BehindBlueEyes.de

Danny Schreckenbach

BehindBlueEyes.de ist mein persönlicher Blick auf die Welt, geschrieben und gesprochen in Dresden. Hier gibt es klare Meinungen zu Politik und Zeitgeschehen, durchmischt mit spannenden Anekdoten aus dem Leben. Ehrlich, sarkastisch und immer hörenswert.

  1. Jul 17

    Spahn und das Statussymbol Kind

    Es ist eine Nachricht, die im ersten Moment vor allem eines auslösen sollte. die Anerkennung eines zutiefst menschlichen Glücks. Wenn sich zwei Menschen bewusst dafür entscheiden, füreinander und für ein neues Leben einzustehen, dann verdient das Respekt. Unionsfraktionschef Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke sind Väter geworden. Ein kleiner Junge namens Georg erblickte in den USA das Licht der Welt, ausgetragen von einer Leihmutter. Die Freude der beiden über die Vaterschaft und das pure Glück, das sie nun öffentlich teilen, ist die eine Seite dieser Geschichte. Ein Kind willkommen zu heißen und als Eltern bedingungslose Verantwortung zu übernehmen, ist ein zutiefst positiver Akt. Doch bei einer Person des öffentlichen Lebens, einem der mächtigsten Spitzenpolitiker des Landes, lässt sich das Private nicht isoliert von der politischen Realität betrachten. Genau hier bricht eine massive Doppelmoral auf, die einen Schatten über das familiäre Glück wirft. In Deutschland ist die von Spahn und seinem Partner gewählte Form der Elternschaft gesetzlich strikt verboten. Das Embryonenschutzgesetz stellt die Leihmutterschaft unter Strafe, um die körperliche Selbstbestimmung von Frauen zu schützen und eine Kommerzialisierung des weiblichen Körpers zu verhindern. Besonders brisant ist dabei die Rolle von Spahns eigener Partei. Erst auf dem CDU-Parteitag im Februar dieses Jahres wurde ein eindeutiger Beschluss gefasst. Die Christlich Demokratische Union hält ausdrücklich und ohne Ausnahmen am Verbot der Leihmutterschaft fest, selbst für altruistische Modelle. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Kind der Spahns bereits im zweiten Trimester der Schwangerschaft. Wer nun aufmerksam die Protokolle durchforstet, sucht vergeblich nach einer abweichenden Meinungsäußerung oder einem kritischen Debattenbeitrag Spahns in Stuttgart. Spahn schwieg, trug den harten, konservativen Kurs seiner Partei nach außen hin voll mit, während er im Privaten längst Fakten schuf, die diesem Kurs diametral widersprechen. ➔ ⁠BehindBlueEye.de⁠ ➔ ⁠Bluesky⁠ ➔ ⁠Instagram⁠

    Spahn und das Statussymbol Kind
  2. Jul 5

    100 Jahre Reichsparteitag in Thüringen und die Frage nach dem AfD-Verbotsverfahren

    Manchmal schreibt die Geschichte Drehbücher, bei denen man unwillkürlich innehält. Am 4. und 5. Juli 2026 fand in der Erfurter Messehalle der 17. Bundesparteitag der AfD statt. Soweit, so normal für eine politische Partei. Doch wer den Blick ein wenig weitet, stößt auf eine historische Parallele, die mindestens frösteln lässt: Auf das Wochenende genau vor 100 Jahren – am 3. und 4. Juli 1926 – hielt die NSDAP ihren ersten großen Reichsparteitag nach ihrer Neugründung ab. Und zwar nicht irgendwo, sondern im thüringischen Weimar, nur rund 25 Kilometer von Erfurt entfernt. Es war jener Parteitag, auf dem unter anderem die Hitlerjugend ins Leben gerufen wurde. Ist diese Kombination aus exaktem Datum und geografischer Nähe nun ein reiner, unglücklicher Zufall der Raumplanung oder eine bewusste, subtile Botschaft? In welcher Tradition sieht man sich, wenn man solche Daten wählt? Diese Fragen muss und sollte sich an dieser Stelle jeder selbst beantworten. Fest steht jedoch: Die Symbolik passt ins Bild einer Partei, die sich immer offener von den Grundwerten unserer Republik verabschiedet. Für mich ist dieser Parteitag in Erfurt deshalb kein normaler politischer Termin. Er ist ein weiterer Weckruf und der Punkt, an dem ich sage: Ich hoffe inständig, dass das juristische Verfahren zum Verbot dieser Partei endlich und bald in die Wege geleitet wird. Die Argumente dafür liegen längst glasklar auf dem Tisch. ➔ ⁠BehindBlueEye.de⁠ ➔ ⁠Bluesky⁠ ➔ ⁠Instagram⁠

