Das Wort zum Schabbat

Ricklef Münnich || ahavta - Begegnungen

Mit Rosch HaSchana, dem Neujahrsfest im Herbst, beginnt das jüdische Jahr. Die Festtage des Volkes Israel sind gemäß der Gebote der Tora festgelegt. Die Zeit aber wird vom Schabbat, dem siebenten Tag der Woche, strukturiert. Ihn hat Gott selbst mit der Schöpfung der Welt eingeführt. Am Schabbat wird in den Synagogen ein Stück der Tora vorgelesen. Die Wochenabschnitte führen das Jahr über durch die fünf Bücher Mose. Das Ende und zugleich der neue Anfang der Lesungen ist an Simchat Tora, dem Fest der Tora-Freude zum Abschluss des Laubhüttenfestes. Bei ahavta - Begegnungen erklärt immer Freitags ein Rabbiner, Kantor oder Lehrer den jeweiligen Tora-Abschnitt. Die Video-Aufnahmen findest du bei https://plus.ahavta.com und auch bei YouTube unter https://youtube.com/@ahavta. plus.ahavta.com

  1. Schabbat Pinchas || Wenn Eifer belohnt und begrenzt wird

    1d ago

    Schabbat Pinchas || Wenn Eifer belohnt und begrenzt wird

    Rabbiner Andrew Steiman entfaltet in seiner Auslegung zum Wochenabschnitt Pinchas (4. Mose 25,10-30,1) die tiefe Ambivalenz der Figur Pinchas. Der Enkel Aarons handelt am Ende des vorigen Abschnitts Balak im Affekt: Er durchbohrt den Fürsten Simri und die Midianiterin mit einem Speer. Damit endet eine Seuche, an der 24.000 Menschen sterben. Der Talmud betont, ein irdisches Gericht hätte diese Tat niemals erlaubt – und dennoch belohnt Gott Pinchas mit seinem Friedensbund (Brit Schalom). Steiman ordnet dies in die vorangehende Erzählung ein: Der heidnische Prophet Bileam erkennt die Schönheit der israelitischen Zelte, die so angeordnet sind, dass Privatsphäre und damit eine befreite, private Sexualität möglich werden – eine echte Revolution gegenüber der ägyptischen Herrschaftsordnung, in der Sexualität öffentlich und ein Machtinstrument ist. Bileam rät deshalb, Israel durch midianitische Frauen zu verführen und so in die alte Sklavenmentalität zurückzuwerfen. Simris öffentlicher Akt macht das Private wieder politisch – hier setzt Pinchas’ Eifer an. Der Rabbiner deutet den Lohn als Mahnung: Die Tat soll einmalig bleiben. Gott selbst eifert nur ungern; der Friedensbund soll Pinchas beruhigen, damit sich religiöser Extremismus nicht wiederholt. Der Abschnitt verbindet dies mit weiteren Themen: verschiedene Formen des Erbes, die drei Kronen (Königtum, Priestertum, Tora), das egalitäre Erbrecht der Töchter Zelofchads sowie die Nachfolge Moses durch Josua. Nach dem Targum Jonatan wird Pinchas kurzzeitig zum Engel und gilt als Vorläufer des Elija und Ankündiger der Erlösung – ein messianischer Bezug. Im Dialog zieht Ricklef Münnich die Parallele zu Johannes dem Täufer, ebenfalls einem Eiferer und Wegbereiter, der jedoch nicht tötet, sondern selbst getötet wird. Zum 250. Jubiläum der USA schlägt Steiman den Bogen zur Gegenwart: Sexualität bleibt hochpolitisch. Der Abschnitt zeigt jedoch, dass Umkehr und Tikkun Olam möglich sind – die Rückkehr zu einer freien, heiligen, privaten Ordnung. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

