Orden on Air - der Podcast der Ordensgemeinschaften Österreich

Ordensgemeinschaften Österreich

„Orden on air“ – der Podcast der Ordensgemeinschaften Österreich holt Ordensfrauen und -männer vor den Vorhang und – im wahrsten Sinne des Wortes – vor das Mikrofon. Ziel ist es, interessante Persönlichkeiten und besondere Talente vorzustellen sowie das Engagement von Ordensleuten in den vielfältigen Bereichen des Lebens zu zeigen. Der Podcast soll auch Platz bieten, gesellschaftspolitische Themen aufzugreifen und anzusprechen sowie Hintergründe darzulegen.

  1. Aug 13

    Zehn Jahre im Dienst der Weltkirche: P. Karl Wallner zieht Bilanz

    Zehn Jahre im Dienst der Weltkirche: P. Karl Wallner zieht Bilanz Nach zehn Jahren als Nationaldirektor von Missio Österreich verabschiedet sich P. Karl Wallner Ende August in eine neue Aufgabe. Im Podcast „Orden on Air“ spricht der Zisterzienser über bewegende Begegnungen in der Weltkirche, den Wandel der Missionsarbeit, die Kraft moderner Kommunikation und darüber, warum Europa von den Kirchen des globalen Südens lernen kann. Als P. Karl Wallner 2016 die Leitung der Päpstlichen Missionswerke in Österreich übernahm, wusste er nach eigenen Worten nicht, was ihn erwarten würde. Eigentlich habe er gedacht, seine Aufgabe bestehe darin, „für die Weltkirche zu werben“. Schnell sei ihm jedoch klar geworden, dass weit mehr dahintersteckt. Im Gespräch blickt der Zisterzienser auf zehn intensive Jahre zurück, die ihn auf mehrere Kontinente führten und seinen Blick auf Kirche nachhaltig geprägt haben. Begegnungen, die bleibenZu den eindrucksvollsten Erfahrungen zählen für Wallner die Begegnungen mit Christinnen und Christen in Afrika und Asien. Ob bei den Massai in Tansania, in den Christenvierteln von Lahore in Pakistan oder beim Besuch von Schulen und Pfarren: Überall habe er Menschen erlebt, die ihren Glauben mit großer Freude und unter oft schwierigen Bedingungen leben. „Die Erfahrungen, die ich machen durfte, waren wirklich einzigartig“, sagt Wallner. Besonders bewegt habe ihn die Dankbarkeit der Menschen und die Erfahrung, dass Kirche dort oft unter ganz anderen Voraussetzungen wachse als in Europa. Mehr Unterstützung für die WeltkircheIn Wallners Amtszeit konnte Missio Österreich seine Hilfe für die Weltkirche deutlich ausbauen. Die jährlichen Spendeneinnahmen stiegen von rund 9,2 Millionen Euro auf mehr als 21 Millionen Euro. Dadurch konnten hunderte Projekte unterstützt werden, von Priesterseminaren über Schulen und kirchliche Ausbildungsstätten bis hin zu Gesundheitsprojekten. Mindestens ebenso wichtig sei für ihn jedoch gewesen, das Interesse an der Weltkirche wieder zu stärken. Durch intensive Medienarbeit, persönliche Begegnungen und zahlreiche Berichte aus den Projektländern sollte sichtbar werden, dass die Kirche in Afrika, Asien und Lateinamerika nicht nur Hilfe braucht, sondern auch Hoffnung und Glaubensfreude vermittelt. „Diese Kirche lebt aus einer Glaubensfreude, die einfach für uns auch therapeutisch ist“, sagt Wallner. Gerade die Lebendigkeit der jungen