Von Asch bis Zips: Der Osten für die Ohren

Deutsches Kulturforum östliches Europa

Böhmische Dörfer sind Ihnen fremd? Siebenbürgisch-Sächsisch haben Sie nie gehört? Die Schwäbische Türkei liegt für Sie hinter Stuttgart? Unser Podcast rund um die deutsche Geschichte und Kultur im östlichen Europa entführt Sie in Regionen, mit denen uns nicht nur eine gemeinsame Vergangenheit verbindet.

  1. Aug 12

    Zwetschkenknödl-Fox. Schellackplatten erzählen deutschböhmische Geschichte

    »Bataillon – habt Acht!« Wer diesen Befehl hört, erwartet straffe Disziplin – und bekommt Fanfaren, die wild durcheinanderspielen. Das ist die erste von mehreren Überraschungen in der neuen Folge unseres Podcasts. Sieben Aufnahmen haben wir aus der Schellackplattensammlung im Stadtarchiv von Aussig/Ústí nad Labem ausgewählt – von der Militärparade bis zum Swing-Foxtrott, von 1908 bis 1938. Zusammengetragen hat diese Sammlung Vladimír Kaiser, der das Stadtarchiv fast vier Jahrzehnte lang geleitet hat. Die Platten erzählen von einer Welt, in der Deutsch und Tschechisch, jüdische Kapellmeister und amerikanischer Jazz, Kaffeehäuser und Klavieravantgarde zusammengehörten – und davon, wie diese Welt auseinanderbrach. Podcast-Host Vera Schneider hat Kaiser besucht und zu Glanzstücken der Sammlung befragt. Zu hören sind unter anderem Erwin Schulhoff, der 1942 im Internierungslager Wülzburg starb, das Tanzorchester von Harry Harden, dessen Biografie sich 1939 in Amerika verliert, und das Orchester von Dr. Harry Osten, der 1933 als Jude aus Berlin fliehen musste, in Prag ein neues Orchester gründete und 1952 in Haifa begraben wurde. Daneben thematisierten die Aufnahmen auch die politischen Brüche der Zeit: mit der Mairede des sudetendeutschen Sozialdemokraten Wenzel Jaksch (1937) und ihrem nationalsozialistischen Gegenpart von Konrad Henlein (1938). Als Ausklang begleitet der bekannte sudetendeutsche Liederschöpfer Anton Günther sich selbst auf der Gitarre. Sein Lied "Feierobnd" wird im Erzgebirge bis heute auf Beerdigungen gespielt dies- und jenseits der deutsch-tschechischen Grenze. Interviewgast: Vladimír Kaiser, Historiker und ehemaliger Stadtarchivar von Aussig/Ústí nad Labem Konzept, Moderation, Redaktion und technische Umsetzung: Vera Schneider Weitere Musik der beteiligten Künstler finden Sie auf unserer Spotify-Playlist »Von Asch bis Zips — Noch mehr Osten für die Ohren«.   Quellennachweis der Tonaufnahmen Grammophonorchester Prag: Frühlingsmilitärparade, Wien 1908Erwin Schulhoff: Klaviersuite Nr. 2, Preludio e Melodia – Polydor, Prag 1928Orchester Harry Harden & Trio Schön Hartford Heinzelmann: Der Vogel Strauß, der hat es raus. Musik Carl Robrecht, Text: Karlick – Esca 1448 A (unveröffentlichte Probeaufnahme), Prag 1934Dr. Harry Osten und sein Orchester, Gesang: John Burns: Zwetschkenknödl-Fox (Mein süßes Mädel aus Napajedl), Prag 1937Wenzel Jaksch: Rede zum 1. Mai 1937 – Amateuraufnahme einer Rundfunksendung, Prag 1937Konrad Henlein: Rede, 1.-Mai-Kundgebung Gablonz an der Neiße/Jablonec – Privataufnahme auf Gelatinetonfolie, 1. Mai 1938 (Ausschnitt)Anton Günther (Komposition, Gesang und Gitarre): Feierobnd – Grammophon 144 BT IV, 1929Alle Tonaufnahmen wurden uns freundlicherweise von VladimírKaiser aus dem Bestand des Stadtarchivs Aussig/Archiv města Ústí nad Labem fürdiesen Podcast zur Verfügung gestellt.

  2. 12/19/2025

    Lesen!

