Objectives and Key Results, kurz OKR, verspricht, dass eine ganze Organisation an denselben Zielen arbeitet. Ein Objective sagt, wohin es geht, drei bis fünf Key Results machen messbar, ob man ankommt. Bewertet wird auf einer Skala von null bis eins. Bei ehrgeizigen Zielen gilt schon eine Siebzig als voller Erfolg, wer stets alles erreicht, hat sich zu wenig vorgenommen.Die Idee ist älter, als man denkt. Peter Drucker beschrieb Management by Objectives 1954 als Führung durch Ziele und Selbstkontrolle. Andy Grove ergänzte bei Intel ab 1971 die messbaren Key Results, sein Schüler John Doerr brachte OKR 1999 zu Google, das damals keine vierzig Leute zählte.Dahinter steht eine uralte Frage jeder Organisation: Wie wird aus den Entscheidungen von heute ein Ziel, auf das morgen alle hinarbeiten? Renate Mayntz zeigte schon in den Sechzigern, dass Praktiker und Soziologen dieselbe Frage nach der zweckmäßigen Organisation stellen, nur aus verschiedenen Motiven. Niklas Luhmann unterschied zwei Weisen, Entscheidungen zu programmieren: das starre Wenn-dann und das Zweckprogramm, ein reines Zukunftsprogramm, das ein Ziel setzt und den Weg offenlässt. OKR ist der Sache nach ein solches Zweckprogramm und als Idee vollkommen legitim.Der Einwand richtet sich nicht gegen die Methode, sondern gegen ihren Verkauf. Managementmethoden werden beworben wie Sneaker: Eine Berühmtheit trägt den Schuh, also soll man ihn auch tragen. Spotify ist erfolgreich, also soll eine Behörde so arbeiten, die mit Musikstreaming nichts zu tun hat. Über den funktionalen Kern und die Passung zu dieser Organisation wird nicht gesprochen. Verkauft wird die Gewissheit, dass es anderswo geklappt hat, von einem Markt aus Software, Zertifikaten und Beratung, der vom immer neuen Einführen lebt.OKR ist am Ende ein Fernrohr, das zeigt, wohin die Reise geht. Die ehrliche Prüfung ist nicht, ob eine Methode bei anderen funktioniert hat, sondern was sie konkret bewirkt und ob genau diese Organisation das braucht.Quellen:- Peter Drucker, „The Practice of Management", 1954 (Management by Objectives, Selbstkontrolle)- Andy Grove, „High Output Management", 1983 (Key Results bei Intel, ab 1971)- John Doerr, „Measure What Matters", 2018; whatmatters.com (Google 1999, Grading, Entkopplung von Vergütung)- Niklas Luhmann, „Organisation und Entscheidung" (Konditionalprogramm und Zweckprogramm)- Renate Mayntz, „Soziologie der Organisation", Rowohlt, 1963 (Zweckmäßigkeit, Zielverwirklichung)- Luhmann und Mayntz zitiert nach Robin Taylor, „Hinter der Schauseite", oekom, 2026, Kapitel 3.2Schreib mir: mail@robin-taylor.deMehr Infos: http://www.robin-taylor.de