derpodcaster.com Bandi Koeck

Der Podcaster Bandi Koeck

Bandi Koeck erzählt Geschichten, die sonst niemand hört. Als Journalist interviewte er prominente Persönlichkeiten aus Musik, Kultur und Sport. Doch irgendwann erkannte er: Die wichtigsten Geschichten beginnen oft dort, wo niemand zuhört. Deshalb wurde er Lehrer. Heute begleitet er junge Menschen dabei, ihre eigene Geschichte zu schreiben – weil er aus eigener Erfahrung weiß, wie es sich anfühlt, nicht gehört zu werden. Sein 14-jähriges Ich trägt er bis heute in sich. Ehrlich tiefgründig, inspirierend. Podcast über Bildung, Gesellschaft, Kunst, Storytelling, Mut und Menschen, die bewegen....

  1. 2d ago

    099 - Der kritische Freigeist - Hannes Steinhauser-Teufel

    Hannes Steinhauser-Teufel ist kein Mensch für einfache Antworten. Der 1971 in Bregenz geborene und heute in Feldkirch lebende Lehrer, Reisende, Rechercheur und leidenschaftliche Autodidakt kann sich stundenlang mit einer geologischen Formation, einer antiken Schiffsreise, einem griechischen Wort oder einer medizinischen Fragestellung beschäftigen. Auffällig ist dabei weniger die Zahl seiner Interessen als die Konsequenz, mit der er ihnen nachgeht. Hat ihn ein Thema gepackt, will er es genau wissen. Und wenn eine etablierte Erklärung für ihn nicht schlüssig erscheint, beginnt die eigentliche Arbeit erst. Steinhauser-Teufel ist ein kritischer Freigeist im eigentlichen Sinn: nicht deshalb, weil er grundsätzlich gegen etablierte Auffassungen wäre, sondern weil er ihnen nicht allein aufgrund ihrer Autorität vertraut. Er möchte Quellen sehen, Zusammenhänge verstehen, Begriffe auf ihre ursprüngliche Bedeutung zurückführen und Widersprüche aufspüren. Seine Neugier bewegt sich dabei erstaunlich frei zwischen Naturwissenschaft, Geschichte, Religion, Medizin, Sprache, Archäologie und körperlicher Selbsterfahrung. Seine Denkweise ist von einem Grundimpuls geprägt: Was wissen wir tatsächlich – und was glauben wir nur zu wissen? Seine Beschäftigung mit der Geologie begann schon in der Kindheit. Aufgewachsen am Blasenberg bei Feldkirch, blickte Steinhauser-Teufel früh auf die Landschaft, die später zu einem seiner großen Forschungsfelder werden sollte. Die Erklärung, die er in der Volksschule für die Entstehung der Illschluchten bekam, überzeugte ihn bereits damals nicht vollständig. Die Ill, so wurde es vermittelt, habe sich über Jahrtausende und Jahrmillionen ihren Weg durch das Gestein gegraben. Für den jungen Hannes passte dieses Bild jedoch nicht recht zu den geradlinigen Schluchten und den auffallend schmalen Bergkämmen der Umgebung. Bemerkenswert ist, dass aus diesem kindlichen Zweifel keine Ablehnung von Wissenschaft entstand, sondern ein lebenslanges Bedürfnis, wissenschaftliche Erklärungen selbst zu prüfen. Die Landschaft vor seiner Haustür wurde für ihn zu einem offenen Geschichtsbuch. Heute beschäftigt er sich intensiv mit der Entstehung der Alpen und mit den geologischen Vorgängen, die Vorarlberg, die Ostschweiz, Tirol und Liechtenstein geprägt haben. Dabei interessiert ihn besonders die lange Geschichte der Region vor dem Menschen – eine Zeit, in der die heutige Alpenlandschaft noch nicht existierte und große Teile Europas unter dem Meer lagen. Steinhauser-Teufel verweist auf die Tethys, jenes urzeitliche Meer, das im Zusammenhang mit der Entwicklung des Superkontinents Pangaea eine zentrale Rolle spielte. Die Region des heutigen Alpenraums war einst von Meer bedeckt. Aus Ablagerungen, Bewegungen der Erdkruste und späteren geologischen Prozessen entstand schließlich die Landschaft, die wir heute als Alpen kennen. Dabei begnügt er sich nicht mit der geläufigen Darstellung. Er entwickelt eigene Erklärungsansätze und stellt insbesondere Fragen nach der Wirkung gewaltiger Eismassen und deren Druck auf die Erdkruste. Seine Überlegungen stehen teilweise deutlich außerhalb etablierter wissenschaftlicher Erklärungsmodelle. Gerade das macht die Geologie für ihn interessant: Sie ist für ihn kein abgeschlossenes Kapitel, sondern ein Feld, in dem Beobachtung, Überlieferung und Interpretation miteinander ringen. Ähnlich kritisch nähert sich Steinhauser-Teufel dem Thema Klima. Er weist die Bezeichnung „Klimaleugner“, die ihm zugeschrieben wird, zurück und bezeichnet sich selbst vielmehr als „Klimabefürworter“. Seine Vorstellung eines stabilen Klimasystems basiert auf der Annahme, dass natürliche Rückkopplungsmechanismen eine wesentlich größere Rolle spielen, als dies in öffentlichen Debatten häufig dargestellt werde.

