Serienmord & Wahnsinn

Martin Benes

🎙️ Serienmord & Wahnsinn  Tauche ein in die dunkelsten Abgründe der Menschheit.  In „Serienmord & Wahnsinn“ geht es um wahre Verbrechen, die fassungslos machen – um Serienmörder, deren Namen Geschichte schrieben, und um spektakuläre Fälle, die bis heute Rätsel aufgeben.  In jeder Folge beleuchten wir einen echten Kriminalfall: Wir rekonstruieren die Tat, analysieren das Täterprofil, werfen einen Blick auf die Ermittlungen und versuchen zu verstehen, was Menschen zu solchen Gräueltaten treibt. Dabei geht es nicht nur um die Verbrechen selbst, sondern auch um die Psychologie dahinter – um Macht, Wahn, Obsession und Dunkelheit.  Ob berüchtigte Serienkiller, ungelöste Mordserien oder außergewöhnliche Einzelfälle – hier hörst du die Geschichten hinter den Schlagzeilen. Authentisch. Schonungslos. Faszinierend.  👉 „Serienmord & Wahnsinn – Wahre Fälle. Wahre Täter. Wahnsinn pur.“ Der True-Crime-Podcast für alle, die das Böse verstehen wollen. 

  1. 3d ago

    Bonusfolge 2/5: Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess – 216 Tage im Saal 600

    📲 Verpasse keine neue Folge: Folge jetzt dem WhatsApp-Kanal „Serienmord & Wahnsinn“ für neue Fälle und Hintergründe: https://whatsapp.com/channel/0029Vb9G9ML8qIzzWkxjVe1cBonusfolge 2/5 der Reihe „Die Nürnberger Prozesse“ Am Morgen des 20. November 1945 ist der Saal 600 im Nürnberger Justizpalast nicht mehr nur ein deutscher Gerichtssaal. Über den Richterplätzen hängen die Flaggen der vier Siegermächte. Mikrofone stehen auf den Tischen. Dolmetscher sitzen hinter Glas und Kopfhörern. Auf der Anklagebank sitzen Männer, die wenige Monate zuvor Minister, Generäle, Parteiführer oder Leiter von Institutionen des NS-Staats gewesen sind.  Der Hauptkriegsverbrecherprozess wird 216 Verhandlungstage dauern. Er bringt Dokumente, Zeugenaussagen, Filme und Verteidigungsreden in einen Raum, in dem vier Sprachen gleichzeitig gesprochen und verstanden werden müssen. Die Öffentlichkeit sieht nicht nur einen Prozess gegen einzelne Funktionäre. Sie erlebt den Versuch, ein System der Gewalt vor Gericht in seine Entscheidungen, Befehle und Verantwortlichkeiten zu zerlegen.  Diese zweite Folge fragt deshalb: Wer saß dort eigentlich? Wie verlief ein Prozess, den es in dieser Form noch nie gegeben hatte? Und was sagen seine Urteile aus – über Schuld, über Recht und über die Grenzen eines Verfahrens, das die Vergangenheit nicht reparieren konnte?  Vierundzwanzig Namen auf einer Anklageschrift  Die Anklageschrift wurde am 18. Oktober 1945 in Berlin eingereicht. Sie nannte 24 Männer. Hinter diesen Namen standen unterschiedliche Rollen im nationalsozialistischen Machtapparat: Hermann Göring als ranghöchster noch lebender Vertreter des Regimes, Joachim von Ribbentrop als Außenminister, Wilhelm Keitel und Alfred Jodl aus der militärischen Führung, Hans Frank als Generalgouverneur im besetzten Polen, Julius Streicher als antisemitischer Propagandist, Albert Speer als Rüstungsminister und andere Funktionäre aus Partei, Wirtschaft, Verwaltung und Militär.  Nicht alle erreichten die Anklagebank  Die Zahl 24 ist wichtig, aber sie erzählt nicht den ganzen Ablauf. Robert Ley, Leiter der Deutschen Arbeitsfront, nahm sich noch vor Prozessbeginn im Gefängnis das Leben. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach wurde wegen seines Gesundheitszustands nicht verhandlungsfähig erklärt. Martin Bormann galt als verschwunden und wurde in Abwesenheit angeklagt. Damit standen 22 Angeklagte vor dem Tribunal – einer von ihnen ohne physisch im Saal zu sein.  Diese Konstellation macht deutlich, wie sehr das Verfahren bereits vor der Eröffnung von den Folgen des Zusammenbruchs geprägt war. Einige führende Nationalsozialisten waren tot, andere untergetaucht, wieder andere in Gefangenschaft. Adolf Hitler, Heinrich Himmler und Joseph Goebbels, die für die Geschichte des Regimes zentral waren, konnten nicht mehr angeklagt werden. Nürnberg verhandelte daher niemals das gesamte NS-System und auch nicht alle Hauptverantwortlichen. Es konzentrierte sich auf diejenigen, die die Alliierten als große Kriegsverbrecher vor ein internationales Gericht stellen konnten.  Die Anklage gegen Personen und Organisationen  Das Tribunal hatte nicht nur über einzelne Männer zu urteilen. Die Anklage richtete sich auch gegen sechs Organisationen: die Reichsregierung, das Korps der Politischen Leiter der NSDAP, SS und SD, Gestapo, SA sowie Generalstab und Oberkommando der Wehrmacht. Dahinter stand ein schwieriger Gedanke. Wenn eine Organisation als verbrecherisch eingestuft würde, sollte später leichter gegen Mitglieder vorgegangen werden können, die an ihren Verbrechen beteiligt gewesen waren.  Diese Möglichkeit war kein Freibrief für Kollektivschuld. Das Tribunal musste vielmehr bestimmen, welche Organisationen in welchem Umfang zu einem verbrecherischen Instrument geworden waren. Am Ende erklärte es das Führungskorps der NSDAP, die Gestapo, den SD und die SS zu verbrecherischen Organisationen. Die Reichsregierung, die SA sowie Generalstab und Oberkommando wurden nicht in gleicher Weise verurteilt. Gerade diese Differenzierungen zeigen, dass der Prozess nicht einfach alle Institutionen des untergegangenen Staates mit einem Urteil überziehen wollte. Er suchte nach juristisch fassbaren Grenzen – auch wenn diese Grenzen historisch und politisch umstritten blieben.  Das Verfahren beginnt  Der erste Tag in Nürnberg war sorgfältig inszeniert und zugleich von einer ungewöhnlichen Spannung geprägt. Im Saal saßen Richter aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion. Den Vorsitz führte der britische Richter Geoffrey Lawrence. Neben ihnen standen die Anklagevertreter der vier Mächte, die Verteidiger der Angeklagten, Pressevertreter und technisches Personal. Jeder Platz hatte eine Funktion. Jeder Satz musste übersetzt, protokolliert und später überprüfbar gemacht werden.  Ein Prozess unter Kopfhörern  Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch waren die offiziellen Sprachen des Verfahrens. Simultandolmetschen war damals noch neu und wurde in Nürnberg unter enormem Druck eingesetzt. Wer sprach, durfte nicht zu schnell sprechen. Dolmetscher arbeiteten in Teams, wechselten sich ab und übertrugen Aussagen fast gleichzeitig in die anderen Sprachen. Die Beteiligten hörten über Kopfhörer zu.  Das technische System war keine Nebensache. Ohne es hätte ein Verfahren mit vier Richterdelegationen, vier Anklagen und deutschen Verteidigern Monate oder Jahre länger dauern können. Zugleich war Übersetzung auch eine Frage der Fairness. Die Angeklagten mussten verstehen, was ihnen vorgeworfen wurde. Die Richter mussten die Verteidigung verstehen. Der Gerichtssaal wurde dadurch zu einem Ort, an dem Verständigung nicht vorausgesetzt werden konnte, sondern täglich hergestellt werden musste.  Die Bilder dieser Kopfhörer haben etwas beinahe Unwirkliches. Männer, die zu einem Regime gehört hatten, das Sprache zur Propaganda und Entmenschlichung benutzt hatte, saßen nun da und warteten auf die Übersetzung der Worte, mit denen ihre Verantwortung geprüft wurde. Das System war sachlich, mechanisch und präzise. Seine Aufgabe war es, einen Prozess möglich zu machen, nicht die Geschichte zu dramatisieren.  Nicht schuldig  Die Angeklagten erklärten sich nicht schuldig. Diese Erklärungen waren erwartbar, aber sie eröffneten einen langen Konflikt über die Deutung der Vergangenheit. Viele bestritten nicht grundsätzlich, dass Krieg, Verfolgung und Gewalt stattgefunden hatten. Sie bestritten ihre persönliche Verantwortung, verwiesen auf Befehlsketten, begrenzte Zuständigkeiten, fehlende Kenntnis oder auf die Macht Hitlers.  Diese Verteidigungslinien waren nicht alle gleich. Ein hoher Militär konnte anders argumentieren als ein Propagandist, ein Diplomat anders als ein Rüstungsminister. Doch sie kreisten oft um dieselbe Frage: Wann wird aus einer Stellung in einem autoritären Staat persönliche Schuld? Nürnberg konnte diese Frage nicht mit einem allgemeinen moralischen Urteil beantworten. Das Gericht musste für jede angeklagte Person prüfen, welche Rolle sie spielte, was sie wusste, welche Handlungen sie unterstützte und welche Macht sie ausübte.  Die Anklage baut ihren Fall auf  Robert H. Jackson, der amerikanische Hauptankläger, eröffnete den Prozess mit einer Rede, die bis heute zu den bekanntesten Momenten Nürnbergs zählt. Ihr Kern war kein Aufruf zur Rache. Jackson betonte, dass der Prozess auf belastbaren Beweisen beruhen müsse und dass die Ankläger denselben Maßstab akzeptieren müssten, den sie von den Angeklagten verlangten. Dieser Anspruch war hoch, zumal die Dimension der Verbrechen den Rahmen eines gewöhnlichen Strafprozesses sprengte.  Akten aus dem Inneren des Regimes  Eine der stärksten Seiten der Anklage war die Vielzahl deutscher Originaldokumente. Die Ermittler hatten in Ministerien, Parteibehörden, militärischen Dienststellen und anderen Einrichtungen Akten gefunden. Sie legten Befehle, Berichte, Briefe, Besprechungsprotokolle und Lageeinschätzungen vor. Diese Unterlagen zeigten, wie Planung und Gewalt in einem bürokratischen Staat ineinandergriffen.  Gerade darin lag ihre Wirkung. Sie waren keine nachträglichen Erzählungen von Gegnern, sondern häufig Dokumente der Täter selbst. Ein Befehl konnte zeigen, was angeordnet worden war. Ein Bericht konnte zeigen, dass eine Dienststelle Kenntnis hatte. Ein Protokoll konnte offenlegen, wie Entscheidungsträger über Deportation, Besatzungspolitik oder Krieg sprachen. Natürlich musste auch dieses Material eingeordnet werden: Wer hatte es verfasst? Zu welchem Zweck? War es vollständig? Die Verteidigung konnte solche Fragen aufwerfen. Aber die Masse der Unterlagen machte es schwer, die nationalsozialistische Gewalt als bloßes Gerücht oder als Chaos einzelner Exzesse darzustellen.  Bilder, Filme und Zeugen  Die Anklage nutzte außerdem Filmaufnahmen und Fotografien aus befreiten Lagern sowie weiteres Material über die Verbrechen des Regimes. Diese Bilder trafen viele Beteiligte und Beobachter mit großer Wucht. Ihre Bedeutung lag nicht nur in ihrem Schockwert. Sie wurden mit Dokumenten und Zeugenaussagen verbunden, um Orte, Zeitpunkte und Zusammenhänge zu belegen.  Zeuginnen und Zeugen ergänzten die Akten. Sie berichteten von Erfahrungen, die sich nicht vollständig in Formularen und Befehlen ausdrücken ließen. Ihre Aussagen brachten die Folgen der Politik in den Saal: Verfolgung, Deportation, Zwangsarbeit und Mord waren nicht bloß juristische Begriffe. Sie betrafen konkrete Menschen und Familien. Gleichzeitig musste das Tribunal mit der Grenze jedes Gerichts umgehen. Viele, die hätten aussagen können, waren ermordet worden. Viele Erfahrungen blieben unaussprechlich oder konnten nur in Ausschnitten erzählt werden.  Das Verfahren entschied sich daher nicht zwischen Dokumenten und Zeugenaussagen. Es brauchte beides. Die Akten belegten die Struktur und den Entscheidungsweg; die Zeugnis

