Radio IBYKUS

Uwe Alschner und Siggi Ober-Grefenkämper

Der Podcast über Klassik in Poesie, Musik und Kunst im allgemeinen ganzmenschsein.substack.com

  1. 2d ago

    “Die Natur selbst in beiden Sphären ihres Seins, der materiellen und der geistigen...”

    Liebe Hörerinnen und Hörer von OS-Radio 104,8, mit unserer Erkennungsmelodie »Freude, schöner Götterfunken« aus dem vierten und letzten Satz von Ludwig van Beethovens neunter Sinfonie »Ode an die Freude« begrüßt Sie am Mikro Siggi-Ober-Grefenkämper zur 21. Ausgabe des Klassikformates »Radio IBYKUS«. In den nächsten 57 Minuten übernehme ich zusammen mit meinem Kollegen Uwe Alschner die Sendeverantwortung und freue mich auch heute wieder auf eine Reise in die Welt der Klassik, die mit ihren menschlichen Idealen oder zeitlosen Fragen nach Moral und Freiheit ein unglaubliches Potenzial zum Verstehen der Gegenwart bereithält. Das Gute daran ist, Klassiker bieten zu jedem Lebenszeitpunkt neue tiefe Einblicke, also ist es keine Frage des Alters, und somit nie zu früh oder zu spät sich diesem Thema zu widmen. Zumal klassische Texte entscheidend dabei helfen, negative Aspekte im Hier und Jetzt zu verstehen. Sie zeigen, dass viele moderne Probleme keine neuen Phänomene sind, sondern tief in der menschlichen Natur- und Gesellschaftsstruktur verwurzeln. Als Späteinsteiger für klassische Inhalte verdanke ich diese Erkenntnis meinem Freund und Kollegen Uwe Alschner, der sich zuvor mit Schillers 27 Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen auseinandersetzte. Dass das Erarbeiten alter Texte keinesfalls staubtrocken und langweilig ist, kann ich das Ergebnis meiner intensiveren Zuwendung durchaus als Lernprozess mit deutlichem Mehrwert für mein Leben beschreiben. Das war auch gleichzeitig die Geburtsstunde von Radio IBYKUS, dem Radioformat, wo ich gemeinsam mit Uwe meine Begeisterung für Klassik und die neuen Einsichten teilen konnte. Zudem regt Klassik mein Denken an und gibt mir die Möglichkeit, das Leben aus anderen Blickwinkeln zusammenzubringen. „Weil es die Schönheit ist, durch welche man zu der Freiheit wandert.“ Mit diesem berühmten Satz von Friedrich Schiller spanne ich nun den Bogen zum Kernthema der 21. Ausgabe von Radio IBYKUS, die sich um Schillers tiefgründiges Gedicht »Das Ideal und das Leben« dreht. Ein Werk, in dem der große Dichter und Denker fundamentale Fragen nach menschlicher Wirklichkeit, moralischer Pflicht und ästhetischer Freiheit aufwirft, und unserem Team somit ausreichend Gesprächsstoff für die nächsten 57 Minuten liefert. Doch bevor wir darauf einsteigen, begrüße ich meinen Kollegen Uwe Alschner, der durch eine transparente und geduldige Kommunikation dafür sorgt, dass keine meiner Fragen unbeantwortend bleiben. Hallo lieber Uwe, danke, dass du mir auch heute wieder zur Seite stehst. UA: Na, was ist denn transparente Kommunikation, lieber Sigi? Hallo, ja, auch liebe Hörerinnen und Hörer von mir. Ich bin mal gespannt, was nach dieser Vorrede jetzt auf uns zukommt. SO: Ja, aber bevor wir mit unserem Thema beginnen, verrate doch bitte, welche Musik uns in der heutigen Sendung begleitet. Ja, heute habe ich mir gedacht, spielen wir mal die berühmte 9. Sinfonie von Franz Schubert. Das ist ein wirklich sagenumwobenes Stück, es ist lange verschollen gewesen. Franz Schubert ist ein Komponist, der vor allen Dingen auch für seine Lieder bekannt war, aber eben auch wunderbare Symphonien komponiert hat. Und hier ist jetzt eine Aufnahme unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler, den wir auch schon ein paar Mal gehört haben. Liebe Hörerinnen und Hörer von OS-Radio 104,8, im Mittelpunkt der 21. Ausgabe von Radio IBYKUS mit Uwe Alschner und mir, Siggi Ober-Grefenkämper, steht Schillers Gedicht »Das Ideal und das Leben«. Doch bevor wir darüber sprechen, möchte ich noch auf die in meiner Anmoderation erwähnte „Schönheit“ eingehen, denn dieser Begriff dient dem Gesamtverständnis seiner Werke und stellt das absolute Zentrum seiner philosophischen, ästhetischen Schriften dar. Wenn man das Wort im Alltag auf das Wesentliche herunterbricht, bedeutet Schönheit Attraktivität auf der rein visuellen Ebene, Anmut und Eleganz in der Bewegung oder Ausstrahlung oder Reinheit und Vollkommenheit in der Natur oder Kunst. Uwe, wie kann man den Begriff Schönheit aus Schillers Sicht erklären? Für Schiller ist die Ästhetik insgesamt der wichtigste Teil, um den Menschen zu seiner Menschlichkeit zu tragen, zu entwickeln. Und Ästhetik wiederum ist etwas, was sich aufgliedert in einmal die Schönheit, also die Optische Schönheit, das was mit „gefällig“ nur sehr unvollkommen beschrieben ist, eben schön ist wirklich der Begriff. Also das, was dem Auge wirklich gefällt, was anmutig ist, das ist ein weiterer Begriff. Daneben gibt es dann noch in der Ästhetik das Erhabene. Wenn man zum Beispiel Tragödien sieht, wo es dann wirklich um traurige Inhalte, um traurige Handlungen geht, kann sich dann trotzdem ein „schönes Gefühl“ einstellen. Und das ist das sozusagen, was man mit erhaben bezeichnet. Das