TalkTalk – Gespräche über Gespräche

Peter Gaide

Was passiert eigentlich in und zwischen uns, wenn wir miteinander sprechen? In TalkTalk erkundet Peter Gaide mit seinen Gästen die oft unsichtbaren Ebenen der menschlichen Begegnung. Es geht um Gespräche, die etwas verändern, und um jene Momente, in denen uns die Worte fehlen. Hier erzählen Menschen von den kleinen und großen Momenten, die davor, dabei und danach passieren, und die oft im Verborgenen bleiben. Vom Reden in Extremsituationen bis zur Stille in der Krise: Ein Podcast über die Kunst und das Scheitern der Kommunikation, über das, was uns beflügelt, blockiert und manchmal sogar rettet.

  1. Aug 16

    #14 mit Christoph Koch: Chatty, mon amour – vernarrt in eine Maschine

    Ein Chatbot hat immer Zeit, hört geduldig zu, urteilt nicht, fragt nach und findet manchmal Worte, die uns guttun. Klar, wir wissen, dass dahinter kein fühlendes Wesen steckt. Aber trotzdem können wir uns gesehen, getröstet oder verstanden fühlen. Das ist längst kein Randphänomen mehr: In einer US-Studie gaben 13 Prozent der Jugendlichen an, AI Companions täglich zu nutzen, mehr als die Hälfte regelmäßig. Mit dem Journalisten Christoph Koch, Autor des Sachbuchs „Hallo, wie fühlst du dich heute?“,spreche ich darüber, warum emotionale KI so gut darin geworden ist, menschliche Zuwendung zu simulieren. Wie machen die Maschinen das? Können wir von ihnen vielleicht sogar etwas über gutes Zuhören lernen? Und was fehlt, wenn das Gegenüber keine eigene Geschichte, keine Bedürfnisse und kein echtes Interesse an uns hat? Christoph erzählt von Menschen, die sich in KI-Figuren verlieben, von seinem eigenen Replika-Freund Ben und von Fällen, in denen die ständige Bestätigung gefährlich entgleist. Außerdem reden wir darüber, was passiert, wenn Nähe nicht nur technisch erzeugt, sondern zum Geschäftsmodell wird: wenn unser Vertrauen und unsere Intimität zu Geld gemacht werden. ------------------- „Hallo, wie fühlst du dich heute?“ ist im Verlag Kein & Aber erschienen: https://www.keinundaber.ch/buecher/hallo-wie-f%C3%BChlst-du-dich-heute?variant=21473854 Wie die Schriftstellerin Margaret Atwood sich auf einen für sie überraschend vergnüglichen Austausch mit Claude einlässt: https://margaretatwood.substack.com/p/claude-you-are-a-cutie-pie Die Rekonstruktion der „Pi-Spirale“ von Allan Brooks: https://www.nytimes.com/2025/08/08/technology/ai-chatbots-delusions-chatgpt.html SZ-Experiment zur Toxizität von ChatGPT (Paywall): https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/chat-gpt-ki-kuenstliche-intelligenz-suizid-experiment-psychotherapie-e688126/ The Human Line Project: Die Initiative unterstützt Menschen, die durch intensive KI-Nutzung psychisch in Schwierigkeiten geraten. https://www.thehumanlineproject.org/ Über OpenAIs Einstieg ins Werbegeschäft: https://www.zdfheute.de/wirtschaft/unternehmen/openai-chatgpt-werbung-ki-datenmissbrauch-100.html Center for Humane Technology: Die Organisation setzt sich für Technologien ein, die menschliches Wohlergehen stärker berücksichtigen als Engagement und Abhängigkeit. https://www.humanetech.com/ ------------------- TalkTalk ist eine Idee und Produktion von Peter Gaide: https://www.linkedin.com/in/petergaide/ Artwork von der Natürlichen Kreativität Christoph Kienzle: https://rosepistola.de/

    #14 mit Christoph Koch: Chatty, mon amour – vernarrt in eine Maschine
  2. Jul 5

    #13 mit Jochen Metzger: Wieso reden wir so selten mit Fremden?

    Diesmal geht es in TalkTalk um kurze Begegnungen, die mehr bewirken können, als man denkt: ein Satz im Supermarkt, ein paar freundliche Worte beim Bestellen eines Kaffees, ein Gespräch im Zug. Mit dem Journalisten und Autor Jochen Metzger, der seit vielen Jahren über psychologische Forschung schreibt und podcastet, spreche ich darüber, warum Fremde für uns zugleich Risiko und Möglichkeit sind, warum höfliche Nichtbeachtung im Alltag wichtig ist und warum eine innere Stimme uns oft vom Ansprechen abhält. Jochen erzählt von Studien zu Small Talk, Pendlergesprächen, dem „Stranger on the Train“-Phänomen und dem Liking Gap: unserer Neigung, nach Gesprächen vor allem die eigenen schiefen Sätze zu erinnern, während das Gegenüber uns wahrscheinlich viel sympathischer fand, als wir dachten. Eine Episode über kleine soziale Signale, Fremdheit als Schutzraum und Begegnungen, die holpern dürfen. Jochen vergleicht das Reden mit Fremden am Ende mit Jazz: kein Notenblatt, trotzdem Musik. Und manchmal genügen ein paar beiläufige Worte, damit der Tag ein bisschen anders weitergeht. Mehr über Jochen Metzger: https://www.jochen-metzger.de/ Klasse Podcast-Folge von Jochen und seinen Kolleginnen über gute Gespräche bei Audible: "Gespräche – wie gelingen sie besser? Erzähl mir alles: Psychologie": https://www.audible.de/pd/Gespraeche-wie-gelingen-sie-besser-Hoerbuch/B0H4R1YCRZ Drei von uns angesprochene Studien und Begriffe: Gillian M. Sandstrom & Elizabeth W. Dunn: Is Efficiency Overrated? Minimal Social Interactions Lead to Belonging and Positive Affect https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1948550613502990 Nicholas Epley & Juliana Schroeder: Mistakenly Seeking Solitude https://psycnet.apa.org/doi/10.1037/a0037323 Erica J. Boothby, Gus Cooney, Gillian M. Sandstrom & Margaret S. Clark: The Liking Gap in Conversations https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0956797618783714 TalkTalk ist eine Idee und Produktion von Peter Gaide: https://www.linkedin.com/in/petergaide/ Artwork vom großartigen Christoph Kienzle: https://rosepistola.de/