  2. 5d ago

    Dennis Nilsen – der schottische Serienmörder, dessen Geheimnis im Abfluss endete

    📲 Verpasse keine neue Folge: Folge jetzt dem WhatsApp-Kanal „Serienmord & Wahnsinn“ für neue Fälle und Hintergründe: https://whatsapp.com/channel/0029Vb9G9ML8qIzzWkxjVe1cAm Abend des 9. Februar 1983 stand Dennis Nilsen in seiner Wohnung in Cranley Gardens im Norden Londons, als die Polizei vor seiner Tür erschien. Wenige Tage zuvor waren in den Abwasserleitungen des Hauses menschliche Überreste entdeckt worden. Nun wollten die Beamten wissen, was sich in der Wohnung befand. Nilsen ließ sie herein.  Der Geruch fiel den Ermittlern sofort auf. In der Wohnung fanden sie menschliche Überreste, darunter Körperteile, die in Säcken und Behältnissen aufbewahrt worden waren. Nilsen blieb auffallend ruhig. Er erklärte den Beamten, die Sache reiche weit zurück. Dann begann er zu erzählen.  Was in dieser Nacht ans Licht kam, war die Geschichte einer Mordserie, die mehr als vier Jahre zuvor begonnen hatte. Dennis Nilsen, 1945 im schottischen Fraserburgh geboren, hatte junge Männer nach Hause gelockt, sie getötet und ihre Körper anschließend in seinen Wohnungen versteckt oder die Überreste beseitigt. Die Zahl der tatsächlichen Opfer blieb bis zuletzt nicht vollständig geklärt. Nilsen hatte zunächst von 15 oder 16 getöteten Männern gesprochen. Später änderte er seine Angaben und behauptete, nur zwölf Menschen getötet zu haben. Ermittler hielten dagegen an der ursprünglichen Zahl von 15 fest.  Ein unauffälliges Leben vor den Morden  Dennis Andrew Nilsen wurde am 23. November 1945 in Fraserburgh in Aberdeenshire geboren. Seine Eltern trennten sich, als er noch ein Kind war. Er wuchs anschließend bei seiner Mutter und seinen Geschwistern beziehungsweise zeitweise bei seinen Großeltern auf. Sein Großvater, ein Fischer, starb, als Nilsen noch jung war. Später beschrieb Nilsen den Tod und den Anblick des Leichnams seines Großvaters als ein prägendes Erlebnis.  Als junger Mann diente Nilsen in der britischen Armee und arbeitete dort unter anderem als Koch. Später war er für kurze Zeit Polizist und arbeitete anschließend in verschiedenen Beschäftigungen. In London wurde er schließlich als Verwaltungsangestellter tätig.  Nach außen führte Nilsen ein weitgehend unauffälliges Leben. Er wirkte zurückhaltend und konnte höflich und hilfsbereit auftreten. Menschen, die ihm begegneten, sahen nicht zwangsläufig einen Mann, der über Jahre hinweg eine Mordserie verbergen würde.  Doch Nilsen lebte zunehmend isoliert. Einsamkeit, seine Schwierigkeiten mit Beziehungen und seine Sexualität spielten in seinem späteren Selbstbild eine wichtige Rolle. Für die Ermittler und später auch für die Psychiater, die ihn untersuchten, wurde die Frage zentral, wie seine Persönlichkeit und seine psychischen Auffälligkeiten mit seinen Taten zusammenhingen.  Eine eindeutige Erklärung für die Mordserie ergab sich daraus jedoch nicht.  Der erste bekannte Mord  Ende Dezember 1978 begegnete Nilsen einem Jugendlichen in einem Londoner Pub. Der junge Mann hieß Stephen Holmes und war 14 Jahre alt. Nilsen nahm ihn mit in seine Wohnung in der Melrose Avenue.  Am folgenden Morgen tötete er Holmes durch Strangulation und Ertränken. Anschließend behielt er den Leichnam in der Wohnung.  Damit begann eine Mordserie, die sich über Jahre erstrecken sollte. Nilsen entwickelte dabei ein Muster: Er lernte Männer in Pubs oder auf der Straße kennen, bot ihnen Alkohol oder Gesellschaft an und brachte sie in seine Wohnung. Dort wurden sie getötet. Die späteren Ermittlungen ergaben, dass viele der Opfer in schwierigen sozialen Verhältnissen lebten, obdachlos waren oder nur wenig Kontakt zu Familie und Behörden hatten.  Das machte ihr Verschwinden teilweise schwerer bemerkbar.  Ein Tourist aus Kanada  Im Dezember 1979 traf Nilsen auf Kenneth Ockenden. Der 23-jährige Kanadier hielt sich als Tourist in London auf.  Ockenden war nicht das typische Opfer, das später mit Nilsens Mordserie verbunden wurde. Er hatte eine feste Lebenssituation und war lediglich zu Besuch in London. Nilsen verbrachte Zeit mit ihm und nahm ihn schließlich mit nach Hause.  Dort tötete er ihn.  Ockendens Leichnam wurde anschließend ebenfalls in der Wohnung versteckt. Später beseitigte Nilsen die Überreste auf eine Weise, die zunehmend von der Notwendigkeit bestimmt war, die Körperteile aus seiner Wohnung verschwinden zu lassen.  Die Opfer verschwanden, aber Nilsen blieb  Im Laufe des Jahres 1980 setzte sich die Mordserie fort. Eines der Opfer war Martyn Duffey, ein 16-jähriger Jugendlicher, der in London ohne festen Lebensmittelpunkt lebte.  Auch Duffey wurde in Nilsens Wohnung getötet. Danach blieb sein Körper zunächst dort verborgen.  Weitere Opfer folgten. Zu ihnen gehörte William „Billy“ Sutherland, ein junger Mann aus Edinburgh. Auch Malcolm Barlow wurde später getötet. Barlow war als Kind in Heimen aufgewachsen und hatte Lernschwierigkeiten.  Nilsen sammelte die Körper seiner Opfer zunächst in der Wohnung. Doch je länger die Leichname dort lagen, desto schwieriger wurde es, sie verborgen zu halten. Verwesung und Geruch machten die Situation zunehmend gefährlich.  Nilsen begann deshalb, die Körper zu zerlegen und die Überreste auf verschiedene Weise zu beseitigen. Teile wurden verbrannt oder vergraben. Andere wurden in der Wohnung versteckt.  Die Ermittler fanden später tausende kleine Knochenfragmente im Garten des Hauses in der Melrose Avenue.  Die Warnsignale, die nicht zusammengeführt wurden  Während Nilsen weiter tötete, war sein Name bereits in einzelnen Zusammenhängen bei der Polizei aufgetaucht.  Mehrere junge Männer hatten von Begegnungen mit ihm berichtet, bei denen sie nach eigener Aussage stranguliert oder angegriffen worden waren. Einer dieser Männer war Paul Nobbs. Auch Douglas Stewart und Carl Stotter überlebten spätere Angriffe.  Diese Vorfälle wurden jedoch nicht zu einem gemeinsamen Muster verbunden.  Nach späteren Untersuchungen war Nilsen zwischen 1978 und 1983 insgesamt mehrfach Gegenstand polizeilicher Hinweise. Ein weiterer Vorfall betraf einen zehnjährigen Jungen, und ein Nachbar hatte einmal eine Tasche mit menschlichen Überresten entdeckt. Damals wurden diese Überreste jedoch nicht als menschlich erkannt.  Hinzu kam ein grundlegendes Problem: Viele der später vermuteten Opfer waren nicht offiziell als vermisst gemeldet worden. In einer Millionenstadt konnte ein junger Mann verschwinden, ohne dass sein Verschwinden unmittelbar eine groß angelegte Suche auslöste.  Die einzelnen Hinweise blieben voneinander getrennt.  Nilsen konnte weitermachen.  Der Umzug nach Cranley Gardens  1981 verließ Nilsen die Wohnung in der Melrose Avenue. Er zog nach 23 Cranley Gardens in Muswell Hill, ebenfalls im Norden Londons.  Die neue Wohnung unterschied sich entscheidend von der alten. Es gab keinen Garten, in dem er Überreste verbrennen konnte, und keine geeigneten Bodenbretter, unter denen sich Körper verstecken ließen.  Doch der Umzug beendete die Mordserie nicht.  1982 tötete Nilsen John Howlett. Howlett war 23 Jahre alt. Nilsen hatte ihn kennengelernt und mit in seine Wohnung genommen. Dort kam es zu einem Angriff, bei dem Howlett stranguliert und schließlich ertränkt wurde.  Später wurde auch Archibald Graham Allan getötet. Der 27-Jährige stammte aus Motherwell in Schottland und hatte einen Sohn. Nilsen lernte ihn 1982 in London kennen und nahm ihn mit in seine Wohnung.  Die neue Wohnung machte die Beseitigung der Leichen komplizierter.  Nilsen zerlegte die Körper und versuchte, kleinere Teile über die Toilette zu entsorgen. Andere Überreste blieben in der Wohnung verborgen.  Damit begann der Weg, der schließlich zu seiner Entdeckung führen sollte.  Das letzte Opfer  Am 26. Januar 1983 begegnete Nilsen Stephen Sinclair in London. Sinclair war 20 Jahre alt und stammte aus Perth in Schottland.  Nilsen nahm ihn mit nach Cranley Gardens. Dort konsumierte Sinclair Alkohol und Heroin. Anschließend wurde er getötet.  Sinclair sollte das letzte Opfer der Mordserie sein.  Seine Überreste wurden in der Wohnung aufbewahrt. Nilsen hatte inzwischen kaum noch Möglichkeiten, die Spuren seiner Taten unbemerkt zu beseitigen.  Was Nilsen nicht wissen konnte: Die Methode, mit der er versucht hatte, seine Opfer verschwinden zu lassen, würde ihn selbst verraten.  Der Abfluss  Anfang Februar 1983 kam es in dem Wohnhaus zu Problemen mit den Abwasserleitungen.  Eine Firma für Rohrreinigung wurde gerufen. Bei der Untersuchung der Leitungen stießen die Mitarbeiter auf etwas, das nicht in ein Abwassersystem gehörte: menschliches Gewebe.  Damit änderte sich alles.  Die Entdeckung führte die Polizei direkt zu Nilsens Wohnung in Cranley Gardens. In der Nacht vor dem Eintreffen der Beamten versuchte Nilsen offenbar noch, Überreste aus dem Abwassersystem zu entfernen. Ein Nachbar wurde auf seine Aktivitäten aufmerksam.  Am 9. Februar 1983 wurde Nilsen schließlich von Detective Chief Inspector Peter Jay und anderen Beamten aufgesucht.  Als die Ermittler seine Wohnung betraten, fanden sie die Hinweise, die sie brauchten. Die Polizei stieß auf menschliche Überreste und erkannte schnell, dass es nicht um einen einzelnen Todesfall ging.  Nilsen wurde festgenommen.  Schon bei den ersten Befragungen begann er, über die Morde zu sprechen. Er gab an, seit 1978 zahlreiche junge Männer getötet zu haben. Nach seiner anfänglichen Darstellung waren es 15 oder 16.  Eine Wohnung wurde zum Tatort einer ganzen Mordserie  Die Ermittlungen wurden nun zu einer der umfangreichsten Morduntersuchungen, die Scotland Yard bis dahin durchgeführt hatte.  Die Beamten untersuchten Nilsens Wohnung in Cranley Gardens und kehrten anschließend zur früheren Adresse in der Melrose Avenue zurück. Dort suchten sie nach weiteren Spuren und untersuchten den Garten.  Was sie fanden, bestätigte Teile von Nilsens Aussagen. Unter anderem wurden zahlreich

