Die Gesundheitshandwerker

Tim Bertko & Ken Niestolik

Wir kennen beide diesen Moment: Du weißt genau, was zu tun wäre. Und tust es trotzdem nicht. Zwei Gesundheitscoaches, zusammen vierzig Jahre Praxis, und wir sitzen selbst regelmäßig in genau der Falle, aus der wir andere herausbegleiten. Darüber reden wir hier. Mittwochs alle zwei Wochen, meistens eine knappe Stunde, ohne Skript. Einig werden wir uns oft nicht. Ken Niestolik arbeitet in Leipzig mit Unternehmern und Geschäftsführern. Tim Bertko in Berlin mit Führungskräften, Lehrern, Kitaleitungen. Auf dem Papier zwei verschiedene Gruppen, in Wahrheit dieselben Leute: Sie sorgen für andere und stehen selbst hinten an. Und merken es am Schlaf, lange bevor sie es im Kalender sehen. Wir machen Staffeln. Acht Folgen, eine Frage, die durch alle läuft, danach Pause. In Staffel 2 heißt die Frage: Wie viel von dem, was mit deiner Gesundheit passiert, liegt eigentlich in deiner Hand? Ken fängt damit an, dass er dieses Jahr eine eigene Regel gebrochen und sich Woche für Woche gute Gründe dafür gesucht hat. Tim hält dagegen, dass manches eben nicht in deiner Hand liegt und es keine Ausrede ist, das auszusprechen. Wir haben uns bewusst nicht darauf geeinigt, wer recht hat. Jede Folge lässt sich einzeln hören.

  1. Oct 7

    S2 | EP03: Was nicht in deiner Hand liegt

    Der Satz „Das liegt doch in deiner Hand“ ist für viele Menschen zynisch. Zwei Folgen lang haben wir darüber gesprochen, was in der eigenen Hand liegt. Heute geht es um das, was nicht darin liegt. Ich begleite einen Klienten, der eine klar beschriebene Stelle angetreten hat. Nach wenigen Wochen waren es drei Aufgabenbereiche, von denen vorher keiner gesprochen hatte. Er ist dauernd erreichbar, abends warten die Kinder, und das Wochenende reicht nicht mehr zum Erholen. Mehr Sport, mehr Schlaf, einfach Nein sagen: Das weiß er alles. Es hilft ihm gerade nicht. Ken setzt einen anderen Schwerpunkt: Wer im Daueralarm steckt, hat gar nicht die Kraft zu widersprechen. Regulation ist für ihn kein Pflaster, sondern die Voraussetzung, um überhaupt Nein sagen zu können. Da gebe ich ihm recht. Mein Einwand bleibt: Wer sich nur reguliert, um die Verhältnisse auszuhalten, macht sie durch die Hintertür zu seinem eigenen Problem. Zum Mitnehmen: Sortier eine Sache, die dich gerade belastet, in drei Fächer. Was liegt in meiner Hand? Was nicht? Und was kann ich zumindest indirekt beeinflussen? Für die Tage, an denen alles zu viel ist, reicht ein kleiner Anker am Morgen und einer am Abend. Tim Nächste Folge am 21. Oktober: „Wer sorgt für die, die sorgen?“ Neue Folgen mittwochs alle zwei Wochen. Mehr zu uns: Ken Niestolik (kenniestolik.de), Experte für Stresskompetenz in Leipzig Tim Bertko (timbertko.com), Gesundheitshandwerker in Berlin

