Didaktik:Dialog

Denis Weger

Willkommen bei Didaktik:Dialog – dem Podcast über guten Unterricht und innovative Didaktik. Ich bin Denis Weger, war früher Lehrer und bin heute Wissenschaftler an der Universität Wien. In jeder Folge spreche ich mit Expert*innen aus verschiedenen Fachdidaktiken über Theorie, Praxis und persönliche Erfahrungen. Für alle, die sich für guten Unterricht und professionelle Lehrer*innenbildung interessieren. 🎧 Hör rein und lass dich inspirieren!

  1. Oct 22

    20. Musik und Klimakrise. Das transformative Potenzial künstlerischer Fächer mit Katharina Anzengruber

    In dieser Folge von Didaktik:Dialog spreche ich mit Katharina Anzengruber vom Mozarteum in Salzburg. Katharina ist Assistenzprofessorin für Musikpädagogik am Department für Musikpädagogik. Sie hat außerdem viele Jahre an einem BORG und einer Mittelschule in Strasswalchen Musik unterrichtet. Wir sprechen über das Potenzial von Musik und künstlerischen Fächern für den Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen wie der Klimakrise. Katharina erklärt zu Beginn, warum künstlerische Zugänge wie Musik ein transformatives Potenzial haben. Die Fakten zur Klimakrise sind bekannt. Trotzdem erreichen sie oft nicht die emotionale Ebene. Musik und künstlerische Praxen können hier ansetzen. Sie machen Themen anders erfahrbar und schaffen Erfahrungsräume, in denen sich Schüler:innen auch selbst ausdrücken können. Ein zentraler Aspekt ist die Selbstwirksamkeit. Jugendliche fühlen sich in Bezug auf große Themen wie die Klimakrise oft machtlos. Katharina erzählt, wie Songwriting und experimentelles Komponieren Jugendlichen helfen können, eine Stimme zu bekommen und ihre Sorgen und Ängste auszudrücken. Musik ist für Kinder und Jugendliche ein ganz zentrales Ausdrucksmedium. An konkreten Beispielen diskutieren wir, wie transformative Lernräume in der Praxis aussehen können. Katharina erzählt von einem Projekt zum Thema Boden, in dem Physik, Biologie, Songwriting und Fotografie zusammengebracht wurden. Und von einem Projekt zu Mobilität, in dem Schüler:innen Field Recordings gemacht und daraus eine Art Zukunftsmusik komponiert haben. Beide Projekte zeigen, wie fächerverbindendes Arbeiten die Komplexität gesellschaftlicher Themen erfahrbar macht. Außerdem geht es um die Frage, warum fächerverbindendes und projektorientiertes Arbeiten so wichtig ist. Katharina macht deutlich: Die Herausforderungen unserer Zeit sind komplex. Es gibt keine einfachen Lösungen. Umso wichtiger, dass Schule Räume eröffnet, in denen Dinge zusammengedacht und ausprobiert werden können, in denen Prozesse wichtiger sind als Ergebnisse. Weitere Themen: Transformatives Lernen und warum es tiefgreifende Veränderungen von Bedeutungsperspektiven braucht.Experimentelles Komponieren und Field Recording als Zugänge im Musikunterricht.Projektbasiertes Arbeiten im Schulalltag und wie man trotz Lehrplandruck Räume dafür schafft.Fördertöpfe wie der OeAD und wie man als Lehrperson Mittel für künstlerische Projekte akquiriert.Warum Musikunterricht auch unabhängig von konkreten Themen Potenziale birgt, out of the box zu denken.Eine Folge über das transformative Potenzial künstlerischer Fächer. Über Musik als Ausdrucksmedium. Und darüber, warum Jugendliche Erfahrungsräume brauchen, in denen sie sich als selbstwirksam erleben können. Ressourcen und Links: Katharina Anzengruber / Mozarteum SalzburgElke Zobel, Katharina Anzengruber & Projektteam: Zukunft mit Zukunft. Praxishandbuch zum Projekt “Räume kultureller Demokratie” (Open Access)Projekt “Co-CreART. Co-Creating Change” mit dem mobilen Lernort Cre-Art-Labmusik-klima.de – Plattform zu Musik, Klima und NachhaltigkeitOeAD Kulturvermittlung – Fördermöglichkeiten für künstlerische Projekte in der Schule