  3. Oct 23 ·  Bonus

    Bonusfolge 1/5: Die Nürnberger Prozesse – Warum die Welt ein Gericht brauchte

    📲 Verpasse keine neue Folge: Folge jetzt dem WhatsApp-Kanal „Serienmord & Wahnsinn“ für neue Fälle und Hintergründe: https://whatsapp.com/channel/0029Vb9G9ML8qIzzWkxjVe1cBonusfolge 1/5 der Reihe „Die Nürnberger Prozesse“Im Herbst 1945 liegt Nürnberg zwischen Trümmern. Die Stadt ist beschädigt, die Straßen tragen die Spuren des Krieges, den das nationalsozialistische Deutschland über Europa gebracht hat. Doch im Justizpalast steht ein Gebäude, das noch benutzt werden kann. Nebenan liegt ein Gefängnis. Dazwischen entsteht ein hölzerner, bewachter Gang. Männer, die eben noch zu den mächtigsten Funktionären eines Terrorstaats gehörten, werden auf diesem Weg in den Schwurgerichtssaal 600 geführt.  Dort beginnt am 20. November 1945 ein Verfahren, das mehr sein soll als die Abrechnung der Sieger mit den Besiegten. Vor einem internationalen Militärgericht stehen führende Vertreter des NS-Regimes. Der Gerichtssaal wird zum Ort einer Frage, die nach einem Krieg von beispielloser Gewalt fast zu groß wirkt, um sie juristisch zu beantworten: Kann das Recht diejenigen erreichen, die einen Staat in den Dienst von Angriffskrieg, Verfolgung und Massenmord gestellt haben?  Die erste Folge dieser Bonusreihe handelt deshalb noch nicht vor allem von einzelnen Angeklagten. Sie handelt von der Entscheidung, überhaupt einen Prozess zu führen. Denn Nürnberg war keine zwangsläufige Konsequenz. Nach 1945 gab es viele Stimmen, die eine schnelle Bestrafung führender Nationalsozialisten wollten. Ein gerichtliches Verfahren bedeutete dagegen: Beweise sammeln, Zuständigkeiten klären, Verteidigung zulassen und Urteile begründen. Es bedeutete auch, den Opfern und der Weltöffentlichkeit eine dokumentierte Wahrheit entgegenzusetzen.  Die Welt nach dem Krieg  Als im Mai 1945 in Europa die Waffen schweigen, ist der Kontinent von einem Krieg gezeichnet, den Deutschland begonnen und geführt hat. Millionen Menschen sind tot. Städte liegen in Ruinen. Überlebende der Konzentrations- und Vernichtungslager, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Vertriebene suchen Angehörige oder einen Ort, an den sie zurückkehren können. Mit der Befreiung der Lager werden die Dimensionen der nationalsozialistischen Verbrechen für Soldaten, Ermittler und Journalistinnen sichtbar: ausgehungerte Menschen, Massengräber, Akten, Listen, Befehle und Orte, an denen die Gewalt organisiert worden war.  Die Frage nach Verantwortung  Es wäre bequem gewesen, die Katastrophe nur einem kleinen Kreis von Männern zuzuschreiben oder sie als namenloses Unglück des Krieges zu behandeln. Doch die Verbrechen waren nicht spontan entstanden. Sie waren vorbereitet, verwaltet und befohlen worden. Ministerien, militärische Dienststellen, Parteiapparate, Polizei und SS hatten an der Herrschaft des Regimes mitgewirkt. Die Alliierten mussten deshalb eine Antwort finden, die über die militärische Niederlage Deutschlands hinausging.  Dabei ging es auch um einen Bruch mit einer alten Vorstellung. Bis dahin war es im internationalen Recht schwer durchsetzbar gewesen, die politische Führung eines Staates persönlich für einen Angriffskrieg oder für staatlich organisierte Gewalt gegen Zivilisten zur Verantwortung zu ziehen. Staaten schlossen Verträge und führten Kriege; einzelne Entscheidungsträger verschwanden häufig hinter der Macht ihrer Ämter. Gerade diese Schutzwand wollte der geplante Prozess durchbrechen.  Zwischen Vergeltung und Verfahren  Die Siegermächte waren sich keineswegs von Beginn an über den Weg einig. Der Wunsch nach Strafe war verständlich. Zu frisch waren die Nachrichten über die Lager, zu groß die Zahl der Toten, zu unmittelbar die Zerstörung. Aber eine außergerichtliche Erschießung führender Täter hätte keine sorgfältige Rekonstruktion ihrer Taten geliefert. Sie hätte keine Dokumente geprüft, keine Zeugenaussagen festgehalten und keine nachvollziehbare Unterscheidung zwischen Verantwortung, Mitwirkung und bloßer Zugehörigkeit ermöglicht.  Ein Prozess versprach nicht, das Geschehene wiedergutzumachen. Das konnte kein Gericht. Er konnte aber einen öffentlichen Maßstab setzen: Macht, Rang und Uniform sollten keine Immunität schaffen. Diese Entscheidung war politisch, moralisch und juristisch zugleich. Sie machte Nürnberg von Anfang an angreifbar. Wer sollte richten? Auf welcher Rechtsgrundlage? Waren die Richter nicht selbst Vertreter von Staaten, die den Krieg gewonnen hatten? Diese Einwände wurden später immer wieder erhoben. Sie gehören zur Geschichte des Verfahrens. Aber gerade deshalb war es entscheidend, dass die Anklage nicht bei Schlagworten stehen blieb, sondern ihre Behauptungen mit einer gewaltigen Menge an Material belegen musste.  Ein Gericht aus vier Mächten  Am 8. August 1945 schlossen die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion in London ein Abkommen. Es schuf das Internationale Militärtribunal und legte dessen Statut fest. Jede der vier Mächte stellte einen Richter und einen stellvertretenden Richter. Auch die Anklage war international organisiert. Für die Vereinigten Staaten übernahm der Richter Robert H. Jackson eine zentrale Rolle, für Großbritannien Hartley Shawcross, für Frankreich François de Menthon und später Auguste Champetier de Ribes, für die Sowjetunion Roman Rudenko.  Neue Worte für bekannte Gewalt  Das Londoner Statut bündelte die Vorwürfe in vier Anklagepunkte: gemeinsamer Plan oder Verschwörung, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Hinter diesen juristischen Formeln standen konkrete Erfahrungen. Der Angriff auf andere Staaten sollte nicht länger nur als Handlung eines abstrakten Staates betrachtet werden. Die Misshandlung und Ermordung von Kriegsgefangenen, Geiseln und Zivilisten sollten ebenso benennbar sein wie Deportationen, Zwangsarbeit und die Verfolgung aus politischen, rassistischen oder religiösen Gründen.  Besonders prägend war der Begriff der Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er schuf keine vollständige Sprache für alles, was den Opfern widerfahren war. Viele Dimensionen der Shoah wurden im Verfahren nur ausschnittweise verhandelt. Der heute zentrale Begriff Genozid war damals noch kein eigenständiger Straftatbestand des Tribunals. Trotzdem machte die Anklage deutlich, dass die Vernichtung und Verfolgung von Menschen nicht als innere Angelegenheit eines souveränen Staates abgetan werden durfte.  Kein perfektes Gericht  Das Tribunal war kein gewöhnliches Strafgericht in friedlichen Zeiten. Seine Satzung war von den Siegermächten geschaffen worden, und es urteilte nach einem Krieg, in dem diese Mächte selbst militärische Gewalt ausgeübt hatten. Genau hier liegt eine bleibende Spannung. Kritiker bezeichneten einzelne Tatbestände als rückwirkendes Recht und sprachen von Siegerjustiz. Diese Kritik darf nicht verschwiegen werden.  Sie erklärt jedoch nicht die Aktenlage der nationalsozialistischen Verbrechen weg. Das Verfahren stützte sich in erheblichem Maß auf Dokumente aus deutschen Behörden, militärischen Stellen und Parteistrukturen. Befehle, Lageberichte, Protokolle und Korrespondenzen machten sichtbar, wie Gewalt geplant und administriert wurde. Die Angeklagten erhielten Verteidiger, konnten sich äußern, Zeugen benennen und die Beweismittel der Anklage angreifen. Das machte den Prozess nicht frei von politischen Bedingungen. Es unterschied ihn aber grundsätzlich von einer bloßen Strafaktion ohne Verfahren.  Warum ausgerechnet Nürnberg?  Nürnberg war für das NS-Regime ein aufgeladener Ort. Hier hatten die Reichsparteitage stattgefunden, hier waren 1935 die sogenannten Nürnberger Gesetze verkündet worden, die Jüdinnen und Juden systematisch aus der deutschen Gesellschaft ausgrenzten. Es lag daher nahe, den Ort später als Symbol für den Zusammenbruch dieser Herrschaft zu deuten. Doch Symbolik allein entschied die Standortfrage nicht.  Ein Gebäude, ein Gefängnis, eine Entscheidung  Die Alliierten mussten zwischen ihren Interessen vermitteln. Der ständige Sitz des neu geschaffenen Tribunals lag in Berlin, doch das erste große Verfahren sollte in der amerikanischen Besatzungszone stattfinden. Der Nürnberger Justizpalast war vergleichsweise wenig beschädigt, bot ausreichend Räume für Richter, Anklage, Verteidigung, Übersetzer, Presse und Verwaltung. Das benachbarte Gefängnis vereinfachte die Unterbringung und Sicherung der Gefangenen. In einer zerstörten Nachkriegsgesellschaft waren das keine Nebensächlichkeiten, sondern Voraussetzungen dafür, einen monatelangen internationalen Prozess überhaupt durchführen zu können.  Der Ort erhielt seine Bedeutung also aus zwei Richtungen. Nürnberg war praktisch nutzbar und historisch belastet. Ausgerechnet eine Stadt, die das Regime für seine Selbstinszenierung gewählt hatte, wurde zum Schauplatz, an dem dessen Führungsfiguren mit den Folgen ihrer Politik konfrontiert wurden. Dieser Kontrast prägte die Bilder des Prozesses weit über Deutschland hinaus.  Der Saal 600 als Maschine der Verständigung  Im Gerichtssaal 600 saßen Menschen aus vier Staaten mit verschiedenen Rechtstraditionen und vier offiziellen Sprachen. Ohne eine Lösung für dieses Sprachproblem hätte das Verfahren weder fair noch arbeitsfähig sein können. Die Angeklagten sollten verstehen, was ihnen vorgeworfen wurde. Richter mussten Aussagen und Rechtsfragen verfolgen können. Die Öffentlichkeit sollte nachvollziehen können, was geschah.  Deshalb wurde simultan gedolmetscht, damals noch ein technisches und organisatorisches Wagnis. Über Kopfhörer liefen Kanäle für Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch. Teams von Dolmetschern wechselten sich ab; Redner mussten ihr Tempo begrenzen. Diese Technik veränderte die Atmosphäre des Saals. Sie machte Verständigung nicht selbstverständlich, sondern sichtbar: Jede Aussage lief durch Mikrofone, Leitungen u

