Das Wort zum Schabbat

Ricklef Münnich || ahavta - Begegnungen

Mit Rosch HaSchana, dem Neujahrsfest im Herbst, beginnt das jüdische Jahr. Die Festtage des Volkes Israel sind gemäß der Gebote der Tora festgelegt. Die Zeit aber wird vom Schabbat, dem siebenten Tag der Woche, strukturiert. Ihn hat Gott selbst mit der Schöpfung der Welt eingeführt. Am Schabbat wird in den Synagogen ein Stück der Tora vorgelesen. Die Wochenabschnitte führen das Jahr über durch die fünf Bücher Mose. Das Ende und zugleich der neue Anfang der Lesungen ist an Simchat Tora, dem Fest der Tora-Freude zum Abschluss des Laubhüttenfestes. Bei ahavta - Begegnungen erklärt immer Freitags ein Rabbiner, Kantor oder Lehrer den jeweiligen Tora-Abschnitt. Die Video-Aufnahmen findest du bei https://plus.ahavta.com und auch bei YouTube unter https://youtube.com/@ahavta. plus.ahavta.com

  1. 4d ago

    Schemini Azeret || Bleibt noch einen Tag!

    Diese Auslegung zum Schabbat an Schemini Azeret wurde am 9. Oktober 2020 aufgezeichnet. Rabbiner Alexander Nachama erklärt Schemini Azeret, das Schlussfest am achten Tag, als eigenständigen Feiertag, der direkt auf Sukkot folgt. Sukka und Feststrauß fallen weg. Beim Kiddusch spricht man aber erneut den Segen Schehechejanu, der sonst den Beginn eines Festes markiert. Anders als Pesach, Schawuot oder Sukkot hat Schemini Azeret keinen erkennbaren Anlass: Die Tora (4. Mose 29,35) nennt nur Festversammlung, Arbeitsruhe und Opfer. Eine Deutung findet Nachama bei Raschi. Nach dem Midrasch bittet Gott die Wallfahrer vor der Heimkehr um ein kleines Festmahl. Wie ein Vater, dem der Abschied seiner Kinder schwerfällt, sagt er: Bleibt noch einen Tag. Schemini Azeret erscheint so als zärtliche Zugabe nach Rosch haSchana, Jom Kippur und Sukkot, bevor der Winter beginnt. Ein Midrasch des Rabbi Levi deutet den Festkalender: Wegen des Goldenen Kalbs im Tammus erhält Israel in Tammus, Aw und Elul keine Feste. Der Tischri gleicht dies aus, indem Rosch haSchana, Jom Kippur und Sukkot für diese drei Monate stehen. Damit wird Schemini Azeret zum eigentlichen Fest des Tischri. In der Liturgie beginnt an Schemini Azeret das Gebet um Regen für Israel, wo ausbleibender Winterregen eine Katastrophe bedeutet. Rabbi Chama ben Chanina vergleicht den Regentag mit der Erschaffung von Himmel und Erde. Rabbi Tanchum bar Chija hält ihn sogar für größer als die Gabe der Tora, weil er die ganze Welt erfreut, Mensch und Tier. Wer den ersten Regen nach dem langen israelischen Sommer erlebt, versteht das als Wunder. Ich frage, ob im Regen wie im Johannesevangelium auch das Bild des herabkommenden Geistes mitschwingt. Nachama betont, dass Leben und Torastudium den Regen als Nahrungsgrundlage voraussetzen. Er verbindet ihn mit Hoschana Rabba als letzter Gelegenheit, das Urteil zum Guten zu wenden, mit dem Wunsch nach einem guten Kwittel, mit dem Wasserschöpffest und mit dem Schwenken der vier Arten als möglichem Regenritual. Zum Schluss beschreibt er Simchat Tora unter den Corona-Bedingungen, ohne Tanz und Umzug mit der Tora. Für mich bleibt die Kawana entscheidend. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