    20. Musik und Klimakrise. Das transformative Potenzial künstlerischer Fächer mit Katharina Anzengruber
  2. Oct 8

    19. Politisches Handeln lernen. Agency und Handlungsmacht mit Georg Marschnig

    In dieser Folge von Didaktik:Dialog spreche ich mit Georg Marschnig von der Universität Graz. Georg ist Professor für Geschichtsdidaktik und politische Bildung. Er hat außerdem fast zehn Jahre an einem Grazer Gymnasium Deutsch und Geschichte unterrichtet. Wir sprechen über Agency und Handlungsmacht bei Jugendlichen und darüber, wie Schule nicht nur zum Nachdenken, sondern wirklich zum politischen Handeln anregen kann. Georg erklärt zu Beginn, worin der Unterschied zwischen Handlungsfähigkeit und Handlungsmacht liegt. Agency meint für ihn nicht nur das Wissen über eigene Möglichkeiten. Es geht darum, die eigenen Anliegen auch wirklich umzusetzen. Jugendlichen in der Theorie zu zeigen, wie politische Beteiligung funktioniert, reicht nicht. Sie müssen die Erfahrung machen, sich tatsächlich einzubringen. An konkreten Beispielen diskutieren wir, warum politisches Lernen in der Schule oft im Theoretischen stecken bleibt. Georg beschreibt die Schule als machtdurchzogenen Ort, der politisches Lernen manchmal sogar erschwert. Er erzählt von einem Projekt zu zivilem Ungehorsam. Jugendliche haben sich beim BILLA auf den Boden gesetzt, Flashmobs und Sitzaktionen gemacht. So haben sie körperlich erfahren, was es heißt, sich im öffentlichen Raum zu positionieren. Ein zentrales Beispiel ist das Projekt rund um einen vergessenen Gedenkstein in Graz-Straßgang, der an ein NS-Endverbrechen erinnert. Über zweieinhalb Jahre haben Georgs Schüleri*nnen gemeinsam mit Historiker*innen und städtischen Akteur*innen versucht, den Gedenkstein neu zu verhandeln. Dabei haben sie gelernt, mit politischem Widerstand und Kompromissen umzugehen. Außerdem geht es um die Verbindung von historischem und politischem Lernen. Georg macht deutlich: Historisches Lernen kann nie politikfrei sein. Umgekehrt braucht politisches Verstehen immer auch historisches Denken. Besonders in Österreich mit dem Fach Geschichte und politische Bildung ergibt sich daraus die Chance, beides enger zusammenzudenken. Weitere Themen: Schule als ambivalenter Ort politischen Lernens und warum Machtstrukturen Diskussionen im Klassenzimmer erschweren.Reflexion als zweiter Schritt. Warum Erleben allein nicht reicht und Nachbesprechungen Handlungsmacht sichtbar machen.Projekte in der Geschichtskultur. Wie Denkmaldiskussionen und Straßennamendebatten als Lernanlässe funktionieren.Lehrpläne aus der Gegenwart heraus denken. Warum aktuelle politische Debatten wie Lueger, die steirische Landeshymne oder Black Lives Matter gute Anknüpfungspunkte sind. Eine Folge über Agency und Handlungsmacht als Ziele politischer Bildung. Über das Verlassen des Klassenzimmers. Und darüber, warum echte politische Erfahrungen Jugendliche nachhaltiger prägen als jede Diskussion in der Schule. Ressourcen und Links: Georg Marschnig / Universität GrazChristian Heuer: Straßenkämpfe. Zu den Zeitpraktiken zivilen Ungehorsams. In: Didactica Historica 11 (2025)Lale Yildirim: Historische Agency auf dem Markt der Erinnerungen der pluralen Gesellschaft: historische Diskursfähigkeit als HandlungsmächtigkeitGeorg Marschnig & Kolleg*innen: Enacting Agency in Digital Realms. Mapping Colonial Heritage as Civic Engagement. In: Barsch, Sebastian & Rein, Franziska (Hrsg.): Digital Civic Engagement and Youth Empowerment towards Achieving Inclusive Society. Oxford University Press (erscheint 2027)Herman Melville: Bartleby, der Schreiber