    S2 | EP03: Was nicht in deiner Hand liegt
  2. Jul 17

    S1 | EP23: Dein Körper weiß es zuerst

    Warum diese Episode? Wir reden viel darüber, was wir wollen. Was wir uns vornehmen. Was wir ändern möchten. Und trotzdem passiert es immer wieder: Wir zögern. Wir verschieben. Wir gehen in den entscheidenden Momenten nicht voll ran – obwohl wir es könnten. In dieser Episode schauen Tim und Ken genau dahin: Was macht unser Körper eigentlich in diesen Momenten? Und was können wir daraus lernen? Stimmen aus der Episode: „Wenn der Körper auf die Bremse tritt, ist das kein Versagen. Das ist ein jahrtausendaltes Schutzsystem – das nur nicht weiß, ob du gerade von einem Säbelzahntiger verfolgt wirst oder eine wichtige E-Mail abschicken sollst.“ – Ken „Zögern aus Angst ist Vermeidung. Zögern als Weisheit ist Rückmeldung. Den Unterschied herauszufinden – das ist oft einer der wertvollsten Coaching-Momente.“ – Tim Was ihr in dieser Folge lernt: ✔ Die Amygdala, Adrenalin, Cortisol: Was euer Körper in Sekunden tut, wenn es wichtig wird ✔ Warum Aufregung nicht gleich Angst ist – und warum die Bewertung alles verändert ✔ Die drei Muster hinter Prokrastination: Versagensangst, Perfektionismus, Entscheidungslähmung ✔ Warum automatisierte Fähigkeiten versagen, wenn man unter maximalem Druck darüber nachdenkt ✔ Konkrete Techniken für Drucksituationen: Box Breathing, physiologischer Seufzer, Affect Labeling, Body Check Der Fakt, der uns am meisten beschäftigt hat in der Vorbereitung auf diese Episode: Laut einer Studie der Universität Cambridge erlebten ca. 60 % der professionellen Musiker mindestens einmal einen Leistungseinbruch unter Druck – und etwa 25 % leiden regelmäßig darunter. Und das, obwohl sie das Stück tausendmal geübt haben. Es ist kein Könnenproblem. Es ist ein Regulationsproblem. Eure 5 Take-Aways: 1️⃣ Körperreaktionen vor wichtigen Momenten sind normal. Sie sind keine Schwäche – sie sind Evolution. 2️⃣ Stress ist nicht gleich Stress: Was den Unterschied macht: eure Bewertung. 3️⃣ Das Optimum liegt in der Mitte: Weder Unterforderung noch Überforderung. 4️⃣ Zögern ist kein Charakterfehler. Es ist ein Schutzmechanismus. Erkennt ihn – dann könnt ihr damit umgehen. 5️⃣ Der kürzeste Weg zum Kopf führt über den Körper. Atmung, Bewegung, Körperwahrnehmung – das sind eure Werkzeuge. Die Frage, die wir euch mitgeben: Was zögert du gerade? Und ist dieses Zögern Angst – oder vielleicht doch Weisheit?

    S1 | EP23: Dein Körper weiß es zuerst

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Wir kennen beide diesen Moment: Du weißt genau, was zu tun wäre. Und tust es trotzdem nicht. Zwei Gesundheitscoaches, zusammen vierzig Jahre Praxis, und wir sitzen selbst regelmäßig in genau der Falle, aus der wir andere herausbegleiten. Darüber reden wir hier. Mittwochs alle zwei Wochen, meistens eine knappe Stunde, ohne Skript. Einig werden wir uns oft nicht. Ken Niestolik arbeitet in Leipzig mit Unternehmern und Geschäftsführern. Tim Bertko in Berlin mit Führungskräften, Lehrern, Kitaleitungen. Auf dem Papier zwei verschiedene Gruppen, in Wahrheit dieselben Leute: Sie sorgen für andere und stehen selbst hinten an. Und merken es am Schlaf, lange bevor sie es im Kalender sehen. Wir machen Staffeln. Acht Folgen, eine Frage, die durch alle läuft, danach Pause. In Staffel 2 heißt die Frage: Wie viel von dem, was mit deiner Gesundheit passiert, liegt eigentlich in deiner Hand? Ken fängt damit an, dass er dieses Jahr eine eigene Regel gebrochen und sich Woche für Woche gute Gründe dafür gesucht hat. Tim hält dagegen, dass manches eben nicht in deiner Hand liegt und es keine Ausrede ist, das auszusprechen. Wir haben uns bewusst nicht darauf geeinigt, wer recht hat. Jede Folge lässt sich einzeln hören.