Stufen.aufs.Ohr

Stufen des Lebens

Stufen.aufs.Ohr – Stufen zum Lauschen - für Zwischendurch jede Woche 3 gute Minuten mit verschiedenen Impulsgebenden

  1. 4d ago

    Was hinkt ihr?

    In der Bibel in 1. Könige ab Kapitel 16 können wir über König Ahab und den Propheten Elia lesen. Über Ahab steht dort, dass er tat, was dem Herrn missfiel, mehr als alle, die vor ihm gewesen waren. Er hatte eine ausländische Frau geheiratet und deren Götterkult von Baal und Aschera übernommen und diese Götter durch den Bau von Anbetungsstätten und staatlich finanzierter Priester so etabliert, dass auch das Volk diesem Kult folgte. Elia will die Zustände wieder geraderücken und nach einer schweren Dürrekatastrophe fordert er eine Volksversammlung einschließlich aller fremden Priester auf dem Berg Carmel. Über ein Wunder sollte sich der wahre Gott herausstellen. Doch zuerst wandte Elia sich an das Volk. In 1. Könige 18, Vers 21 steht: 21 Da trat Elia zu allem Volk und sprach: Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Ist der HERR Gott, so wandelt ihm nach, ist’s aber Baal, so wandelt ihm nach. Und das Volk antwortete ihm nichts.  Wie lange hinkt ihr auf beide Seiten? Oder nach anderen Übersetzungen: Wie lange schwankt ihr noch hin und her? Wie lange noch wollte ihr auf zwei Hochzeiten tanzen? Wie lange braucht ihr noch, um Euch zu entscheiden? Und das Volk antwortete nichts. Ich kann das Volk gut verstehen. Warum sollte man alles nur auf ein Pferd setzen? Lieber sichere ich mich ab, und halte mir mehrere Optionen offen. Und sich klar gegen die Überzeugung der Machtinhaber, derjenigen, die gerade das Sagen haben, deren Urteil wir fürchten, zu positionieren kann gefährlich sein. Baal und Aschera sind Fruchtbarkeitsgötter oder auch Wettergötter, die eine gute Ernte sicherstellen. In der Verehrung hoffte man auf Erfolg, auf materielle Sicherheit, auf ein gutes Leben. Mein Eindruck ist, dass wir in einer Zeit leben, in der verschiedene religiöse Einflüsse sich mischen. Ich sehe eine wachsende Anzahl von buddhistischen Dekoelementen, verschiedene Ansätze von Wiedergeburtsglauben werden immer verbreiteter, Schmuckstücke als Glücksbringer oder im Urlaub in fremden Tempeln kleine Rituale auszuführen sind völlig normal. Und wenn es um innere Einstellungen geht, ist die Frage, welche Opfer ich dem Erfolg bringe, mit welcher Intensität ich mich für mein Glück nach allen Richtungen absichere. Gott macht immer wieder deutlich, dass er ein eifersüchtiger Gott ist und möchte, dass wir ausschließlich auf ihn vertrauen. Das fällt schwer, weil es unmodern ist, auf Unverständnis stößt und weil es bedeutet, dass ich auf manche Absicherungsmechanismen verzichten muss. Ich wünsche uns allen den Mut, uns eindeutig für Gott zu entscheiden. Eure Christine Sommer

  2. Aug 3

    Ich will überrascht werden!

