Ostwärts. Gespräche über ostdeutsche Identitäten

Nine-Christine Müller

Was heißt es eigentlich ostdeutsch zu sein und spielt das echt immer noch eine Rolle? Ich, Nine-Christine Müller, spreche hier mit Menschen, die ihre Herkunft reflektieren und Engagement zeigen. Gemeinsam erkunden wir, wie Herkunft unsere Identität beeinflusst und wie Chancengerechtigkeit und Mitbestimmung gefördert werden können.

  1. Sep 24

    Durchs Loch im Zaun – wie Techno, Leerstand und Eigensinn das Kühlhaus Görlitz prägen

    Durchs Loch im Zaun: Danilo Kuscher über 20 Jahre Kühlhaus Görlitz, das Überland Festival und die Frage, was ländliche Initiativen wirklich brauchen In dieser Folge von Ostwärts sitzt Nine auf dem Gelände eines ehemaligen DDR-Kühlhauses in Görlitz, mitten im Überland Festival und spricht mit Danilo Kuscher. 2006 suchte er mit Freunden eine Location für Technopartys und fand eine 1952/53 gebaute Lebensmittelstaatsreserve, die seit Jahren leer stand. Heute sind daraus 42.000 Quadratmeter geworden: Werkstätten, Veranstaltungsräume, Garagenhostels, Camping, Coworking, Unternehmen. Danilo erzählt, warum Kulturveranstaltungen allein den Ort nie tragen konnten, wie der Übernachtungsbetrieb zur Hälfte der Finanzierung wurde und was das Neulandgewinner-Programm der Robert Bosch Stiftung ausgelöst hat. Er spricht offen über die Phase, in der aus ehrenamtlicher Arbeit bezahlte Stellen wurden und das Team darüber fast zerbrach. Es geht um Görlitz als Stadt, der man seit 15 Jahren den Rückgang prophezeit und die sich jedes Mal dagegen behauptet, um Veranstalter aus Berlin und Hamburg, die inzwischen in die Lausitz fahren, weil sie in den Großstädten keine Orte mehr finden, und um die wieder eingeführten Grenzkontrollen an der Neiße. Und es geht um die Rechnung, die selten jemand aufmacht: rund 100.000 Euro allein für Genehmigungsverfahren, die seit 2018 laufen. Auf die Frage, was solche Initiativen von der Politik brauchen, gibt Danilo eine Antwort, mit der Nine nicht gerechnet hat. 00:00 Eine Nacht wird eine Woche 00:25 Podcast Intro und Thema 02:02 Was ist ein DDR Kühlhaus 03:45 Danilo Kuscher und der Verein 05:03 Loch im Zaun und Brachen-Charme 09:12 Initialzündung in der achten Klasse 11:10 Neulandgewinner und der Startschuss 12:20 Berlin und Hamburg kommen nach Görlitz 15:54 Wie das Überland Festival entstand 20:42 42.000 Quadratmeter und die größte Herausforderung 22:30 Wie sich das Gelände finanziert 26:42 Keine goldenen Wasserhähne 28:32 Von ehrenamtlich zu bezahltem Personal 31:02 Rave und Skizzenfestival in einer Halle 32:44 Umbruch im Team und schwierige Phase 35:31 Was bedeutet Erfolg 38:08 Das Besondere an Görlitz 42:53 Grenzkontrollen an der Neiße 47:26 Kann man solche Orte politisch herstellen 51:53 100.000 Euro für Papier 58:38 Abschluss und Dank