  2. Sep 25

    Sukkot || Vollmond über der Laubhütte

    Diese Auslegung zum Wochenabschnitt Haasinu wurde am 25. September 2020 aufgezeichnet. Rabbiner Alexander Nachama ordnet den Wochenabschnitt Haasinu (5. Mose 32,1–52) zunächst in den besonderen Schabbat ein, an dem er gelesen wird: den Schabbat Schuwa. Der Name stammt aus den ersten Worten der Haftara – „Kehre zurück, Israel, zum Ewigen, deinem Gott, denn du bist gestrauchelt durch deine Sünde“ (Hosea 14,2). Nachama erinnert an den aschkenasischen Brauch, dass Rabbiner früher nur zweimal im Jahr vor die Gemeinde traten, um zu predigen: am Schabbat Hagadol vor Pessach und am Schabbat Schuwa, um zur Umkehr aufzurufen. Auch heute gilt es, die zehn Bußtage zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur zu nutzen, um zu prüfen, wo man anderen Unrecht getan hat, und sich zu versöhnen. Angesichts der Schadenfreude, mit der mancher über die Fehler anderer herzieht, bleibt fragwürdig, was das neue Jahr bringt – doch zur Umkehr ist es nie zu spät, und Gott eröffnet die Möglichkeit, Negatives hinter sich zu lassen. Haasinu ist ein Lied der Hoffnung und der Warnung, eines von drei Liedern, die auf Mosche zurückgehen: neben dem Lied am Schilfmeer (Schirat Hajam) und Psalm 90. Der Text ist in schwerem Hebräisch verfasst und deshalb beim Vortrag ohne Vokale eine Herausforderung. In der Tora steht er zweispaltig geschrieben; der zweite Teil einer Zeile bekräftigt jeweils den ersten – „meine Rede tropfe wie Regen“ / „meine Rede fließe wie Tau“. Inhaltlich beruht die Hoffnung des Liedes auf Gottes Treue: „Ein Fels ist er, ein Gott der Treue ohne Fehl.“ Treue zeigt sich darin, dass man nicht nur in guten, sondern gerade in schweren Zeiten zusammenhält. Trotz goldenem Kalb und ständigem Murren bleibt Gott Israel treu – das gibt Sicherheit für kommende Herausforderungen. Das Adlerbild, das über den Jungen schwebt und sie auf seinen Schwingen trägt, drückt Mosches Hoffnung aus, dass Gott sein Volk führt und Israel keinem fremden Gott verfällt. Nachama überträgt das auf die Gegenwart: Wenn Menschen zum „Fußballgott“ erhoben werden, gilt es zu erkennen, dass sie nur Menschen sind. „Ich kann töten und beleben, verwunden und heilen“ zeigt: Alle Macht liegt bei Gott; Ärzte haben ihren wichtigen Anteil, wären ohne Gottes Hilfe aber machtlos. So passt das Lied in die Gegenwart: Es erinnert an Gottes Macht, an seine erwiesene Treue und daran, dass nichts Gewesenes vergessen wird – gerade an Jom Kippur, wenn das Schicksal besiegelt wird. Nachama schließt mit dem Gebet um Einschreibung in das Buch des Lebens und dem Wunsch Chatima Towa. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