Kirchen könne auch der Kirche in Europa neue Impulse geben. Mission heißt zuhören und unterstützenDer Begriff „Mission“ werde heute oft kritisch betrachtet, räumt Wallner ein. Historische Fehlentwicklungen dürften nicht verschwiegen werden. Gleichzeitig plädiert er dafür, den Begriff neu zu verstehen. Mission bedeute heute nicht Bevormundung, sondern Partnerschaft. Missio entwickle keine Projekte aus Europa heraus, sondern unterstütze die Anliegen der Ortskirchen. „Wir schauen uns an: Was habt ihr für Ideen? Was will der Bischof? Was braucht diese Ordensgemeinschaft?“, beschreibt Wallner diesen Zugang. Ziel sei es, Initiativen zu stärken, die vor Ort entstanden sind und den Menschen konkret dienen. Europa kann von Afrika lernenEin zentrales Thema des Gesprächs ist die Frage, was die Kirche in Europa von den Kirchen des globalen Südens lernen kann. Wallner nennt die große Freude am Glauben, die Wertschätzung der Sakramente und das starke Engagement der Laien.Besonders beeindruckt haben ihn die vielen Katechistinnen und Katechisten, die in den Gemeinden Verantwortung übernehmen und den Glauben weitergeben. Darin sieht er auch ein Zukunftsmodell für Europa. Prägnant fasst er seine Erfahrungen zusammen: „Afrika liebt Jesus.“ Die Rolle der OrdenAls Ordensmann sieht Wallner gerade in den Ordensgemeinschaften wichtige Hoffnungsträger für die Zukunft der Kirche. Ihre Stärke liege in ihrer Kontinuität, ihrer geistlichen Verwurzelung und ihrer Fähigkeit, langfristig Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig müssten Orden ihre Sendung immer wieder neu übersetzen. Große Chancen sieht Wallner in der digitalen Kommunikation. Viele junge Ordensleute erreichten heute über soziale Medien Menschen, die mit Kirche sonst kaum in Berührung kämen. „Wir haben hier etwas, ein Instrument, das völlig neu ist: das mediale Wirken, auch die Katechese über die Medien.“ Rückkehr nach HeiligenkreuzMit 1. September kehrt P. Karl Wallner in sein Heimatkloster Heiligenkreuz zurück. Dort möchte er seine Erfahrungen aus der Weltkirche einbringen und sich wieder verstärkt der Hochschule widmen. Besonders wichtig sei ihm, die vielen Berufungen und das internationale Profil des Stiftes für die Zukunft gut weiterzuentwickeln. Seinem Nachfolger als Missio Nationaldirektor, Pfarrer Johannes Laichner, gibt er einen einfachen Rat mit auf den Weg: „Gehe es langsam an.“ Wer Verantwortung übernehme, solle zunächst die Menschen kennenlernen, Vertrauen aufbauen und erst dann Veränderungen anstoßen. „Orden on air“ – der Podcast der Ordensgemeinschaften ÖsterreichDas Medienbüro der Ordensgemeinschaften Österreich hat im März 2022 den Podcast „Orden on air“ ins Leben gerufen. Der Titel ist Programm: Ordensfrauen und -männer kommen vor den Vorhang – und vor das Mikrofon. Ziel ist es, Persönlichkeiten vorzustellen, Einblicke in das Leben von Ordensgemeinschaften zu geben und das Engagement von Ordensleuten in vielfältigen Bereichen sichtbar zu machen. Der Podcast ist überall zu hören, wo es Podcasts gibt, sowie auf www.ordensgemeinschaften.at