    099 - Der kritische Freigeist - Hannes Steinhauser-Teufel
  2. Sep 29

    098 - Der Aufgussmeister - Norbert Perger

    Norbert Perger ist Aufgussmeister im Südtiroler Pustertal. Er jongliert Handtücher auf einem Finger, lässt Vulkane in der Sauna ausbrechen und sitzt privat kaum je in einer Kabine. Es zischt, es duftet nach Wacholder und Zitrone, und ein Handtuch kreist durch die 90 Grad heiße Luft. Dann balanciert es plötzlich auf einem einzigen Finger, als hätte die Schwerkraft frei. In Ehrenburg (Casteldarne) im Südtiroler Pustertal ist das keine Zirkusnummer, sondern ein ganz normaler Aufguss bei Norbert Perger. Mit Wellness hatte Norbert Perger ursprünglich wenig am Hut. Der Jahrgang 1970 ist gelernter Maler und Lackierer und Trockenbauer. Den Bademeisterschein machte er in jungen Jahren, praktiziert hat er ihn nie. Dann wurde in seiner Gegend ein öffentliches Schwimmbad gebaut, es fehlten Bademeister, und Perger hatte „die Schnauze voll" von der Arbeit auf dem Bau. Er wechselte kurzfristig die Branche. Ein Jahr lang war er Bademeister, dann rutschte er Stück für Stück in den Saunabereich. Das war vor 13, 14 Jahren, und Schulungen oder Kurse gab es damals nicht. Die Kolleginnen und Kollegen zeigten ihm, was sie konnten, und es dauerte „lange, lange, lange", bis er selbst etwas konnte. Learning by doing, im wörtlichsten Sinn. Man würde annehmen, dass jemand mit diesem Beruf privat ein Hitze-Junkie ist. Perger sagt das Gegenteil: Wenn er nicht gerade aufgießt, sitzt er vielleicht zweimal im Jahr in einer Kabine. Der Grund ist einfach. Rund 500 Kabinen im Jahr macht er beruflich, da muss er in der Freizeit nicht auch noch reinliegen. Perger gießt nicht nur Wasser auf. Er arbeitet gern mit Eis, und das hat handfeste Gründe. Wasser braucht zum Verdampfen mehr Sauerstoff als Eis, und mehr Sauerstoff in der Kabine macht das Schwitzen leichter. Außerdem ist Eis der ideale Duftträger: Ätherische Öle mischen sich nicht mit Wasser, auf dem Eis lassen sie sich einfach aufbringen. Aus dem Eis formt er auch Schneekugeln, Herzen oder Pyramiden. Seine Öle bezieht er am liebsten von einer Ölbrennerei aus der Nachbarschaft, rund zehn Kilometer entfernt. Sie sind biologisch, und die Wege sind kurz. Bei der Show, bei der wir dabei waren, kamen Wacholder, Lavendel, Lärche, Eukalyptus und Zitrone zum Einsatz. Im Dampfbad bietet er zudem jeden Tag ein anderes Peeling an, etwa Echinacea mit Blutorange, Rosmarin oder Latschenkiefer. Und das Bier? Ein Bieraufguss sieht spektakulär aus, wenn die Flasche über den Ofen kippt. Perger empfiehlt aber, das Bier lieber hinterher zu genießen. Hefeweizen müsste man im Verhältnis 1:10 verdünnen, für die Steine ist es nicht ideal, und danach riecht die Kabine nach Toastbrot. Wer denkt, ein Aufguss bestehe aus Wedeln und Schwitzen, kennt Perger nicht. Er hat schon Aufgüsse rund um die Schlümpfe, ein Bergwerk und Lasershows inszeniert. Er hat sich als Gladiator verkleidet und Party-Aufgüsse mit Technomusik veranstaltet. Sein größter Coup war ein Vulkan mit Trockeneis und rotem Licht, der mitten in der Sauna Rauch spuckte: „gigantisch". Sein Erfolgsrezept ist ein Lächeln. „Wenn man einem Gast ein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann, dann hat man schon gewonnen." Dazu braucht es aber auch die Gäste: „Es braucht immer die Gäste dazu." Das Handtuch-Jonglieren auf einem Finger hat er in drei Monaten täglichen Übens gelernt, ohne Stangen oder andere Hilfsmittel, nur mit einem normalen Textilhandtuch. Nicht jedes Handtuch fliegt gleich. Länge und Gewicht verändern das Flugverhalten, und viele seiner Tricks funktionieren mit einem fremden Handtuch nicht mehr. Perger vergleicht das mit Skifahrern, die mit der Ausrüstung der Konkurrenz auch nicht ihr Bestes zeigen. Perger ist zweisprachig aufgewachsen und spricht fließend Deutsch und Italienisch. Als wir ihn fragen, ob er sich eher als Südtiroler, Italiener oder Altösterreicher fühlt, antwortet er ehrlich: Er fühlt sich als Südtiroler. Als Österreicher würde er sich nicht bezeichnen, als Italiener auch nicht. I