eine kann nicht vom anderen getrennt werden. Er sagt das auch in seiner Schrift Über das Erhabene. Da sagt er eben, dass es zwei Genien gibt, die die Natur den Menschen zum Begleiter durchs Leben gegeben hat. Der eine, das ist dann die Schönheit, trägt uns hold und locker durch die Schwernisse des Alltages und macht uns die Notwendigkeit, also das, was unsere Pflicht ist, macht er uns leicht. Und der andere Genius ist eben dann das Erhabene, der kommt dann, wenn der erste, die Schönheit, ihre Grenze erreicht, nämlich da, wo es existenziell wird. Und insofern ist dieses Beides etwas, was unter dem Begriff Ästhetik bezeichnet wird. Und Ästhetik wird manchmal mit Schönheit übersetzt, aber es ist eben für Schiller differenzierter. Das eine ist das Aufmerksamkeit. Das ist das optisch gefällige Schöne und das andere ist eben das Erhabene. SO: Das wollte ich nämlich gerade fragen. Ästhetik und Schönheit sind nicht das Gleiche. Sie harmonieren miteinander, wenn ich dich richtig verstanden habe, aber sind nicht das Gleiche. UA: Die Ästhetik ist der Oberbegriff und enthält das Schöne und das Erhabene. Und das ist sozusagen in einem moralischen Sinne beides schön, aber in einem rein physischen Sinne, optischen Sinne ist das Schöne eben das Schöne, wo man sagt, „boah, ist das schön“, man staunt, wie kunstvoll, wie maßvoll etwas geformt ist, wie maßvoll etwas dargestellt ist, wie vollkommen etwas dargestellt ist, aber die Historie enthält eben dann auch noch das Erhabene, was ich eben sagte und das ist der Punkt, wo man dann das erkennt, was angesagt ist. Was man tun muss, selbst wenn es eigentlich an sich nicht schön ist, sondern vielleicht sogar mit einer existenziellen Gefahr verbunden ist oder einer Herausforderung, bei der man selber als Individuum scheitern kann, aber zum Beispiel Dinge tut, die dem großen Ganzen, der Familie oder den Kindern, dienen oder wie auch immer. SO: Uwe, weil es die Schönheit ist, durch welche man zu der Freiheit wandert. Warum meinte Friedrich Schiller, dass uns genau diese Schönheit erst zu freien Menschen macht? Oder wie kann man das verstehen? UA: In der Formulierung ist Schönheit wahrscheinlich dann auch, umfasst dann auch die Ästhetik. Also insofern ist es da dieser Begriff, der da gefälliger ist, weil man ihn... Die Schönheit ist das, was uns zu Freiheit führt, weil, und das ist der Punkt, Schiller sieht im Menschen eben zwei elementare Eigenschaften. Das eine ist, dass wir Gefühlswesen sind, dass wir sinnliche Wesen sind. Wir haben einen Verstand, der uns befähigt, über uns selbst, über unsere Stellung zur Natur, zur Schöpfung, zu Gott, nachzudenken und auch Ideen zu entwickeln, die dann sozusagen eine neue Dimension erreichen können. So und beide Züge, beide Triebe sind elementar für den Menschen, machen also den Menschen aus in ihrer Gemeinsamkeit, können aber im Zweifelsfall Einander auch in die Quere kommen. Das ist dann, wenn das eine unterentwickelt ist, wenn man jetzt nur im Gefühl ist, nur entweder sich von den Gefühlen leiten lässt, schnell in Wut gerät, schnell in Angst gerät, Gier, Habgier, Ego, das sind alles sinnliche Triebe. Und wenn man darüber seine Vernunft nicht aktivieren kann und sagen kann, „Moment, ich kann und will und darf nicht alles machen, was ich kann. Oder was mir im ersten Moment scheinbar Nutzen bringt, sondern ich muss an das Ende denken, ich muss an die Konsequenzen denken.“ Ich kann und will an die Konsequenzen denken, weil es eben um mehr geht als um mich. Und in diesem Sinne ist dann notwendig, dass diese beiden Elemente vereinigt werden. Genauso ist es umgekehrt: wenn jemand nur im Kopf ist, dann fehlt ihm im Zweifelsfall das Mitgefühl für seine Mitmenschen. Wenn jemand sagt — das ist ein Zitat, was überliefert ist von Marie-Antoinette, der französischen Königin, der Gattin von Ludwig XVI., die gesagt haben soll, ob das stimmt oder nicht, das sei dahingestellt, aber als Beispiel ist es gut: „Was jammern die Leute, dass sie kein Brot haben, dann sollen sie halt Kuchen essen. Das ist eine typische Äußerung aus dem Kopf heraus und überhaupt nicht voll mit Gefühl von dem Verständnis, dass jemand in existenziellen Nöten sein könnte. Die Schönheit ist das, was diese beiden unterschiedlichen Züge, diese Triebe veredelt, so wie Schiller das sagt. In Gegenwart von etwas Schönem kann sich dieser exzessiv ausgelebte oder exzessiv ausgebildete Trieb dann nicht mehr so entfalten. Wird gehemmt, wird gebremst, wird gedämpft, wird eben entwickelt. Und das heißt, im Endziel soll es dann dazu führen, die wirkliche Freiheit — das ist nach Schiller das, was den Menschen dann gefühlsmäßig so reifen lässt, dass er aus dem Gefühl das Vernünftige tut. Das ist das, was durch die Schönheit erreicht wird. Das was den Menschen zur Freiheit, zur wirklichen Freiheit bringt, nämlich frei von seinen animalischen Instinkten und auch frei von irgendeiner weltvergessenen Kopflastigkeit, die überhaupt kein Gefühl hat für die Bedürfnisse von anderen Menschen. SO: Also sagt Schiller letztendlich, dass die Schönheit