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  2. Aug 4

    Dem Nächsten dienen: Ein Ritter des 21. Jahrhunderts

    Dem Nächsten dienen: Ein Ritter des 21. JahrhundertsFra‘ Gottfried Kühnelt-Leddihn: Vom Familienvater zum Ordensmann – ein ungewöhnlicher WegWas bedeutet es heute, Ritter zu sein – ohne Rüstung, ohne Schwert, aber mit einem klaren Auftrag zur Nächstenliebe? In der neuen Folge des Podcasts „Orden on air“ spricht Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn, Großprior des Souveränen Malteser Ritter-Ordens in Österreich, über die fast 1.000-jährige Geschichte seines Ordens, über humanitäre Diplomatie und darüber, warum es auch im 21. Jahrhundert Ritter braucht.  „Statt des Schwertes haben wir heute bestenfalls ein Taschenmesser mit. Und statt des Pferdes habe ich ein Fahrrad, auf dem ein Schelm ‚GroßprioRAD‘ draufgeschrieben hat. Dazu stehe ich gerne, ich reite auf dem Drahtesel“, sagt Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn mit einem Schmunzeln. Der Großprior des Souveränen Malteser Ritter-Ordens in Österreich beschreibt den Ritter des 21. Jahrhunderts als einen Menschen, der sich in einem ritterlichen Selbstverständnis um die ihm anvertrauten Menschen kümmert und Hilfe gibt, wo Hilfe benötigt wird. Dieses Selbstverständnis leben die Malteser Ritter bereits seit fast tausend Jahren. Die Malteserritter haben sich dem Dienst an Kranken und Menschen in Not verschrieben – und sind diesem bis heute treu geblieben. Gefragt, ob ihn die langjährige Geschichte seines Ordens stolz macht, antwortet er: „Stolz steht einem Ordensmann nicht zu. Demut ist angesagt und man darf natürlich immer Freude haben. Freude brauchen wir, um in anderen zu entzünden, was in uns brennt.“ Hospitalität und SouveränitätDer vollständige Name lautet: Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta. In diesem langen Namen steckt viel Geschichte. Gegründet im Umfeld des Königreichs Jerusalem zur Zeit der Kreuzritter war der Orden von Anfang an primär eines: ein Pflegeorden. „Das Ursprüngliche, die erste Tätigkeit, die wir ausgeübt haben, ist die Hospitalität – die Pflege der Kranken“, erklärt Fra’ Gottfried. Der militärische Schutz kam später. Heute ist der Orden mit rund 13.000 Ordensmitgliedern, etwa 100.000 Freiwilligen und über 50.000 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in mehr als 120 Ländern tätig. Was den Malteserorden zugleich von anderen Ordensgemeinschaften unterscheidet: Er ist ein souveränes Völkerrechtssubjekt mit eigener Verfassung, Pässen, eigener Währung und diplomatischen Beziehungen zu über 115 Staaten. Diese Souveränität ist kein historisches Relikt, sondern ein wirksames Werkzeug der humanitären Arbeit. „Unsere Diplomatie ist eine humanitäre Diplomatie, keine politische“, sagt der Großprior. So konnten Malteser-Botschafter Medikamente hinter dem Eisernen Vorhang liefern, ein Ultraschallgerät als Diplomatengepäck unverzollt nach Südafrika bringen, oder eine ukrainische Ärztin aus der Gefangenschaft in Mariupol herausholen. „Unsere Souveränität wird wirklich nur zum Wohle benachteiligter Menschen eingesetzt – derjenigen, denen wir zu dienen gelobt haben“, beschreibt der Großprior den diplomatischen Einsatz für Frieden und Nächstenliebe.  Von Bethlehem und Gaza bis AmstettenIm Heiligen Land, wo der Orden gegründet wurde, ist er bis heute aktiv. In Bethlehem betreiben die Malters das Holy Family Hospital, ein gynäkologisches Krankenhaus auf europäischem Standard, in dem Patientinnen nur zahlen, was sie können. In Gaza arbeitet der Orden derzeit daran, ein Ambulatorium in Betrieb zu nehmen – ein Unterfangen, das Fra’ Gottfried als „enormen Balanceakt“ beschreibt. Auch in Österreich ist der Orden in verschiedensten Aktivitäten sichtbar: im Malteser Ordenshaus in Wien, im Rettungsdienst – ausschließlich ehrenamtlich – oder auch im Malteser Kinderhilfe Hilde Umdasch Haus in Amstetten, einem Palliativhaus für Kinder und Jugendliche mit lebensverkürzender Diagnose. „Dieses Haus ist wirklich großartig“, sagt Fra’ Gottfried mit spürbarer Überzeugung.  Ein persönlicher WegFra’ Gottfried kam 1969 eher zufällig zu den Maltesern, seit 1970 ist er Mitglied im Malteser Hospitaldienst Austria, seit 1983 Mitglied im Orden. Er heiratete, zog gemeinsam mit seiner Frau fünf Kinder groß und war jahrzehntelang im Hospitaldienst aktiv. Nach dem Tod seiner Frau nach 32 Jahren Ehe, entschloss er sich die ewigen Gelübde abzulegen. „Es war ein logischer Schritt. Ich spürte, dass das offensichtlich, die Berufung ist, die mir nach dem Tod meiner Frau ein erfülltes Leben gewährt“, sagt Fra‘ Gottfried sichtlich gerührt. Seit 2022 ist er Großprior in Österreich. In Österreich gibt es zwei Professritter – also Ordensmitglieder, die alle drei Gelübde abgelegt haben. Auf die Frage, ob ihm die Zahl Sorgen macht, antwortet er: „Sorge und auch pathologischer Optimismus sind nicht angesagt. Ich bin zuversichtlich.“ Und er zitiert den Ordensgründer, den Seligen Gerhard: Diese Bruderschaft werde unvergänglich sein, weil sie im Elend der Welt wurzelt – und weil es immer Menschen geben wird, die daran arbeiten, dieses Elend erträglicher zu machen. „Orden on air“ – der Podcast der Ordensgemeinschaften ÖsterreichDas Medienbüro der Ordensgemeinschaften Österreich hat im März 2022 den Podcast „Orden on air“ ins Leben gerufen. Der Titel ist Programm: Ordensfrauen und -männer kommen vor den Vorhang – und vor das Mikrofon. Ziel ist es, Persönlichkeiten vorzustellen, Einblicke in das Leben von Ordensgemeinschaften zu geben und das Engagement von Ordensleuten in vielfältigen Bereichen sichtbar zu machen. Der Podcast ist überall zu hören, wo es Podcasts gibt, sowie auf www.ordensgemeinschaften.at