  3. Sep 18

    Schabbat Haasinu || Mosches letztes Lied

    Diese Auslegung zum Wochenabschnitt Haasinu wurde am 25. September 2020 aufgezeichnet. Rabbiner Alexander Nachama ordnet den Wochenabschnitt Haasinu (5. Mose 32,1–52) zunächst in den besonderen Schabbat ein, an dem er gelesen wird: den Schabbat Schuwa. Der Name stammt aus den ersten Worten der Haftara – „Kehre zurück, Israel, zum Ewigen, deinem Gott, denn du bist gestrauchelt durch deine Sünde“ (Hosea 14,2). Nachama erinnert an den aschkenasischen Brauch, dass Rabbiner früher nur zweimal im Jahr vor die Gemeinde traten, um zu predigen: am Schabbat Hagadol vor Pessach und am Schabbat Schuwa, um zur Umkehr aufzurufen. Auch heute gilt es, die zehn Bußtage zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur zu nutzen, um zu prüfen, wo man anderen Unrecht getan hat, und sich zu versöhnen. Angesichts der Schadenfreude, mit der mancher über die Fehler anderer herzieht, bleibt fragwürdig, was das neue Jahr bringt – doch zur Umkehr ist es nie zu spät, und Gott eröffnet die Möglichkeit, Negatives hinter sich zu lassen. Haasinu ist ein Lied der Hoffnung und der Warnung, eines von drei Liedern, die auf Mosche zurückgehen: neben dem Lied am Schilfmeer (Schirat Hajam) und Psalm 90. Der Text ist in schwerem Hebräisch verfasst und deshalb beim Vortrag ohne Vokale eine Herausforderung. In der Tora steht er zweispaltig geschrieben; der zweite Teil einer Zeile bekräftigt jeweils den ersten – „meine Rede tropfe wie Regen“ / „meine Rede fließe wie Tau“. Inhaltlich beruht die Hoffnung des Liedes auf Gottes Treue: „Ein Fels ist er, ein Gott der Treue ohne Fehl.“ Treue zeigt sich darin, dass man nicht nur in guten, sondern gerade in schweren Zeiten zusammenhält. Trotz goldenem Kalb und ständigem Murren bleibt Gott Israel treu – das gibt Sicherheit für kommende Herausforderungen. Das Adlerbild, das über den Jungen schwebt und sie auf seinen Schwingen trägt, drückt Mosches Hoffnung aus, dass Gott sein Volk führt und Israel keinem fremden Gott verfällt. Nachama überträgt das auf die Gegenwart: Wenn Menschen zum „Fußballgott“ erhoben werden, gilt es zu erkennen, dass sie nur Menschen sind. „Ich kann töten und beleben, verwunden und heilen“ zeigt: Alle Macht liegt bei Gott; Ärzte haben ihren wichtigen Anteil, wären ohne Gottes Hilfe aber machtlos. So passt das Lied in die Gegenwart: Es erinnert an Gottes Macht, an seine erwiesene Treue und daran, dass nichts Gewesenes vergessen wird – gerade an Jom Kippur, wenn das Schicksal besiegelt wird. Nachama schließt mit dem Gebet um Einschreibung in das Buch des Lebens und dem Wunsch Chatima Towa. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

  4. Sep 11

    Erew Rosch HaSchana || Abrahams Schweigen

    Diese Auslegung zur Akedat Jizchak wurde am 18. September 2020 aufgezeichnet. Zu Erew Rosch HaSchana 5781 sprach Rabbiner Dr. Walter Rothschild nicht über einen Wochenabschnitt, sondern über die Festtagslesung: Weil Rosch HaSchana 5781 wie auch im neuen Jahr 5787 auf den Schabbat fällt, tritt der Feiertagsabschnitt an die Stelle der Parascha. Gelesen werden 1. Mose 21 und 22 – nach Rothschild zwei versuchte Morde: an Hagar und Jischmael, dann an Jizchak. Warum ausgerechnet diese Texte am Tag des Gerichts stehen, an dem Menschen um Vergebung für ihre vergleichsweise kleinen Verfehlungen bitten, bleibt für ihn die offene Frage. Er liest Genesis 22 als zehnte und letzte Prüfung Abrahams und stellt die theologische Kernfrage: Hat Abraham bestanden – oder versagt? Abraham zeigt Gehorsam, Glauben und Vertrauen. Doch zwischen Vers 2 und Vers 3 fehlt, was man erwarten müsste: Einspruch, Protest, Verhandlung. Derselbe Mann, der um Sodom mit Gott feilscht, steht schweigend früh auf und geht. Drei Tage Weg ohne ein einziges Wort. Rothschild betont, dass gerade das Ungesagte im Text zu lesen ist: das doppelte „Hineni“, die betonte Wendung „Abraham, sein Vater“, der Vers, in dem Bauen, Schichten, Binden und Legen in einem Atemzug geschehen, und das fehlende Komma in „Gott wird sich das Lamm ersehen, mein Sohn“. Der Engel spricht: „Jetzt weiß ich, dass du gottesfürchtig bist.“ Ist das Lob oder Vorwurf? Rothschild fragt, was Gott vom Menschen will – blinden Gehorsam oder Partnerschaft, Widerspruch, Dialog. Er zieht die Linie zur Gegenwart: zu Menschen, die im Namen Gottes töten, und zur Grenze zwischen Glaube und Fanatismus. Zu viel Religion, sagt er, sei auch schlecht für die Seele. Zuletzt wendet er sich Jizchak zu, dem Sohn einer greisen Mutter, über den gelacht wird, der sich keine Frau sucht, der von seinen Söhnen getäuscht wird und erblindet. Rothschild trägt diese Hinweise zusammen und wagt eine Vermutung: eine Behinderung, vielleicht ein Kind, um dessen Zukunft die Eltern fürchten. Vater und Sohn gehen gemeinsam hinauf – zurück gehen sie nicht. Etwas ist zerstört. Jizchak bleibt das Zwischenglied zwischen Abraham und Jakob. Das Rätsel des Tages, sagt Rothschild nach Jahrzehnten im Rabbinat, ist ungelöst. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