  2. Aug 6

    Ein Spiel über das Leben und die Ewigkeit

    Siggi Ober-Grefenkämper: Liebe Hörerinnen und Hörer von OS Radio 104,8, haben Sie schon einmal etwas von Nikolaus von Kues und dem Kugelspiel gehört? Wenn nicht, möchten wir das in der 20. Ausgabe von Radio IBYKUS unbedingt ändern. Wir, das sind Uwe Alschner und ich, Siggi Ober-Grefenkämper, die Sie herzlich willkommen heißen und in gewohnter Weise an jedem ersten Donnerstag im Monat die Sendeverantwortung für Radio IBYKUS übernehmen. In unserem Format besprechen wir nicht nur klassische Themen aus Literatur und Musik, sondern stellen auch historische Persönlichkeiten in den Fokus, deren Bedeutung über Jahrhunderte nicht verloren gegangen ist. Denn ein Blick zurück auf Menschen aus anderen Epochen und der Vergleich verschiedener Lebensläufe schult den Blick für Manipulation und Propaganda und fördert das kritische Denken. Außerdem kann die Beschäftigung mit Personen aus der Vergangenheit helfen, aus Fehlern zu lernen, menschliches Verhalten besser zu verstehen und Orientierung für das eigene Leben zu gewinnen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der eingangs erwähnte Nikolaus von Kues und das Kugelspiel. Wie der Universalgelehrte mit seinen Konzepten, Ideen und seiner religiösen Toleranz das moderne Denken tiefgreifend mitgeprägt hat, besprechen wir nach dem ersten Musiktitel, den mein Kollege Uwe Alschner gleich ankündigen wird. Hallo lieber Uwe, herzlich willkommen in der 20. Ausgabe von Radio Ibikus. Ich freue mich auf einen informativen und spannenden Dialog mit dir und bin auch gespannt, welche Musik du für unsere heutige Sendung ausgewählt hast. Uwe Alschner: Ja, hallo lieber Siggi, hallo liebe Hörerinnen und Hörer, hier zu Radio IBYKUS, auch von meiner Seite. Musik hören wir heute von Karl Stamitz, der ist nicht aus der gleichen Zeit wie Nikolaus von Kues, da kommen wir gleich noch dazu. Karl Stamitz lebte im 18. Jahrhundert, ist ein Vertreter der sogenannten Mannheimer Schule, ein sehr bekannter Komponist zu der Zeit, also ein Zeitgenosse von Mozart und auch von Beethoven. Und wir hören jetzt hier das Klarinettenkonzert in B-Dur und daraus zunächst mal den ersten Satz, das Allegro. Siggi Ober-Grefenkämper: Liebe Hörerschaft, zentrales Thema der aktuellen Ausgabe von Radio Ibikus sind der Mathematiker, Philosoph und Theologe Nikolaus von Kues und sein Kugelspiel. Und das hat einen Grund: Als mein Kollege Uwe Alschner vor einigen Wochen bei einer Veranstaltung das Kugelspiel vorstellte und ich ohne großes Vorwissen daran teilnahm, stand für mich schnell fest: das ist ein Thema für Radio IBYKUS, weil die die Spuren des Spiels und des Entwicklers Nikolaus von Kues, auch Nikolaus Cusanus genannt, bis in unsere Gegenwart reichen und uns beispielsweise mit Fragen wie “Was macht einen Mensch unsterblich” und “ist es die Macht, das Wissen oder der Mut, die Welt neu zu denken” konfrontiert.Ein komplexer und wichtiger Gesprächsstoff, den wir uns für heute vorgenommen haben, schauen wir mal, ob eine Sendung dafür ausreicht. Darum genug der Vorreden und auf zur ersten Frage. Uwe, zunächst eine persönliche Frage. Welche Bedeutung hat der Mensch Nikolaus von Kues für dich und was hat dein Interesse an ihm geweckt? Uwe Alschner: Naja, also vielleicht fangen wir mal mit der Person von Kues selbst an, bevor wir besprechen, was das für mich für eine Bedeutung hat. Kues ist jemand, der durchaus auch den einen oder anderen etwas sagen dürfte, denn er ist der Namensgeber des katholischen Begabtenförderungswerkes, des Cusanuswerks. Und es sind ja viele Hörerinnen und Hörer katholisch, und der eine oder andere, die eine oder andere mag davon auch vielleicht sogar selber in den Genuss eines Stipendiums vom Cusanus-Werk gekommen sein. Das heißt, diesen Personen wird ganz sicherlich Cusanus, also sprich Nikolaus von Kues, etwas sagen. Aber auf der anderen Seite ist es schon richtig, er ist ansonsten relativ wenig bekannt. Er ist ein Mensch, der im 15. Jahrhundert lebte, also 1401 geboren wurde, wenn ich das richtig erinnere. Er wurde in Bernkastel-Kues an der Mosel geboren und daher stammt dann auch sein Name Nikolaus Cusanus, also der Cusaner, derjenige, der aus Kues stammt, denn sein eigentlicher Familienname lautet nicht Kues, sondern eine mittelalterliche Schreib- und Sprechweise des Namens Krebs, also eigentlich heißt er Nikolaus Krebs. Er ist ein Spross einer Winzer- und Reederfamilie, also sein Vater war Weinbauer und auch Weinhändler. Er hat den Moselwein, den er selbst erzeugt hat und wahrscheinlich auch andere Weine eben dann auch transportiert, die Mosel rauf, die Mosel runter, und Das heißt, dieser Moselwein ist ja eine große Köstlichkeit, sehr wertvoll und dementsprechend war auch die Familie jetzt nicht völlig unvermögend, war aber eine bürgerliche, einfache Familie. Und Nikolaus ist dann als Schüler auf die Schule der Brüder vom Gemeinsamen Leben gekommen. Und das ist etwas, was mich eben persönlich auch sehr