    48 min
  2. Schabbat Chukkat & Balak || Der Fels, der Stab und ein hartes Urteil

    Jun 26

    Schabbat Chukkat & Balak || Der Fels, der Stab und ein hartes Urteil

    Im Doppelabschnitt Chukkat-Balak (4. Mose 19,1–25,9) widmet sich Rabbiner Alexander Nachama der bewegenden Frage, warum Mosche und Aaron das verheißene Land nicht betreten dürfen. Den Auftakt bildet das Gesetz der roten Kuh, deren Asche zur Reinigung dient und deren Fehlen heute als Hindernis für einen neuen Tempel gilt. Im Zentrum steht jedoch Kapitel 20. Mit dem Tod Miriams beginnt der Abschnitt traurig. Der Raschbam deutet die ausdrückliche Erwähnung ihres Begräbnisses: Miriam ist die Erste, die wieder ein reguläres Begräbnis erhält und nicht mehr am Tischa BeAw stirbt. Damit ist die erste, aus Ägypten ausgezogene Generation vollständig verstorben — vierzig Jahre sind vergangen, eine neue Generation tritt an. Doch die Hoffnung trügt: Es fehlt an Wasser, und einem Midrasch zufolge versiegt mit Miriams Tod die mitwandernde Quelle. Das Volk hadert mit den alten Vorwürfen. Gott gebietet Mosche, mit dem Stab zum Felsen zu reden, damit dieser Wasser gebe. Stattdessen schilt Mosche das Volk als ungehorsam und schlägt den Felsen zweimal. Wasser fließt, doch das Urteil folgt: Beide dürfen das Land nicht betreten, weil sie Gott nicht vertraut haben. Nachama bietet mehrere Deutungen an: Mosche handelt aus Zorn und Enttäuschung über die unveränderte neue Generation; er greift aus Unsicherheit zur erprobten Methode des Schlagens (Raschi); oder er schützt Israel sogar bewusst vor einer Anklage und opfert dabei seine eigene Zukunft. Aaron wird mitbestraft, weil er nicht einschreitet. Die tröstliche Erkenntnis: Selbst Mosche und Aaron sind fehlbare Menschen, die nicht alle Ziele erreichen. Ich ergänze, dass schon Psalm 106 die unbedachten Worte am Haderwasser benennt. Ich weise auf das Grab am Wadi Zin und die Quelle Ein Avdat hin und ziehe eine christliche Parallele: Der aus dem grünen Holz des Kreuzes Hervorgegangene kann selbst als eine mitwandernde Quelle lebendigen Wassers gesehen werden. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

    26 min
  3. Schabbat Korach || Wenn Streit nur der Macht dient

    Jun 19

    Schabbat Korach || Wenn Streit nur der Macht dient

    Im Wochenabschnitt Korach (4. Mose 16–18) zettelt Korach, ein Mitglied des Stammes Levi, einen Aufstand gegen die von Gott berufene Führung des Mose an. Rabbiner Dr. Daniel Katz betont, dass Korach kein sachliches Anliegen vorbringt: Er hat keine Vorschläge und keine Ideen, sondern will allein selbst an die Spitze. Anders als Jitro, der Mose im 2. Buch Mose hilfreiche Verbesserungen empfiehlt, geht es Korach nicht um die Sache, sondern um die eigene Macht. Aus Eifersucht distanziert er sich von Mose – und damit zugleich von Gott. Am Ende öffnet sich die Erde und verschlingt Korach und seine Rotte. Rabbiner Katz deutet den Abschnitt mit zwei Texten aus den Sprüchen der Väter (Pirké Awot). Der erste unterscheidet zwei Arten von Streit: Ein Meinungsstreit „um des Himmels willen“ (le-schem Schamajim) hat Bestand, ein Streit ohne dieses Ziel nicht. Vorbild ist der Disput zwischen Hillel und Schammai – zwei Gelehrte, die unterschiedlich denken, aber gemeinsam die Wahrheit suchen und einander achten. Die Tradition folgt fast immer Hillel, überliefert aber stets auch Schammais Meinung. Korach dagegen steht für den leeren, rein persönlichen Streit, der nur dem eigenen Geltungsdrang dient. Parallel dazu steht die Lehre über die Liebe: Eine Liebe, die an eine Bedingung geknüpft ist (Amnon und Tamar), vergeht; eine bedingungslose Liebe (David und Jonathan) bleibt ewig. Ein zweiter Text (Pirké Awot 5,9) nennt zehn Dinge, die Gott in der Dämmerung vor dem ersten Schabbat schuf – darunter die Öffnung der Erde, die Korach verschlingen wird. Schon in der Schöpfungswoche bereitet Gott also dieses außergewöhnliche Ereignis vor. Im Gespräch frage ich, wo heute ein Streit „um der himmlischen Wahrheit willen“ zu finden sei. Katz verweist auf rabbinische Ausschüsse, die Minderheitsmeinungen mitveröffentlichen, räumt aber ein, dass Spaltung und mangelnder Respekt – im Judentum wie in der Gesellschaft – heute oft den Korach-Weg begünstigen. Sein Plädoyer: bedingungslose Liebe und ein Streit mit Substanz statt leerer Selbstdarstellung. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

