The Herdorf History Podcast

carsten trojan

Our podcast takes you on an engaging journey through Herdorf’s history.Discover significant events, personalities, and cultural milestones that have made Herdorf what it is today.

  1. Alexander von Humboldt im Bergbau bei Herdorf

    07/13/2025

    Alexander von Humboldt im Bergbau bei Herdorf

    Wie revolutioniert man Bergbau, Bildung und Nachhaltigkeit, lange bevor diese Begriffe überhaupt existierten? Der 25-jährige Alexander von Humboldt fand 1795 Antworten – und legte in seinem Gutachten zu den Gruben rund um Herdorf den Grundstein für modernes Ressourcenmanagement. In unserer neuen Podcast-Episode erfährst du, welche Missstände er schonungslos aufdeckte, welche technischen Innovationen er forderte und warum seine Ideen bis heute faszinieren. #Herdorf #Humboldt #Bergbau #Geschichte #Nachhaltigkeit #HerdorfHistory Alexander von Humboldts Gutachten vom 20. Juni 1795 über das Berg- und Hüttenwesen der Grafschaft Sayn-Altenkirchen bildet den roten Faden dieser Podcast-Episode, in der wir den Fokus auf die Grubenlandschaft rund um Herdorf legen. Eingebettet in eine politisch schwebende Situation – die Grafschaft gehörte noch dem Markgrafen von Brandenburg-Ansbach-Bayreuth, stand faktisch jedoch schon unter preußischer Verwaltung – begab sich der erst 25-jährige Humboldt im September 1794 für wenige Tage vor Ort. Sein daraus erwachsenes, mehr als siebzig Seiten starkes Gutachten vereint erstaunlich präzise Feldbeobachtungen mit ökonomischer, sozialer und ökologischer Analyse. Die Episode schildert zunächst, wie Humboldt das enorme Erzpotenzial der Region registrierte: Eisen, Kupfer, Blei und Kobalt lagen in zahlreichen Stollen, etwa in der Hollerter-Zug-, Goldenhardt- und Milde-Grube. Gleichwohl zeichnete er ein ernüchterndes Bild der Wirtschaftslage. Ineffiziente Holzkohlen- und Wasserwirtschaft zwangen Hochöfen zu kurzen, verlustreichen Betriebszyklen, während ein kompliziertes Abgabensystem und der Eisensteinzehnt den „Schürffleiß“ der Gewerken abwürgten. Besonders kritisch beurteilte Humboldt die Besoldungspraxis der Bergbeamten: Weil ihr Einkommen von variablen „Sporteln“ abhing, waren sie allzu abhängig von den Gewerken und verloren Durchsetzungskraft gegenüber Missständen. Im Zentrum der Besprechung steht deshalb Humboldts Reformagenda. Er empfiehlt einen neuen Entwässerungsstollen für die Hollerter-Zug-Grube, propagiert das „Baadersche Zwischenraum-Schießen“ zur Pulvereinsparung, rügt fehlerhafte Zimmerung und preist leichtere Fördertonnen als Mittel gegen ineffiziente Seil- und Kübelsysteme. Ebenso fordert er eine freie Bergschule in Dermbach, um den Bergleuten elementare naturwissenschaftliche Kenntnisse zu vermitteln und Aberglauben durch Aufklärung zu ersetzen. Seine Kritik an der vernachlässigten Waldkultur, vor allem am verschwenderischen Hauberg-Betrieb, mündet in den Vorschlag, Holz in Losen zu versteigern, damit Köhler und Gewerken selbst ein finanzielles Interesse an sparsamer Holznutzung entwickeln. Auch wirtschaftspolitisch geht Humboldt in die Offensive, plädiert für ein vereinfachtes Steuersystem und empfiehlt feste Lieferverträge mit Abnehmern in der Grafschaft Mark, um Preisschwankungen auszubalancieren. Die Episode macht deutlich, dass Humboldts Blick von Anfang an holistisch war. Er verband geologische Details, technische Prozesse und forstwirtschaftliche Fragen mit den Lebensbedingungen der Bergleute zu einer Gesamtbetrachtung, in der Natur, Technik und Gesellschaft untrennbar ineinandergreifen. Gerade dieses frühe Systemdenken erklärt, weshalb viele seiner Vorschläge später in die preußische Montanverwaltung einflossen: feste Beamtengehälter, verlässliche Datenbasis, langfristige Planung, nachhaltiger Ressourceneinsatz. Damit erweist sich das Gutachten als visionäres Dokument, das weit über einen technischen Bericht hinausgeht und bis heute Maßstäbe für wirtschaftliche Verantwortung in rohstoffintensiven Branchen setzt.

