KAPITAL.FEHLER

Markus Hemmelmann

KAPITAL.FEHLER ist kein Podcast über Geld. Und ganz sicher keiner über private Finanzierung. Dieser Podcast richtet sich an Unternehmer, Gründer und Entscheider, die Kapital einsetzen, Fremdkapital nutzen oder über Wachstum, Übernahmen und Finanzierung entscheiden müssen und bereit sind, unbequeme Wahrheiten auszuhalten. Hier geht es nicht um Motivation. Nicht um Erfolgsgeschichten. Nicht um Tools, Hacks oder Fördermittel-Listen. KAPITAL.FEHLER analysiert, warum Unternehmensfinanzierungen scheitern, obwohl die Zahlen „schlüssig“ aussehen. Warum Businesspläne akzeptiert werden, die fachlich wertlos sind. Warum Excel als Profession verkauft wird. Und warum Risikomanagement in der Unternehmensfinanzierung fast überall fehlt – selbst dort, wo es besser wissen müsste. Thematisch geht es um: - Unternehmensfinanzierung und Liquiditätssteuerung - Corporate Finance und Kapitalstrukturen - Bankenlogik, Ratingverfahren und Risikobewertung - Fördermittel als Strukturproblem - M&A-Transaktionen und Finanzierungsfehler vor dem Closing Die Perspektive ist klar: nicht moralisch, nicht emotional, sondern strukturell. Zahlen werden hier nicht bewundert, sondern hinterfragt. Plausibilität wird nicht behauptet, sondern eingefordert. Wer einfache Antworten sucht, ist hier falsch. Wer Bestätigung will, auch. Wer glaubt, Finanzierung sei ein Rechenproblem, wird diesen Podcast nicht mögen. KAPITAL.FEHLER ist Analyse. Und Analyse tut manchmal weh.

Episodes

  1. Episode 7 - 35 Prozent geschenkt – warum der GRW-Zuschuss Banken plötzlich mutig macht

    2D AGO

    Episode 7 - 35 Prozent geschenkt – warum der GRW-Zuschuss Banken plötzlich mutig macht

    Wenn du mit einer Bank über eine Investition sprichst, reden alle über Eigenkapital. Über Quote. Über Haftung. Über Risiko. Und dann sitzt da jemand mit 15 oder 20 Prozent Eigenmitteln und glaubt, das sei die entscheidende Größe. Ist es oft nicht. Denn es gibt ein Instrument, das bilanziell und psychologisch mehr bewegt als viele Unternehmer verstehen: der GRW-Zuschuss. Die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“, in manchen Ländern Regionales Wirtschaftsförderungsprogramm genannt, ist kein Förderromantik-Programm. Das ist knallharte Investitionspolitik. Bund und Länder teilen sich das Budget, 2026 in einzelnen Ländern mit zweistelligen Millionenbeträgen. Gefördert werden KMU in strukturschwächeren Regionen C- und D-Gebiete nach der aktuellen Förderkarte. In C-Gebieten, dazu gehören Teile Ostdeutschlands, das Ruhrgebiet in Nordrhein Westfalen oder einzelne Landkreise in Niedersachsen, sind für kleine Unternehmen 35 bis 45 Prozent Zuschuss möglich. Nicht Kredit. Zuschuss. In D-Gebieten 20 bis 40 Prozent. Große Unternehmen bekommen weniger oder gedeckelte Beträge, aber selbst dort ist es relevant. Und jetzt wird es spannend. Dieser Zuschuss ist kein Darlehen. Er muss nicht zurückgezahlt werden. Er ist bilanziell ein Ertragszuschuss. Das heißt: Die Investition geht ins Anlagevermögen, der Zuschuss erscheint als Ertrag. Steuerlich ist er zwar ertragsteuerpflichtig, aber er verbessert unmittelbar die Eigenkapitalbasis. Keine zusätzliche Verbindlichkeit. Kein zusätzlicher Kapitaldienst. Kein Einfluss auf die Fremdkapitalquote. Aus Bankensicht ist das ein Geschenk. Aber leider erwähnen das nicht immer die Banken. Auch Wirtschaftsförderungen vergessen es teilweise oder erkennen es nicht immer. Das haben wir alles schon erlebt. Und nun zu dem Thema, warum das aus Bankensicht ein Geschenk ist. Weil sich nach Durchführung der Investition die Bilanzrelationen verbessern. Die Eigenkapitalquote steigt relativ. Die Verschuldungskennzahlen entspannen sich. Die Investition rechnet sich schneller, weil ein Teil der Kosten nicht finanziert werden muss. Der Break-even verschiebt sich nach vorne. Die Kapitaldienstfähigkeit verbessert sich. Und in internen Ratings wirkt genau das. Ein einfaches Beispiel: 800.000 Euro Investition in einem C-Gebiet in NRW. Förderfähig zu 100 Prozent. Standardquote 35 Prozent. Das ergibt 280.000 Euro Zuschuss. Bleiben 520.000 Euro, die finanziert oder mit Eigenmitteln gedeckt werden müssen. Viele Unternehmer denken hier zu klein. Sie sagen: Ich habe nicht genug Eigenkapital. Die Bank wird zögern. Dabei kann der Zuschuss strukturell wie Eigenkapitalersatz gedacht werden. Ich gebe dir einen realen Fall aus unserer Praxis. Ein exklusiver Ladenbauer, großes Projekt, Erweiterung der Produktionskapazitäten. Moderne Maschinen, energetische Optimierung, Erweiterung der Halle. Klassischer Mittelstand. Das Unternehmen wollte ohnehin wachsen und neue Mitarbeiter einstellen. Genau dort liegt der Hebel, denn die GRW-Förderung knüpft an Netto-Arbeitsplatzschaffung an, in der Regel mindestens zehn Prozent Zuwachs. Wir haben den Antrag gestellt. Sauber vorbereitet. Investition klar abgegrenzt. Die Eigenleistung des Unternehmers – eigene Mitarbeiterstunden für Umbau, Montage, technische Integration – wurde exakt dokumentiert. Jede Stunde erfasst, mit einem nachvollziehbaren, herleitbaren Stundenverrechnungssatz bewertet. Diese Eigenleistung floss in die förderfähigen Kosten ein. Und ja, auch Eigenleistung kann bezuschusst werden, wenn sie sauber nachgewiesen ist. In der Finanzierungsstruktur haben wir den GRW-Zuschuss von Beginn an als Eigenkapitalersatz dargestellt. Nicht als nettes Extra, sondern als strukturelles Element. Ergebnis: eine Fremdfinanzierungsquote von rund 50 Prozent. Die Bank musste nicht 80 oder 90 Prozent tragen. Das Risiko war kalkulierbar. Die Investition wurde attraktiv. Ein Jahr später war das Unternehmen produktiver, margenstärker, besser aufgestellt. Die Investition

