Ex nihilo - Podcast English

Martin Burckhardt

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  1. 2H AGO

    Talking to ...Fiona Girkin

    What happens when, in a society that considers itself free of all intellectual taboos, you pursue a question perceived as highly embarrassing, even awkward? This is exactly what happened when Fiona Girkin (after a disturbing personal experience) decided to write a doctoral thesis exploring how female narcissism manifests in the workplace. While male narcissism is well known as the Napoleon complex and even as a form of delusions of grandeur, the female variant is a much more psychologically complex issue, with many candidates portraying themselves as pitiful victims—a strategy that makes deciphering their behavior extremely difficult and even a social taboo. After all, who would want to accuse such a pitiful person of being the real culprit, namely the workplace bully? That Fiona Girkin was prepared to juxtapose the male hero’s journey with a »victim’s journey« was an institutional scandal for the Tasmanian police force, for which she worked as a trainer and consultant. That Fiona Girkin was prepared to juxtapose the male hero’s journey with a »victim’s journey« was an institutional scandal for the Tasmanian police force, for which she worked as a trainer and consultant. Even though all the stories the police officers told her while on duty supported her version, merely mentioning the possibility of dark personalities in women touched on a long-held social taboo. Dr. Fiona Girkin is an Australian counselor who studies and teaches about female narcissism. In addition to her counseling practice and consultation services, she also runs a YouTube channel. Related Texts: Get full access to Ex nihilo - Martin Burckhardt at martinburckhardt.substack.com/subscribe

    51 min
  2. JAN 30

    Im Gespräch mit ... Bernd Raffelhüschen

    Wenn die letzten Dekaden eine Veränderung des Zeitgeistes mit sich gebracht haben, könnte man von einem regelrechten Siegeszug der moralischen Ökonomie sprechen. Und selbige zeichnet sich durch eine penetrante Demonstration der eignen Rechtschaffenheit aus, einen Gestus moralischer Überheblichkeit. Der Magier Harry Houdini hat das damit einhergehende Dilemma in eine wunderbare Formel übersetzt: Wenn der Wunsch der Vater des Gedankens ist, so ist er die Mutter der Sinnestäuschung. Dies vor Augen, ist es nicht bloß hilfreich, sondern höchst erhellend, sich mit einem Ökonomen zu unterhalten, der sich den Wirrungen des Zeitgeistes stets widersetzt hat – und stattdessen dem Werkzeugkasten der Ökonomie gefolgt ist. Dabei ist der Ausgangspunkt Bernd Raffelhüschens zutiefst in der Geschichte der sozialen Marktwirtschaft beheimatet, ergänzt um den Nachhaltigkeitsgedanken, der sich einer jugendlichen Öko-Begeisterung verdankte. In diesem Sinn ist es kein Zufall, dass unser Gespräch wie selbstverständlich auf eine Gestalt wie Hans von Carlowitz eingehe kannn, der im frühen 18. Jahrhundert ein Traktakt mit dem Titel Haußwirtschaftliche Nachricht und Naturgemäße Anweisung zur Wilden Baum-Zucht vorgelegt hat. Dass die Frage, wie eine nachhaltige Fiskalpolitik aussehen kann, heutzutage auf politisches Ressentiment stoßen kann, ja, nachgerade skandalträchtig anmutet, ist mithin eine Merkwürdigkeit ersten Ranges. Gleichwohl haben die Studien, die Bernd Raffelhüschen seit den 80er Jahren zu Fragen des Rentensystems, der Staatsverschuldung und der Migration vorgelegt hat, für beträchtliches Aufsehen gesorgt – und ihm das Attribut eines Marktradikalen eingebracht, was so gar nicht zu seiner nüchternen Argumentationsweise passen will. Bernd Raffelhüschen, der nach einer Ausbildung in den USA als Wirtschaftswissenschaftler in Norwegen und Freiburg gelehrt hat, ist einer der bekanntesten Finanzwissenschaftler Deutschlands. Bernd Raffelhüschen hat u.a. puibliziert: Themenverwandt Get full access to Ex nihilo - Martin Burckhardt at martinburckhardt.substack.com/subscribe