    7 min
  2. Bernd & Hilla Becher in Herdorf: Wo Formen sprechen lernten

    07/05/2025

    Bernd & Hilla Becher in Herdorf: Wo Formen sprechen lernten

    Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt von Bernd und Hilla Becher und entdecken Sie, warum Herdorf im Siegerland ein entscheidender Schmelztiegel für ihr bahnbrechendes künstlerisches Programm war. In dieser Podcastfolge beleuchten wir, wie Herdorf zu einem zentralen Ort für die Entwicklung der Becher’schen fotografischen Vision wurde: Die Wiege der "Anonymen Skulpturen": Erfahren Sie, wie Herdorf zum perfekten Laboratorium wurde, in dem das Künstlerpaar ab den frühen 1960er Jahren seine einzigartige visuelle Grammatik entwickelte und verfeinerte. Hier entstand die radikale Idee, funktionale Industriebauten als "Anonyme Skulpturen zu bezeichnen und ihre verborgenen skulpturalen Qualitäten sichtbar zu machen. Die Fotografien der Bechers sollten Formen sprechen lehren, indem sie durch strenge Objektivität und serielle Anordnung einen "Formvergleich" ermöglichten. Herdorf lieferte hierfür das erste Forschungsfeld. Die Herdorfer Archetypen: Wir nehmen Sie mit zu den ikonischen Motive, die Herdorf für die Bechers so zentral machten und die als Vorläufer für ihre später international bekannten Typologien dienten: - Die Grube San Fernando (1961) gilt als ihre erste größere Dokumentation einer Industrieanlage überhaupt mit der Großformatkamera und markiert einen Wendepunkt in ihrem Schaffen. Hier erprobten sie bereits ihre duale Strategie aus panoramaartigen Industrielandschaften und objektzentrierten Einzelstudien. - Der Förderturm der Grube Wolf (1963) ist ein paradigmatisches Beispiel ihrer typologischen Methode und ein eindringliches "Memento mori" für die rasch verschwindende Industrielandschaft. - Die Friedrichshütte (1963), ein bedeutendes Eisenhüttenwerk, an dem das Prinzip "Form folgt Funktion" in monumentaler Weise sichtbar wird, und die prominent in ihrem wegweisenden Buch "Hochofenwerke" publiziert wurde. Die Methode der Sachlichkeit: Lernen Sie die einzigartige Arbeitsweise der Bechers kennen: Ihre Fotografien entstanden mit einer Großformatkamera bei bedecktem Himmel ohne Schattenwurf, um eine maximale Objektivität und Detailgenauigkeit zu gewährleisten. Dieser nüchterne Stil, "ganz ohne künstlerischen Zierrat", verwandelte Industrieanlagen in universelle Studien von Form und Struktur. Ein "Mekka der Fotografie": Entdecken Sie die tiefen historischen Wurzeln der Bechers im Siegerland. Bernd Bechers biografische Herkunft und die Dringlichkeit, die untergehende Industrie zu bewahren, waren treibende Kräfte für ihr Archivprojekt. Herdorf war auch der Geburtsort von August Sander, dessen typologischer Ansatz der Porträtfotografie die Bechers stilistisch-konzeptionell beeinflusste. Zudem bauten die Bechers bewusst auf der Tradition von Peter Weller auf, der bereits um 1910 weite Industrie-Panoramen im Siegerland schuf und dessen Werk sie auf der Documenta 6 bekannt machten. Herdorf wurde so zu einem gemeinsamen Schnittpunkt dieser drei bedeutenden Fotografen und damit zu einem "Mekka der Fotografie". - Der Dialog mit Reinhold Koehler: Erfahren Sie von der faszinierenden Zusammenarbeit Bernd Bechers mit dem Siegener Avantgarde-Künstler Reinhold Koehler, für dessen "Fenster-Décollagen" Becher Fotografien zerbrochener Fenster stillgelegter Zechengebäude im Siegerland lieferte. Diese Kollaboration zeigt den konzeptuellen Dialog zwischen Bechers Bewahrung durch Dokumentation und Koehlers Transformation durch Zerstörung sowie die gemeinsame Faszination für die Ästhetik der Ruine. Die Herdorfer Motive sind keine Fußnote, sondern ein grundlegendes Kapitel der Fotografiegeschichte, das illustriert, wie aus lokalen Zeugnissen einer verschwindenden Industriekultur ein universelles Archiv der Industriearchitektur wurde. Herdorf ist der Ort, an dem dieser "alchemistische Prozess" seinen Anfang nahm. #BerndUndHillaBecher #Herdorf #ReinholdKoehler #Fotografie #Kunstgeschichte #AnonymeSkulpturen #HerdorfHistory #Siegerland #IndustrieArchitektur #Dokumentarfotografie #IndustrieKultur