    Die Ferien haben begonnen. Wie haben wir als Kinder darauf hin gefiebert! Eine große Sehnsucht ist mit Ferien und Urlaub verbunden. Eine Unterbrechung des Alltags – und auch eine große Sehnsucht nach einer überraschenden Berührung der Seele. In Lukas 18, Vers 35 bis 43 wird die Geschichte vom blinden Bartimäus erzählt. Sein Alltag ist das Betteln und Abhängig-Sein. Er hört, dass Jesus in der Stadt ist und Bartimäus weiß, dem muss ich, dem will begegnen. Er schreit einen Notschrei. Jesus fragt ihn: Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er antwortet : ICH WIILL UNBEDINGT SEHEN. Was wir uns ersehnen von den freien Tagen?– ein tiefes Erfrischt-Werden aus der Quelle und die überraschenden Wunder, die direkt vom Himmel her in unser Leben fallen…. Das wollen wir sehen und erleben. Wir waren in unseren Urlaub unterwegs auf den Spuren Luthers. Wir haben erlebt, wie wir tief erfrischt wurden. Zum Beispiel an einem extrem heißen Tag konnten wir uns um die Mittagszeit nur noch in die kühle Kirche in Weimar flüchten. Drinnen eine völlig andere Atmosphäre mit Gänsehautfeeling. Wir wurden begrüßt von einem Chor, der für das bevorstehende Konzert am Abend probte: „Denn er regiert auf immer und ewig“….Händels Halleluja erfüllte die ganze kühle Herderkirche. Unvergesslich dieser Gruß vom Himmel her. Ein anderes Mal waren wir in der Predigerkirche in Erfurt. Auf der Suche nach Luther stießen wir auf Meister Eckhard, der Jahrhunderte vor Luther in dieser Kirche gewirkt hat. Er überraschte mich mit seiner Aktualität. Zum Beispiel sagte er: “Du brauchst Gott weder hier noch da zu suchen. Er ist nicht weiter als vor der Tür deines Herzens und dort steht er und harrt und wartet.“ Schließen möchte ich mit einem Gebet von Martin Luther, das in der Marktkirche in Wittenberg ausliegt: Siehe Herr, ich bin ein leeres Gefäß, fülle es! Ich bin schwach im Glauben, stärke mich! Ich bin kalt in der Liebe, lass mein Herz brennen! Lass meine Liebe herausströmen auf meinen Nächsten. Ich habe keinen starken, festen Glauben, ich zweifle zuweilen und kann dir nicht völlig vertrauen. Ach Herr, hilf mir. Mehre meinen Glauben, lass mich dir vertrauen. Ich bleibe bei dir; Denn von dir darf ich nehmen und muss nicht geben. Amen Eine gesegnete Sommerzeit wünscht Traudel Krause

  3. Jul 20

    Christen und Heiden

    Eine Ausstellung zum Leben und Wirken von Dietrich Bonhoeffer mit 13 großen Tafeln ist für ein halbes Jahr in unserem Gemeindehaus zu sehen und zu studieren. Die Tafeln wollen uns den Pfarrer, Lehrer der Bibel und Liebhaber der Bergpredigt, den Christenmenschen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer nahe bringen. In einem Lektürekreis haben wir sein Buch „Nachfolge“ gelesen und diskutiert. Nächstes Wochenende laden wir zu einem Bonhoefferwochenende ein, mit einem Filmabend zu dem berührenden Film „Die letzte Stufe“ mit Ulrich Tukur. Für Samstagabend konnten wir Professor Peter Zimmerling gewinnen mit einem Vortrag und Gespräch zu „Glaube mit Verantwortung“. Die Beschäftigung mit Bonhoeffer und das Gespräch miteinander haben mich angestoßen, die Bergpredigt für unsere Nachfolge bewusster zu entdecken und mit ihr zu leben. Dann habe ich das Gedicht von Bonhoeffer aus dem Gefängnis wieder gelesen und auswendig gelernt: Christen und Heiden Menschen gehen zu Gott in ihrer Not, flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot, um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod. So tun sie alle, alle, Christen und Heiden. Also Christen und Heiden, die Jesus Christus nicht kennen, sind solidarisch in ihren Grundbedürfnissen als Menschen. Wir alle brauchen Hilfe, Brot, Glück, Gesundheit und wollen angenommen werden, gerade wenn wir versagt haben. Da erflehen wir Beistand von Gott. Die zweite Strophe macht den Unterschied. Sie ändert die Blickrichtung. Christen sind nicht mehr nur mit sich selbst beschäftigt. Die zweite Strophe weitet den Horizont. Wir sehen das Elend in unserer Welt. Und mitten darin Gott, solidarisch mit den Leidenden. Verletzt von unseren Sünden, selbst schwach am Kreuz und ohnmächtig. Menschen gehen zu Gott in Seiner Not, finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot, sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod. Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden. Bonhoeffer nimmt Jesu Gleichnis vom Weltgericht im Matthäusevangelium Kapitel 26 auf. Selig nennt Jesus dann die, die sich um Hungernde gekümmert und Fremde aufgenommen haben, Nackte gekleidet und Kranke und Gefangene besucht. Und Jesus fährt fort: „Was ihr getan habt einem von diesem meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Bonhoeffer hat daraus gefolgert: „Christen stehen bei Gott in seinen Leiden“. Eine nochmals ganz andere Wendung nimmt sein Gedicht in der dritten Strophe Der von uns verletzte Gott versöhnt grenzenlos. Unbegreiflich: Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not, sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot, stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod und vergibt ihnen beiden. Mit herzlichen Grüßen vom Übungsweg der Nachfolge Jesu, Hans-Martin Steffe, Linkenheim