  5. Sep 4

    Schabbat Nizawim || Vom Fürsten bis zum Wasserschöpfer

    Die Auslegung zur Parascha Nizawim wurde am 11. September 2020 aufgezeichnet. Rabbiner Dr. Walter Rothschild sprang kurzfristig für den erkrankten Landesrabbiner ein und legt den Wochenabschnitt Nizawim (5. Mose 29,9–30,20) aus der Doppelparascha Nizawim-Wajelech aus. Ausgangspunkt ist der erste Vers: „Ihr steht heute alle vor dem Ewigen.“ Rothschild geht die Aufzählung Wort für Wort durch: Stammesoberhäupte, Älteste, Amtsleute, alle Männer, dann die Kinder, die Frauen, der Fremde im Lager und schließlich der Holzsammler und der Wasserschöpfer. Gerade die, die die Knochenarbeit tun, gehören mit in den Bund, sonst wären sie nicht genannt. Auch die Grammatik trägt Deutung: Der Text wechselt vom Plural in den Singular, vom „euer Gott“ zum „dein Gott“. Ich hebe den demokratischen Zug in dieser Parascha hervor, ganz Israel von oben bis unten. Rothschild verbindet das mit dem Herbst 2020, in dem Zusammensein nur über Bildschirme möglich war und vielen körperlich wie spirituell fehlte. Zentral wird der Satz, dass der Bund auch mit denen gilt, die heute nicht hier sind. Die rabbinische Tradition liest darin die noch nicht Geborenen, also uns. Rothschild sieht darin Kontinuität und Schicksalsgemeinschaft: Moses spricht zur nächsten Generation, kurz bevor sie ohne ihn über den Jordan zieht. Kritisch bleibt Rothschild bei den Fluchworten und dem Bild von Sodom und Gomorra. Mit einem Gott, der schnell zornig wird und keine zweite Chance gibt, hat er Schwierigkeiten. Als Rabbiner kann er Trauernden nicht sagen, sie hätten ihr Unglück verdient, gerade am 11. September nicht. Eine Hebeltheologie, in der ein Ritual das gewünschte Ergebnis erzwingt, lehnt er ab, und Religion aus Angst will er nicht. Der Mensch ist frei zu entscheiden und trägt die Verantwortung für die Folgen. Ich bringe Vers 29,28 in Bubers Übersetzung ein: Das Geheime ist bei Gott, das Offenbare bei uns und unseren Kindern. Rothschild verweist auf die Punkte über „lanu ulwanenu“ in der Torarolle als Zeichen der Verbindung über die Generationen. Nach Gottes Plan zu forschen ist nicht unsere Aufgabe, das Wort ist nahe, im Mund und im Herzen, um es zu tun. Von dort führe ich zum christlich-jüdischen Dialog und zu Paulus, der diesen Vers im Römerbrief zitiert. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