interessiert hat. Die Brüder vom Gemeinsamen Leben wiederum war ein Laienorden, also eine Bruderschaft, die jetzt nicht irgendwie mönchisch ein Gelübde abgelegt hat, aber die auf der anderen Seite tief bewegt und beeindruckt war vom Leben Christi, vom Leben Jesus Christus. Und die wurde gegründet von einem Bürger der Stadt Deventer im heutigen Holland. Holland gab es als Land damals nicht. Es waren Grafschaften und Fürstentümer des Deutschen Reiches. Und Deventer, da lebte die Familie Groote. Und der Gerrit Groote, der hat in den 70er Jahren des 14. Jahrhunderts, 1378, glaube ich, so etwas, hat er diese Brüderschaft vom Gemeinsamen Leben mit seinem Erbe gegründet, um da Christus nachzufolgen in der Nächstenliebe und in der Sorge, in dem Pflegen der Beziehung zu einer jeden Seele, also eines jeden Menschen. Und es war damals gemeint, dass er insbesondere Waisen erzogen hat. Weil die ansonsten, wenn Kinder ihre Eltern verloren, waren sie tatsächlich im Prinzip hilf- und mittellos und kamen unter die Räder. Und diese Brüder vom gemeinsamen Leben haben dann eben [Bruderschaftshäuser mit] Schulen gegründet. Erst in Deventer, dann in Zwolle und dann hinterher in vielen Städten des Reiches, des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation damals. In Osnabrück gab es auch hinterher eine Schule der Brüder vom Gemeinsamen Leben. In Münster gab es die, noch eine Reihe weiterer Städte in der näheren und weiteren Umgebung, Paderborn und dergleichen. Jedenfalls war Nikolaus von Kues auch, obwohl er kein Waise war, ein Schüler, Bei diesen Brüdern vom gemeinsamen Leben und hat dort nicht nur eine tiefe Frömmigkeit, die nannte sich eben damals “Devotio Moderna”, also die moderne Frömmigkeit der Zeit, sondern auch eine sehr gründliche, klassische Bildung erfahren. Die Brüder vom gemeinsamen Leben haben hinterher bis etwa 1510, 1515 haben sie tatsächlich existiert und dann kamen die Wirren der Reformationszeit, Aber aus dieser Schule der Brüder vom gemeinsamen Leben stammen viele andere große Geister, woran man sieht, wie wertvoll und wichtig diese Brüder vom Gemeinsamen Leben mit ihrer Arbeit und ihrem Ansatz waren. Unter anderem gehörten dazu Erasmus von Rotterdam selbst, Johannes Gutenberg und viele weitere, die von den Brüdern direkt oder indirekt beeinflusst worden sind. Nikolaus von Kues ist direkt ein Schüler der Brüder vom Gemeinsamen Leben und hat dies auch sein ganzes Leben lang in seiner Arbeit dann auch beherzigt. Er hat Theologie studiert und ist dann nicht in die wissenschaftliche Lehre gegangen, sondern er ist Priester geworden und hat sich unter anderem eben auch dann mit theologischen Fragen tief beschäftigt. Er hat als solches auch dann an den Konzilen, an verschiedenen Konzilen, also mittelalterlichen Konzilen der damaligen Zeit, unter anderem eben dem Konzil von Basel teilgenommen, wo er Theologische Gutachten verfasst hat und dann auch den Päpsten, einer Reihe von Päpsten in dieser Zeit, aufgefallen ist und sich letztendlich in den päpstlichen Dienst hat nehmen lassen. Und als solches dann eben auch verschiedene Hierarchiestufen durchlaufen. Er ist Bischof geworden, Bischof von Brixen und dann hinterher auch Kardinal der römischen Kirche, also selber Mitglied des Kollegiums, welches dann die Päpste gewählt hat. Insofern war er ein sehr, sehr einflussreicher Mann, der eben, und das ist das Besondere aus meiner Sicht, tief geprägt war von diesem humanistischen [Geist], von Nächstenliebe, und von dem Dienst am Nächsten, am Allgemeinwohl orientierten Geist. Das ist Nikolaus von Kues. Und er hat, das hast du in der Anmoderation auch erwähnt, er hat da verschiedene Aspekte behandelt. Er hat nicht nur theologisch gearbeitet, sondern er hat auch philosophisch und letztendlich auch mathematisch verschiedene Prinzipien formuliert, entdeckt und in den Diskurs gegeben, sodass er mit diesem Werk - insgesamt ist es ein sehr großes Werk, er hat verschiedene Bücher geschrieben - da auch nachhaltigen Einfluss auf die Geistesgeschichte und Kulturgeschichte des gesamten europäischen Raumes ausgeübt hat. Und das ist es, was auch hier beim Kugelspiel zu beobachten und erfahrbar ist, weil in diesem Spiel wiederum, welches am Ende seines Lebens entstand, 1462, 1463, hat er den “Dialog über das Kugelspiel” geschrieben, dem die Entwicklung dieses Spiels selbst vorausgegangen ist, und in diesem Spiel hat er im Prinzip sein gesamtes geistiges Werk verarbeitet, auf spielerische Weise zugänglich gemacht, aber eben in einer Tiefe, die beeindruckend ist. Eine Tiefe, die sich nicht sofort aufdrängt, weil es eben ein kleines harmloses Spielchen ist scheinbar. Auf der anderen Seite aber eben so viele Facetten, so viele Dimensionen enthält, dass da unglaublich viel drin ist. SO: Uwe, danke für deine ersten Ausführungen. Noch eine letzte Frage in diesem Block. Es heißt ja, du hast das eben auch schon angesprochen, dass der von Kues sich nicht nur der Theologie gewidmet hat, sondern auch der Mathematik und

