Matze Hilscher über Gröden, die unbetreute Wendegeneration und das Leitmotto, das ihn seit der ersten Bühne begleitet In dieser Folge von Ostwärts sitzt Nine im Hotelzimmer von Hotel Matze im Prenzlauer Berg und spricht mit einem der bekanntesten deutschen Podcaster über seine Herkunft aus Südbrandenburg, die er selten öffentlich macht. Matze Hielscher ist in Gröden aufgewachsen, einem kleinen Dorf bei Elsterwerda, in einer Familie mit Bäckerei und Kirchenbindung – beides ungewöhnlich für die DDR. Er erzählt von der jungen Gemeinde als erster Gemeinschaft, in der das Alter keine Rolle spielte; von Lehrer:innen nach der Wende, die selbst orientierungslos waren und davon, warum er sich als Teil der „unbetreuten Generation" versteht. Das Gespräch reicht von den Baseballschlägerjahren und dem Erklärungsversuch für rechte Gewalt über Matzes Haltung zur Ostidentität – weder nostalgisch noch selbstkritisch überdreht – bis hin zu seiner Philosophie als Gastgeber: Zuhören ohne eigene Meinung ist für ihn kein Trick, sondern das Herzstück von Hotel Matze. Und warum er nie Angst vor großen Fischen hat, erklärt er am Schluss. 00:00 Wer weiß, wie das geht mit dem Leben 00:31 Intro und Willkommen 01:00 Gast Matze Hilscher und Hotel Matze 04:20 Gröden – Dorfstraße, Bäckerei, Kindheit 07:00 Leerstand im Osten – Ost-Phänomen oder gesamtdeutsch? 09:00 Christliche Familie in der DDR – Bäckerei ohne Parteibuch 13:00 Schule und Nicht-Funktionieren 16:30 Wende als Überforderung – Lehrer und Schüler gleichzeitig lost 19:30 Die unbetreute Generation und die Baseballschlägerjahre 21:40 Orientierungsfiguren: Campino, Schlingensief, Kurt Cobain 26:00 Sehnsucht nach einer Vergangenheit, die es nie gab 28:00 Dialog mit Rechten – ein Fragezeichen 29:00 Psychologische Betreuung statt Politiker-Besuche 33:00 Beteiligungsformate im Mansfelder Land 34:00 Warten oder selbst machen – Sommerfest im Hof 36:40 Osten als Gestaltungsraum, nicht Problemraum 39:00 Radtour durch Sachsen – Meißen und Elbebootsfahrt 43:00 Ostseele und Vereinsgefühl 47:00 Nicht auf Anerkennung warten – Matzes Eltern als Parallele 50:00 Habeck als Feindbild im Osten – was das auslöst 52:00 Matze als Ostler, Nine als Thüringerin 58:30 Vorbereitung aufs Gespräch – Einsammeln und Meditieren 01:00:00 Warum Matze die besten Interviews ohne eigene Meinung führt 01:03:00 Söder-Interview als Gegenbeispiel 01:06:20 Was zehn Jahre Gespräche mit einem machen 01:09:50 Was nach 1000 Folgen kommt 01:13:50 Leitmotto: Keine Angst vor großen Fischen 01:16:13 Abschluss und Verabschiedung Über Ostwärts Was heißt es eigentlich, ostdeutsch zu sein, und spielt das echt immer noch eine Rolle? Genau diese Frage stellt sich Nine-Christine Müller, als Nachwendekind aus Thüringen. Im Podcast „Ostwärts: Gespräche über ostdeutsche Identitäten“ erzählen Menschen ihre persönlichen Geschichten und geben in Interviews überraschende und oft nachdenkliche Einblicke und Perspektiven, die bisher wenig Gehör finden. Ostwärts erzählt neue Narrative des Ostens, denn es ist so viel mehr als sächsisch, AfD und Mandys. Es sind Geschichten über die Techno-Wende-Club-Kultur, Potentiale in der Zukunftsregion Ost, junge weibliche Kommunalpolitik und kritische Machtperspektiven. Statt nur über den Osten zu sprechen und lokale Herausforderungen zu thematisieren, kommen Menschen vor Ort selbst zu Wort, um ostdeutsche Identitäten in ihrer Vielfalt, mit Tiefgang und Respekt zu beleuchten. Eine kritische und selbstkritische Auseinandersetzung mit dem Osten Deutschlands ist wichtig, gerade jetzt, denn es gibt anhaltende Unterschiede und Herausforderungen, die es zu adressieren gilt sowie eine historische und kulturelle Identität, die verstanden werden kann, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. https://www.ostwaerts-podcast.com/