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  2. Sep 9

    Täterstadt oder Verantwortung? Khaldun Al Saadi über Chemnitz nach dem NSU

    „Karl-Marx-Stadt, jetzt Chemnitz" steht in seinem Personalausweis: ein Satz, der ihn nach eigener Aussage sofort in die Geschichte stellt. Nine trifft Khaldun Al Saadi in einem alten Kassenhäuschen auf dem Kosmos Festival in Chemnitz: Khaldun ist Mediator, Konfliktforscher und Mitaufbauer des Dokumentationszentrums zum NSU-Komplex, das im Mai 2025 eröffnet hat – gegen erhebliche Sicherheitsbedenken der Angehörigen und gegen den lokalen Widerstand gegen das Label „Täterstadt". Ein Gespräch über zwei Vereinigungen im Jahr 1990 (Deutschland und Jemen), über Polarisierung als Stresszustand und über die Frage, die Khaldun für wichtiger hält als jedes Wahlergebnis: nicht wer eine rechtsextreme Partei wählt, sondern wer sie danach duldet. Darum geht's: Wie das Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex entstand – gegen Widerstand und unter ZeitdruckWarum die Betroffenen im Zentrum stehen, nicht die TäterZwei Vereinigungen, ein Jahr: was Karl-Marx-Stadt und der Jemen 1990 gemeinsam habenPegida, Issue Entrepreneurship und warum Polarisierung im Körper beginnt, nicht im KopfDie Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und die Frage nach der Normalisierung Timestamps:00:00:55 Kosmos Festival in Chemnitz00:02:20 Geburtsort Karl-Marx-Stadt, jetzt Chemnitz00:06:01 Jemenitische Wurzeln und zwei Vereinigungen00:11:17 Gestaltungsspielraum nach Hannah Arendt00:16:30 Masterarbeit über Pegida00:22:04 Polarisierung als Stresszustand00:29:40 Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex00:34:31 Findlinge, Tee und Archiv00:43:47 Vorwurf „Täterstadt"00:56:50 Fishbowl: Zwischen den Wahlen01:01:27 Sachsen-Anhalt und Normalisierung01:07:01 Optimismus des Willens Shownnotes KOSMOS Festival in ChemnitzDokumentationszentrum zum NSU-KomplexOffener Prozess Gespräch mit Frank Richter über Pegida in Dresden und seine Rolle als Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen Ostwärts: Gespräche über ostdeutsche Identitäten Ostdeutschland wird oft erklärt, selten gefragt. Ostwärts dreht das um: Nine-Christine Müller, Nachwendekind aus Thüringen, spricht mit Menschen über Transformation, Identität und demokratische Perspektiven im Osten – jenseits der immer gleichen Schlagzeilen. Ostwärts gehört zu den Top-20-% Podcasts in Deutschland und wird u. a. unterstützt von Bundeszentrale für politische Bildung, Bundesstiftung Aufarbeitung, Tagesspiegel und MACHN Festival. Neue Perspektiven auf ein Land, das sich selbst noch erzählt. Diese Folge ist in Kooperation mit dem Kosmos Festival in Chemnitz entstanden.

    Täterstadt oder Verantwortung? Khaldun Al Saadi über Chemnitz nach dem NSU
  3. Aug 26

    Amazonas des Nordens: Wie ein Gasthaus auf vier Meter Torf zum Kulturort in Mecklenburg wurde