  4. Jul 13

    Das ist ja wie in Las Vegas!

    Es war heiß und es herrschte reges Treiben in der Fußgängerzone in Heidelberg. Der Passantenstrom wurde jäh unterbrochen durch den Blick auf die Providenzkirche. Farbenfrohe Plakate, Fahnen und Schleifen, einladend offene Türen ließen die Passanten innehalten, zu fragen was denn hier los sei. „Einfach heiraten“ hieß die deutschlandweite Aktion, sich trauen zu lassen. Schnell waren wir schon vor der Tür in persönlichen Gesprächen. Als dann auch noch die Möglichkeit eröffnet wurde, eine Beziehung von zwei Menschen einfach mal segnen zu lassen ob nach langen Jahren oder zum ersten Mal oder sich als einzelner Mensch jetzt und mitten im Leben segnen zu lassen, wurde sichtbar Sehnsucht geweckt. Oft ganz entschlossen betraten dann die Menschen den Innenraum der Providenzkirche. Kleine Sträußchen an den Bankreihen, liebevolle kleine runde Tische für Gespräche. Luftballons und Sonnenblumen strahlten vom Altar. Im Poividenzgarten stand ein weiterer Altar, einladend geschmückt, im Gemeindehaus luden Getränke und Köstlichkeiten zum Verweilen und Feiern ein. Auch in den Gesichtern der Pfarrpersonen und Mitarbeitenden spiegelte sich die freudige und erwartungsfrohe Haltung wider. Es war ein festlicher Raum. Ich hatte den Eindruck, die Liebe, Schönheit, die Weite Gottes war hörbar und spürbar. Der Glanz der Liebe war sichtbar in den Gesichtern. Fröhliches Gelächter wechselte mit einer ganz ehrlichen Tiefe, Freud und Leid von Lebenswegen gleichermaßen widerspiegelnd. Stille, Betriebsamkeit und musikalische Klänge wechselten sich ab. Der Geist Gottes weht, wann er will, wie er will und wo er will. Es ist ein Geschenk, diesem beim Wirken zuschauenzu dürfen. Nicht zu verschweigen ist der vorherige Aufwand. Aber mit Segen ist oft auch viel Schweiß verbunden. Mich berührt: Mitten im Unterwegssein, mitten im Leben voller Hochs und Tiefs können Räume entstehen, einladend und schön, fantasievoll und festlich gestaltet. Wundervoll, wenn die Sehnsucht Gottes mit der Sehnsucht des Menschen in Berührung kommt. Wenn in einer solchen Umgebung auch das Leid in den Leben der Menschen zur Sprache kommen darf, die Auferstehungskraft, der Heilige Geist, Heilendes, Versöhnendes, wie neues Leben schafft. Ob das für uns alle eine Ermutigung sein kann, viel mehr mit Räumen und Möglichkeiten des Heiligen zu rechnen, sie zu entdecken im Großen und im Kleinen? Diese Sehnsucht wünsche ich uns allen, Isabel Prinzessin zu Löwenstein, Heidelberg