  3. Jun 5

    Das Jahrhundertgedicht

    Herzlich Willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, hier zur 18. Ausgabe von Radio Ibikus auf OS Radio 104,8. Mein Name ist Uwe Alschner und gemeinsam mit meinem Kollegen Siggi Ober-Grefenkämper bringe ich Ihnen alle vier Wochen dieses Programm rund um die Klassik und die klassische Kultur. Heute geht es in unserer Sendung um einen Dichter der Neuzeit. Es geht um Paul Celan, der unter dem Namen Paul Antschel am 23. November 1920 in Czernowitz [in der heutigen Ukraine] geboren wurde und der 1970 in Paris starb Gegenstand der heutigen Sendung ist Celans Gedicht “Die Todesfuge” beziehungsweise das spannungsgeladene Verhältnis von Paul Celan zur Szene der deutschen Schriftsteller und Poeten nach dem Zweiten Weltkrieg, also in der Nachkriegszeit im sogenannten entnazifizierten Deutschland. Dazu hören wir ein Programm von Ralf Schauerhammer, der uns schon in verschiedenen Produktionen unterstützt hat mit den Dichterpflänzchen. Heute ist das Projekt von Ralf Schauerhammer persönlich geschrieben und wir haben es gemeinsam vertont. Bevor wir nun einsteigen, hören wir noch ein paar Takte Musik und dann geht’s los. Das Jahrhundertgedicht - Eine Kollage Im Jahre 1999, ein Jahr bevor das 20. Jahrhundert zu Ende ging, begann der Literatur- und Kulturwissenschaftler Wolfgang Emmerich, dessen Forschungsschwerpunkt die Literatur- und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts war, seine Biographie von Paul Celan mit den Worten: Paul Celan gilt als der bedeutendste Lyriker deutscher Sprache seit 1945. Seine Todesfuge ist ein, ja vielleicht das Jahrhundertgedicht. Über den Entstehungszeitpunkt notierte Celan im Herbst 1960: “Als ich im Mai 1945 die Todesfuge schrieb, hatte ich damals, in der Izwestia, wie ich mich zu erinnern glaube, die Berichte über das Lemberger Ghetto gelesen.” Todesfuge Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts wir trinken und trinken wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei er pfeift seine Juden hervor lässt schaufeln ein Grab in der Erde er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends wir trinken und trinken Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends wir trinken und trinken ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland dein goldenes Haar Margarete dein aschenes Haar Sulamith Iswestia vom 23. Dezember 1944 Auszug: Im September 1941 wurde auf Befehl des Generalmajors der SS Katzmann in Lemberg ein Ghetto errichtet, von den Deutschen “Judenlag” genannt – jüdisches Lager. Das Ghetto lag am Stadtrand. Das Lagergebiet war mit Zaun und Stacheldraht umgeben. Niemand durfte das Ghetto verlassen. Zur Arbeit wurden Juden immer unter Bewachung geführt. Im Lager befanden sich 136 000 Menschen. Die Bevölkerung war Plünderungen ausgesetzt. Die Lagerbedingungen im Ghetto waren schrecklich. Die Leute schliefen auf dem blanken Boden und unter freiem Himmel, mit den Juden ging man schlimmer um als mit dem Vieh. Die Deutschen führten in der Stadt Massenrazzien nach Juden durch. Sie schonten weder Männer noch Frauen noch Kinder. Die Erwachsenen wurden einfach ermordet, die Kinder übergab man Hitlerjugend-Einheiten als Zielscheiben beim Schießen… Aus dem zweiten Teil des Iswestia-Artikels vom Lager Janowska bei Lemberg. Die Erschießungen wurden dort von einem Todesorchester begleitet; ein Todestango wurde gespielt. Professor Stricks, Insasse des Lagers, leitete zusammen mit dem Dirigenten Mundt das Orchester. Auf der rechten Seite des Bildes sehen Sie den Leiter des Lagers in der weißen Uniform… Ich bitte, Ihre Aufmerksamkeit auf die Punkte zu richten. Rechts ist Obergruppenführer Gebauer, der Leiter des Lagers, in weißer Uniform. Hinter ihm steht sein Hund Rex. Dieser Hund ist uns aus vielen Protokollen bekannt. Er war abgerichtet, lebende Menschen zu zerreißen. Todestango war der Titel, unter dem Paul Celans “Todesfuge” erstmals 1947 auf Rumänisch in Bukarest veröffentlicht wurde. Im Sommer 1942 waren Paul Celans Eltern deportiert worden. Sein Vater starb im Lager, wahrscheinlich an Typhus, seine Mutter wurde sofort erschossen. In einem Brief vom 12. November 1959 schrieb Celan an Ingeborg