    Uta Berghöfer und Lars Grünwoldt über zwölf Jahre Moortheater in Malchin, Wiedervernässung und die Frage, ob man die eigene Region als Defizit oder als Gestaltungsraum sieht In dieser Folge von Ostwärts ist Nine an der letzten Station ihrer Podcast-Tour durch den ländlichen Osten: bei Moorbauern in Malchin, einem Gasthaus, das auf vier Meter Torf steht und nur über die Peene erreichbar ist – mit dem Boot oder dem Tretboot in Schwanenform. Zwei Jahre stand der Ort leer, bevor ihn eine Gruppe Freunde in kollektiver Eigentümerschaft zurückholte; Lars Grünwoldt war damals mit dem Akkuschrauber dabei, um im Winter die Bretter von den Fenstern zu lösen. Uta Berghöfer, promovierte Landschaftsökologin, kam aus dem Rheinland über Leipzig und Patagonien nach Mecklenburg und nennt die Region ihr Klein-Patagonien. Seit 2015 macht sie das Moortheater: zehn Tage Proben, rund 60 Mitwirkende von Kindern bis Erwachsenen, vier Vorstellungen, jedes Jahr ein anderes Thema – die Welt der Vögel, die Insekten, „Der Fischer und seine Frau" aus der Sicht des Butts. Ein größeres Zirkuszelt gäbe es, aber der Kran kommt nicht über den Deich, und Berghöfer findet das gut so. Im zweiten Teil geht es um Moor als Klimafaktor: Über 90 Prozent der deutschen Moore sind entwässert, ein trockengelegtes Moor setzt CO₂ frei, und Wiedervernässung heißt nicht Wasser zuführen, sondern Entwässern stoppen. Berghöfer erklärt, warum das eine ganze Wertschöpfungskette betrifft, welche Produkte aus Rohrkolben und Moorwiesengras möglich wären und warum die Förderprogramme des Bundes ein erster Schritt sind, aber nicht mehr. Zum Schluss sprechen die drei über den Zukunftsrat Mecklenburg-Vorpommern, das Netzwerk der Neulandgewinner und darüber, wie man in einem Landkreis mit hohen AfD-Werten handlungsfähig bleibt. 00:00:00 Letzte Station der Podcast-Tour 00:01:40 Uta Berghöfer und Lars Grünwoldt 00:02:50 Moorbauern, nur übers Wasser erreichbar 00:07:00 Reine Emotion statt Machbarkeitsprüfung 00:10:40 Vom Rheinland nach Klein-Patagonien 00:12:20 Moorleiche und andere Klischees 00:15:50 Flucht ins Malchiner Moor 00:17:30 Wie das Moortheater entstand 00:20:40 Menschenschutzgebiet im Jahr 2180 00:23:40 Kinder, die über Jahre mitwachsen 00:28:20 Hitzewelle und Klavier unter der Weide 00:31:00 Warum größer nicht besser ist 00:35:10 Ich möchte nie belehren 00:40:30 1,75 Milliarden für die Moore 00:41:40 Das Sauergurkenglas-Prinzip 00:44:00 Reet aus China statt Schilf von hier 00:45:30 Entwässern stoppen statt bewässern 00:50:40 Lars zwischen Peking und Malchin 00:53:50 Zukunftsrat Mecklenburg-Vorpommern 00:59:10 Neulandgewinner und Bekloppte 01:02:20 AfD bei vierzig Prozent 01:09:50 Teil von etwas Lebendigem sein 01:13:10 Problemregion oder Gestaltungsraum 01:14:30 Alle springen in die Peene 01:16:00 Abschluss und Verabschiedung Über Ostwärts Ein Podcast, der Menschen mit Ostbiografie eine Stimme gibt und neue Narrative des Ostens erzählt. https://www.ostwaerts-podcast.com/

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  4. Aug 6

    Warum wollen viele Menschen gar nicht frei sein? Frank Richter über Freiheit, Zukunft und Herkunft

    𝗭𝘂𝗸𝘂𝗻𝗳𝘁 𝗯𝗿𝗮𝘂𝗰𝗵𝘁 𝗛𝗲𝗿𝗸𝘂𝗻𝗳𝘁 – 𝘂𝗻𝗱 𝗱𝗶𝗲 𝗚𝗲𝗴𝗲𝗻𝘄𝗮𝗿𝘁 𝗯𝗿𝗮𝘂𝗰𝗵𝘁 𝗯𝗲𝗶𝗱𝗲𝘀: In dieser Folge von Ostwärts trifft Nine den Theologen und Menschenrechtler Frank Richter in Merseburg. Sein Leben verläuft in Stationen, die man selten in einer Biografie findet: Der Weg zum Lehrer blieb ihm verwehrt, weil Mitschüler und zwei Lehrer der Stasi über ihn berichteten – ein Fund aus seiner Akte, der ihn bis heute fragen lässt, warum Menschen so etwas tun. Er wird katholischer Priester und gründet am 8. Oktober 1989 mitten in einer Demonstration in Dresden die „Gruppe der 20", die das erste offizielle Gespräch zwischen einem SED-Oberbürgermeister und der Opposition erzwingt. Später wird er als Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen zur Figur im Streit um Pegida – und benennt heute offen, wo er sich vertan hat. Richter spricht über den Unterschied zwischen Wut und Hass, über Merkels Fehler in ihrer Neujahrsansprache und darüber, warum Ausgrenzen die Gesellschaft eher zerreißt als heilt. Anlass ist seine Laudatio beim Karl-Wilhelm-Fricke-Preis der Bundesstiftung Aufarbeitung für das Archiv Bürgerbewegung Leipzig, das die Dokumente der friedlichen Revolution bewahrt – und dabei viel schlechter ausgestattet ist als die staatliche Stasi-Aufarbeitung. Zum Schluss geht es um die großen Fragen: Warum wollen viele Menschen gar nicht frei sein? Und warum ist Freiheit nicht dasselbe wie Glück? Die Folge entstand in Kooperation mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. 00:00:00 Freiheit wollen nicht alle 00:00:22 Willkommen und Intro 00:00:48 Stationen eines bewegten Lebens 00:03:17 Heimat im Inneren 00:04:10 Stasi-Akte und bespitzelnde Mitschüler 00:06:50 Abgründe des Menschlichen 00:08:26 Weg zum katholischen Priester 00:10:19 Diaspora-Kirche und Weltkirche 00:13:15 Menschenrechtler statt Bürgerrechtler 00:15:19 Gruppe der 20 am 8. Oktober 1989 00:19:50 Berghofer und der erste Dialog 00:22:50 Was war Pegida 00:26:46 Merkels Fehler „Hass im Herzen" 00:29:30 Dialogformate und Entkorkung 00:35:41 Der Fehler vom 19. Januar 2015 00:41:29 Allparteilichkeit statt Neutralität 00:44:31 Laudatio für das Archiv Leipzig 00:47:12 Karl Wilhelm Fricke und Bautzen II 00:49:57 Aufarbeitung schief gewichtet 00:53:44 Gift der Stasi wirkt bis heute 00:59:15 Lehren aus 1989 Gewaltlosigkeit 01:00:20 Wir sind ein Volk neu gelesen 01:04:45 Freiheit ist nicht Glück 01:07:04 Niedertracht als politische Macht 01:09:28 Abschluss und Verabschiedung Weiterführende Links Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-DiktaturKarl-Wilhelm-Fricke-PreisArchiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. Über Ostwärts Ein Podcast, der Menschen mit Ostbiografie eine Stimme gibt und neue Narrative des Ostens erzählt. https://www.ostwaerts-podcast.com/

