2 alte wei(s)se Männer

Kirchberg & Reinhard

Sie nennen sich selbstironisch „2 alte weis(s)e Männer“, die noch etwas zu sagen haben: Dr. Thomas Kirchberg, bis zu seinem Ruhestand Vorstandsmitglied eines Industrieunternehmens, und Michael Reinhard, zuletzt 21 Jahre lang Chefredakteur der Main-Post in Würzburg. In ihrer aktuellen Mutmacher-Staffel geht es jeden Freitag um das, was in aufgewühlten Zeiten besonders kostbar ist: Orientierung, Zuversicht und Mut. Wo liegen Lösungen? Was macht Mut? Was gibt konkreten Anlass zur Zuversicht? Antworten darauf suchen die beiden alten wei(s)sen Männer bei Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen, die klug einordnen, Orientierung geben – und für die eine hoffnungsvolle Zukunft keine Utopie ist. Wir lehnen Häme und Verunglimpfung gegenüber Andersdenkenden ab und werben in „2alte wei(s)se Männer“ für Respekt, Toleranz und Offenheit.

  1. Sep 21

    Rangar Yogeshwar: Wahlergebnisse, Veränderungsangst - was jetzt wirklich zählt

    Der 21. September 2026 — einen Tag nach den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Die Ergebnisse sind noch frisch, die Eindrücke noch ungefiltert. Genau in diesem Moment sprechen Michael Reinhard und Thomas Kirchberg mit Ranga Yogeshwar über den großen Umbruch. Und das Gespräch beginnt dort, wo es niemand erwartet: beim Podcasttitel selbst. Yogeshwar — Sohn eines indischen Ingenieurs und einer luxemburgischen Künstlerin — sagt offen, dass er in Zeiten wie diesen manchmal frage, ob seine Hautfarbe anfange, plötzlich relevant zu werden. Es ist ein Moment, der das Gespräch sofort auf eine andere Ebene hebt. Nicht Theorie, sondern gelebte Realität. Was ihr in dieser Folge erfahrt: Veränderung wollen — aber was loslassen? Wir wollen, dass vieles besser wird: wie wir arbeiten, lernen, leben. Aber sobald sich der eigene Alltag verändern soll, wird es schwieriger. Yogeshwar erklärt, warum Veränderung immer auch Verlust bedeutet — und warum das kein Fehler ist, sondern menschlich. Die Wahlergebnisse als Spiegel. Die AfD stärkste Kraft in Mecklenburg-Vorpommern. Die Linke als Wahlsieger in Berlin. Yogeshwar ordnet den AfD-Erfolg ein: Das sei kein isoliertes deutsches Phänomen, sondern Teil einer breiteren europäischen Tendenz — von Frankreich bis Italien. Ein Teil der Bevölkerung sehne sich nach etwas. Nach Stabilität. Nach gesehen werden. Nach nationaler Sortenreinheit. Er nennt es befremdlich — aber nicht überraschend. Der blinde Fleck der Toleranz. Yogeshwar rechnet auch mit einer naiven Selbstwahrnehmung der Mehrheitsgesellschaft ab: Wir dachten, wir seien so multikulturell und tolerant — aber wer wie er einen empfindlicheren Seismographen habe, spürte schon lange, was sich zusammenbraut. Das sei kein Angriff, sondern ein Hinweis. Die Update-Gesellschaft. Yogeshwars Kernbegriff: Wir müssen lernen, uns permanent zu aktualisieren — nicht als Selbstzweck, sondern weil die Welt sich verändert, ob wir wollen oder nicht. Auch Werte bekommen ein Update. Die junge Generation hat andere Werte als die Generation der weißen und weisen Männer. Und das, sagt Yogeshwar, ist völlig okay. Haftung statt Freistempel. Was im Umgang mit KI fehlt: Verantwortung. Niemand dürfe sich einen Freifahrtschein holen und einfach weitermachen. Vom Landesgesetz bis zur europäischen Regulierung — Yogeshwar fordert klare Regeln, Prüfung und Konsequenz. Der Mutmacher-Ausblick. Yogeshwar ist kein ängstlicher Mensch — das betont er selbst. Er glaubt an die Kraft der Offenheit, der Neugier, des Mitgestaltens. Nicht zuschauen, nicht reagieren, wenn andere handeln. Sondern selbst anfangen. Im Kleinen. Jetzt. Über den Gast: Ranga Yogeshwar, geboren 1959 in Luxemburg, ist Diplom-Physiker, Wissenschaftsjournalist und Autor. Bekannt durch „Quarks & Co", „Kopfball" und „Die große Show der Naturwunder". Über 60 Auszeichnungen, darunter Bundesverdienstkreuz und Ehrendoktorwürde der Universität Wuppertal. Vier Kinder, vier Enkelkinder. Über uns Folgt uns auf unseren Social Media Kanälen, abonniert uns, teilt diese Folge: Instagram: https://www.instagram.com/2alteweissemaenner?stkn=bjNsOGxtcHFvZ3Vl&utm_source=qr TikTok: www.tiktok.com/@2awm10 Facebook: https://www.facebook.com/share/1DSrcoToSa/?mibextid=wwXIfr Youtube: https://www.youtube.com/@2alteweisseManner-rw6gw

