Sonja Seubert ist ohne Eltern bei ihren Großeltern aufgewachsen, dazwischen zwei Jahre im Heim. Der Urlaub ging immer nach Holland, in die Dünen, zu einem Haus auf Stelzen mit dem besten Softeis. Einmal ist sie dort verschwunden, weil sie den falschen Eingang genommen hatte. Ihr Opa hat stundenlang gesucht. Alleingänge, sagt sie heute, macht sie manchmal immer noch. Dieser Opa war Eisenbahner und in russischer Gefangenschaft gewesen, hörte Marschmusik im Auto und wählte CDU. Ein Stück altes Patriarchat, sagt sie selbst. Und ausgerechnet er hat sie zu einer emanzipierten Frau erzogen, weil er in ihr sah, was er in seinen beiden Söhnen nicht gesehen hat. Mit vier Jahren brachte er ihr das Lesen bei. Sie war die Erste in der Familie mit Abitur, die Erste mit Studium. Als sie 21 war, wurde er pflegebedürftig. Sie hat ihn gepflegt, seine Beerdigung organisiert und danach sechs Jahre lang ihre Großmutter versorgt – neben Studium, drei Nebenjobs und einem Praktikum bei der Commerzbank, für das sie morgens um fünf nach Frankfurt pendelte. Für Trauer war in dieser Zeit kein Platz. Als Belastung hat sie es trotzdem nie gesehen, sondern als Geschenk. Mit ihrer Großmutter ist sie jede Woche in ein anderes Restaurant gegangen: indisch, asiatisch, afrikanisch. Ihr Opa war mit Essen schwierig gewesen. Studiert hat sie deutsche Sprachgeschichte, Kunstgeschichte und Psychologie, Linguistik als Hauptfach, unter den zehn Besten in Deutschland. Ein Stipendium lag in Reichweite, eine Promotion wäre möglich gewesen. Stattdessen wurde es die Bank, über eine Bewerbung, die eigentlich ihre Freundin schreiben wollte und die Sonja halbherzig selbst verfasste, inklusive Rechtschreibfehlern. Man hat sie trotzdem eingeladen. Oder deswegen?! Aus dem Praktikum wurden zehn Jahre: Dresdner-Bank-Integration, Reden für den Vorstand, die Abbaukommunikation der Eurohypo für zweitausend Menschen, Compliance, Commerz Real. Den Unterschied zwischen einer Anleihe und einer Aktie kannte sie am Anfang nicht. Sie hat den Gabler wie ein Vokabelheft auswendig gelernt. Mit 33 drückte sie Reset: Ehe im Guten beendet, Job gekündigt, ohne Möbel nach Berlin. Zehn Jahre später zog sie nach vier Monaten Beziehung von Berlin nach Goldbach bei Aschaffenburg. Heute führt sie gemeinsam mit Holger Friedrichs die PB3C, eine der bekanntesten Kommunikationsberatungen der Immobilien- und Finanzwirtschaft. Über sich selbst sagt sie, sie sei das trojanische Pferd der Branche – wie Casper aus der Kiste, erst drin, dann anders. Ein Gespräch über eine Kindheit, in der Verantwortung früher kam als alles andere, über zehn Jahre Konzern und einen Umzug ohne Möbel, über die Frage, warum jemand, der beruflich andere positioniert, sich selbst nicht positionieren kann, und über einen Appell: Hört auf mit dem Ellenbogen. Wir danken dem Uerige in Düsseldorf für die Beretschaft, dass wir dort diese Aufnahme machen durften. Sonja Seubert auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/sonja-seubert-a8140b99/ Mein Gedöns Oliver Küppers auf LinkedIn: https://bit.ly/OKs_LinkedIN Why Real Estate? auf LinkedIn: https://bit.ly/WRE_LinkedIN Why Real Estate? auf Instagram: https://bit.ly/WRE_Insta Why Real Estate? WhatsApp Kanal: https://bit.ly/WRE_WApp Why Real Estate? Spotify Gästeplaylist:https://bit.ly/4t0UldC Podcast Design: Tim Schmitz – Stillewacht –https://bit.ly/WRE_Design Musik: David Cutter, Chocolate Box –https://bit.ly/WRE_Music