  5. Jul 6

    Seid barmherzig

    Auch noch 1 Woche danach geht mir der Predigttext vom letzten Sonntag nach. Warum? Weil er so aktuell und wichtig ist. Weil ich in meinem Alltag ganz konkret immer wieder damit konfrontiert werde: in den Begegnungen mit einzelnen Menschen, in der Dynamik von Gruppen und auch beim Wahrnehmen der Menschen um mich herum. Vielleicht seid ihr schon neugierig, um welchen Text es geht… - Ein Abschnitt aus der Feldrede des Lukas-Evangeliums: Verurteilt nicht andere - Lukas 6,36-42. Bei Stufen bewegen wir eigentlich immer Erzählungen aus der Bibel, in denen Menschen Begegnungen mit Gott-Vater, Jesus oder dem Heiligen Geist haben. Auch wenn wir in manchen Kursen mit Gleichnissen unterwegs sind, gehört die Begegnung mit dem, der sie erzählt - Jesus - ganz ausschlaggebend mit dazu. So ist es auch bei der Feldrede. Nicht irgendein Mensch in der Bibel hält diese Rede, sondern Jesus selbst. Damit bekommt sie eine Kraft und Autorität, der ich mich nicht entziehen kann. Jesus spricht hier zu einer großen Schar seiner Jünger und richtet klare, konkrete Worte an sie - und so auch an uns. Wenn ich diese Rede lese, begegne ich Jesus, Gott selbst, und Seinem Herzensanliegen, wie wir auf Erden leben sollen - auch miteinander - und zwar nicht nur unter den „Gleichgesinnt-Gläubigen“, sondern untereinander - auch mit unseren „Feinden“. Sie wird mir zum Spiegel, in dem ich mich erkenne: mit meiner Sehnsucht nach einer Welt, in der die Liebe füreinander und für Gott größer ist als alles andere und mit meinen Grenzen der Liebe und meiner Bedürftigkeit nach Gottes Wirken IN mir. Ein Satz daraus prägt mich: Seid barmherzig, so wie euer Vater barmherzig ist. LK6,36 Wir haben einen unglaublich barmherzigen Vater. Einen, der immer wieder kommt und uns sucht, uns ruft, in den Arm nimmt, bevor wir etwas „checken“, bevor wir die „sauberen Kleider“ anhaben und uns rausgeputzt haben, richtig verhalten und was auch immer man noch an Maßstäben anlegen kann, damit man meint: Gott kommt nun. NEIN - ER ist es, der den Tod, das Dunkle überwunden hat, der in unsere zerbrochene Welt gekommen ist, damit er mit uns sein kann - bevor wir irgendwas getan haben. Das gilt es immer wieder zu „begreifen“, zu bewegen, zu meditieren - mir auch einzugestehen: NICHT ICH, SONDERN ER hat getan, überwunden, mich gefunden, mich zuerst geliebt - deshalb kann ich gar nicht anders und will ich lieben, barmherzig sein und Menschen nicht ver- oder beurteilen. Deshalb ist es nicht an mir zu richten - sondern ER allein ist der Richter auf dem Thron. Dass wir diese Woche entdecken, wie barmherzig UNSER VATER ist - das wünsche ich uns von Herzen. Seid gesegnet, Eure Damaris Friedrich