  6. Aug 28

    Schabbat Ki Tawo || Sei still und höre

    Die Auslegung zur Parascha Ki Tawo wurde am 4. September 2020 aufgezeichnet. Rabbiner Andrew Steiman verbindet den Wochenabschnitt Ki Tawo (5. Mose 26,1–29,8) mit dem Monat Elul, der Vorbereitungszeit auf die Hohen Feiertage. Er stellt zunächst den Schofar vor – kein Blechblasinstrument, sondern das ausgehöhlte Horn eines koscheren Tieres. Steiman bläst ein Widderhorn aus Israel sowie ein Antilopenhorn aus Äthiopien und erklärt die drei Töne Tekija, Schwarim und Teruah. Nach Rambam sei der Schofar ein Gebet ohne Worte: der lange Tekija stehe für das Bleibende, der zerbrochene Teruah für das, was man loslassen muss, der Zwischenton Schwarim für notwendige Kompromisse. Jeder Mensch höre darin etwas anderes – so wie in der Tora, in der jede Auslegung heilig sei. Der Vers „Sei still und höre Israel“ (Dtn 27,9) rückt ins Zentrum. Steiman deutet ihn im Licht der Corona-Pandemie: Als die Flugzeuge über seinem Wohnort in der Frankfurter Einflugschneise verstummten, seien plötzlich die Vögel wieder zu hören gewesen. Er unterscheidet zwischen Hören und Zuhören – im Hebräischen im Wort Schma zusammengefasst – und verweist auf Isaaks Segnung Jakobs, wo die Stimme zum entscheidenden Sinn wird. Aufmerksamkeit heißt im Hebräischen Sim lev, „gib ein Herz“. Der Text „Wenn du in das Land kommst“ wird zeitlich weitergedacht: Auch das neue Jahr sei ein Land, in das man einziehe. Steiman verknüpft dies mit Habermas’ Theorie der Kommunikation und der Fähigkeit zu schweigen, und mit einer Anekdote über Chaim Weizmann und Albert Einstein, in der es ums Zuhören und Verstehen geht. Beten schließlich, so zitiert er Buber und Rambam, sei Dialog: Wir hören zu, wie Gott uns zuhört – das hebräische Lehitpalel ist reflexiv. Ich ergänze, in einem „Stimmengewitter“ moderner Reizüberflutung brauche der Mensch ein Geländer – Tora und Evangelium – um sich nicht zu verlieren. Beide sind sich einig: Die Hohen Feiertage sind Zeit der Rückschau und Ausschau, der Neuausrichtung auf das Wesentliche. Das Gespräch endet mit Tekija und dem Segen Schabbat Schalom. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

  7. Aug 21

    Schabbat Ki Tezé || Nie zu spät

    Die Auslegung zur Parascha Ki Tezé wurde am 28. August 2020 aufgezeichnet. Rabbiner Alexander Nachama beginnt seine Gedanken zum Wochenabschnitt Ki Tezé (5. Mose 21,10–25,19) alltäglich: Es gibt Menschen, die uns das Leben schwer machen – der Kollege, der zuverlässig das Gegenteil des Abgesprochenen tut, oder Konflikte in der eigenen Familie. Genau dort setzt Ki Tezé an, wenn die Tora vom ungehorsamen, widerspenstigen Sohn spricht, der auf Vater und Mutter nicht hört. Was heißt das konkret? Nachama fragt, ob es um verweigerte Hausarbeit oder ums Schlafengehen geht, und verweist auf Rabbiner Josef Hermann Herz: Gemeint ist ein Kind, das die Autorität der Eltern und die Gottes missachtet. Denn nach jüdischer Zählung gehört „Ehre deinen Vater und deine Mutter“ nicht zu den Geboten zwischen Menschen, sondern zu denen zwischen Mensch und Gott. Der Talmud spricht von drei Partnern bei der Erschaffung des Menschen: Gott, Mutter und Vater. Wer die Eltern nicht ehrt, ehrt auch Gott nicht. Fälle von Gewalt oder Missbrauch klammert Nachama ausdrücklich aus; hier geht es um schlechtes Benehmen. Auch die harten Wendungen liest er mit den Kommentaren. Das „Züchtigen“ deutet Raschi als ausdrückliche Warnung, „Schlemmer und Trunkenbold“ als einen, der später die Eltern und dann andere bestehlen wird. Damit steht ein Urteil über Taten im Raum, die noch nicht geschehen sind – eine präventive Todesstrafe, an der die Rabbinen schwer tragen. Der Talmud stellt klar: Die Bedingungen dafür sind nie eingetreten und werden nie eintreten. Nachamas eigentliche Frage lautet: Hat nicht jeder die Möglichkeit zur Umkehr? Der Monat Elul vor Rosch Haschana und Jom Kippur lädt zur Bilanz des Jahres ein. Es ist nie zu spät für Teschuwa – auch nach Jahren der Missachtung –, sofern sie ehrlich gemeint ist: „Theater können wir uns sparen.“ Wer zurückfindet, heißt Ba’al Teschuwa, Meister der Umkehr; Nachama erinnert an den Schauspieler Uri Sohar, der Rabbiner wird. Aufschieben soll man die Umkehr nicht. Und wo Worte einen Mitmenschen nicht erreichen, hilft es, ihm Raum zu geben und später erneut zu sprechen. Ich hebe abschließend noch hervor, dass Juden und Christen im Gedanken der Umkehr besonders nah beieinander stehen: Das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist der Ruf zur Rückkehr zum Vater, der mit offenen Armen wartet. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