    Rangar Yogeshwar: Wahlergebnisse, Veränderungsangst - was jetzt wirklich zählt
  2. Sep 17

    Jutta Allmendinger: Ungleichheit ist kein Schicksal. Sie ist die Summe politischer Entscheidungen.

    Zwei Drittel der Deutschen finden, dass es in ihrem Land ungerecht zugeht. Jutta Allmendinger wundert sich, dass es nicht mehr sind. Denn wer die Daten kennt — zu Bildung, Einkommen, Chancen, Erbschaft — der weiß: Ungleichheit in Deutschland ist kein Zufall. Sie ist die Summe politischer Entscheidungen. Und sie wächst. Was ihr in dieser Folge erfahrt: Der Wahltag als Ausgangspunkt. Das Gespräch beginnt mit dem Wahlergebnis aus Sachsen-Anhalt. Allmendinger ist besorgt – wegen möglicher Folgen für Bildung, Wissenschaft, Geschlechtergerechtigkeit und die offene Gesellschaft. Und sie warnt vor einem weiteren Effekt: Andere Parteien könnten sich Sprache und Ton der AfD zunehmend zu eigen machen. Wer glaube, man müsse „mit gleichen Mitteln“ zurückschlagen, begehe einen Fehler. Solche Sprachformen, sagt Allmendinger, könnten sehr schnell zu Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten führen. Warum Ungleichheit wächst. Ungleichheit vererbt sich – über Bildung, aber zunehmend auch über Vermögen. Weil Familien kleiner werden, verteilt sich das Erbe auf weniger Kinder. Immobilien und Vermögen verstärken damit Unterschiede zwischen den Generationen. Allmendinger nennt das „intergenerationale Schließung“ – und hält diesen Zusammenhang für unterthematisiert. Auch im Ost-West-Vergleich spielt das Erbe aus ihrer Sicht eine wichtige Rolle. Warum Kinder keine Lobby haben. Das politisch stärkste Argument: Eltern junger Kinder haben keine politische Macht. Es gibt keine starken Interessensverbände, die so gehört werden wie die Rentenlobby. Auf kaum einem Wahlplakat des letzten Wahlkampfs war die Familie zu sehen. Was jetzt getan werden müsste. Allmendingers klare Forderung: Investitionen in frühe Bildung, nicht in späte Reparatur. Nur 36 Prozent der unter Zweijährigen seien in einer Kita — ausgerechnet die Kinder, die es am meisten bräuchten, seien es am wenigsten. Sprache, Selbstwirksamkeit, Freude am Lernen entstehen in den ersten Lebensjahren. Der Mutmacher-Ausblick. Allmendinger erzählt von Berliner Problemschulen, die in fünf Jahren zu Vorzeigeprojekten wurden. Von einem Land, das alle Ressourcen hätte, gerechter zu werden. Ihr Schlussgedanke: Wir haben keine Erkenntnisdefizite. Wir haben ein Umsetzungsdefizit. Das ist keine schlechte Nachricht — das ist eine Einladung. Über die Gästin: Prof. Dr. Jutta Allmendinger ist Soziologin und Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2007 bis 2024 war sie Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Mitherausgeberin der ZEIT. Autorin von „Es geht nur gemeinsam!" (Ullstein). Unser Buch zur Staffel: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten — was hoffen lässt" ist im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Folgt uns auf unseren Social Media Kanälen, abonniert uns, teilt diese Folge: Instagram: https://www.instagram.com/2alteweissemaenner?stkn=bjNsOGxtcHFvZ3Vl&utm_source=qr TikTok: www.tiktok.com/@2awm10 Facebook: https://www.facebook.com/share/1DSrcoToSa/?mibextid=wwXIfr Youtube: https://www.youtube.com/@2alteweisseManner-rw6gw

