BehindBlueEyes.de

Danny Schreckenbach

BehindBlueEyes.de ist mein persönlicher Blick auf die Welt, geschrieben und gesprochen in Dresden. Hier gibt es klare Meinungen zu Politik und Zeitgeschehen, durchmischt mit spannenden Anekdoten aus dem Leben. Ehrlich, sarkastisch und immer hörenswert.

  1. 2d ago

    Der Tod und der Monat November

    Wenn man zu Beginn des elften Monats einen Blick in den Kalender wirft, drängt sich unweigerlich das Gefühl auf, dass der November ein wochenlanges Requiem ist. Kaum sind die bunten Schleier des Herbstes gefallen und die letzten goldenen Sonnenstrahlen gewichen, schalten wir in den Dauermodus des Gedenkens. Es beginnt Schlag auf Schlag mit Allerheiligen und Allerseelen, führt über den Volkstrauertag zum Totensonntag. Fast so, als hätte sich der Kalender verschworen, uns geballt und ohne Ausweg an die Endlichkeit zu erinnern. Doch warum versammeln sich all diese stillen Feiertage ausgerechnet in dieser ohnehin schon schattigen Jahreszeit? Ein Blick in die Geschichte verrät, dass diese Ballung kein Zufall ist, sondern das Ergebnis Jahrhunderte alter Traditionen, die Natur und Glaube miteinander verweben. Früher, in den vorindustriellen Agrargesellschaften, war der November die Zeit, in der das landwirtschaftliche Jahr endete. Die Ernte war eingebracht, die Felder lagen brach, und die Natur zog sich in einen scheinbaren Tod zurück. Es war die dunkelste Phase des Jahres, in der die Menschen ohnehin spürten, wie das Licht schwand und die Kälte Einzug hielt. Da lag es nah, die Ahnen und Verstorbenen in genau dieser Phase zu ehren, in der die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits in der Wahrnehmung dünner zu werden schien. Hinzu kommt eine ganz profane Psychologie des Rhythmus. Im Frühling und Sommer feiern wir das Leben, den Neubeginn und das blühende Wachstum. Der Herbst fordert uns dann langsam auf, die Ernte einzufahren, innezuhalten und das Jahr Revue passieren zu lassen. Wenn dann die Nebelschwaden über die Wiesen ziehen und die Tage spürbar schrumpfen, sind wir innerlich viel empfänglicher für die leisen, melancholischen Töne. Die Gedenktage geben diesem ohnehin vorhandenen Gefühl einen festen Rahmen, eine gemeinschaftliche Form, in der Trauer und Erinnerung ihren Platz finden dürfen, ohne im Alltag unterzugehen. Vielleicht tut uns diese Ballung im November sogar gut, auch wenn sie im ersten Moment schwerfällig wirkt. In einer Welt, die oft nur Tempo, Optimierung und ewiges Funktionieren kennt, zwingt uns der November zu einer Vollbremsung. Er erinnert uns daran, dass zum Leben eben auch das Ende gehört und dass das bewusste Innehalten die Brücke ist, um die Erinnerung an diejenigen, die uns fehlen, lebendig zu halten. Am Ende ist dieser scheinbare Monat des Todes damit vor allem eines: Eine Einladung, dem Leben durch die bewusste Auseinandersetzung mit seiner Endlichkeit erst seine wahre Tiefe zu geben. Kommentieren und diskutieren: ➔ ⁠BehindBlueEye.de⁠ ➔ ⁠Bluesky⁠ ➔ ⁠Threads ➔ ⁠X