  4. Oct 21

    Die Toy Box von Elephant Butte:

    📲 Verpasse keine neue Folge: Folge jetzt dem WhatsApp-Kanal „Serienmord & Wahnsinn“ für neue Fälle und Hintergründe: https://whatsapp.com/channel/0029Vb9G9ML8qIzzWkxjVe1cDavid Parker Ray wurde 1999 enttarnt, als eine gefesselte Frau aus seinem Haus floh. Was die Ermittler danach fanden, führte zu einem der verstörendsten Kriminalfälle in der Geschichte New Mexicos – und zu einer Frage, die bis heute nicht vollständig beantwortet ist: Wie viele Frauen waren in Rays Gewalt?  Der Moment, in dem alles aufflog  Am 22. März 1999 ging bei der Notrufzentrale im US-Bundesstaat New Mexico ein ungewöhnlicher Anruf ein. Von einem Wohnhaus in Elephant Butte war ein Anruf eingegangen, doch am anderen Ende war zunächst kaum etwas zu hören. Die Verbindung brach ab. Wenig später wurde erneut angerufen. Die Person am Telefon erklärte, alles sei in Ordnung.  Für die Einsatzkräfte war es das nicht.  Als ein Beamter zu dem Grundstück fuhr, war das Haus verlassen. Hinter dem Wohnhaus stand ein unscheinbarer, fensterloser Anhänger. Von außen deutete kaum etwas darauf hin, was sich darin befand. Die Polizei sollte ihn erst nach Erhalt eines Durchsuchungsbeschlusses öffnen können.  Während die Beamten noch versuchten, die Situation zu verstehen, war eine Frau bereits auf der Flucht.  Cynthia Vigil war drei Tage zuvor entführt worden. Sie war nach Elephant Butte gebracht und in einem Anhänger gefangen gehalten worden. Sie trug eine Metallmanschette und war angekettet. Als sich am 22. März eine Gelegenheit ergab, griff sie nach einem Schlüssel und versuchte, sich zu befreien.  Cindy Hendy, die damalige Lebensgefährtin von David Parker Ray, bemerkte den Fluchtversuch. Es kam zu einem Kampf. Vigil konnte sich schließlich lösen und aus dem Haus fliehen. Sie rannte auf die Straße und suchte Hilfe.  Die Frau, die schließlich bei einem nahe gelegenen Haus Hilfe fand, trug kaum mehr als eine Metallmanschette und Ketten. Die Polizei erhielt damit nicht nur einen Hinweis auf ein Gewaltverbrechen. Sie bekam den Zugang zu einer Welt, die David Parker Ray über Jahre verborgen gehalten hatte.  Ein Mann, der nach außen ein gewöhnliches Leben führte  David Parker Ray wurde am 6. November 1939 in Belen, New Mexico, geboren. Seine Kindheit verbrachte er zeitweise bei den Großeltern mütterlicherseits. Sein Vater galt als gewalttätig und alkoholabhängig und besuchte die Familie nur unregelmäßig.  Über Rays Jugend existieren später zahlreiche Angaben, die auf seine eigenen Aussagen oder Berichte aus seinem Umfeld zurückgingen. Schon als Teenager soll er sich mit sadomasochistischen Fantasien beschäftigt haben. Seine Schwester soll entsprechende Zeichnungen und pornografische Bilder entdeckt haben.  Nach der Highschool diente Ray in der US Army und wurde ehrenhaft entlassen. Später arbeitete er unter anderem im Bereich Wartung und für das New Mexico Parks Department. Über Jahre lebte er in der Gegend um Truth or Consequences und Elephant Butte.  Gerade diese bürgerliche Fassade machte den späteren Fall so schwer begreifbar. Ray war kein Mann, der sich dauerhaft außerhalb der Gesellschaft bewegte. Er arbeitete, lebte in einer Gemeinde und verfügte über Beziehungen und Kontakte. Hinter dieser Normalität entwickelte er jedoch eine Gewaltwelt, die er immer weiter ausbaute.  Die „Toy Box“  Im Mittelpunkt des Falls stand ein Anhänger auf Rays Grundstück. Ray bezeichnete ihn als „Toy Box“.  Der Name war makaber, doch das eigentliche Geheimnis lag nicht in der Bezeichnung. Der Anhänger war für die Gefangenschaft und Misshandlung von Frauen eingerichtet worden. Er war schallgedämmt und enthielt zahlreiche Vorrichtungen, mit denen Menschen fixiert und kontrolliert werden konnten.  Als die Ermittler das Innere untersuchten, fanden sie Gegenstände, die auf die systematische Vorbereitung sexueller Gewalt hindeuteten. Hinzu kamen Aufzeichnungen, Videomaterial und weitere Gegenstände, die später Teil der Ermittlungen wurden.  Die Dimension des Fundes veränderte den Fall innerhalb weniger Tage.  Zunächst war Ray wegen der Entführung und Misshandlung einer einzelnen Frau festgenommen worden. Nun mussten die Ermittler davon ausgehen, dass die Gewalt nicht spontan entstanden war. Der Anhänger wirkte vielmehr wie ein speziell eingerichteter Ort, an dem Ray seine Fantasien in die Realität umgesetzt hatte.  Die Stimme auf dem Tonband  Besonders verstörend für die Ermittler waren Tonaufnahmen.  Ray hatte eine Aufzeichnung angefertigt, in der er einer gefangenen Frau erklärte, was sie erwartete. Die Aufnahme beschrieb seine Vorgehensweise und sollte offenbar dazu dienen, die Opfer einzuschüchtern und ihnen jede Hoffnung auf Kontrolle über ihre Situation zu nehmen.  Für die Ermittler war das Material von großer Bedeutung. Es zeigte, dass die Gewalt nicht allein auf spontane Impulse zurückging. Ray hatte sich mit der Gefangenschaft, Kontrolle und Einschüchterung seiner Opfer beschäftigt und entsprechende Abläufe vorbereitet.  Die Ermittlungen förderten außerdem Videokassetten und zahlreiche weitere Gegenstände zutage. Das FBI veröffentlichte Jahre später Hunderte Fotos von Gegenständen, die während der Ermittlungen sichergestellt worden waren. Darunter befanden sich Schmuckstücke und Kleidungsstücke, bei denen die Ermittler vermuteten, dass sie früher Opfern gehört haben könnten.  Cynthia Vigil überlebte  Für Cynthia Vigil war der 22. März 1999 der Tag, an dem sie ihre Gefangenschaft beendete.  Ihre Aussage wurde zum entscheidenden Ausgangspunkt der Ermittlungen. Sie schilderte, wie sie entführt und anschließend in Rays Anwesen festgehalten worden war.  Dass sie entkommen konnte, war für die Ermittler von entscheidender Bedeutung. Ohne ihre Flucht wäre der Anhänger möglicherweise weiterhin verborgen geblieben.  Die Ermittler begannen daraufhin, Rays Vergangenheit und sein Umfeld zu untersuchen. Dabei stießen sie auf weitere Frauen, die von Ray misshandelt worden sein sollen.  Eine von ihnen war Angelica Montano.  Eine weitere war Kelli Garrett.  Ihre Fälle sollten später eine zentrale Rolle im juristischen Verfahren gegen Ray spielen.  Ein Netz aus Helfern  Ray handelte nicht immer allein.  Cindy Hendy, seine Lebensgefährtin, war an der Entführung und Misshandlung von Frauen beteiligt. Nach Rays Festnahme sagte sie gegen ihn aus. Später erhielt sie eine Haftstrafe von 36 Jahren wegen ihrer Rolle in den Verbrechen.  Auch Rays Tochter Glenda Jean „Jesse“ Ray geriet in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Sie wurde ebenfalls wegen ihrer Beteiligung an den Straftaten angeklagt und erhielt eine Gefängnisstrafe sowie eine anschließende Bewährungszeit.  Damit wurde deutlich, dass Rays Gewalt nicht ausschließlich innerhalb seiner eigenen Person geblieben war. Menschen aus seinem unmittelbaren Umfeld waren zumindest in Teilen in das Geschehen eingebunden.  Die Spur führte weiter zurück  Während die Polizei den Anhänger untersuchte, tauchten immer mehr Hinweise auf mögliche weitere Opfer auf.  Ray selbst hatte gegenüber Ermittlern Angaben gemacht, die darauf hindeuteten, dass er wesentlich mehr Frauen entführt haben könnte als die Frauen, deren Fälle schließlich vor Gericht landeten. Das FBI erklärte später, Ray habe behauptet, etwa 40 Opfer entführt zu haben.  Andere Aussagen und Ermittlungsansätze führten zu wesentlich höheren Zahlen.  Doch genau hier begann die Grenze zwischen gesichertem Wissen und ungeklärtem Verdacht.  Denn so erschütternd die Hinweise waren: Für einen Mord brauchten die Ermittler belastbare Beweise dafür, dass ein bestimmtes Opfer tatsächlich getötet worden war. Diese Beweise konnten in den meisten vermuteten Fällen nicht gefunden werden.  Leichen wurden nicht entdeckt.  Damit blieb eine der zentralen Fragen des Falles unbeantwortet.  Die Suche nach den Vermissten  Das FBI und die Behörden von New Mexico weiteten die Ermittlungen aus. Grundstücke wurden durchsucht, Hinweise überprüft und mögliche Verbindungen zu vermissten Personen untersucht.  Die Ermittler untersuchten auch Gegenstände, die in Rays Besitz gefunden worden waren. Schmuck und Kleidung wurden fotografiert und später öffentlich gezeigt, in der Hoffnung, Angehörige oder Bekannte könnten Gegenstände wiedererkennen.  Das Ziel war klar: Wenn Ray tatsächlich weitere Frauen getötet hatte, mussten sich Spuren finden lassen.  Doch die Suche brachte nicht die eindeutige Antwort, auf die die Ermittler gehofft hatten.  Das FBI erklärte noch Jahre später, dass keine menschlichen Überreste gefunden worden seien. Die Behörde suchte weiterhin nach Hinweisen auf mögliche Opfer.  Der Fall wurde komplizierter, als er zunächst erschien  Die juristische Aufarbeitung war nicht einfacher als die Ermittlungen.  Die Fälle der Frauen wurden getrennt voneinander behandelt. Das bedeutete, dass die Staatsanwaltschaft die jeweiligen Taten jeweils eigenständig beweisen musste.  Das erschwerte die Verfahren.  Denn das gesamte Material aus dem Anhänger konnte nicht automatisch in jedem einzelnen Prozess verwendet werden. Auch die Aussagen verschiedener Frauen konnten nicht einfach zu einem einzigen Gesamtbild zusammengeführt werden.  Im ersten Verfahren kam es zunächst zu einem Fehlprozess. Danach wurde der Fall erneut verhandelt.  Bei der erneuten Verhandlung wurde Ray in allen zwölf Anklagepunkten schuldig gesprochen.  Was vor Gericht bewiesen werden konnte  Der entscheidende Unterschied dieses Falles lag zwischen dem, was Ermittler vermuteten, und dem, was vor Gericht bewiesen werden konnte.  Ray wurde wegen Entführung, sexueller Gewalt und weiterer schwerer Straftaten verurteilt.  Für die zahlreichen vermuteten Morde gab es dagegen keine entsprechende Verurteilung.  Das bedeutete nicht, dass die Ermittler die Mordvorwürfe für bedeutungslos hielten. Im Gegenteil: Noch Jahre nach Rays Verurte