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  3. Sep 3

    Ahmad Mansour: Wenn Wut zu Hass wird — Extremismus und die offene Gesellschaft

    Ein Datum, ein Ort, eine Frage, die nicht loslässt. Christopher Street Day, Berlin, Juli 2026. Ein islamistisch motivierter Anschlag auf Menschen, die feiern wollten. Der Täter war bekannt, galt als Hochrisikogefährder — und war trotzdem auf freiem Fuß. Unser heutiger Gast Ahmad Mansour hat anschließend gefragt: Wie lange wollen wir noch wegsehen? Was ihr in dieser Folge erfahrt: Der Anschlag und das Systemversagen. Mansour war nach dem CSD-Anschlag nicht überrascht — er war enttäuscht. Enttäuscht, weil er seit Jahren vor einer Radikalisierungswelle warnt, die für alle sichtbar ist. Er analysiert, was auf mehreren Ebenen gleichzeitig schiefgelaufen ist: Ein Attentäter, der in Berlin aufgewachsen ist und unsere Schulen besucht hat. Ein Hochrisikogefährder, der nach einem versuchten IS-Anschluss mit einer Bewährungsstrafe davonkam. Deradikalisierungskurse als Ersatz für Haft — ein Konzept, das laut Mansour grundlegend falsch gedacht ist. Seine klare These: Deradikalisierung funktioniert nur parallel zur Strafe, nicht als Alternative. Wie Radikalisierung wirklich entsteht — und Mansours eigene Geschichte. Der bewegende Moment dieser Folge: Mansour erzählt, wie er selbst mit 13 Jahren in eine islamistische Gruppe geriet. Er war Streber, wurde gemobbt, saß in seinem Zimmer und weinte. Der Einzige, der es merkte, war der Imam von nebenan — der ihm Halt, Zugehörigkeit und das Gefühl gab, zu einer Elite zu gehören. In fünf Jahren in dieser Gruppe hatte er nicht eine Sekunde das Gefühl, radikal zu sein. Erst an der Universität Tel Aviv, umgeben von Menschen, die nicht seinen Vorurteilen entsprachen, begann der Weg zurück. Seine Botschaft: Radikalisierung entsteht in Leerstellen — dort, wo jemand sucht und niemand antwortet. Außer den Falschen. Das persönliche Gewicht: Leben unter Polizeischutz. Seit über zehn Jahren lebt Mansour unter Personenschutz. Er beschreibt, was das wirklich bedeutet: eine Tochter, die zwei Jahre lang nicht alleine in ihrem Zimmer schlafen wollte. Die tägliche Frage, ob es sich lohnt. Energie, die es jeden Tag kostet, weiterzumachen. Und doch: Er ist dankbar für einen Rechtsstaat, der ihn schützt — und findet Kraft in den Begegnungen mit jungen Menschen in Schulen, die am Ende einer Veranstaltung noch länger bleiben wollen, um weiterzudiskutieren. Der Mutmacher-Ausblick. Krisenzeiten, sagt Mansour, sind auch Zeiten, in denen Chancen entstehen. Demokratie ist nicht selbstverständlich und wird nicht vererbt — sie muss jeden Tag neu erkämpft werden. Wenn Schulen Medienkompetenz lehren, wenn Kinder lernen, zwischen Desinformation und Wahrheit zu unterscheiden, wenn wir wieder anfangen, eine positive Geschichte über dieses Land zu erzählen — dann sind wir auf dem richtigen Weg. Über den Gast: Ahmad Mansour ist Diplom-Psychologe, Extremismusforscher und Autor. Er wurde 1976 als arabischer Israeli geboren, lebt seit 2004 in Berlin. Mansour ist Mitglied des Expertengremiums zur Islamismus-Bekämpfung beim Bundesinnenministerium und Gründer von Mind Prevention. Sein neues Buch „Haltung ohne Hass" ist gerade erschienen. Für seine Arbeit wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Moses-Mendelssohn-Preis und dem Johanna-Eck-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet. Heute begleitet er Familien von radikalisierten Jugendlichen, Aussteiger und verurteilte Terroristen. Unser Buch zur Staffel: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten — was hoffen lässt" ist im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Folgt uns, abonniert uns, teilt diese Folge — und bleibt streitlustig, kritisch und zuversichtlich.

