Sechstausend Sprachen gab es einmal auf dieser Welt. In der Welt dieses fiktionalen Films sind es noch sechzig. Der Satz fällt beiläufig, fast nebenbei, und er ist der Schlüssel zu allem, was danach folgt. In dieser Folge sprechen wir über Ramin Bahranis Verfilmung von Ray Bradburys Klassiker, und zwar nicht als Thriller, sondern als Lehrstück. Denn was hier verbrannt wird, sind nicht nur Bücher. Verbrannt werden Tonbänder, Schriften aller Art, auch Notenblätter. Ein instrumentales Musikstück vertritt keine Meinung. Sie enthält nur eine andere Ordnung, eine andere Möglichkeit, die Welt wahrzunehmen. Was im Film ein ausreichender Grund für die Vernichtung ist. Wir reden darüber, warum eine Feuerwehr, die kein Feuer mehr zu löschen hat, kurzerhand selbst zum Brandstifter wird, und was das über Behörden sagt, die ihren Existenzgrund verlieren. Wir reden über die vielleicht unangenehmste Szene des Films: Ein Vorgesetzter erklärt ruhig und fast fürsorglich, wie es zur Bücherverbrennung kam. Ein Buch kränkte die einen, also verschwand es. Ein anderes kränkte die anderen, also verschwand auch dieses. Am Ende blieb nichts übrig, worüber sich noch jemand hätte aufregen können. Zensur tritt hier nichtals Tyrannei auf. Sie tritt als Rücksichtnahme auf, als wohlmeinender Therapeut. Und wir reden über die Antwort, die uns am meisten interessiert. Der Widerstand versucht gar nicht erst, die Bücher zu verteidigen. Bücher brauchen Raum, Raum lässt sich nicht verbergen, Verstecke werden verraten. Also wird jeder Mensch selbst kurzerhand zum Speichermedium. Einer lernt ein Buch, ein anderer das nächste. Wo nichts mehr zentral liegt, gibt es auch nichts mehr abzufackeln. Der Staat kann alles kontrollieren, was relativ knapp, lokalisierbar und materiell ist. Sobald das Wissen diese Eigenschaften verliert, verliert er den Zugriff. Hier geht´s zum Film: Fahrenheit 451 Weitere Bücher zum Thema:John Milton – Areopagitica Thomas Mackay - Plädoyer für die Freiheit Auberon Herbert – Für die Freiheit Andreas Tiedkte – Die Erlöser Henry David Thoreau - Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat Herbert Spencer – Soziale Statik Ludwig von Mises – Der allmächtige Staat Für mehr Literatur zur individuellen Freiheit und Wirtschaftsgeschichte klicke hier (oeconimus.com)