    25 Jahre Kulturforum! Aus diesem Anlass stellen wir in fünf Folgen fünf verschiedene Aspekte unserer Arbeit vor. Diese Folge widmet sich den Publikationen des Kulturforums,wozu auch die viermal jährlich erscheinende Zeitschrift Kulturkorrespondenz östliches Europa https://kulturforum.info/de/kk-magazin// https://kulturforum.info/de/kk-magazin/sowieÜbersetzungen und Kooperationen gehören. Im „Thema“ dieserFolge geht es um eine kombinierte Präsentation von zwei Titeln im März 2025 in Chemnitz. Statt einer Zusammenfassung hören Sie den Live-Mitschnitt der Veranstaltung in der Stadtbibliothek Chemnitz. Sie war Teil der Literaturreihe „Leselust goes Europe“, die Kulturforum, Tschechisches Zentrum Berlin und die Stadtbibliothek Chemnitz im Rahmen des Programms der Kulturhauptstadt Europas 2025 aufführten. Roswitha Schieb und Marcin Wiatr präsentierten ihre beiden Literarischen Reiseführer zu Ober- und Niederschlesien. Freuen Sie sich auf zwei kurze Streifzüge durch die benachbarten und doch so unterschiedlichen Regionen mit ausgewählten Zitaten. Vorher nimmt uns Verlagsleiterin Tanja Krombach mit ans Bücherregal zu den sonst noch erschienenen Reihen, Titeln und Projekten der Potsdamer Bibliothek östliches Europa. Diese Episode ist die letzte von fünf Jubiläumsfolgen zum25jährigen Bestehen des Deutschen Kulturforums östliches Europa. Moderation: Ariane Afsari und Martin Pabst Live-Aufnahme in Chemnitz: Ariane Afsari Redaktion und technische Umsetzung: Ariane Afsari und Martin Pabst Musik: Jaspar Libuda Eine Produktion des Deutschen Kulturforums östliches Europa, 2025

    Lesen!
  3. 12/03/2025

    Ein Europäer aus Prag. 150 Jahre Rainer Maria Rilke

    Am 4. Dezember 1875 wurde in Prag Rainer (damals noch René) Maria Rilke geboren. Unsere Podcast-Folge zu diesem Jubiläum nimmt Sie mit in seine Geburtsstadt. Dort waren wir im September 2025 zur 41. Tagung der Internationalen Rilke-Gesellschaft unter dem Motto »Von Prag nach Europa« eingeladen. Hören Sie selbst, wie lebendig und vielstimmig Rilkes Werk heute gelesen wird! Ein Ausschnitt aus Karl Ove Knausgårds vielbeachteter Festrede, ein Hintergrundinterview mit Torsten Hofmann und Impressionen von einem Rilke-Spaziergang mit Karel Mika stimmen auf das Thema ein. Neue Perspektiven auf Rilkes frühe Jahre eröffnet eine Podiumsdiskussion mit Rüdiger Schaper, Sandra Richter und Manfred Koch. Dabei blitzt eine Frage auf: Wäre Rilke der Schlagerkönig von Prag geworden, wenn er dort geblieben wäre? Den Autor als »praktizierenden Europäer« rückt Rüdiger Görner ins Zentrum seines Vortrags »Rilkes europäische Zeugenschaft«. Außerdem stellt Podcast-Host Vera Schneider vier sehr verschiedene biografische Annährungen an Rilke vor. Den munteren Schlussakkord bildet eine Kostprobe aus dem neuen Gedichtband »Tanzt die Orange – 100 Antworten auf Rilke«: Jan Wagner und Norbert Hummelt haben fünfundsiebzig der namhaftesten deutschsprachigen Lyrikerinnen und Lyriker eingeladen, Rilke-Gedichte in die eigene Sprache zu übersetzen. Unser Fazit nach vier Tagen in Prag: Rilke ist kein Denkmal, er ist ein Gesprächspartner, der zum poetischen Dialog einlädt und dessen europäischer Blick in einer Zeit neuer Grenzziehungen an Bedeutung gewinnt. Interviewgäste und Vortragende in der Reihenfolge ihres Auftretens: Karl Ove Knausgård, norwegischer Schriftsteller Torsten Hofmann, Literaturwissenschaftler, Präsident der Internationalen Rilke-Gesellschaft Karel Mika, Doktorand an der Karls-Universität Prag Rüdiger Schaper, Kulturjournalist und Publizist Sandra Richter, Literaturwissenschaftlerin, Leiterin des Deutschen Literaturarchiv in Marbach Manfred Koch, Literaturwissenschaftler, Essayist und Kritiker Rüdiger Görner, Literaturwissenschaftler, Emeritus der Queen Mary University of London Jan Wagner, Schriftsteller, Lyriker und Übersetzer Norbert Hummelt, Dichter, Übersetzer und Kulturjournalist Konzept, Moderation, Redaktion und technische Umsetzung: Vera Schneider Deutsche Stimme von Karl Ove Knausgård: André Werner Musik: Blickwechsel-Thema von Jaspar Libuda Die Tagung bot neben weiteren Vorträgen auch ein Panel für die junge Rilke-Forschung und für Rilke-Übersetzungen ins Tschechische, ein Rilke-Foyer mit Projekten außerhalb des akademischen Rahmens und vieles mehr. Das detaillierte Programm finden Sie als auf der Website der Internationalen Rilke-Gesellschaft: https://www.rilke.ch/wordpress/wp-content/uploads/Rilke-Tagung-Prag-2025_Programm_Stand_Maerz-2025.pdf Die Episode des Podcasts Von Asch bis Zips. Der Osten für die Ohren entstand in Zusammenarbeit mit der Internationalen Rilke-Gesellschaft.