    Ahmad Mansour: Wenn Wut zu Hass wird — Extremismus und die offene Gesellschaft
  4. Aug 21

    Benjamin Höhne: Was eine AfD-Regierung bedeuten würde

    Der 6. September 2026 ist kein abstraktes Datum. An diesem Tag wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag — und die Umfragen sehen die AfD mit rund 41 Prozent als klare Favoritin. Das wäre mehr als eine Verdoppelung des Ergebnisses von 2021. Erstmals seit 1945 steht Deutschland vor der Möglichkeit, dass eine Partei, deren Landesverband vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft ist, Regierungsverantwortung auf Landesebene übernimmt. Michael Reinhard und Thomas Kirchberg sprechen in dieser Folge mit Benjamin Höhne, Politikwissenschaftler an der TU Chemnitz und einem der profiliertesten Kenner ostdeutscher Politik. Höhne forscht zu Parteien, Populismus und dem Regierungssystem der Bundesrepublik — mit besonderem Fokus auf Ostdeutschland. Er ist in Lutherstadt Wittenberg geboren, kennt Sachsen-Anhalt von innen — und analysiert die Lage nüchtern, ohne zu dramatisieren oder zu verharmlosen. Was ihr in dieser Folge erfahrt: Wie wahrscheinlich ist eine AfD-Regierung — und in welcher Form? Höhne erklärt, warum die AfD trotz 41 Prozent Stimmenanteil keine absolute Stimmenmehrheit braucht, um eine absolute Mandatsmehrheit zu erringen — und welche Rolle das BSW dabei spielt. Er schildert drei mögliche Szenarien: AfD-Alleinregierung, AfD mit BSW-Unterstützung, CDU-Minderheitsregierung — und was jeweils dafür und dagegen spricht. Was eine AfD-Regierung konkret verändern würde: Nicht die Migrationspolitik — die ist Bundesangelegenheit. Sondern die Bereiche, die tatsächlich Ländersache sind: innere Sicherheit, Bildung, Kultur, Wissenschaft. Höhne benennt konkret: geplante „Bürgerwehren“ beim Ordnungsamt, ein „Corona-Tribunal" für Richter und Beamte, Abschaffung der Schulpflicht, Eingriffe in Hochschulberufungen, Kürzung der Zivilgesellschaftsfinanzierung — und den erklärten Angriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Schützt uns das Grundgesetz — oder droht der Ungarn-Effekt? Höhne differenziert: Deutschland ist eine Konsensdemokratie mit vielen Vetospielern — das macht schnelle Machtübernahmen schwierig. Aber: Verfassungsinstitutionen sind nur so stark wie ihr Rückhalt in der Bevölkerung. Und der ist im Osten strukturell schwächer — nicht weil Ostdeutsche per se rechtsextremer eingestellt wären, sondern weil Zivilgesellschaft, Kirchen und Gewerkschaften dort weniger tief verwurzelt sind. Was die Demokratie stark macht — und was jetzt zu tun ist: Höhne plädiert für eine deutlich stärkere Brandmauer, kritisiert Medien für die Normalisierung der AfD durch zu viele Talkshow-Einladungen und warnt davor, AfD-Themen zu übernehmen — das stärkt die Originale, nicht die Kopien. Und er macht einen konkreten Vorschlag: Wer noch Zeit hat, soll nach Sachsen-Anhalt fahren und vor Ort für demokratische Parteien werben. Der Mutmacher-Ausblick: Höhne glaubt, dass viele Menschen — auch solche, die Rechtsaußen gewählt haben — spüren, dass einfache Konzepte die großen Herausforderungen nicht lösen. Eine vielfältige Gesellschaft bringt die besten Voraussetzungen für neue Ideen. Parteien müssen mutiger werden. Und die Zivilgesellschaft muss sie dabei begleiten — und darf sie nicht allein lassen. Unser Buch zur Staffel: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten — was hoffen lässt" ist im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Folgt uns, abonniert uns, teilt diese Folge — und bleibt streitlustig, kritisch und zuversichtlich.