  6. Jun 29

    Treu sein

    Kürzlich haben wir unseren 39. Hochzeitstag gefeiert! Ich finde, das ist eine ganz schön lange Zeit, in der wir nun schon gemeinsam durch’s Leben gehen – starker Grund zur Dankbarkeit! Wir haben viel miteinander erlebt, freuen uns an unserem Miteinander und reiben uns natürlich auch immer wieder an unserer Unterschiedlichkeit - bis wir wieder feststellen, dass wir uns letztendlich darin auch gut ergänzen können. 39 Jahre verheiratet sein… ein Weg mit Höhen und Tiefen. Es gibt eben nicht nur die „Hoch-Zeiten“ – da gibt es auch den Alltag mit seinen Stimmungsschwankungen, der Meinungsverschiedenheiten, dem „Nicht-verstehen“… Und dann gilt es wieder, den anderen neu anzunehmen, Kompromisse zu schließen und manchmal auch um Verzeihung zu bitten und Vergebung in Anspruch zu nehmen. Wie gut, dass wir vor 39 Jahren eine klare Entscheidung füreinander getroffen haben: „JA, ich will dir treu sein – mit Gottes Hilfe!“ Es ist so wertvoll, dass Gott der verbindende in unserer Mitte ist! Der Andere kann nicht immer meinen Wunschvorstellungen entsprechen! So erlebe ich das auch in meiner Gottesbeziehung - Gott reagiert nicht immer so, wie ich mir das vorstelle! Fragen und Gebete bleiben manchmal unbeantwortet – oder es geschieht anders, als ich mir das gewünscht hätte. Da ist dann mein „Dranbleiben“, meine Treue gefordert! Ich kann jeden Tag neu den Entschluss fassen: „JA HERR, ich will dir treu sein, mein Leben mit dir zusammen gestalten und auf deine Stimme hören, dir vertrauen – dich HERR sein lassen!“ Und wie sieht unsere Gottesbeziehung anders herum aus? Wie oft entsprechen wir wohl nicht Gottes Vorstellungen??! Wie oft lassen wir IHM wenig Raum, dass ER hineinsprechen kann in unsere Gedanken und Pläne – oder können IHM nicht vertrauen?! Und trotzdem hält ER zu uns - bleibt uns immer treu! Sein großes Ja, das ER uns von Anfang an gegeben hat, gilt für alle Zeiten! Wir dürfen uns auf IHN und Sein Wort verlassen, in dem ER uns zusagt: „Ich bin der HERR, der barmherzige und gnädige Gott. Meine Geduld ist groß, meine Liebe und Treue kennen kein Ende!“  2.Mose 34,6 HfA Mit diesem treuen Gott können wir gut leben!!! Herzliche Segensgrüße von Ute Wolf

  7. Jun 22

    Ressourcen einsetzen

    Wir alle haben Ressourcen, die wir einsetzen können und sollen. Sie sind sehr vielseitig und reichen von Begabungen, über Wissen, materielle Mittel, Beziehungen bis hin zu Zeit. Im Laufe unseres Lebens kann es auch Veränderungen geben. Entweder weil ich neue Begabungen entdecke oder mein Wissen erweitere, aber auch, weil vielleicht meine körperliche Leistungsfähigkeit sinkt, ich aber dafür mehr Einfühlungsvermögen und Zeit für Gebet für andere aufbringe. Alle Ressourcen haben gemeinsam, dass sie einen begrenzten Umfang haben. Gerade bei Zeit und Geld stoßen wir immer wieder an diese Begrenzung. Und damit müssen wir entscheiden, wo und wie wir sie verwenden. Jesus erzählt in Matt. 25 ein Gleichnis von einem Mann, der ins Ausland reist und seinen Dienern sein Vermögen anvertraut. Zwei der Diener handeln mit dem Anvertrauten, können dieses verdoppeln und der Herr lobt sie dafür. Der dritte Diener vergräbt das Geld und kann deshalb keinen Zuwachs vorweisen. Dies kritisiert der Herr nach seiner Rückkehr sehr stark. Was schließe ich aus diesem Gleichnis? Grundsätzlich sollte ich mir bewusst sein, dass mir meine Ressourcen nur anvertraut sind. Sie sind nicht meins. Für andere mag dieser Unterschied nicht zu erkennen sein, aber es geht – wie so oft in unserer Beziehung zu Gott – um die Haltung und um die Ehrlichkeit mir selbst und Gott gegenüber. Fühlt es sich für mich an, als müsste ich etwas von mir hergeben oder setze ich das Anvertraute ein? Ist das oberste Ziel die Vermehrung des Reichtums meines Herrn oder möchte ich eher etwas für mich, mein Ego erreichen? Will ich möglichst genau bestimmen, wie mein Geld oder meine Gaben eingesetzt werden oder bin ich bereit loszulassen. Ich würde mir wünschen, dass Gott mir konkreter zeigt, was gerade am wichtigsten ist. Aber oft ist es eher wie im Gleichnis: Der Mann, der ins Ausland verreist ist, ist nicht erreichbar für Rückfragen und es liegt in meiner Verantwortung, mit dem Anvertrauten in seinem Sinn umzugehen. Wir erfahren im Gleichnis nicht, wie die erfolgreichen Diener die Vermehrung schaffen. Das Geheimnis hinter Wachstum und Vervielfältigung bleibt verborgen. Das Wesentliche scheint zu sein, das Anvertraute einzusetzen. Die große Kritik bezieht sich darauf, Gaben zu vergraben. Ich soll meinen Verstand und mein Herz nutzen, um zu entscheiden, was und wofür ich mich gerade einsetze. Ich darf darauf vertrauen, dass Leiter und Leiterinnen die Weisheit haben, Mittel richtig zu priorisieren. Und ich glaube daran, dass Gott alle Möglichkeiten hat mich und andere in die richtige Richtung zu leiten, wenn ich meine Schwerpunkte falsch legen würde. Ich wünsche uns allen, dass es uns gelingt mit unseren Talenten zu wuchern. Eure Christine Sommer