    53 min
  4. Schabbat Schlach lecha || Schaufäden gegen die Angst

    Jun 12

    Schabbat Schlach lecha || Schaufäden gegen die Angst

    Rabbiner Andrew Steiman vertritt im Gespräch mit mir den schwer erkrankten Walter Rothschild, dem wir beide eine rasche Genesung wünschen. Steiman erschließt den Wochenabschnitt Schlach lecha (4. Mose 13–15) vom Ende her: dem Gebot der Zizit, der Schaufäden an den Ecken des Gewands. Anschaulich zeigt er verschiedene Schaufäden und den Gebetsschal und entschlüsselt ihre Zahlensymbolik – fünf Knoten und acht Fäden ergeben dreizehn, das Alter religiöser Mündigkeit. Der himmelblaue Faden (Techelet) verweist auf eine kostbare, aus einer Meeresschnecke gewonnene Farbe, deren Herstellung lange vergessen war und heute in Israel wieder gelingt. Die Schaufäden sollen den Blick lenken, an die Gebote erinnern und vor Versuchung bewahren – ein Gedanke, den Steiman mit dem Schma Israel und der Rolle des Sehens und Hörens verbindet. Vom Namenswechsel des Joschua (zuvor Hoschea) schlägt er die Brücke zur Kundschafter-Erzählung: Identität und Verantwortung. Bewusst beginnt er mit den beiden Helden Joschua und Kaleb, nicht mit den zehn Versagern. Die zehn Kundschafter, allesamt Führungspersönlichkeiten, fürchten sich – nicht vor dem Scheitern, sondern, so der Lubawitscher Rebbe, vor dem Erfolg und der damit verbundenen Verantwortung. Sie verwechseln Selbst- und Fremdbild und übersehen, dass die Kanaaniter längst Angst vor ihnen haben. Lieber verharren sie in der bequemen Versorgung der Wüste, als ein eigenes Gemeinwesen aufzubauen. Daraus entwickelt Steiman eine psychologische und politische Deutung: Mit Rabbi Jonathan Sacks spricht er vom wachsenden gegenüber dem resignierenden „Mindset“. Die Verweigerung von Verantwortung vergleicht er mit der Versorgung durch die UNRWA und dem vererbten Flüchtlingsstatus, der Würde verhindere. Der erste Schritt zum Frieden sei, Menschen würdevoll zu behandeln und ihnen eine eigene Identität zuzutrauen – wie Joschua und Kaleb. Die Bibel, so sein Fazit, bleibt hochaktuell. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

    49 min
  5. Schabbat Behaalotcha || Keine Sonderregeln – nicht einmal für Mose

    Jun 5

    Schabbat Behaalotcha || Keine Sonderregeln – nicht einmal für Mose

    Kantor Amnon Seelig erläutert im Gespräch mit mir, warum die Tora ihren Stoff mehrfach erzählt. Nichts darin ist überflüssig – Wiederholungen sind nie wörtlich identisch, und gerade in den Unterschieden und Ähnlichkeiten suchen die Weisen die tiefere Bedeutung. Schon das fünfte Buch trägt den Namen „Mischne Tora“, Wiederholung der Tora. Im Zentrum des Wochenabschnitts Behaalotcha (4. Mose 8–12) steht die „kuschitische Frau“ des Mose (12,1). „Kuschitisch“ verweist auf Kusch, die Region um das heutige Äthiopien; im modernen Hebräisch wurde „Kuschi“ zu einem abwertenden Wort. Mit heutigen Augen wirkt der Tadel von Mirjam und Aaron rassistisch. Die rabbinische Tradition liest die Stelle jedoch anders: Der Midrasch deutet „Kuschit“ über den nahezu gleichen Zahlen- und Buchstabenwert um – es handle sich um Zippora, Moses einzige Frau aus Midian. Mirjam bemerkt, dass diese keinen Schmuck trägt, und erkennt, dass Mose seine eheliche Pflicht vernachlässigt. Raschi versteht „Kuschit“ als Hinweis auf außergewöhnliche Schönheit, ebenso über den Zahlenwert. Der eigentliche Vorwurf lautet also: Mose sondert sich von seiner Frau ab. Mirjam und Aaron, selber Propheten, halten ihm entgegen: Gott spricht auch mit ihnen, ohne dass sie enthaltsam leben müssen. Daraus folgt eine zentrale Einsicht – im Judentum gelten dieselben Regeln für alle, auch für den größten Propheten. Anders als bei Königen der Antike, die über dem Gesetz standen, oder Salomo, der als König die Tora missachtete, ist niemand ausgenommen. Es gibt kein Zölibat und keine Mönche; Heiraten und Kinderzeugen sind die erste Mizwa. Abravanel betont: Selbst der bescheidenste Mensch darf sich der menschlichen Natur nicht entziehen. Seelig warnt zugleich davor, Texten von vor 3500 Jahren moderne Sichtweisen zu unterstellen. Ich schließe (daraus): Wir nehmen uns selbst oft zu wichtig – darum lohnt es, die viel ältere rabbinische Tradition zu hören. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