    Benjamin Höhne: Was eine AfD-Regierung bedeuten würde
  5. Jul 30

    Julia Reuschenbach: Kann wertschätzende Debattenkultur unsere Demokratie stärken?

    Warum fällt es uns immer schwerer, miteinander zu streiten, ohne uns gegenseitig abzuwerten? Weshalb werden Kompromisse heute oft als Schwäche verstanden – obwohl sie das Herzstück jeder Demokratie sind? Und wie können wir wieder zu einer Debattenkultur finden, die verbindet statt spaltet? Darüber sprechen wir mit Julia Reuschenbach, Politikwissenschaftlerin, Demokratieforscherin und Expertin für Parteien, politische Kommunikation und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gemeinsam mit dem Journalisten Korbinian Frenzel hat sie das Buch „Defekte Debatten – Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen“ veröffentlicht. Im Gespräch erklärt Julia Reuschenbach, warum Debatten nicht deshalb scheitern, weil wir unterschiedliche Meinungen haben, sondern weil wir immer häufiger in Feindbildern statt in Argumenten denken. Sie beschreibt, weshalb Verantwortung nicht nur bei Politikerinnen und Politikern liegt, sondern ebenso bei Medien und bei uns allen als Teil der Öffentlichkeit. Dabei geht es nicht nur um die Diagnose. Julia Reuschenbach zeigt auch Wege auf, wie demokratische Debatten wieder gelingen können: durch mehr analoge Begegnungen, ehrliche Kompromissbereitschaft, politische Verantwortung und die Bereitschaft, Komplexität auszuhalten. In dieser Folge geht es um: Warum Debatten heute häufig schon beginnen, bevor überhaupt Argumente ausgetauscht werden. Weshalb Verantwortung bei Politik, Medien und Bürgerinnen und Bürgern liegt. Warum Kompromisse keine Niederlagen, sondern demokratische Stärke sind. Weshalb analoge Begegnungen Polarisierung abbauen können. Warum Vereinfachung selten gute Politik hervorbringt. Wie wir wieder lernen können, fair zu streiten, ohne den anderen zum Gegner zu machen. Ein Gespräch über Streitkultur, Verantwortung, Demokratie – und darüber, warum guter Streit nicht trennt, sondern die Grundlage einer lebendigen Demokratie ist. 📖 BuchtippJulia Reuschenbach & Korbinian Frenzel: Defekte Debatten – Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen Suhrkamp Verlag Wenn Sie unsere Gespräche auch jenseits des Podcasts nachlesen möchten: Unser neues Buch ist erschienen: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten – was hoffen lässt“ Jetzt im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert 2 alte wei(s)se Männer, teilt den Podcast und folgt uns in den sozialen Medien: Instagram https://www.instagram.com/2alteweissemaenner?igsh=bjNsOGxtcHFvZ3Vl&ut  Facebook https://www.facebook.com/share/16qwKMqsxZ/?mibextid=wwXIfr Youtube https://youtube.com/@2alteweissemanner-rw6gw?si=DyDKBPUF3KohcL