    7 min
  2. Episode 3 - Fördermittel sind entweder der Türöffner zur Straftat oder genialer Eigenkapitalersatz

    FEB 3

    Episode 3 - Fördermittel sind entweder der Türöffner zur Straftat oder genialer Eigenkapitalersatz

    Fördermittel gelten in Deutschland als Heilsversprechen. Billiges Geld. Risikofrei. Staatlich legitimiert. Und genau das ist das Problem. In dieser Episode zerlege ich einen der größten Mythen der Unternehmensfinanzierung: die naive Gleichsetzung von Fördermitteln mit „guter Finanzierung“. Ich erkläre, warum Beratungs- und Schulungszuschüsse häufig nichts anderes sind als systematischer Preistreiber für mittelmäßige Leistungen – und warum sie in der Praxis nicht selten Haftungsrisiken, Bilanzprobleme und im schlimmsten Fall Subventionsmissbrauch erzeugen. Aber ich mache auch klar, warum das nicht für alle Fördermittel gilt. Anhand eines realen Investitionsfalls zeige ich, warum Investitionszuschüsse wie der GRW echte Eigenkapitalersatzinstrumente sein können, wie sie Bilanzstrukturen verändern, Risiken senken und Unternehmenswerte messbar erhöhen. Wir sprechen darüber, warum Banken sehr genau unterscheiden, welche Förderung im Unternehmen wirkt – und welche nur auf dem Papier gut aussieht. Diese Folge ist unbequem. Für Coaches. Für Förderberater. Für alle, die glauben, ein Stempel ersetze Denken. Aber sie ist Pflicht für Unternehmer, die verstehen wollen, warum Förderung entweder ein strategischer Hebel ist – oder der erste Schritt in strukturellen Unsinn. Kein Moralvortrag. Keine Förderromantik. Sondern Finanzierung, wie sie Banken, Investoren und Gutachter wirklich bewerten. Wenn du Fördermittel einsetzt oder einsetzen willst, hör genau hin.

    5 min

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KAPITAL.FEHLER ist kein Podcast über Geld. Und ganz sicher keiner über private Finanzierung. Dieser Podcast richtet sich an Unternehmer, Gründer und Entscheider, die Kapital einsetzen, Fremdkapital nutzen oder über Wachstum, Übernahmen und Finanzierung entscheiden müssen und bereit sind, unbequeme Wahrheiten auszuhalten. Hier geht es nicht um Motivation. Nicht um Erfolgsgeschichten. Nicht um Tools, Hacks oder Fördermittel-Listen. KAPITAL.FEHLER analysiert, warum Unternehmensfinanzierungen scheitern, obwohl die Zahlen „schlüssig“ aussehen. Warum Businesspläne akzeptiert werden, die fachlich wertlos sind. Warum Excel als Profession verkauft wird. Und warum Risikomanagement in der Unternehmensfinanzierung fast überall fehlt – selbst dort, wo es besser wissen müsste. Thematisch geht es um: - Unternehmensfinanzierung und Liquiditätssteuerung - Corporate Finance und Kapitalstrukturen - Bankenlogik, Ratingverfahren und Risikobewertung - Fördermittel als Strukturproblem - M&A-Transaktionen und Finanzierungsfehler vor dem Closing Die Perspektive ist klar: nicht moralisch, nicht emotional, sondern strukturell. Zahlen werden hier nicht bewundert, sondern hinterfragt. Plausibilität wird nicht behauptet, sondern eingefordert. Wer einfache Antworten sucht, ist hier falsch. Wer Bestätigung will, auch. Wer glaubt, Finanzierung sei ein Rechenproblem, wird diesen Podcast nicht mögen. KAPITAL.FEHLER ist Analyse. Und Analyse tut manchmal weh.