  8. Aug 14

    Schabbat Schoftim || Richter im Tor

    Die Auslegung zur Parascha Schoftim wurde am 21. August 2020 aufgezeichnet. Rabbiner Walter Rothschild wählt aus der Fülle des Wochenabschnitts Schoftim (5. Mose 16,18–21,9) bewusst den Anfang: „Richter und Amtleute sollst du dir einsetzen in all deinen Toren.“ Er unterscheidet den Schofet, der über zivile Streitfälle entscheidet, vom Schoter, dem Wachmann, dessen eigentliche Aufgabe darin besteht, dafür zu sorgen, dass gar nicht erst etwas geschieht. Rechtsprechung wird damit zur Vorsorge, ein System, das Menschen zu einem anderen Verhalten anhält, weil sie wissen, dass sie zur Verantwortung gezogen werden können. Rothschild liest die Tora hier als erstaunlich progressives Gesetzbuch. Am Beispiel eines Kibbuz-Chronisten aus der Frühzeit des britischen Mandats Palästinas zeigt er, wie selbstverständlich Willkür, Raub und Totschlag in vielen Gesellschaften galten und teils bis heute gelten. Dagegen setzt die Tora ein einziges Recht für alle, auch für die Fremden, ein Anspruch, den er an heutigen Beispielen wie den entrechteten Wanderarbeitern am Golf misst. Das Verbot der Rechtsbeugung und der Bestechung sei bitter aktuell: Wo Spenden Genehmigungen ersetzen, macht Geld die Weisen blind. „Zedek, zedek tirdof“ – Gerechtigkeit, Gerechtigkeit sollst du verfolgen. Rothschild verbindet den Vers mit Levitikus 19 und der bevorstehenden Zeit vor Rosch Haschana: Wir wollen Gerechtigkeit für die anderen und Barmherzigkeit für uns selbst, doch vor dem Recht sind Ministerpräsident und einfacher Bürger gleich. Zugleich betont er die Verfahrensbindung: zwei bis drei Zeugen, sorgfältige Nachforschung, keine anonymen Denunziationen. Der Ankläger muss selbst Hand anlegen zur Steinigung – eine drastische Regel, die Verantwortung nicht ins Anonyme verschieben lässt und zugleich einer feigen Justiz widerspricht, die sich aus internen Machtmissbräuchen heraushält. Für schwierige Fälle verweist die Tora auf ein höheres Gericht bei den Priestern „in jenen Tagen“. Rothschild hebt hervor: Der Richter der Gegenwart ist nicht an die Vorgänger gebunden, sondern spricht für seine eigene Zeit – ein Grundprinzip jüdischer Rechtsentwicklung, das Kontinuität und Flexibilität verbindet. Ich verknüpfe das Gespräch mit den Toranlagen von Tel Dan und deute die pharisäische Lehre von der Auferstehung der Toten als Stärkung derer, die Unrecht erfahren: Am Ende kommt alles noch einmal zur Sprache. Rothschild ergänzt, dass die Rabbinen die Todesstrafe zwar formal bewahren, sie durch immer strengere Zeugen- und Verfahrensregeln aber praktisch aussetzen – ein Sanhedrin, der in siebzig Jahren einmal hinrichtet, gelte bereits als „blutig“. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe

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Mit Rosch HaSchana, dem Neujahrsfest im Herbst, beginnt das jüdische Jahr. Die Festtage des Volkes Israel sind gemäß der Gebote der Tora festgelegt. Die Zeit aber wird vom Schabbat, dem siebenten Tag der Woche, strukturiert. Ihn hat Gott selbst mit der Schöpfung der Welt eingeführt. Am Schabbat wird in den Synagogen ein Stück der Tora vorgelesen. Die Wochenabschnitte führen das Jahr über durch die fünf Bücher Mose. Das Ende und zugleich der neue Anfang der Lesungen ist an Simchat Tora, dem Fest der Tora-Freude zum Abschluss des Laubhüttenfestes. Bei ahavta - Begegnungen erklärt immer Freitags ein Rabbiner, Kantor oder Lehrer den jeweiligen Tora-Abschnitt. Die Video-Aufnahmen findest du bei https://plus.ahavta.com und auch bei YouTube unter https://youtube.com/@ahavta. plus.ahavta.com

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