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  6. Jul 16

    Harald Welzer: Warum Demokratie mehr Gefühle braucht als gute Argumente

    Unsere Demokratie steht unter Druck. Viele Menschen haben das Gefühl, dass Vertrauen schwindet, gesellschaftlicher Zusammenhalt brüchig wird und Politik die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger nicht mehr erreicht. Doch woran liegt das eigentlich? Und was macht trotzdem Hoffnung? Darüber sprechen wir mit Harald Welzer, Soziologe, Sozialpsychologe, Publizist und einer der bedeutendsten Gesellschaftsdenker im deutschsprachigen Raum. Sein zentraler Gedankengang: Demokratie lebt nicht allein von Institutionen oder Argumenten – sie lebt von Vertrauen, Zugehörigkeit und Zuversicht. Im Gespräch erklärt Welzer, warum Angst zwar das stärkste politische Gefühl ist, warum Populisten genau davon profitieren und weshalb demokratische Politik die emotionale Ebene häufig unterschätzt. Er beschreibt, wie schleichend Erwartungssicherheit verloren gegangen ist, warum viele Menschen sich von der Politik nicht mehr verstanden fühlen und weshalb Vertrauen die eigentliche Währung einer funktionierenden Demokratie ist. Doch dieses Gespräch bleibt nicht bei der Diagnose stehen. Harald Welzer zeigt auch, warum unsere Gesellschaft sehr viel widerstandsfähiger ist, als sie oft erscheint. Er spricht über die enorme Kraft des Ehrenamts, über sein Projekt „Wohnzimmer der Gesellschaft“, über Orte der Begegnung und darüber, warum wir wieder viel häufiger Geschichten des Gelingens erzählen sollten. In dieser Folge geht es unter anderem um: Warum Angst politisch so wirkungsvoll ist Weshalb Vertrauen wichtiger ist als perfekte Programme Warum Populisten von den Fehlern der anderen leben Die stille Stärke der demokratischen Mehrheit Wie Begegnung Einsamkeit und Polarisierung überwinden kann Weshalb wir mehr über das Gelingen unserer Gesellschaft sprechen sollten Ein Gespräch über Demokratie, Vertrauen, Gemeinschaft – und darüber, warum Zuversicht keine naive Haltung, sondern eine gesellschaftliche Ressource ist. Buchtipp 📖 Harald Welzer: Das Haus der Gefühle Warum Demokratie nicht nur von Vernunft, sondern vor allem von Vertrauen, Zugehörigkeit und gemeinsamen Gefühlen lebt. Verlag: S. FISCHER, 304 Seiten. Wenn Sie unsere Gespräche auch jenseits des Podcasts nachlesen möchten: Unser neues Buch ist erschienen: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten – was hoffen lässt“ Jetzt im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert 2 alte wei(s)se Männer, teilt den Podcast und folgt uns in den sozialen Medien: Instagram https://www.instagram.com/2alteweissemaenner?igsh=bjNsOGxtcHFvZ3Vl&ut  Facebook https://www.facebook.com/share/16qwKMqsxZ/?mibextid=wwXIfr Youtube https://youtube.com/@2alteweissemanner-rw6gw?si=DyDKBPUF3KohcL

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  7. Jul 2

    Tim Breitbarth: Warum Nachhaltigkeit mehr sein muss als ein Versprechen

    Unternehmen stehen längst unter Dauerbeobachtung: von Kundinnen und Kunden, Mitarbeitenden, Medien, NGOs, Politik und Investoren. Wer Verantwortung verspricht, muss zeigen können, was davon wirklich im Geschäftsmodell steckt — und was nur Kommunikation ist. In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“ sprechen Michael Reinhard und Thomas Kirchberg mit Tim Breitbarth, Professor für Nachhaltiges Management und Corporate Social Responsibility an der CBS International Business School in Köln. Tim Breitbarth macht deutlich: Unternehmen müssen nicht perfekt sein. Aber sie müssen sich ernsthaft mit ihrer Verantwortung auseinandersetzen. Entscheidend ist, ob Nachhaltigkeit im Unternehmen wirklich verankert ist — in Strategie, Lieferketten, Kommunikation, Kultur und alltäglichem Handeln. Ein zentrales Thema ist der Konflikt zwischen Kurzfristigkeit und Langfristigkeit. Gerade in Krisenzeiten geraten langfristige Fragen wie Klimaschutz, ökologische Grenzen und gesellschaftliche Verantwortung schnell unter Druck. Breitbarth warnt davor, diese Themen beiseitezuschieben: Die Probleme verschwinden nicht, nur weil sie politisch gerade weniger prominent diskutiert werden. Außerdem geht es um die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeitskommunikation. Wann ist sie seriös? Wann wird sie Greenwashing? Und wie können Unternehmen offen über Ziele sprechen, auch wenn sie noch nicht alles erreicht haben? Der Mutmacher dieser Folge: Nachhaltigkeit ist nicht nur Risiko, Pflicht oder Berichtswesen. Sie kann Unternehmen widerstandsfähiger, innovativer und glaubwürdiger machen — wenn sie ernsthaft gelebt wird. Wenn Sie unsere Gespräche auch jenseits des Podcasts nachlesen möchten: Unser neues Buch ist erschienen: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten – was hoffen lässt“ Jetzt im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert 2 alte wei(s)se Männer, teilt den Podcast und folgt uns in den sozialen Medien: Instagram https://www.instagram.com/2alteweissemaenner?igsh=bjNsOGxtcHFvZ3Vl&ut  Facebook https://www.facebook.com/share/16qwKMqsxZ/?mibextid=wwXIfr Youtube https://youtube.com/@2alteweissemanner-rw6gw?si=DyDKBPUF3KohcL