    24 min
  6. Schabbat Nasso || Segen, der verbindet

    May 29

    Schabbat Nasso || Segen, der verbindet

    Rabbiner Prof. Dr. Jehoschua Ahrens legt heute den Wochenabschnitt Nasso aus – mit 176 Versen der längste Abschnitt der Tora. Er schlägt zunächst einen Bogen über den gesamten Text: die drei Levitenfamilien mit ihren unterschiedlichen Aufgaben am Mischkan, die Geschenke der Stammeshäupter und schließlich der Priestersegen. Alle diese Themen kreisen für ihn um eine zentrale Spannung: das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft. Jeder Mensch zählt, jede Begabung wird gebraucht, und gerade in der Vielfalt der Talente und Meinungen – einem „Streit um des Himmels willen“ – wächst Gemeinschaft. Ausführlich erschließt Ahrens das Birkat Kohanim, den „Priestersegen“ (4. Mose 6,22–27). Er beschreibt die heutige liturgische Praxis – aschkenasisch nur an Feiertagen durch den Vorbeter, sephardisch und in Israel täglich durch die Kohanim selbst – ebenso wie die Tempel-Tradition mit den zwölf Stufen, der ausgesprochenen Nennung des Gottesnamens und der bekannten Handhaltung, die übrigens auch den Vulkaniergruß in Star Trek inspiriert hat. Entscheidend ist ihm: Der Segen kommt von Gott, die Priester sind nur Werkzeug. Mit Samson Raphael Hirsch betont er zudem, dass die Gemeinde den Segen durch den Mund der Priester gleichsam über sich selbst ausspricht – Judentum als demokratische, von unten getragene Spiritualität. Mit Mark Breuer entfaltet Ahrens die drei Dimensionen des Segens: Gottes Hut bewahrt nicht nur vor Armut und Gefahr, sondern auch vor der Versuchung des Reichtums, der den Menschen nicht besitzen soll. Gottes Barmherzigkeit schenkt inneren Frieden, der nach außen wirkt. Und Schalom ist kein bloßes Schweigen der Waffen, sondern aktive Handlung – Ganzheit, Harmonie und gemeinsames Aufbauen einer Gesellschaft, in der jeder mit seinem Können beitragen kann. Schalom umfasst die Familie (Schlom Bajit), die Gemeinschaft und die Beziehung zu Gott. Abschließend ergänze ich den archäologischen Befund der Amulette von Ketef Hinnom (6./7. Jh. v.u.Z.) und verweise auf die verbindende Kraft des Priestersegens zwischen Judentum und Christentum. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

    25 min
  7. Schabbat am Wochenfest || Wenn der Himmel die Tora schenkt

    May 22

    Schabbat am Wochenfest || Wenn der Himmel die Tora schenkt

    Rabbiner Dr. Daniel Katz ordnet das Wochenfest Schawuot in den jüdischen Festkalender ein. Er erläutert, dass das Judentum sechs Hauptfeste kennt: den wöchentlichen Schabbat als Erinnerung an die Schöpfung, die beiden hohen Herbstfeiertage Rosch haSchana und Jom Kippur sowie die drei Pilgerfeste – die Schalosch Regalim –, zu denen man im Altertum nach Möglichkeit zu Fuß nach Jerusalem zog: Pessach und Schawuot im Frühjahr und Sukkot im Herbst. Schawuot bedeutet auf Hebräisch schlicht „Wochen”. Das Fest schließt das siebenwöchige Zählen der Omertage ab, das am zweiten Pessachtag beginnt: siebenmal sieben Tage, also fünfzig. Anders als Pessach oder Sukkot wird Schawuot in der Tora wenig konkret beschrieben. Es ist Erntefest des späten Frühlings – und vor allem das Fest der Tora-Gabe am Berg Sinai. Diese Übergabe ist keineswegs selbstverständlich gewesen: Die aus Ägypten befreiten Sklaven haben nicht erwartet, dass Gott ihnen die Tora schenkt. Gelesen werden die „Zehn Worte” – im Judentum nicht „Gebote”, denn die Tora kennt 613 Mitzwot, weil das Leben sich nicht in zehn Regeln fassen lässt. Zur Liturgie gehören die Megillat Rut, eine der fünf biblischen Festrollen, deren Erntegeschichte in diese Jahreszeit passt und über Boas zu König David führt, sowie die aramäische Hymne „Akdamut Milin” mit ihren neunzig Versen und der Vision eines messianischen Festmahls der Gerechten. Kulinarisch prägt das Bild vom Land, „in dem Milch und Honig fließen”, die Feiertafel: Milchspeisen und vielfältige Käsekuchen werden traditionell gegessen, da Milchiges und Fleischiges nach biblischer Diät getrennt bleiben. In diesem Jahr fällt der zweite Tag Schawuot auf den Schabbat, sodass die wöchentliche Tora-Lesung unterbrochen wird und Sonderlesungen Vorrang haben. Im abschließenden Gespräch zieht Ricklef Münnich eine Parallele zum christlichen Pfingstfest: Apostelgeschichte 2 führt ebenso wie Schawuot zur Tora zurück – eine verbindende Erinnerung an die Gabe vom Sinai. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