    19. Politisches Handeln lernen. Agency und Handlungsmacht mit Georg Marschnig
  3. Jun 3

    18. Was macht guten Unterricht aus? Acht Perspektiven aus Forschung und Praxis

    In dieser Sonderfolge zum Staffelfinale von Didaktik:Dialog stellt Denis Weger allen Gästen der zweiten Staffel dieselbe Frage: Was macht guten Unterricht aus? Die Antworten kommen aus acht verschiedenen Fächern und Perspektiven – von Literaturdidaktik über Kunstpädagogik und Sachunterricht bis hin zu inklusiver Pädagogik und evidenzbasierter Lehrer*innenbildung. Und trotzdem klingt vieles erstaunlich ähnlich. Die Gäste teilen ihre persönlichen Vorstellungen von gelungenem Unterricht: Wann ist ein Inhalt wirklich bedeutsam – und warum reicht es nicht, einfach ein „aktuelles" Thema auszuwählen?Was hat handlungsorientiertes Lernen mit Eigenverantwortung und Motivation zu tun?Warum gibt es kein Patentrezept für guten Unterricht – und was Ted Lasso damit zu tun hat?Besonders spannend: Obwohl alle Gäste aus völlig unterschiedlichen Fächern und Kontexten kommen, beschreiben sie am Ende denselben Moment. Den, den Cathrin Reisenauer Flow nennt – wenn die Kinder so im Tun sind, dass die Stunde vorbei ist, bevor irgendjemand auf die Uhr geschaut hat. Eine Folge für alle, die sich fragen: Was will ich eigentlich erreichen, wenn ich vor einer Klasse stehe? Ressourcen & Links: Jill Hadfield: Classroom Dynamics (Oxford University Press)Zoltán Dörnyei: Group Dynamics in the Language Classroom (Cambridge University Press)Newsletter & alle Folgen: didaktik-dialog.comKeywords: Guter Unterricht, Unterrichtsqualität, Lehrkräftebildung, Handlungsorientierung, Lernmotivation, Flow im Unterricht, Didaktik, Didaktik Dialog

  4. May 20

    17. Inklusive Pädagogik in Theorie und Praxis. Mit Cathrin Reisenauer

    In dieser Folge von Didaktik:Dialog spreche ich mit Cathrin Reisenauer vom Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung der Universität Innsbruck, die zusätzlich als Beratungslehrerin in Tirol tätig ist, über inklusive Pädagogik, gemeinsames Lernen in heterogenen Klassen und die Frage, wie Schule zu einem Ort werden kann, an dem wirklich alle Kinder ihren Platz haben. Ausgangspunkt ist die Frage, was inklusive Pädagogik im Kern will und warum Vielfalt nicht als Belastung, sondern als Ressource verstanden werden sollte. Cathrin macht deutlich, dass Inklusion mehr ist als das Nebeneinander von Kindern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf und keine Aufgabe einiger weniger spezialisierter Lehrpersonen, sondern eine gemeinsame Verantwortung aller in der Schule tätigen Personen. Anhand konkreter Beispiele aus ihrer Arbeit diskutieren wir, wie inklusiver Unterricht praktisch aussehen kann, warum das verbreitete Modell, Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf aus der Klasse herauszunehmen, kritisch zu betrachten ist und warum die Orientierung an einem fiktiven Durchschnittsschüler nicht nur langsam, sondern auch schnell lernende Kinder zurücklässt. Ein zentrales Konzept ist die Entwicklungslogische Didaktik nach Georg Feuser mit ihren Prämissen Kooperation am gemeinsamen Gegenstand und innere Differenzierung. Cathrin erläutert, wie diese Theorie über Differenzierungsmatrizen in konkretes Material übersetzt wird, und spricht über das Lehr-Lern-Labor der Universität Innsbruck, in dem Lernkisten für Schulen entwickelt werden. Ein zweiter Strang ist die verstehende Diagnostik als Zugang zu herausforderndem Verhalten. An einem eindrücklichen Beispiel zeigt Cathrin, wie der Wechsel von der Frage „Warum?" zur Frage „Wozu?" Lehrpersonen neue Handlungsoptionen eröffnet, die Beziehung stärkt und das eigene Stresserleben reduziert. Weitere Themen: Inklusion zwischen Segregation, Integration und Inklusion: Warum die Umsetzung stark vom Inklusionsverständnis der Schule abhängt.Theorie-Praxis-Transfer: Wie die Doppeltätigkeit als Wissenschaftlerin und Beratungslehrerin beide Bereiche befruchtet.Lernen am gemeinsamen Gegenstand: Wie ein Thema wie die Wärmelehre auf sensomotorischer, handelnder und symbolischer Ebene zugleich bearbeitet werden kann.Beziehung als Kern pädagogischer Arbeit: Warum Verstehen auch die Lehrperson selbst entlastet.Hospitieren als Lernform: Warum Bilder im Kopf von gelingendem inklusiven Unterricht oft fehlen und wie Hospitationen diese Lücke schließen.Eine Folge über inklusive Pädagogik als gemeinsame Verantwortung, über didaktische Modelle, die Vielfalt im Klassenzimmer produktiv machen, und darüber, warum Verstehen oft der wirksamste pädagogische Zugang ist. Ressourcen und Links: Cathrin Reisenauer / Institut für LehrerInnenbildung und SchulforschungLehr-Lern-Labor für Inklusive Bildung an der Universität Innsbruck – Lernkisten und Materialien für inklusiven UnterrichtIndex für Inklusion – Selbstevaluation für inklusive Kulturen, Strukturen und PraktikenEntwicklungslogische Didaktik nach Georg Feuser – Grundlagentexte zur inneren DifferenzierungDeutscher Schulpreis – ausgezeichnete Schulen für HospitationenÖsterreichischer Staatspreis Innovative Schulen – ausgezeichnete Schulen in Österreich