    1h 7m
  3. JAN 28

    Vom Schlaf der Vernunft

    im Rahmen der internationalen Studienwoche an der Hochschule Luzern Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, Sie hören’s schon an der Anrede: Ich gehöre einer untergehenden Welt an. Tatsächlich ist das ein Thema, das mich seit langer, langer Zeit begleitet – und wenn Sie sich in dieser Studienwoche mit der »Frage der sozialen Arbeit angesichts antidemokratischer Gesellschaftstendenzen« beschäftigen, dann sehen wir, dass eine dunkle Woke über uns heraufgezogen ist, aber es gibt kaum jemanden, der plausibel erklären kann, warum das eigentlich passiert ist. Dieses große Warum zu erhellen und der Frage nach den Gründen für das grassierende Unbehagen in unserer Kultur nachzugehen, wäre die Aufgabe – denn ist die Krankheit unbekannt, sieht’s mit der Behandlung doch eher schlecht aus. Da laboriert man halt an den Symptomen… Also: Warum? Und was ist da eigentlich passiert? Von Goya gibt es einen wunderbaren Bildtitel, nämlich: »Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer«. Wenn wir das für einen Moment einmal, als gedankliche Hypothese, stehenlassen, dann wäre abzuleiten, dass sich unsere derzeitigen Kalamitäten auf einen Schlaf der Vernunft zurückführen lassen. Das führt uns gleich zu einem weiteren großen Psychologen, Nietzsche nämlich, der den wunderbaren Gedanken notiert hat: »Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.« Das ist, wie ich denke, eine präzise Beschreibung unserer heutigen politischen Diskurse. Denn wenn Sie sich umschauen, dann sehen Sie, ob links oder rechts, lauter Menschen, die sich an irgendwelchen Ungeheuern festhalten – und die sich dabei selbst, ganz unversehens, dem annähern, was sie da eigentlich bekämpfen wollen. Man könnte das, mit Hans Magnus Enzensberger, einen »molekularen Bürgerkrieg« nennen – in jedem Fall haben wir es mit einem Verlust an Zivilität zu tun, den ich in meinem ganzen, nicht mehr ganz jungen Leben so zuvor nicht habe feststellen können. Aber ich will mich hier gar nicht mit Details aufhalten, sondern möchte gleich ins abgründige Thema hineinspringen: Was ist passiert? Oder genauer: Was haben wir eigentlich verschlafen? Wenn wir das so nehmen, wird die Geschichte plötzlich interessant. Denn es stellt sich die Frage, ob die Erzählung, die wir als Wirklichkeit ausgeben, überhaupt noch Relevanz besitzt – und Sie mit lebbaren, praxistüchtigen Handlungsoptionen ausstattet. Hier schon setzt mein erster Zweifel an. Denn wenn Sie einen Zeitgenossen, genauer: einen Intellektuellen fragen, wie er sich unsere Welt in 10, 20 Jahren wohl ausmalen wird, wird er Ihnen entgegnen, dass er schön froh wäre, wenn er das nächste Jahr überblickte. Ein Beispiel: ich habe vor nicht allzulanger Zeit, im Rahmen eines Symposions zur Zukunft der Bildung, vor gut 100 Bildungsphilosophen einen Vortrag gehalten – und das Bemerkenswerte war: ich war der einzige, der eine positive Vision entworfen hat – wohingegen die Titel der anderen Vortragenden lauteten: Die Zukunft schrumpft, oder ärger noch: Wer hat mir meine Zukunft gestohlen? Ruft man sich ins Gedächtnis, dass die Aufgabe des Bildungsphilosophen darin bestünde, sich über der Lernen der Zukunft im Klaren zu sein, ist das Schrumpfen der Aufmerksamkeitsspanne auf die reine Gegenwart, ärger noch, das Abgleiten ins Ressentiment, fast grotesk – kann eine jede Rede darüber nur wortreiche Maskierung einer Unterlassungssünde sein. Diese Gedankenblockade artikuliert sich als Lähmung, so als wachte man gerade aus einem Alptraum auf. Ja, es scheint geradezu, als ob viele Menschen die Gegenwart überhaupt als eine Art Alptraum auffassten – was ein Philosoph auf die paradoxe Formel gebracht, nämlich, dass es einfacher sei, sich das Ende der Welt vorzustellen, als das Ende des Kapitalismus. So betrachtet erscheint die Apokalypse, das Ende der Welt, wie eine Wunschvorstellung ist – der Wunsch, dass dieser Alptraum, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint, endlich ein Ende haben möge. Aber ich will mich gar nicht lange mit Spekulationen aufhalten. Ich würde behaupten, dass der tiefste Grund für unser Unbehagen die Erschütterung ist, die mit der digitalen Kultur einhergeht – und weil ich einige Bücher zur Philosophie und zur Kulturgeschichte der Maschine geschrieben habe, bin ich mir deutlich bewusst, dass unseren Eliten noch nicht einmal in Ansätzen klar ist, was ihnen da widerfahren ist. Dies nebenbei ist der Grund, warum die Grundsätze, die man Ihnen in der Schule hat beibringen wollen, keine wirkliche Vorbereitung sind für das, was Ihnen in den nächsten Jahren bevorstehen wird. Wenn wir uns vor Augen halten, dass die KI einen nicht geringen Teil unserer White Collar Jobs überflüssig machen, genauer: sie in den Arbeitsspeicher, ins Museum der Arbeit überführen wird, ist klar, dass plötzlich große Teile unserer Gesellschaft mit einer höchst realen Entwertungsdrohung