buch „Vielleicht hätte ich eine Familie. Vielleicht hat jemand um mich geweint.“ Das „fremdvölkische“ Kinderheim in Spital am Pyhrn 1943–1945 ist im Studienverlag Innsbruck erschienen. https://www.studienverlag.at/produkt/6254/vielleicht-haette-ich-eine-familie-vielleicht-hat-jemand-um-mich-geweint/ Website Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim Beitragsbild: Susanne Lammer, Maria Prieler-Woldan und Florian Schwanninger. Foto: Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim

    54 min
  3. 01/31/2023

    „Mühlviertler Hasenjagd“: Zeitzeugin Anna Hackl im Gespräch

    In dieser Sendung geht es um die Geschehnisse rund um die „Mühlviertler Hasenjagd“ und um Menschen, die sich an der Mitwirkung der groß angelegten Mordaktion mitmachten oder sich widersetzten. Die mutige Mühlviertler Bauernfamilie Langthaler aus Schwertberg widersetzte sich. Anna Hackl ist hier im Gespräch mit Bernhard Mühleder, Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Anna war die jüngste Tochter der Familie Langthaler, damals war sie 14 Jahre alt. Ihre Familie versteckte zwei aus dem KZ Mauthausen geflüchtete Häftlinge vor der SS-Truppe, ein mit viel Risiko behaftetes Unterfangen. Dieser Mut rettete den beiden, Michail Rybcinskij und Nikolaj Cemkalo, das Leben – ein Versuch, anständig zu bleiben – er gelang. Bei diesem Fluchtversuch aus dem KZ-Mauthausen handelte es sich vor allem um sowjetische kriegsgefangene Offiziere, die nur nach Mauthausen kamen, um dort ermordet zu werden. Daher fassten sie den Entschluss zu fliehen. Bewaffnet mit Pflastersteinen, Feuerlöschern, Seifen- und Kohlestücken griffen sie die Wachtürme an und warfen feuchte Decken über den elektrisch geladenen Stacheldraht. Der dadurch herbeigeführte Kurzschluss ermöglichte es ihnen, die Lagermauer zu überwinden. Wegen ihres schlechten körperlichen Zustandes brachen viele Flüchtende bald zusammen. Andere starben im Kugelhagel der Wachmannschaften. 419 Personen gelang es zu entkommen. Die Meisten wurden an Ort und Stelle ermordet. Diese Such- und Mordaktion wurde zynisch als „Mühlviertler Hasenjagd“ bezeichnet. Mit Namen sind nur acht Menschen bekannt, die diese Mordaktion überlebt haben, es ist aber davon auszugehen, dass wenige mehr überlebt haben. In der Landwirtschaft eingesetzte Zwangsarbeiter*innen und eine Handvoll Mühlviertler Bauernfamilien, die sich der Mitwirkung an der Mordaktion widersetzten, rettete den meisten von ihnen das Leben. Andere beteiligten sich an den Verbrechen an den Geflüchteten. Seit nunmehr beinahe 30 Jahren ist Anna Hackl als Zeitzeugin in Schulen unterwegs. Zwischen 30 und 50 Auftritte absolviert sie pro Jahr die sie schon bis Berlin geführt haben. Sie selber sagt, die positiven Erfahrungen mit den Schüler*innen motivieren sie immer und immer wieder. Beitragsbild: Bernhard Mühleder (KZ-Gedenkstätte Mauthausen) mit der Zeitzeugin Anna Hackl. Bild: Freies Radio Freistadt

    54 min

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