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  8. Jun 18

    Sabine Pfeiffer: Kollege KI oder Jobkiller – wie bedroht unsere Arbeitsplätze sind

    Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt – aber sie tut es anders, als viele Schlagzeilen vermuten lassen. In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“ sprechen Michael Reinhard und Thomas Kirchberg mit Prof. Dr. Sabine Pfeiffer über KI zwischen Hype, Hoffnung und Jobangst – und darüber, warum die Zukunft der Arbeit nicht allein von Algorithmen entschieden wird.   Sabine Pfeiffer ist Professorin für Soziologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Technik, Arbeit, Digitalisierung und gesellschaftlichem Wandel. Ihr Blick auf KI ist wohltuend nüchtern: Weder Technikrausch noch Untergangsstimmung helfen weiter. Entscheidend ist, was KI in konkreten Arbeitsprozessen tatsächlich leisten kann – und was ihr im Moment nur zugeschrieben wird.   Gleich zu Beginn widerspricht Pfeiffer einer verbreiteten Erzählung: Die optimistische und die dystopische Sicht auf KI hätten oft denselben Kern – beide gingen davon aus, KI sei allmächtig. Für Pfeiffer liegt genau darin die größte Fehleinschätzung: Wir überschätzen häufig, was KI kann, und unterschätzen gleichzeitig die Komplexität menschlicher Arbeit. Viele Tätigkeiten bestehen eben nicht nur aus klar abgrenzbaren Routinen, sondern aus Erfahrungswissen, Improvisation, Verantwortung, Kommunikation und situativem Können.   Im Gespräch wird deutlich: Unternehmen gehen sehr unterschiedlich mit KI um. Manche warten ab, andere probieren fast alles aus, was der Markt anbietet. Besonders kritisch sieht Pfeiffer Projekte, die nicht mit der Frage beginnen: Welches Problem wollen wir eigentlich lösen? Stattdessen werde häufig ein Tool eingeführt und erst danach nach einem passenden Anwendungsfall gesucht. So entstünden viele teure Pilotprojekte, die über einen „Proof of Concept“ nicht hinauskommen.   Ein zentraler Punkt der Folge: KI ersetzt selten ganze Berufe, sondern verändert Tätigkeiten. Das klingt nach Entwarnung, ist aber keine Verharmlosung. Denn Arbeit verändert sich ständig – durch Technik, Organisation, Märkte und neue Anforderungen. Entscheidend ist, ob Beschäftigte auf eine einzelne Tätigkeit reduziert sind oder ob ihr Beruf aus vielen Facetten besteht. Je breiter, erfahrungsreicher und vielfältiger Arbeit organisiert ist, desto weniger lässt sie sich einfach automatisieren.   Der Mutmacher dieser Folge liegt in Pfeiffers Vertrauen in die Menschen. Deutschland habe mit seiner beruflichen Ausbildung eine enorme Stärke: Millionen Beschäftigte, die Praxis und Theorie verbinden, Fachwissen mit Erfahrung koppeln und Veränderungen im Alltag konkret bewältigen. Oft könnten Menschen mehr, als sie an ihrem Arbeitsplatz zeigen dürfen. Genau darin sieht Pfeiffer einen großen Grund zur Zuversicht.   Wenn Sie unsere Gespräche auch jenseits des Podcasts nachlesen möchten: Unser neues Buch ist erschienen: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten – was hoffen lässt“ Jetzt im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert 2 alte wei(s)se Männer, teilt den Podcast und folgt uns in den sozialen Medien: Instagram https://www.instagram.com/2alteweissemaenner?igsh=bjNsOGxtcHFvZ3Vl&ut  Facebook https://www.facebook.com/share/16qwKMqsxZ/?mibextid=wwXIfr Youtube https://youtube.com/@2alteweissemanner-rw6gw?si=DyDKBPUF3KohcL

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