    Der Tod und der Monat November
  2. 4d ago

    Identitäts-Outfit und die Rüstung im Kopf

    Wer aufmerksam durch die Straßen geht, erkennt „political statements“ heute oft schon aus mehreren Metern Entfernung. Politische Einstellungen sind längst nicht mehr nur ein persönlicher Kompass im Kopf, sondern werden als sichtbare Markenzeichen am eigenen Körper getragen. Auf der rechten Seite des Spektrums greift man dabei traditionell zu ganz bestimmten Marken und Symbolen. Ob Thor Steinar, Consdaple, Ansgar Aryan und Yakuza oder Marken wie Lonsdale und Fred Perry, die von der Szene immer wieder für eigene Codes vereinnahmt wurden. Die Kleidung dient hier oft als klar abgegrenzter Uniformersatz, der Zugehörigkeit und Haltung unmissverständlich nach außen signalisiert. Auf der linken Seite zeigt sich das Statement meist eher im gesamten Stil und Habitus. Der Lagenlook aus Second-Hand-Klamotten, Oversized-Pullovern oder Kapuzenpullis wird kombiniert mit Palästinensertuch, Cargo-Hosen und der typischen Canvas-Tasche mit treffendem Aufdruck. Das übrige Outfit komplettiert diesen Look: Unkonventionelle Frisuren – vom Vokuhila über bunten Mullet und Dreads bis hin zum Undercut oder raspelkurzen Pixie – gehören ebenso dazu wie sichtbare Piercings oder auffällige Tattoos. Auf den ersten Blick mag diese modische Kategorisierung vielleicht zum Schmunzeln verleiten. Doch sie offenbart einen tieferen, durchaus bedenklichen Trend: Meinungen und politische Sympathien definieren immer stärkere Teile des Charakters und das Erscheinungsbild eines Menschen. Die eigene Haltung wird zur Identität veredelt und wie eine Rüstung zur Schau gestellt, als Schutz nach innen und als kompromisslose Abwehr gegen jede andere Meinung nach außen. Genau das macht den gesellschaftlichen Austausch heute so extrem kompliziert. Eine konstruktive Diskussion kann überhaupt nur dann funktionieren, wenn alle Beteiligten im Grundsatz bereit sind, ihre eigene Position zu hinterfragen und im Zweifel neu zu überdenken. Wenn man die eigene politische Haltung jedoch so unumstößlich und absolut sieht,dass man sogar den gesamten persönlichen Kleidungsstil danach ausrichtet, zementiert man sie regelrecht. Wer seine Meinung wie eine sichtbare Identität vor sich herträgt, macht ein Abrücken von Standpunkten fast unmöglich. Denn jede Relativierung fühlte sich dann wie ein Selbstverlust an. Das macht eine echte, ergebnisoffene Debatte von vornherein extrem schwer. Und dann gibt es noch Menschen wie Frau Dr. Alice Weidel. Quasi ein wandelnder Widerspruch in sich selbst, bei dem das äußere Auftreten, die gewählte Lebensform und die vertretenen politischen Inhalte schlicht nicht zusammenpassen wollen. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Beitrag. Kommentieren und diskutieren: ➔ ⁠BehindBlueEye.de⁠ ➔ ⁠Bluesky⁠ ➔ ⁠Threads ➔ ⁠X

    Identitäts-Outfit und die Rüstung im Kopf
  3. 6d ago

    Deutschland und seine Namen

    Warum nutzt fast jedes unserer Nachbarländer ein völlig anderes Wort für Deutschland? Während Bezeichnungen für Länder wie Frankreich mit France oder Francia fast überall ähnlich klingen, heißt unser Land mal Germany, mal Allemagne, mal Niemcy oder Saksa. Dieses Phänomen nennt sich in der Sprachwissenschaft Heteronymie. Der Grund für diesen einzigartigen sprachlichen Flickenteppich liegt in unserer Geschichte und zentralen Lage im Herzen Europas, wo es über Jahrhunderte keinen zentralen Einheitsstaat, sondern viele verschiedene germanische Stämme gab. Um das Rätsel hinter diesen Namen zu lösen, lohnt sich zuerst der Blick auf unsere eigene Sprachgeschichte, bevor wir eine gedankliche Reise entlang unserer Grenzen unternehmen. Unsere eigene Landesbezeichnung geht auf das althochdeutsche Wort diutisc zurück, das sich von thiuda ableitet, was schlicht „Volk“ bedeutet. Im Frühmittelalter war Latein die vorherrschende Sprache der Kirche, Wissenschaft und Verwaltung. Wer kein Latein sprach, bediente sich der Sprache des einfachen Volkes. Diutisc bedeutete also ursprünglich „zum Volk gehörig“ oder „die Volkssprache sprechend“. Über die Jahrhunderte entwickelte sich daraus das Wort deutsch, und das Land der Deutschen wurde schließlich zu Deutschland – dem Land, in dem die Sprache des Volkes gesprochen wird. Unsere niederländischen Nachbarn im Nordwesten mit Duitsland und die Dänen im Norden mit Tyskland teilen übrigens genau diesen wortgeschichtlichen Ursprung. Kommentieren und diskutieren: ➔ ⁠BehindBlueEye.de⁠ ➔ ⁠Bluesky⁠ ➔ ⁠Threads ➔ ⁠X