  5. Oct 14

    David Copeland – Der Nail-Bomber von London

    📲 Verpasse keine neue Folge: Folge jetzt dem WhatsApp-Kanal „Serienmord & Wahnsinn“ für neue Fälle und Hintergründe: https://whatsapp.com/channel/0029Vb9G9ML8qIzzWkxjVe1cDer Moment, in dem London verstand  Am Abend des 30. April 1999 war der Admiral Duncan in der Old Compton Street in Soho voll. Menschen standen zusammen, tranken, unterhielten sich. Für Andrea Dykes, ihren Ehemann Julian und ihre Freunde John Light und Nik Moore sollte es ein Abend in London werden, bevor sie weiter ins Theater gingen. Andrea Dykes war 27 Jahre alt und schwanger.  Dann explodierte eine Bombe.  Die Druckwelle riss durch das Lokal. Nägel, die in der Bombe als Splitterwirkung dienen sollten, wurden mit großer Wucht in den Raum geschleudert. Andrea Dykes, John Light und Nik Moore starben. Julian Dykes wurde schwer verletzt. Dutzende weitere Menschen erlitten Verbrennungen, Verletzungen durch Nägel und Splitter oder mussten später mit den Folgen des Anschlags leben. Insgesamt wurden bei den drei Bombenanschlägen 139 Menschen verletzt.  Für London war es der dritte Anschlag innerhalb von nur 13 Tagen. Erst Brixton, dann Brick Lane, schließlich Soho. Die Orte waren nicht zufällig gewählt worden. Die Anschläge richteten sich gegen schwarze, asiatische und homosexuelle Menschen.  Der Mann, der diese Bomben gelegt hatte, hieß David Copeland.  Ein unauffälliger junger Mann  Copeland wurde am 15. Mai 1976 in Isleworth im Westen Londons geboren. Er wuchs in einer Arbeiterfamilie auf. Sein Vater arbeitete als Lokführer, seine Mutter war Hausfrau. Die Familie lebte später in Yateley in Hampshire, wo Copeland die örtliche Gesamtschule besuchte.  Als Schüler galt er nach späteren Aussagen als eher zurückhaltend. Er war nicht als besonders gewalttätig bekannt. Er bestand sieben GCSE-Prüfungen und verließ die Schule mit 16 Jahren. Danach folgten verschiedene Arbeitsstellen, Alkohol und Drogen spielten in seinem Leben eine Rolle. Schließlich arbeitete er als technischer Helfer im Umfeld der Londoner U-Bahn.  Nach außen wirkte seine Entwicklung lange weniger spektakulär, als sie sich später darstellen sollte. Doch in den Jahren vor den Anschlägen veränderte sich Copeland zunehmend.  Psychiater berichteten später von einer zunehmenden Isolation. Copeland entwickelte eine Faszination für Nationalsozialismus, Gewalt und rassistische Ideologien. 1997 trat er der British National Party bei. Im folgenden Jahr schloss er sich dem National Socialist Movement an, einer neonazistischen Organisation.  Seine politische Radikalisierung fiel mit persönlichen Problemen zusammen. 1998 suchte er einen Arzt auf und sagte, er habe das Gefühl, den Verstand zu verlieren. Er erhielt Antidepressiva.  Später sollte genau diese Frage den Mittelpunkt eines langen juristischen Streits bilden: War David Copeland ein ideologisch motivierter Mörder, der wusste, was er tat? Oder war er durch eine schwere psychische Erkrankung in seiner Schuldfähigkeit wesentlich eingeschränkt?  Der Hass bekam ein Ziel  Copelands Weltbild war von rassistischen und neonazistischen Vorstellungen geprägt. Im Prozess wurden Aussagen über seine Fantasien und seine Besessenheit von Adolf Hitler und der SS bekannt.  Psychiatrische Gutachter berichteten, Copeland habe bereits als Jugendlicher Gewaltfantasien entwickelt. Er habe davon gesprochen, SS-Kommandeur zu sein und Macht über andere Menschen zu besitzen. Diese Aussagen stammten aus seinen späteren psychiatrischen Untersuchungen und wurden während des Prozesses ausführlich diskutiert.  Seine politische Radikalisierung blieb nicht auf Worte beschränkt.  Im April 1999 begann Copeland mit der Umsetzung seiner Pläne.  Brixton  Am 17. April 1999 fuhr Copeland nach Brixton im Süden Londons. In einer Gegend, die stark von der schwarzen Bevölkerung geprägt war, stellte er eine selbstgebaute Bombe ab.  Das Gerät befand sich in einer Sporttasche. Die Bombe war mit Nägeln versehen, um die Zahl und Schwere der Verletzungen zu erhöhen.  Menschen bemerkten die Tasche und alarmierten die Polizei. Als die Beamten eintrafen, explodierte der Sprengsatz.  Rund 50 Menschen wurden verletzt. Es gab keinen Toten.  Für die Ermittler war zunächst unklar, wer hinter dem Anschlag stand. Die Wahl des Zielortes deutete jedoch auf ein rassistisches Motiv hin. Kurz darauf bekannten sich rechtsextreme Gruppen telefonisch zu dem Anschlag. Die Polizei untersuchte deshalb zunächst auch mögliche Verbindungen zu organisierten extremistischen Netzwerken.  Doch der Täter war kein Mitglied eines solchen Netzwerks, das die Anschläge gemeinsam geplant hatte.  Er arbeitete allein.  Die Spur auf den Bildern  Nach dem Anschlag begannen die Ermittler, Videoaufnahmen aus Brixton auszuwerten. Die Polizei suchte nach einer Person, die mit dem später gefundenen Ablauf des Anschlags in Verbindung gebracht werden konnte.  Die Auswertung der Überwachungskameras führte schließlich zu einem Mann.  David Copeland.  Am 29. April 1999 wurden Bilder des Verdächtigen veröffentlicht. Damit änderte sich die Lage dramatisch.  Copeland wusste nun, dass die Polizei ihm auf der Spur war.  Und trotzdem machte er weiter.  Brick Lane  Am 24. April hatte Copeland bereits den zweiten Anschlag vorbereitet.  Diesmal wählte er Brick Lane im Londoner East End, ein Gebiet mit einer großen bangladeschischstämmigen Bevölkerung. Die Bombe wurde in Hanbury Street zurückgelassen.  Auch dieses Mal bemerkte ein Passant die Tasche und alarmierte die Polizei. Der Sprengsatz explodierte dennoch.  Dreizehn Menschen wurden verletzt.  Wieder hatte Copeland ein Gebiet gewählt, das für eine ethnische Gemeinschaft Londons stand. Die Anschläge ergaben nun ein Muster: schwarze Menschen in Brixton, die südasiatische Gemeinschaft im East End und schließlich homosexuelle Menschen in Soho.  Die Polizei begann, von einem gezielten rassistischen und homophoben Bombenfeldzug auszugehen.  Der dritte Anschlag  Die Veröffentlichung der Bilder setzte Copeland unter Druck.  Später wurde bekannt, dass er den dritten Anschlag deshalb vorgezogen hatte. Statt noch länger zu warten, entschied er sich für Freitag, den 30. April.  Sein Ziel war der Admiral Duncan in Soho.  Der Pub lag im Herzen der Londoner Schwulenszene. Für Copeland war das Lokal damit nicht einfach ein beliebiger Ort. Es passte in das Feindbild, das sich aus seiner Ideologie entwickelt hatte.  Am Abend betrat er das Lokal und stellte die Bombe ab.  Andrea Dykes, ihr Ehemann Julian sowie John Light und Nik Moore waren zu diesem Zeitpunkt dort. Sie waren gemeinsam unterwegs und wollten später ins Theater.  Die Bombe explodierte.  Dykes, Light und Moore starben. Dykes war im vierten Monat schwanger. Ihr ungeborenes Kind starb ebenfalls.  Die Zahl der Verletzten war enorm. Viele Menschen wurden durch die Nägel getroffen, andere erlitten schwere Verbrennungen. Einige Verletzte verloren Gliedmaßen.  Der Anschlag auf den Admiral Duncan war der schwerste der drei Angriffe.  Und zugleich wurde er zum Wendepunkt der Ermittlungen.  Der entscheidende Hinweis  Etwa 80 Minuten vor der Explosion hatte sich ein Mann bei der Polizei gemeldet: Paul Mifsud, ein Arbeitskollege Copelands.  Mifsud hatte die veröffentlichten Bilder gesehen und glaubte, den Mann zu erkennen.  Er informierte die Polizei.  Die Ermittler hatten nun nicht mehr nur Überwachungsbilder, sondern einen konkreten Namen und eine Verbindung zu einer Person aus dem Umfeld des Verdächtigen.  In der Nacht wurde Copelands Wohnort in Cove in Hampshire zum Ziel der Polizei.  In den frühen Morgenstunden des 1. Mai 1999 wurde er festgenommen.  Die Ermittler gingen davon aus, dass er allein gehandelt hatte. Bei der Durchsuchung fanden sie unter anderem Materialien, die mit seiner rechtsextremen Gesinnung und den Anschlägen in Verbindung standen. Copeland legte schließlich ein Geständnis ab und gab zu, die drei Bombenanschläge verübt zu haben.  Damit endete die dreizehntägige Serie.  Doch die Frage nach dem Warum begann erst jetzt.  Der Mann hinter den Bomben  Die Ermittlungen zeichneten ein Bild von einem jungen Mann, dessen Leben sich in den Jahren vor den Anschlägen zunehmend verengt hatte.  Copeland hatte sich politisch radikalisiert. Er war Mitglied rechtsextremer Organisationen geworden und hatte sich mit nationalsozialistischer Ideologie beschäftigt. Gleichzeitig hatten sich psychische Probleme entwickelt.  Mehrere Psychiater untersuchten ihn nach seiner Festnahme.  Fünf Gutachter kamen zu dem Schluss, dass Copeland an paranoider Schizophrenie litt. Ein weiterer Psychiater diagnostizierte dagegen eine Persönlichkeitsstörung, die seiner Einschätzung nach nicht schwer genug war, um eine verminderte Schuldfähigkeit zu begründen.  Damit war der Fall juristisch kompliziert.  Denn dass Copeland psychisch krank war, wurde nicht grundsätzlich bestritten. Entscheidend war vielmehr die Frage, wie schwer seine Erkrankung zum Zeitpunkt der Anschläge gewesen war und ob sie seine Fähigkeit, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden beziehungsweise die Folgen seines Handelns zu verstehen, erheblich beeinträchtigt hatte.  Der Prozess am Old Bailey  Der Prozess gegen Copeland begann vor dem Old Bailey in London.  Copeland räumte ein, die drei Explosionen verursacht zu haben. Er bestritt jedoch, für Mord verantwortlich zu sein. Seine Verteidigung argumentierte mit verminderter Schuldfähigkeit und wollte erreichen, dass er wegen Totschlags statt wegen Mordes verurteilt wurde.  Die Staatsanwaltschaft widersprach.  Sie stellte Copelands politische Überzeugungen und seine Planung der Anschläge in den Mittelpunkt. Die Bomben waren nicht spontan entstanden. Er hatte Ziele ausgesucht, Geräte hergestellt, sie transportiert und an öffentlichen Orten platziert.  Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dass seine psychische Erkrankung nicht ausreichte, um ihn von der Verantwor

