Wir sind krank, wir sind unterwegs, und unser romantischer Plan, mit dem Zug quer durch Europa bis nach Istanbul zu reisen, ist krachend gescheitert. Willkommen zur Reiseausgabe von Club Miskatonic, diese Woche aus Bratislava, mit Fieber im Nacken und Podcast-Equipment, das Nisan im Wanderrucksack über Berge geschleppt hat. Pride-Month-Programm, Teil zwei: Clive Barkers "Human Remains" aus dem dritten Band der Books of Blood. Bevor Stephen King ihn mit einem einzigen Satz über Nacht berühmt machte, war Barker Theatermacher in der Liverpooler Off-Szene, zeitweise Sexarbeiter und schon damals offen schwul lebender Künstler. Die Geschichte erzählt von Gavin, einem Strichjungen, dessen Schönheit sein einziges Kapital ist, und einer jahrtausendealten Statue, die ihn nicht töten, sondern er sein will. Während die Statue zunehmend menschlicher wird, verliert Gavin selbst jeden Zugang zu seinen Gefühlen: eine Geschichte über Entfremdung, Begehren und die Frage, was übrig bleibt, wenn Schönheit die einzige Eigenschaft war, die je funktioniert hat. Wir reden darüber, warum sich das trotz explizit queerer Perspektive seltsam lovecraftian anfühlt, obwohl Barker Lovecraft offiziell ablehnt, und warum bei beiden Autoren immer Queerness mitschwingt. Zweiter Teil: eine Liebeserklärung an Bratislava, die unterschätzteste Stadt Europas. Mittelalterliche Gassen, Habsburger-Prunk und sozialistischer Brutalismus stehen hier Tür an Tür, die Stadt ist weder leergefegt noch überlaufen, und im Burghof läuft gerade eine Rave, während britische Touristen sich lautstark beschweren, hier sei angeblich nichts los. Wir waren baden an einem See, unter dem 1976 ein Flugzeug abgestürzt ist, der tödlichste Flugunfall in der Geschichte der Slowakei, und im Kunstmuseum Danubiana, vermutlich dem geilsten Museum, das wir je betreten haben. Außerdem: warum die arrogante westliche Ignoranz gegenüber postsowjetischen Räumen einfach kompletter Unsinn ist. Nebenbei: Updates zur neuen "Dunkeldeutschland"-Folge, die erstmals nach Mecklenburg-Vorpommern führt, zu "Das Haus an der Grenze" und zu unserem bisher größten Theaterprojekt, "Kisulu im Park", vom 20. bis 23. August im Harburger Stadtpark zu 100 Jahren Stadtpark. Wer mehr will: Auf Patreon gibt's diesen Monat die ganze Reise hinter den Kulissen, exklusive Folgen und alles, was wir produzieren, während wir eigentlich im Urlaub sein sollten.