    17. Inklusive Pädagogik in Theorie und Praxis. Mit Cathrin Reisenauer
  5. May 7

    16. Vom Forschungsergebnis in die Klasse und zurück. Forschungsbasierte Pädagogik mit Lisa-Maria Müller

    Indieser Folge von Didaktik:Dialog spreche ich mit Lisa-Maria Müller, Associate Director of Research and Policy am Chartered College of Teaching in Großbritannien, über evidenzbasierte Pädagogik, Teacher Agency und die Frage, wie Lehrpersonen nicht nur Empfänger*innen von Forschungsergebnissen sein können, sondern aktiv zum Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Unterrichtspraxis beitragen. Ausgangspunkt ist die Frage, wie ein produktiver Dialog zwischen Forschung und Praxisaussehen kann und warum dieser Dialog zwingend in beide Richtungen gehen muss. Lisa macht deutlich, dass Lehrpersonen keine bloßen Anwender*innen von Forschung sind, sondern Expert*innen für ihren Kontext, die Forschungsergebnisse kritisch einordnen, auf ihre Klassen anpassen und derWissenschaft wichtige Fragen zurückspielen können, die aus der Praxis heraus entstehen. Anhand konkreter Beispiele aus England und Österreich diskutieren wir, warum Forschungsergebnisse nie einfach blind übernommen werden können, welche Rolle der Handlungsspielraum von Lehrpersonen dabei spielt und was das Konzept der Teacher Agency über den Lehrberuf als Profession aussagt. Dabei zeigt sich auch, wie unterschiedlich Bildungssysteme diesen Spielraum gestalten, vom stark regulierten englischen System bis zum vergleichsweise autonomen deutschsprachigen Raum. Ein zentrales Praxisbeispiel für wirksame Fortbildung ist der Journal Club Approach, den das Chartered College in zwei Forschungsprojekten erprobt hat: Lehrpersonen lesen gemeinsam Forschungsartikel, analysieren sie kritisch auf Qualität und Relevanz für ihren Unterricht, erproben Interventionen und reflektieren die Ergebnisse im Team. Dieses aus der Medizin stammende Format hat sich als wirksame Alternative zur klassischen Frontal-Fortbildung erwiesen: niederschwellig, flexibel und auf aktive Auseinandersetzung statt passivem Zuhören ausgerichtet. Weitere Themen sind: Teacher Agency als Kernmerkmal professionellen Lehrens und warum Handlungsspielraum kein Freibrief für Beliebigkeit ist, sondern Voraussetzung für kontextsensibles Unterrichten.Evidenzbasierte Pädagogik kritisch gelesen: Was Lehrer*innen bei der Einschätzung von Qualität und Relevanz von Forschung beachten müssen.Retrieval Practice und Interleaving: Was diese kognitiv fundierten Unterrichtsstrategien leisten und wo die Forschung noch offene Fragen hinterlässt.Novice vs. Expert: Warum Fortbildungsformate je nach Karrierephase unterschiedlich aussehen sollten und was das Chartered College dazu herausgefunden hat.Der Journal Club in der Praxis: Wie monatliche Peer-Diskussionen über Fachartikel Lehrpersonen dazu bringen, Forschung aktiv anzuwenden und kritisch zu hinterfragen.Schulweite Fortbildungsstrategien: Warum individuelle Teilnahme an Fortbildungen oft zu wenig bewirkt und wie gemeinsame Fokussierung auf Schulebene den Unterschied machen kann.Lehrpersonen als Forschungspartner*innen: Wie das Chartered College 15 Forschungsfragen formuliert hat, die direkt aus der Unterrichtspraxis an die Wissenschaft zurückgespielt wurden.Eine Folge über den Lehrberuf als Profession, über die Grenzen und Potenziale evidenzbasierter Pädagogik und darüber, warum gute Fortbildung nicht am Ende einer Veranstaltung aufhört, sondern erst in der Klasse beginnt. Ressourcen und Links: Lisa-Maria Müller auf LinkedInChartered College of TeachingCognitive Science Research Priority Setting - Bericht in dem Fragen von Lehrer*innen an die Wissenschaft zusammengefasst wurden Teacher Professionalism - Definition des Chartered CollegeMid-career teachers - Artikel zum Fortbildungsbedarf bei Mid-career TeachersEvaluationsbericht zum Journal Clubs ProjektSpecial Issue von Impact zu AIOnline-Kurs zu AI in EducationWebseite der Zeitschrift Impact - Leaky Paywall (ein Artikel kann man ohne Mitgliedschaft lesen) und ein paar Ausgaben sind ohnehin frei zugänglich