  6. Oct 7

    David Carpenter – Der Trailside Killer

    📲 Verpasse keine neue Folge: Folge jetzt dem WhatsApp-Kanal „Serienmord & Wahnsinn“ für neue Fälle und Hintergründe: https://whatsapp.com/channel/0029Vb9G9ML8qIzzWkxjVe1cEin sonniger Tag im Wald  Am 1. März 1981 gingen Ellen Hansen und Steven Haertle im Henry Cowell Redwoods State Park bei Santa Cruz wandern. Dort trafen sie auf einen bewaffneten Mann. Er zwang die beiden, ihm zu folgen. Nach Haertles späterer Aussage kündigte der Mann einen sexuellen Übergriff auf Hansen an. Als sich die beiden widersetzten, schoss er auf sie. Hansen starb, Haertle überlebte schwer verletzt. Haertles Beschreibung des Angreifers wurde später zu einem wichtigen Bestandteil der Ermittlungen gegen David Carpenter.  Dass Carpenter der Täter dieses Angriffs war, war keine bloße Vermutung: Haertle identifizierte ihn, und Carpenter wurde später wegen Hansens Mordes und des Angriffs auf Haertle verurteilt.  Von diesem Punkt an musste jedoch zwischen gerichtlichen Feststellungen und späteren Erzählungen unterschieden werden. Denn um Carpenter entstand im Laufe der Jahre ein Bild, das teilweise aus Beweisen, teilweise aus Ermittlerhypothesen und teilweise aus medialen Deutungen bestand.  Was über Carpenter bekannt war  David Joseph Carpenter wurde am 6. Mai 1930 in San Francisco geboren. Fest steht, dass er bereits lange vor der Mordserie mit dem Strafrecht in Konflikt geraten war.  1960 wurde er wegen eines schweren Angriffs auf eine Frau verurteilt. Später folgten weitere Verurteilungen, darunter wegen Sexualdelikten. Carpenter verbrachte deshalb erhebliche Teile seines Erwachsenenlebens im Gefängnis.  Auch sein starkes Stottern war öffentlich bekannt. Über seine Kindheit und sein familiäres Umfeld existieren Berichte über Gewalt und schwierige Lebensumstände.  Hier beginnt jedoch die Grenze zwischen belegbarer Biografie und psychologischer Interpretation.  Es lässt sich nicht seriös behaupten, seine Kindheit habe ihn zum Mörder gemacht. Ebenso wenig lässt sich aus seiner Sprachstörung eine spätere Gewaltbereitschaft ableiten. Solche Zusammenhänge wurden in Darstellungen des Falls teilweise nahegelegt, sind aber keine gerichtliche Erklärung für seine späteren Taten.  Belegt war vielmehr seine lange Vorgeschichte von Gewalt- und Sexualdelikten.  Die Morde von Marin County  Im Herbst 1980 wurden in Marin County mehrere Menschen getötet. Die Opfer waren Cynthia Moreland, Richard Stowers, Anne Alderson, Diane O’Connell und Shauna May.  Die späteren Ermittlungen führten diese fünf Morde auf Carpenter zurück.  Entscheidend ist die Formulierung: Carpenter wurde für diese fünf Morde verurteilt. Damit handelt es sich nicht lediglich um eine polizeiliche Theorie.  Gleichzeitig bedeutet die Tatsache, dass mehrere Taten einem Täter zugeschrieben wurden, nicht, dass jedes Detail der jeweiligen Tat rekonstruiert werden konnte. Bei späteren Darstellungen der Mordserie wurden Motive, innere Beweggründe und genaue Abläufe teilweise mit größerer Sicherheit beschrieben, als die öffentlich bekannten Gerichtsunterlagen tatsächlich erlaubten.  Der Begriff „Trailside Killer“ selbst war eine mediale Bezeichnung. Er beschrieb Carpenter als Täter, der seine Opfer an Wanderwegen und in Naturgebieten angegriffen hatte. Er war kein offizieller psychologischer oder juristischer Titel.  Was die Ermittler zusammenführte  Die Ermittler sahen Gemeinsamkeiten zwischen den Fällen. Die Tatorte lagen in abgelegenen Gebieten. Mehrere Opfer waren Frauen. Die Ermittlungen konzentrierten sich zunehmend auf die Möglichkeit, dass hinter den einzelnen Taten derselbe Täter stand.  Der entscheidende Durchbruch kam nach dem Mord an Ellen Hansen.  Steven Haertle hatte den Angriff überlebt und konnte den Täter beschreiben. Seine Aussagen ermöglichten es den Ermittlern, die Suche nach einem konkreten Verdächtigen zu richten.  Später führten weitere Hinweise zu Carpenter. Er wurde am 15. Mai 1981 in San Francisco festgenommen.  Dass die Ermittler Carpenter für die gesamte Mordserie verantwortlich machten, war zu diesem Zeitpunkt zunächst eine Hypothese. Erst die folgenden Strafverfahren mussten klären, welche einzelnen Taten ihm tatsächlich nachgewiesen werden konnten.  Heather Scaggs  Zu den beiden Fällen aus Santa Cruz County gehörte der Mord an Heather Scaggs.  Scaggs war 20 Jahre alt. Sie verschwand im Mai 1981 und wurde später tot aufgefunden.  Die Staatsanwaltschaft brachte Carpenter mit ihrem Tod in Verbindung. Auch dieser Fall endete schließlich mit einer Verurteilung.  Damit ist der juristische Status wichtig: Der Mord an Scaggs gehörte nicht lediglich zu den Fällen, die Ermittler Carpenter zuschrieben. Carpenter wurde dafür vor Gericht schuldig gesprochen.  Die Zahl sieben  Carpenter wurde letztlich wegen sieben Morden verurteilt.  Zwei davon betrafen Ellen Hansen und Heather Scaggs in Santa Cruz County. Die übrigen fünf waren die Morde an Cynthia Moreland, Richard Stowers, Anne Alderson, Diane O’Connell und Shauna May in Marin County.  Diese sieben Fälle bilden den Kern dessen, was als Trailside-Mordserie bekannt wurde.  Andere ungeklärte Morde oder Vermisstenfälle mit Carpenter in Verbindung zu bringen, wäre dagegen nicht ohne Weiteres zulässig. Im Laufe der Jahrzehnte entstanden Spekulationen darüber, ob er für weitere Taten verantwortlich gewesen sein könnte. Eine solche Möglichkeit ist nicht dasselbe wie eine bewiesene Täterschaft.  Der erste Prozess  1984 wurde Carpenter wegen der Morde an Ellen Hansen und Heather Scaggs verurteilt.  Das Gericht verhängte die Todesstrafe.  Die Verurteilung bedeutete nicht, dass alle später diskutierten Theorien über Carpenter damit bestätigt worden wären. Sie bezog sich auf die konkreten Anklagepunkte, die vor Gericht verhandelt worden waren.  Besonders wichtig war die Aussage des Überlebenden Steven Haertle im Fall Hansen. Seine Wahrnehmung des Täters war unmittelbarer als spätere Rekonstruktionen, die auf Akten, Medienberichten oder Ermittlerannahmen beruhten.  Der zweite Prozess  Die fünf Morde in Marin County wurden in einem eigenen Verfahren behandelt.  1988 wurde Carpenter wegen aller fünf Morde schuldig gesprochen. Zusätzlich wurde er wegen zweier Vergewaltigungen und eines versuchten sexuellen Übergriffs verurteilt.  Auch in diesem Verfahren wurde die Todesstrafe verhängt.  Damit lag eine außergewöhnliche Situation vor: Carpenter war nun aufgrund zweier getrennter Verfahren zweimal zum Tod verurteilt worden.  Der Streit um die Jury  Der zweite Prozess wurde später selbst zum Gegenstand eines juristischen Konflikts.  Es ging um die Frage, ob eine Geschworene während des Verfahrens von Carpenters früherer Verurteilung wegen der beiden Santa-Cruz-Morde erfahren hatte.  Das war rechtlich bedeutsam. Ein Geschworenengericht sollte über die ihm vorgelegten Anklagen entscheiden und nicht durch unzulässige Informationen über eine frühere Verurteilung beeinflusst werden.  Der zuständige Richter hob die Verurteilung zunächst auf und ordnete einen neuen Prozess an.  Das bedeutete nicht, dass der Richter Carpenter für unschuldig hielt. Im Gegenteil: Er erklärte, von dessen Schuld überzeugt zu sein. Die Aufhebung beruhte auf der Frage, ob das Verfahren den Anforderungen an ein faires Geschworenengericht genügt hatte.  Später korrigierte der California Supreme Court diese Entscheidung. Die Verurteilung wegen der fünf Morde blieb bestehen.  Was bleibt – und was nicht bewiesen ist  Die gerichtliche Akte erlaubt eine klare Trennung.  Bewiesen beziehungsweise rechtskräftig festgestellt ist, dass David Carpenter wegen sieben Morden verurteilt wurde. Bewiesen ist außerdem seine frühere kriminelle Vorgeschichte und die Tatsache, dass ein Überlebender des Hansen-Angriffs ihn als Täter identifizierte.  Nicht auf dieselbe Weise bewiesen sind Aussagen darüber, was Carpenter „wirklich dachte“, welches psychologische Motiv hinter jedem einzelnen Mord stand oder ob seine schwierige Kindheit ursächlich für seine spätere Gewalt war.  Auch die Vorstellung, Carpenter habe seine Opfer systematisch über Jahre hinweg „gejagt“, ist eher eine erzählerische Verdichtung als eine präzise juristische Feststellung. Der Begriff passt zum öffentlichen Bild des Falls, sollte aber nicht mit einem nachgewiesenen inneren Tatplan verwechselt werden.  Dasselbe gilt für mögliche weitere Opfer.  Bei einem Serienmörder entsteht schnell die Versuchung, ungeklärte Fälle mit einem bereits verurteilten Täter zu verbinden. Doch ein ungeklärter Mord bleibt ein ungeklärter Mord, solange die Beweislage keine belastbare Verbindung herstellt.  Die Angst vor dem Wanderweg  Der öffentliche Schrecken des Falles hatte dennoch einen realen Kern.  Die Morde ereigneten sich in Landschaften, die für Spaziergänge, Wanderungen und Erholung standen. Die Tatorte lagen nicht in einer anonymen Großstadtstraße, sondern in Parks und Naturgebieten rund um die San Francisco Bay Area.  Dadurch wurde der Fall zu einer Geschichte über einen Ort ebenso wie über einen Täter.  Die Medien machten aus Carpenter den „Trailside Killer“. Der Name reduzierte eine komplexe Reihe von Strafverfahren auf ein eingängiges Bild: einen Mann, der an Wanderwegen auf seine Opfer lauerte.  Dieses Bild war wirkungsmächtig.  Aber es war nicht die vollständige Beweislage.  Hinter dem Mediennamen standen sieben rechtskräftig festgestellte Morde, konkrete Zeugenaussagen, Ermittlungen, Gerichtsverfahren und jahrelange Rechtsmittel.  Und dahinter standen sieben Menschen, deren Namen nicht zu bloßen Bestandteilen einer Tätergeschichte werden sollten.  Der letzte Unterschied  True Crime lebt von der Rekonstruktion.  Doch Rekonstruktion kann leicht in Erfindung übergehen.  Bei David Carpenter ist die Grenze besonders wichtig. Die Akten ergeben das Bild eines Mannes mit einer langen Vorgeschichte