konfrontiert sind. Und das ist nicht einmal ein ferner Zukunftsprospekt, sondern widerfährt Ihnen schon jetzt. Wenn der Professor, dem Sie eine Bachelor- oder Master-Arbeit vorlegen, diese nicht liest, weil er ohnehin davon überzeugt ist, dass sie mit ChatGPT verfasst worden ist, stellt sich die Frage, ob die Zeugnisse, die man Ihnen am Ende aushändigt, noch das Papier wert sind, auf das sie gedruckt sind – was, wenn Sie wie in Amerika üblich, mit zweihunderttausend Dollar Schulden aus Studiengebühren dastehen, eine durchaus existenzielle Frage sein kann. Lassen Sie mich dazu eine kleine Geschichte erzählen, die deutlich macht, dass nicht einmal diejenigen, die sich unsere schöne, vernetzte Welt ausgedacht haben, sich über die Konsequenzen im Klaren waren. Die Geschichte handelt von Robert Metcalfe, der unsere Computerwelt mit dem Ethernet bestückt hat – also der materiellen Voraussetzung dessen, was sich dann später in Gestalt des Internets realisiert hat. Metcalfe ist im übrigen auch dafür verantwortlich, was wir den Netzwerkeffekt nennen, oder je nachdem, scalability, Skalierbarkeit. Dem wohnt, was den meisten Menschen nicht klar ist, durchaus eine politische Dimension inne. Nicht wahr, wenn Sie sich die Welt Ihrer Eltern, die Welt der Repräsentation in Erinnerung rufen, da gab es soetwas wie eine top-down-Logik – one-to-many, und da gab es die Eliten, die sich als Wächter des guten Geschmacks usw. betätigt haben. In unserer vernetzten Welt gelten diese Regeln nicht mehr. Denn nunmehr kann jedermann sich nach Belieben artikulieren und – nicht selten hinter einer digitalen Tarnkappe versteckt – die wildesten Dinge in die Welt hinausposaunen. Man nennt das, je nachdem, ein bottom-up oder dezentrales Kommunikationssystem - und das ist die Welt, in die Sie als digital natives hineingeboren sind. Aber was ist hier, neben der Tatsache, dass wir es mit einer totalen, doch eigentlich begrüßenswerten Demokratisierung der Öffentlichkeit zu haben, das Neue? Gehen wir’s systematisch an. Wenn ich mich mit einem anderen Menschen vernetze – dann verfügen wir beide, er und ich, über genau eine Verbindung. Stellen wir uns nun vor, es käme ein Dritter hinzu, hätten wir genau drei Verbindungen. Bei Vieren wären es 6, bei 5 Personen 10 Verbindungen. Tatsächlich können wir das mathematisch formalisieren: Wir nehmen die Anzahl der Verbindungen – sagen wir hundert - und multiplizieren dies mit x-1, das wären also 100*99 = 9900 – und wenn wir das durch 2 teilen, haben wir die genaue Zahl von Verbindungen vor uns, die in diesem Netzwerk möglich sind, nämlich 4450. Das klingt noch nicht sonderlich beeindruckend, aber wenn Sie eine Stadt wie Luzern nehmen, die 85.534 Einwohner zählt, dann ergibt dies grob 3 Milliarden 658 Millionen Verbindungen. Vergleichen Sie das mit der alten Welt. Wenn Sie die Auflage der Luzerner Zeitung nehmen, die früher einmal Waldstädterbote hieß, haben Sie 98.000 Verbindungen – und diese Zahl nimmt sich, verglichen mit 3,7 Milliarden potenzieller Luzerner Kommunikationbsverbindungen geradezu lächerlich aus. In jedem Fall sehen wir uns einem Medienbruch gegenüber, einer medialen Disruption. Lassen Sie uns für einen Moment vorstellen, die Stadt Luzern hätte nun einen veritablen Influencer-Star, der nicht bloß (wie Leon Isek) Kissenschlachten für einen TikTok-Ruhm organisiert, sondern allen Luzernern am Herzen läge, so sehr, dass jeder seinen Account subskribiert hätte – dann hätte dieser Account mit seinen potenziell 3,7 Milliarden Verbindungen ein unglaubliches Gewicht. Und dieses geht schwerlich mit dem Gleichheitsgrundsatz der Demokratie, der Logik des One Man One Vote zusammen. Ich bin ziemlich sicher, auch wenn Ihnen der Netzwerkeffekt und die Formel dahinter unbekannt, so wissen Sie allesamt, wovon ich rede. Wenn ein großer Prozentsatz Ihrer Generation, nach dem Berufswunsch gefragt, erklärt, man wolle Influencer werden, so haben Sie diese Logik, nein, nicht mit der Muttermilch, sondern über Ihr Smartphone-Display in sich aufgenommen. Zurück aber jetzt zu Robert Metcalfe, der dies technisch möglich gemacht hat. Der war, als er die Computer vernetzen wollte, das war um 1971 herum, ein junger Mann von gerade 25 Jahren - und er arbeitete in einem Computerlabor des Kopiermaschinenherstellers Xerox in Palo Alto. Außer ihm waren da eine ganze Reihe anderer Computernerds präsent: da waren die beide Adobe Gründer Warnock und Geschke, da war der Ur-Programmierer des Word-Textverarbeitungsprogramms Charles Simonyi usw. Man hätte sich also durchaus vorstellen können, dass all diese Computernerds begeistert, ja, geradezu enthusiasmiert auf die Möglichkeit, sich lokal zu vernetzen, reagiert hätten. Aber das war keineswegs der Fall. Im Gegenteil: Man unternahm alles, um dem bedauernswerten Robert Metcalfe das Leben schwer zu machen. Und warum? Was war der Grund für diese Animosität? Auch das ist nicht schwer zu b