    Deutschland und seine Namen
  4. Oct 23

    Barcelona und die Wärme des katalanischen Herbsts

    Ich habe in dieser Woche den warmen Sonnenschein in vollen Zügen genossen. Während ich diese Zeilen nun im trüben Dresden bei gerade einmal 10 Grad schreibe, vermisse ich Barcelona bereits schmerzlich. Die spanische Metropole hat mich in vielerlei Hinsicht überrascht – allen voran durch ihr unerwartet sattes Grün. Blickt man vom berühmten Park Güell aus über das schier endlose Häusermeer, wirkt die Stadt auf den ersten Blick fast ein wenig trostlos und dicht verbaut. Doch sobald man in das Gewirr der Straßen eintaucht, zeigt sich ein völlig anderes Bild: Selbst in den kleinsten und engsten Gassen sind unzählige Bäume gepflanzt, die dem urbanen Raum eine angenehme Frische verleihen. Auch die Architektur hebt sich spürbar von dem ab, was man aus deutschen Städten gewohnt ist. Mein persönlicher Eindruck war, dass die Häuserblöcke insgesamt viel breiter geschnitten sind. Wenn man gemütlich durch die Straßen bummelt, entdeckt man an jeder Ecke kleine Geschäfte. Zumindest wirken sie von außen so. Tritt man jedoch ein, stellt man schnell fest: Die Läden sind zwar schmal an der Front, ziehen sich aber unheimlich tief in das Gebäude hinein. Diese besondere Raumnutzung geht sogar so weit, dass man mitten in der Innenstadt ganze Autowerkstätten im Erdgeschoss von normalen Wohnhäusern findet. Genau hier fügt sich plötzlich ein kleines Puzzleteil zusammen, das in Dresden bei Diskussionen über die Verbesserung des Fahrradverkehrs oft als Argument vorgeschoben wird. In Barcelona lässt sich eine Parkspur viel leichter streichen und in einen Radweg umwandeln, weil unzählige Wohnhäuser ihre eigenen Tiefgaragen oder Stellplätze direkt im Erdgeschoss integriert haben. Das schafft im öffentlichen Raum völlig andere Möglichkeiten und Freiheiten für die Verkehrsplanung. Wo wir gerade gedanklich kurz in Dresden sind: Als Dresdner bin ich vom hiesigen Nahverkehrsangebot ja wirklich verwöhnt. Aber was in Barcelona auf die Beine gestellt wird, hat mich schlichtweg beeindruckt. Das Netz umfasst 12 U-Bahn-Linien, 6 Straßenbahnlinien, 108 Stadtbuslinien und 18 S-Bahn-Verbindungen. Das absolute Highlight ist jedoch der Preis: Das Monatsticket „T-usual“ schlägt mit gerade einmal 22,80 Euro zu Buche. Da muss sich das Deutschlandticket noch eine Scheibe von abschneiden. Auch beim Benzinpreis scheint die spanische Zentralregierung einiges besser zu machen als das, was unter unserer sogenannten Wirtschaftsministerin möglich ist – aber die trägt den Spitznamen „Miss Altöl“ wahrscheinlich auch nicht völlig ohne Grund. Der Preis für einen Liter Benzin lag in Barcelona jedenfalls bei absolut fairen ca. 1,74 Euro. Im Alltag sind mir natürlich auch ein paar menschliche Eigenheiten aufgefallen. Gefühlt rauchen die Frauen in Barcelona deutlich mehr als bei uns. Davon abgesehen wirken die Menschen insgesamt aber wesentlich entspannter und gelassener.Sieht man einmal vom hektischen Straßenverkehr ab, der verlässlich von einem Dauerkonzert aus Hupen begleitet wird,läuft das Leben spürbar entschleunigter ab. Das zeigt sich nicht zuletzt am Tagesrhythmus, der um einige Stunden nach hinten verschoben ist. Wenn wir um 18:30 Uhr zum Abendessen gingen, waren wir fast immer die allerersten Gäste im Restaurant. Erst als wir satt und zufrieden wieder aufbrachen, trudelten langsam die ersten Einheimischen ein, um ihren Abend überhaupt erst zu beginnen. Kommentieren und diskutieren: ➔ ⁠BehindBlueEye.de⁠ ➔ ⁠Bluesky⁠ ➔ ⁠Threads ➔ ⁠X