    098 - Der Aufgussmeister - Norbert Perger
  3. Sep 19

    097 - Das stimmgewaltige Allroundtalent - Laura Bilgeri

    Sie kennt die Welt des Films ebenso wie die Bühne, Hollywood ebenso wie Vorarlberg: Laura Bilgeri ist eine jener Künstlerinnen, die sich nur schwer auf ein einziges Genre festlegen lassen. Als Schauspielerin stand sie unter anderem mit internationalen Größen wie Wesley Snipes vor der Kamera, als Sängerin entwickelt sie ihre eigenen Songs und mit ihrer „Jazz Affair“ widmet sie sich gleichzeitig den zeitlosen Klassikern des American Songbook. Bei ihrem Auftritt in Frastanz zeigte sich einmal mehr, wie selbstverständlich sich diese unterschiedlichen Seiten miteinander verbinden lassen. Als Support Act von Alvaro Soler präsentierte Bilgeri gemeinsam mit ihrer Band ihre eigenen Songs und sorgte dabei für einen rockigen Auftakt. Für die Künstlerin war der Auftritt in mehrfacher Hinsicht eine Premiere: Zum ersten Mal spielte sie in Frastanz und zugleich in einem Zelt. Gerade die Akustik stellte dabei eine besondere Herausforderung dar, denn ein Zelt verändert seinen Klang erheblich, sobald sich zahlreiche Menschen darin befinden. „Es gibt ein erstes Mal für alles“, beschreibt Bilgeri die Situation gelassen. Trotz des sommerlichen Kaiserwetters freute sie sich auf die ungewohnte Konzertumgebung. Ihr Ziel war klar: das Publikum für den späteren Headliner Alvaro Soler musikalisch in Stimmung zu bringen. Support Acts seien eine besondere Gelegenheit, vor vielen Menschen die eigene Musik vorzustellen. Langfristig gibt es für Bilgeri dabei auch eine klare Perspektive: selbst irgendwann als Headlinerin auf der Bühne zu stehen. Musikalisch bewegt sich Laura Bilgeri derzeit bewusst zwischen zwei sehr unterschiedlichen Projekten. Auf der einen Seite steht ihre eigene Popmusik, die sie als ihr „Pop-Baby“ bezeichnet. Die Songs schreibt sie selbst – gemeinsam mit ihrem Produzenten Lukas Pitschner. Bilgeri übernimmt dabei die Texte, während Pitschner die Musik komponiert und gleichzeitig als Schlagzeuger Teil ihrer Live-Band ist. Auf der anderen Seite steht die „Jazz Affair“. Hier zeigt sich eine ganz andere musikalische Seite der Sängerin. Bilgeri bezeichnet sich selbst als „alte Seele“, wenn es um Musik geht, und ihre Vorliebe gilt insbesondere dem American Songbook. Im Mittelpunkt stehen Lieblingssongs aus den 1930er-, 1940er- und 1950er-Jahren. Was zunächst wie ein Gegensatz klingt, passt für Bilgeri ganz selbstverständlich zusammen. Ihre Liebe zum Jazz ist nicht nur eine Bühnenidee, sondern Teil ihres privaten Musikgeschmacks. Die zeitlosen Melodien und die Atmosphäre dieser Ära faszinieren sie seit Jahren. Nach dem Auftakt der „Jazz Affair“ im März wurde das Projekt im Herbst weitergeführt. Geplant war eine Tour durch Ostösterreich mit Auftritten unter anderem in Wien und Graz sowie weiteren Stationen. Für diese Konzerte war eine siebenköpfige Band vorgesehen. Die größere Big-Band-Besetzung mit rund 20 Musikern soll zu einem späteren Zeitpunkt wieder zum Einsatz kommen. Dass Laura Bilgeri heute zwischen Musik und Film pendelt, hat eine besondere Vorgeschichte. Einen großen Teil ihres bisherigen Lebens verbrachte sie in Los Angeles, wo sie arbeitete und lebte. Hollywood wurde zu einem wichtigen Bestandteil ihrer beruflichen Biografie. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Rolle in „Der Atem des Himmels“, die zugleich einen frühen wichtigen Schritt in ihre Filmkarriere markierte. Später folgten internationale Produktionen und Begegnungen mit bekannten Schauspielern. Besonders die Arbeit in Los Angeles prägte Bilgeri nachhaltig. Dass sie heute wieder stärker musikalisch in Erscheinung tritt, hat auch mit einer unerwarteten Entwicklung während der Lockdowns zu tun. Bilgeri erzählt, dass sie durch diese Zeit zur Musik gekommen sei. Obwohl die Musik inzwischen einen wichtigen Platz in ihrem Leben einnimmt, bezeichnet sie diesen Bereich ihrer Karriere selbst noch als vergleichsweise jung.