    Dem Nächsten dienen: Ein Ritter des 21. Jahrhunderts
  3. May 28

    Sr. Katharina Fuchs: „In der Musiktherapie wird Musik zur Begegnung“

    Musiktherapie: Wo Musik zur Begegnung wirdSr. Katharina Fuchs – Ordensfrau und Musiktherapeutin Sr. Katharina Fuchs ist Musiktherapeutin, Exerzitienbegleiterin, Ordensfrau in der Gemeinschaft der Helferinnen der Seelen im Fegfeuer – und tanzt klassischen indischen Tanz „Bharatanatyam“. In der aktuellen Episode von „Orden on air“ erzählt sie über diese ungewöhnliche Kombination, die sich bei näherer Betrachtung als stimmiges Ganzes erweist. Musik begleitet das Leben von Sr. Katharina von Kindheit an: Als Kind erinnert sie sich an die Kirche, wo sie stets ungeduldig auf den Beginn des Gesangs gewartet hatte. Wenn alle zu singen begannen, hatte sie das Gefühl, wieder wirklich dabei zu sein. Mit den Worten konnte sie wenig anfangen, aber mit der Musik schon.  Kunst, die nicht perfekt sein muss„Musiktherapeutin zu werden, war meine erste Berufung. Es ist eine künstlerisch-therapeutische Methode, die Musik einsetzt, um eine therapeutische Beziehung aufzubauen und zu gestalten“, erklärt Sr. Katharina. Die Musik wird hier bewusst zweckgebunden eingesetzt – als Medium, nicht als Selbstzweck. Perfektion ist dabei weder Ziel noch Maßstab. „Die Musik gehört allen. Musik spricht Menschen auf einer anderen Ebene an. Sie funktioniert ohne Worte“, sagt sie. Was zählt, ist der Moment der Verbindung zwischen zwei Menschen – die Begegnung, die im gemeinsamen Klingen entsteht. Am Krankenbett: Wenn Töne Brücken bauenSr. Katharina arbeitet im Krankenhaus, an Betten von Patientinnen und Patienten – ob nach einem Schlaganfall, in der Psychiatrie, auf einer Wachkommastation oder im Palliativbereich. Sie kommt mit einer Gitarre auf dem Rücken und einer pentatonisch gestimmten Kantele im Arm, einem Saiteninstrument, auf dem es keine falschen Töne gibt. „Probieren Sie einmal“, sagt sie den Menschen. Und überraschend oft streckt jemand die Hand aus und probiert es aus. In ihrem Repertoire befinden sich Instrumente wie Monochord, Regenstab, Balaphon oder Metallophon. Inseln im Ozean der ErinnerungIn der Arbeit mit Menschen mit Demenz erlebt sie, wie ein bekanntes Volkslied wie eine Insel auftaucht inmitten von Verwirrung – ein Moment, in dem Menschen sich wiederfinden, sich erkennen, kurz spüren: ich weiß etwas, ich kann etwas. Plötzlich können drei Strophen aus der Erinnerung gesungen werden, die Augen leuchten auf. Solche Momente nennt Sr. Katharina „Inseln in einem großen, chaotischen Ozean“ – flüchtig, aber real und bedeutsam. Bei Patientinnen im Hospizbereich wird ein gewünschtes Lied manchmal zur Brücke in Lebensgeschichten, zur Sprache für das, was noch gesagt werden muss. Und manchmal ist es schlicht eine Ablenkung – etwas Schönes, das nichts mit Sterben zu tun hat. „Man darf mich auch wegschicken“, erzählt sie. Das ist eine eigene Funktion: die Person zu sein, zu der ein Mensch Nein sagen darf – während Ärzte und Pflege nicht weggeschickt werden können. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“Was Sr. Katharina an ihrer Arbeit am meisten fasziniert, ist nicht der therapeutische Erfolg, sondern der Moment, in dem das Machtgefälle zwischen Therapeutin und Patientin aufgehoben wird. „Wir erleben beide gleichermaßen, dass da etwas lebendig ist.“ Ein Zitat von Martin Buber kommt ihr dabei in den Sinn: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Bharatanatyam: Ordnung und Freiheit im TanzKunst tritt in Sr. Katharinas Leben vor allem dort in Erscheinung, wo sie Ordnung und Freiheit gleichzeitig erfährt – im klassischen indischen Tanz. Der Stil, den sie tanzt, heißt „Bharatanatyam“, ein südindischer Tempeltanz mit über 4.000 Jahren Geschichte, eng verbunden mit der südindischen klassischen Musik. Während ihres Musiktherapiestudiums in Wien entdeckte sie am Sportinstitut einen Kurs – und begann zu lernen, was ihr auf einer Indienreise noch als unlernbar beschrieben worden war. Der Tanz folgt strengen Regeln: festgelegte Bewegungen, klare Choreografien, präzise Rhythmen, die ganz bestimmten musikalischen Einheiten zugeordnet sind. Improvisiert wird nicht. Gerade darin liegt für Sr. Katharina das Besondere. „In der Ordnung geht eine Freiheit auf.“ Wer die Form vollständig beherrscht, kann in ihr ankommen und sich darin ausbreiten. Ein Ruhen in der Bewegung, nennt sie es – paradox und doch körperlich erfahrbar. Dieselbe Logik kennt sie auch aus ihrem Ordensleben: Klare Struktur schafft den Raum, in dem echte Freiheit möglich wird. Dass Musiktherapie und Tanz nebeneinander entstanden und gewachsen sind, erscheint ihr im Rückblick folgerichtig. Die Arbeit mit kranken Menschen führte sie zur Erkenntnis, dass in der Begegnung etwas geschieht, das sie nicht allein erklären kann – ein Wirken, das sie übersteigt. Diese Erfahrung wurde zum Keim ihrer Berufung als Ordensfrau. Der Kongregation der Helferinnen, deren Charisma es ist, Menschen in schweren Lebensphasen zu begleiten, gehört sie seit 2013 an. 2021 feierte sie ihre Ewige Profess – ein Schritt, der sich aus der Tiefe ihrer therapeutischen Erfahrung heraus ergeben hatte.  „Orden on air“ – der Podcast der Ordensgemeinschaften ÖsterreichDas Medienbüro der Ordensgemeinschaften Österreich hat im März 2022 den Podcast „Orden on air“ ins Leben gerufen. Der Titel ist Programm: Ordensfrauen und -männer kommen vor den Vorhang – und vor das Mikrofon. Ziel ist es, Persönlichkeiten vorzustellen, Einblicke in das Leben von Ordensgemeinschaften zu geben und das Engagement von Ordensleuten in vielfältigen Bereichen sichtbar zu machen. Der Podcast ist überall zu hören, wo es Podcasts gibt.