  8. Jun 15

    Zwischen Stern und Kreuz

    Vor zwei Wochen habe ich das minimalistischste Bodenbild von Stufen des Lebens gesehen. Auf einer blauen Baumatte lag ein Holzstöckchen und sonst nichts. Also superminimalistisch. Damit stiegen wir in den Männerkurs ein mit dem Thema: „Ist das Leben eine Baustelle?“ Entwickelt von einem Mann, unterstützt von einigen anderen. Premiere mit 16 Männern. Die Bodenbildbeschreibung fiel kurz aus. Das Nachsinnen umso länger. Christoph Wiemann, der Entwickler dieses Kurses zum Nehemiabuch, fügte nach einiger Zeit des Rätselns links des Stöckchens eine Jahreszahl, 1964, hinzu und rechts vom Stöckchen die ersten beiden Ziffern einer zweiten Jahreszahl 2 und 0. Da fiel bei allen der Groschen. Das Holzstöckchen steht für den Bindestrich zwischen dem Geburtsjahr und dem noch offenen Todesjahr. Bei Stufen des Lebens geht es immer um uns selbst. Was macht das mit mir, wenn ich mich meinem Bindestrich zuwende. Also meinem bisher schon gelebten Leben und dem, was noch vor mir liegt. Von dem ich nicht weiß, wie lange es noch währen wird. Wir fragen nach uns selbst. Nach dem, was wir bereits gelebt haben, das Schöne und das Schwere. Wir fragen, wozu wir da sind. Haben wir eine Bestimmung? Was würde fehlen, wenn unsere Stimme fehlen würde? Zwei Jahreszahlen mit einem Bindestrich dazwischen. So knapp kann ein Leben umschrieben werden. So steht es auf Grabkreuzen und Grabsteinen. Zum Bindestrich des gelebten Lebens steht nichts auf dem Grab. Als Pfarrer habe ich viele Menschen bestattet. Immer versuche ich dann den Bindestrich des Lebens in der Horizontale mit einem Bindestrich senkrecht dazu zu ergänzen. Das ergibt ein Kreuz. So wird ja das Todesjahr auf den Grabsteinen angezeigt. Mich bewegt, was das Kreuz von Jesus mit dem Verstorbenen zu tun hatte. Ich will unsere begrenzte Zeit mit der Ewigkeit Gottes in einen Dialog bringen. Das Kreuz steht beim Todestag. Beim Tag der Geburt dagegen steht ein Stern. Das erinnert mich. Bei einem Neugeborenen sagt man: sie oder er hat das Licht der Welt erblickt. Könnte der Stern beim Geburtstag nicht auch sagen: Mit deiner Geburt ist ein Stern aufgegangen. Du hast ein Licht in die Welt gebracht. So möchte ich mein Leben und das der anderen anschauen. Welcher Stern ist mit dir und mit mir in die Welt gekommen? Über deinem und meinem Stern sehe ich den Stern von Bethlehem. Der ist uns allen aufgegangen. Trag in die Welt nun dein Licht und sei herzlich gegrüßt Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten

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