Wie werden Rollatoren zum Symbol für Freiheit statt für Stigma? Thomas Appel, Gründer von Saljol, spricht im LIVVING Podcast darüber, warum Design über Akzeptanz entscheidet, woran man erkennt, dass ein Rollator wirklich sinnvoll wird, und wie Angehörige helfen können, ohne zu bevormunden. Warum wir Thomas Appel eingeladen haben Vor etwa einem Jahr war LIVVING Chefredakteurin Claudia Mattheis mit ihrem Vater auf der Suche nach einem Rollator. Er wollte partout keinen, denn das fühlte sich für ihn nach Alter, Einschränkung und Abhängigkeit an. Dann stieß die Familie auf Saljol, ein Modell aus Carbon, das ihn eher an die hochwertigen Rennräder erinnerte, die er früher gefahren war. Heute nutzt er den Rollator selbstverständlich, bewegt sich mehr, läuft aufrechter und wird regelmäßig darauf angesprochen, weil er einfach anders aussieht als die Modelle, die man sonst kennt. Genau deshalb wollte Claudia Mattheis mit Thomas Appel sprechen. Er beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Mobilität, Hilfsmitteln und selbstbestimmtem Leben. Mit Saljol hat er ein Unternehmen gegründet, dessen Name für „Spaß am Leben, Joy of Life" steht, eine Haltung, die sich durch alles zieht, was das Unternehmen tut: von den Produkten über die Bildsprache bis zu der Frage, wie Menschen möglichst lange selbstständig, aktiv und würdevoll leben können. Die wichtigsten 3 Erkenntnisse aus dem Interview Ab wann ein Rollator wirklich sinnvoll wird: Es gibt konkrete körperliche Signale, lange bevor ein Sturz passiert, die zeigen, dass Unterstützung nötig ist. Warum Design über Akzeptanz entscheidet: Menschen verlieren mit dem Alter oder einer Einschränkung nicht ihren Ästhetiksinn. Genau das entscheidet darüber, ob ein Hilfsmittel genutzt wird oder im Flur stehen bleibt. Wie Angehörige wirklich helfen können: Nicht mit Druck, sondern mit Gelegenheiten zum Ausprobieren und einem genauen Blick auf das persönliche Umfeld. Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Rollator? Die leisen Signale, die der Körper sendet, bevor wir sie wahrhaben wollen Für Thomas Appel beginnt die Geschichte nicht mit einem Rezept vom Arzt, sondern mit kleinen, oft übersehenen Veränderungen im Alltag. Auf die Frage, wie typisch es sei, dass Menschen einen Rollator zunächst ablehnen, so wie es bei ihrem eigenen Vater der Fall war, antwortet Claudia Mattheis' Gast unmissverständlich: „Also die Reaktion ist, glaube ich, weltweit sehr typisch. Niemand akzeptiert den nächsten Schritt, es sei denn, dieser Schritt kommt wirklich sehr dramatisch." Bei manchen Menschen geschieht diese Veränderung schlagartig, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt. Bei den meisten aber schleichend, Tag für Tag ein bisschen weniger Bewegungsradius, ohne dass es bewusst wahrgenommen wird. Ganz praktisch beschreibt Thomas Appel, woran man das erkennt: „Wenn jemand, der zu Hause lebt, anfängt sich zum Beispiel beim Aufstehen aus dem Sessel so langsam hochzuwippen, also ein, zwei, drei Anläufe braucht, bis er dann seine noch vorhandene Muskelkraft mit ein bisschen Schwungkraft dazu bringt, hochzukommen, dann ist das schon ein sicheres Zeichen dafür, dass die Kraft in den Beinen und dem Körper nachlässt." Ein weiteres Warnzeichen ist, wenn sich jemand beim Gehen unbewusst an Möbeln oder Wänden festhält. Spätestens wenn ein Sturz droht oder bereits stattgefunden hat, sollte man über ein Hilfsmittel nachdenken, so Appel. Vorstufen wie ein Gehstock oder Nordic-Walking-Stöcke könnten überbrücken, seien aber weder für Stabilität noch für die richtige Stützhöhe wirklich gemacht. Weitere Infos: • Saljol: https://www.saljol.de/de/ • Thomas Appel aufLinkedIn: https://www.linkedin.com/in/thomas-appel-96600b30/