    38 min
  4. JAN 19

    Im Gespräch mit ... Carsten Lotz

    Weil es sich auch unter historischen Materialisten herumgesprochen hat, dass der Kapitalismus nicht auf einer Weltverschwörung, sondern auf einem Glaubenssystem beruht, fand ich die Gelegenheit, mit einem studierten Theologen, der in die Welt von McKinsey hinübergewechselt ist, über Gott und die Welt, nein, über Gott und das Geld zu sprechen, überaus reizvoll. Denn mit dieser Weitung der Perspektive versehen, lassen sich Fragen in den Blick nehmen, die nicht bloß die Genealogie unseres kapitalistischen Betriebssystems berühren, sondern zutiefst mit den Erschütterungen der Gegenwart zu tun haben: dem Glauben an die monetäre Verrechenbarkeit alles menschlichen Tuns. Und weil Carsten Lotz sich nicht bloß auf die Narrative der Ökonomie kapriziert, sondern, neben seinem theologischen Wissen auch die postmoderne Philosophie aufgesogen hat, haben wir uns ohne große Mühe in die Katakomben des ökonomischen Denkens hineinbegeben können – z.B. wie und warum die Ökonomen zu Zauberlehrlingen ihrer eigenen Welterklärungsmodelle haben werden und sich über die Zahlen- und Statistikgläubigkeit in die eigene Tasche haben lügen können. Damit aber sind Fragen berührt, die in unserer Ökonomie überlebenswichtig sind, umsomehr, als die Disruptionen, die uns mit den Fortschritten der Künstlichen Intelligenz ins Haus stehen, eine neue Wirtschaftskrise ahnen lassen. In diesem Sinn wäre das neoliberale Versprechen »It’s the economy, stupid« nicht als Abschluss aller Diskussion zu begreifen, sondern als Ausgangsfrage, ein Rätsel, das es erst noch zu entziffern gilt. Carsten Lotz, der als studierter Theologe den Weg in die Welt von McKinsey gefunden und über viele Jahre als Berater gearbeitet hat, hat mit seinem Buch Wirtschaft als erste Philosophie den Weg in die Selbstständigkeit gefunden. Neben seiner Arbeit als Autor und Berater hält er im Studiengang Master of Management Vorlesungen an der Universität Mannheim. Carsten Lotz hat veröffentlicht Themenverwandt Get full access to Ex nihilo - Martin Burckhardt at martinburckhardt.substack.com/subscribe