Bachmann: “…dass die Todesfuge auch dies für mich ist: eine Grabschrift und ein Grab… Auch meine Mutter hat nur dieses Grab.” Rose Ausländer Ins Leben Nur aus der Trauer Mutterinnigkeit strömt mir das Vollmass des Erlebens ein. Sie speist mich eine lange, trübe Zeit mit schwarzer Milch und schwerem Wermutwein. Rose Ausländer und Paul Celan hatten sich 1941 im Ghetto von Czernowitz kennengelernt, sie schätzte Celans Gedichte sehr und sagte 1972: »Dass Paul die Metapher “schwarze Milch”, die ich in meinem 1925 geschriebenen, jedoch erst 1939 veröffentlichten Gedicht ‘Ins Leben’ geschaffen habe, für die ‘Todesfuge’ gebraucht hat, erscheint mir nur selbstverständlich, denn der Dichter darf alles als Material für die eigene Dichtung verwenden.« Aus dem Alten Testament, Klagelieder, Jeremia 4. Kapitel - zitiert nach der Lutherbibel: Zions Fürsten waren reiner als der Schnee und weißer als Milch... Nun aber ist ihre Gestalt so dunkel von Schwärze, dass man sie auf den Gassen nicht erkennt; ihre Haut hängt an den Knochen, und sie sind so dürr wie ein Holzscheit. Den durchs Schwert Erschlagenen ging es besser als denen, die vor Hunger starben. Immanuel Weißglas ER Wir heben Gräber in die Luft und siedeln Mit Weib und Kind an dem gebotnen Ort. Wir schaufeln fleißig, und die andern fiedeln, Man schafft ein Grab und fährt im Tanzen fort. ER will, dass über diese Därme dreister Der Bogen strenge wie sein Antlitz streicht: Spielt sanft vom Tod, er ist ein deutscher Meister, Der durch die Lande als ein Nebel schleicht. Und wenn die Dämmrung blutig quillt am Abend, Öffn’ ich nachzehrend den verbissnen Mund, Ein Haus für alle in die Lüfte grabend: Breit wie der Sarg, schmal wie die Todesstund. ER spielt im Haus mit Schlangen, dräut und dichtet, In Deutschland dämmert es wie Gretchens Haar. Das Grab in Wolken wird nicht eng gerichtet: Da weit der Tod ein deutscher Meister war. Aus einem Brief von Immanuel Weißglas Im Jahre 1975 an Gerhart Baumann: “Im Bereich der Dichtung kommt es – mag auch der Umriss einer Metapher von einem Gebilde ins andere herüberleuchten – immer nur auf Gewinn und Verlust im rein Künstlerischen an. Und die “Todesfuge” ist tief verankert im lyrischen Bewusstsein unserer Zeit. Parallelismen bezeugen keineswegs irgendeine Priorität.” Margarete ist der Name des “Gretchens” in Goethes Faust. Mit 13 Jahren hatte Celan die Inselausgabe von Goethes Faust geschenkt bekommen und begeistert gelesen, woran er sich später noch gerne erinnerte. Die liebevolle Margarete ist es, die Faust am Ende des zweiten Teils aus dem Pakt mit dem Teufel erlöst. Sulamith war die Geliebte Salomons im Hohen Lied des Alten Testaments, aber auch der Name einer deutschsprachigen Zeitschrift zur Beförderung der Kultur und Humanität unter der jüdischen Nation. Sie war den Idealen Moses Mendelssohns verpflichtet und propagierte ein säkulares, tolerantes und weltoffenes Judentum. Musik: “Dunkel war die Nacht” von Benjamin Geier Paul Celan schreibt in einem Brief an den Schriftsteller Hans Bender im November 1954: »Im Zusammenhang mit der Frage nach dem Warum meines Dichtens habe ich mich auf meine erste Begegnung mit der Poesie zu besinnen versucht: ich war sechs Jahre alt und konnte “Das Lied von der Glocke” “aufsagen”. Wer weiß, ob nicht der Eindruck, den das auf meine Zuhörer machte, alles Weitere ausgelöst hat.« Aus Paul Celans Aufsatz “Edgar Jené und der Traum vom Traum” von 1948 Hier gedenke ich eines Gesprächs mit einem Freunde, dem Kleists “Marionettentheater” zugrunde lag. Wie sollte doch jene ursprüngliche Anmut wiedererlangt werden, deren Bestand das letzte, also wohl auch höchste Kapitel der Menschheitsgeschichte überschreibt? Auf dem Wege - so deutete mein Freund - einer vernunftmäßigen Läuterung unseres unbewussten Seelenlebens könnte jene Ursprünglichkeit wiedergewonnen werden, die am Anfang war, und die auch am Ende diesem Leben seinen Sinn geben und es lebenswert machen würde. In dieser Anschauung fielen Anfang und Ende zusammen… Wie sollte nun das Neue, also das Reine entstehen? Aus den entferntesten Bezirken des Geistes m

  4. May 14

    Poesie bewirkt durch ihre Uneindeutigkeit, dass der Mensch in Geist und Gemüt gebildet wird