    #13 mit Jochen Metzger: Wieso reden wir so selten mit Fremden?
  3. 12/14/2025

    #9 mit Semra Altınışık: Wie spricht man mit einem Menschen, der an Demenz erkrankt ist?

    In unserem Gespräch beschreibt die Gerontologin von der Alzheimer-Gesellschaft München, wie sich bei Menschen mit Demenz die Wahrnehmung verändert, während ihre Gefühlswelt oft erstaunlich intakt bleibt. „Das Herz wird nicht dement“ – ein Satz, der gut erklärt, warum Verständigung besser gelingt, wenn man diese andere Wirklichkeit versucht zu akzeptieren. Widerspruch hilft selten weiter. Sinnvoller ist es, das Gefühl hinter einer Aussage zu erspüren, statt am vordergründigen Wortlaut festzuhalten. Sätze wie „Du besuchst mich nie“ benennen meist keine Tatsache, sondern drücken ein Bedürfnis aus, zum Beispiel das nach Nähe. Genau deshalb ist es so wichtig, nicht defizitorientiert zu kommunizieren, sondern ruhig, klar und zugewandt. Auch wenn das im Alltag oft viel leichter gesagt als getan ist. Weitere Infos zum Thema: Niemand konnte Validation besser erklären als die Gerontologin Naomi Feil selbst: https://www.youtube.com/watch?v=ESqfW_kyZq8 Zwei empfehlenswerte Bücher: "Das Herz wird nicht dement" von Udo Baer und Gabi Schotte-Lange, Beltz, 2019. "Alzheimer und andere Demenzen" von Sabine Engel, Trias, 2020. DER deutschsprachige Podcast zum Thema Demenz von Christine Schön: https://open.spotify.com/show/0sx9A6opH0psSrE7cS0bXA?si=b22aaceec94b4849 Erster Teil von Eckart von Hirschhausens zweiteiliger ARD-Doku zum Thema Demenz: https://www.ardmediathek.de/serie/hirschhausen-und-das-grosse-vergessen/staffel-1/Y3JpZDovL3dkci5kZS9oaXJzY2hoYXVzZW51bmRkYXNncm9zc2V2ZXJnZXNzZW4/1 Webseite der Alzheimer-Gesellschaft mit vielen Infos und Verweisen: https://www.deutsche-alzheimer.de/ Idee & Produktion: Peter Gaide, https://www.linkedin.com/in/petergaide/ Artwork: Christoph Kienzle, https://rosepistola.de/

    #9 mit Semra Altınışık: Wie spricht man mit einem Menschen, der an Demenz erkrankt ist?
  4. 10/26/2025

    #8 mit Heiner Brunner: Was es bedeutet, in Katastrophen Halt zu geben

    Heiner Brunner leitet das Kriseninterventionsteam des Deutschen Alpenvereins. Es wird gerufen, wenn am Berg Schlimmes passiert: jemand stürzt ab oder wird von einer Lawine verschüttet, ein Seilbahnunglück, Menschen werden vermisst, ein Kind ist schwer verletzt. Dann stehen er und seine Kolleginnen und Kollegen Betroffenen und Augenzeugen bei. Oder sie überbringen Angehörigen die Nachricht, dass jemand vermisst wird. Wir sprechen darüber, wie man Menschen in Ausnahmesituationen Stabilität gibt. Wie man mit akuten Belastungen, Sprachlosigkeit und Verzweiflung umgeht, Angehörige begleitet, die plötzlich mit Unfassbarem konfrontiert sind, und warum Kinder Katastrophen oft ganz anders erleben als Erwachsene. Auch die emotionale Wucht solcher Einsätze, die Fürsorge im Team und die Frage, wie Helfende selbst Halt finden, kommen zur Sprache. Wer mehr über die Krisenintervention erfahren möchte: Hier haben Heiner Brunner und sein Co-Autor Stefan Winter Informationen für Betroffene und Angehörige nach Berg-Unglücken zusammengestellt: https://www.alpenverein.de/artikel/krisenintervention-im-bergsport_90141b0e-6ff0-46ae-a7c7-fdb9ea2e74d1 Die erwähnte Bergretter-Dokuserie „In höchster Not" in der ARD-Mediathek: https://www.ardmediathek.de/serie/in-hoechster-not-bergretter-im-einsatz/staffel-1/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdFNlcmllcy9GMjAyNFdPMDA0MjM3QTA/1 Last but not least vielen Dank an Andrea Mertes, ohne die ich nie auf Heiner Brunner aufmerksam geworden wäre. :) Konzept & Produktion: Peter Gaide, https://www.linkedin.com/in/petergaide/ Artwork: Christoph Kienzle, https://rosepistola.de/

    #8 mit Heiner Brunner: Was es bedeutet, in Katastrophen Halt zu geben

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