    1h 46m
  5. 11/14/2025

    The Man of the Crowd

    Dear Ladies and Gentlemen, I want to share a few thoughts with you on the peculiar relationship our society has with Artificial Intelligence. It confronts us with the uncanniness of how it’s taken on an almost religious-like quality—why else would the phrase curse and blessing instinctively come to mind when talking about it? To make sure the ideas I present to you are not completely out of touch, I would like to share a few video clips we’ve published on our ex nihilo Substack, created in collaboration with Dall-E and Google VEO using our in-house, proprietary Company Machine. This software is quite unusual insofar as it transliterates classic essays and transcribed conversations into visual metaphors, and because our brain—or more precisely, our language—is a veritable magic box, these produce the most daringly audacious image compositions—things that even the most fantastical mind could hardly conceive. In a curious way, a remarkable reversal can be observed here. When we talk about the power of imagination, when some extremely daring theorists of the 1990s conjured up as the visual turn, it must be said that advanced image production had long since left the visual sphere—and gone to our heads. This is noteworthy as we are witnessing the return of a medieval concept of Signs. At that time, it was believed that the closer a Sign was to God, the more valuable it was – or, as we would say today, the more abstract it was. Consequently, thought was considered the most valuable Sign, followed by the spoken word, then the image, and finally the worldly traces one leaves behind. This changed with the Renaissance, which actually brought about the visual turn that cultural theorists of the 1990s diagnosed with considerable delay – and Leonardo da Vinci reflected on the fact that music is the little sister of painting, simply because it fades away, while painting releases works of eternal value into the World. So today, while claiming we live in a visual culture may still appear to be true for large parts of the population, the intellectual and aesthetic drive that feeds this world has shifted its metamorphic form. If Hollywood’s dream factory went on strike recently, it’s because the advances in our computer culture are truly revolutionizing filmmaking. You only have to think back to one of those epic historical films of the 1950s and 1960s, where entire small towns in southern Italy were recruited as extras – and you see the difference. Today, CGI (computer-generated imagery) provides directors with a whole armada of hyper-realistic, malleable actors. And this rationality shock affects not only the extras, but also the set and stage designers, as well as the musicians, whom Bernard Hermann once invited to the recording studio in the form of an entire symphony orchestra. All this is now accomplished by someone like Hans Zimmer or by anonymous CGI artists who conjure up the most phantastical things on screen, which means that what used to be called a set is now little more than just a studio warehouse where a few actors perform in front of a green screen. Now, this threat of rationalization posed by Artificial Intelligence affects not only the immediate production process but also post-production. Today, when voices can be cloned at will, and even translation and dubbing can be done by AI with perfect lip synchronization, the radical revolution of the dream factory is a fait accompli. Now, I could launch into a dystopian tirade about the changes to our audiovisual tools—and I would be justified in doing so, insofar as the coming surges of rationality are likely to affect the entire industry. But that is not what I want to do right now. Why not? Well, simply because I am convinced that a) this is a matter of inevitability, and b) well, I personally find the aesthetic and intellectual possibilities opening up with this world both sublimely wondrous. The dilemma we face is more intellectual, if not philosophical, in nature—a humiliation that surpasses anything Sigmund Freud recorded in his Civilization and Its Discontents. As you may recall, he identified three intellectual humiliations: 1) The Copernican Revolution, which meant we could no longer feel like we were the center of the Universe; 2) Darwinian Evolutionary Biology, which called our Anthropological Supremacy into question; 3) The Subconscious self, which made it clear to individuals that they cannot even feel at home in their own thoughts, that they are no longer masters in their own house. Now, let’s keep in mind that when these upheavals happened, they only really affected a small number of people (the so-called elite, if you will), but with the Digital Revolution, we are now facing a new and much more serious situation: it impacts everyone, absolutely everyone in this World. The dilemma we face today can best be compared to what Günter Anders once aptly called Promethean Shame—which