    Sr. Katharina Fuchs: „In der Musiktherapie wird Musik zur Begegnung“
  4. Apr 29

    Auf der Suche nach spiritueller Nahrung

    Spiritualität ist nicht so leicht in Worte zu fassen. In der aktuellen Episode von „Orden on air“ sprechen Sr. Christine Rod und Wolfgang Bruckner über Spiritualität, was ihren Glauben nährt, warum Gemeinschaft wichtig ist und Christ-sein heute eine Entscheidung braucht. Sr. Christine Rod leitet den zweijährigen Spiritualitätslehrgang „glauben und leben – Spuren und Wurzeln des Christlichen“, Wolfgang Bruckner ist aktuell Teilnehmer des Lehrgangs. Im Podcast sprechen sie über ihre Beweggründe – warum sie den Lehrgang konzipierten bzw. daran teilnehmen, was sie als spirituell Suchende antreibt und warum viele Menschen heute spirituell ausgehungert sind.  „Spiritualität ist das, was mich leben lässt – und zugleich das, was größer ist als ich selbst“, versucht Sr. Christine Rod den Begriff Spiritualität greifbar zu machen, „Glaube, Religion, Spiritualität – sie haben alle mit einer Liebe zum Leben und zu einer größeren Wirklichkeit zu tun.“  „Spirituell ausgehungert“ – ein Phänomen unserer ZeitDie Idee zu diesem zweijährigen Lehrgang entstand, weil Sr. Christine Rod immer wieder auf „spirituell ausgehungerte Menschen“ gestoßen ist. „Viele Menschen sind in ihrem Kinderglauben stehen geblieben – aber ihr Leben ist weitergegangen. Die Lebens-, Liebes- und Leidenserfahrungen dieser Menschen sind gereift. Die Frage, die dann folgt: Was nährt mich jetzt – auch spirituell? Da wird es dann oft dünn. Wo finden Menschen – Glaubende wie Suchende – gute Nahrung und gute Übungsfelder?“ Der Lehrgang kann hier eine Antwort sein – er ist mehr als die sonntägliche Predigt und nicht so fordernd und anspruchsvoll wie ein Theologiestudium.  Wolfgang Bruckner ist einer, der diese Nahrung im Spiritualitätslehrgang gefunden hat. „Ich war immer ein spirituell Suchender“, sagt er über sich selbst und ist überzeugt: „Mitschwimmen geht nicht mehr – Christ-sein braucht heute eine Entscheidung. Und wenn Glaube Entscheidung braucht, dann braucht Glaube auch Nahrung“. Ein Begriff, der für ihn besonders prägend wurde, ist die „Auskunftsfähigkeit“: „Es ist für mich zentral geworden, auskunftsfähig zu sein – über das, was ich glaube und wovon ich überzeugt bin.“ Angelehnt an ein Zitat von Erzbischof Josef Grünwidl ‚Nur wer innerlich brennt, kann leuchten‘ sagt er: „Leuchten allein ist vielleicht noch nicht genug. Ich muss auch darüber sprechen können, warum ich leuchte, warum ich brenne. Und zu dieser Auskunftsfähigkeit hat der Lehrgang vieles beigetragen.“ Ein Angebot für SuchendeSr. Christine Rod bringt die Intention des Lehrgangs auf den Punkt: „Spiritualität ist vielleicht das Beste, was wir als Orden haben – und genau das wollen wir weitergeben. Nicht als fertige Antwort, sondern als Einladung, sich auf den Weg zu machen.