    Herzlich Willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, hier auf OS Radio 104,8 zur 17. Ausgabe von Radio IBYKUS, unserem Klassik-Format. An jedem ersten Donnerstag im neuen Monat präsentieren wir Ihnen Texte und Musik, die in ihrem Inhalt klassisch, also zeitlos universelle Prinzipien behandeln oder ausdrücken. Wir, das sind mein Kollege Siggi Ober-Grefenkämper und ich, Uwe Alschner, wir freuen uns, dass Sie auch heute wieder eingeschaltet haben zu einer Sendung, die den zweiten Teil der Lesung von Elisabeth Hellenbroichs Text “Don Quixote. Ein Erziehungsroman von Miguel de Cervantes”, für Sie bereithält. Den ersten Teil konnten Sie bereits hören und können Sie auch nachhören und zwar auf unserer Seite ganzmenschsein.substack.com unter der Rubrik 'Radio IBYKUS' oder überall dort, wo Sie sonst Podcasts hören. Bevor wir in die Lesung heute einsteigen, hören wir zunächst noch einmal eine musikalische Interpretation des Stoffes um den Ritter von der traurigen Gestalt, wie Don Quixote zuweilen auch genannt wird. Bereits im ersten Teil haben wir begonnen, eine Aufnahme des Komponisten Richard Strauss aus dem Jahr 1933 zu hören, der die Berliner Staatskapelle selbst dirigierte. Enrico Mainardi interpretierte damals als Solist am Cello den Don Quixote, während Karl Reitz den Sancho Pansa auf der Bratsche erklingen ließ. Wir beginnen gleich mit der sechsten Variation, in der Strauß die Begegnung Quixotes mit seiner verehrten Dulcinea interpretiert. Die Dulcinea ist für Cervantes das Symbol für die Republik Spanien und auch wenn die Republik Spanien ein Traum bleiben sollte, ihr galt Quixotes und Cervantes Liebe. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit ganzmenschsein.substack.com/subscribe

  5. Apr 2

    ”Don Quixote“ - Wie Cervantes kleine Menschen groß machte

    Herzlich Willkommen, liebe Hörer, zur 16. Ausgabe von Radio IBYKUS, dem Klassik-Format hier auf OS-Radio 104,8. Mein Name ist Uwe Alschner und gemeinsam mit meinem Kollegen Siggi Ober-Grefenkämper präsentieren wir Ihnen an jedem ersten Donnerstag im Monat die Klassik in etwas anderer Weise. Klassik, das bedeutet das zeitlos Gültige. Wann immer sich die Menschheit in ihrer Geschichte diesen Prinzipien gewidmet hat und sie gesucht, beschrieben und angewendet hat, folgten Zeiten kultureller und wirtschaftlicher Blüte. Das war im antiken China so, im Indien der Vedas, im alten Griechenland und vor allem in der goldenen Renaissance Italiens im 15. und 16. Jahrhundert. Wir möchten mit diesem Format einen Beitrag dazu leisten, dass auch in unserer Zeit wieder Bedingungen entstehen können, die den Fokus erneut auf das Schöne, Gute und Wahre richten. Auch und gerade wenn es draußen in der Welt, drunter und drüber zu gehen scheint, ist es notwendig, sich dem Schönen zu widmen. Das wusste bereits Friedrich Schiller. Er hat vor bald 235 Jahren in seinen ästhetischen Briefen ausführlich beschrieben und begründet, dass es die Schönheit ist, durch welche die zwei grundlegenden menschlichen Gaben, nämlich die Wahrnehmungsfähigkeit mit den Sinnen, also das Gefühl, und die Wahrnehmungsfähigkeit mit dem Verstand, also die denkende Vernunft, zu ihrer vollen Blüte und zum harmonischen Einklang miteinander entwickelt werden. Charakterbildung wäre ein anderes Wort für dasselbe Ergebnis. Heute möchten wir Ihnen ein besonderes Beispiel dieser Kunst vorführen, denn es ist die Kunst, die als Ausdrucksform auf Gefühl und Verstand gleichermaßen wirkt. Sie tut es, wenn sie die Schönheit, die Gerechtigkeit und die Wahrheit in ihrem jeweiligen Ideal zu ihrem Gegenstand macht. Und die Beispiele für solche Kunst sind ebenfalls vielfältig und zeitlos. Unser heutiges Beispiel ist über 400 Jahre alt und steht am Anfang der spanischen Hochkultur. Die Rede ist von Miguel de Cervantes Roman Don Quixote, dessen erster Teil im Jahre 1605 erschien. Bevor wir Ihnen die besondere Qualität und seine zeitlos gültigen Komponenten durch die Lesung eines Aufsatzes von Elisabeth Hellenbroich aus dem Jahr 1985 vorstellen, hören wir aber zunächst noch die Einführung zu einer musikalischen Interpretation des Don Quixote durch Richard Strauss, die dieser im Jahr 1901 als »Fantastische Variation eines ritterlichen Themas« komponierte. Wir hören eine Aufnahme, in der der Komponist die Berliner Staatskapelle im Jahr 1933 persönlich dirigierte und in der Enrico Mainardi am Cello den Part des Ritters von der traurigen Gestalt interpretiert. Im Verlauf der Lesung werden weitere Variationen von Strauss die Abschnitte auflockern. Don Quixote — Ein Erziehungsroman von Miguel de Cervantes Von Elisabeth Hellenbroich This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit ganzmenschsein.substack.com/subscribe

  6. Mar 18

    Ist der Mensch des Menschen Wolf? Oder hat er ein existenzielles Interesse am Vorteil des Anderen?