can be understood as a form of schizophrenia: I am, but I am not. If Blaise Pascal once said that all human unhappiness stems from the fact that humans cannot remain quietly in their rooms, then it’s evident that networked humans are, by definition, social creatures—or, as I would put it: dividuals who thrive on their divisibility and their urge to communicate. But because that sounds so harmless, I will tell you, who are largely familiar with the practices of our public broadcasters, a little personal story. It has to do with how, as a young man, I couldn’t quite decide whether I wanted to be the next Thomas Mann or a composer. In any case, I realized quite early on that the heroic history of the modern author belonged to the tempi passati. That was in the mid-1980s, and since I had been working with a musician from Tangerine Dream for many years and was deeply involved in the world of recording studios and electronic sound processing, I eventually realized that some unquestioned fundamental assumptions had exceeded their shelf life. When you have a sequencer in front of you that allows you to chase your fingers across the piano, or more precisely, the keyboard, at unprecedented speeds, you wonder why you ever bothered with scales and Czerny’s School of Velocity. Even deeper than this doubt about virtuosity was the discovery that, with sampling, the whole world had actually become a musical instrument, that even the sound of a toilet flushing could be a great aesthetic experience, not to mention that a sampled sound is actually a multitude, a multiplicity. In short: What caught my attention was nothing other than the threat of proliferation posed by digitalisation. Fast forward three or four years, when I conducted an intensive seminar at the University of the Arts together with an editor from the RBB [Berlins public Radio], where I was working, and Johannes Schmölling, the musician from Tangerine Dream, during which we prepared actors and sound engineers to work together—and because it was going to be broadcast, this wasn’t just any ordinary practice session, but the real deal. And then my colleague from the station, Wolfgang Bauernfeind, had the idea of showing the sound engineers how the professionals at the station work. But since I had worked as a director in large companies and knew that the sound engineers weren’t even willing to touch the multi-track machine in the studio – whereas the studio at the University of Fine Arts was already fully digitalised – I told him that wasn’t such a good idea. But he insisted – and so, at some point (it was around 1992), half a dozen sound engineering students entered the hallowed halls of the station, the T5. But after just fifteen minutes, barely had the professionals begun their work, the first student came up to me and whispered in my ear: »Tell me, Martin, are they serious? « Which was, of course, a very valid question. At any rate, a few years later, I ran into one of the sound engineers in the station hallway, who asked me if I thought someone like him would be employable in the private sector. Where does this resistance to engaging with this world come from? The answer is simple: people resist because the experiences of engaging with these new tools seriously shake and disrupt their self-image. And most people prefer the phantasms of the past to such an uncertain, unsettling future. Consequently, they talk about true authenticity, about digital detox, or, when their attempts to assert digital sovereignty fail, they proclaim the end of humanity: the Infocalypse. Why is all this so easy? Because Artificial Intelligence, like an alien, imposes itself as a foreign body – for the simple reason that we’ve never really embraced the World of Digitalisation, or at best only as consumers who press buttons. Let me tell you a little story about this. While traveling across the US in the late 1980s to interview the pioneers of Artificial Intelligence, I had a lovely encounter with Joseph Weizenbaum, the great-father of all chatbots, who told me – still shaking his head – about his secretary. And because she was assigned only to him, she naturally knew that Weizenbaum was working on a chatbot named Eliza – a tribute to Eliza Doolittle from George Bernard Shaw’s play Pygmalion – and she also knew that this chatbot was nothing more than a program that Weizenbaum had written using the computer language LISP. In fact, the program wasn’t particularly sophisticated, essentially little more than a paraphrasing machine. As an exemplar, if you typed in ›I feel bad,‹ the chatbot would respond, ›Oh, you feel bad?‹. What astonished Weizenbaum was that whenever he saw his secretary, she was constantly clattering away on the keyboard—so intently she didn’t even notice him coming. And because he was curious about what she was actually typing – she didn’t have that much to do for him – he stepped behind her one day and glanced at the screen. And what did he see?