    31 min
  8. Schabbat Bamidbar || Die Wüste gehört allen

    May 15

    Schabbat Bamidbar || Die Wüste gehört allen

    Rabbiner Andrew Steiman entfaltet im Gespräch den Wochenabschnitt Bamidbar (4. Mose 1,1–4,20), der mit einer großen Volkszählung Israels in der Wüste Sinai beginnt. Warum, fragen die rabbinischen Lehrer, wird die Tora gerade in der Wüste gegeben? Weil die Wüste niemandem gehört – und damit allen. Sie ist ein Lehrraum, frei von den Ideologien der jeweiligen Herrscher und Hauptstädte. Die Wahrheit der Tora bleibt unverfügbar, sie lässt sich nicht ideologisch vereinnahmen. Eine Midrasch-Legende, die zum bevorstehenden Wochenfest Schawuot passt, erzählt vom Berg Sinai: Während Karmel, Tabor und andere Berge um die Ehre der Toraoffenbarung wetteifern, schweigt der unscheinbare Sinai. Gerade deshalb wird er erwählt – und dort, wo Mose mit der Tora hinabsteigt, beginnt es zu sprießen und zu grünen. Tora ist Leben. Aus diesem Grund schmücken Gemeinden ihre Synagogen zu Schawuot mit Pflanzen. Im Zentrum der Auslegung steht die Spannung zwischen Demografie und Mathematik einerseits und dem inneren Zusammenhalt eines Volkes andererseits. Bamidbar beginnt mit einer Kopf-für-Kopf-Zählung nach Familien und Stammhäusern – Bezüge, die das bloße Zahlenwerk mit Leben füllen. Anknüpfend an eine aktuelle Rede des Bundeskanzlers warnt Steiman: Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge. Wo nur gerechnet wird und der Bezug zueinander fehlt, zerfasert eine Gesellschaft. Die zugehörige Haftara aus Hosea öffnet die Perspektive: Es wird eine Zeit kommen, da die Kinder Israels „wie Sand am Meer“ unzählbar sein werden – nicht nach Köpfen, sondern nach ihrem Tun, nach Mizwot, nach Gerechtigkeit. Beim täglichen Anlegen der Tefillin sprechen Juden Hoseas Worte mit: „Ich traue dich mir an in Gerechtigkeit und Recht, in Liebe und Erbarmen, in Treue – und du wirst den Ewigen erkennen.“ In einer Zeit, in der die Wahrheit ermordet wird – Walter Rothschild prägt das Wort „Verizid“ – braucht es Mut, Interesse und das Überwinden von Gleichgültigkeit. Tikkun Olam, die Reparatur der Welt, beginnt damit, jeden Menschen beim Namen zu nennen: Lechol isch schem – jeder Mensch hat einen Namen. So führt Bamidbar hinüber zu Schawuot und Pfingsten als Fest der Lebenskraft der Tora für alle Völker. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

    50 min

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Mit Rosch HaSchana, dem Neujahrsfest im Herbst, beginnt das jüdische Jahr. Die Festtage des Volkes Israel sind gemäß der Gebote der Tora festgelegt. Die Zeit aber wird vom Schabbat, dem siebenten Tag der Woche, strukturiert. Ihn hat Gott selbst mit der Schöpfung der Welt eingeführt. Am Schabbat wird in den Synagogen ein Stück der Tora vorgelesen. Die Wochenabschnitte führen das Jahr über durch die fünf Bücher Mose. Das Ende und zugleich der neue Anfang der Lesungen ist an Simchat Tora, dem Fest der Tora-Freude zum Abschluss des Laubhüttenfestes. Bei ahavta - Begegnungen erklärt immer Freitags ein Rabbiner, Kantor oder Lehrer den jeweiligen Tora-Abschnitt. Die Video-Aufnahmen findest du bei https://plus.ahavta.com und auch bei YouTube unter https://youtube.com/@ahavta. plus.ahavta.com

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