InneHalten. NachDenken. VerÄndern. – Wissenschaft weiter denken

Prof. Dr. Antje Schlottmann & Prof. Dr. Mirka Dickel

Pandemie, Krieg, Klimawandel – unsere Welt steckt in der Krise. Dieser Podcast beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie die Wissenschaften zur Bewältigung  beitragen können. Welche Verantwortung kommt ihnen dabei zu? Welche Missstände und Ungerechtigkeiten gilt es anzugehen, welche guten Wege weiter zu gehen? Und wie müssten sich Wissenschaft und insbesondere die Geographie als “Wissenschaft von der Welt” verändern, um wirkungsvolle Beiträge zur Bewältigung globaler, wenn nicht planetarer Herausforderungen zu erarbeiten? Ausgehend von Kurzvorträgen sprechen Prof. Dr. Antje Schlottmann (Frankfurt) und Prof. Dr. Mirka Dickel (Jena) mit renommierten und engagierten Geograph*innen über Themen wie Wachstumslogik, Geschwindigkeit, Ergebnisorientierung, Zweckbindung und die Frage, was das Credo „Follow the Science“ heute bedeuten kann und soll. Gefördert durch: GEORG UND FRANZISKA SPEYER'SCHE HOCHSCHULSTIFTUNG

Episodes

  1. FEB 1

    #11: Didaxe als Abklärung der Wissenschaft - mit Prof. em. Dr. Tilman Rhode-Jüchtern

    In der heutigen Episode führt uns Tilman Rhode-Jüchtern Kategorien vor, die hilfreich sind, um gesellschaftliche Problemlagen perspektivisch anzugehen, damit über diese Steigerung der Komplexität Lösungen in den Blick geraten können, die bei erster Hinsicht nicht erkennbar sind. Folgendes gilt es abzuklären: Was ist das Problem, aus welcher Perspektive wird dies betrachtet, gibt es dazu eine Alternative? Arbeiten wir idiographisch oder nomothetisch? Was heißt „Beobachtung 2. Ordnung“?  Dabei wird erkennbar, dass Aufklärung in der Sache und Abklärung der Methoden parallel verlaufen; Theorie und Metatheorie treffen sich und werden selbst zum Thema. Auch Aufwand und Ertrag der Erkenntnis gilt es zu reflektieren und zu diskutieren, welche Aspekte (räumlicher Maßstab, Zeitmaßstab, Beobachterperspektive, Blinde Flecken etc.) im jeweiligen Fall der Betrachtung (nicht) ausgewählt werden und warum. Im Gespräch und anhand von Beispielen vertiefen und verdichten wir seinen Denkanstoß noch einmal: Maßstab der Betrachtung und dessen Perspektive ist das Verstehen und sein Gelingen sowie die Möglichkeit eines Transfers auf ein anderes/ das nächste Thema. Dabei, so wird deutlich, ist stets die Kontingenz zu beachten: „Es könnte auch ganz anders sein“.  Tilman Rhode-Jüchtern war nach der fachwissenschaftlichen Dissertation (1975) lange Jahre Gymnasiallehrer, nach einer fachdidaktischen Habilitation war er lange Jahre (bis 2001) Hochschullehrer. Daraus erklärt sich seine Motivation und seine Kompetenz, Aufklärung und Abklärung untrennbar zu verbinden.  Literaturtips: Kreative Geographie. Bausteine zur Geographie und ihrer Didaktik. Wochenschau-Verlag Frankfurt/Main, 2015, 630 Seiten Eckpunkte einer modernen Geographiedidaktik. Hintergrundbegriffe und Denkfiguren. Klett-Kallmeyer Verlag 2009, 208 Seiten Derselbe Himmel, verschiedene Horizonte. Zehn Werkstücke zu einer Geographiedidaktik der Unterscheidung. Materialien zur Didaktik der Geographie und Wirtschaftskunde. Band 18, Wien 2004, 222 Seiten

    1h 2m
  2. 04/26/2025

    #9: Ethisches Leben und Forschen im Kontext städtischer Transformation - mit Dr. Marie Aschenbrenner

    Wie funktionieren Aushandlungen urbaner Konflikte von Stadtbewohner:innen, die auf die Frage, wie man in einer Stadt leben sollte, ganz unterschiedlich antworten? Mit dieser Frage befasst sich Dr. Marie Aschenbrenner in ihrer Forschung. Im Hinblick auf die diskursive ethische Dimension, die sie in den Blick nimmt, lassen sich z.B. verschiedene urbane Ethiksysteme (ethicalities) erkennen. Es lässt sich ein Ethiksystem mit einem eingeschriebenen Mensch-Natur-Dualismus von einem relationalen, reziproken, genealogischen Ethiksystem der Indigenen unterscheiden. Ihre Forschung zu urbanen Ethiken stellte für Marie aber auch ihre eigene Forschungspraxis in Frage. Kann sie diese gemessen an den Ethiken der von ihr Beforschten als “gut” ansehen? Und wie lässt sich eine verantwortungsvolle geographische Praxis bei der Forschung zu verschiedenen, insbesondere auch indigenen, ethischen Systemen umsetzen? Wir sprechen mit ihr über produktives (Selbst-)Zweifeln, über ein mögliches Verlassen des akademischen Spiegelsaals, die Bedeutung einer selbstreflexiven Haltung als Wissenschaftlerin und über Forschung als transformative Reise.  Literatur: Aschenbrenner, M. (2023): The political ecology of a diverse urban ethics of marine stewardship in Auckland, Aotearoa New Zealand , R. Acosta, E. Dürr, M. Ege, U. Prutsch, C. v. Loyen, G. Winder (Eds.), Urban ethics as research agenda: Outlooks and tensions on multidisciplinary debates , Routledge , Article in Book, published. Larsen, Soren C., and Jay T. Johnson. Being Together in Place: Indigenous Coexistence in a More Than Human World. University of Minnesota Press, 2017. JSTOR, https://doi.org/10.5749/j.ctt1pwt81r. Accessed 26 Apr. 2025. Links: https://www.geo.lmu.de/geographie/de/personen/kontaktseite/marie-aschenbrenner-e25caf35.html Gefördert durch: GEORG UND FRANZISKA SPEYER'SCHE HOCHSCHULSTIFTUNG