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  5. Jul 23

    Kann man auf Brandenburgs sandigen Böden Landwirtschaft neu denken? Benedikt von Gut & Bösel

    It's not the cow, it's the how: Benedikt Bösel über Gut & Bösel, 55.000 Bäume und Landwirtschaft auf Brandenburgs schwierigsten Böden. In dieser Folge von Ostwärts ist Nine live vor 300 Kühen zu Gast bei Benedikt Bösel auf Gut & Bösel in Alt Madlitz und damit der vierten Station der Podcast-Tour durch die ländlichen Regionen Ostdeutschlands. Bösel war Investmentbanker, arbeitete in Immobilien und Venture Capital, bevor er den 3000 Hektar großen Betrieb seiner Familie übernahm, der über die LPG „Hoffnung" und 250 Jahre Familiengeschichte bis in die Zeit vor der Kollektivierung zurückreicht. Er erzählt, warum er die geplante Smart-Farming-Ausrüstung samt anderthalb Millionen Euro Kredit nicht finanzierte, sondern nach der Dürre 2018 auf regenerative Methoden umstieg. Es geht um Agroforst, um 55.000 gepflanzte Bäume auf über 150 Hektar, um die Fink-Stiftung und ein Reallabor mit Humboldt-Uni, Leibniz-Institut und HNE Eberswalde. Bösel erklärt, warum die Kuh nicht Klimakillerin, sondern Nährstoffkreisläufer ist und warum das eigentliche Problem ist, dass gesunde Böden vom System nicht bezahlt werden. Nine und Bösel sprechen über die unaufgearbeiteten Wunden der Enteignung, das Zusammenleben im brandenburgischen Dorf und die Frage, ob man auf sandigen, trockenen Böden überhaupt etwas verändern kann. Zum Schluss: warum wir am Ende Tiere sind, was Bösel Menschen rät, die selbst anfangen wollen, und wohin die 5000 Euro aus dem Flow-Fund fließen. 00:00 Live vor 300 auf der Weide 00:50 Vierte Station der Podcast-Tour 03:10 3000 Hektar und ein Ex-Investmentbanker 04:48 Zurück nach Madlitz 05:25 Kollektivierung und unaufgearbeitete Wunden 09:28 Die Konstante Madlitz 13:03 Smart Farming scheitert 16:10 Anderthalb Millionen nicht unterschrieben 18:00 Tausende Mails und Agroforst 20:03 Natur kopieren statt Monokultur 22:46 55.000 Bäume und langer Atem 25:50 Fink-Stiftung und Reallabor 28:40 Leistungen die keiner bezahlt 31:16 Kann man hier überhaupt was verändern 33:56 Menschen für Landwirtschaft begeistern 37:30 Corona und ein 25-köpfiges Team 42:49 It's not the cow, it's the how 46:49 Ankunft und Lehrgeld im Dorf 49:55 Nicht zu ernst nehmen und Dorfleben 55:23 Flow-Fund für den Spielplatz 56:16 Würde er es wieder so machen 58:31 Sandige Böden aus der Eiszeit 01:00:10 Am Ende sind wir Tiere 01:04:04 Wenn du es spürst mach 01:05:49 Schlussimpuls und Verabschiedung Über Ostwärts Was heißt es eigentlich, ostdeutsch zu sein,und spielt das echt immer noch eine Rolle? Genau diese Frage stellt sich Nine-Christine Müller, als Nachwendekind aus Thüringen. Im Podcast „Ostwärts: Gespräche über ostdeutsche Identitäten“ erzählen Menschen ihre persönlichen Geschichten und geben in Interviews überraschende und oft nachdenkliche Einblicke und Perspektiven, die bisher wenig Gehör finden. Statt nur über den Osten zu sprechen und lokale Herausforderungen zu thematisieren, kommen Menschen vor Ort selbst zu Wort, um ostdeutsche Identitäten in ihrer Vielfalt, mit Tiefgang und Respekt zu beleuchten. Eine kritische und selbstkritische Auseinandersetzung mit dem Osten Deutschlands ist wichtig, gerade jetzt, denn es gibt anhaltende Unterschiede und Herausforderungen, die es zu adressieren gilt sowie eine historische und kulturelle Identität, die verstanden werden kann, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