  7. Sep 30

    Der Mann mit dem Koffer

    📲 Verpasse keine neue Folge: Folge jetzt dem WhatsApp-Kanal „Serienmord & Wahnsinn“ für neue Fälle und Hintergründe: https://whatsapp.com/channel/0029Vb9G9ML8qIzzWkxjVe1cEin Koffer vor der Tür  Kischinjow, 1980. Die Sowjetunion bereitete sich auf die Olympischen Spiele in Moskau vor, im Fernsehen liefen Bilder von einer scheinbar unbeschwerten Zeit. Doch in der moldauischen Hauptstadt begann sich unter dieser Oberfläche eine Geschichte zu entwickeln, die selbst erfahrene Ermittler vor ein Rätsel stellte.  Vor der Wohnung des Bekannten von Alexander Skrynnik stand eines Tages ein Koffer. Was darin lag, war zunächst kaum zu begreifen. Im Inneren befand sich der Kopf einer Frau.  Der Fund war nicht nur ein Mordfall. Er war eine Botschaft.  Der Täter hatte den Kopf nicht einfach versteckt. Er hatte ihn gezielt zu einem Mann gebracht, den er kannte, und eine Nachricht hinterlassen. Es ging um Geld und um Drohungen gegen die Familie des Empfängers. Für die Ermittler bedeutete das zunächst, dass sie es möglicherweise nicht mit einem gewöhnlichen Raub- oder Beziehungsdelikt zu tun hatten. Jemand wollte Angst erzeugen. Und jemand wollte, dass eine ganz bestimmte Person Angst bekam.  Noch schwieriger war eine andere Frage: Wer war die Frau?  Die Identifizierung der Toten wurde zum ersten großen Problem der Ermittler. Der Täter hatte die Leiche so schwer verstümmelt, dass die üblichen Möglichkeiten zur Identifizierung nicht ausreichten. Schließlich wurde eine außergewöhnliche Entscheidung getroffen. Der Kopf der unbekannten Frau wurde im Fernsehen gezeigt.  Es war ein Schritt, der heute kaum vorstellbar wäre. Doch er führte zum Ziel.  Ein siebenjähriger Junge erkannte die Frau als seine Mutter, Irina Trasyn. Er hatte sie seit Tagen nicht gesehen. Mit der Identifizierung bekam das Opfer einen Namen zurück – und die Ermittler erhielten einen ersten festen Punkt in einem Fall, der sich gerade erst entwickelte. Der Junge wurde anschließend in einem Kinderheim untergebracht.  Ein unauffälliger Mann  Alexander Iwanowitsch Skrynnik war kein Mann, bei dem seine Umgebung einen Serienmörder vermutet hätte.  Sein genaues Geburtsdatum und manche Einzelheiten seiner frühen Biografie sind bis heute nicht eindeutig überliefert. In den verfügbaren Darstellungen wird er Anfang der 1950er-Jahre geboren. Er stammte aus der Moldauischen SSR und lebte später in Kischinjow.  Er war verheiratet und Vater. Beruflich arbeitete er unter anderem als Tischler beziehungsweise als Arbeiter in der Kischinjower Süßwarenfabrik Bucuria. Dort galt er offenbar als fleißiger und erfolgreicher Mitarbeiter. Er war Produktionsauszeichner und Kandidat für die Kommunistische Partei. Nach außen entsprach sein Leben damit weitgehend dem Bild eines gewöhnlichen sowjetischen Arbeiters und Familienvaters.  Doch hinter dieser Fassade entwickelte sich ein ausgeprägter Hass auf Frauen.  Berichten über seine Aussagen zufolge empfand Skrynnik sein Privatleben als gescheitert. Nach der Geburt eines Kindes habe er erkannt, dass er seine Frau nicht liebe. Gleichzeitig beneidete er einen Bekannten, Feodosiy Glukharyov, um dessen Erfolg bei Frauen.  Glukharyov soll zahlreiche Beziehungen gehabt haben. Für Skrynnik wurde dieser Bekannte offenbar zu einer Projektionsfläche für das eigene Gefühl des Versagens.  Dann gab Skrynnik eine Zeitungsanzeige auf, in der er nach einer Partnerin suchte.  Eine Begegnung endete für ihn mit einer Geschlechtskrankheit. Später erklärte er, dieses Erlebnis habe seine Einstellung gegenüber Frauen verändert. Aus persönlicher Enttäuschung wurde in seiner eigenen Vorstellung eine Art Weltanschauung. Frauen seien für sein Unglück verantwortlich, so die spätere Darstellung seiner Motive.  Nichts davon erklärt einen Mord.  Es erklärt höchstens, wie ein Mensch seine eigene Wut in eine Rechtfertigung verwandeln konnte.  Der erste Mord  Die Spur der Gewalt führte zunächst weit weg von Kischinjow.  Mitte der 1970er-Jahre arbeitete Skrynnik in der Jakutischen ASSR. Dort wurde die Stewardess Nina Puganova ermordet. Ihr Körper wurde schwer verstümmelt aufgefunden. Die Ermittlungen brachten zunächst keinen Täter hervor.  Der Mord blieb ungelöst.  Jahre später sollte sich herausstellen, dass die Ermittler damals bereits nach einem Mann suchten, dessen Name ihnen erst sehr viel später begegnen würde.  Skrynnik kehrte irgendwann nach Moldau zurück und führte dort sein scheinbar normales Leben weiter. Er arbeitete, war verheiratet und bewegte sich unauffällig in seinem sozialen Umfeld.  Der Abstand zwischen seinem Alltag und seinen Verbrechen war enorm.  Gerade diese Diskrepanz machte den späteren Fall so verstörend. Der Mann, der tagsüber einer geregelten Arbeit nachging, war zugleich mit einem ungelösten Mord aus einer anderen Region verbunden.  Die Frau im Koffer  1980 begann die Mordserie in Kischinjow eine neue Dimension anzunehmen.  Skrynnik traf Irina Trasyn. Sie war Mutter eines siebenjährigen Sohnes.  Was zunächst wie ein gewöhnliches Treffen ausgesehen haben soll, endete mit ihrer Ermordung. Anschließend verstümmelte der Täter die Leiche und trennte den Kopf vom Körper.  Dann kam der Koffer.  Er brachte den Kopf zu seinem Bekannten Glukharyov. Die beigefügte Nachricht enthielt Forderungen und Drohungen. Glukharyov sollte Geld zu einem bestimmten Ort bringen. Zugleich wurde seiner Familie Gefahr angedroht.  Damit hatte Skrynnik eine zweite Ebene in seine Tat eingebaut.  Er wollte nicht nur töten. Er wollte einen anderen Menschen terrorisieren.  Für die Polizei bedeutete das zunächst eine völlig andere Ermittlungsrichtung. Warum wurde ausgerechnet Glukharyov bedroht? Warum wurde eine Leiche in seine Nähe gebracht? Und wer konnte einen persönlichen Konflikt mit ihm haben?  Der Verdacht fiel zunächst auf Menschen aus dessen Umfeld.  Ein Täter, der seine Ermittler in die Irre führte  Die Ermittler betrachteten Glukharyovs Bekanntenkreis. Eine mögliche Erklärung war, dass sich jemand an ihm rächen wollte. Beziehungen, Eifersucht und persönliche Konflikte rückten in den Mittelpunkt.  Auch ein Verwandter geriet ins Visier. Er hatte in der Vergangenheit einen Streit mit Glukharyov gehabt und ihm sogar gedroht. Als die Polizei ihn im Zusammenhang mit dem Fall antraf, versuchte er zu fliehen.  Doch die Spur führte nicht zum Mörder.  Der Mann war offenbar aus einem anderen Grund nervös geworden. Gegen ihn bestanden Verdachtsmomente wegen wirtschaftlicher Delikte. Für den Mord gab es jedoch ein Alibi.  Die Ermittler standen wieder am Anfang.  Dann kam die nächste Nachricht.  Eine Hand im Schatten  Kurz darauf wurde eine weitere Frau getötet. Ihr Name wird in den verfügbaren Darstellungen als Anastasia Mikhailova angegeben.  Diesmal brachte der Täter keine vollständige Leiche zu seinem Bekannten. Er hinterließ eine abgetrennte Hand – erneut verbunden mit einer Nachricht und Drohungen.  Die Situation wurde immer unheimlicher.  In Kischinjow entstanden Gerüchte. Manche Menschen glaubten, ein besonders grausamer Täter sei aus einer anderen Region in die Stadt gekommen. Andere erzählten sich Geschichten über Grabschänder oder sogar über einen Kannibalen, der angeblich in der moldauischen Hauptstadt sein Unwesen treibe.  Der Name Nikolai Dzhumagaliev tauchte in den Gerüchten auf. Dzhumagaliev war tatsächlich ein anderer sowjetischer Serienmörder, dessen Verbrechen zu jener Zeit bekannt geworden waren. Eine Verbindung zu Skrynnik bestand jedoch nicht.  Die Angst wuchs schneller als die Erkenntnisse der Polizei.  Der Fehler des Täters  Doch der Täter hatte einen Fehler gemacht.  Eine junge Frau namens Olga Lebedeva überlebte einen Angriff.  Skrynnik hatte sie im zentralen Park von Kischinjow angegriffen. Nach den späteren Darstellungen versuchte er, sie zu überwältigen und zu töten. Lebedeva konnte sich jedoch wehren und entkommen.  Damit besaßen die Ermittler etwas, das sie bei den toten Frauen nicht mehr bekommen konnten: eine lebende Zeugin.  Sie konnte den Angreifer beschreiben.  Und sie kannte ihn bereits.  Skrynnik hatte zuvor Kontakt zu ihr aufgenommen. Er hatte ihr geschrieben. Die Briefe, die er ihr geschickt hatte, wurden dadurch zu einem entscheidenden Beweisstück.  Für die Ermittler entstand nun eine Verbindung zwischen dem unbekannten Angreifer, den Drohbriefen und den Morden.  Doch noch fehlte der eindeutige Beweis.  Die Handschrift  Der Täter hatte die Nachrichten in Druckbuchstaben geschrieben.  Das erschwerte zunächst den Vergleich mit vorhandenen Schriftproben. Die Ermittler konnten nicht einfach einen Brief nehmen und ihn mit einer normalen Handschrift vergleichen.  Dann kam ihnen eine ungewöhnliche Idee.  Skrynnik wurde zum Militärkommissariat bestellt. Dort sollte er Formulare ausfüllen. Entscheidend war die Anweisung, die Angaben in Druckbuchstaben einzutragen.  Damit erzeugte die Polizei eine Vergleichsprobe.  Die Schrift wurde anschließend untersucht. Nach den veröffentlichten Darstellungen stimmte sie mit der Schrift auf den Nachrichten des Täters überein.  Aus einem anonymen Verfasser wurde ein konkreter Verdächtiger.  Alexander Skrynnik.  Die Überwachung  Nun mussten die Ermittler vorsichtig vorgehen.  Skrynnik wusste noch nicht, dass sich die Schlinge um ihn zusammenzog. Eine Festnahme durfte nicht scheitern. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Polizei es mit einem Täter zu tun hatte, der extrem brutal vorging und bereits mehrfach getötet hatte.  Die Ermittler beobachteten sein Umfeld.  Schließlich entschieden sie sich für einen ungewöhnlichen Zugriff.  Skrynnik ging in das Kino Patria. Er war nicht allein. Er hatte eine Frau dabei und wollte einen Film sehen.  Die Polizei wusste, dass er dort sein würde.  Ein Beamter trat unter einer Tarnung an ihn heran. Die Situation sollte nicht wie eine Festnahme aussehen.