    097 - Das stimmgewaltige Allroundtalent - Laura Bilgeri
  4. Sep 11

    096 - Die begnadete Theaterschneiderin - Kerstin Köck Resch

    Kerstin Köck Resch macht aus Stoff Figuren, aus Kostümen Charaktere und aus einer Bühne eine eigene Welt. Die Vorarlberger Schneiderin arbeitet seit vielen Jahren für Theater, Film, Werbung und Fotografie. Ihr Arbeitsplatz ist dort, wo andere längst Feierabend machen: zwischen Nähmaschine, Kostümfundus, Schminkkoffer und den letzten Vorbereitungen hinter der Bühne. Dass sie einmal Schneiderin werden würde, zeichnete sich früh ab. Stoffe faszinierten sie schon als Kind, richtig konkret wurde der Wunsch im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren. Ein Schulprojekt und eine engagierte Lehrerin gaben den entscheidenden Anstoß. Gemeinsam mit ihrer Mutter suchte sie eine Lehrstelle – und fand sie im Atelier Ärmelfisch in Feldkirch bei Maria Walter. Dort absolvierte Köck Resch ihre dreijährige Lehre. Ihre Lehrmeisterin erkannte früh, dass in ihr mehr steckte als handwerkliches Talent. Sie ermutigte die junge Schneiderin, den kreativen Weg weiterzugehen. Köck Resch folgte dem Rat und besuchte in Zürich eine zweijährige Modeschule. Der Schritt aus dem Ländle in die Großstadt fiel ihr zunächst nicht leicht. Doch die neue Umgebung eröffnete ihr wichtige Erfahrungen. Bei dem Modedesigner Daniel Herrmann lernte sie anschließend, wie aus ersten Entwürfen komplette Kollektionen entstehen – von der Produktionsvorbereitung bis zum fertigen Kleidungsstück und Fotoshooting. 2005 führte ihr Weg zurück nach Vorarlberg und direkt zu den Bregenzer Festspielen. Ihre erste Produktion war „Der lustige Krieg“ im Kornmarkt. Neun Jahre lang arbeitete sie während der Sommermonate bei den Festspielen. Parallel dazu versuchte sie, ein eigenes Label aufzubauen – ein Vorhaben, das sich als schwierig erwies. Die entscheidende Tür zur Theaterwelt öffnete sich schließlich mit dem Vorarlberger Volkstheater. Köck Resch wurde gefragt, ob sie Kostümbilder entwickeln und umsetzen wolle. Aus der Arbeit an den Kostümen wurde bald weit mehr. Hinter der Bühne kümmerte sie sich auch um Requisiten, Schminke und die zahlreichen unsichtbaren Abläufe, die eine Vorstellung überhaupt erst möglich machen. Sie lernte von Traudl Meyer und entschloss sich schließlich, auch den Bereich Make-up professionell zu erlernen. Dafür ging sie nach München und absolvierte eine Ausbildung im Make-up-Bereich – in ungewöhnlich konzentrierter Form. Was normalerweise wesentlich länger dauert, absolvierte sie mit individueller Betreuung innerhalb von vier Wochen. Danach hieß es: lernen durch Erfahrung. Fotografen kamen hinzu, Werbeproduktionen, kleinere Theaterarbeiten und später zunehmend bewegte Bilder. Köck Resch entwickelte sich zu einer vielseitigen Spezialistin, die Kostüm und Maske miteinander verbindet. Ihr eigentliches Geheimnis liegt jedoch nicht nur im handwerklichen Können. Köck Resch versteht Kostüme als Teil des Erzählens. Sie will nicht einfach historische Kleidung oder schöne Einzelstücke herstellen. Sie möchte, dass ein Kostümbild eine Geschichte sichtbar macht. Dafür greift sie immer wieder auf ihren gewaltigen Fundus zurück. Von „Tonnen“ an Kleidungsstücken spricht sie selbst. Mittelalterliches findet sich neben Modernem, Bekanntes wird mit Neuem kombiniert. Ein bereits verwendetes Kleidungsstück kann dadurch völlig anders wirken. „Ich möchte auch das Erlebnis für den Zuschauer immer wieder neu gestalten“, beschreibt sie ihre Arbeitsweise. Besonders deutlich wird das bei einer Produktion der Werdenberger Schlossfestspiele. Für das dortige Stück wurde die Handlung regional verankert. Köck Resch übersetzte diese Idee in Farben und Kleidung: Werdenberg erschien in Blau-, Braun- und Beigetönen, die Glarner in Rot, Braun und Gold. Die Verschwörer erhielten Grün als eigene Farbe. Kostüme wurden damit zu einer visuellen Orientierung für das Publikum. Ihre Arbeit ist aufwendig. Ein anspruchsvolles Kostüm kann mehrere Tage beanspruchen. „Nähen braucht Zeit“, sagt Köck Resch. Schnell müsse es nicht unbedingt gehen, denn wer zu schnell arbeite, dem fehle am Ende meistens etwas.