    Ein Europäer aus Prag. 150 Jahre Rainer Maria Rilke
  4. 11/19/2025

    Hören!

    25 Jahre Kulturforum! In der dritten Jubiläumsfolge geht es in „Hören!“ um Musik. Im Gespräch mit Ariane Afsari berichtet Klaus Harer von den spannenden Projekten, überraschenden Entdeckungen und beeindruckenden Begegnungen, die er als Fachreferent für Musik beim Kulturforum erlebte. Und da im Rahmen dieser Projekte auch verschiedene CDs produziertwurden, gibt es in dieser Folge auch Musik aus dem östlichen Europa zu hören. Die Einspieler kommen von folgenden CDs: Parnass-Blumen. Songs by Gertraud Möller &Johann Sebastiani. Aelbgut – Wunderkammer. COV 92213 E.T.A. Hoffmann: Kammermusik. Erstaufnahmenauf historischen Instrumenten mit Masumi Nagasawa (Harfe), Beni Araki(Hammerflügel), dem Hoffmeister-Quartett und dem Trio Margaux. PH07063 Joseph Elsner: Kammermusik. 4-CD-Box. Mitdem Trio Margaux, dem Hoffmeister-Quartett u.a. PH19033 Theophil Richter & Felix Blumenfeld:Streichquartette. Erstaufnahmen mit dem Odessa String Quartet. PH15011    Die weiteren im Podcast erwähnten Texte undAufnahmen sind: Michael Wieck: Zeugnis vom UntergangKönigsbergs. Ein ‚Geltungsjude berichtet‘. Erste Ausgabe: Heidelberg 1984.Übersetzung ins Russische von Jurij Wolkow, bearb. von Renata von Maydell undMichail Bezrodnyj. St. Petersburg 2004. 2. Ausgabe: Kaliningrad 2015. Maurice de Martin: Transylvaniana. Berlin Jazz Composers Ensemble.CACD8202 https://kulturforum.info/de/verlag-medien/musik/7635-musikalische-fundstuecke-aus-dem-oestlichen-europa#Online-Blaettern   Diese Episode ist die dritte von fünf Jubiläumsfolgen zum25jährigen Bestehen des Deutschen Kulturforums östliches Europa Moderation: Ariane Afsari Technische Umsetzung:Vera Schneider und Martin Pabst Musik: Jaspar Libuda Eine Produktion desDeutschen Kulturforums östliches Europa, 2025

    Hören!
  5. 09/09/2025

    Erzählen!

    25 Jahre Kulturforum! Das Jubiläum geht weiter: Nach der Folge „Anschauen!“ heißt es nun „Erzählen!“ - Seit alters her verarbeiten Menschen Emotionen und Erlebnisse, Wahrnehmungen und Beobachtungen aus ihrem Umfeld in Geschichten. Das mündliche Erzählen ist älter als jede Schrift und kann im östlichen Europa auch auf eine lange deutschsprachige Tradition zurückblicken. Im Projekt des DeutschenKulturforums östliches Europa „Sagen, Märchen, Geschichten aus meiner Region“ (https://kulturforum.info/de/termine/erzahlwerkstatt)  leiten die erfahrenen Storytellerinnen KarinWedra und Barbara Greiner-Burkert seit 2017 Erzählwerkstätten für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowie Multiplikatoren. In dieser Folge erzählensie vom „Tortenheber aus Zagreb“ (erfunden von Jugendlichen in Zagreb), von „Hamlet auf der Festung Bender“ (erfunden von Studierenden in Tiraspol) und vom „Schatten des Fernsehturms“ (erfunden von Studierenden in Prag). Diese drei und alle weiteren Geschichten, die in denErzählwerkstätten entstanden sind, gibt es auch zum Herunterladen und Nachlesen auf unserer Website: https://kulturforum.info/attachments/article/7439/Geschichtensammlung.pdf   Diese Episode ist die zweite von fünf Jubiläumsfolgen zum25jährigen Bestehen des Deutschen Kulturforums östliches Europa Sprecherinnen: Karin Wedra und Barbara Greiner-Burkert Moderation und technische Umsetzung: Martin Pabst und Ariane Afsari Musik: Jaspar Libuda Eine Produktion des Deutschen Kulturforums östliches Europa, 2025