    48 min
  3. 04/05/2025

    #6: Ökologische Naturästhetik von Gernot Böhme - mit Dr. Angelika Neudecker

    In dieser Episode geht es noch einmal um die Rolle der Leiblichkeit für die Wissenschaft. Insbesondere befassen wir uns mit der Bedeutung der eigenen Leiblichkeit der Forschenden für ihr verantwortliches wissenschaftliches Tun. Angelika Neudecker stellt zunächst die ökologische Naturästhetik des Philosophen und studierten Mathematikers und Physikers Gernot Böhme (verstorben 2022) vor. Am von ihm gegründeten Institut der Praxis der Philosophie in Darmstadt werden u.a. Übungen zur Bewusstseinsschulung angeboten, um sinnliche und gleichsam verstehensorientierte Zugänge zu Natur und Ökologie zu finden. Wir diskutieren mit Dr. Angelika Neudecker, warum aus dieser ökologisch-naturästhetischen Perspektive der menschliche Leib, der wir selber sind, wieder in unser Tun integriert werden muss und wie die spürbare Logik Böhmes die geographische Forschung und darüber hinaus Fächer wie die Informatik über die Besinnung auf das “Menschsein in der Wissenschaft” bereichern kann.   Angelika Neudecker lehrte von 2019 bis 2023 am Geographischen Institut der Ruhr-Universität Bochum. In diese Zeit fällt auch die Auseinandersetzung mit der Thematik der «persönlichen Haltung» als Wissenschaftlerin und den damit verbundenen Ansätzen des Philosophen Gernot Böhme. Eine Vertiefung fand in der Lehrveranstaltung «eKursion nach Makaronesien - Schwerpunkt Naturästhetik» statt, die von ihr im Wintersemester 2022/2023 abgehalten wurde.  Zusätzlich spielt die Biografie von Angelika Neudecker eine Rolle, da sie als ausgebildete Therapeutin, studierte Ethikerin und promovierte Geographin einen transdisziplinär-humanistischen Ansatz vertritt. Seit 2023 ist Angelika Neudecker wissenschaftliche Mitarbeiterin im Think Tank Medien und Informatik(TTIM) an der Pädagogischen Hochschule Bern. Zu ihrem Lehr-Portfolio an der Ruhr-Universität Bochum gehörten Studienprojekte, Seminare/Webinare und (digitale) Exkursionen, umgesetzt durch Inverted-Classroom Konzepte, Videoprojekte, Zukünftelabore oder eKursionen. Literatur: (1) Im Vortrag verwendetes Audio:  Gernot Böhme (2021): Natur, die wir selber sind - eine philosophische Zukunftsperspektive in und mit der Natur (Video, Minute 42:00 – 43:00). YouTube. https://www.youtube.com/watch?v=54eHLu5PAg4 (2) Im Vortrag verwendetes Zitat: Gernot Böhme (1989): Plädoyer für eine ökologische Naturästhetik. In: Bechtloff, D.: Kunstforum International, Bd. 104. Online unter https://www.kunstforum.de/artikel/pladoyer-fur-eine-okologische-naturasthetik/ (3) Für das Gespräch relevante Literatur: Gernot Böhme (1989): Für eine ökologische Naturästhetik. Suhrkamp. Gernot Böhme (2019): Leib: Die Natur, die wir selbst sind. Suhrkamp. Links: Mehr Informationen zu Angelika Neudecker unter https://www.angelikaneudecker.com Profil als ehemalige Mitarbeiterin am Geographischen Institut der Ruhr-Universität Bochum https://www.geographie.ruhr-uni-bochum.de/­mitarbeiter/­angelika_neudecker_00326.html.de News-Eintrag zur durchgeführten Lehrveranstaltung «eKursion nach Makaronesien – Schwerpunkt Naturästhetik» https://www.geographie.ruhr-uni-bochum.de/news/2023/news-202302-02069.html.de Gefördert durch: GEORG UND FRANZISKA SPEYER'SCHE HOCHSCHULSTIFTUNG

    51 min

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Pandemie, Krieg, Klimawandel – unsere Welt steckt in der Krise. Dieser Podcast beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie die Wissenschaften zur Bewältigung  beitragen können. Welche Verantwortung kommt ihnen dabei zu? Welche Missstände und Ungerechtigkeiten gilt es anzugehen, welche guten Wege weiter zu gehen? Und wie müssten sich Wissenschaft und insbesondere die Geographie als “Wissenschaft von der Welt” verändern, um wirkungsvolle Beiträge zur Bewältigung globaler, wenn nicht planetarer Herausforderungen zu erarbeiten? Ausgehend von Kurzvorträgen sprechen Prof. Dr. Antje Schlottmann (Frankfurt) und Prof. Dr. Mirka Dickel (Jena) mit renommierten und engagierten Geograph*innen über Themen wie Wachstumslogik, Geschwindigkeit, Ergebnisorientierung, Zweckbindung und die Frage, was das Credo „Follow the Science“ heute bedeuten kann und soll. Gefördert durch: GEORG UND FRANZISKA SPEYER'SCHE HOCHSCHULSTIFTUNG