    Barcelona und die Wärme des katalanischen Herbsts
  5. Oct 15

    Netflix und die Entstehung von Narnia

    Netflix wagt sich an eine der beliebtesten Fantasy-Welten der Literaturgeschichte und verpasst den Chroniken von Narniaein umfassendes Reboot. Unter der Regie von Greta Gerwig steht uns eine spektakuläre Rückkehr bevor – doch diesmal weicht der Streaming-Riese von seinen gewohnten Pfaden ab. Statt direkt in den verschneiten Wald hinter dem Kleiderschrank zu springen, geht das Projekt dorthin zurück, wo alles begann, und feiert gleichzeitig eine echte Kinopremiere. Wer an Narnia denkt, hat meist sofort die Geschwister Pevensie, die weiße Hexe und den mächtigen Löwen Aslan vor Augen. Doch Greta Gerwig setzt für den Auftakt auf das Buch Der Neffe des Magiers, das chronologisch zwar die Vorgeschichte erzählt, bei bisherigen Verfilmungen aber stets übergangen wurde. Damit betritt das Projekt echtes Neuland auf der Leinwand. Die Geschichte führt uns direkt zur Entstehung Narnias: Wir erleben, wie der magische Gesang Aslans eine völlig neue Welt erschafft, wie die böse Hexe Jadis ihren Weg dorthin findet und welches Geheimnis sich hinter den magischen Ringen und dem Ur-Kleiderschrank verbirgt. Es ist eine faszinierende Ursprungsgeschichte voller Magie, Entdeckungsdrang und düsterer Geheimnisse, die das Narnia-Universum aus einem völlig neuen Blickwinkel beleuchtet. Für Netflix bedeutet dieses Projekt aber auch in geschäftlicher und strategischer Hinsicht eine kleine Revolution. Lange Zeit galt beim Streaming-Dienst die eiserne Regel, dass eigene Produktionen exklusiv oder nur mit sehr kurzen Zeitfenstern im Kino gezeigt werden. Bei Narnia bricht Netflix nun bewusst mit Traditionen: Der Fantasy-Epos erhält ein echtes, weltweites Kinofenster inklusive IMAX-Start. Fans können das spektakuläre Weltenbauen also zuerst dort erleben, wo gigantische Bilder und imposanter Sound am besten wirken – auf der großen Leinwand. Erst im Anschluss wandert der Film in das Streaming-Angebot. Doch Der Neffe des Magiers ist erst der Anfang. Netflix hat sich bereits die umfassenden Rechte an allen sieben Büchern von C.S. Lewis gesichert. Der Deal mit Regisseurin Greta Gerwig umfasst aktuell mindestens zwei Filme, wobei hinter den Kulissen längst an einer noch größeren Vision gearbeitet wird: Langfristig fasst Netflix ein ganzes Multiversum ins Auge, das neben mehreren Spielfilmen auch Serien-Spin-offs umfassen könnte. Nach der Ursprungsgeschichte soll der Weg wie gewohnt zu den bekannten Klassikern wie Der König von Narnia führen, um die Welt Stück für Stück auszubauen und erstmals die gesamte Buchreihe chronologisch zu verfilmen. Inzwischen ist auch der erste offizielle Trailer erschienen – und wie so oft bei großen Neuinterpretationen gehen die Meinungen im Netz bereits weit auseinander. Während die einen die optische Umsetzung und Gerwigs Stil feiern, zeigen sich andere skeptisch gegenüber den ersten Eindrücken. Ehrlich gesagt weiß ich selbst nach den ersten bewegten Bildern noch nicht hundertprozentig, was ich davon halten soll. Aber bevor man das Projekt wegen einzelner Szenen voreilig abschreibt, sollte man der Vision eine faire Chance geben. Am Ende entfaltet sich die wahre Magie einer solchen Welt auf der großen Leinwand – und genau dort sollte man sich erst ein eigenes Urteil bilden. Kommentieren und diskutieren: ➔ ⁠BehindBlueEye.de⁠ ➔ ⁠Bluesky⁠ ➔ ⁠Threads ➔ ⁠X