    Erzählen!
  6. 08/07/2025

    »The Greatest Show on Earth!« (Somewhere in Europe) – Zirkusgeschichten aus Breslau, der Tschechoslowakei und der ungarischen Provinz

    Hereinspaziert, hereinspaziert zur großen Podcast-Zirkusrevue – wo Geschichte nicht im Archiv verstaubt, sondern im Scheinwerferlicht funkelt! Erleben Sie drei waghalsige Artistinnen in einer akademischen Hochseilnummer der Sonderklasse! Nummer eins in der Manege und extra aus Budapest angereist ist Katalin Teller von der Eötvös-Loránd-Universität. Sie entführt uns in die ungarische Provinz, wo 1901 eine Wunderwelt auf Rädern unterwegs ist: Barnum & Bailey, der amerikanische Zirkusgigant, macht mit zwölf Zelten gleichzeitig den Theaterdirektoren Angst. Wenn in Städten wie Fünfkirchen/Pécs auf Riesenbannern »The Greatest Show on Earth« angekündigt wird, dann prallen Massenkultur und lokale Tradition, ethnische und nationale Identitäten aufeinander. Ein Meisterstück der historischen Jonglage präsentiert Anne Hultsch von den Universitäten Wien und Greifswald: Sie nimmt uns mit in die Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit, wo der Zirkus von der Avantgarde als eine der »Freuden des elektrischen Zeitalters« gefeiert wird und als Symbol moderner Unterhaltung gilt. Doch bald kollidiert die Vision mit der Realität, bis der Zirkus fast spurlos wieder von der Bildfläche verschwindet. Und schließlich der große Schlussakt: Aus Oldenburg, vom Bundesinstitut für Kultur und Geschichte des östlichen Europa (BKGE), kommt Maria Luft und präsentiert uns ein ganzes Netzwerk des Amüsements: den Zirkus Busch in Breslau und dessen Verflechtungen mit der lokalen und überregionalen Unterhaltungskultur. Mit eigenem Zirkusbau und spektakulären Programmen erlebt das Haus eine Blütezeit, die durch Krieg, Flucht und Vertreibung ihr jähes Ende findet. Vor der Show blicken wir hinter die Kulissen: Die dritte Folge unserer Reihe »Zugehört und mitgeschnitten« entstand auf der internationalen »Tagung ⁠Vergnügungskultur im östlichen Europa (1880–1945)«,⁠ die im März 2025 im ⁠BKGE Oldenburg⁠ stattfand. Maria Luft und Mitinitiator Andrzej Dębski vom ⁠Willy-Brandt-Zentrum der Universität Breslau/Wrocław⁠ sprechen mit Podcasthost Vera Schneider darüber, was die Tagung außer Zirkusgeschichte(n) sonst noch Faszinierendes bot. Ein Tagungsband ist in Vorbereitung. Konzept, Moderation, Redaktion und technische Umsetzung: Vera Schneider Als Gast: Martin Pabst alias Martellino Pabstoni Interviewgäste und Vortragende: Maria Luft, Andrzej Dębski, Katalin Teller und Anne Hultsch Musik: Blickwechsel-Thema von Jaspar Libuda; Einzug der Gladiatoren (tschechisch: Vjezd gladiátorů) von Julius Fučík, 1897 (Eastern Wind Symphony Music, Public Domain via musopen.org) Sounds: BBC Archive Die Episode entstand in Zusammenarbeit mit dem ⁠Bundesinstitut für Kultur und Geschichte des östlichen Europa (BKGE).⁠

    »The Greatest Show on Earth!« (Somewhere in Europe) – Zirkusgeschichten aus Breslau, der Tschechoslowakei und der ungarischen Provinz

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