    096 - Die begnadete Theaterschneiderin - Kerstin Köck Resch
  5. Sep 6

    094 - Die Fahrradabenteurer - Samuel Summer und Johannes Lins

    Für Samuel Summer aus Nofels und Johannes Lins aus Frastanz beginnt eine außergewöhnliche Reise dort, wo ihre Heimat liegt: in Vorarlberg. Ihr Ziel ist Dharamsala im Norden Indiens. Dazwischen liegen rund 12.276 Kilometer, zahlreiche Länder, unterschiedliche Kulturen und eine Route, die sie mit dem Fahrrad bewältigen wollen. Die Reise ist jedoch kein Selbstzweck. Mit ihrer „Spätzletour“ wollen die beiden 100.000 Euro für ein Bildungsprojekt im Senegal sammeln. Obwohl Frastanz und Nofels geografisch nicht weit auseinanderliegen, haben sich Summer und Lins nicht in Vorarlberg näher kennengelernt. Ihre Freundschaft entstand während ihres Auslandszivildienstes. Beide waren damals 19 Jahre alt und leisteten ihren Dienst in unterschiedlichen Ländern: Samuel Summer in Kanada, Johannes Lins in Indien. Die gemeinsame Erfahrung, in jungen Jahren für längere Zeit in einer fremden Umgebung zu leben, verband die beiden. Situationen, die man zum ersten Mal erlebt, Unsicherheiten und die vielen kleinen Herausforderungen eines Auslandsaufenthalts wurden zu einer gemeinsamen Erfahrungswelt. Aus ersten Gesprächen entstand eine Freundschaft, die schließlich zur Grundlage für ein gemeinsames Abenteuer werden sollte. Auch ihre Verbindung zum Senegal reicht bereits zurück: Auf der Website der Spätzletour wird festgehalten, dass beide dort schon früher gemeinsam freiwillig für „Wissen macht Stark“ gearbeitet haben. Für Summer und Lins ist das Fahrrad weit mehr als ein Fortbewegungsmittel. Es ermöglicht ihnen, langsam genug zu reisen, um Landschaften, Orte und vor allem Menschen wirklich wahrzunehmen. Mit dem Auto könne man ein Land mit hoher Geschwindigkeit durchqueren, ohne viel davon mitzubekommen, erklären die beiden. Auf dem Fahrrad sei die Distanz zu den Menschen dagegen deutlich geringer. Man sei ansprechbarer, komme leichter ins Gespräch und könne trotzdem an einem Tag große Entfernungen zurücklegen. Genau diese Mischung fasziniert die beiden: Das Fahrrad verbindet Langsamkeit und Reichweite. Es macht die Reise selbst zum Erlebnis und nicht bloß den jeweiligen Zielort. Die geplante Route führt zunächst von Frastanz über Tirol und Südtirol auf den Westbalkan. Danach geht es weiter über Griechenland, die Türkei, Armenien, Georgien und Aserbaidschan. Ursprünglich wollten Summer und Lins anschließend durch den Iran reisen. Das Land fasziniert sie besonders, gleichzeitig ist ihnen bewusst, dass die aktuelle politische und sicherheitstechnische Situation eine solche Entscheidung nicht zulässt, wenn die Risiken zu hoch werden. Eine Reise um jeden Preis ist ausdrücklich nicht ihr Ziel. Den beiden ist wichtig, vernünftig zu entscheiden. Als Alternative steht eine Route über Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan und Afghanistan im Raum. Von dort wäre wegen geschlossener Grenzen ein Flug notwendig, bevor die Reise über Nepal nach Dharamsala weitergehen könnte. Das eigentliche Ziel liegt damit nicht einfach am Ende einer möglichst direkten Strecke. Die Route ist Teil des Abenteuers: Länder, Menschen und Kulturen sollen erfahren werden. Bei aller Internationalität bleibt die Heimat sichtbar. Rund 22 Kilogramm Gepäck hat Samuel Summer nach eigenen Angaben auf seinem Fahrrad. Ein E-Bike kommt für die beiden nicht infrage: Es wäre unterwegs schwierig zu laden und zu reparieren. Die Energieversorgung übernehmen daher die eigenen Beine – in ihrer scherzhaften Formulierung die „5 PS pro Fuß“. Mit im Gepäck ist auch ein Stück Vorarlberg: Spätzle. Sie sind das verbindende Element ihrer Reise und zugleich der Namensgeber des Projekts. In verschiedenen Ländern wollen die beiden mit regionalen Zutaten Käsespätzle zubereiten und damit Vorarlberger Kulturgut auf ungewöhnliche Weise in die Welt tragen. Hinter der Spätzletour steht ein klar definiertes Bildungsprojekt. Summer und Lins wollen mit ihrer Reise Spenden für ein Projekt im Senegal sammeln. Ziel sind 100.000 Euro. Der erste konkrete Schritt ist der Bau eines Kindergartens und einer Spielgruppe.