    16. Vom Forschungsergebnis in die Klasse und zurück. Forschungsbasierte Pädagogik mit Lisa-Maria Müller
  6. Apr 22

    15. Zu viel Welt und zu wenig Zeit: Sachunterricht in der Volksschule. Mit Stefan Meller

    In dieser Folge von Didaktik:Dialog spreche ich mit dem Sachunterrichtsdidaktiker Stefan Meller (Private Pädagogische Hochschule Burgenland) über die Ziele, Konzepte und Praxis des Sachunterrichts in der Volksschule. Ausgangspunkt ist die Frage, wie sich Kinder die Welt, die sie umgibt, erschließen und welche Rolle der Sachunterricht als allgemeinbildendes Kernfach dabei spielt. Wir diskutieren, warum Sachunterricht weit mehr ist als eine Aneinanderreihung von Einzelthemen und wie Kinder über Vielperspektivität und Vernetzung lernen, ihre Lebenswelt zu verstehen und in ihr aktiv zu handeln. Stefan macht deutlich, dass Sachunterricht kein „verkleinerter Geschichts- oder Physikunterricht" ist, sondern eine eigene Didaktik mit eigenen Prinzipien hat, getragen vom Anspruch, grundlegende Allgemeinbildung zu legen. Anhand konkreter Beispiele – vom Thema Müll, das sich historisch, ökologisch, wirtschaftlich und naturwissenschaftlich aufschlüsseln lässt, über den Perspektivrahmen der Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts bis hin zu Klafkis epochaltypischen Schlüsselproblemen – wird sichtbar, wie Themen exemplarisch und vielperspektivisch bearbeitet werden können. Dabei wird auch klar, dass Sachunterrichts­didaktik ein ständiges Pendeln zwischen wissenschaftlicher Komplexität und kindgerechter Vermittlung ist – „zu viel Welt und zu wenig Zeit", wie es der Sachunterrichtsdidaktiker Walter Köhnlein treffend formuliert hat. Weitere Themen sind: Die Ziele des Sachunterrichts als Fach der Welterschließung und grundlegenden Allgemeinbildung.Vielperspektivität und Vernetzung: Wie große Themen aus mehreren Blickwinkeln exemplarisch bearbeitet werden.Klafkis epochaltypische Schlüsselprobleme als didaktischer Kompass für die Themenwahl.Der Spagat zwischen Sach- und Kindorientierung – das Pendel als Bild für professionelles Unterrichten.Die zentralen fachlichen Konzepte im neuen österreichischen Lehrplan der Primarstufe.Der Stellenwert der politischen Bildung in der Volksschule und der Einsatz von Erklärvideos als kindgerechter Zugang zu komplexen Themen – ausgezeichnet mit dem Staatspreis für exzellente Hochschullehre.Die Bedeutung schwieriger Themen im Sachunterricht: von sexueller Bildung bis zu Gerechtigkeit und Demokratie.Eine Folge über die Besonderheiten eines Fachs mit „zu viel Welt und zu wenig Zeit" und darüber, wie Lehrer*innen Kinder dabei begleiten können, sich ihre Welt aktiv, vielperspektivisch und reflektiert zu erschließen. Ressourcen und Links: Profil von Stefan Meller auf LinkedInMeller, S. (2024). Erklärvideos im Sachunterricht : eine explorative Studie zum Umgang von Lehrkräften mit dem audiovisuellen Medium. Springer VS.Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts (GDSU): Perspektivrahmen Sachunterricht.Kahlert, J. (5. Aufl.). Der Sachunterricht und seine Didaktik. Klinkhardt/UTB.Zeitschrift Grundschule Sachunterricht (Friedrich Verlag):Klafki, W. (1996). Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik – Epochaltypische Schlüsselprobleme. Beltz.Weitere Informationen zum Ars Docendi - Staatspreis für exzellente Hochschullehre für Stefan Meller

