Norbert Perger ist Aufgussmeister im Südtiroler Pustertal. Er jongliert Handtücher auf einem Finger, lässt Vulkane in der Sauna ausbrechen und sitzt privat kaum je in einer Kabine. Es zischt, es duftet nach Wacholder und Zitrone, und ein Handtuch kreist durch die 90 Grad heiße Luft. Dann balanciert es plötzlich auf einem einzigen Finger, als hätte die Schwerkraft frei. In Ehrenburg (Casteldarne) im Südtiroler Pustertal ist das keine Zirkusnummer, sondern ein ganz normaler Aufguss bei Norbert Perger. Mit Wellness hatte Norbert Perger ursprünglich wenig am Hut. Der Jahrgang 1970 ist gelernter Maler und Lackierer und Trockenbauer. Den Bademeisterschein machte er in jungen Jahren, praktiziert hat er ihn nie. Dann wurde in seiner Gegend ein öffentliches Schwimmbad gebaut, es fehlten Bademeister, und Perger hatte „die Schnauze voll" von der Arbeit auf dem Bau. Er wechselte kurzfristig die Branche. Ein Jahr lang war er Bademeister, dann rutschte er Stück für Stück in den Saunabereich. Das war vor 13, 14 Jahren, und Schulungen oder Kurse gab es damals nicht. Die Kolleginnen und Kollegen zeigten ihm, was sie konnten, und es dauerte „lange, lange, lange", bis er selbst etwas konnte. Learning by doing, im wörtlichsten Sinn. Man würde annehmen, dass jemand mit diesem Beruf privat ein Hitze-Junkie ist. Perger sagt das Gegenteil: Wenn er nicht gerade aufgießt, sitzt er vielleicht zweimal im Jahr in einer Kabine. Der Grund ist einfach. Rund 500 Kabinen im Jahr macht er beruflich, da muss er in der Freizeit nicht auch noch reinliegen. Perger gießt nicht nur Wasser auf. Er arbeitet gern mit Eis, und das hat handfeste Gründe. Wasser braucht zum Verdampfen mehr Sauerstoff als Eis, und mehr Sauerstoff in der Kabine macht das Schwitzen leichter. Außerdem ist Eis der ideale Duftträger: Ätherische Öle mischen sich nicht mit Wasser, auf dem Eis lassen sie sich einfach aufbringen. Aus dem Eis formt er auch Schneekugeln, Herzen oder Pyramiden. Seine Öle bezieht er am liebsten von einer Ölbrennerei aus der Nachbarschaft, rund zehn Kilometer entfernt. Sie sind biologisch, und die Wege sind kurz. Bei der Show, bei der wir dabei waren, kamen Wacholder, Lavendel, Lärche, Eukalyptus und Zitrone zum Einsatz. Im Dampfbad bietet er zudem jeden Tag ein anderes Peeling an, etwa Echinacea mit Blutorange, Rosmarin oder Latschenkiefer. Und das Bier? Ein Bieraufguss sieht spektakulär aus, wenn die Flasche über den Ofen kippt. Perger empfiehlt aber, das Bier lieber hinterher zu genießen. Hefeweizen müsste man im Verhältnis 1:10 verdünnen, für die Steine ist es nicht ideal, und danach riecht die Kabine nach Toastbrot. Wer denkt, ein Aufguss bestehe aus Wedeln und Schwitzen, kennt Perger nicht. Er hat schon Aufgüsse rund um die Schlümpfe, ein Bergwerk und Lasershows inszeniert. Er hat sich als Gladiator verkleidet und Party-Aufgüsse mit Technomusik veranstaltet. Sein größter Coup war ein Vulkan mit Trockeneis und rotem Licht, der mitten in der Sauna Rauch spuckte: „gigantisch". Sein Erfolgsrezept ist ein Lächeln. „Wenn man einem Gast ein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann, dann hat man schon gewonnen." Dazu braucht es aber auch die Gäste: „Es braucht immer die Gäste dazu." Das Handtuch-Jonglieren auf einem Finger hat er in drei Monaten täglichen Übens gelernt, ohne Stangen oder andere Hilfsmittel, nur mit einem normalen Textilhandtuch. Nicht jedes Handtuch fliegt gleich. Länge und Gewicht verändern das Flugverhalten, und viele seiner Tricks funktionieren mit einem fremden Handtuch nicht mehr. Perger vergleicht das mit Skifahrern, die mit der Ausrüstung der Konkurrenz auch nicht ihr Bestes zeigen. Perger ist zweisprachig aufgewachsen und spricht fließend Deutsch und Italienisch. Als wir ihn fragen, ob er sich eher als Südtiroler, Italiener oder Altösterreicher fühlt, antwortet er ehrlich: Er fühlt sich als Südtiroler. Als Österreicher würde er sich nicht bezeichnen, als Italiener auch nicht. I