  8. Sep 23

    Allan Legere – Der Schrecken vom Miramichi

    📲 Verpasse keine neue Folge: Folge jetzt dem WhatsApp-Kanal „Serienmord & Wahnsinn“ für neue Fälle und Hintergründe: https://whatsapp.com/channel/0029Vb9G9ML8qIzzWkxjVe1cAm Morgen des 24. November 1989 lag über dem Miramichi River in New Brunswick eine Kälte, die sich durch Kleidung und Handschuhe fraß. Seit fast sieben Monaten suchte die Polizei nach einem Mann, dessen Gesicht in Zeitungen und auf Fahndungsfotos immer wieder abgedruckt worden war. Allan Joseph Legere war nicht irgendein Flüchtiger. Er war ein verurteilter Mörder, der aus einem Hochsicherheitsgefängnis entkommen war und während seiner Flucht vier Menschen getötet hatte.  Nun näherte sich die Suche ihrem Ende.  Legere saß in einem Lastwagen, den er auf seiner Flucht übernommen hatte. Er wollte weiter. Weg aus der Region, weg aus New Brunswick, irgendwohin, wo die Fahndung nach ihm schwieriger werden würde. Doch ein anderer Lastwagenfahrer war aufmerksam geworden. Die ungewöhnliche Route machte ihn misstrauisch. Er verständigte die Polizei.  Wenig später errichteten Beamte eine Straßensperre.  Als die Polizisten den Lastwagen stoppten, war Legere bewaffnet. Eine abgesägte Schusswaffe befand sich bei ihm. Die Beamten wussten, mit wem sie es zu tun hatten. Sie hatten monatelang nach diesem Mann gesucht.  Dann stieg Legere aus.  Seine Flucht war vorbei.  Was danach blieb, war eine Region, die sich von den Ereignissen jener sechs Monate nur langsam erholen sollte. Und ein Strafverfahren, das weit über den Mordfall hinaus Bedeutung erlangte. Denn im Gerichtssaal von Burton sollte eine damals noch junge kriminaltechnische Methode eine entscheidende Rolle spielen: die DNA-Analyse.  Ein Mann aus Chatham  Allan Joseph Legere wurde am 13. Februar 1948 in Chatham, New Brunswick, geboren. Er stammte aus jener Region am Miramichi River, in der er später zum Synonym für Angst werden sollte.  Über seine frühen Jahre ist deutlich weniger bekannt als über die späteren Verbrechen. Sein Leben vor der ersten Verurteilung war nicht die Biografie eines Menschen, dessen späteres Verhalten sich einfach aus einzelnen Ereignissen erklären ließe. Was sich jedoch aus den Gerichtsakten und den späteren Verfahren ergibt, ist eine lange Geschichte von Kriminalität, Gewalt und Fluchtversuchen.  Im Juni 1986 überschritt Legere eine Grenze, die für seine weitere Geschichte entscheidend werden sollte.  John und Mary Glendenning betrieben in Black River Bridge einen kleinen Laden. In der Nacht des 21. Juni 1986 drangen Legere und zwei Komplizen in das Gebäude ein. Aus einem Raubüberfall wurde ein brutaler Angriff.  John Glendenning wurde tödlich verletzt. Seine Frau Mary überlebte schwer verletzt und sexuell missbraucht. Nachdem sie wieder zu Bewusstsein gekommen war, schleppte sie sich zu einem Telefon und alarmierte die Rettungskräfte.  Die Polizei nahm die Beteiligten fest.  Legere wurde wegen des Mordes verurteilt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 22. Januar 1987 begann seine lebenslange Freiheitsstrafe.  Für die Außenwelt hätte damit die Geschichte enden können.  Doch im Gefängnis war sie nicht zu Ende.  Die Flucht aus dem Krankenhaus  Am 3. Mai 1989 wurde Legere aus dem Atlantic Institution, einem Hochsicherheitsgefängnis in Renous, zu einer medizinischen Behandlung nach Moncton gebracht. Er hatte eine Ohrinfektion.  Die Sicherheitsvorkehrungen waren streng. Legere trug Handschellen und Fußfesseln. Gefängnisbeamte begleiteten ihn.  Dann bat er um einen Toilettengang.  Es war ein scheinbar nebensächlicher Moment. Doch Legere hatte offenbar eine Möglichkeit gefunden, die Fesseln zu überwinden. Im Badezimmer gelang es ihm, die Sicherungen zu öffnen. Als die Wärter reagierten, war er bereits entschlossen zu fliehen.  Um 10.40 Uhr war Allan Legere verschwunden.  Er verließ das Krankenhausgelände und begann eine Flucht, die sich über Monate erstrecken sollte. Fahrzeuge wurden gestohlen, Menschen bedroht, Wohnungen durchsucht. Die Polizei suchte in einer Region, deren Straßen, Wälder und abgelegene Grundstücke einem Flüchtigen zahlreiche Möglichkeiten boten, sich zu verstecken.  Doch niemand wusste damals, wie lange diese Suche dauern würde.  Und niemand wusste, wie viele Menschen sterben würden.  Annie Flam  Am 28. Mai 1989, nur wenige Wochen nach der Flucht, wurde in Chatham ein Feuer gemeldet.  Es war Nacht. Ein kleines Geschäft stand in Flammen. Einsatzkräfte näherten sich dem Gebäude und fanden eine schwer verletzte Frau. Nina Flam lebte noch.  Ihre Schwester Annie Flam war tot.  Nina berichtete später von einem Angriff. Die Ermittler rekonstruierten einen Ablauf, der zu dem Mann passte, nach dem sie seit Wochen suchten. DNA-Spuren und andere Beweismittel sollten später eine Verbindung zu Legere herstellen.  Annie Flam war eine ältere Frau und betrieb gemeinsam mit ihrer Schwester das Geschäft. Sie wurde brutal angegriffen und getötet. Anschließend wurde das Gebäude in Brand gesetzt.  Nina überlebte.  Ihre Aussage sollte für die Ermittler von großer Bedeutung werden. Sie war eine der wenigen Personen, die den Mann, den die Polizei suchte, unmittelbar erlebt und überlebt hatten.  Während Feuerwehrleute und Polizisten am Tatort arbeiteten, wurde der Name Allan Legere erneut zum Zentrum der Ermittlungen.  Für die Menschen am Miramichi bedeutete das etwas anderes.  Der Mann, der bereits wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, lief wieder frei herum.  Und er war offenbar bereit, erneut Gewalt anzuwenden.  Die Angst wird zum Alltag  Die Fahndung nach Legere entwickelte sich zu einer der größten Suchaktionen in der Geschichte der Royal Canadian Mounted Police.  Polizisten patrouillierten durch die Gemeinden. Hinweise gingen ein. Menschen glaubten, den Flüchtigen gesehen zu haben. Andere meldeten verdächtige Fahrzeuge oder Geräusche.  Die Bevölkerung begann, ihr Verhalten zu verändern.  Türen wurden verriegelt. Menschen gingen nachts nicht mehr allein hinaus. Waffen und Gewehre wurden in Häusern bereitgehalten. Das Gefühl, dass der gesuchte Mörder irgendwo in der Nähe sein könnte, wurde Teil des täglichen Lebens.  Die Ermittler standen gleichzeitig vor einem schwierigen Problem. Sie mussten einen Mann finden, der seine Erscheinung verändern konnte, Fahrzeuge wechselte und sich offenbar in der Region auskannte.  Die Fahndung war nicht nur eine Suche nach einer Person.  Sie war eine Suche nach jemandem, der nicht gefunden werden wollte.  Zwei Schwestern  Am 13. Oktober 1989 geschah in Newcastle das nächste Verbrechen.  Donna und Linda Daughney lebten gemeinsam. Beide Frauen wurden in ihrem Haus getötet.  Auch dieses Haus wurde angezündet.  Die Ermittler fanden Hinweise auf massive Gewalt. Bei den Untersuchungen wurden Verletzungen festgestellt, die zu dem Muster passten, das sie bereits vom Flam-Verbrechen kannten.  Jetzt waren es drei Tatorte.  Drei Verbrechen.  Mehrere Monate Flucht.  Und jedes Mal tauchte derselbe Name im Hintergrund auf.  Doch die Polizei musste beweisen, dass es tatsächlich Legere war.  Genau hier lag das Problem.  Es gab keine einfache fotografische Aufnahme des Täters am Tatort. Die Ermittler mussten eine Beweiskette aufbauen, die vor Gericht Bestand haben würde.  Zeugenaussagen waren wichtig. Gefundene Gegenstände waren wichtig. Die Bewegungen des Flüchtigen waren wichtig.  Doch ein Beweis sollte alles verändern.  Die Spur im Blut  Während der Ermittlungen wurden biologische Spuren gesichert.  Die Forensik stand 1989 an einem Wendepunkt. DNA-Analysen waren noch weit davon entfernt, jene Selbstverständlichkeit zu besitzen, die sie Jahrzehnte später in Kriminalfällen haben würden.  Im Fall Legere wurden DNA-Proben aus mehreren Tatorten untersucht.  Bei Nina Flam ergaben die Analysen Übereinstimmungen mit Legeres DNA. Bei den Daughney-Schwestern wurden ebenfalls DNA-Spuren untersucht. In einem Fall ergab der Vergleich eine Übereinstimmung an mehreren hochvariablen Bereichen des genetischen Materials.  Die statistische Bedeutung dieser Ergebnisse war enorm.  Bei einer der Proben aus dem Flam-Fall wurde die Häufigkeit eines entsprechenden Vier-Sonden-Musters in der damaligen Vergleichspopulation mit weniger als eins zu 5,2 Millionen angegeben. Bei einer Probe aus dem Fall Linda Daughney lag die errechnete Häufigkeit eines Fünf-Sonden-Musters bei weniger als eins zu 310 Millionen.  Die Verteidigung würde genau diese statistische Interpretation angreifen.  Doch die DNA war nur ein Teil des Puzzles.  Die Ermittler hatten noch weitere Spuren.  Haare. Kleidung. Fußabdrücke. Fahrzeuge. Zeugenaussagen. Gegenstände, die während der Flucht auftauchten.  Und immer wieder führte die Spur zurück zu Legere.  Der Priester  Am 15. November 1989 wurde James Smith in Chatham Head getötet.  Smith war katholischer Priester. Er lebte im Pfarrhaus nahe der Kirche Nativity of the Blessed Virgin Mary.  Als er am nächsten Tag nicht zum Gottesdienst erschien, wurde man misstrauisch.  Ein Bekannter, der einen Schlüssel besaß, ging zum Pfarrhaus.  Im Inneren fand er Smith tot.  Die Polizei wurde gerufen.  Wieder begann die Spurensicherung.  Blut befand sich in mehreren Bereichen des Hauses. Auf dem Boden wurden Fußabdrücke entdeckt. Später konnten Ermittler die Abdrücke mit Schuhen in Verbindung bringen, die in der Nähe des verlassenen Fahrzeugs von Smith gefunden worden waren.  Die Stiefel waren gereinigt worden. Dennoch fanden die Ermittler Blutspuren.  Ein Sachverständiger kam zu dem Ergebnis, dass die Abdrücke von Legere oder von einer Person mit identischen charakteristischen Fußmerkmalen stammen mussten. Weitere Beweise verstärkten die Verbindung.  Der Mord an Smith war der vierte Mord während Legeres Flucht.  Jetzt war die Fahndung nicht mehr nur eine Suche nach einem entflohenen Gefangenen.  Sie war eine Jagd nach einem Mann, dem vier

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🎙️ Serienmord & Wahnsinn  Tauche ein in die dunkelsten Abgründe der Menschheit.  In „Serienmord & Wahnsinn“ geht es um wahre Verbrechen, die fassungslos machen – um Serienmörder, deren Namen Geschichte schrieben, und um spektakuläre Fälle, die bis heute Rätsel aufgeben.  In jeder Folge beleuchten wir einen echten Kriminalfall: Wir rekonstruieren die Tat, analysieren das Täterprofil, werfen einen Blick auf die Ermittlungen und versuchen zu verstehen, was Menschen zu solchen Gräueltaten treibt. Dabei geht es nicht nur um die Verbrechen selbst, sondern auch um die Psychologie dahinter – um Macht, Wahn, Obsession und Dunkelheit.  Ob berüchtigte Serienkiller, ungelöste Mordserien oder außergewöhnliche Einzelfälle – hier hörst du die Geschichten hinter den Schlagzeilen. Authentisch. Schonungslos. Faszinierend.  👉 „Serienmord & Wahnsinn – Wahre Fälle. Wahre Täter. Wahnsinn pur.“ Der True-Crime-Podcast für alle, die das Böse verstehen wollen. 

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