    Netflix und die Entstehung von Narnia
  6. Oct 12

    Der Rücktritt von Bärbel Bas und die fehlende Menschlichkeit im Räderwerk der Politik

    Manchmal fallen persönliche Empfindungen und die harte politische Realität auf eine Art zusammen, die nachdenklich stimmt. Der Rücktritt von Bärbel Bas von ihren Ämtern als Arbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende ist so ein Moment. Ich gebe es ehrlich zu: Als Bundestagspräsidentin fand ich Bärbel Bas richtig gut. Sie hat das zweithöchste Amt im Staat mit Würde, Klarheit, Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern und der nötigen Unabhängigkeit ausgeübt. Als sie dann das Arbeitsressort übernahm, war meine Erwartungshaltung entsprechend hoch. Doch in der Rolle der Ministerin blieb sie für mich irgendwie merkwürdig blass. Es wirkte oft so, als hätte sie ihren Platz im Kabinett nie ganz gefunden. Zwischen den Zwängen der Koalitionsdisziplin und der harten politischen Debatte fehlte mir die gewohnte Präsenz, die sie im Parlament so ausgezeichnet hatte. Die Beweggründe, die sie nun zu ihrem Rücktritt veranlasst haben, sind zutiefst traurig. Nach dem Tod ihrer Stieftochter braucht sie Zeit zur Trauer und Aufarbeitung. Dass sie in einer so belastenden Phase zusätzlich noch öffentlichen Angriffen und politischem Druck ausgesetzt war, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. In solchen Momenten zeigt die Politik oft ihre unbarmherzigste Seite. Was mich bei all dem jedoch maßgeblich stört, ist die Mechanik der Verkündung: Kaum war der Rücktritt öffentlich, stand mit Alexander Schweitzer bereits der Nachfolger fest. Natürlich ist mir völlig klar, wie Politik und Parteien funktionieren. Solche Entscheidungen werden intern nicht erst am Morgen der Bekanntgabe getroffen, und eine handlungsfähige Regierung braucht schnelle Klarheit. Doch muss man das der Öffentlichkeit punktgenau so servieren? Hätte man sich mit der Verkündung der Nachfolge nicht vielleicht zwei oder drei Tage Zeit nehmen können? Einfach, um innezuhalten. Um Respekt vor der persönlichen Situation einer Kollegin zu zeigen und ein Signal zu senden: Hier arbeiten immer noch Menschen. Durch diese unmittelbare Stafettenübergabe wird einmal mehr das typische Credo der modernen Arbeits- und Wirtschaftswelt befeuert: Jeder ist sofort ersetzbar. Die Rädchen greifen nahtlos ineinander, der Betrieb läuft ohne eine Sekunde Verzögerung weiter. Einem politischen Berlin, das ohnehin oft mit dem Vorwurf der Entfremdung und Gefühlskälte zu kämpfen hat, hätte ein kurzes Moment des Durchatmens guttun können. Bärbel Bas verdient Respekt für ihren Schritt, Konsequenzen aus einer extrem schweren Lebensphase zu ziehen. Dem Politikbetrieb hätte etwas mehr Anstand gut zu Gesicht gestanden. Kommentieren und diskutieren: ➔ ⁠BehindBlueEye.de⁠ ➔ ⁠Bluesky⁠ ➔ ⁠Threads ➔ ⁠X

    Der Rücktritt von Bärbel Bas und die fehlende Menschlichkeit im Räderwerk der Politik

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