“ Der Lehrgang setzt genau hier an: Er bietet einen Rahmen, in dem Erwachsene ihren Glauben vertiefen, reflektieren und neu entdecken können. „Der Lehrgang ist eine Spur, eine Möglichkeit, der ich folge und wo ich mich mal hineinbegeben will. Und einer Spur zu folgen ist besser, als keiner Spur zu folgen“, erklärt Sr. Christine Rod.  Gemeinsam unterwegs – statt allein suchenEin zentrales Element des Lehrgangs ist die Gemeinschaft. Die Teilnehmer:innen sind ein Querschnitt der Bevölkerung – Jüngere, Ältere, Männer, Frauen und aus den verschiedensten beruflichen Bereichen – aus dem Bildungs-, Gesundheits-, Medien- und Wirtschaftsbereich. Wolfgang Bruckner fasst die Gemeinsamkeit der Gruppe mit den Worten zusammen: „Was unsere Gruppe so zusammenschweißt, ist ein grundsätzliches Interesse an Glauben und an einem guten Leben.“ Sr. Christine Rod bestärkt die Wichtigkeit, dass Glaube gemeinsam gelebt werden soll „Das Wort Kirche bedeutet ‚die zum Herren, die zu Gott gehören‘ – und wenn da so ist, dann will ich auch mit anderen unterwegs sein, die sich auch irgendwie diesem Gott, dieser größeren Wirklichkeit zugehörig fühlen.“  Der Lehrgang verbindet inhaltliche Impulse, Austausch in der Gruppe und eine spirituelle Praxis, wie zum Beispiel eine Meditation am Morgen und am Abend. Inhaltlich spannt der Lehrgang einen breiten Bogen: Themen wie „Jesus und seine Quellen“, „Glauben mit den Orden“, „Glauben in der Kirche und Kirche in der Welt von heute“, „Glauben Feiern - Gebet und Liturgie“, „Glaube ist mystisch und politisch“. Der Lehrgang geht über zwei Jahre und besteht aus acht Modulen, die jeweils von Donnerstagabend bis Sonntagmittag dauern. Start des nächsten Lehrgangs im Herbst 2026Nach zwei erfolgreichen Durchgängen startet der nächste Lehrgang im September 2026 und läuft bis Juni 2028. Die Anmeldung ist ab sofort möglich. Alle Informationen zum Lehrgang sowie die Anmeldemöglichkeit finden sich auf der Website der Ordensgemeinschaften Österreich.  Der Lehrgang richtet sich an Menschen, die sich nach spiritueller Vertiefung sehnen, ihren Glauben reflektieren möchten, oder sich bewusst auf einen persönlichen Entwicklungsweg einlassen wollen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – wohl aber Offenheit und die Bereitschaft, sich einzulassen. „Orden on air“ – der Podcast der Ordensgemeinschaften ÖsterreichDas Medienbüro der Ordensgemeinschaften Österreich hat im März 2022 den Podcast Orden on air ins Leben gerufen. Der Titel ist Programm: Ordensfrauen und -männer kommen vor den Vorhang – und vor das Mikrofon. Ziel ist es, Persönlichkeiten vorzustellen, Einblicke in das Leben von Ordensgemeinschaften zu geben und das Engagement von Ordensleuten in vielfältigen Bereichen sichtbar zu machen. Der Podcast ist überall zu hören, wo es Podcasts gibt.

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