    094 - Die Fahrradabenteurer - Samuel Summer und Johannes Lins
  6. Aug 30

    093 - Der gläubige American Football Coach - Patrick Fitzgerald

    Patrick Fitzgerald kennt das Leben aus unterschiedlichen Perspektiven: als ehrgeiziger Nachwuchsspieler in North Carolina, als College-Footballer, als Spieler in Deutschland, als Mitglied der US-Nationalmannschaft, als Trainer und schließlich als Familienvater in Vorarlberg. Sein Lebensweg ist dabei alles andere als geradlinig. Er erzählt von Erfolgen und Rückschlägen, von Verletzungen, beruflichen Umwegen und Entscheidungen, die seine Zukunft verändert haben. Im Mittelpunkt steht ein Mann, für den American Football zunächst Sport war, später Familie bedeutete und schließlich zum Beruf wurde. Patrick Fitzgerald wächst in North Carolina auf. Sein Vater stammt aus New York und hat selbst American Football in High School und College gespielt. Auch sein älterer Bruder spielt Football. Die Voraussetzungen sind damit früh geschaffen. Doch Football ist nicht seine erste Sportart. Bereits mit fünf Jahren beginnt Patrick mit Fußball und spielt bis zu seinem zwölften Lebensjahr. Dazu kommen Baseball, Leichtathletik und Ringen. Erst in der Middle School erhält er die Möglichkeit, American Football zu spielen. Zunächst ist Fitzgerald keineswegs ein Naturtalent. In der siebten Klasse beginnt er als Tight End. Seine ersten Erfahrungen sind schmerzhaft: Er erinnert sich an blaue Flecken und schmerzende Arme nach den Trainingseinheiten. Er selbst beschreibt seine ersten Jahre als Spieler als ziemlich schlecht. Doch genau darin liegt eine der wichtigsten Konstanten seines Lebens: Fitzgerald entwickelt sich nicht deshalb weiter, weil ihm alles zufällt, sondern weil er bereit ist, zu arbeiten. Aus dem Tight End wird ein Fullback – ein Spieler, dessen Aufgabe vor allem darin besteht, Räume zu schaffen, zu blocken und körperlich hart zu arbeiten. In der High School nimmt seine Karriere Fahrt auf. Fitzgerald spielt vier Jahre und wird in seinem dritten und vierten Jahr zum All-Conference-Spieler gewählt. Damit gehört er zu den herausragenden Spielern seiner Conference. Ein besonderer Höhepunkt folgt im Dezember 2005: Fitzgerald wird für den Shrine Bowl nominiert, bei dem die besten Spieler aus North Carolina gegen die besten Spieler aus South Carolina antreten. Für diese Entwicklung hat er hart gearbeitet. Besonders wichtig ist für ihn das Training mit seinem Quarterback und Freund. Fitzgerald beschreibt, wie er ganze Sommer damit verbringt, auf dem Footballplatz zu trainieren, Bälle zu fangen und Routen zu laufen. Der Aufwand zahlt sich aus. Im Übergang vom zweiten zum dritten High-School-Jahr ist die Veränderung so deutlich, dass Colleges auf ihn aufmerksam werden. Einladungen zu Camps und Besuchen folgen. Sein Weg zeigt bereits hier ein Muster, das ihn später begleiten wird: Talent eröffnet Möglichkeiten – Disziplin entscheidet darüber, ob man sie tatsächlich nutzt. Mit 14 Jahren verliert Patrick seinen Vater an Darmkrebs. Dieser Verlust verändert sein Leben grundlegend. Football bekommt für ihn eine neue Bedeutung. Die Mannschaft wird zu einer Art Ersatzfamilie. Fitzgerald spricht von seinen Mitspielern als seinen „35 Brüdern“. Diese Erfahrung prägt auch seinen späteren Wunsch nach einer eigenen Familie. Der frühe Verlust des Vaters bleibt ein wichtiger Hintergrund für viele Entscheidungen, die Fitzgerald später trifft. Nach der High School erhält Fitzgerald ein Full Scholarship für die Western Carolina University. Doch auch dort verläuft nicht alles nach Plan. Nach rund eineinhalb Jahren beendet er zunächst seine College-Zeit und nimmt Abstand vom Football. Zwei Jahre lang ist er nicht an der Universität und spielt auch nicht. Er zieht nach New York, wo seine Mutter lebt, arbeitet und versucht, seinen Kopf wieder zu ordnen. Football scheint zunächst beendet.