    15. Zu viel Welt und zu wenig Zeit: Sachunterricht in der Volksschule. Mit Stefan Meller
  7. Apr 8

    14. Wie können Lehrende und Lernende Fragen zu Sprache klären? Mit Sandra Reitbrecht

    In dieser Folge von Didaktik:Dialog spreche ich mit der Didaktikerin und Linguistin Sandra Reitbrecht (Universität Bamberg) über den Einsatz von Korpora im Deutschunterricht und darüber, wie Lehrende und Lernende Fragen zur Sprache datenbasiert klären können. Ausgangspunkt ist die Frage, wie Korpora als Werkzeuge genutzt werden können, um Sprachbewusstsein, Sprachkompetenz und Sensibilität für Sprachwandel zu fördern. Wir diskutieren, was Data-Driven-Learning konkret bedeutet und wie Korpora sowohl für Lernende als auch für Lehrende didaktisch nutzbar sind. Sandra zeigt, wie digitale Korpora nicht nur Normfragen beantworten, sondern auch Einblicke in Sprachgebrauch, Variation und gesellschaftliche Veränderungen geben können. Anhand konkreter Beispiele – von Wort-Kombinationen über morphologische Bewusstheit bis hin zu historischen Veränderungen von Wortfrequenzen – wird deutlich, wie Korpora im Unterricht und in der Lehrer*innenbildung eingesetzt werden können. Dabei wird auch sichtbar, dass der Nutzen von Korpora stark von der Begleitung durch Lehrende und der Fähigkeit zur gezielten Recherche abhängt. Weitere Themen sind: Wie Lernende durch Citizen-Science-Ansätze im Sprachunterricht selbst zu Forschenden werden können.Der Einsatz von Korpora zur Analyse von Sprachwandel und zur Förderung der Bildungssprach.e.Unterschiedliche Arten von Korpora: geschriebene, gesprochene, lernenden- und fehlerannotierte Korpora.Corpus Literacy: welche Kompetenzen Lehrende brauchen, um Korpora effektiv zu nutzenDigitale Tools und Spiele, die den Zugang zu Sprachdaten vereinfachen und motivierend gestaltenEine Folge über neue Wege, Sprache datenbasiert zu erforschen, und darüber, wie Lehrende und Lernende dabei gemeinsam Sprachbewusstsein entwickeln können. Ressourcen und Links: Profil von Sandra Reitbrecht auf der Webseite der Universität BambergKorDaF: Korpora Deutsch als FremdspracheDWDS: Digitales Wörterbuch der deutschen SpracheLeibniz-Institut für deutsche SpracheVyatkina, N. (2024). Corpus applications in language teaching and research: The case of data-driven learning of German. Routledge. https://doi.org/10.4324/9781003223627

    14. Wie können Lehrende und Lernende Fragen zu Sprache klären? Mit Sandra Reitbrecht

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