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  6. Jul 14

    Viel Platz zum Gestalten: Alicja Orlow über Demokratiearbeit in Vorpommern

    In dieser Folge von Ostwärts spricht Nine mit Alicja Orlow, stellvertretender Geschäftsführerin der RAA Mecklenburg-Vorpommern und Projektleiterin von Zukunftswege Ost in der Fokusregion Vorpommern. Alicja wuchs auf Usedom auf und entschied sich vor sechs Jahren, nach Stationen in Berlin, Hamburg und Benin in ihre Heimatregion zurückzukehren. Sie berichtet von der niedrigsten Bevölkerungsdichte Deutschlands in Mecklenburg-Vorpommern ist und von langen Fahrtwegen. Nur 7 Prozent der bundesweiten Stiftungen sind in Ostdeutschland ansässig und Zukunftswege Ost setzt mit Mikroförderungen ab 5.000 Euro genau dort an. Anhand von Beispielen wie einem anfangs skeptischen Bürgermeister, einer möglicherweise rechts orientierten Feuerwehr oder dem umgebauten Eiswagen der Initiative Eisbus Gabi zeigt sie, wie viel leises, oft unsichtbares Engagement in den Dörfern existiert und wie viel Beziehungsarbeit nötig ist, um es sichtbar zu machen. Ein Thema ist auch das Bündnis „Zusammen bewegen“, das mit Haustürgesprächen kurz vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern für eine demokratische Zivilgesellschaft wirbt. Alicja spricht offen über die Sorge vor Mittelkürzungen nach der Wahl, aber auch über die Hoffnung, die sie im wachsenden Engagement vor Ort sieht. Am Ende lädt sie alle ein, die Region und ihre Projekte selbst kennenzulernen. 00:00 Viel Platz zum Gestalten 00:21 Intro und Vorstellung Alicja 02:07 Usedom, Polen und Rückkehr 05:20 MV jenseits der Klischees 07:16 Bevölkerungsdichte und Ressourcenmangel 10:44 Unsichtbares Engagement im Dorf 13:24 RAA Demokratie und Bildung 14:27 Projekt Zukunftswege Ost 17:18 Beziehungsarbeit mit Bürgermeistern 20:49 Feuerwehr und rechte Tendenzen 23:30 Fehlende Jugendangebote 27:26 Engagement und ostdeutsche Bescheidenheit 31:42 Zusammenbewegen und Eisbus Gabi 38:00 Mikroförderung Zukunftswege Ost 42:10 Ostdeutsche Resilienz und Pragmatismus 45:16 Stimmung vor der Landtagswahl 47:25 Was Zivilgesellschaft wirklich braucht 49:58 Mutrauschen und Abschluss Weiterführende Links Zukunftswege Ost: WebseiteZukunftswege Ost Fokusregion Vorpommern: Webseite GenOst Jugendfonds: WebseiteKontakt von Alicja für „Wie man helfen kann“ + Kontakt RAA MV > hierBündnis Zusammen bewegen: Webseite