    093 - Der gläubige American Football Coach - Patrick Fitzgerald
  7. Aug 23

    092 - Der weltbekannte Solartaxist - Louis Palmer

    Was als Traum eines elfjährigen Schülers begann, wurde zu einer der ungewöhnlichsten Pionierleistungen der modernen Elektromobilität: Louis Palmer wollte schon als Kind einmal mit einem Auto um die Welt fahren – allerdings nicht auf Kosten der Schönheit unseres Planeten. 2007 setzte er diesen Traum in die Tat um. Mit seinem selbst entwickelten Solartaxi umrundete er als erster Mensch die Erde mit einem solarbetriebenen Fahrzeug. 54.000 Kilometer in 18 Monaten wurden dabei zu einem eindrucksvollen Beweis dafür, dass Mobilität auch ohne fossile Brennstoffe möglich ist. Palmer war Lehrer. Seine eigentliche Stärke sollte sich später genau dort zeigen, wo Technik allein nicht genügt – beim Erklären, Vermitteln und Begeistern. 1982, Palmer war elf Jahre alt, stellte sein Lehrer der Klasse eine scheinbar einfache Frage: Was wollt ihr später einmal machen? Palmer wusste es sofort: eine Weltreise. Mit einem Auto wollte er die Erde umrunden. Doch im gleichen Unterricht wurde über Umweltverschmutzung und den beginnenden Klimawandel gesprochen. Benzin verursachte Abgase, Abgase schädigten das Klima – und Palmer wollte die Schönheit der Welt sehen, nicht zerstören. Damit war die entscheidende Idee geboren: Wenn er einmal um die Welt fahren würde, dann mit einem Solarauto. Jahrzehnte später sollte aus dieser kindlichen Vorstellung Realität werden. Als Palmer Anfang der 2000er Jahre ernsthaft begann, sein Projekt umzusetzen, hatte er weder das technische Studium noch das notwendige Kapital. Er selbst beschreibt die Ausgangslage mit einer fast absurden Rechnung: Für sein Projekt wären rund vier Millionen Franken notwendig gewesen. Auf seinem Konto lagen damals gerade einmal 4.000 Franken. Aufgeben kam trotzdem nicht infrage. Palmer begann, Unterstützer zu suchen. Er schrieb 431 Briefe an mögliche Sponsoren. Zunächst ohne Erfolg. Kurz vor dem geplanten Start schickte er noch elf Briefe nach Deutschland. Einer davon führte schließlich zum entscheidenden Durchbruch: Ein Sponsor stellte das benötigte Geld zur Verfügung. Das Solartaxi konnte gebaut werden. Die technische Umsetzung entstand mit Unterstützung von Partnern aus der Schweizer Hochschul- und Technikwelt. Entscheidend war dabei jedoch nicht nur Technik, sondern ein Prinzip, das Palmer bis heute begleitet: nicht aufgeben, um Hilfe bitten und kreativ bleiben. 