    100 Jahre Reichsparteitag in Thüringen und die Frage nach dem AfD-Verbotsverfahren
  3. Jun 7

    Alexander Zverev und die gelben Tennisbälle im Stade Roland Garros 

    Das Scheinwerferlicht brennt, bei jedem extremen Schritt staubt die rote Asche von Paris auf und die Anspannung auf dem Center Court ist förmlich greifbar. Doch dieses Mal ist das Drama vorbei und die Erleichterung grenzenlos. Im 41. Anlauf hat Alexander „Sascha“ Zverev sein großes Ziel endlich erreicht. Der Hamburger gewinnt in einem packenden Finale gegen Flavio Cobolli die French Open und feiert damit den ersten Grand-Slam-Triumph seiner Karriere. Zverev ist nun also der Vollendete. Nach dem erlösenden Matchball sank er erschöpft auf den roten Sand und ließ seinen Tränen freien Lauf. Bisher betonte der Tokio-Olympiasieger gebetsmühlenartig, dass die olympische Goldmedaille der wichtigste Meilenstein seiner Karriere sei. Es bleibt spannend, was er in Zukunft über diesen historischen Tag in Paris sagen wird. Dieser Sieg ist für das deutsche Tennis historisch, denn Zverev wandelt auf ganz großen Spuren. Er ist der erste deutsche French-Open-Sieger seit Henner Henkel im Jahr 1937 und der erste deutsche Grand-Slam-Champion im Herreneinzel seit Boris Beckers Sieg bei den Australian Open im Jahr 1996. Seit Beginn der Open Era im Jahr 1968 ist der Hamburger nach Becker und Michael Stich erst der dritte Deutsche, dem dieses Kunststück bei einem Major-Turnier der Männer gelang. Trotz dieses Meilensteins bleibt Zverev vorerst die Nummer 3 der Weltrangliste. Doch der Wert dieses Sieges wiegt ohnehin schwerer als nackte Zahlen. Der Weg zu diesem Pokal war jedoch ein echtes Stück Arbeit, denn im Finale entwickelte sich ein epischer Schlagabtausch. Zverev begann extrem stark gegen Cobolli und dominierte die Partie zunächst mit seinem gefürchteten Aufschlag und einer wuchtigen Rückhand. Auch im zweiten Satz fehlte nicht viel zur Vorentscheidung, doch Cobolli legte spürbar zu, biss sich in die Partie und verdiente sich den Satzausgleich redlich. Der Italiener erwies sich als extrem kraftvoller Gegner, der den Sieg ebenso verdient gehabt hätte. Bei der Siegerehrung hinterließ er einen unglaublich sympathischen Eindruck. Mit dem Ausgleich stieg die Spannung im Stadion von Minute zu Minute. Zverev schaffte es zwar, sich das Momentum im dritten Satz wieder zunutze zu machen, verpasste es dann aber im vierten Durchgang, das Match vorzeitig zu beenden. Somit musste die Entscheidung im fünften Satz fallen. Hier bewies der Deutsche die Nerven eines Champions, zog schnell mit zwei Breaks Vorsprung davon und gewann schließlich das Match. Cobolli gab zu keinem Zeitpunkt auf und kämpfte bis zum letzten Ballwechsel, konnte den entfesselten Zverev letztlich aber nicht mehr stoppen. Es war einfach wunderschön, am Ende die deutsche Nationalhymne über den Court von Paris schallen zu hören – selbst mit der leisen Vorahnung im Hinterkopf, dass wir sie bei dem kommenden Turnier in Nordamerika wohl nicht allzu oft hören werden. ➔ ⁠BehindBlueEye.de⁠ ➔ ⁠Bluesky⁠ ➔ ⁠Instagram⁠

    Alexander Zverev und die gelben Tennisbälle im Stade Roland Garros 

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