    Viel Platz zum Gestalten: Alicja Orlow über Demokratiearbeit in Vorpommern
  7. Jun 25

    Wo die Neiße verbindet: Ein Filmfestival zwischen Deutschland, Polen und Tschechien

    23 Jahre, drei Länder, ein Festival: Clemens Mayer und Andreas “Frieder” Friedrich über das Neiße Filmfestival im Dreiländereck In dieser Folge von Ostwärts ist Nine bei der dritten Station ihrer Tour beim Neiße Filmfestival in Großhennersdorf in derOberlausitz. Sie spricht mit Clemens Mayer und Andreas “Frieder” Friedrich, die das Festival dieses Jahr erstmals gemeinsam als Doppelspitze leiten. Das Festival ist aus dem Katharinenhof entstanden, einer DDR-Einrichtung derDiakonie, in der sich in den 1970er- und 80er-Jahren Nonkonformist:innen sammelten und nach der Wende das Kunstbauer Kino gründeten. Seit 23 Jahren zeigt das Festival deutsche, polnische und tschechische Filme an der Grenzezwischen Deutschland, Polen und Tschechien – dieses Jahr mit einem Rekord von 1200 Filmeinreichungen auf 19 Leinwänden in 17 Spielstätten. Clemens und Frieder erzählen, warum die Lizenzvergabe pro Land unterschiedlich ist, wie dassächsische Kulturraumgesetz die Finanzierung strukturiert und warum sie trotz EU keine polnischen oder tschechischen Fördermittel beantragen können. Dieses Jahr widmet sich das Fokusthema der gesellschaftlichen Transformation imOstblock der 90er-Jahre und zieht Parallelen zum Strukturwandel im Rheinischen Revier. Vor dem Hintergrund der Oberbürgermeisterwahl in Görlitz und wachsenderrechter Stimmenanteile in Sachsen versteht sich das Festival zunehmend als politisches Statement für Weltoffenheit. 00:00:00 Live beim Neiße Filmfestival 00:01:32 Vorstellung Clemens und Frieder 00:02:10 Trinationales Festival am Dreiländereck 00:02:50 Dorfgeschichte und Katharinenhof Anfänge 00:06:07 DDR-Nest und Diakonie Katharinenhof 00:09:55 19 Leinwände, 17 Spielstätten 00:11:12 Filmverliebt durch Polen und Tschechien 00:13:30 Grenzen als Hürde in Corona-Zeiten 00:15:37 Sprachbarriere und Mitteleuropa-Framing 00:17:32 Internationales Team und Professionalisierung 00:23:48 1200 Filmeinreichungen, neuer Rekord 00:27:49 Lizenzfragen und Rechteinhaber 00:29:26 Fokusthema Transformation 00:33:24 Politisches Festival ohne Angst 00:38:25 Oberbürgermeisterwahl in Görlitz 00:40:26 Sächsisches Kulturraumgesetz erklärt 00:45:38 Flow Fund und Planungssicherheit 00:52:48 Junge Zielgruppen im Blick 00:55:06 Vampirfilme und neues Publikum 00:56:40 Altersdurchschnitt im Publikum 00:58:09 Highlights der fünf Festivaltage 01:02:00 Wie ein Musikfestival 01:03:16 Graswurzelbewegung von unten 01:04:39 Auf die Kacke hauen 01:06:19 Abschluss und Verabschiedung

    Wo die Neiße verbindet: Ein Filmfestival zwischen Deutschland, Polen und Tschechien
  8. Jun 8

    Hast du eine Ostseele, Matze Hielscher?