    27 min
  6. 07/19/2025

    Talking to ... Peter Fleming

    It is difficult to ignore how Capitalism has slipped into a deep values crisis – and indeed, you might be forgiven for thinking we are in a Potemkin village, a zombie economy sustained only by memories of a glorious past or by cash injections from central banks. For this reason alone, our conversation with Peter Fleming was extremely valuable, as he, with his keen sense of fundamental upheavals, recognized the signs of the times early on. Observations like how work has become little more than a mythological narrative for reassuring ourselves of our sense of importance and self-worth, or that universities have turned into dark zones in our era of Human Capital—sometimes jokingly called Whackademia—and that in this morally decayed environment, it is almost impossible to cling to the specter of the homo economicus as the ideal of utility-maximizing rationality. In this sense, it’s only logical that Peter Fleming's dirge ends with a reflection on Capitalism and Nothingness. And while this may be a somewhat somber topic, we found our conversation with him to be very enjoyable and entertaining. Peter Fleming is a Professor of Organization Studies at the University of Technology, Sydney. During his time in London, where he taught Business and Society at City University, he chaired the London Living Wage Symposium at the House of Commons. His work has been recognized with several awards. Related Content Get full access to Ex nihilo - Martin Burckhardt at martinburckhardt.substack.com/subscribe

    1h 10m

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