    Guten Abend und herzlich willkommen zur 15. Ausgabe von Radio Ibikus, dem Klassik-Format bei OS-Radio 104,8, mit dem die Sendeverantwortlichen Uwe Alschner und ich, Sigi Obergräfenkemper, an jedem ersten Donnerstag im Monat in die Welt der Klassik eintauchen. Passend dazu hören Sie im Hintergrund unsere Erkennungsmelodie »Freude schöner Götterfunken« aus dem Schlusssatz von Beethovens berühmter neunter Symphonie, der Vertonung von Friedrich Schillers Gedicht »Ode an die Freude«, die Sie auch heute wieder am Anfang und Ende unseres Radiomagazins begleiten wird. Dass man in der Klassik auch angewandte Philosophie durch Literatur findet, die darauf abzielt, den Menschen durch Schönheit und Wahrheit sittlich zu veredeln, kommt unserem heutigen Thema sehr entgegen. Denn wir sprechen in den nächsten 57 Minuten über das Streben nach Glück oder der Glückseligkeit. Eine universelle Sehnsucht der Menschen, womöglich seit Urgedenken. Worin liegt der Schlüssel zum Glück? Was ist der Unterschied zwischen Glück und Glückseligkeit? Wie weit muss ich in der Geschichte der Menschheit zurückgehen, um darauf eine Antwort zu finden? Oder ist das Streben nach Glück nur ein modernes Phänomen? Fragen über Fragen, die mein Kollege Uwe Alschner, der im letzten Monat schon zwei große Vorträge zu diesem spannenden Thema gehalten hat, mir sicherlich ausführlich beantworten kann. Herzlich willkommen, Uwe, in der 15. Ausgabe von Radio IBYKUS. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit ganzmenschsein.substack.com/subscribe

  7. Feb 6

    Paul Robeson: Ein Leben für klassische Werte

    Freude, schöner Götterfunken! Guten Abend und herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, hier auf OS-Radio 104,8 am ersten Donnerstag im Monat, dem angestammten Sendeplatz unseres Klassik-Formates Radio IBYKUS. Mein Name ist Siggi Ober-Grefenkämper und gemeinsam mit meinem Kollegen Uwe Alschner bin ich sendeverantwortlich für die nächsten 57 Minuten. Wir nehmen sie auch in der 14. Ausgabe von Radio IBYKUS mit auf eine Reise durch die Welt der Klassik. Warum wir uns seit über einem Jahr freuen, Ihnen regelmäßig klassische Themen näher zu bringen, hat sicher verschiedene und nicht ganz unwichtige Gründe. Denn klassische Musik und Literatur sind auch im Jahr 2026 noch von zentraler Bedeutung für unsere Gesellschaft. Zum einen vermittelt die Klassik zeitlose Werte. Zum anderen bietet sie kognitive Vorteile, da die Beschäftigung damit Gehirnfunktionen wie Gedächtnis, Konzentration, Aufmerksamkeit und räumliches Denken fördert und so ein besseres Einordnen und Bewerten der Umwelt ermöglicht. Eine Studie belegt sogar, dass die ruhigen Wellen von 'Beethovens ‘Mondscheinsonate’ oder Mozarts ‘Eine kleine Nachtmusik’ nicht nur kulturellen Wert, sondern auch eine nachgewiesene Wirkung auf den Stressabbau haben und mehr emotionale Stabilität in einer zunehmend digitalen Welt bieten. Das Erarbeiten und Studieren von klassischer Musik und Texten kann also als Gegenentwurf zur ständigen digitalen Reizüberflutung gesehen werden und hat sich auch im therapeutischen Einsatz unter dem Begriff »Restauration – Wiederherstellung« etabliert. Dass die vorgenannten positiven Eigenschaften nicht der einzige Anreiz sind, warum sich unser Team mit Klassik beschäftigt, sondern sich auf spannende, informative und lehrreiche Geschichten aus unterschiedlichen Epochen hinter dem Thema verbergen und sogar verbinden können, erfahren Sie nach der ersten Musik, die mein Kollege Uwe Alschner Ihnen jetzt aus seiner Playlist ankündigt. Hallo lieber Uwe, auf was dürfen wir uns freuen? Ja, hallo lieber Siggi, hallo liebe Hörerinnen und Hörer zu Radio IBYKUS. Wir hören jetzt ‘Joshua Fit the Battle of Jericho’ und zwar in einer Aufnahme mit Paul Robeson. Liebe Hörerinnen und Hörer von OS Radio 104,8, weiter geht es in dem Klassikformat Radio IBYKUS mit Uwe Alschner und mir, Siggi Ober-Grefenkämper. Zum heutigen Thema gibt es eine kleine Vorgeschichte, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. In der letzten Sendung spielte mein Kollege ein Stück des US-amerikanischen Schauspielers und Sängers Paul Robeson und erzählte anschließend unseren jungen Studiogästen etwas aus Robesons Leben, dem ein reges Gespräch darüber zwischen Uwe und den Jungs folgte. So entstand die Idee, die spannende Lebensgeschichte von Robeson, der mit ‘Ol’ Man River’ aus dem Musical ‘Showboat’ 1936 Weltruhm erlangte, in den Mittelpunkt der heutigen Sendung zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, was der afroamerikanische Sänger mit unserem Thema Klassik zu tun hat, beziehungsweise ihn damit verbindet. Wie gut, dass ich von Uwe Alschner, der sich intensiv mit der Person Robeson und seiner Geschichte befasst hat, mehr über die Zusammenhänge erfahren kann. Hallo lieber Uwe, auch von mir nochmal ein persönliches herzlich willkommen. Ich freue mich darauf, mit dir in die Welt von Paul Robeson einzutauchen. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit ganzmenschsein.substack.com/subscribe

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