    Matze Hilscher über Gröden, die unbetreute Wendegeneration und das Leitmotto, das ihn seit der ersten Bühne begleitet In dieser Folge von Ostwärts sitzt Nine im Hotelzimmer von Hotel Matze im Prenzlauer Berg und spricht mit einem der bekanntesten deutschen Podcaster über seine Herkunft aus Südbrandenburg, die er selten öffentlich macht. Matze Hielscher ist in Gröden aufgewachsen, einem kleinen Dorf bei Elsterwerda, in einer Familie mit Bäckerei und Kirchenbindung – beides ungewöhnlich für die DDR. Er erzählt von der jungen Gemeinde als erster Gemeinschaft, in der das Alter keine Rolle spielte; von Lehrer:innen nach der Wende, die selbst orientierungslos waren und davon, warum er sich als Teil der „unbetreuten Generation" versteht. Das Gespräch reicht von den Baseballschlägerjahren und dem Erklärungsversuch für rechte Gewalt über Matzes Haltung zur Ostidentität – weder nostalgisch noch selbstkritisch überdreht – bis hin zu seiner Philosophie als Gastgeber: Zuhören ohne eigene Meinung ist für ihn kein Trick, sondern das Herzstück von Hotel Matze. Und warum er nie Angst vor großen Fischen hat, erklärt er am Schluss. 00:00 Wer weiß, wie das geht mit dem Leben 00:31 Intro und Willkommen 01:00 Gast Matze Hilscher und Hotel Matze 04:20 Gröden – Dorfstraße, Bäckerei, Kindheit 07:00 Leerstand im Osten – Ost-Phänomen oder gesamtdeutsch? 09:00 Christliche Familie in der DDR – Bäckerei ohne Parteibuch 13:00 Schule und Nicht-Funktionieren 16:30 Wende als Überforderung – Lehrer und Schüler gleichzeitig lost 19:30 Die unbetreute Generation und die Baseballschlägerjahre 21:40 Orientierungsfiguren: Campino, Schlingensief, Kurt Cobain 26:00 Sehnsucht nach einer Vergangenheit, die es nie gab 28:00 Dialog mit Rechten – ein Fragezeichen 29:00 Psychologische Betreuung statt Politiker-Besuche 33:00 Beteiligungsformate im Mansfelder Land 34:00 Warten oder selbst machen – Sommerfest im Hof 36:40 Osten als Gestaltungsraum, nicht Problemraum 39:00 Radtour durch Sachsen – Meißen und Elbebootsfahrt 43:00 Ostseele und Vereinsgefühl 47:00 Nicht auf Anerkennung warten – Matzes Eltern als Parallele 50:00 Habeck als Feindbild im Osten – was das auslöst 52:00 Matze als Ostler, Nine als Thüringerin 58:30 Vorbereitung aufs Gespräch – Einsammeln und Meditieren 01:00:00 Warum Matze die besten Interviews ohne eigene Meinung führt 01:03:00 Söder-Interview als Gegenbeispiel 01:06:20 Was zehn Jahre Gespräche mit einem machen 01:09:50 Was nach 1000 Folgen kommt 01:13:50 Leitmotto: Keine Angst vor großen Fischen 01:16:13 Abschluss und Verabschiedung Über Ostwärts Was heißt es eigentlich, ostdeutsch zu sein, und spielt das echt immer noch eine Rolle? Genau diese Frage stellt sich Nine-Christine Müller, als Nachwendekind aus Thüringen. Im Podcast „Ostwärts: Gespräche über ostdeutsche Identitäten“ erzählen Menschen ihre persönlichen Geschichten und geben in Interviews überraschende und oft nachdenkliche Einblicke und Perspektiven, die bisher wenig Gehör finden. Ostwärts erzählt neue Narrative des Ostens, denn es ist so viel mehr als sächsisch, AfD und Mandys. Es sind Geschichten über die Techno-Wende-Club-Kultur, Potentiale in der Zukunftsregion Ost, junge weibliche Kommunalpolitik und kritische Machtperspektiven. Statt nur über den Osten zu sprechen und lokale Herausforderungen zu thematisieren, kommen Menschen vor Ort selbst zu Wort, um ostdeutsche Identitäten in ihrer Vielfalt, mit Tiefgang und Respekt zu beleuchten. Eine kritische und selbstkritische Auseinandersetzung mit dem Osten Deutschlands ist wichtig, gerade jetzt, denn es gibt anhaltende Unterschiede und Herausforderungen, die es zu adressieren gilt sowie eine historische und kulturelle Identität, die verstanden werden kann, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. https://www.ostwaerts-podcast.com/

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