    10 min
  3. Herdorf – Das Mekka der Fotografie

    05/01/2025

    Herdorf – Das Mekka der Fotografie

    Die Region Herdorf im südlichen Siegerland scheint unscheinbar, doch sie birgt ein erstaunliches Geheimnis: Sie war die Wirkungsstätte mehrerer herausragender Fotografen, die die Fotografiegeschichte maßgeblich prägten. In dieser Podcast-Folge tauchen wir ein in das Sottersbachtal bei Herdorf, eine Region mit über 2500 Jahren Industriegeschichte, geprägt vom Eisenerzbergbau und dem Aufkommen der Industrialisierung. Dieser besondere Ort, insbesondere die Grube San Fernando, wirkte wie ein Magnet auf Fotografen und Künstler, die das Zusammenspiel von harter Arbeit, industriellem Wandel und landschaftlicher Topografie festhalten wollten. Wir stellen Ihnen vier Fotografen vor, deren Wege sich hier kreuzten – wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten: • Édouard Baldus (1813–1889) • Peter Weller (1868–1940) • August Sander (1876–1964) • Bernd (1931–2007) und Hilla Becher (1934–2015) Entdecken Sie, wie diese Fotografen, trotz unterschiedlicher Epochen und Stile, eine gemeinsame Faszination für die Wirklichkeit und eine Tendenz zur Sachlichkeit verbindet. Die Folge beleuchtet, wie die spezifische Industrielandschaft und die Arbeitskultur des Siegerlands diesen einzigartigen fotografischen Kosmos hervorbrachten und warum Herdorf – zugespitzt formuliert – tatsächlich als ein "Mekka der Fotografie" gelten kann. Begleiten Sie uns auf eine Reise von den Anfängen der Fotografie bis zur Gegenwart und erfahren Sie, wie die Geschichte einer kleinen Region die Welt der Bilder beeinflusste.   Abbildung: Fotografie des Sottersbachtals, Peter Weller, ca. 1910   #HerdorfHistory #Herdorf #Siegerland #Geschichte #EdouardBaldus #PeterWeller #AugustSander #BerndHillaBecher #BerndBecher #HillaBecher #Bechers #FotografieGeschichte #Industriefotografie #NeueSachlichkeit #BecherSchule #Industriekultur #Kunstgeschichte #GeschichteDerFotografie

    8 min

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