2007 begann die Weltreise. 18 Monate lang fuhr Palmer mit dem Solartaxi rund um die Erde. Insgesamt legte er rund 54.000 Kilometer zurück. Damit gelang ihm die erste Weltumrundung mit einem solarbetriebenen Fahrzeug. Das Solartaxi war dabei weit mehr als ein Fahrzeug. Es war ein fahrendes Argument. Palmer wollte zeigen, dass Solarenergie und Elektromobilität keine abstrakten Zukunftsvisionen sein mussten. Man konnte tatsächlich einsteigen, losfahren und mit elektrischer Energie große Entfernungen zurücklegen. Das Projekt wurde international wahrgenommen. Die Reise erreichte Menschen in zahlreichen Ländern; Schweizer Botschaften unterstützten Veranstaltungen, Medien berichteten, und Palmer wurde in vielen Ländern zu Interviews und Präsentationen eingeladen. Nach Angaben von SolarButterfly erreichte seine Botschaft während der damaligen Weltreise rund 770 Millionen Menschen. Auch die Vereinten Nationen dokumentierten das Solartaxi bereits während der Reise. Bei der UN-Klimakonferenz 2007 auf Bali wurde das Fahrzeug als solarbetriebenes Taxi eingesetzt. Bemerkenswert ist dabei eine kleine Episode: Palmer wollte tatsächlich ausschließlich mit Sonnenenergie fahren. Doch eine Weltreise lässt sich schlecht nach dem Wetterbericht eines Fernsehsenders planen. Für rund 150 Pressekonferenzen musste er pünktlich erscheinen. Deshalb entwickelte er ein System, bei dem anderswo eingespeister Solarstrom seine Stromentnahme unterwegs ausglich. So konnte er seine Termine einhalten, ohne das Grundprinzip des Projekts aufzugeben.

    092 - Der weltbekannte Solartaxist - Louis Palmer

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Bandi Koeck erzählt Geschichten, die sonst niemand hört. Als Journalist interviewte er prominente Persönlichkeiten aus Musik, Kultur und Sport. Doch irgendwann erkannte er: Die wichtigsten Geschichten beginnen oft dort, wo niemand zuhört. Deshalb wurde er Lehrer. Heute begleitet er junge Menschen dabei, ihre eigene Geschichte zu schreiben – weil er aus eigener Erfahrung weiß, wie es sich anfühlt, nicht gehört zu werden. Sein 14-jähriges Ich trägt er bis heute in sich. Ehrlich tiefgründig, inspirierend. Podcast über Bildung, Gesellschaft, Kunst, Storytelling, Mut und Menschen, die bewegen....